16
sein, wo wenigstens der Kunst, diesem verlorenen Kinde, die Sehnsuchtnach dem Vaterhause kommt — Traber hat es wenigstens schon vollaufgegessen, in welcher Gesellschaft, weiß man. Wie vorahncnd hat das Mit-telalter die Parabel vom verlorenen Sohne mit besonderer Vorliebe in seineWand- und Fenstcrgcmälde cingcwobcn.
Nicht blos in Privatsammlungen, sondern auch in öffentlichen, ausStaatsfonds unterhaltenen Museen begegnet man allen Gattungen vondem Cultus entfremdeten Kunstgegcnständen, Rcliguiaricn, Kreuzen, Kel-chen, Monstranzen, Tragaltärcn, überhaupt dem verschiedenartigsten Kir-chcnmobilare. Welche auch immer die Veranlassung zu dieser Entfremdunggewesen sein mag, eine wilde Revolution oder eine zahme Säcularisation,eine Veruntreuung, eine Verschleuderung oder ein Nothverkauf — unterallen Umständen würde cs einem christlichen Gemeinwesen wohl anstchen,solche Gegenstände ihrer Bestimmung zurückzugcben, in welcher sie auch,selbst abgesehen von jeder höheren Rücksicht, gewiß 'ersprießlicher auf dieGeschmacksbildung ciuwirkcn würden, als inmitten der hunderterlei Kurio-sitäten, die sich hier zu drängen pflegen. Allein was kümmern den mo-dernen Staat und seine Organe die geschichtlichen und religiösen Bezüge,bildet Er doch den Mittelpunkt für alle Interessen des Diesseits und desJenseits, so weit ein solches noch zu statuircn sein mag!
Und so crgicbt sich denn auch für das Kuustgebiet das Facit, daßohne eine gründliche Restauration aus dein Chaos nicht herauszukommen,oder doch demselben auf die Dauer nicht zu eutgehcn ist. An die Spitzedieser Restauration muß aber, wie gesagt, die Kirche treten, denn umgründlich und dauernd zu sein, muß sie bei den Principicn uud den Ideenbeginnen; cs selckt zunächst an jenem Salze, wovon die h. Schrift Mel-dung thut und welches allein die Fäulniß, selbst von der Wissenschaft, ab-zuwchrcn im Stande ist. Mögen auch zu den sicbenunddrcißig Planetenund den sechzig und einigen Elementen noch so viele hinzu entdeckt wer-den, mag es der Kritik gelingen, die Gedankenwelt, und der Chemie, dieWelt der Stoffe in ihre letzten Atome zu zerlegen — der Verfall wirddarum doch nicht ausbleibcn, eher sogar wird er dadurch beschleunigt wer-den, falls der Analyse sich nicht eine noch mächtigere Synthese gegenübcr-stellt. Nur die höchste moralische Potenz vermag dem immer gewaltsamerwerdenden Hcrandringcn der verneinenden Geister Stand zu halten. Wiesehr es auch zu wünschen ist, daß die Kirche und der Staat in dieserGcistcrschlacht nebeneinander kämpfen, jeder Theil mit den ihm eigenenWaffen, so wird Erstere doch wohl daran thun, vor der Hand nur aufsich zu zählen, sich möglichst auf sich selbst zu stellen. Es kannnämlich noch eine geraume Zeit währen, bevor der „christliche Staat" aus