Druckschrift 
Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
 

53

!

so trefflich zu den einfachen, männlichen Architckturformen paßt, wurdengroße Scheiben mit kunstvoller Bemalung cingcführt; das kraftvolle Rip-pcnwerk aus Blei verschwindet mehr und mehr; die architektonischen Motivewerden bis zum Barocken phantastisch; die sorgfältig modellirtcn Figurengruppircn sich malerisch und gefallen sich, so zu sagen, in dramatischenAttitüden. Die gelben und hellgrünen Töne nehmen immer mehr überhand,überhaupt verlieren die Farben durch Nüancirungcn ins Unendliche ihreKraft; perspektivisch gehaltene Hintergründe, Landschaften und Gebäude er-scheinen, mit Einem Worte: die Anarchie, welche die sogen. Renaissancein die christliche Baukunst brachte, spiegelt sich auf die entschiedenste Weisein der damaligen Glasmalerei ab. Wie verkehrt aber auch, dem Principenach, dieser im Verfolge an Kraftlosigkeit Hingeschiedene Styl gewesen seinmag, immer noch bleibt er durch die darin waltende Technik und den Glanz,welchen er ausstrahlt, wahrhaft bewundernswert!), während die naturalisti-schen Transparcntbildcr unserer Zeit, mit seltenen Ausnahmen, wozu bei-spielsweise die Seitens des Königs von Baicrn dem Kölner Dome geschenk-ten Fenster zu rechnen sind, nur die Fehler, nicht aber die Vorzüge der inRede stehenden Kunstpcriode an sich tragen und nicht einmal als sogen.Effcctüücke in Betracht kommen, können. Hier, wie bei der Wandmalerei,hat man sich vor Allein die großen fundamentalen Principien zu vergegen-wärtigen, hinsichtlich der Ausführung aber an die alte Weise wieder anzu-knüpfen und ohne alle künstlerischen Prätcnsionen in die Fußstapfcn jenerMeister zu treten, deren traditionelles Geschick eine bessere Gewähr für dasGelingen darbvt, als die raffinirteste Doctrin sic jemals zu geben imStande sein wird. Solchergestalt wird es möglich, der Glasmalerei wiederjene allgemeine Anwendung zu geben, welche sic im Mittelalter gefundenhat: dieser Schmuck aber ist der Heiligenschein, die Verklärung der christlichenBaukunst, durch welchen sie allererst den Charakter der Vollendung erhält.

Es reichen übrigens, bei richtigem Vcrständniß, schon vcrhältnißmäßiggeringe Mittel aus, um ganz erträgliche Farbcnsenstcr herzustcllen, da far-biges Glas nicht viel theurcr ist, als gutes weißes und das Malen undBrennen einfacher Muster einen großen Aufwand nicht erfordert*), die An-

*> Einen praktische» .Beweis für das oben Gesagte liefert bereits die Glasmalerei-Anstalt des Hrn. Baudri, Herausgebers desOrgans für christliche Kunst" in Cöln.Namentlich sind die für eine, von L. Statz erbaute gothische Capelle des Hrn. Jansen, inder Nähe von Cvl» an der Straße nach Zülpich, in dieser Anstalt gefertigten Farbenfcn-ster zu erwähnen. Im Schlnßfenstcr ist eine Muttergottes, sitzend mit dem Kinde, darge-stellt; in den übrigen Fenstern sieht man lebensgroße Engel, Sprüche haltend. Die vonA. Rambvnr, Conservaivr des städtischen Museums, entworfenen Zeichnungen bekundendessen Vertrautheit mit den großen alten Mustern und Meistern.