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einer — vielfach mißbrauchten — Phrase zu einer Wahrheit wird. Bisdahin möge die Kirche dem Staate die Concurrenz in allem Guten undSchönen machen. Es wird sich dann bald zeigen, auf welcher Seite derhöhere Beruf liegt und wer am weitesten kommt: ob z. B. die vom Staatebesoldeten, bürcaukratisch gegliederten Wohlthätigkcitscommissioncn, oderdie frommen Congregationcn, die vom Staate nichts fordern, als ungestörtsich dem Gcmeinwohle opfern zu dürfen; ob die Schulbrüder oder dieSchulmeister, ob die Jesuiten oder die Universitäts-Professoren, ob die inder Schule des Thomas von Aquin gebildeten philosophischen Theologenoder die unthcologischen Philosophen, welche zu den Füßen eines Kantoder Hegel gesessen? — Möchte nur erst einmal Luft und Sonneunter den Streitenden, oder beziehungsweise Wetteifernden gleich ge-thcilt sein! ,
So wird denn auch der „Welt" lediglich anheimzugebcn sein, wielange sic noch im Reiche des Schönen die bisherige Bahn einzuhaltcnfür räthlich erachtet; wir werden abzuwarten haben, wohin sie mit ihrenAkademien, Museen, Gallerten, Kunstausstellungen und Vcrloosungcn, mitihren Prämien, Orden und Titulaturen am Ende gelangt — die Kircheaber thut gewiß ihrer Seils am besten daran, unbekümmert um all solches ^Treiben und Handthieren ruhig die vor Jahrhunderten abgerissenen Fädenwieder aufzunchmcn und daran anzuknüpfen, mittelalterliche Kunstschulenund Bauhütten neu zu gründen, das so tief gesunkene Handwerk wiederaufzurichten und demselben wahrhaft würdige Aufgaben zu stellen undeben solche Muster vorzuhalten, auch das Kleinste nicht gering zu achten,sondern Allem und Jedem das Gepräge ihres Adels aufzudrückcn. Beson-ders aber lasse sic sich cs angelegen sein, durch Hebung und vorzüglichePflege der Architektur das naturgemäße Verhältniß unter den verschie-denen Künsten wieder hcrzustcllcn. Wie bei jenen indischen Bäumen, de-ren Wipfel in die Erde gesenkt, wieder als neue Stämme hcranwachscn, sowird cs auch hier abermals zu sprießen und zu grünen beginnen und derso frevelhaft gelichtete Wald von christlichen Monumenten bald wieder inreichster Fülle prangen. Die ächtkirchlichc Kunst altert so wenig wie dieKirche selbst und ihr LcbcnSclcmcnt, der Glaube: stehen doch die Ideen,welche jene Kunst in tausend und aber tausend Brechungen zurückstrahlt,erhaben da über allen Wechsel der Zeit und des Raumes! Die auf denIrrwegen gemachten Erfahrungen aber sind nicht umsonst gemacht; wirwissen jetzt, wo die Wolfsgruben und die Fußangeln liegen. Erheben ersteinmal die gothischcn Kirchen und Capellen sich wieder, so werden dieKlöster, die Hospitäler, die Schulen, die Zunfthäuscr schon Nachfolgen,endlich vielleicht sogar die Rath- und Wohnhäuser sich dazu bequemen;
2. Slufl. 2