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so leicht keine Noth. Bis jetzt war cs crfahrungsmäßig immer nur einTrostwort für die Unfähigkeit, daß jene „finstere Zeit" überwunden sei, daßdie unsrigc höhere Bedürfnisse habe und daher nach anderen Mitteln zu ihrerBefriedigung sich umthun müsse, oder wie die hohlen Phrasen sonst lauten.Am allermeisten nehme man sich aber vor den Erfindern neuer Baustyle inAcht, wenn sic ihre Wunderwerke in Eisen oder sonst einem „zeitgemäße-ren" Materiale als der Stein ist, aufzurichten gedenken.
Man wird vielleicht cinwcndcn, daß Vieles, was dem gothischen Stylecigenthümlich ist, doch als Aeußcrung des individuell mittelalterlichen Ge-schmackes zu betrachten sei, der, wie jeder Zeitgeschmack, auf Bestand keinenAnspruch habe, und zu unseren Verhältnissen nicht mehr Passe. EtwasWahres mag dieser Einwendung zum Grunde liegen; allein das Wesender Sache berührt sie nicht, zumal in Betreff gottesdienstlicher Gebäude,die ihrer Natur und Bestimmung nach dem Wechsel der Mode eben Trotzbieten sollen. Man zerlege eine gothische Kirche bis in ihre feinsten Ein-zelheiten und man wird in der Structur überall auf geometrische Figuren,in der Ornamentik auf freie Nachbildungen einheimischer Pflanzen stoßen,in oberster Reihe endlich der im Lichte der Verklärung strahlenden Menschen-gestalt begegnen. Ich wüßte nun aber nicht, daß der Drei- und Vicrpaß,die Rosette und die Pyramide, daß die Blätter des Eichbaums -und derWinde sich überlebt hätten, oder daß die Heiligen Gottes der Kirche ent-fremdet wären, daß sie jetzt weniger Anspruch auf unsere Verehrung hätten,als jemals früher. Jede rein zufällige oder ungehörige Beimischung wirdübrigens schon von selbst durch den natürlichen Lcbcnsproccß der Kunst,wenn ein solcher sich nur erst einmal wieder cinstellt, ausgcschicden werden.In dem praktischen England, auf welches hinzuweiscn sich noch mehr Ge-legenheit finden wird, hat denn auch der frühgothischc („Karl;' euglisll")Styl, mit seinem klaren, kraftvollen Organismus, seinen lanzetförmigenFenstern und seinen hohen, bis zur Helmspitze hinauf aus Stein Hinge-richteten Thürmcn bereits wieder das volle Bürgerrecht erlangt und dieProbe trefflich bestanden. Nur die englischen Holzbcdachungcn des Inne-ren, die jenseits des Kanalcs von jeher gebräuchlich geblieben sind, wolleman nicht gleichzeitig zum Muster nehmen; die Steinwölbungcn sind inmehr als Einer Beziehung ein entschiedener, wirklicher, unbedingt fcstzuhal-tcnder Fortschritt. Hier mögen die Engländer, wie in Allem, was harmo-nische Durchbildung betrifft, auf den Kontinent lernen kommen. — Es giltalso, um das vorstehend Entwickelte kurz zusammcnzufasscn, die Gesetze undTraditionen der großen mittelalterlichen Kunst wieder zu unserem Bewußt-sein zu bringen und zu verkörpern, indem man das dreizehnte Jahrhundertals Ausgangspunkt nimmt. In technischer Hinsicht studiere man zu die-