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Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
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störungswuth und der Habgier daran, das große Fidcicommiß unserer from-men Vorfahren zu vernichten, oder doch nach allen Richtungen der Wind-rose hin zu verschleudern. Noch bis auf den heutigen Tag wird die Igno-ranz der Kirchenvorstände von Spcculantcn ausgebeutct, welche allmähligAlles, was Kunstwerth hat, von den Chorbüchcrn an *) bis hinauf zu denRcliquiarien und Monstranzen, in die Museen und Kabinette, meist überden Canal wandern lassen. Für den Erlös wird dann die Kirche in Oclgesetzt oder irgend etwas von Gyps zu ihrer Ausschmückung angcschafft!Man kann sich denken, welche hohe Meinung John Bull von der Bildungund Pietät der solchergestalt sich selbst ausplündcrndcn Nationen hegenmuß. Wie viele Bücher, Gefäße, Gewänder u. s. w. eine Kirche auch ha-ben mag nie soll man ans Verschachern gehen, selbst wenn der Zweck,zu welchem es geschieht, an sich ein löblicher ist. Auf solchem Gclde ruhtkein Segen.

Wie bei allen anderen Kunstschöpsungen, wo es dem Dienst der Kirchegalt, so zeigt sich auch bei der in Rede stehenden Gattung, und zwar hiernoch in crhöhetem Maße, daß die Alten das Beste daran setzten, wassie hatten und kannten. Darum aber verloren sie nie den praktischenZweck aus den Augen, welchem der betreffende Gegenstand dienen soll.Sicht man doch beispielsweise in dem mit erhabener Arbeit und Edelstei-nen so reich auögcschmückten Rande des vom h. Bernward herrührcndcnPrachtkclchcs zu Hildeshcim ein Mundstück und in der dazu gehörendenPatcne eine glatte Bahn für die h. Hostie ausgespart. Ebenso hielt mandie Handhaben stets frei von umspringendem Schmucke; man übertrieb auchdas Gewicht und die Größe nicht, wie solches die Zopfzeit that, welchesogar Kirchcngcwänder dermaßen übcrlud, daß nur ein Riese sich frei darinbewegen konnte.

Die wahre Kunst bedarf, um sich zu entfalten, eines solchen Appara-tes nicht; im Kleinsten schon kann sic offenbaren, wes Geistes Kind sie ist,in jedem Punzenschlage, jeder Ciselur und Profilirung. Vor Allem istdazu erforderlich, daß die Meisterhand und nicht die Maschine allcrwärts sichbcmerklich macht. Wohin die letztere führt, dafür liefert jeder Gold- undSilbcr-Schmieds-Ladcn einen vollgültigen Beleg. Man kommt da oft un-willkürlich auf den Gedanken, daß die Zeichner aller der Sachen ihren Kunst-

*1 Sv wurden, um nur Ein Beispiel für Hunderte, ja für tausende, anzuführen, vorwenig Jahren noch aus einer der bedeutendsten Kirche» Cölns nicht weniger als 28 per-gamentene Chvrbücher, grvßcnthcils mit gemalten Initialen und Randverzierungen, füreben sv viel Thaler an einen Alterthumshändler abgelasscn! Besonders lebhaft ist nochimmer der Handel mit alten Kirchenspitzcn, die nach und nach aus den Sacristeicn aufdie Bälle wandern zu sollen scheinen, während die Baumwolle in Erstere einzieht.