Druckschrift 
4 (1840)
Entstehung
Seite
45
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sucht träumen konnte; „mich dünkt, Du dürftest gnr nichtweniger thun." Und Godolphin bedeckte jene großmüthi-gen Lippen mit Küssen, in denen Hochachtung sich mit derLeidenschaft zu mischen begann. Was kommt auf Erdenjener ersten, frischen Vereinigung zweier so lauge getrenntgewesene» Herzen gleich? Was für Sympathie auch zwi-schen Liebenden obwalten möge, wie sehr sie auch glauben,einander kennen gelernt zu haben, dennoch bleibt ihneneine Welt zu lernen übrig, so lange nicht Ehebündniß alljene entzückenden Vertraulichkeiten, jenen süßen und hei-ligen Umgang herbeiführt, der kein gesondertes Interesse,keinen ungetheilten Gedanken mehr zuläßt! Eines aberist, wodurch der Umgang junger Verehelichten sich vondem junger Liebenden unterscheidet. Erstcre sprechen näm-lich von der Zukunft, Letztere von der Vergangenheit,indem diese über ihr Ferneres noch in Ungewißheit sind,und fühlen, Laß ihre Pläne noch nicht Eins und untheil-bar genannt werden können. Wird durch Gespräche überdie Zukunft nun auch die Zärtlichkeit der Liebe ein wenigherabgestimmt, so sieht der Genuß derselben sich dock-mächtig dadurch erhöhet.

Am silbernen Arno saßen Hand in Hand Godolphinund Constanze, und überließen sich dem Betrachten ihrerkünftigen Glückseligkeit.

„Und welche Lebensweise mögtcst Du fortan am lieb-sten führen, mein Percy?" fragte Constanze.

„Ich habe keine Entwürfe mehr, Constanze. Seit-dem Du die Meine bist, ersehne ich nichts weiter. Doch