Druckschrift 
Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

Thcil werden lassen, durch und durch, zumal da zugleich dasStaatsbürgcr-thum" und diefreie Concurrcnz" die Zunftgcnosscnschaftcn gesprengt, dieTraditionen derselben zerrissen und ihre Standcschre untcrgrabcu hatten.Die neuen Bildungen entsprachen übrigens auch so wenig dem praktischenBedürfnisse als den christlichen Anschauungen.*) Es ist eben nur Unkraut,den Schutthaufen entsprossen, unter welchen die alten Banhütten begra-be» liegen.

Als ein Moment von besonderer Wichtigkeit ist noch hcrvorzuhcbcn,wie in Folge des Unterganges der nationalen Architektur zugleich das na-turgemäße Vcrhältniß der verschiedenen Künste zu einander verkehrt wurde.Statt in den baulichen Werken, auf deren Grund sie erwachsen sind, sichzu conccntrircn und an einander zu kräftigen, cmaneipirte sich eine jede undversuchte ihr Glück auf eigene Hand. Verhältnißmäßig am besten fuhrdabei noch die Malerei, da hier am leichtesten und mit dem geringsten Auf-wande von Mitteln auf die Sinne speculirt werden kann. Dieselbe warfsich vorzugsweise auf die Naturnachahmung, welche für den weniger gebil-deten Geschmack immer etwas Bestechendes hat und überhaupt einer demIdealen, Bedeutungsvollen abgcwcndeten Zeitrichtung entspricht. Allmähligkam cs denn auch so weit, daß von den bildenden Künsten nur noch dieMalerei von sich reden machte. Nachdem diese Kunst einmal mobilisirtwar, ging das Bemühen dahin, einen möglichst großen Markt dafür zuerhalten und cS entstanden die s. g. Kunstvcrcinc und die Kunstaus-stellungen, welche heute noch, vom Theater abgesehen, fast das gcsammteästhetische Interesse des gebildeten wie deS ungebildeten Publieums für sichin Anspruch nehmen. Die allmähligc Entwickelung des letztgenanntenInstitutes ist besonders bezeichnend für den darin lebenden Geist und magzugleich als ein kleiner Beleg für das zuvor Gesagte dienen. ES ist eigen-thümlich, wie die Zcittendcnzcn sich unwillkürlich in solchen Dingen zu er-kennen geben; cs stehen dieselben, so zu sagen, wie Ebbe und Flnth untereinem festen, höheren Gesetze.

Die erste Kunstausstellung fällt in die Zeit, in welcher die großenPrincipicn eben verlassen worden waren und die Künstler 'bereits angcfan-gen hatten, statt für die tieferen Bedürfnisse des Volkes, für die Cabincttx,überhaupt für die Grillen des Lurus zu arbeiten. Es war im Jahre 1665 ,als in Frankreich unter dem Protcctoratc Ludwigs XIV. die Akademiefür Malerei, Sculptur und Kupfcrstcchcrci (die Malerei nahm den erstenPlatz ein, die Architektur ward bereits, als Kunst, ignorirt) ihre Entstehung

*> Näher ausgcführt und speciell belegt ln meiner Schrift: Die christlich-germanischeBaukunst und ihr Berhältniß zur Gegenwart. 2te Aust. <Trier bei Lintz 1852).