Druckschrift 
Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

47

durch diese Methode positiv zu Grunde geht, wie nicht selten die letztenSpuren von Wandmalereien, bei denen tiefe Frömmigkeit und ächtkünst-lerisches Verständniß den Pinsel geführt, für immer verschwinden, wie diecharaktervollsten Sculpturcn bis zur Unkenntlichkeit verschmiert werden, wiejene, durch die Zeit aufgelegten unbestimmten Farbcntöne, die alle Formenadeln und den perspektivischen Effect so sehr erhöhen, unter dem Lcichcn-tuche verschwinden, welches der Tüncher darüber ausbreitct, so begreift .man in der That kaum, wie cs möglich ist, daß gegen ein solches Ver-fahren noch geeifert werden muß, und uoch weniger, daß bisher allesEifern, seiner Wirkung nach, nicht viel mehr als ein Predigen in derWüste war.

Auch hier also gilt das: in clulüo alistine! Besonders aber enthalteman sich der Tünche und Oclfarbe. Sobald man einmal damit beginnt,ist das Ende schwer abzuschcn; gegen das blendende Weiß und den Fctt-glanz stechen die alten Holz- und Eiscnsachen so sehr ab, daß man derVersuchung nicht widerstehen kann, auch an ihnen nach und nach die Tün-chcrquastc ihre kosmetischen Künste üben zu lassen; alles irgend Schadhafte,dem man solchergestalt den Anstrich der Neuheit nicht füglich geben kann,muß weichen oder wird'kümmerlich ausgcflickt, das Ursprüngliche, Acchteist nirgendwo mehr zu unterscheiden.

Am sichersten wird man gehen, wenn man sich so viel wie möglich indie Zeit der Errichtung des Baues zurückversetzt und seine damalige Erschei-nung sich als Richtschnur dienen läßt. Jur Allgemeinen kann man mitSicherheit annchmen, daß ein aus Haustein errichtetes Werk diesen Steinin seiner Natur sich zeigen ließ, falls nicht etwa eine künstlerische Be-malung stattfand. Den alten Steinmetzen wäre, cs wahrlich nicht einge-fallen, so scharfe Kanten und hcrvortretende Zierrathen mit aller Sorgfaltauszumcißcln, wenn gleich darauf mittelst eines tcigartigen Uebcrzuges ihreMühe und Arbeit hätte zu Schanden gemacht werden sollen. Geht derHaustein nicht überall durch, so bringe man das übrige Mauerwcrk mit deinTone desselben möglichst in Ucbercinstimmung, was in vielen Fällen, nament-lich wo Sand- oder Tuffstein angcwcndct ist, am besten so geschieht, daßman die Hausteine zu Sand zerreibt und diesen in den Kalk mengt, wodurchdenn alle Tünchcrci und alles Suchen nach einem Stcintone sich von selbstbeseitigt. Sind verschiedenfarbige Steine in regelmäßigem Wechsel, oder garSäulchen u. dgl. von hervorstechender Farbe vorhanden, so darf letztere inkeiner. Weise altcrirt werden, auch auf die Gefahr hin, daß cs zu demGanzen nicht ffv recht stimmt. Um dieseStimmung" ist cs überhaupteine sehr bedenkliche Sache; in der Regel fällt sie mit Eintönigkeit undCharakterlosigkeit zusammen.