Druckschrift 
Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10

mit der Unterhaltungslast, wie man denn überhaupt den Communalbudgctsnach Möglichkeit die Bedürfnisse des Kultus und der Klerisei aufbürdcte.Im klebrigen aber kann man den Regierungen durchaus nicht den Vor-wurf machen, daß sic die Pricsterschaft ignorirt hätten; im Gegcntheil wurdedieselbe bcfithunlich in das Bcamtenhecr, als eine Art von Train, einregi-mentirt und für Alles, in manchen Staaten bis auf die Uniformsknöpfeherab, durch Cabinctsbcfchlc und Ministcrialrcscripte Vorkehr getroffen.Man mochte wohl hoffen, die immer noch zu kostspielige und lästige Ein- .Achtung allmählig ganz abthun zu können; einstweilen mußte sie indcßnoch, um desgemeinen Mannes" und um einmal bestehender, noch allzutief wurzelnder Gewohnheiten und Vvrurthcile willen mit einiger Scho-nung behandelt werden; als Polizcianstalt konnte sie überdies auch ver-kommenden Falles recht gute Dienste leisten-. Man war gerade im

besten Ordnen und Erperimcntircn, als ein Stoß Plötzlich den ganzen Ap-parat über den Haufen warf. Nachdem einmal die Dämme des Polizci-staatcö gebrochen waren und die von Gott gesetzten Oberhirten der Kirchederen unvcrjährbarcö Recht vindicirt hatten, ließen sich die auf die Gesetzeder Logik gegründeten Forderungen nicht mehr kurzweg von der Hand wci-^ sen auch die bei nicht Wenigen mittlerweile cingetrctcnc richtigere Er-kenntnis! von der Bedeutung der Religion für die höchsten Güter der Mensch-heit, namentlich auch für die politische Freiheit, mag nicht außer Ansatzbleiben und so ist dem: der Kirche fast in allen Ländern germanischenund romanischen Stammes so viel Boden, Luft und Licht geworden, umalle in ihr beruhenden Keime zur Entwickelung bringen zu können. Wodies aber der Fall ist, müssen die Glieder derselben ihre Thätigkeit verdop-peln, damit die Freiheit sich befestigt und möglichst reiche Früchte trägt.Die Lücken, welche dadurch entstanden sind, daß die Systeme zu Schandenwurden, sind auszufüllcn; für die geschwundenen Illusionen hat die Wahr-heit einzutretcn. Die Staatsgewalten haben während der letzten Jahrhun-derte mit ihren Erpcrimcnten um deswillen so wenig Glück gemacht, weilihnen die leitenden, zusammenhaltcnden Ideen fehlten. Diese Ideen aberhat die Kirche bewahrt; nur von ihr kann eine wahrhaftige Restaurationauögehen, nur unter ihrer intcllcctucllcn Leitung der Schwerpunkt wiedergewonnen und das Problem, die Einheit dcS Ganzen und zugleich dieSelbstständigkeit dcS Einzelnen in einem lcbenvollcn Organismus als gleich-berechtigte Factoren zu vereinigen, der Lösung cntgegcngcführt werden.Faßt insbesondere die Priesterschaft ihre hohe und heilige Mission recht auf,so wird sieh bald zeigen, in welchem Maaße die Kirche daS Gchcimniß be-sitzt, wahrhaft Großes und Nützliches inö Dasein zu , rufen und zu ge-stalten.