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geführte Stiftsvicar Jacob Müller (oap. VII) in seiner treuherzigen Weise.Aller jener Rücksichten ungeachtet, hat auch dieser so sinnvolle Schmuck demDrange nach freier Aussicht, oder, richtiger gesagt, nach Leere weichen müs-sen. Man findet wohl zuweilen in irgend einem Winkel einer alten Kirchenoch ein solches Crucifir im Staube begraben und thut dann wahrlich gut,dahin zu wirken, daß cs wieder von seiner ursprünglichen Stelle aus denTriumph des Kreuzes über den Tod verkündet. Aber auch in einer neuenKirche sollte das Triumph kreuz nicht fehlen; befindet sich ein Lettnerdarin, so kann man cs, wie früher, an demselben befestigen und darüber,etwa noch mit Maria und Johannes zur Seite, emporragcn lassen; ande-ren Falls läßt man cs vom Triumphbogen hcrabhängcn, so daß es unge-fähr in der Mitte des Bogens schwebt. In manchen Kirchen, besonders insolchen, welche der Muttcrgottcs gewidmet waren, hing statt des Triumph-kreuzcs das Bild derselben, meist von einem Rosenkränze umgeben auf einemhalben Monde siebend, vom Triumphthore herab und zwar ein Doppelbild,so daß cs vom Chore und vom Schiffe aus in gleicher Weise gesehenwurde. Ein treffliches Muster dieser Art modert neben einem noch älterensitzenden Muttcrgottcsbildc von Holz in der Crypta des Paderborncr Do-mes, wohin cs wahrscheinlich um dieselbe Zeit verbannt ward, als der nun-mehrige bombastische Hochaltar den ausgezeichnet schönen gothischen ausStein in das Seitenschiff verdrängte — hoffentlich nicht für immer!
Die Kanzel, früher im Wesentlichen durch den Ambo, auch wohldurch den Tragstuhl (lalclistorium) vertreten, ward erst im späteren Mittel-alter cingcführt und fand ihre Stelle in der Nähe der Chorschrankcn (oan-colli, woher der Name). Einen romanischen Typus gicbt cs denn auchnatürlich nicht. Sie ist von Stein oder ungeschminktem Eichenholz anzu-fcrtigcn. Um hinsichtlich der Form nicht in geschmacklose Willkür zu gcra-then, wie solches z. B. bei den weltberühmten belgischen Kanzeln, überhauptfast bei allen aus den zwei letzten Jahrhunderten der Fall ist, befolge man dasstreng geometrische Constructionösystem der alten Steinmetzen, welche meistdas Achteck zum Grunde legten. Es ist unpassend, die Kanzeln nach Artder Schwalbennester an die Wand zu hängen; am geeignetsten ist cs wohl,wenn sic in verschiedenen, sich auseinander entwickelnden Polygonen kelch-artig vom Fußboden aufstcigcn und oben mit Feldern umgeben sind. Jenach den Mitteln, welche man zu verwenden hat, können auch, namentlichin den cbcngcdachten Feldern, figürliche Darstellungen angebracht werden,wie z. B. die Evangelisten oder die Kirchenlehrer, am Fußgestell ein Löweoder ein sonstiges Ungcthüm, die Macht des göttlichen Wortes über dieDämonen, das Böse symbolisircnd, so jedoch, daß stets eine gewisse Bczie-