Druckschrift 
Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

welche sie auf dem praktischen Wege erlangt haben. So lange das plumpeaufs GcradewoHlbaucn und die principlosc Stylmengerei an der Tages-ordnung bleiben, ist nach dieser Seite hin, aller chemischen Analyse zumTrotz, kein Heil zu erwarten. Nicht minder wichtig, als die Qualität, istdie Behandlung des Materials. In Betreff dieses Punktes merke mausich z. B., daß der Verband und das regelmäßige Altcrnircn der Fugenvom wesentlichsten Einflüsse auf die Stärke und Standfähigkeit der Mauernist, daß man Consolcn und Binder nicht erst nachträglich in den Maucr-körper cinsügen darf, daß nur Backsteine von ganz guter Qualität sichohne Nachthcil behauen lassen, daß bei Backstcinbautcn zu Schlußsteinen derSpitzbogen Hausteine zu nehmen sind, daß mit dem AuSfugcn nicht zu frühvorgcgangcn, daß der Mörtel, wie er aus der Grube kommt, ohne Zusatzvon Wasser verwendet werde u. dgl. m. Die Erfahrung lehrt nur allzu-sehr, daß solche Winke keineswegs überflüssig sind: wie die Kunst, und inihrem Gefolge, ist auch das Handwerk aus dem Geleise gekommen.

Aber in welchem Style soll die Kirche errichtet werden? Gegen den, vorwenig Jahren noch von den Akademien präconisirten und patronisirtenantikcn"Styl nach dorischer, jonischer oder korinthischer Säulenordnung braucht man zurZeit Gott Lob! eben so wenig zu warnen, wie gegen den eigentlichenPerückcnstyl, und zwar gegen letzteren schon um deswillen nicht, weil unsreArchitekten wie unsre Handwerker sehr wohl fühlen, daß sie ihm, in seinerAechtheit wenigstens, nicht gewachsen sind. Dieser Styl hat doch, so barocker auch ist, Charakter und das Machwerk ist vortrefflich; in beiden Be-ziehungen aber klopft man heutzutage vergeblich au gar manche Thüre an,hinter welcher renvmmirte Leute vom Fache Hausen. Das Schinkcl'scheHellencnthum ist mit dem reichbcgabten Meister begraben worden, der ihmallein noch eine Art von Scheinleben zu verleihen vermocht hat. Dem-nächst.hat man, um nur nicht demfinstcrstcn Mittelalter" in den Rachenzu laufen, die altchristlichen Basiliken als Mustcrtypen aufgestellt, währendAndere, das Unpraktische hiervon fühlend, die uns etwas nähcrstehendes. g. romanische Baukunst zur Nachahmung empfehlen. Es erinnern dieseguten Räthc in etwas an die Bestrebungen zur Wiederherstellung einesge-reinigten Urchristcnthums", für welches sich nicht Wenige nur um deswillenso lebhaft intcressiren, um mit Anstand gegen den KatholiciSmus loszichcnzu können. Wen durchbcbt nicht ein heiliger Schauer, wenn er jeneStätten betritt, in welchen die Wiege des Christenthums stand, oder auchjene Mutterkuchen, die vielleicht bis zu den Zeiten der Christcnvcrfolgungcnzurückrcichcn, in deren Bereiche so viele Qpfcr, Gebete und Seufzer him-melwärts gestiegen sind! Wen erfaßt nicht eine ehrfurchtsvolle Bewunde-rung, wenn er diese Structuren sieht, an welchen zuerst die kunstbildcnde