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Selbst bei einem Backstcinbaue, sofern derselbe irgend sorgfältig aus-gemauert ist, bedarf cs, wenigstens für die Wandflächcn, eines Mörtelbe-wurfcs nicht. Man fuge nur die Steine aus und putze allenfalls die Lai-bungen und das vortrctcnde Gliederwerk ab, um cs mit Laubgcwinde odersonst passenden Verzierungen zu schmücken. Ucbcrhaupt sind monotone Flächenmöglichst ferne zu halten; kann man die Wände und Gcwölbkappen nichtreicher ausstattcn, so zeichne man lieber Stcinfugcn auf den Putz, als daßman Alles mit einer und derselben Farbe überzieht. Wo durch später auf-gelegte Tünche oder Oclfarbe der Haustein unsichtbar geworden, entferneman besagten Kleister. Zu diesem Zwecke eignen sich hölzerne Werkzeugeam besten, jedenfalls sollte man sich niemals metallener bedienen, wennzarte, untcrhöhltc Sculpturcn zu reinigen sind. Die Kathedrale zu Autunist z. B. ihrem ganzen Umfange nach mit Werkzeugen von hartem Holzeenttüncht worden; in den meisten Fällen reicht sogar das bloße Abwaschenvollkommen aus, und zwar, wo Oelfarbe zu beseitigen ist, mit einer Auf-lösung von amerikanischer Pottasche, wovon etwa ein Pfund auf eine FlascheWasser kommt.*) Wenn bei einer Enttünchung alte Wandmalereien zumVorschein kommen, so nehme man die Kalkschichte in der Art fort, daßman dieselbe mittelst eines Schwammes leicht mit heißem Wasser anfcuch-tct, wobei indcß selbstredend mit der größten Vorsicht zu verfahren ist, da-mit nicht die Malerei darunter leidet. Zuweilen läßt sich gedachte Schichteauch schon durch leises Aufklopfcn mit einem hölzernen Hammer entfernen.Solche Operationen sind freilich unter Umständen harte Geduldsproben;allein sie lohnen sich stets und die Liebe zur Sache wird nicht davor zurück-schrcckcn. Um sich denselben nicht unterziehen zu müssen, beeilt man sichindeß meist lieber, alle Spuren solcher Entdeckungen möglichst gründlichauszutilgcn, damit die Archäologen nicht dahinter kommen und vielleichtgar gegen das Auswcißcn der Kirche Protest Anlegen.
Sind die aufgcdecktcn alten Wandmalereien der Art, daß sie noch einGanzes bilden oder als solches hcrzustcllen sind, so müssen sie erhalten wer-den; in keinem Falle zerstöre man dieselben, ohne vorher Sachverständigedarüber zu Rache gezogen zu haben. Ist vielleicht auch zur Zeit eine geeigneteHerstellung noch nicht zu bewirken, so wird dies doch voraussichtlich nichtimmer so bleiben, da Alles aufgcboten werden muß, um die monumen-tale Malerei wieder in Aufschwung zu bringen, so daß, wie vor Zeiten,
*) Die Steinkäuze! im Straßburger Münster, deren wunderbares Figurenwerk imOelkleister so zu sagen untergegangcn war, ist thcilweise unter meine» Augen solcherge-stalt in ursprünglicher Reinheit wiederhergestellt worden. Die Auflösung wird mit einemPinsel so oft aufgetragen, bis die Kruste sich erweicht und abgeht.