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sollte Gott auf den Knien oafür danken, wenn das Volk noch seine Freudeund Erholung darin findet, die Gnadcnbilder und die Kreuze aufzusuchen,wenn cs unter freiem Himmel im Gebete sich über die Noch der Erde zuerheben sucht und man sollte wahrlich Alles aufbieten, um solchen Her-zcnsdrang zugleich zu wecken und zu regeln. So richte man denn die hin-sinkenden Kreuze wieder auf, welche an den Wegen und von den Berges-höhen herab den Christusglaubcn verkünden und in seinem Namen gleich-sam Besitz von der Natur nehmen; man stelle die Capcllchen her, welchein der Einsamkeit verlassen trauern und mache sie wieder zum Zielpunktder frommen Wanderungen der Umwohner; zugleich sorge man denn auchdafür, daß die Mißbräuche und Auswüchse ferne gehalten werden, von wel-chen Alles, was Menschen thun und streben, auch das Edelste nicht aus-genommen, stets bedroht ist.
Es gilt hier zugleich, ein Feld wieder anzubauen, auf welchem diechristliche Kunst die schönsten Blüthen und Früchte getragen hat; hier, undnur hier eröffnet sich der Weg, auf welchem dieselbe wieder in das Volks-leben zurückkehren kann. Keine andere als die religiöse Kunst entsprichtdem Jnstincte der Massen, der glücklicherweise nicht so leicht in die Irre zuführen ist, oder doch schneller seinen Schwerpunkt wieder findet, wie derrcflcetirendc Verstand der höheren Classcn. Der kunstbildende Trieb imVolke bedarf nur der Nahrung, um von der Erstarrung, in welcher er dar-niedcrliegt, zu neuem Leben zu erwachen. Wie die Lieder und die Märchen,so entquollen auch die Kunstgcbilde dem Herzen des Volkes; die großenMeister des 14 . und 15 . Jahrhunderts sind gleichsam nur die Gipfelpunkteweitverzweigter Höhcnzüge und Hügelketten, welche die Ferne unserem Augeentzieht. Wer Gelegenheit hatte, die von Rambour in Italien gesammel-ten Votivbilder zu sehen, welche er in den unscheinbarsten Kirchen undHeiligenhäuschen noch vorgefundcn, wird sich davon überzeugt haben, wiedie Kunst damals mitten im Leben stand und in den Hütten eifriger underfolgreicher gepflegt ward, als dermalen in den Palästen. In einigenLandstrichen, wie z. B. den Tyroler und Bayerischen Hochgebirgen, demSchwarzwalde, wo der academischc Mehlthau noch nicht alles Wachsthumertödtet hat, blüht diese Volkskunst in den Bildschnitzern noch fort, trotzaller Ungunst der Zeitverhältnissc und aller Verkehrtheit der herrschendenGeschmacksrichtung. Ja, allerwärts tauchen ab und zu aus den unterstenSchichten Naturen von hohem Berufe auf, welche, wie die Sachen jetztstehen, entweder aus Mangel an Nahrung verkümmern und als sogen.Tausendkünstler, oder aber, falls irgend ein Mäcen sich ihrer annimmt, inder höheren academischcn Carriore und den unwirthlichcn Regionen der Ab-straktion Saft und Kraft, überhaupt alle Eigenthümlichkeit einbüßen. Für