Druckschrift 
Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

45

der Mauern, oberhalb der Fundamente wird häufig schon Abhülfe gewäh-ren. Vielfach findet sich auch im Inneren alter Kirchen eine Aufhöhungdes Bodens, indem man um der Bequemlichkeit willen eine nothwcndig ge-wordene neue Bcpflastcrung stets auf die alte legte. Hier ist cs in den meistenFällen das Beste, das ursprüngliche Niveau und wo möglich auch die ur-sprüngliche Beplattung, wovon in der Regel noch bedeutende Reste vor-handen sind, sofern sie durch Dessins u. dgl. einen künstlerischen oderarchäologischen Werth hat, wiederhcrzustellen. Derartige Arbeiten sind be-sonders aufmerksam zu überwachen, da sie häufig zu interessanten geschicht-lichen Aufschlüssen führen, Gräber, Substructioncn u. dgl. dabei zu Tagekommen, welche sorgfältig untersucht und erhalten oder doch jedenfalls ge-nau beschrieben werden müssen, wenn etwa die Erhaltung unmöglich seinsollte. Es ist räthlich, zu solchen Arbeiten stets Sachkundige zuzuzichen,.da äußerlich ganz unscheinbare Gegenstände, wie z. B. Münzen, Trümmervon altem Geräthe oder Bildwerk, ja selbst nur eben behauene Steine,welche bei derartigen Veranlassungen gefunden werden, leicht die wichtigstenhistorischen Anknüpfungspunkte darbietcn. Als der Zopf in voller Blüthestand und ein förmlicher Wetteifer herrschte, allesAltfränkische" abzuthun,oder doch mindestens mittelst Puder, Schminke und Schönpflästerchen mög-lichst zu verjüngen, machte sich ab und zu doch noch ein Rest von Pietätund Schamgefühl in der Art geltend, daß man die Trümmer des Zerstör- ,ten, besonders wenn dasselbe unmittelbar zu gottesdienstlichen Zwecken ge-dient hatte, in der Kirche, und zwar meist vor dem Hauptaltare, begrub.So resolut wie das Kölner Domkapitel, welches das wunderbar schöneSacramcntshäuschen direct aus dem Dome an den Rhein bringen und indessen Tiefe versenken ließ, waren nicht alle glcichstrebendcn Behörden. DasCapitel zu Chartres erwies z. B. dem Stein-Lettner seiner Kathedrale, alses denselben abbrach und durch ein eisernes Schnörkelgitter ersetzte, in derzuvorgcdachtcn Weise die letzte Ehre. Bei der jüngst stattgchabten Restau-ration dieser Kirche fand der Architekt Lassus noch so viel Ucbcrrcste desherrlichen Werkes unter dem Fußboden vor, daß man aus denselben, wiesch zur Zeit in der Krypte ausgestellt sind, auf dem Papiere wenigstens,das Ganze reconstruircn kann. Achnliches kommt nicht selten vor; die imVolksmunde sortlebcnde Tradition weist mchrenthcils auf die rechte Spur,die man zu verfolgen hat.

Zuweilen wird cs von großem Nutzen sein, dem Pflaster eine neue,durchaus trockene Unterlage zu geben. Wenn die Feuchtigkeit bereits in denWänden scststtzt, müssen natürlich energischere Mittel zur Anwendung kommen,sei es nun, daß man die Mauern frisch ausfugt, oder daß man dieselben stellen-weise ganz erneuert, wo denn besonders auf treffliches Material, reines Wasser,