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geworden ist. — Schon um das vierzehnte Jahrhundert klingen Mißtöne in jeneHarmonie; zunächst werden sic in Italien vernehmlich. Die einzelnen Stufendes Verfalles bezeichnen die gefeiertsten Namen, gefeiert, wenigstens über Ge-bühr gefeiert, weil ihresgleichen, Kinder desselben Geistes, bishcran meist die Ge-schichte schrieben. Nehmen wir Beispielsweise der hervorragendsten Einen, denLobsinger Laura's, den in Aller Mund lebenden Pctrarka. Statt in die Fuß-stapfcn Dantc's cinzutrcten, durchbrach er die christlichen Kreise, um falschenIdealen nachzujagcn; statt auf das lebendige Christenthum bauctc er (einTon, den vorher schon Arnold von Brescia angeschlagen hatte) auf dasuntergegangene Quiritenthum seine Systeme, die er mit dem zusammen-gelesencn Flitter antiker Herrlichkeit ausstattcte und mit CiceronianischemSchwulste der Welt anpries. Es bedarf nur einer Bezugnahme aus seinen„Brief an die Römer", um dieses, Vielen vielleicht hart erscheinende Ur-thcil über den Laureaten zu rechtfertigen. Hier sehen wir die modern-ra-tionalistische Politik keimen, welche den organischen Zusammenhang derDinge, überhaupt das religiöse und das geschichtliche Moment, vornehmignorirend, mittels einer oberflächlichen Empirie und einer gespreizten, geist-reich klingenden Phraseologie die Welt und die Begebenheiten meistern zukönnen vermeint. Es drängt mich indeß hinzuzufügcn, daß diese Verirrungenmit der flachen Gott- und Rechtlosigkeit der späteren Weltverbesserer darumdoch noch keineswegs auf Einer Linie stehen; der innere Kern jenes Man-nes wie seiner Zeit war noch ein christlicher; es war eine Zeit des Kam-pfes cntgegenstrcbender Principicn, die man irthümlich für vereinbar miteinander hielt: als Pctrarka am Morgen des 19. Juli 1374 von den Sei-nigcn todt gefunden ward, ruhcte sein Haupt auf den Bekenntnissen desh. Augustinus.
Natürlich ergoß sich diese Gcistcsströmung auch in das Gebiet derKunst, worauf wir etwa ein halbes Jahrhundert später bereits einem LeonBattista Albcrti begegnen, von welchem der ihn fast enthusiastisch lobprei-sende Herausgeber der „Künstler-Briefe" (S. 18) eine gewiß sehr schla-gende Charakteristik in folgender Art entwirft: „Er ist ein Mensch vonclassischcr Größe und Abgeschlossenheit, durchdrungen von antikerWeltanschauung, von der mittelalterlichen Weltanschauung so vollständiglosgelöst, daß er in den Kirchen nur antike Tempel, in dcnHci-ligcn nur antike Heroen zu sehen vermag, wie dies aus zahlrei-chen Stellen seiner drei Werke über Baukunst, Sculptur und Malerei hcr-vorgcht." Zwischendurch ließ besagter Albcrti denn auch wohl noch ein-mal die Hallen von St. Maria dcl Fiorc und die in denselben ertönendenChoräle erhebend auf sich cinwirkcn, vielleicht nachdem seine Phantasie ebengerade in Ovid'S ars amainli, wozu er ein Gegenstück verfaßt, sich crgan-
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