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Die Beichtstühle bieten für die künstlerische Behandlung eher mehr alsweniger Schwierigkeiten dar, besonders wenn man darauf ausgcht, etwasrecht Schönes, Augenfälliges zu machen und das Möbel mit dem Styleder Architektur im Einklang zu bringen. Das zuvor hinsichtlich der Formder Stühle Gesagte kann auch hier im Allgemeinen zur Richtschnur die-nen. Es gibt eine verständige, eben so weit von Plattheit, als von Prunkentfernte Einfachheit, die hier erstrebt werden sollte, da ein Beichtstuhl,seiner ganzen Einrichtung nach, ästhetisch sehr unfügsam ist. Ucbcrhauptist die Anspruchslosigkeit weit weniger in Gefahr, sich zu verirren, alsdie stets auf einen gewissen Effect bedachte Absichtlichkeit, der kein Zoll-breit sich entziehen kann, auch in der Kunst darf die Schönheit sich nichtaufdrängcn; sie muß sich aufsuchcn lassen. Insbesondere mögen sich dasauch die Neugothikcr merken, die uns aller Orten mit ihren Fialen, Bo-sen, Drei- und Vierpässen verfolgen und ganz glücklich sind, wenn sie ir-gendwo einen gothischen Schnörkel anbringcn können; cs ist das dersicherste Weg, aller Welt einen Widerwillen gegen die Sache einzuflößenund das Wiedcraufkommcn des Aechten und Rechten für immer unmög-lich zu machen.
Zuweilen ist es thunlich, die Beichtstühle in nähere Verbindung mitder Architektur zu setzen, sie gleichsam damit zu verschmelzen, indem manZ. B., falls die Strebepfeiler in die Kirche hercingezogen sind, den Raumzwischen denselben dazu verwendet, wie cs u. A. Pugin in der St. Georgs-kathcdrale zu London gethan hat. Immer sorge man dafür, daß die Beicht-stühle die Gänge nicht versperren, überhaupt sich möglichst isolircn.
Das kleinere Kirchengcräthe, zu welchem wir uns nunmehrwenden, nimmt noch zartere Rücksichten in Anspruch, als das große, wenn-gleich es nicht so sehr in die Augen fällt. Erstens steht meist in nähererBeziehung zu den heiligen Handlungen und den Mysterien, cs wird daherauch einen idealeren Charakter an sich tragen, sich in höherer Freiheit ent-falten müssen?)
Wie wenig von den unübersehbaren Kostbarkeiten, welche die Schatz-kammern und Sacristcien der Kirchen vormals bargen, ist auf uns gekom-men und dies Wenige — in welchem Zustande befindet es sich! DieUnwissenheit und die Neucrungssucht arbeiteten gemeinschaftlich mit der Zer-
*> Ein sehr empfehlenswerthes Werk über altes Kirchengeräthe giebt unter dem Titel:ätirchenmöbel und Utensilien aus dem Mittelalter und der Renaissance in den Diözesen Cvln,Trier und Münster — der Architekt C. W. Schmidt zu Trier in eigenem Verlage her-aus. Bis jetzt sind 1t Tafeln in 2 Lieferungen, groß Folio Format, erschienen. Auchdie so schätzbaren und einflußreichen „ännales arcbeoloZigues" von Didron in Paris ent-halten eine große Zahl trefflicher Muster.