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Vorzugsweise sollten hierzu mehrstimmige Bearbeitungen des gregoriani-schen Chorals mit unverändertem oantus tirmns benutzt werden, wie die-selben, zum Thcilc unter dem Namen oanlus planus majoi-, seit dem Mit-telalter in vielen größeren Kirchen herkömmlich waren und noch in derpäpstlichen Capelle und einigen Hauptkirchcn Roms, namentlich für diePsalmodic, in Ucbung sind. Cine besondere Berücksichtigung nehmen diean den älteren sogen, ccmtiapunto alla mente sich anschließenden harmoni-schen Bearbeitungen in Anspruch, welche seit dem Ende des l 5. Jahrhun-derts, den Fortschritten der Harmonielehre entsprechend, besonders zu denPsalmcn-Jntonationen von guten Meistern componirt worden sind.*)
Sobald ein genugsam befähigter Chor hcrangcbildct ist, lasse man anFeiertagen einzelne sich dazu eignende Theilc des Chorals, z. B. die Psalm-odic, die Cantiken, die Hymnen mehrstimmig ausführen; auch sogen. Mot-tettcn mögen zugelasscn werden, aber nur beim Offertorium und nach derWandlung, wenn man nicht, der kirchlichen Vorschrift gemäß, von die-sem h. Augenblicke an, bis zum illator noster den Gesang völlig schweigenlassen will.
Als wie große Muster die Alten auch vor uns sichen, so liegt cs dochkeineswegs in meiner Meinung, daß ihnen sklavisch zu folgen sei; vielmehrist cs recht wünschenswert!), daß auch heutige Componisten sich ernstlichdiesem Zweige der Tonkunst widmen, jedoch nicht, bevor sic die Schule derAlten durchgcmacht haben. Neben dem technischen Vcrständniß muß abernicht minder aus die Pflege der durch die Töne gleichsam zu verkörperndenreligiösen Idee Bedacht genommen werden, wie denn auch das Christen-thum allererst der Menschheit die Wunder der Tonwclt erschlossen hat.Vor Allem aber sollte man nie aus dem Auge lassen, daß cs sich hier umeinen Thcil der Liturgie handelt, welcher dem individuellen Beliebenentzogen ist.
Nach dem Vorstehenden bedarf cs kaum noch der Bemerkung, daß derImpuls, falls er nachhaltig und durchgreifend wirken soll, von den oberenkirchlichen Autoritäten ausgchcn muß. Schon allein um deswillen ist dieserforderlich, weil der Erfolg wesentlich durch eine gründliche musikalischeErziehung der zum geistlichen Stande sich hcranbildcnden Jugend bedingtist. Haben wir uns erst einmal in das Wesen der Alten wieder hincin-gelcbt, so werden wir auch hier, wie in den übrigen Regionen des Kunst-
*) Es verdienen in dieser Hinsicht die von Bauer hcrausgcgebcnen „vierstimmigenPsalmcngesänge des ehemaligen Kais. Krönungsstiftes zu Aachen" (Bonn bei Henry undCohen 1847) erwähnt zu werden. Lange fortgcpffanzt durch mündliche Tradition wur-den leider dem Vernehmen nach in neuester Zeit gerade die ältesten Theilc dieser Kompo-sitionen zum Zwecke der Aufführung wesentlich alterirt, d. h. modernisirt!