sein „I'otilt c'est moi" ist die Ncpristination dcs heidnischen Jmpcratorcn-thumö, der römischen Staatsomnipotcnz, an der leider zwei Cardinälc,Richelieu und Mazarin, als oberste Werkmeister mitgcarbcitct haben. Mac-chiavell, der Vater der politischen „Renaissance", gab die Richtschnur audie Hand. Literatur und Wissenschaft wurden, wie alle Macht und allesAnsehen, in Versailles concentrirt; selbst mit der Religion ward cs durchEinrichtung einer gallikanischen Nationalkirchc versucht — Alles sollte inden Händen von Gencralpächtcrn zusammenlaufen, die ihrerseits am Winkedcs Einen Herren hingen. Als Dccoration zu diesem Theaterstück bausch-ten sich inmitten der wallenden Allongcpcrückcn griechelndc Draperien undaltrömischc Phrasen auf; das Hofschranzcnthum spielte Schäfcrstückchcn inMarly und Trianon, während Mordbrenncrbandcn auf Befehl des „großenKönigs" die blühendsten Länder mit Feuer und Schwert verheerten, umdessen Reich „mit einer Wüstenei zu umschirmen." Das ward denn undwird stellenweise noch „das goldene Zeitalter" Frankreichs genannt! JedesPrineips wie jeder Grundlage baar taumelte die „cmancipirtc" Kunst imDelirium dcs Roccoco umher, die Gaffer mit ihren Capriolen ergötzend.Wer kennt nicht den buntscheckigen Wirrwarr dieses Stylcö mit seinen Aus-wüchsen, Verkröpfungen, Schnecken und Genien? wer nicht seine pomphaftaufgcstapcltcn Triumphbogen und Altäre mit ihren durcheinander gcsticuli-rcndcn Statuen und ihren gewundenen Pfropfenzieher-Säulen?! — nonragionmn äli lor, nu> gnurü' e passe»!
In Deutschland hatte sich mittlerweile der gräuclvollc Bruderkrieg ent-zündet, in welchem die in „classischer Universalität" von Nord und Südhcrbcigczogcncn Ausländer die Hauptrollen übernahmen. Nachdem dieKricgsfuric mehr denn ein Menschcnalter hindurch gcwüthct und unser sonstso blühendes Vaterland in eine große Brandstätte umgcwandelt hatte, nach-dem die Heiligthümcr geplündert und verwüstet und die Anpflanzungen deralten Kirche allcrwärts zertreten waren, da konnte nun der neue Gen insseine Schwingen frei entfalten und daran gehen, seine lockenden Verheißun-gen zu erfüllen — an Spielraum fehlte es ihm wahrlich nicht. Und in derThat wurden auch unverwcilt alle Anstalten zur Regeneration der „durchdie Priesterhcrrschaft verdummten" Geister getroffen, indem man französischeTanzmcister, Philosophen, Bonnen und Köche, französische Despoten- undMaitrcssen-Künstk verschrieb, französische Laute nachlalltc, wobei denn neben-her die letzten Rechte und Freiheiten confiscirt und Söldnerheere mit demMarke des Landes unterhalten, gelegentlich auch wohl einmal an irgendeinen auswärtigen Potentaten verhandelt wurden.
Was die Kunst insbesondere anbelangt, so fand sie im Puder und inder Schminke bald den entsprechendsten Ausdruck. Die Sculptur, welche