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würde noch seinem erhabenen Zwecke dienen, wenn jene Verlockung für dieGewinnsucht nicht bestände! WaS aber die fraglichen Institute noch weitschwerer trifft, ist die positive Profanation deö Vcrchru ugswür-digcn und Heiligen, der man in allen, säst ohne Ausnahme, begeg-net. Ich glaube, diesen allerdings harten Vorwurf durch einige Beispielebegründen zu müssen, und will dieselben Gallericn ersten Ranges entneh-men. So sicht man u. A. in der natimuck Kaller)' zu London zwei wun-dcrlicbliche Bilder von F. Francia, das eine die h. Jungfrau, das Jesus-kind, den h. Johannes und noch sonstige Heilige darstellend; das andere,diesem gegenüber, den todten Erlöser im Schooße seiner Mutter mit zweiEngeln zur Seite: ein Hauch aus einer höheren Welt weht uns aus die-sen Erscheinungen an. Und nun das Weitere. Unmittelbar über demletzten Bilde hat eines von Caracci, eine nackte Susanna im Bade, vonden lüsternen Alten umstellt, Platz genommen, daneben ein Pan von wahr-haft cyuischer Nudität, den nichts weniger als ideal gehaltenen Apollo imFlötenspiclc unterrichtend, darauf wieder, in cngelöreiner Unschuld, eineheilige Katharina von Raphael; weiter dann Christus, die Schriftgclehrtenzurcchtwciscnd, von Leonardo da Vinci; darüber ein von einem Adler durchdie Luft getragener, widerlich koketter Ganymed, dessen nähekc Beschreibungman mir erlassen möge; darauf wieder ein tiefernstes Bild von van Eyck,sodann von Reynolds drei höchst ungraziösc Grazien st la 1793 fristet undso fort von Wand zu Wand! Mit welchem Ausdrucke wäre wohl solchesVerfahren gebührend zu qualificircn, daS heißt: zu brandmarken, wennnicht in der Regel mehr Unverstand und Gleichgültigkeit als böser Wille ihmzum Grunde läge. — Fast eine jede Galleric*) stellt, wie gesagt, ihr Con-tingcnt zu der erbaulichen Revue über moderne Verkommenheit, wenn maneine solche im Großen abhaltcn will, selbst die, verhältnißmäßig reingehaltene Dresdener nicht ausgenommen, wo z. B. in der nächsten Nach-barschaft eines heiligen Hieronymus mit dem Kreuze und mehrerer EcccHomo von Guido Rcni, welche den erschütterndsten Schmerz des, für dasgefallene Menschengeschlecht Schmach und Tod leidenden Erlösers ausdrü-ckcn, eine nackte Venus sich befindet, dem Licbcsgottc einen Pfeil rei-chend! In Florenz, von wo freilich auch das Unwesen seinen Ausganggenommen, bildet sogar eine Venus, das bekannte Standbild, welches sci-
*1 Dic Gemäldesammlung in der Akademie zu Antwerpen bildet eine der rühmlich-sten Ausnahmen von obiger Regel, und zwar nicht blos in Einer Beziehung. Insbe-sondere trägt dieselbe auch noch einen wahrhaft nationalen, ja sogar örtlichen Charakteran sich; sie ist kein zusammengewürfeltes Potpourri von allen möglichen Richtungen undManieren nach Art unserer großen Museen.