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Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
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Um Zusammengehöriges nicht auseinander zu reißen und Wiederholun-gen möglichst zu vermeiden, sollen hier nur die allgemeinsten Grundzügedes Baues, als Ganzes betrachtet, angedcutct werden und das Einzelnedem nächstfolgenden Capitcl, so wie dein über die innere Anordnung undAusstattung der Kirche handelnden Vorbehalten bleiben.

Eine reiche Quelle von Verlegenheiten für unsere classisch gebildetenArchitekten sind die Kirchthürmc, da das Hcidenthum dazu keine Vor-bilder liefert. Man läßt sie daher am liebsten ganz weg; das ganze Stre-ben unserer Zeit zielt ja ohnehin nicht in die Höhe, sondern in die Weiteund Breite; geht dies aber nicht an, so stellt inan sic unter Bezug-nahme auf die italienischenBasiliken" isvlirt neben die Kirche hin undbildet sie, indem may so und so viel würfelförmige Stockwerke aufeinandcr-schichtct, oder man führt eben vier, von Schalllöchern durchbrochene, senk-rechte Mauern bis zu einer gewissen Höhe über das Kirchendach hinauf.Die beliebteEinfachheit" mag dieser Methode nachzurühmen sein; auf So-lidität und Schönheit aber muß man dabei ein- für allemal verzichten.Nach den Grundsätzen des christlichen Baustylcs sollen die Thürme einorganisch entwickeltes Pfeilersystcm sein, dessen Pyramidale Tendenz sich schonin den unteren Gcschossen'zu erkennen giebt. Auch hier muß, wie an derKirche überhaupt, das Princip der Gliederung, Auflösung und Durch-brechung der Massen bei constructivcr Einheitlichkeit, so weit solches über-haupt die Mittel gestatten, sich geltend machen. Wo letztere nicht sehr be-deutend sind, errichte man nur Einen Thurm und fehlt es auch dazu anGeld, einen Dachreiter, und zwar ist cs immer besser, mit dem Wenigensich zu begnügen, es aber in seiner Art vorzüglich zu machen, als einengroßen Anlauf zu nehmen und inmitten der Bahn hinter den Athcm zukommen. Wie mancher Kirchcnbau hat nicht schon an seinen zwei Thür-mcn Bankerott gemacht!*) Ein kräftig entwickelter, hochragender Thurmbringt ohnehin einen unvcrhältnißmäßig bedeutenderen Eindruck hervor, in-dem er dem ganzen Baue auf das Entschiedenste die pyramidale Tendenz, denCharakter des Aufstrcbens und Culminircns verleiht, welchen der in einemThurm paare liegende Parallelismus der Art abschwächt, daß nothwcndigwieder mit einem Centralthurmc über dem Durchschnittsfcldc des Kreuzes

*1 Leider verlangt das Concurrenz-Ausschrciben für die in Wien zu erbauende Vo-tivkirchc auch, außer einem befremdlichen Doppel-Einbaue in das Chor, zwei Thürme.Man wird diesen Lurus sicherlich später zu bereuen haben. Handelt es sich doch um keineKathedrale, der man es gleich thnn zu wollen scheint, wie denn überhaupt so Vieles dar-über zu Grunde geht, daß man sich nicht zu begränzcn, zu bescheiden weiß, daß man überdie Mittel hinaus, über welche man zu verfügen hat, imponircn will.