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Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
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Wie auf dem politischen Gebiete die Staatsomnipotenz, so ist auf demgeistigen der Vcrnunftabsolutismus, überhaupt die falsche Philosophie, dieFrucht der in Rede stehenden Wiedergeburt gewesen. Was seinem Wesennach eine ungcschicdcne Einheit ist, ward durch letztere in immer schroffersich gestaltende Gegensätze auseinander getrieben. Von dem subjectivcnStandpunkte aus, auf welchen die Wissenschaft sich begab, verlor sie dasWirkliche, Objcctive immer mehr aus dem Auge. Statt unausge-setzt auf die That hinzuwirkcn, auf die höheren Zwecke der Kirche, desStaates, des Lebens überhaupt, »erstieg sie sich in die eisigen Regionen derAbstraktion. 'Die materiellen, dem Egoismus dienenden Interessen tratendemzufolge stets entschiedener in den Vordergrund; in demselben Maaße,in welchem die Hingebung an das Ewige, Göttliche sich verlor- löste sichder Zusammenhang mit der Vergangenheit, isolirte man sich gegenüber derGeschichte und der Tradition, schwand die Grundlage der'Jahrhundertedem lebenden Geschlechte gleichsam unter den Füßen weg. Wie jenes rast-los umhcrsegclnde Gespensterschiff,der fliegende Holländer" genannt, hatteman keinen Hasen mehr vor sich, allüberall nur uferloses Meer.

Da dieIntelligenz" und die Wissenschaft einmal das Schiboleth, daSUnivcrsalheilmittcl für alle Schäden waren, so dachte man auch, durch ge-lehrte Forschungen der bankerotten, im Veitstänze des Roccoeo ganz vonSinnen gekommenen Kunst wieder aufhclfcn zu können. Die Periode derRenaissance hatte das Mittelalter doch noch nicht als schlechthin abgcthanbehandelt; sie wollte nur ein junges Reis auf den alten Stamm pfropfen.Anders jetzt gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts: nichts hatte danoch Geltung, was irgend christliche oder nationale Reminiscenzcn aufzu-wecken geeignet gewesen sein würde. Die Aesthctiker kamen unzweifelhaftam entschiedensten zumDurchbruch": sie schrieben das baare, nackte Hei-denthum auf ihre Fahne. Griechenland und Latium wurden durchforscht;man maß, zeichnete, kritisirte, combinirte, sammelte allerwärts antike Scher-ben, quälte sich mit den in den Klassikern mühsam zusammcngelcscnenKunstausdrückcn ab und strengte alle Kraft an, um etruskisch, dorisch, jo-nisch und korinthisch zu bauen und zu meißeln. Aber auch der classischeZopf wollte nicht Wurzel schlagen und noch weniger kräftige Schößlingetreiben; auf die Länge vermochten die gewählte Phraseologie und der ge-lehrte Dunst die Ideen- und Formcnarmuth doch nicht zu verdecken; wasdabei hcrauskam, war so wenig heidnisch, als christlich, so wenig griechisch,als deutsch oder französisch. Der Sclbstdünkcl studirte sich immer blinderund blinder. Ncbcrdieö ruinirte die antike Richtung mit ihrem Gefolgevon Surrogaten auch das Handwerk, überhaupt alle Technik, welchen dasRoccoeo noch einen weiten Spielraum, ja vielfache Aufmunterung hatte zu