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Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
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Herstellung des noch vorhandenen Alten; cs ist ein Jammer anzusehcn, inwelchem Zustande dcS Verfalles oft die kunstreichsten, ehrwürdigsten Gefäßesich befinden. Besonders gilt dies von den Rcliquicnschrcincn, die meistnebst ihrem Inhalte vom Rost und Staube förmlich verzehrt werden, fallsnicht ein industriöscr Küster sie hinter Schloß und Riegel verwahrt, um sicden Liebhabern gegen ein Trinkgeld zu zeigen. Selbst wo eine authentische Ur-kunde über die Acchthcit der Reliquien nicht vorhanden ist, erheischt schondie fromme Tradition eine gewisse Ehrfurcht vor Demjenigen, was ihr alsTräger dient. DieCritik", welche in Rom und Jerusalem unausgesetztaufräumt, und vor welcher vorerst nichts Gnade findet, was sich nichtschwarz auf weiß legitimsten kann, steht natürlich auch vor solcher Legiti-mation nicht stille: konnte doch, selbst die Bibel in ihrem Dcstillirapparatnicht Stich halten! Geweihte Gegenstände sind, wie überhaupt Alles, wassich an das Andenken Derjenigen knüpft, die für den Glauben gewirkt odergar geblutet haben, nicht für die bloße Schaulust da; wenigstens gewähreman den, wenngleich weniger gebildeten, so doch meist mit einem tieferenVerständniß von der Bedeutung der Sache begabten Andächtigen der Ge-mcinve in jedem Jahre einmal, etwa am Feste des Kirchcnpatrons, denAnblick der Schätze, und Merkwürdigkeiten, welche der Frommsinn ihrerVoreltern in die Kirche gestiftet hat. Früher, bestand die schöne Sitte, beifeierlichen Prozessionen alle solche Kostbarkeiten mit herum zu führen, wodann die Innungen und Bruderschaften, cino jede ihre besonderen Heilig-thümcr zur Schau trugen. Selbst die alten Evangelienbüchcr wurden nichtzurückgelasscn; daher die besonders reiche Ausstattung dieser Bücher aufderjenigen Seite, welche dem Volke zugekchrt ward.

Kann oder will man zu solchen Gebräuchen nicht ohne Weiteres zu-rückkchren, so sollte man doch mindestens in der zuvorgedachtcn oder einersonst passenden Art die denselben zum Grunde liegende Idee wieder zumBewußtsein zu bringen suchen.

Was die alten Gewandungen anbclangt, so fehlt es zwar nichtan guten Mustern,*) um so mehr aber an kunstfertigen Händen, welche

*> Schon die 1852 in Crefeld stattgehabte Ansstellung hat dies zur Genüge bewie-sen, wie verhältnißmäßig gering auch die Zahl der Kirchen war, welche ihr Contingentdorthin lieferten. Einen wahrhafte» Schatz von mittelalterlichen Kirchcngewändern be-wahre» der Dom zu Halbcrstadt und die Marienkirche zu Danzig, welche überhaupt, wieso manche andere den Katholiken entfremdete Kirchen seit der Glaubensspaltung, äußerlich,so zu sagen, stationär geblieben sind und daher auf das sorgfältigste studirt zu werdenverdienen. Neuerdings hat der Seidenfabrikant Herr Casaretto in Crefeld anerkennens-wcrthe Versuche gemacht, alte Muster nachzubilden und den Stoffen die frühere Soliditätwiederzugeben.