Druckschrift 
Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78

Orchesters ein und erbaut die Gemeinde im Geiste des musikalischen Fort-schrittes.

Die gewichtigsten Stimmen, insbesondere auch von Würdenträgern derKirche haben sich dahin ausgesprochen, daß diesem Unfuge ein Ende ge-macht werden muß. Gregor XVI. erließ in diesem Sinne unter dem 1 6. Aug.1842 eine Verordnung an die römischen Kirchen und der um diesen Zweigder Liturgie so hochverdiente Cardinal-Erzbischof von Mccheln E. Sterkrbedient sich in einem Dccrctc vom 26. April 1842 u. A. folgender Worte:Oanlus planus et lirmus, gm kreMi'j-mus dieitur, si rite clecentergusperagatur, a püs liominilms libeutius mulitur, et alteri, gui Imimonicusseu musious elicitur, merito praesertur. Illum igitur, ubi in usuest, omnino retineri, ubi abolitus est, restitui, koveri etplomoveri eupimus."

So sind also vor Allem die alten Traditionen wieder aufzunchmcn,und der Choral wie überhaupt die ächte Kirchenmusik überall dem Lebenzurückzugcbcn.*) Dadurch allein wird dem Eindringen des Unpassendenein haltbarer Damm entgegengesetzt. Aber auf welchem Wege kann diesgeschehen, welche praktischen Veranstaltungen sind zu dem Ende zu treffen?

Meines Erachtens muß zuerst in den bischöflichen Kirchen der strengritualische Gesang wieder zur vollen Geltung gelangen. Um dies zu be-wirken, genügt cs aber nicht, daß die betreffenden Priester ihn kennen; csmüssen vielmehr förmliche Pflanz sch ulen von Chorsängern gebildetwerden, in welchen sich wieder Traditionen firiren können.

Unter einer tüchtigen Leitung sollte man Knaben vom zartesten Alteran im Chorgcsangc cinübcn; das Beste aber wäre, eine Art von Dom-schulcn zu stiften, in welcher solche Chorknaben zugleich ausschließlich Un-terricht erhielten und zum Priester- oder Lchrcrstandc vorgcbildet werdenkönnten. Es wäre möglichst darauf Bedacht zu nehmen, daß diese Anstaltenein gewisser, auch schon äußerlich, wie z. B. in der Tracht, hcrvortretendcrkorporativer Geist durchdrängc; in ihm liegt die sicherste Gewähr gegenEntartung und Auflösung. Diese Chorschulen würden demnächst denKern einer umfassenderen Vereinigung zur Ausführung mehrstimmiger Kir-chencompvsttioncn bilden, deren die klassische Periode, besonders in denWerken Palästrina's und seiner Zeitgenossen, zum Theil im unmittelbarstenAnschluß an den gregorianischen Gesang, eine so reiche Fülle darbietet.

*> Auch jene kernhasten Lieder, welche durch Jahrhunderte in den Kirchen gesungenwurden, so daß sie zugleich den Charakter von Volksliedern annahmcn, sind zu Pflegenund zu sammeln, wie es z. B. Herr A. G. Stein durch das von ihm herausgegcbcneCölnische Gesangbuch" (Cöln, Bachein 1852) gcthan hat. Dieses so unscheinbare Buchbirgt einen reichen poetischen Schatz.