Ludwig IX. zu Sidon. 335
dieser Geistliche dem Könige den Friedenskuß ertheitte, weil'er besorgte, derselbe mochte ein Assassüie scyn und die Ge-legenheit wahrnehmen, den König zu ermorden; sondern erselbst nahm von diesem ihm verdächtigen Geistlichen denFriedenskuß und brachte ihn dem Könige. Als sie wiederzu Pferde gestiegen waren, so begegneten sie dem päpstlichenLegaten, zu welchem der König sprach: „ich muß mich sehrbeklagen über den Scneschall, welcher dem armen Geistli-chen nicht erlaubt hat, mir den Friedenskuß zu bringen;"und der Legat, als ihm Joinville die Ursache seines Ver-fahrens erklärt hatte, crwiederte: „der Sencschall hat rechtgethan." „Das hat er nicht," fiel Ludwig ein, „denn er-bat so heftig mit dem Geistlichen sich gezankt, daß ich dar-über nicht zum Frieden kam."
Wahrend der Wiederherstellung von Sidon erhielt derKönig wiederum einen Beweis der hohen Achtung, in wel-cher er selbst bey fernen Völkern stand; denn es erschienenGesandte des Kaisers Emannel Komnenns von Trapeznnt^),welche mancherlei) Kleinodien und künstlich gearbeitete Arm-brüste von Horn als Geschenke übcrbrachten und für ihrenHerrn, welcher nach dem Tode seiner zweyten Gemahlinvon neuem Wittwer war, um eine Tochter des Königsvon Frankreich warben. Ludwig aber gab zur Antwort,daß er keine mannbare Tochter mit sich nach dem heiligenLande gebracht hätte, und ertheilte dem Kaiser von Trape-zunt den Rath, um eine Verwandte des Kaisers Balduinvon Konstantinopel zn werben. Bey diesem Rathe hatteder König, wie Joinville versichert, die Absicht, dem KaiserBalduin, seinem Vetter, die Freundschaft des Kaisers von
z. Chr.1 - 23 .
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