„klassischer" nannte, Buschius.*) Derselbe wird von Sotzmann**) alseiner der berühmtesten Vorkämpfer jener „großen geistigen Wiedergeburt"bewundert; er war Mitverfasser der berufenen littoruo ol>8oui'c>i'um viroi-nm,ein Freund und Gesinnungsgenosse Ulrichs von Hutten, des Hauptes derdamaligen Jlluminaten. Als dieser „Buschius" seinen Köcher gegen die„geschmacklosen, barbarischen" Mönche geleert hatte und es ihn anwandelte,die neue Aera durch eine eigene Schöpfung zu bezeichnen, trat er u. A.mit einem lateinischen, aus 323 Hcramctcrn bestehenden Gedichte „zumLobe der Stadt Köln" hervor, welches so abgeschmackt und leer ist, daßselbst sein Panegyriker Sotzmann cs nicht einmal der Ucbcrsctzung inöDeutsche wcrth erachtet, indem dasselbe, wie cs in der angeführten Schrift(S. 69) heißt, „bei einem Aufwandc von rhetorischen Floskeln und mytho-logischem Apparat für die Kcnntniß des damaligen Zustandes von Kölnnur geringe (soll heißen: nicht die geringste) Ausbeute liefert." In derThat bietet das schwülstige Machwerk weiter nichts dar, als ein buntesGemenge aus heidnischen Klassikern. Cadmuö, Midas, MctclluS, Brutus,Bellona, die Camocnen, Mars, Pyrrhus u. s. w. müssen die Unkosten fürdaS Lobgedicht auf das „heilige Köln" bestreiten, während der Name Chri-stus nur ein einziges Mal, ganz im Vorbeigehen, genannt wird.
Solcher Art waren die Männer, denen nachzurühmcn man keinen An-stand nimmt, daß sie „der Dcnkkrast verjährte Fesseln abgcschüttclt, derWahrheit neue Bahnen gebrochen, die höchsten und heiligsten Interessen derMenschheit verfochten" hätten.
Mit so ziemlich gleicher Unfruchtbarkeit wie jene Humanisten auf demFelde der Literatur waren die antikisircnden Baumeister, Bildhauer undMaler auf dem der Kuust geschlagen, nur daß hier wenigstens die tradi-tionelle Technik noch eine Zeit lang vorhielt und die innere Leerheit bergenhalf. An Ucberhcbung gegenüber den Altvordern, von deren Brosamenman zehrte, ließ man cs jedenfalls auf keiner Seite fehlen.
Wie diese Strömung Alles zugleich dem sittlichen und dem politischenVerfalle entgegcnführtc, dafür gicbt uns die Geschichte der letzten drei Jahr-hunderte in Frankreich einen besonders schlagenden Beleg, welcher überdiesso recht zu veranschaulichen geeignet ist, in wie enger Beziehung scheinbarganz verschiedenartige Gcistcsthätigkciten zu einander stehen.
Unter Ludwig XIV. sehen wir die „Renaissance" ihr Zcnith erreichen;
*> Es ist bezeichnend für das damalige Gclchrtcnthuin, daß man sich seines ehrlichenNamens schämte, weil er zu deutsch klang.
**) S. dessen Schrift über des Antonius von Worms Abbildung der Stadt Köln lKvln1819) S. 64 u. fgg.