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Je mehr die Restauration sich ins Kleine verbreitet, desto schwerer wirdes, sie gehörig im Zügel zu halten. Es kostet da vcrhältmßmäßig so wenigGeld und Mühe, daß die Verlockung gar groß ist, vor Allem dem eigenenGcschmacke die Ehre zu geben; und man ist um so weniger geneigt, dieserVerlockung Widerstand zu leisten, als die getreue Herstellung anscheinendunbedeutender Dinge meist auf allerhand Hindernisse, besonders technische,stößt. Hier aber findet das „prineipiis oksta" seine volle Anwendung:hat man einmal irgendwie den breiten und bequemen Weg der Pfuschereieingeschlagcn, so ist kaum noch wieder in das rechte Geleise zurückzukommen.Fehlt ein Glied oder ein Detail, wie z. B. das Sprossenwcrk eines Fensters,eine Kreuzblume, eine Fiale, so hüte man sich ja so lange wie nur immermöglich davor, bei irgend einem Kupferwcrkc, oder gar der eigenen Phan-tasie sich Raths zu erholen; man sehe sich vor Allem auf das sorgfältigstenach den noch vorhandenen Anhaltepunkten um, und in deren gänzlicherErmangelung nach ähnlichen Bauwerken in der Umgebung und aus dersel-ben Stylpcriode. Bei dem Abbruche von Mauern hat man sorgsam aufAlles das Auge zu richten, was etwa von einem früheren Baue herrührcn,oder doch Licht auf die Geschichte des gegenwärtigen werfen könnte.Uebcrhaupt sollte weder ein Abbruch noch eine Restauration stattfindcn,ohne daß zuvor das vorhandene Unbewegliche gezeichnet, das Beweglichegenau invcntaristrt, während der Arbeiten aber alle Fragmente notirt undunter sichern Verschluß genommen werden. Fast jeder behauene Stein, jedesStück aus Metall, Holz oder gebranntem Glase, was aus einer altenKirche stammt, hat einen gewissen Kunstwcrth und ist überdies meist ganzgut zu gebrauchen. Es ist bereits oben gesagt, und soll hier nur daraufhingcwicscn werden, daß jedes Material seine besondere Formgebung ver-langt, und daß daher, unter Beibehaltung derselben Form, nie ein Mate-rial dem andern substituirt werden darf, daß aber das Gußeisen zu keinerpaßt, sonach aus dem Kunstgcbietc schlechthin zu verbannen und dem ordi-närsten Industrialismus zu überantworten ist. — Dasselbe gilt, wo mög-lich in noch höherem Grade, von allen künstlich fabricirten Steinen undzwar selbst abgesehen von jeder Rücksicht auf Dauerhaftigkeit.*) Aber auchdie Art der Bearbeitung ist von Wichtigkeit, indem die Ausführbar-keit eines Entwurfs, oder doch die Kostspieligkeit der Ausführung großen-
*> Die in öffentlichen Blättern vielfach gerühmte „künstliche Steingießcrei" vonEgells und I. Fischer in Berlin kündigt an. daß sie Gesimse mit und ohne Arch tektur,künstliche Felsen und was alles dergleichen fabricire. Unter andern ist aus dieser Anstaltein Taufstein im gothischen Style von einer grünlichen Marmormassehervorgegangen, dessen Spottwohlfeilheit besonders gerühmt wird. Hoffen wir, daß dieLirchen wenigstens zu solchem Bettellurus nicht herabsteigen werden.