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Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
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Wesens, ist dieses Bildungsgcsctz doch wieder so wunderbar complicirt undelastisch, cs bietet so viele Combinationen und Entfaltungen dar, daß aneine Erschöpfung nicht zu denken ist, so lange man nur den Prin-zipien treu bleibt. Aber auch jetzt schon sollen wir nie vergessen, daßein Kunstwerk kein Schulpensuin ist: ohne Freiheit und Leben keine Kunst,und ist cs vdc Pcdantcrci, wenn man uns z. B. einschärft, für eine imStyle des l 3. Jahrhunderts gebaute Kirche ja kein Gcräthe anfertigen zulassen, welches an das 14. oder 15. Jahrhundert erinnert. Mit solchen eng-brüstigen Doetrinen kommt inan ganz gewiß nicht weiter.

Niemals entferne man blos um deswillen ein Gcräthe aus der Kirche,weil cs zum Baustylc derselben nicht paßt, cs sei denn ein modernes, daes unserer Zeit allein Vorbehalten geblieben ist,' mit dem Kirchcnstyle ab-solut Unverträgliches zu schaffen. Unter allen Umständen greift die RegelPlatz, daß die Ausstattung der Kirche sich von der Ausstattung der Wohn-häuser und sonstiger Prvfangcbäude überall unterscheiden,*) daß alles Ge-wöhnliche, Triviale aus erstcrer ferne gehalten werden muß. Der Kirchegebührt daö Typische, durch und durch Acchtc; sie steht erhaben über denSpekulationen der Industrie und den Launen der Mode; daö Zeitalter derMaschinen und desComforts" hat ihr keine Bildungen zu bieten. ImMittelalter, wo Kirche und Staat sich wechselseitig durchdrungen, aufgleicher Grundlage ruhetcn, war eine Einheit der Kunst möglich; allesWeltliche erglänzte im Widerschein der Kirche. Möglich, daß die Klufteinmal wieder ausgcfüllt werde vielleicht mit Schutt und Trümmern! derzeit aber besteht sic noch und kann nicht ignorirt werden. Ehermöblire man unsere Kirchen bäuerlich als bürgerlich; nichts widerstrebtmehr dem feierlichen Ernste des Gotteshauses, als der in der sogen, gebil-deten Classc herrschende Geschmack diese Lurus-Heuchclci, dieses Durch-

- Und letzlich mit wenigem zn vermelden, solle die ganze Kirch also rainund sauber gezicrct und zugcpusict sein, daß die guthcrtzigcn Christglänbigen lcichtlichmögen erkennen, daß diß ein Bctthaus und »it ein Kauffhauß oder Mördergruben sehe."Also ein interessantes Büchlein, in welchem noch die mittelalterlichen Traditionen nachklin-gcn, wenngleich im Allgemeinen die ans Italien und Frankreich hcrübcrgckommene Re-naissance sich darin geltend macht. Der Titel der selten gewordene» Schrift lautet: ,,Kir-chcngeschmnck, das ist: Kursier Begriff der fürnembstcn Dingen, damit eine jede recht undwohl zugerichtcte Kirchen geziert und anffgebutzt sehn solle, allen Prclatcn und Pfarrher-rcn durch das ganze Bistumb Regensbnrg sehr nothwendig. In Lateinischer und Deut-scher Sprach sammt bchgcscßten etlichen schöne» Figuren. Geschrieben durch Herrn JacobMüllern, der H. Schrifft Döctorcn und wolcrmeltcr hoher Stifft Rcgcnspurg von Bcipst-lichcr Hehl: verordneten Vicarium u. s. w. Gedr. zu München bei Adam Berg. 159 l.l<!8 S. 1- Das neueste und reichste Werk über den Gegenstand ist: Il>. Ilmg, Örkevrerie etuuvrages en metul ,ln mozwn tcgc. Kruges 1852 mit Abbildungen ans 109 Tafeln in gr. Folio-