Geschichte K r e u z z ü g e nach morgenländischen und abendländischen Berichten. Von Friedrich Wilken, König!. Preug. Geh. Regierungsrathe, Oberbibliothekar und Professor an der Universität zu Berlin, Historiographen deö Preußischen Staats, N. d. N. A. O., Mitglieds der König!. Preug. Akademie der Wissenschaften, so wie der asiatischen Gesellschaften zu Paris und London, Correspondenten der Königl. Franzos. Akademie der Inschriften und schönen Wissenschaften, Ehrenmitglieds der märkischen ökonomischen Gesellschaft und beS Vereins für nassauischs Alker- thumSkunde u. s. w. Siebenter Theil. Erste Abtheilring. Die Arcuzzügc des Königs Ludwig des Heiligen und der Verlust des heiligen Landes. -—. - Leipzig, 1832 Vorrede Als ich vor mehr als dreyßig Jahren die Vorarbeiten für das Werk begann, wovon ich endlich den Schluß meinen Lesern übergebe, war es nicht meine Absicht, die Geschichte der Kreuzzüge mit einer großen Ausführlichkeit zu behandeln, und der erste Band wurde wirklich nach einem beschranktem Plane ausgearbeitet;- je weiter ich aber in meiner Arbeit vorrückte, um so mehr überzeugte ich mich, daß für die kritische Behandlung ».er zahlreichen Quellen der Geschichte der Kreuzzüge, welche ich mir zum Ziele gesetzt hatte, der enge Raum von drey oder vier mäßigen Bänden nicht genügte; « 2 IV Vorrede. und ich glaubte um so sicherer bey der Erweiterung meines Plans auf die Zustimmung meiner Leser rechnen zu dürfen, als seit der Erscheinung des ersten TheilS dieses Werkes das Bedürfniß des blos oder wenigstens vorzugsweise Unterhaltung fordernden Publicums in Beziehung ckif die Geschichte der Kreuzzüge durch verschiedene nach einander in und außerhalb Deutschland erschienene Darstellungen befriedigt wurde. Die günstige Aufnahme, welche meinem Werke zu Theil geworden ist, und die wohlwollenden und nachsichtigen Beurthei- lungen desselben haben mich nicht nur ermuntert auf der betretenen Bahn fortzugehen, sondern meinen Eifer im Fortgange der Arbeit noch gesteigert; und ich schließ« dieses Werk, welchem ich einen großen Theil meines Lebens gewidmet habe, mit dem Bewußtseyn, in der Ausarbeitung desselben nach der Erforschung und getreuen und vollständigen Darstellung der Wahrheit mit redlicher Anstrengung meiner Kräfte gestrebt zu haben. Die Charten, welche der Herr Verleger diesem Bande beygefügt hat, werden den Lesern hoffentlich willkommen seyn; die Charte des Königreichs Jerusa- Vorrede. v lem ist von dem hiesigen Conducteur Herrn Grimm mit großem Fleiße und rühmlicher Sorgfalt entworfen und gezeichnet worden, und mein verehrter College Herr Professor Carl Ritter hat die Gefälligkeit gehabt, dieselbe einer prüfenden Durchsicht zu unterwerfen. Die in der Vorrede zum vierten Buche dieses Werks angekündigte Abhandlung über die Münzen der Kreuzfahrer habe ich nach den sorgfältigen Bearbeitungen dieses Gegenstandes durch Fr. Munter, Cousinen-, Marchand und Andere um so mehr für überflüssig gehalten, als ich nicht im Stande bin, bisher unbekannte Münzen dieser Art zur Kenntniß der Leser zu bringen. Die Register sind zwar nicht von mir selbst ausgearbeitet, aber vor dem Abdrucke von mir durchgesehen und berichtigt worden. Berlin, am 11. März 1832. n h a l t. I Achtes Buch. Die Kreuzzüge des Königs Ludwig des Heiligen und der Verlust des heiligen Landes. Erstes Kapitel. Thronbesteigung des Papstes Jnnocenz IV., Seite r. Dessenz. C»r. Charakter und Thätigkcit für das heil. Land, 2 — 4. Hin/ dernisse einer neuen Kreuzfahrt, des Papstes Verhälrniß zu dem Kaiser Friedrich II., 4 — 7- Kirchenversammlung zu 2^br. Lyon, 7—12. Verordnungen wegen der Kreuzfahrt, iz-I. Wr. Bemühungen des Bischofs Galcran von Derptus und des Predigermönches Arnulf in Frankreich und England, 14. i z. Kreuzgelübde des Königs Ludwig IX- von Frankreich, 1;—iy. Kreuzprcdigten des Cardinals Odo von Chateaurour, iy- 20. Päpstliche Ermahnungen zur Annahme des Kreuzes an die Deutschen, 20. Bemühungen des K- Ludwig für die Be/ festigung des Friedens in der Kirche, 21 — 24. Ansichten-; des Kaisers Friedrich II. von der damaligen Kreuzfahrt, 24— 26. Anstalten des K. Ludwig zur Vollziehung seiner Kreuz/ fahrt, 26. Fromme List des Königs, 27. 28. Hindernisse, welche der König von England und der Papst in den Weg legen, 28 — zi. Zustand der Christen in Svrien, ;i—;6. Deren innere Verhältnisse, Z7. Unterhandlungen des Pap/ stes Jnnocenz IV. mit den saracenischen Fürsten, z8 — 40. Dessen Unterhandlungen mit verschiedenen christlichen Gemein/ z ^hr. Hessen im Morgenlande, 41—44. Der Minorit Lauren/ tius, päpstlicher Legat zur Besorgung der kirchlichen Angele/ t VIU Inhalt. gcnhciten in Armenien, Aegypten und den übrigen saraceni» schen Reichen, 44. 4 Z. Zweytes Kapitel. 1. Cnr. Anordnungen des Königs Ludwig für die Kreuzfahrt, der König Hakon von Norwegen, 46.47. Anordnungen des Papstes In» uocenz IV- Ernennung des Cardinals Odo von Tusculum zum päpstlichen Legaten bey dem Heere der Kreuzfahrer, 48. Wie der Sache des heiligen Landes die Kreuzpredigten gegen den Kaiser Friedrich II. und andere Feinde der Kirche hinderlich waren, 49. ;o. Dündniß der französischen Barone und Ritter gegen die Geistlichkeit, ;o — 52. Englische Kreuzfahrer, Simon Graf von Leicester und Wilhelm Lon» 2. Cvr. gaspatha, 52. ;z. Ludwig IX. erneuert sein Kreuzgelübde trotz der ihm gemachten Gegenvorstellungen, 54—;6. Nü» stungen und Vorbereitungen der französtchen Barone zur Kreuzfahrt, besonders des Seneschalls der Champagne Jo» Hann von Joinville, 56. 57. Durch Predigermönche und Minoriten laßt Ludwig nachforschen, ob seine Unterthanen wider ihn Beschwerden vorzubringen haben, der König Hein/ rich von England und Richard von Cornwallis erheben An» spräche, 57. 58, Parlament zu Paris, 59. Aufbruch der Kreuzfahrer, 60. Zug des K. Ludwig durch Burgund und über Lyon, 6i. Zerstörung der Burg Roche le Gluy, Feindseligkeiten der Bürger von Avignon und Marseille, 62. Die französischen Pilger zu Aiguesmortcs, 6z. Einfachheit der Kleidung und Bewaffnung des K. Ludwig, 6z. Abfahrt der Pilger, 64. Abfahrt des Seneschalls von Joinville und anderer Pilger aus dem Hafen von Marseille, 6;. Drittes Kapitel. Ludwig IX. beschließt die Saracenen zuerst in Aegypten an» zugreifen, 67. Die Insel Cypcrn der Sammelplatz der Pil, ger, 68. Aufenthalt der Pilger daselbst, 69. Streitigkei» tcn, 71. 72. Krankheiten, 7;. Nachrichten aus Syrien, 74. 7 ?. Gesandte des Fürsten Bvcmund von Antiochien und des Königs Haithon von Armenien, 76. 77. Ankunft Inhalt. IX der Kaiserin Maria von Constantinopel, 78. 79. Mogolische Gesandtschaft, 79 — 85. Sendung des Predigermönches Am dreas von Lonjumel (Longjumeau) zu den Mogolen, 8;. 86. Verdienstliche Thätigkeit des Legaten Odo, 88. 89. Aegyp,^ ^ tische Giftmischer. 89. 90. Verstärkung der Zahl der Pilger -s«.' und Anstalten zur Abfahrt von Cypern, 90 — 92, Viertes Kapitel. Abfahrt der Pilgerflotte aus dem Hafen von Limaffol und Fahrt^-evr. nach Aegypten, 9; — 96. Anordnungen des Sultans von Aegypten zur Vertheidigung seines Landes, 96 — 98. Landung der Pilger bey Damiette, 99 — 10;. Kampf wider die Saracenen und Besetzung der Mündung des Nils durch die Schiffe der Pilger, 106. Muthlosigkeit der Einwohner von Damiette, Flucht des Emirs Fachreddin, 106—109. Einnahme von Damiette durch die Kreuzfahrer, 109 —113. Kirchliche und andere Anordnungen des K. Ludwig in der eroberten Stadt, 114. uz. Verkeilung der Beute, n;. ii 6. Die Pilger in zwey Lagern an beiden Ufern des Nils, ii 6. 117. Spöttische Botschaft des Sultans Ejub an den König Ludwig, 117. 118. Kämpfe der Christen wider die Saracenen, 119 — irr. Befestigung des Lagers der Pilger, 121. 122. Ankunft Wilhelm's Longaspatha, des Grafen Alfons von Poitiers und andrer Pilger, 122 — I24. Fünftes Kapitel. Kriegsrath wegen der fernem Führung des Kriegs, 125. Beschluß 2. C»r. wegen des Zuges gegen Kahirah, 126. Zug der Pilger gegen ^ Kahirah(angetretenam20.Nov.), 126 folg. Tod desSultans Nadschmeddin Ejub, 128. Ehrgeiziger Plan des Emir Fachreddin, der Sultan Turanschah, 129.130. Kampf bey Fariskur und Vorrücken der Kreuzfahrer bis nach Scharmesah, 1 z 1.1 z 2. Lager am nördlichen Ufer des Kanals von Aschmum Tanah, 13 3 . Aufgebot des Emirs Fachreddin an die Muselmänner zur Vertheidigung von Aegypten, 133. 134. langwieriger Bau eines Dammes durch den Kanal von Aschmum, 134—»3 6. X Inhalt. 2-Ar. Angriffe der Saracenen. i;7 — 141. Das griechische Feuer, 141 — 14;. Mißmuth der Pilger, 14;. 146. Zwistigkei- ten Wilhelm's Longaspatha, Grafen von Salisbury, mit den französischen Pilgern, 147 —149. Angebliche Anträge des Emirs Husameddm, Statthalters von Kahirah, an den K. Ludwig, >49. 150. Anerbieten eines Beduinen, den Kreuz- fahrern einen seichten Ort km Kanal von Aschmum nach- zuweiscn, i;c>. i;>. Sechstes Kapitel. Kriegsrath wegen des Uebcrganges über den Kanal von Asch- mum, 15;. Uebergang, 15; — i;6. Unbesonnenheit und unglücklicher Kampf des Grafen Robert von Artois, i;6. 157. Gefechte bey Mansurah, r;8 folg. Errichtung einer Schiffbrücke, 176. Befestigung des Lagers der Kreuzfahrer, 177. Fernere Gefechte bey Mansurah, 178 folg. Ankunft des Sultans Turanschah im Lager der Saracenen, Zerstörung der Flotte der Pilger, 187. ^188. Hemmung des Verkehrs der Pilger mit Damiette, und Hungersnoth in dem Lager der Kreuzfahrer, 189. Lagerseuche, an welcher auch der Seneschall Joinville erkrankt, 19O. 191. Der Rückzug der Pilger auf das nördliche Ufer des Kanals von Aschmum wird beschlossen, 191. Rückzug, 192. Unterhandlungen des K. Ludwig mit dem Sultan Turanjchah, 19;. Fernerer Rückzug auf dem Wege nach Damiette, 194 folg. Krankheit des K> Ludwig, 195. K. Ludwig wird bey Fariskur von den Saracenen gefangen, 197 — 201. Schicksal der übrigen Kreuzfahrer, 201 folg. Schicksal des Sene- schalls von Joinville, 20z folg. Frohlocken der Moslims über die Vernichtung des Heers der christlichen Pilger, 207 — 209, Siebentes Kapitel. 3. §»r. Unglück der Kreuzfahrer die Folge ihrer Ungeschicklichkeit, 2io. Behandlung des gefangenen Königs Ludwig durch den Sultan Turanschah, rr 1. 212. Behandlung der übrigen gefangenen vornehmen Pilger, besonders des Seneschalls von Inhalt. XI Ioinville, rr;—21;. Ermordung der gefangenen geringen Pil-^^' ger, -i; — 217. Unterhandlungen des Sultans Turanschah mit dem K- Ludwig und den gefangenen französischen Baronen, 217 — 222. Zustand der in Damiette zurückgebliebenen Pilger, 222 — 22;. Ermordung des Sultans Turanschah, 226—2; 7. Besorgnisse der gefangenen Kreuzfahrer, - z 7 — rz 9. Negierung der Aegyptischcn Emire und deren Anordnungen, der Athabek Asseddin Aibek, rzg. Die Sultanin Schadschrcddorr (Schedschereddorr), 2Z9. 240. Unterhandlungen der Emire mit den gefangnen Kreuzfahrern, 240 — 244. Uebcrgabe der Stadt Damiette an die Saracenen, 244. 245. Betragen der Saracenen in Damiette, 245. Berathung der Emire, ob der mit den Kreuzfahrern geschlossene Vertrag z„ halten sey, 246. 247. Entlassung des K. Ludwig und der übrigen Pilger ans der Gefangenschaft, 247 — 250. Bezahlung des Löscgeldes, 250 — 252. Beschwerde des K. Ludwig bei dem Emir Oktai wegen der von den Saracenen in Damiette verübten Frevelthaten 252. 25z. Entlassung des Grafen Alfons von Poitiers aus der Gefangenschaft, 25;—255. Fahrt des K. Ludwig nach Ptolemais, 255. Urtheil der Moslims über den K. Ludwig, 255. Ludwig rechtfertigt sich bey seinen Unterthanen wegen der Zurückgabe von Damiette an die Saracenen, 256. Ob die Emire die Absicht hatten, den K. Ludwig als ihren Sultan anzunehmen, 257. 258. Feierlicher Einzug der moslemischen Truppen in Kahirah, 258. Zerstörung von Damiette, 258. 259. Achtes Kapitel. Ankunft des K- Ludwig in Ptolemais, 260. 26-. Der Se-I. C»r. neschall von Ioinville zu Ptolemais, 261 — 265. Leichtsinn der Brüder des K. Ludwig, 265. Theilnahme an dem unglücklichen Ausgange dieser Kreuzfahrt im Abendlande, 265 - 267. Ermahnung der Königin Bianca an den K. Ludwig zur Rückkehr nach Frankreich, 267. Berathnngen des K. Ludwig mit den französischen und syrischen Baronen zu Ptolemais, 268 — 274. Rückkehr der Grafen Karl von - Anjou und Alfons von Portiers nach Frankreich, 274. 275. Des K. Ludwig Unthätigkeit aus Mangel an Ritter», Unterredung mit dem Seneschall von Joinville, 276. 277. Wallfahrt des K. Ludwig nach Nazareth. 277. 278. Unterhandlungen des K. Ludwig mit den Uegyptischen Emiren wegen der Befreiung der noch in der Gefangenschaft befindlichen Pilger, damalige Verhältnisse in Aegypten, 278 folg. Unterhandlungen des K. Ludwig mit dem Sultan Malek annaser von Damascus wegen eines Bündnisses, 280. 281. Reise des französischen Nüfimeisters Johann l' Ermin nach Damascus. 281. Befreyung einer großen Zahl von gefangenen Christen, 282. Vertrag des K. Ludwig mit den ägyptischen Emiren, 284. K. Ludwig befestigt Ptolemais, 28;. Gesandtschaft des Kaisers Friedrich II. an den K. Ludwig, 285. Botschafter des Alten vom Berge, 286 — 288. Gesandte des K- Ludwig an den Scheich der Assasfinen und Geschenke, 288. Beschluß wegen Wiederherstellung der Be-* fcstigungen von Cäsarea, 289. K. Ludwig begiebt sich (im Anfänge der Fasten 12; 1) nach Cäsarea, 289. 290. Neuntes Kapitel. Mangelnde Begeisterung für die Sache des heil. Grabes im Abendlande, 291. Die Kreuzpredigten des ungarischen Meisters (des CisterciensermönchS Jakob), 291. 292. Frevel- thaten der Anhänger dieses Kreuzpredigers in Orleans, 29z, und zu Bourges, 294. Tod des ungarischen Meisters und Schicksale seiner Anhänger, 294. 296. Vergebliche Rüstungen des Königs Ferdinand von Castilien, 296. Bemühungen des Papstes Jnnocenz IV. für das heilige Land, 296 — zoo. Vergebliche Hoffnungen des K. Ludwig von der Ankunft neuer Pilger, Untergang eines für ihn bestimmten Schiffs mit Geld, zoo — zor. Lebensweise des SeneschallS von Joinville zu Cäsarea, gor — 304. Handhabung der Zucht unter den Pilgern zu Cäsarea, Z04—;o6. Mißhelligkeit des K- Ludwig mit den Templern, zo6 — zog. Rückkehr des Predigermönchs Andreas von Longjumeau (Lonjumel) Llll Inhalt. ans dem Lande der Mogolcn, zog. zog. Sendung der Franciscancr Ruysbrock' (Rubruquis) und Bartholomäus von Cremona zu den Mogolen (im 1 .12;;), zio. Zehntes Kapitel. Wiederholte Aufforderungen des K. Ludwig an seine Untertha/ Zürnen, dem heil. Lande zu helfen, zu — ziz. Vollendung der Befestigung von Cäsaren, ziz. Krieg der ägyptischen Emire wider den Sultan von Damascus, zi4. K. Ludwig begiebt sich nach Joppe, Empfang daselbst durch den Grafen Johann von Joppe, zi;. Bau einer neuen Burg zu Joppe, Ankunft des Grafen von Eu aus Frankreich, zi6. Wehn haftmachung des Fürsten Boemund VI. von Antiochien, zi7. Vermittlung des Streits dieses Fürsten mit seiner Mutter, zi 7. zi8. K. Ludwig nimmt das von dem Sultan von Damascus angetragene sichere Geleit für die Wallfahrt nach Jerusalem nicht an, z 18. Friedensschluß der ägyptischen Emire mit dem Sultan von Damascus. zig. Kampf der Kreuzfahrer wider das Heer des Sultans von Damascus, bey Joppe, zro, zri. Das damascenische Heer vor Pto/ lcmais, Z21 — zrz, Eroberung und Zerstörung von Sidon durch dasselbe, Z2Z. Ludwig beschließt, Sidon wiederherzu« stellen, Z24. Zug nach Sidon, Ankunft armenischer Pilger im Lager der Kreuzfahrer, Z25. Zuckerpflanzungen bey Passepoulain, Z26. Streit zweyer Ritter des Seneschalls von Joinville, zr6. Z27. Lager des Königs Ludwig bey Tyrus, Z27. Kampf der Kreuzfahrer wider die Saracenen bey Paneas (Cäfarea Philippi), Z27 — zzz. K. Ludwig zu Sidon, zzz folg. Muthwille des Grafen von Eu, zzz. Joinville, der treue Gefährte des K. Ludwig, der Friedens/ kuß in einer Kirche bey Sidon, z;4- Gesandtschaft deS Kaisers Emanuel Komnenus von Trapezunt, zz;. Ankunft der Königin Margaretha zu Sidon, zz6. Fehlgeschlagene Er/ Wartungen des K. Ludwig wegen'nachkommender Kreuzfahrer, ZZ6. ZZ7. Der Abt Wilhelm von St- Denys sendet ein Schiff nach dem heil. Lande, ZZ7. Ankunft eines armen XIV Inhalt. >1, ii>r. Ritters mit vier Söhnen zu Sidon, zz8. Ludwig beschließt die Rückkehr nach Frankreich, zzg folg. Wallfahrt des Sc- neschalls von Joinville nach Tortosa, Z40. Tod der Königin Bianca, Z4i— Z4Z- Bittfahrten im Lager der Pilger, Jo- inville's Unterredung mit dem Legaten Odo, 34z. Z44. Joinville begleitet die Königin Margaretha und deren Kinder nach Tyrus, Z44- Z45- Rückkehr des K. Ludwig von Sidon nach PtolcmaiS und Anstalten zur Heimkehr nach Frankreich, Z4;. Abfahrt des K. Ludwig von Ptolemais, Z46. Gefährlichkeiten, heftiger Sturm, Z47. Gelübde der Königin Margaretha, ?48. Ankunft der Pilgerflotte vor dem Hasen von Hieres, Z49. Landung daselbst, ;;o. Sorgfalt des K. Ludwig für die Angelegenheiten seines Reichs und Wohlthätigkeit desselben gegen die Wittwcn und Waisen der Pilger, z;o. z;i. Elftes Kapitel. Gottfried von Sergines bleibt als Stellvertreter des K. Ludwig mit einer französischen Ritterschaft im heil. Lande, zza. Bedenkliche Aussichten der Christen des gelobten Landes in die Zukunft, z;z. Die Passagien oder regelmäßigen Meer- fahrteti, ;;4- Wichtigkeit der Schiffahrt und des Handels nach Syrien für die italienischen Handelsstaten, z;;. Verhältnisse der Bürger und übrigen Bewohner der syrischen Städte, z 5 6, Bürgerliche Gerichtshöfe, z; 6 — z; 9. Grundsätze über die Gültigkeit der Zeugnisse, z;g. Gerichtskämpfe in den bürgerlichen Gerichtshöfen, z6o. z6i. Die Viz- grafen, z6i. z6r. Vorrechte der Bürger in den syrischen Städten, z6r — 364. Verhältnisse der Saracenen, deren Gerichtshof, Z64— z68. Entartung der Abendländer in Syrien, z68. Die geistlichen Ritterorden, z 69. Schlimmer Einfluß der italienischen Handclsstaatcn auf die Verhältnisse des heil. Landes, z6y. Z70. Bericht des venetianischen Dailo in Syrien, Marsilius Georgius, über die Verhältnisse und die Verwaltung der venetianischen Besitzungen in Syrien in den Jahren 124z und 1244, S. 371 folg. Inhalt. xv Zwölftes Kapitel. Verhältnisse der Sararenen nach der Heimkehr des K. Lud/ wig IX, z88. Asseddin ?sibck (im I. 1254) Sultan von Aegypten, (im I. 1257) von seiner Gemahlin Schadschr/ eddorr ermordet, z8y- Ermordung der Schadschreddorr, der Sultan Kotus, Z90. Die baharischen Mamluken, zyo.2 ^r. zyi. Zustand der Christen in Syrien, zyi. Tod des Papstes Jnoccnz IV. Z92. Thätigkcit des Papstes Alepan/ der IV. für das heil. Land, zyz—zy;. Waffenstillstand der Christen und des Sultans von Damaskus, Z95. Gro/ sicr Krieg der Venetianer und Genueser im heil. Lande seit dem Jahre 1256, Z9; —Z99. Friedcnsschluß im Jahre 12)8 untcr/papstlicher Vermittlung, 499. Streitigkeiten des Fürsten Bocmund mit Johann von Arsuf, Z99. Zlndcre Streitigkeiten im gelobten Lande, 400. Strenge des Statt/ Halters Gottfried von Scrgmcs- 401. Niederlage der Ritter/ schaft des Königreichs Jerusalem im Kampfe wider die Tur/ komannen, 402. Einbruch der Mogolen in Syrien, 402 folg. Reise des Königs Haithon von Armenien zu den Mogolen, 40z, Zug des Chan Hulaku nach Vorderasten, 404. Zer/ störung der Herrschaft der Assassinen in Pcisicn, 40;. Ero/ bcruug von Bagdad und Tod des Chalifcn Mosthasem, 406—408. Eroberungen der Mogolen in Mesopotamien 2-^r. und Syrien, 409 — 411. Betragen der Christen zu Da/ inaseus, 412 —414. Rückkehr des Chans Hulaku 414. Der mogolische Feldherr Kethboga, 41;. Niederlagen der Mogolen bcy Am Dschaluth, 416. und Emessa, 417, Tod des Hulaku, '417. 418. Gerücht von den christlichen Ge/ sinnungen des Hulaku, 418. Besorgnisse der syrischen Chri/ stcn wegen der eigentlichen Absichten der Mogolen und Maß/ regeln zur Vertheidigung, 419. 420. Besprechung des K. Ludwig IX. mit den französ. Prälaten und Baronen wegen der Angelegenheiten des heil. Landes, 421. Dreyzehntes Kapitel. Ermordung des Sultans KotuS, 422. Der Sultan Malek z. Ci>r. addaher Bibars. 42 z. Dessen Charakter und Züge aus sei/ ' vin Band. * * Inhalt. I §Sr. ncm Leben, 424 — 428. Anordnungen des Sultans Dibars und dessen Verhältnisse zu mehrcrn christlichen Fürsten des J.Clir. Abendlandes, 429 — 4)1. Untergang des lateinischen Kai/ scrthums von Constantinopcl, 4Z1 folg. Unterhandlungen des Sultans Bibars mit dem Kaiser Michael Paläologus, 447. Vierzehntes Kapitel. 1. Cl,r Tod des Papstes Alexander IV. 448. Der Papst Urban IV. 449. Bemühungen des Papstes Urban IV. für den Kaiser Balduin II. von Constantinopcl. 450—454. Aufhebung 2. Cl,r. des Waffenstillstandes in Syrien und Anfang der Feindselig- kciten zwischen den Christen und dem Sultan Bibars, 454, 4;;. Erster Feldzug des Sultans Bibars wider die Christen, .Krieg gegen den Fürsten von Anti- 2. Chr. schien, 4)6. Zug gegen Ptolcmais, 457. Unterhandlungen, »-HZ. — 461, Zerstörung der Kirchen zu Nazareth, auf dem Berge Tabor und zu Cabula, 461. Kampfe bey Ptolcmais, 462. Aufhebung der Belagerung von Ptolcmais, 46;. Verwüstung des christlichen Landes, 464, Waffenstillstand, 46;. Bemühungen dcS Papstes Urban IV. für das heil. Land und das Kaiscrthum von Constantinopcl, 466 — 470. Fünfzehntes Kapitel. 2. Ck,r. Feindseligkeiten der Vcnetianer und Genueser im heil. Lande, 471. Uebcrtrctimg des Waffenstillstandes von Seiten der Christen, 472. Rüstungen des Sultans Bibars znm Kriege, 47;. Unerwartete Belagerung und Eroberung von Casarca, 474- 475- Belagerung und Eroberung von Arsnf, 47z—478. Unthatigkeit der syrischen Christen, 478» Bemühungen des Papstes Clcmcns I V. für das heil. Land, 480 — 48;. Zwcytcr '-^N,r. Feldzug des Sultans Bibars wider die Christen, 48;. Belagerung und Eroberung von Safed, 486 — 491 - Krieg des Sultans Dibars wider den König Haithon von Armenien, 49z — 49;. Fricdcnsschluß des Königs von Armenien und des Sultans, 49;. Die Templer raumen ihre armenischen Besitzungen, 496. Waffenstillstand der Johanniter und des Sultans Bibars, 497. Vcfreyung der XVII Inhalt. Jsmaeliten von dem Tribute, welchen sie bis dahin den Jo/ hannitern bezahlt hatten, 497. 498. Tod des Grafen von Revers, 498. Unglücklicher Streifzug der Christen in das Land von Tiberias, 498. 499. Sturz des Sultans Bibars mit seinem Rosse, ;oo. Neue Bemühungen des Papstes Clemens IV. für das heil. Land, ;oo — ;oz. Zweites Krcuzgelübde des Königs Ludwig IX. von Frankreich, ;oz folg. Traum des Sencschalls von Joinville, 50;. Fernere Bemühungen des Papstes Clemens IV. für das heil. Land, ;o/ folg. Erhebung des Zehnten in Frankreich und Na/ varra, 508 — ;io. Vergebliche Bemühungen des Papstes zur Versöhnung der Venctianer und Genueser, Feindselig/ keiten derselben in Ptolcmais, ;n. Päpstliche Schreiben an den Kaiser Michael Paläologus, den König Haithon von Armenien, den Patriarchen von Jerusalem und den tatari/ scheu Chan Abaga, 512. ;iz. Sechzehntes Kapitel. Begeisterung der Muselmänner für den Kampf wider die Chri/' sten, Stiftung eines Vereins damascenischer Männer zur Loskaufung von gefangenen Moslims, ;i4- Der Sultan Bibars befestigt Sascd, zrz. Dritter Feldzug des Sultans Bibars wider die Christen, das Heer des Sultans vor Ptolemais, ;i;. ;i6. Verwüstung des Landes von Tyrus, 516. Vierter Feldzug des Sultans! Bibars wider die Christen, Eroberung der Stadt Joppe, 517. Eroberung der Burg Schakif oder Montfort, 518. Belagerung und Eroberung von Antiochien, 519 — Eroberung der übrigen Plätze des Fürstenthums Antiochien mit Ausnahme der Burg Kossair, 52z. Friede des Fürsten Bocmund von Antiochien mit dem Sultan, 524, Der Sultan verkleidet zu Tripolis, 524. 52;. Untcrhand/ lungen des Königs Hugo III. von Cypern und Jerusalem mit Bibars, 52;. Z26. FricdenSvertrag, 527. Unwürdiges Betragen und trostlose Lage der syrischen Christen, 527. Gesandtschaften Karl'S von Anjou und Konradin's an Bibars, ** 2 I. Ckc. I2ÜÜ. I.Tftr. >2ö?. s. §k>r. 12Ü7. ». Cdr. I2Ü8- XVIll Inhalt. I. Cdr. I20!j. I. Ck»r> I2ÜY. I. C»r. 1272. ;2 8- Nachgiebigkeit des Königs Jakob von Aeagonien gegen den Sultan, Krönung des Königs Hugo III. von Cypcrn alsKönig von Jerusalem zu Tunis im I. 1269, 529. Siebzehntes Kapitel. »er beabsichtigte und nicht vollbrachte Kreuzzug des Königs Jakob von Aragonien, ;zo—554. Ankunft der Söhne des Königs Jakob im gelobten Lande, ;;4> Kampf der Christen wider die Türken, 5z; — 557. Zweiter Kreuzzug des K. Ludwig IX. von Frankreich, 557 folg. Der Prinz Eduard von England schließt sich dem Könige von Frankreich an, zz?. Einladung an die Friesen, ;z8. Auszug des K. Ludwig, 559. Ludwig zu Aiguesmortes, 540. Vcrr trag mit den Genuesen:, 541. Streitigkeiten der Pilger, Abfahrt von Aiguesmortes, 542. Fahrt nach Sardinien, 54;. Ludwig der IX. bei) Cagliari, 544 folg. Der Krieg gegen den König von Tunis wird beschlossen, 545 — 549. Fahrt nach Tunis, 549 — 552. Landung bey Tunis, 552. 55;. Lager der Pilger bei, Carthago, 554. Zustand von Tunis, nachtheiliges Zögern des K. Ludwig, 554. Eroberung der Burg Carthago durch die Genueser. 555. 556. Fernere Unthätigkeit des K. Ludwig, Gesandtschaft an den König Karl von Neapel, 557. Kampfe der Pilger wider die Sar racenen, Verhaftung der genuesischen Kaufleute in Tunis, 557. Falsche Meinung des K. Ludwig, daß der König von Tunis Christ zu werden wünsche, und wie die Saracenen diese Meinung benutzen, 558 — 560. Hoffnungen des Kör nigs Ludwig und der übrigen Pilger von dem Gelingen ihrer Unternehmung, 560. Ausbruch von Krankheiten im Lager der Kreuzfahrer. 561. Erkrankung des K. Ludwig IX, 562. Dessen Tod, 56;. 564. Philipp der Kühne, Nachfolger- Ludwig des IX, 564. Ankunft des Königs Karl von Sir cilicn bey Tunis, 565. Muth und Ausdauer der Pilger, 565. Bedrängnisse und Kämpfe der Pilger, 566 folg. Fricdensanträgc des Königs von Tunis, 572. Unwille der Pilger gegen den König Karl von Neapel, 57;. Friede Inhalt. XIX zwischen den Pilger» und dem Könige von Tunis, 574 — ;8o. Abfahrt der Pilger von der Küste von Tunis, ;8o. Rückkehr der meisten Pilger aus Sicilicn in ihre Hcimath, ;8i. Tod des Königs Thibaut von Navarra und der Königin Jsabella von Frankreich, 58;. Fünfhundert friesische Pilger begeben sich nach dem heil. Lande, ;8Z. ; 84 > Unwille des Sultans Dibars über das Betragen des Königs von Tunis, 58;. Besorgnisse des Sultans und Zerstörung der Befestigungen von Askalon, ;86. Achtzehntes Kapitel. Ruhe der syrischen Christen wahrend des Kriegs bei Tunis, ^Tbr. 587- Anordnungen des Sultans Bibars zur Vertheidigung seiner syrischen Lander, dessen Bündniß mit dem tatarischen Chan Berkeh, ;88. Fünfter Feldzug des Sultans ^7?? Bibars wider die Christen, Belagerung und Eroberung des Schlosses der Kurden, ;8y. Waffenstillstand der Hospitaliter und des Sultans Bibars, 590. Drohungen des Sultans Bibars an den Fürsten Boemund von Antiochien, 591 Einbruch des Sultans in die Grafschaft Tripolis, Waffenstillstand, 591. Kreuzfahrt des Prinzen Eduard von England, 59z folg. Dessen Ankunft zu Ptolemais, 594. Bibars erobert die Burg Korain (Montfort) im Gebiete von Ptolemais, ;g;. ;g6. Mißlungener Versuch des Sultans Dibars, die Insel Cypern zu erobern, 596. Der König Hugo von Cypern und Jerusalem und der Prinz Eduard rufen die Mogolen zur Hülfe, 597. Unglückliche Heerfahrt der Pilger nach Lydda, 598. Heerfahrt derselben wider die Burg Caco bey Cäsarea, 599. 6oo. Zehnjähriger Waffen-I. Che- stillstand des Sultans Bibars und der Christen, 601. Die Assassinen versuchen den Prinzen Eduard zu ermorden, ob der Sultan Bibars daran Theil hatte, L02 — 606. Heimkehr des Prinzen Eduard, der kleine Krieg von Chakons, 606. Krieg des Sultans Bibars wider die Mogolen, Verbindung des Königs Leo von Armenien mit den Mogolen, Bündniß des Sultans mit Mankutimur, Chan der Mogolen von Inhalt. Kiptschak, Ü07. Händel des Sultans mit der Stadt Marseille, 608. 609. Der Sultan bemächtigt sich der Burg Kossair 609. 610. Händcl desselben mit dem Könige Hugo von Cy- per» und Jerusalem wegen Bcrytns im I. 1274, 610. Tod des Fürsten Boemnnd VI. von Antiochien und Streitigkeiten wegen der Vormundschaft für Boemnnd VII, 6n. Ankunft des Patriarchen Thomas, Olivicr's von TcrmeS und andrer Pilger, 612. 61z. Streitigkeiten des Königs Hugo von Cvper» mit seiner Ritterschaft, Lrz. Ansprüche der Maria von Antiochien auf den Thron von Jerusalem, 614. Handel der Venetianer mit Johann Montfort, Herrn von Tyrus, 6i;. Krieg des Sultans Bibars gegen den tatarischen Chan Abaga und den König Leo von Armenien, 6i; folg. Tod des Sultans Bibars, 619 — 621. Dessen Sohn und Nachfolger Mnlck as Said, 621. Neunzehntes Kapitel. I. Tbe. Der Papst Gregor X., 622 folg. Thatigkcit desselben für das heil. Land, 624 folg. Vorbereitungen zu einer allgemeinen Kirchcnvcrsammlnng, 628. Absenkung einer päpstlichen Miliz mit dem Patriarchen Thomas nach dem heil- Lande, 629. Gutachten und Vorschläge des Bischofs Bruno von Olmütz 2 und des Hubertus de Romanis, ü;i. 6Z2. Kirchenver- sammlmrg zu Lyon, 6g z— 6z8- Fernere Bemühungen des Papstes GregorX. für das heil. Land, 6z8 folg. Der römi- I. ol>r sche König Rudolph nimmt zu Lausanne das Kreuz, 64;. ^ Verheißungen anderer Fürsten, 644. Tod des Papstes Gregor X., der Papst Jnnoecnz V., 64;. Der Papst Hadrian V., 646. Der Papst Johannes XXI., 647—649. Zwanzigstes Kapitel. ^277? Verwirrungen Im Reiche der Saraccnen, 6;o. Absetzung und Tod des Sultans Malet as Said, der Emir Saifcddin Ka- lavun, 6;i. Der Sultan Malck al Mansur Kalamin, 652. Streitigkeiten der Christen in Tripolis, 6;r folg. Unternehmungen des Guido von Gibelet wider Tripolis, 654 folg. Streitigkeiten des K. Hugo von Cypern und Jerusalem mit Inhalt. den Behörden von Ptolemais, 6;8- Maria von Antiochiens^- tritt ihre Ansprüche auf das Königreich Jerusalem ab an den König Karl von Neapel, 6;y — 661. Der Graf Roger von San Severino als Statthalter des Königs Karl bemächtigt sich der Stadt Ptolemais, 66i. Versuche des Königs Hugo, die Stadt Ptolemais sich wieder zu unterwerfen, 662—664. Der König Heinrich von Cypern und Jerusalem gelangt wieder zu dem Besitze von Ptolemais, 664. 66;. Wieder, cinschung der Vcnctiancr in ihre Rechte zu Tyrus, 66;. 666. Krieg des Sultans Kalamin wider Sankor alaschkar und die Mogvlcn, 666 — 668. Die Hospitaliter brechen den Waffenstillstand, 668. Kampf der Christen wider die Saraecncn bcy Markab, 669. Waffenstillstand des Sultans Kalamin mit dem Fürsten Bocmund von Antiochien, den Hospitalitern und Templern, 670. 671. Bedingungen dcs^-^tr. Waffenstillstandes mit den Templern, 671 — 67z. Bedin, gnngcn des Waffenstillstandes mit Ptolemais, 67z —681. Damalige Verhältnisse der syrischen Christen zu den Mogo, len, Rüstungen des Chans Argun zu Gunsten der syrischen Christen, 681. 682. Bemühungen der Päpste Nikolaus III. und Martin IV. für das heil. Land, eitle Verheißungen des Königs Eduard von England, 68z. Veruntreuung des zu Gunsten des heil. Landes erhobenen Zehnten durch italieni, fche Kauflcutc, 684. Begeisterung der französischen Ritter, schaft für das heil. Land, Turniere derselben (im Jahre 1279), 684. 68;. Gesandtschaften an die christlichen Fürsten, durch welche der Sultan Kalamin sich Nachrichten über deren Ab, sichten und Pläne verschafft, 636. 687. E i n un dzwanzigstes Kapitel. Verletzung der Verträge von Seiten der Christen, 688. Er,.^ ^ oberung der Burg Markab durch den Sultan Kalamin, 689 '-W.' — 692, Eroberung von Marakia (Maraklea), 692. 69z. Friedcnsschlusi des K. Leo von Armenien mit dem Sultan Kalamin, 694. 69;. Fricdcnsschlus; der Margarethe von Tyrus mit demselben, 69;. 696. Bemühungen der Päpste xxn Inhalt. 2. ebk. Honorius IV. und Nikolaus IV. für das heil. Land, 696. ^7- Aufhebung des Waffenstillstandes mit dem Fürsten von Antiochien von Seiten des Sultans Kalavun, 697. Die Stadt Laodicea durch ein Erdbeben verwüstet und von den Truppen des Sultans Kalavun erobert, 698. 699. Anstalt ken des Sultans zur Belagerung von Tripolis, 699. Ver, thcidignngsaustaltcn des Fürsten Bocmund VII., 699. 700. Streitigkeiten in Tripolis nach dem Tode des Fürsten Boe, mund VII., Unterhandlungen Bcrtram's von Gibelet mit Kalavun, 700. 701. Belagerung und Eroberung von Tri, polis durch Kalavun, 701 — 706. Eroberung der Burg Ne, phin, 706. Waffenstillstand des Königs Heinrich von Cy, pern und Jerusalem mit dem Sultan Kalavun, 706. Fer, nere Bemühungen des Papstes Nikolaus IV. für das heilige Land, Sendung einer päpstlichen Seemacht nach Syrien, 1. Chr. 707—712. Gesandtschaft des Königs Jakob von Arago, nien an den Sultan Kalavun, 71z. Vertrag desselben mit dem Sultan, 71z. 714. Gesandtschaft der Genueser an den Sultan und Vertrag der Genueser mit demselben, 714 — 718. Z weyundzwanzigstes Kapitel. 2, Cl,r. Verletzung des Waffenstillstandes von Seiten der Christen, 719 — 72z. Gesandtschaft des Sultans Kalavun nach Ptole, mais und christliche Botschafter zu Kahirah, 72z. Kriegs, crklarung desselben wider die Christen, 724. Berathungen des Sultans Kalavun mit seinen Emiren und Ncchtsgelehr, ten, 72;. 726. Wirkungen der Kriegserklärung des Sul, tans auf die Christen zu Ptolemais, 727. Kraftvolle Rede des Patriarchen Nikolaus und Entschlossenheit der Bürger von Ptolemais, 728. 729. Gesandtschaft der syrischen Chri, stcn nach dem Abendlande, 729. Vcrtheidigungsanstaltcn zu Ptolemais, 7Z1 — 7z;. Rüstungen des Sultans Kalavun zur Belagerung von Ptolemais, Tod des Sultans, 7zz. Dessen Sohn und Nachfolger Malek alaschraf verwirft den von den Christen angetragcnen Waffenstillstand, 6Z4. Er, z- XXIII Inhalt. scheinung der Saracenen vor Ptolemais, 7z;. Tägliche - Kämpfe der Christen wider dieselben, 7z 6, Neichthum und Pracht von Ptolemais zu dieser Zeit, 7Z7 — 741. Große Rüstungen der Saracenen zur Belagerung dieser Stadt, die mansurische Maschine, 741. 742. Verheerung des Gebietes von Ptolemais, 742. Unfrieden der Christen in Ptolemais, Mangel an Ordnung daselbst, 74z. Unterhandlungen mit dem Sultan Aschraf wegen eines Waffenstillstandes, 744. Kühnheit der Christen im Anfänge der Belagerung, 74; — 747. Die Saracenen fangen an Ptolemais zu bcrennen, 747. Ankunft des Königs Heinrich von Cppern und Jerusalem in der belagerten Stadt, 748, und dessen Rückkehr nach Cypcrn, 750. Bestürmung von Ptolemais durch die Saracenen, 750 — 7;;. Tapferkeit des Marschalls der Hospitaliter Matthäus von Clcrmont, 7;;. Die Christen gewinnen neuen Muth, 7^4. Bcrathungen der Hauptleute von Ptolemais, 7;;. Rede des Patriarchen Nikolaus, 756, Vorbereitungen der Christen zum bevorstehenden Kampfe, 7; 7. Wiederholte Bestürmung von Ptolemais durch die Saracenen und Eroberung der Stadt, 758 folg. Tod des Marschalls der Hospitaliter Matthäus von Clermont, 762. Flucht des Sencschalls Johann von Erclly und Andrer, 762. Tod des Patriarchen Nikolaus, 76z. Schicksal der übrigen Einwohner von Ptolemais, 764. Eroberung der Burg der Templer in Ptolemais durch die Saracenen, 76; folg. Der Meister der Templer Monachus Gaudini, 76;. Wortbrüchig« kcit und Grausamkeit des Sultans Aschraf, 767 folg. Beträchtliche Beute der Saracenen, 770. Die Stadt Tyrus wird von den Christen verlassen, 771, so wie auch Sidon, 771, Dcrytus, das Schloß der Pilger, 772, und Tortosa, 77z. Glänzender Einzug des Sultans Aschraf in Damaskus und dessen Anordnungen, 77z, 774. Vorwürfe, welche dem Papste Nikolaus IV. und der Geistlichkeit wegen des Verlustes des heil. Landes gemacht werden, 774—776. Bemühungen des Papstes Nikolaus IV. wegen der Wiedereroberung des heil. Landes, 777 — 780. Tod des Papstes Cbr. l2yl. XU» Inhal», Cd». Nikolaus IV, 780. Bemühungen seiner Nachfolger für baS heil. Land, 780 folg. Begeisterung genuesischer Frauen für das heil. Land, 781. Die Templer aufAradus, verunglückte Kreuzfahrt im I. izo8, 78-. Thatigkcit des Papstes Cle, mens V» für das heil. Land, die Könige von Frankreich, Navarra und England nehmen das Kreuz, 78z. Anordnungen des Patriarchen Peter von Jerusalem wegen einer beabsichtigten Kreuzfahrt französischer Ritter, 78z. 784. Hindernisse, welche der Wiederholung der Kreuzfahrten entgegen, stehen, 784. Der Papst Jnnoccnz VI. läßt durch den Bischof Peter Thomasius von Patto in Ungarn und zu Venedig bas Kreuz predigen, 784. 785. Bemühungen des Naimuu- dus Lullus für die Sache des heiligen Grabes, 78;. Begeisterung des Petrarca für das heilige Land, 78;. 786. Bemühungen des Wenetianers Marino Sanuti Torfclli, 786 — 788. Plan eines Sachwalters der Könige von Frankreich und England für die Wiedererobcrung des heil. Landes, 788. 789. Schluß, 790. B e y l a g e n. I. Eidesformeln der Venetiancr zu Tyrus, S. z. 4- II. Schreiben des Sultans Bibars an den Fürsten Boe- mund VI. von Antiochien und Tripolis, S. ; — io. III. Vertrage des Sultans Kalavun mit den christlichen Fürsten im Morgcnlande 1. mit dem Könige Leo von Armenien, S. 10. 2. mit der Fürstin Margarethe von Tyrus, S. 14- z. mit dem Könige Alfons von Aragonien, S. 17. IV. Anordnungen des Patriarchen Peter von Jerusalem als päpstlichen Legaten in Frankreich wegen einer Kreuzfahrt im I. izi6, S. zi. zr. V. Urkunde des Königs Balduin VI. von Jerusalem zu Gunsten des Klosters Cava im Königreiche Neapel, S. zz. Z4> VI. Uebersicht der Geschichte des armenischen Königreichs in Cilicien während der Kreuzzüge, S. Z4 — ;z. Achtes Buch. Die Kreuzzüge des Königs Ludwig des Heiligen und der Verlust des heiligen Landes. Erstes Kapitel. derselben Zeit, in welcher die Christen des gelobten 2-^r. Landes mit dem Sultan Ismail von Damaskus und dessen Bundesgenossen die Verbindung schlossen, welche die schrecklichen Verwüstungen der Charismier zur Folge hatte, bestieg der Cardinal Sinibald als Jnnocenz der Vierte den seit neunzehn Monaten erledigten ') päpstlichen Thron. Der Name, welchen der neue Papst sich beilegte, verkündigte der Christenheit, daß er die Standhaftigkeit und Besonnenheit des Papstes Jnnocenz des Dritten zum Vorbilde und Muster sich erwählt habe; und jenem großen Vorgänger war Jnnocenz der Vierte sowohl in Hinsicht sei- i) Vacatio äintiiia xer annum ec äecciil Menses ec ciies Sex xeccalis cxigeutibus et xroxtermaliciam lem- xoris suxorvcnir. Nicolai äe Ourbio vila Ittiioceinii IV. c-i>. 6 , i» 8te- xliani Nalurui IVlisccllan. llb. VII. I>. 336. Diese Berechnung der Dauer der Sedisvacanz ist aber unrichtig; vn. Band. denn da CölesiinuS am 17. oder 18. November 124c starb, und Jnno- cenz am 2z. JuniuS 1243 zu Anagnt gewählt wurde, so dauerte die Sedisr vacanz eigentlich nicht länger alS Ein Jahr sieben Monate und sieben oder acht Tage. Wgl. ivlansi zu Nai- ruiiäi an», ccclcs aä a. 1243. tz, 7. A 2 . Ckir, »s«. 2 Geschichte der Krenzzüge. Büch VIII. Kap.I. ner Bildung als seiner Gesinnung überaus ähnlich. Sini- bald Ficsco war der fünfte Sohn des genuesischen Grafen Hugo Fiesco von Lavagna, verdankte seine erste Bildung seinem Oheime, dem Bischöfe Opizzo, und mar auf der Universität zu Bologna unter den Schülern des Azzo, Acr cursius, Johannes von Halberstadt und anderer berühmter Lehrer dieser hohen Schule. Obgleich auch mit anderen Wissenschaften nicht unbekannt, betrieb er doch das Studium der Rechtskunde mit vorzüglichem Eifer und einem so glücklichen Erfolge, daß man ihn für einen der ausgezeichnetsten Rechtsgelehrten seiner Zeit achtete. Auch als Papst bewahrte Jnnocenz seine Liebe für die Wissenschaften; er stiftete eine hohe Schule zu Piacenza, beförderte das Studium der Rechtskunde durch die Wiedereröffnung der seit laugen Zeiten verschlossenen Rechtsschulcn zu Rom, und die Schrif, ten, welche er als Oberhaupt der Kirche mitten unter zahllosen und schweren Geschäften verfaßte, seine fünf Bücher von Erläuterungen der Decretale des Papstes Gregor des Neunten und sein Commentar über seine eigenen Decretale erwarben ihm die glanzenden Beynamen eines Monarchen des Rechts, eines glänzenden Lichts des geistlichen Rechts, eines Herrn der Kanonisten und eines Vaters und Werkzeuges der Wahrheit ^). Wiewohl viele andere wichtige Angelegenheiten und vornehmlich die Mißhclligkeiten der römischen Kirche mit dem Kaiser Friedrich die Aufmerksamkeit und Thätigkeit des Znmouo, lumen. 5u1Zic1.j88jmi.rm De- oretorum, danouisL-rrum äominus, eeä veritatis xater et orZauum ax- xellsri meruir, ira ur iu. 5oro eo- «1e8is5tieo ^uasi iäolum yuoääLm illrrm rrüorarl eoiniZerir. Larrl äo olarig ^.rc1ij§)rmn38ii Dououicn8js xrolessorlbus I. x. 347. Wgl. lira- Iroselri siloria äella litr. ital. (Mo- äenL 1774. 4.) I'. IV. x. 246. und Fr. v. Naumer, Gesch. der Hoheust. IV. S. r 2 o. Thatigkeit des P. Jiiiiocenz IV. für das heil. Land. 3 neuen Papstes in Anspruch nahmen: so gedachte dennoch Jnnocenz der Vierte nach dem Muster seiner letzten Vorgänger schon in den ersten Tagen seiner päpstlichen Regierung des heiligen Landes. Ein Umlaufschreiben, welches er am achten Tage nach seiner Wahl erließt), forderte alle Christen und vornehmlich die Geistlichen ans, von Gott mit inbrünstigem Gebete zu erflehen, daß der Kirche Friede gewährt, und das christliche Land von den Verwüstungen der Heiden befreit werden möge. Er ernannte bald darauf") den Patriarchen von Jerusalem zum apostolischen Legaten im heiligen Lande und meldete ihm in dem Schreiben, in welchem er von dieser Ernennung ihm Nachricht gab, daß er nicht nur die gestimmte Geistlichkeit von Syrien, die geistlichen Ritterorden und alle übrigen christlichen Bewohner des gelobten Landes aufgefordert hätte, nach einer vorgeschriebenen Taxe zu den Kosten der Wiederherstellung der zerstörten Mauern von Jerusalem beyzutragen und ihre Bey- träge in die Hände des Patriarchen abzuliefern; sondern auch die katholischen Fürsten und alle andere Christen durch eindringliche Schreiben ermahne» würde, zur Beförderung jenes wichtigen Werkes die Hand hülfreicher Liebe darzubieten. Mit großem Verdrusse vernahm Jnnocenz zu eben dieser Zeit, daß der Bischof von Biblus, ein ungebildeter und leichtsinniger Mann, den Frieden der Kirche des heiligen Landes störte, indem er dem Banne, welchen wegen seines gewissenlosen Betragens der Patriarch von Antiochien über ihn ausgesprochen hatte, trotzte und fortfuhr, die Güter seiner Kirche zu verschwenden und sogar die heiligen Gerälhe derselben zu verkaufen. Jnnocenz beeilte sich, die- zl Am Donnerstags den s. Julius g) Am z. August (nouis ). ( VI. »on. .Ilil.). UaiiiLläi LIIN. ec- UsilUllä, I, o, h, ZI. Z2. oles. aä a, I2gz, §. 7 —g. A 2 4 Geschichte der Kreuzznge. Buch VIII. Kap. I. I. Cbr. seni Aergernisse ein Ende zu machen, indem er den Erzbischof von Tyrus und den erwählten Bischof von Tripolis beauftragte, diese Sache sorgfältig zu untersuchen und dem apostolischen Stuhle Bericht zu erstatten, damit dem unwürdigen Bischöfe von Viblus die gebührende Strafe zuerkannt werden könnte ^). I. M. Die Nachrichten, welche Jnnocenz aus dem heiligen Lande empfing, wurden aber immer betrübender; die schreck, liehen Verwüstungen der Charismier und die unglückliche und blutige Schlacht bey Gaza und deren schlimme Folgen ließen den gänzlichen Untergang der christlichen Herrschaft in Syrien als sehr nahe bevorstehend fürchten. Gleichwohl war es unmöglich, so schleunige Hülfe zu erwirken, als die bedrängte Lage der syrischen Christen sie forderte.^ Wenn auch in der damaligen Zeit die abendländischen Christen der Begeisterung für das heilige Grab noch fähiger, gewesen wären, als sie es waren: so stellten doch die Zeltverhältnisse der Unternehmung einer Kreuzfahrt vielfältige Hindernisse entgegen. Die Mogvlen bedrohten die Gräuze von Ungarn, und Jnnocenz sah sich daher genöthigt, die Deutschen zur Bewaffnung wider jene furchtbaren Horden dadurch aufzn- muntern, daß er allen denen, welche das Königreich Ungarn vertheidigeu würden, dieselben Vorrechte zugcstaud, welche die allgemeine Kirchenversammlung des Laterans den Kreuzfahrern bewilligt hatte ^). Das lateinische Kaiscrthum von Constantinvpel bedurfte ebenfalls einer kräftigen Hülfe; und da Jnnocenz eben so sehr als seine Vorgänger Jnnocenz der Dritte und Gregor der Nennte die Behauptung der Küsten von Thracien und Griechenland als höchst wichtig Z) ir-in-lia. I. c. Ao. Anagni am 21. Jul. I2YZ, bey Nai- ü) Schreiben des Papstes. an den nalduS a. a. O. §. LS. 37. Patriarchen von Aquileja, erlassen zu 5 Hindernisse einer neuen Kreuzfahrt. für die Verteidigung des heiligen Landes betrachtete : so gewährte er den Bitten des Kaisers Balduin, welcher noch immer im Abendlande sich befand und nicht müde wurde, die Könige, Fürsten und Prälaten der katholischen Kirche um Beystand anzuflehcn, geneigtes Gehör. Auch die damalige Lage des apostolischen Stuhls war so beschaffen, daß Jnnoccnz des thätigen Beystandes treuer Bundesgenossen nicht entbehren konnte; denn obgleich er als Cardinal Sini- bald in freundschaftlichem Verhältnisse mit dem Kaiser Friedrich dem Zweyten stand, und der Kaiser anfangs seine Zufriedenheit mit der Wahl des befreundeten Cardinals zum Oberhaupte der Kirche und friedliche Gesinnungen äußerte » so sah Jnnocenz doch sehr wohl ein, daß der von seinen Vorgängern seit fast dreißig Jahren geführte Streit mit dem Kaiser in gegenseitiger persönlicher Zuneigung, wenn sie auch noch so aufrichtig war, sein Ende nicht finden konnte. Denn Friedrich hatte weder den bey Mellorio gefangenen Prälaten ihre Frepheit wieder gegeben, noch irgend eine der Beschwerden, welche Jnnocenz der Dritte und Gregor der Neunte wider ihn erhoben hatten, auf eine genügende Weise erledigt. Alle diese Umstände schwächten die Aufmerksamkeit für die Sache des heiligen Landes; und Jnnocenz insbesondere würde sicherlich mit einem viel größeren Eifer die 7) In elnem Schreiben, welches In- riocenz am i6. Mai 124.; aus dem Lar teran an den Fürsten von Achaja erliest, ermahnt er zum Beistände des Kaiserthums von Constantinop'el auch aus dem Grunde: t^roä cx Iioo eonse^nenter 8ni)§iäinm impenäeret snlivenitnr imporio, ntrin. 8 . z6g. Die Berufungsschrei- bcn wurden am z. und zi. Januar >244 auügcferiigt. IVIaiisi, Louarl, V. XXIII. i>. üvg. 6og. 8 Geschichte der Kreuzzüge. Duch VHI. Kap. I. ^245?'sich begaben: eben so besuchte der General der Minori- ten"), Johannes von Parmeno, von mehreren frommen und gelehrten Mönchen seines Ordens begleitet, den Hof des Kaisers Johannes Vatatzes, um diesen mächtigen Feind des lateinischen Kaiserthums von Constantinvpel zur Anerkennung der Hoheit des apostolischen Stuhls und zur Unterhaltung eines friedlichen Verhältnisses mit dem Kaiser Balduin zu bewegen "). Zu der angekündigten Kirchenversammlung, da der Kaiser Friedrich nicht im Stande war, die Wege, welche zu Lande nach Lyon führten, zu sperren, fanden sich der Kaiser Balduin von Constantjnopel, der Graf von Toulouse, die Patriarchen von Antiochien, Constantjnopel und Aguileja, hundert und vierzig Erzbischöfe und Bischöfe, und die Botschafter vieler Fürsten und Städte aus Frankreich, Spanien und England ein'*); die Prälaten und Fürsten der Länder des Kaisers aber hielten es nicht für angemessen, an den Verathungen einer Versammlung Theil zu nehmen, von welcher eine billige Entscheidung des Streites, in welchen der Kaiser mit dem Papste verwickelt war, um so weniger erwartet werden konnte, als Jnnocenz schon im Anfänge der letzten Fasten den Bann wider Friedrich den Zweyten öffentlich und feyerlich erneuert hatte. Aus Deutschland leisteten daher nur wenige Prälaten der päpstlichen Einladung Folge, indem die meisten deutschen Bischöfe mit dem verwirrten Zustande des von innern Fehden zerrütteten deutschen Reichs iz) Oenerslis Minister Oräinis IVlinornin. Ueber die von Jnnor cenz IV. damals an den Chan dev Tataren Baku abgefertigte Gesandtschaft s. kQmusiit Memoire snr los rolations poliriejues lies princes ckretieris er xartieniiercmenr äes liois äe I'rance avec les Lmperours MoAois, in den Memoires äe 1'^.- caä. äes Inscriptions 1'. Vl. (I?.rris » 823 . 4-9 S9-) »4) Nicol, cie Ourlrio 0.17. x.Z?o. IZ) Mattlr. kar. aä 2. 1245. x>. 6ÜZ. Nicol, tle Ourdio 0. 19. x. 371. 9 Kirchenversammlung zu Lyon. sich entschuldigten; und auch die ungarischen Prälaten wag- - ten es nicht, ihre von den Mogolen bedrohten Kirchen zu verlassen. Von den syrischen Prälaten, welche der Papst wegen des damaligen schlimmen Zustandes des syrischen Landes nicht eingeladen hatte, erschien außer dem Patriarchen von Antiochien nur der Bischof Galeran von Vcrytns, welcher als Abgeordneter der Christen des heiligen Landes nach dem Abendlande gekommen war, um die Hülfe des Papstes und der ganzen katholischen Christenheit in Anspruch zu nehmen "). Unter solchen Umstanden ließ sich von dieser Kirchenversammlung, welche nur dem Namen nach eine allgemeine war, nichts Ersprießliches für die Sache des heiligen Landes erwarten. Auch verhehlte Jnnocenz es nicht, daß die Ver- urrheilung des Kaisers Friedrich und die Bestätigung des wider denselben ausgesprochenen Bannes ihm die wichtigste der Angelegenheiten war, für welche er diese Versammlung berufen hatte. Als in der ersten vorläufigen Berathung des Conciliums, welche am Montage nach St. Johannistag im Refectorium des Klosters von St. Just gehalten wurde, der Patriarch von Constantinopel die bedrängte Lage seiner Kirche schilderte und über den Verlust des größten Theils seines Sprengels klagte: so antwortete der Papst auf diese Schilderung und diese Klagen mit keinem Worte. Als hierauf der beredte kaiserliche Hofrichter Thaddäus von Suessa, welcher nach Lyon gekommen war, um den Kaiser, seinen Herrn, gegen die Anschuldigungen des Papstes zu vertheidigen, erklärte, daß der Kaiser Friedrich nicht nur bereitwillig wäre, dem römischen Stuhle jede billige Genug- thuung zu gewähren, sondern auch die Vereinigung der >. Cbr. -24z. »6) IVlLtili, Nur. I. c. 10 Geschichte der Kreuzzüge. Blich VIII. Kap. I. griechischen Kirche mit der römischen nach seinen Kräften zu befördern, die Christenheit gegen die Mogolen, Charismier, Saracenen und andere Feinde mit mächtigem Arme zu be< schirmen, und insbesondere für die Errettung des heiligen Landes mit allen Mitteln, welche ihm zu Gebote ständen, thätig zu wirken: so rief Jnnocenz aus: „O wie groß und mannichfaltig sind solche Verheißungen, mit deren Erfüllung cs doch nicht ernstlich gemeint ist; denn diese Verheißungen haben keine andere Absicht, als die Thätigkeit dieser Versammlung zu lähmen und den Schlag der Art, welche schon wider den Daum erhoben ist, abzuwenden." Thaddäus bemerkte zwar, daß die Könige von Frankreich und England für die Erfüllung dieser Verheißungen sich verbürgen würden; der Papst wies aber diese Bürgschaft zurück, indem er hinzufügte: „Da die bisherige Erfahrung lehrt, daß des Kaisers Verheißungen eitle Worte sind: so kann eine solche Bürgschaft keine andere Folge haben, als daß die Kirche, anstatt Eines Feindes, drey, und zwar die mächtigsten Fürsten der Christenheit, zu bekämpfen haben würde." Zuletzt las noch in dieser ersten Berathung der Kirchenversammlung der Predigermönch Arnulf den Bericht des Patriarchen von Jerusalem und der übrigen Christen des heiligen Landes von den schweren Prüfungen, welche Gott ihnen auferlegt hätte, vor; und dieser Bericht, welchen der Bischof von Berytus überbracht hatte, rührte alle Anwesenden zu Thränen ^). I"*! IVlattir. I'.ir. 1 . 0. 2- 6 ÜZ. 664. Der Bischof von BerytuS und der Predigermönch Arnulf, welche eg übernommen hatten, das Schreiben der syrischen Christen nach dem Abendrunde zu bringen und vornehmlich den Königen von Frankreich und Englandzu überreichen, fuhren am ersten Adventsonnrage 124z von Ptole- mais ab und kamen nach einer höchst beschwerlichen und gefährlichen Seefahrt von sechs Monaten erst am Himmclfahrtstage isgg in dem Hafen von Dencdtg an. Pol ct Imita pc- ricnla, setzt Matthäus Paris hinzu fast .1. 1244. i>. üzz), i-ront »b ixso vcirerabiti Ljüsaoxo ictvrcnlo äi- äieimus, xcrxcssi sunt, yuoü taorz-- 11 Kirchenversammlung zu Lyon. Mit großer Feyerlichkeit eröffnete am nächstfolgenden 2 Mittwoch Jnnocenz, umgeben von allen Cardinalen, welche^ zu Lyon um ihn sich versammelt hatten, und einer großen Zahl anderer Geistlichen, die erste öffentliche Berathung der Kirchenversammlung in der Domkirche des heiligen Johannes ; und auch in dieser Berathung wurde des heiligen Landes zwar gedacht, es beschäftigte aber der Streit des Pap- sies mit dem Kaiser am meisten die Gemüther. Nachdem die Messe gefeyert, und die Litaneyen gesungen worden, so begann Jnnocenz seine Predigt mit den Worten der heiligen Schrift"): „Euch sage ich allen, die ihr vorüber gehet, schauet doch und sehet, ob irgend ein Schmerz sey, wie mein Schmerz, der mich getroffen hat." Er verglich hierauf ") die fünf Schmerzen, von welchen sein Gemüth gequält würde, mit den fünf Wunden des Gekreuzigten. „Mein erster Schmerz ist," sprach Jnnocenz, „daß die unmenschlichen Mogolen die christlichen Länder verwüsten; mein zweyter Schmerz ist die Widerspenstigkeit der Griechen, welche die römische Kirche als eine Stiefmutter anfeinden; den dritten Schmerz erweckt in wir die Ketzerey, welche in vielen Kirchen, vornehmlich den lombardischen, immer mehr Ueberhand nimmt; den vierten die schreckliche Verwüstung von Jerusalem und anderen Städten des heiligen Landes durch das verruchte Volk der Charismier; und der fünfte Schmerz ist die Lasterhaftigkeit des Kaisers Friedrich, welcher der Beschirmer der Kirche seyn sollte, aber ihr erbit- W»r>i1e köret auäire et moroeuill explioare. -8) Klagelieder Jeremias Kap. i. D. I 3 . Dgl. iVlattlr, x. 644. Nach andere» Nachrichten (iviansi, cloilcii. ic xxil. x. 6lo) eröffnete Jnnocenz seine Predigt mit den Worten (Ps. X0IV. ,y.); „Ich hatte viel Bekümmernig in meinem Herze»; aber deine Tröstungen ergötzen meine Seels." lg) 8) Nach Matthäus Paris. Mit einigen Abweichungen wird der Anfang der päpstlichen Rede in der von Manst ( 1 . mitgetheitten Nachricht von dieser Äirchsnversammlung angegeben. 2 i) IVl-iiisi Loncil. I. a. x. 6>Z. Die zweite Berathung des Conciliums fand am Mittwoch dem s. Julius Statt, und die dritte und letzte am Montage dem 17. Julius (nach Nikolaus Le Curbio a. ig. am >g. Julius, XV. Xal. 2Vng.). Vgl. IVl-n-i »ä Nainaläi ariri. eaclcs. aä 2. h. 2g, wo aber in Hinsicht des Tages der letzten Versammlung des Conci- liums der Autorität des Nikolaus de Curbio zu viel eingeräumt wird; denn da in der vaticanischcn Nachricht, welche Manst in seiner Conci- liensammlung mitgetheilt hat, der Montag der zweiten Woche nach dem Tage der zweiten Versammlung als der Tag der dritten Versammlung bezeichnet wird (Dies iunae post oota- rar in äie Meionrii): so läßt sich Verordnungen wegen der Kreuzfahrt. 13 Die Kirchenversammlung zu Lyon ertheilte aufs neue den 2-^ Kreuzfahrern und denjenigen, welche durch Beyträge an Geld oder durch Ausrüstung und Unterhaltung von Bewaffneten für dreyjährigen Dienst im heiligen Lande die Kreuzfahrt befördern würden, alle die Vorrechte und Begünstigungen, welche ihnen das allgemeine Concilium des Laterans schon bewilligt hatte; sie bestimmte ferner, daß die gesammte Geistlichkeit, die hohe und niedere, mit Ausnahme einiger Klostergeistlichen und derjenigen Geistlichen, welche in eigener Person an der Kreuzfahrt Theil nehmen würden, wahrend dreycr Jahre den zwanzigsten Theil ihrer jährlichen Einkünfte als Opfer für die Errettung des heiligen Landes darbringen und den päpstlichen Bevollmächtigten überliefern sollte, indem der Papst sich selbst und den Cardinalen die Verpflichtung auferlegte, den zehnten Theil ihrer jährlichen Einnahme wahrend derselben Zeit und für denselben heiligen Zweck beyzusieuern. Den Prälaten und allen übrigen Geistlichen wurde geboten, das Kreuz in ihren Gemeinden eifrig zu predigen, diejenigen, welche das Zeichen des heiligen Kreuzes, ohne ihr Gelübde erfüllt zu haben, abgelegt hätten, zur Wiederannahme desselben anzuhalten, und überhaupt nichts zu unterlassen, was zur Förderung der Sache des heiligen Landes dienlich seyn könnte. Auch wurden sie angewiesen, durch ihre Ermahnungen dahin zu wirken, daß die reichen und mächtigen Kreuzfahrer ihre Mittel nicht zu überflüssiger Pracht oder gar zu Gelagen und Schmansereyen anwenden, sondern vielmehr mit ihrem Ueberflusse ihre ärmeren Waffengefährten unterstützen möchten. Endlich wurde nach dem Vorgänge des Conciliums vom Lateran für vier Jahre ein allgemeiner Friede in der ganzen Christenheit und »reit eher ein Fehler In der Angabe welcher nur den MonatStag durch des Nikolaus de Curbio vermuthen, xv, Lai. bezeichnet. <4 Geschichte der Krenzzüge. Buch VIII. Kap. I. tzgg Verbot der Turniere für drey Jahre verkündigt, damit die allgemeine Bewaffnung für die Errettung des heiligen Landes in keiner Hinsicht gehindert würde; und für vier Jahre wurde jeder Handel und Verkehr mit den Saracencn untersagt ^). Unter diesen Verordnungen fand die Verfügung, daß die Beysteuer, welche der Geistlichkeit auferlegt wurde, in die Hände von päpstlichen Bevollmächtigten überliefert werden sollte, schon auf dem Concilium sehr heftigen Widerspruchs), obwohl sie nur die Wiederholung einer von der allgemeinen Kirchcnversammlung des Laterans genehmigten Anordnung warDie Widersacher des Papstes nahmen auch nach der Beendigung der Kirchenversammlnng von jener Verfügung Gelegenheit, im Volke überall den in früherer Zeit oftmals geäußerten Verdacht wieder aufzuregen, als ob das Geld, welches dem Vorgeben nach für die Errettung des heiligen Landes gesammelt würde, nur zur Bereicherung der römischen Pfaffheit diente^). Dieser Verdacht hinderte sehr den Erfolg der Bemühungen des Bischofs von Berytus, welcher als Bevollmächtigter der syrischen Christen, begleitet von dem Predigermönche Arnulf, Frankreich durchreiste und durch bewegliche Schilderungen von der Noth des heiligen Landes und durch beredte Ermahnung das Mitleiden des Volks in Anspruch nahm. Aus Frankreich begab sich der Bischof mit seinem Begleiter nach England. Da der König Heinrich aber ein Freund des Kaisers Friedrich war, und in England über- 23 ) MarUiLeus kar. x. 673 — 67Z. A7LNS1 Loneil. 1. 0. x. 623-632. 2Z) IVlLttli. kar. x. 679. 24) S. Gesch. d. Kreuz;. Buch VH. Beil. S. ro. 2Z) multotiens eonyuerun- tur üäeles eeclesiae, se äe xecrunia. 8UL l'crrae sanerav in riiixilium coir- x>«r KomaiiLin curiam lkuisL« üekrauÜLws. IVlattlr. raris. x. 679» 15 Kreuzgelübde Ludwig des IX. Haupt seit den Erfahrungen, welche der Graf Richard von^^r- Cornwallis und dessen Begleiter auf ihrer Kreuzfahrt gemacht hatten, keine günstige Stimmung für die Sache des heiligen Landes herrschte: so fand der Bischof in England sehr unfreundliche Aufnahme, und die Erlaubniß, daselbst das Kreuz zu predigen, wurde ihm und seinem Begleiter versagt. Als er sein Beglaubigungsschreiben und den päpstlichen Ablaßbrief dem Könige Heinrich vorwies, so sprach derselbe die harten Worte: „Meine Unterthanen, welche oftmals von den Krenzpredigern hintergangen worden sind, werden nicht noch einmal sich tauschen lassen, und ohnehin bedarf ich selbst ihres Beystandes, sowohl wider den Papst, welcher mit meinen Widersachern es hält, als wider andere Feinde." Unverrichteter Sache kehrte also der Bischof nach Frankreich zurück Auch bey dem französischen Volke fanden die Bitten des Bischofs Galeran und seines Begleiters um Errettung des heiligen Grabes keine sehr lebhafte Theilnahme, obgleich schon damals der König Ludwig der Neunte das Zeichen des heiligen Kreuzes trug. Im Christmonate des Jahrs 1244 nämlich wurde der König Ludwig von einer so schweren Krankheit befallen^), daß man an der Möglichst iVbattli. kur. aä L. 124;. x. 68s. 27) Nach Ioinville (esi. I>Li. 1761 bol. x. 24) zu Paris, nach Wilhelm von Nangis (bei, Onoiresne r. V. I>. 84 i) zu Pontoisc (ronlissr-e), nach Wilhelm Euiart (in Hiscoire äo der Abtei, Maubuisson bey Pontoise. Auch in Beziehung auf die Zeit der Krankheit sind die Nachrichten abweichend. Oer Mönch Richer (bey Du- cange zu Ioinville S. Zo) und einige andere Schriftsteller behaupten, dag Ludwig schon am Ende des Monats November (oiroa besinn, 3 . >znärene, erkrankte; Wilhelm von Nangis giebt aber die Zeit der Erkrankung des Königs sehr genau auf folgende Weise ante bestnm 8. Isicnee virginls (10. December). Vgl- IVIarini 8nnnri Leer. sistel. oruois m. I-LIS XII. oax. 1. x. 217- Wilhelm Gu- jart seht die Krankheit des Königs noch in das 2 ahr 124z; die Krankheit des Königs war übrigens die 16 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. I. 2^^'keit seiner Genesung verzweifelte. Die Gefahr, in welcher der geliebte König schwebte, erweckte in ganz Frankreich schmerzliche Teilnahme, und die Prälaten sowohl als die Barone eilten ans allen Gegenden des Reichs an den königlichen Hof, wo sie zwey Tage angstvoll und bekümmert abwarteten, was Gott über den König verfügen würde. Als die Krankheit sich verschlimmerte, so wurden in allen französischen Kathedralkircheu Vittfahrten, öffentliches Gebet und die Vertheilnng von Almosen angeordnet, um von der Gnade Gottes die Genesung des Königs zu erwirken; und der Abt Odo von St. Denys ließ auf die Bitte des Königs und seiner Mutter, der Königin Bianca, die in der Kirche von St. Denys anfbewahrten Gebeine der Heiligen Diony- sz.D-c.sius, Rusticus und Eleutherius erheben und am Freytage vor Weihnachten in fcyerlicher Bittfahrt umhertragen, was nur, wenn das Reich in großer Nolh sich befand, zu geschehen pflegte, und daher viel Volk aus Paris und anderen benachbarten Städten herbeyzog Fast während eines ganzen Tages lag der König bewußtlos. Diejenigen, welche um sein Bett standen, waren zum Theil der Meinung, daß Gott die, Seele des frommen Königs bereits zu sich genommen hättet), und, wie Ludwig selbst erzählte, eine Frau war schon im Begriffe, das Betttuch über sein Gesicht zu ziehen, eine andere aber verhinderte solches, indem sie behauptete, daß der König noch athmete. Während des Ruhe (valicka tevris et vckemens Nuxus ventris nach 6uil. cke Ikang., nne tres - cruel nialastie, tres - venr- sicicns, nach Gujart), und (nach Matthäus Paris sä L. ,244. x. 6Zt) die Folge einer Ansteckung, welche der König in Der Picardie aus seinem Feldzuge wider die Engländer (cum negotiis vellicis inäulsissct) sich zugezogen hatte, rg) 6uil. äe I^ang. I. c. 2g> I o xeuxle entour tue amass« Not uue Ireure xour tiesxasse. 6uiII. Ouiart x. izg. Vgl. 6uil. cko Hang. 1. 0 . 17 Krenzgeläbde Ludwig deslX- Streites dieser beyden Frauen gab Gort dem Könige die Ab- verlorene Sprache wieder; die ersten Worte, welche er redete, waren, daß er das Zeichen des heiligen Kreuzes forderte; und als die Umstehenden ihn abmahnten von einem so übereilten Einschlüsse, so erwiederte Ludwig, daß er nicht eher Speise und Trank nehmen würde, als wenn sein Wille erfüllt wäre; worauf der Bischof i»on Paris, welcher nebst dem Bischöfe von Meaur an dem Bette des Königs sich befand, aus einem Stücke Seide ein Kreuz schnitt und dass . selbe weinend dem Könige überreichte. Ludwig küßte dieses Kreuz und ließ es sogleich an seiner Schulter befestigen 3°). Die Königin Bianca freute sich zwar sehr, als sie hörte, daß Gott ihrem Sohne die Sprache wiedergegeben hatte; als sie aber vernahm, daß Ludwig das Zeichen des heiligen Kreuzes genommen und Gott als feyerliches Opfer sich geweiht hatte b>). so wurde sie wiederum so traurig, als ob ihr Sohn durch den Tod ihr wäre sntrissen worden Der fromme König aber eignete das Verdienst seiner Genesung der wirksamen Fürbitte der drey Schutzheiligen von Frankreich bey Gott zu; denn seit dem Tage, an welchem Zc>) loiuville p. 24. Ouil. äs I^au§. und 6uiart a. 6. Q. Vre äe 5 r. l.ouL8 (in Der Ausgabe von Joim ville vom 2 . 176c) p. Z03. Hugo Plagon x. 750. Marin. San. x. 317. Zi) Voven8 se Oeo in 8irout3ueum Iioioeaustum. IVIattli. laris 1. e. Z 2 ) Girant 1a ko^ne sa märe 80t uiort. loiuville a. a. O. Es ist also unrichtig, was Matthäus Paris (a. a. O.) berichtet: Mater kcZis VII. Band. ap^»1ioaii8 oruoem eanctam et eoro- 11LM et lauoearu Olirlsti suo tem- xore aoguiLitss eorxorL kexiZ, et votum lacieus xro ev, yuoä «i ixsum äi§uaretur 61iri8tu5 visitare et 8anum reääere et couservare, oruoe 8i§naretur, eexulelirurn ejus vi8ltaturus iu terra, ^uam xroprio LsuAuiue con8eeravit. Die ersten Worte, welche der König Ludwig sprach, nachdem er wieder zum Be- wuötscyn gekommen war, sollen nach Matthäus PariS gewesen seyn: vi- sitavit me xer Oci graliam orieils ex alko et a morruis rev^ocavit me. B ?. ehr. 1248- 19 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIll. Kap.I. die feyerliche Vittfahrt zu St. Denys von dem Abte Odo mar gehalten worden, hatte der Zustand des Königs sich gebessert ^). Die Nachrichten, welche zu der Zeit, als Ludwig erkrankte, von der schrecklichen Verwüstung des heiligen Landes durch die grausamen Chariemier gemeldet wurden bewirkten ohne Zweifel seinen Einschluß, das Kreuz zu nehmen, und nichts war natürlicher, als daß der fromme König im Gefühle der Dankbarkeit für seine beginnende Genesung es Gott gelobte, das bedrängte Land des Erlösers aus den Händen der Ungläubigen zu retten. Seine Zeitgenossen aber erklärten sich dieses ihnen unerwartete Gelübde durch ein Wunder, indem sie erzählten, daß Gort dem kranken Könige in einem Gesichte schon am Feste des heiligen Andreas einen für die Christen unglücklichen Kampf, welcher an diesem Tage im heiligen Lande sich ereignet haben soll, gezeigt, und eine himmlische Stimme ihm zugerufen habe: König von Frankreich, lasse solche Schmach nicht ungerächt Ludwig wurde in seinem Entschlüsse, das heilige Land zu retten, noch mehr bestärkt durch die Berufung der Kir- chcnversammlung zu Lyon, auf welcher nach der päpstlichen Bestimmung die Anordnung eines neuen Kreuzzugs berathen er LleutUerii aä proeeseiouem äo- xoilsm sunt, x-xilLliio aegriruäiue Negis aeorcsoeiite, aoepit Ncx mc- iius se Imdore. 6uU, - S4-- 84) 6ui>. sie dlaiig. 1. a. 38) Niclicr. moimcli. bey Oucange zu Ioinvilte x. 8 °: wir finden aber keines Kampfes erwähnt, welcher am Andreastags (zo. Nov.) >244 in Syrien Statt fand, obgleich der Mönch Richer, nachdem er das Gesicht des Königs Ludwig erzählt hat, hinzu- fngt: vugttL guipi>o st, ixso liege inluira »ceiäit irr kesro s. tVufircae, er sicur vificrar verum tun. 19 Koeuzpredigten des Cardinals Odo, werden sollte^):; und er kündigte daher schon im Anfänge des Jahrs 124z nicht nur den syrischen Christen in einem Schreiben seine Kreuzfahrt als nahe bevorstehend au und ermähnte sie, im Vertrauen auf seinen baldigen Beystand die Städte und Burgen, welche noch in ihrer Gewalt wären, standhaft zu behaupten^); sondern er übersandte ihnen auch mir der jungen Ritterschaft, welche damals aus den im Abendlande befindlichen Hausern der Orden des Tempels und Hospitals nach Syrien sich begab, eine beträchtliche Unterstützung an Geld und selbst eine bewaffnete Mannschaft. Auch bat er den Papst dringend, einen beredten und klugen Kreuzprediger nach Frankreich zu finden Bald nach der Beendigung der Kirchenversammlung erfüllte Jnnocenz die Bitte des Königs Ludwig; denn schon im Monate August des Jahrs 1245 kam als päpstlicher Legat der Cardinal Odo von Chateaurour ^), Bischof von Tusculnm, ehemaliger Kanzler der Kirche von Paris, an den königlichen Hof, um das Kreuz in Frankreich zu predigen, und Ludwig berief hierauf die französischen Prälaten und Barone nach Paris zu einem Parlamente, welches in der Woche nach dem Feste des heiligen Dionysius gehalten werden sollte. Auf diesem Parlamente predigte der Cardinal, unterstützt durch die Ermahnung des Königs Ludwig, 3ü) In den Verhandlungen der Kirchenversammlung zu L»on, so weit wir dieselben kennen, geschieht zwar, der von dem Königs Ludwig gelobten Kreuzfahrt keine Erwähnung: Matthäus Pariö aber und alle andre Schriftsteller, welche von jener Kirchenversammlung reden, geben nicht tn LaS Einzelne der Verhandlungen ein, welche die Kreuzfahrt betrafen, und cs ist nicht glaublich, daß Inno- ccnz IV. in seinen Ermahnungen zur Kreuzfahrt deS von dem Könige von Frankreich übernommenen Gelübdes gar nicht gedacht haben sollte. Z7) Hugo Plagon x. 7Z0. Marin. San. x. 117. 33) Msttli. Var. alt L. 1245. x. 637. 3g) Otto üe Lsstro Loäutxhi (Lüttes tto Lhsstcsu roon bei) Eujarl x. izg). Monseigneur Lusouisn, süoncgues Legst (tu siege äc Lamme in der Vie cte St. Louis x, zoz. B 2 2O Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. I. ^iE'das heilige Kreuz mit solcher Wirksamkeit, daß die drey Brüder des Königs, Robert Graf von Artois, Alfons Graf von PoitierS und Karl von Anjou die Kreuzfahrt gelobten, und mit ihnen die Erzbischöfe Jnhellus von Rheims und Philipp von Vourgeö, die Bischöfe von Beauvais, Lao» und Orleans, so wie der Herzog Hugo von Burgund, die Grafen Wilhelm von Flandern, Peter von Bretagne und dessen Sohn Johann, Hugo von der Mark und dessen Sohn Hugo der Braune, Johann von Montfort, Ravul von Coucy nebst Hugo von Chatillvn, Grafen von St. Pol und Blois, und dessen Neffen Gauchier, und andere §°). Auch der treffliche Johann von Joinville, Seneschall her Champagne, welcher das Leben des heiligen Ludwig in einer ungekünstelten, kräftigen und wahrhaft ritterlichen Sprache eben so anziehend als treu geschildert hat, nahm das Zeichen des heiligen Kreuzes Zu eben der Zeit, als der Cardinal Odo in Frankreich das Kreuz predigte, sandte Jnnocenz in das deutsche Reich bewegliche Briefe, in welchen er die schreckliche Verwüstung der Stadt Jerusalem und des übrigen heiligen Landes durch die Charismier schilderte und die Deutschen ermahnte, für den Heiland sich zu bewaffnen ^). Diese Ermahnung scheint aber, obgleich die Schilderung des Papstes von der Noth des heiligen Landes allgemeines Mitleiden erweckte, nicht von großer Wirksamkeit gewesen zu seyn; denn in Deutschland beschäftigte der Streit des Kaisers Friedrich mit dem Papste so sehr alle Gemächer, daß weder die deutschen 40) 611N. äe dl->»x. x. Z44. Vio Grafen von SoissonS!„,d Reich Püi- äc 8r. Ironie a. a. O. Nach Mat- lipp von Courtcnay, Walter von Ju- thäus Paris (-ul 1245. l>. 635.) vcni und Aegidius von Maikli, Vogt »ahmen außer den Im Texte genau»- von Bethune. ten noch daü Kreuz: die Gräfin von 41) loinviUo x. 04. Flandern mit zwey Söhnen, die 4s) xrldcitus St-ulc»?is p. Bemühungen Ludwig IX. für die Befestigung des Feiedens. 2L Fürsten noch die Ritter und das Volk der lebhaften Theil-^;^ nähme an irgend einer anderen Angelegenheit fähig waren. Dem Könige Ludwig entging die Bemerkung nicht, daß ein allgemeiner Kreuzzug so lange unmöglich wäre, als die abendländische Kirche durch innern Unfrieden zerrüttet wurde; und er bemühte sich daher mit großem Eifer, den Frieden wieder herzustellen. Nachdem die Verathunge» des von ihm nach Paris berufenen Parlaments beendigt waren, erließ er noch im Monate Oktober zu Pontoise eine Verordnung, durch welche die Amtleute seines Reichs angewiesen wurden, einen fünfjährigen allgemeine» Frieden, anfangend vom St. Johannistage des nächsten Jahres, zu verkündigen und mit aller Strenge aufrecht zu erhalten, so wie auch den Rittern und freyen Männern"), welche das Kreuz genommen hätten oder nehmen würden und Schuldner von Bürgern wären, nicht weniger den Bürgen solcher Schuldner, eine dreyjährige Zahlungsfrist, anfangcnd von demselben Tage, zu gewähren "). Bald hernach, am Ende des Monats November"), besprach sich Ludwig, welcher das 43) rrriwiUiii, «n li-iuvis Iiomi- nttnis. 44 ) Dieses AuSschreiben des Königs Ludwig sicht In Lstin. Martene ct Ws. Hurenst collect. ampl. 34 I. t>. -295. 45) In stiel-us illls icvoliito mu- Uitü temporls liiretvallo (post par- litineitttlitl Ilarisiis llal-itnni). Onil. dstiux. p. 34Z. (liicir lestum 8. tVn- Urcitc. lVIattlt. I?l>il» scl a. 1243. p. 60Z. Wgl Liironicon Olnnlaccnso >U Ilaiualstl -Innal. t-cclcs. ,nl a. 124z. 79. U»d dlicol. >ic (lnil-io vilit Iitnoo. IV. cap. 2t. Nach der Chronik von Clugny feverte der Papst am St. AndreaStage die Messe In der größeren Kirche von Clug»,,, in Gegenwart von zwölf Cardinälcn, Len Patriarchen von Antiochien und Con- stantinopel, dem Könige von Frankreich und dessen Schwester, so wider Kölligin Bianca, der Mutter deü Kölligs, den. Grafe» von ArtviS, dem Kaiser Balduin von Constanti- novel, einem Sohne des Königs von Aragonieu, einem Sohne deü Königs von Castilien, dem Herzoge von Burgund und anderen Fürsten. Rach Nikolaus de Curbio trugen an diesem Tage die Cardinäle zum ersten Male die rothcn Gewänder (capellos m dcos), welche ihnen daS Coneilium 22 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. I. ^ 45 ? von der Kirchenversammlung zu Lyon wider den Kaiser Friedrich ausgesprochene Urtheil nicht gebilligt haben soll "6), zu Clugnymit dem Papste Jnnocenz über die Angelegenheiten der Kirche. Obwohl die Verhandlungen, welche daselbst mit Theilnahme der Königin Bianca wahrend sieben Tage Statt fanden, sehr geheim gehalten wurden, so blieb es doch nicht unbekannt, daß ein Hauptgegenstand jener Besprechungen die Ausgleichung der Streitigkeiten des Papstes mit dem Kaiser Friedrich und dem Könige Heinrich von England und überhaupt die Wiederherstellung des Friedens der Kirche gewesen war"^); und wahrscheinlich erwirkte sich zu Lyon als Kennzeichen Ihrer Würde bewilligt hatte. 46) Lest iroo (den über den Kaiser Friedrich ausgesprochenen Bann) Ncx isterrr Idriäeiions guonstam suratirs snus extiterat. Olironioon Leiio- riiense in 5prei1e§. 1'. II. I>. 6za. 47) Nach Wilhelm von Nangis zu Lyon, was schon Pagi alS einen Schreibfehler bezeichnet hat. Wgl. ^Vvta Sauctor. Loliaust. XXV. Xug, I'. M. 48 ) iVIattii. k-erie I. e. Vgl. Idai- Itakäus aä a. 1S4S. §. 27. (aus einem ungedrucktcn Briefe des Petrus de Winea ). Matthäus Paris redet bey dem Jahre ,2gS noch einmal von dieser Zusamtncnkitnfr und bemerkt daselbst, der Kaiser Friedrich habe damals durch die Dermittelung des Königs von Frankreich dem Papste angeiragcn, dah er, falls der Papst ihm und seinem Sohne Conrad die Wiederaufnahme in den Schoos; der Kirche gewähren würde, sich verbindlich machen wollte, sein ganzes übri ges Leben im heiligen Lande zuzu- reguum iutegraliter pro pogse suo rcslilnnerns cultui Lirristiaiio) und das Kalserthum seinem Sohne zu übergeben. Wenn Friedrich wirklich diesen Antrag machte, so war es ihm sicherlich damit nicht Ernst, und Jnnocenz IV. hatte Recht, dem Könige Ludwig zu antworten: „ Solches und noch Eröhercs har der Kaiser mehr alS einmal eidlich versprochen und niemals erfüllt. " Oer König Ludwig stellte hierauf dem Papste vor, dag das heilige Land nicht be, freyt werden könnte ohne die Unter- stüHung des Kaisers, welcher über die Häfen und Inseln und über einen großen Theil der Küstenläpdcr geböte und alles genau kennte, was zur Förderung der Kreuzfahrt gehörte, ilder- Heum propitio, gut portudnrs prac- e»t et insitlis et spatiosis lcrrib Mari eonterminis et gut novit omnia Vemnhnngen LudwigIX. für die Befestigung des Friedens. 23 Ludwig bey dieser Zusammenkunft von dem Papste die Be- vollmachtigung, zum Behufs der Kreuzfahrt von den französischen Kirchen den zehnten Theil ihrer Einkünfte als Steuer zu erheben"). Durch alle diese ernstlichen Bemühungen hinderte Lud-2^. wig nicht den Ausbruch des Kriegs zwischen dem Papste und dem Kaiser; er setzte aber seine Bemühungen für den Frieden um so eifriger fort, als er fürchtete, daß der Kaiser durch seine feindseligen Gesinnungen gegen den römischen Stuhl bewogen werden könnte, der Kreuzfahrt Hindernisse in den Weg zu legen und den Pilgern die Hafen seines Reichs zu verschließen^). Nachdem der Kaiser selbst den König Ludwig um die Vermittelung des Friedens ersucht hatte, so sandte dieser im November des Jahrs 1246 zwey Botschafter an den Papst, um sowohl dem Wunsche deS Kaisers zu genüge», als wegen der Angelegenheiten deS heiligen Landes des Papstes Meinung zu vernehmen; Juno- tur3). Auf den Papst aber machten diese Vorstellungen keinen Eindruck. ^on8dNi.t.-ilcko ckominns kapa 3ä suii- virliurn l'errrie kairotue aooiplt vioe- rimam, vickelioec utergue ack trien- LiniQi. IVIuttilLerir» Inaris ack 3 . 1246. 1>. ?io. go) Aeo poteraut (I^ex ^raitoiao et epis ma^imtes ) itecfuo per msre ne^uo per terras clioti Imperaroris, nisr pleue eoelesiae paoistoaretur er si possent, non expeckiret 6lirisro iir terra ssnet-r mLUtare, reliets iit olimate Oliristianortlm post ter^a inrer tam cki§nas et altss persoil-»s scäinoile tum iirveterum et äamilo- 83. IVlsttii. 7?3ris aä 3 . 1245. p. 683. Lr) Den Bischof von Senlis und den Eustos von Bayeux. 24 Geschichte der Krcuzzügc. Buch VIII. Kap. I. ^E^'cenz xrtheilte nur in Hinsicht des heiligen Landes den Botschaftern des Königs mündlich die gebetene Auskunft, und in Beziehung auf seinen Streit mit dem Kaiser gab er in einem an den König Ludwig gerichteten Schreiben die allgemeine Zusicherung, daß er aus Rücksicht auf den Wunsch des Königs mit dem Kaiser so milde und nachsichtig, als es ohne Sünde geschehen könnte, verfahren und denselben, falls er ernstlich gesonnen seyn sollte, zur Einheit mit der Kirche zurückzukehren, in Gnaden annehmeu würde"). Als Ludwig aber endlich sich überzeugte, daß der Kaiser Friedrich nimmer sich bewegen lassen wurde, durch unrühmliche Unterwerfung unter den Willen deö Papstes den Frieden zu erkaufen: so trug er im Jahre 1247 zu der Zeit, als der Kaiser Anstalten machte, aus Italien in Frankreich einzn- brechen, dem Papste seinen Beystand an und erbot sich, mit einem zahlreichen Heere über die Alpen zu gehen und den Kaiser in Italien zu bekriegen; und auch die Königin Bianca, so wie die mit dem Kreuze bezeichneten Brüder des Königs waren entschlossen, an dieser Heerfahrt Theil zu nehmen. Als aber der Zug des Kaisers nach Frankreich durch den Abfall der Stadt Parma war vereitelt worden, so verbat sich der Papst Jnnocenz in höflichen Schreiben den angetragenen Beystand"). Der Kaiser Friedrich hatte wahrend der Unterhandlungen, durch welche der König Ludwig eine Versühnung zwischen ihm und dem Papste zu bewirken suchte, keinesweges feindliche Absichten gegen die Pilger, welche damals entschlossen waren, sich dem Dienste des Heilandes zu weihen, 52) Schreiben dcS Papstes Jnnocenz IV. nn Den König Luvwig IX. vom Z. Nov. 1246 in IlLinLiili omi. cooles, oll a. 1246, h. 25. 26. L3) S. die Schreiben des Papstes an Ludwig IX. und die Königin Bianca vom ig. Mai »247 in u-I- i>ill<1i <»n>, cool, ast 0.1247, h. »z-16- 25 Gesinnung des Kaisers Friedrich. geäußert, sondern vielmehr verheißen, ihre heilige Unterneh- mung zu befördern. Als er im September des Jahrs 1246 seinen Hofrichter Petrus de Vinea und den Meister Wilhelm von Ocra an den Hof des Königs von Frankreich sandte mit einem Schreiben, in welchem er seinen Streit mit dem Papste der schiedsrichterlichen Prüfung des Königs Ludwig und der weltlichen französischen Pairs unterwarf und die Vermittelung und den Veystand des Königs in Anspruch nahm: so erbot er sich zugleich in diesem Schreiben, entweder in eigener Person an dem von dem Könige von Frankreich beschlossenen Kreuzzuge Theil zu nehmen, oder seinen Sohn Conrad, den Erben des Königreichs Jerusalem, mit den französischen Kreuzfahrern nach Syrien zu senden, und falls die Fondauer des Kriegs mit der Kirche und den Lombarden ihm eine andere Theilnahme nicht gestatten sollte, die Kreuzfahrt wenigstens durch die Lieferung von Schiffen und Lebensmitteln zu unterstützen"). Nachdem der König Ludwig in Folge dieses Antrages Botschafter an den päpstlichen Hof gesandt hatte, so erließ Friedrich im Monate November des Jahrs 1246 eine Verordnung, in welcher er den Justitiarien, Cämmerern, Procuratoren und allen Getreuen des Königreichs Sicilien befahl, zu gestatten, daß im ganzen Umfange des Königreichs dem Könige Ludwig von Frankreich, seinem geliebten Freunde, welcher am Johannistage des nächstfolgenden Jahres 1247 die Meer- fahrt nach dem heiligen Lande anzutreten gedächte, und dessen Waffengefährten Pferde, Waffen, Lebensmittel und andere Bedürfnisse für billige Preise verkauft würden, auch 84) Das Schreiben dieses JnvaltcS, eor Nes ONartres an Uoi befindlichen welches Friedrich am W. Sept. »ags Originale von Oucange »litgetbcllt auS Crcmvna an den König Lud- worden, in den Anmerkungen zu wig IX. erließ, ist nach dem Im 'rrö- Joilwille l>. 86. 87. 26 Geschichke der Kreuzzüge. Buch VIII. K a p. I. 2 -^br>der Ausfuhr solcher Gegenstände nach dem Lande jenseit des Meers vom Marzmonate des Jahrs 1-47 an wahrend der ganzen Dauer der Kreuzfahrt des Königs von Frankreich keine Hinderniffe in den Weg zu legen Seitdem ober Ludwig seine frühere Ansicht über die Verhältnisse des Kai'crs und des Papstes geändert und dem römischen Stuhle zur Bekämpfung des Kaisers den Veystand seiner Waffen angetragen hatte, durfte er von Friedrich keine Begünstigung des Kreuzzugs erwarten. Seit dem Sommer des Jahrs 1246 traf Ludwig schon Anstalten zur Vollziehung seines Gelübdes; denn im Augustmonate dieses Jahrs kam ein französischer Botschafter nach Genua, um im Namen des Königs Ludwig mir dem Po- desta dieser Republik wegen Ueberlassung von Schiffen zur Ueberfahrt der französischen Pilger nach Syrien zu unterhandeln ; worauf der genuesische Kanzler Wilbelm de Vora- giue nach Frankreich sich begab und mit dem Könige einen Vertrag wegen der Lieferung von sechszehn neuen Galeen zum Dienste der Pilger abschloß, und Ludwig zwey genuesische Edle, Hugo Lercarius nnd Jakob von Levanto, zu seine» Admiralen ernannte, welche auch alsbald nach Frankreich sich begaben "). Nach dem Bcyspiele des Königs zzl Auch diese Verordnung, erlassen zu Luceria, findet sich Key Du- ränge a. a. O. i>. 57 - ES ist aber in Hinsicht des Datums eine Schwierigkeit, indem die Jahreszahl 1746 und die fünfte Jndiction angegeben wird; eine von deichen Angaben ist aber falsch, denn das Jahr rogü ist die vicrie- Jndiction. UcbrigenS würde daö Jahr ,047 oder die fünfte Jn- diciion insofern rastender seyn, als in der Verordnung angegeben wird, daß der AuSzug des Königs von Frankreich im folgenden Jahre (1243) Statt finden sollte, wie cs wirklich der Fall war. Dagegen läßt sich aber cinwendcn, dag in, Jahre 1247 das freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Kaiser und dem Könige von Frankreich, welches jene Verordnung veranlagte, nicht mehr bestand. 46) U-rrlliolomaer ,Vnna1e.-- kto,,,,- onscs aä a. 1246. (in lVInr.riori Svri- l'tvr. »er. Ir. 17 VI. x. 5,0). Anstalten d. K. Ludwig IX. zur Vollziehung d. Kreuzfahrt. 27 trafen auch die Barone, welche das Zeichen des Kreuzes trugen, Anstalten zur Vollziehung ihres Gelübdes, und der reiche Graf von St. Paul und Vlvis ließ in einem schottischen Hafen ein Schiff von wunderbarer Größe für seine Meerfahrt erbauen ^). Der Ausführung des Kreuzzugs stellten sich aber so viele und so große Schwierigkeiten entgegen, daß dieselbe noch um zwcy Jahre verschoben werden mußte. Wenn auch Ludwig die Gefahr, welche der Krieg des Kaisers gegen den Papst über Frankreich bringen konnte, seitdem Jnnocenz in einer französischen Stadt seinen Sitz genommen hatte, nicht berücksichtigen wollte: so war doch die Zahl derer, welche das Kreuz genommen hatten, im Jahre 1246 noch nicht so beträchtlich, daß die Kreuzfahrt mit Erfolg unternommen werden konnte; und die Ermahnungen des Bischofs von Berytus und des Cardinals von Ostia hatten in Frankreich mehr bep den Fürsten und Baronen als bey den übrigen Rittern und dem geringen Volke Eingang gefunden. Nicht einmal die Dienerschaft des Königs Ludwig ließ sich durch den Vorgang ihres Herrn zur Annahme des Kreuzes bewegen; und Ludwig sah sich dadurch veranlaßt, durch eine fromme Lisi seinen Hvfleuten das Zeichen des heiligen Kreuzes aufzudringen. Da nach einer herkömmlichen Sitte der König von Frankreich sowohl als die französischen Barone ihre Dienerschaften an mehreren hohen Festen mit neuen Kleidern beschenkten s§ ließ Ludwig für das Weihnachtsfest des Jahrs 124Z solche Klci- 57) Lomes Ilngo Ntlvein minadi- Vorländer»), 1-osset -Ntäacrcr. MstlN. lem x.iravcmr in regno 8001(30 in I'avls uä .1. 12)9. p. 772. VIvcrncs eivc in IVIurcs, in gno 5g) IVlntatoria rcccnlit!, sagt Mat' ir-nissretaro oum Nolonicnsilins «t tbäus Paris -cs a. 1255. 690 (der rianäiensiiin, cr gni vniz-nnor cie einzige gleichzeitige Schriftsteller, ivco /Vvaltorri-äicnnrnr cd. i, de» Nie- cher unö von der sonderbare» List, 28 Geschichte der Äreuzzügc. Buch VIU. t>tap. l. der von schönem Tuche und in größerer Iaht, als sonst gewöhnlich war, verfertigen, dieselben mit mancherlei) Pelzwerk verziere» und auf den Schultern mit einem Kreuze von feiner Goldstickerei) versehen. Die Ritter des königlichen Hofes, welche erst am frühen Morgen des Christtagcs diese Ehrenkleider empfingen, legten, ohne solche List zu ahnen, dieselben an nnd begleiteten den König zu der Frühmesse. Erst wahrend der heiligen Handlung wurden sie zu ihrem Erstaunen es gewahr, daß sie das Zeichen des Kreuzes trugen; sie hielten es aber für schimpflich, dem Dienste des Heilandes sich zu entziehen, und nannten den König, welcher ohne ihr Wissen das Kreuz ihnen aufgedrungcn hatte, lachend und weinend zugleich einen Pilgerjager und Menschenfischer "). Wenn aber auch eine hinlängliche Zahl von Pilgern willig gewesen wäre, mit dem Könige Ludwig nach dem heiligen Lande sich zu begeben, so würde doch das gespannte Verhältnis;, in welchem die Könige von Frankreich und England zu einander standen, die Verschiebung der Kreuzfahrt nothwendig gemacht haben; denn nach mehrjährigen Fehden hatte Ludwig den König Heinrich von England nur zur Ge- durch welche der König Ludwig seine» Hoflcuten daS Kreuz aufdrang, einen Bericht überliefert bat ), gnao xuvvcrnnt. Solche Kleider, welche man auch Uvrec, nennt, wurden an alle diejenigen, welche zum Hause des Königs von Frankreich gebürten idle Königin, die Prinzen, die Beamten der Krone und des HofeS), gewöhnlich an den Festen Weihnachten, Lichtmcffen, Pfingsten, Mariä Him- melfabrt und Allerheiligen vertheilt. elfnsioim faatenres, ciominnm iz,pnm Itcgcm ibranoornm xroplcr Iioc Ni- etnni pero^rinänUornm (i-eregtina- tornm) vcimtorem et iiominnm no Vilm vocaverunt z-iscatvrem. iVlat- tlracus I-aris. 29 Verfahren des Papstes Jnnocenz IV- Währung eines Waffenstillstandes vermocht; und obgleich im^kk'r. Anfänge des Jahrs 1246 neue Unterhandlungen angeknüpft wurden, so vereinigten sich die bcydcn Könige doch nicht zu einem beständigen Frieden, und der König Heinrich bewilligte am Tage des heiligen Hilarius, um die Sache des^-2an. Kreuzes nicht zu hemmen^), „irr eine Verlängerung des Waffenstillstandes. Die Ermahnungen zur Annahme des Kreuzes und zur Mitwirkung an der Errettung des heiligen Landes, wenn sie auch eifrig fortgesetzt wurden, und der Papst sowohl seinen Legaten in Frankreich, den Bischof Odo von Tuscnlum, als die Bischöfe anderer Länder aufmunterte, das Kreuz zu predigen 6'), konnten um so weniger von irgend einem Erfolge seyn, als der Papst selbst die Wirkungen solcher Ermahnungen vereitelte. Denn während die Kreuzprediger durch die Zusage der Vortheile und Begünstigungen, welche die Kirchenversammlungen des Laterans und von Lyon den Kreuzfahrern zugesianden hatten, die Gläubigen für den Dienst des Heilandes im Lande jenseit des Meers zu gewinnen sich bemühten, bot der Papst durch Briefe und Voten dieselben Vortheile an für Dienste, welche mit geringeren Kosten, geringerer Anstrengung und geringerer Gefahr geleistet werden konnten; und selbst diejenigen, welche schon das Gelübde der Mcerfahrt nach Syrien abgelegt hatten, erlangten ohne Mühe nach ihrem Wunsche die Umwandlung 60) kr« visterclnr orncis negotium jrnpeäire. IVl-ttii. Paris ast,i. 1246. x. 691. 692. 61) Den Cardinal Odo sowohl als die frisischen Bischöfe ermahnte Jnnocenz im Jahre 1246, das Kreuz zu predigen und die mit dem Kreuze Bc- zeichneten zur Vollbringung ihres Gelübdes anzuhalten; doch fügte der Papst in Beziehung der letzter» die Beschränkung hinzu: nisi körte üs irnpestiinentis iin^iieiti essent, irr eorum vokL commutanäa vläeren- tur. ^.un. eeeles. All L. 1246. tz. 54. I. Ckrr. 1246. 30 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. I. ihres Gelübdes. Als der König Hakon von Norwegen im Jahre 124Ü mit dem Kreuze sich bezeichuele und wider die Saracenen im Lande jenseit des Meers zu kämpfen gelobte: so ertheilte Jnnoccnz zwar dem frommen Eifer des Königs die gebührenden Lobsprüche, verstattete ihm aber, seine Waffen gegen seine heidnischen Nachbarn zu kehren "). Die Privilegien der Kreuzfahrer wurden nicht nur denen bewilligt, welche in Frankreich die Albigenser"), in Spanien die Saracenen"), im Norden die heidnischen Eschen und Licf- lander"), und zur Beschützung des Königreichs Ungarn die unchrisilichen Bosnier") und die Tataren") bekämpften, oder ihre Waffen der Vertheidigung des lateinischen Kaiscr- throns von Constantmopel zu widmen versprachen sondern selbst denjenigen wurden Kreuze und Ablaß ertheilt, welche in Deutschland für den Pfaffenkönig Heinrich Ra- spo") und nach dessen Tode für den von der hierarchischen Partey zum Könige erwählten Grafen Wilhelm von Holland wider den Kaiser Friedrich stritten; und den Predigermönchen ertheilte Jnnocenz den Auftrag, wider das Hohenstaufische Haus in Deutschland das Kreuz zu predigen ^°). In Italien 63 ) N-rinalstr 2NN. eoclos. 1 .6. H. Z8. 6z> Dem Bischöfe von Agen cr- theilie Jnnocenz Im Jahre 1246 den Auftrag, denen, welche wider die Al> bigenser streiten würden, den Ablaß zu verleihen. Uainalä. 1 . 0. 4. 38 - 64) Ilrinaiä. 1. 0. 4. 40. 68) Ilainalü. --t 2. 1245. 4. so. yi. 66) Dem Erzbischöfe von Äolocza, welcher die heidnischen Bosnier bekämpfen wollte, sandte Jnnocenz das Zeichen des heiligen Kreuzes. Nai- iralä. sä 2. 1246. h. Z7- Vgl. »<1 2. 1247. 4- 36. Ü7) Als der König Bcla von Ungarn im Jahre 1247 den Papst um Hülle gegen die Tararcn angesprochen batte, so schrieb ihm Jnnoccnz, «0 omncs LÜ rcrrao S2N0t20 argue Im- xorü Qonstrntinopolit.rni ros orrroo insignikos aiiosgne pinres iUiic (in klngariam) ciirocturnm, rwi ccrt,rm 26 co baiuLM sntur.ro Irostiiis ira- ^ressionis aeocpisscr. Iloinalll. och 2. 1247. 4. 26. 68) Ilrinrlä. rä 2. 124z. 4. 4g. »cl 2. 124S. H. Z4. 6g) LUicrt. Slsst. x. zig. Vgl. Nrinaici. ari 2. 1246. §. 6. iL. 70) Nainalü. 2tl 2. »247, h, 7, 3 ! Zustand der Christen in Syrien. nährte der Papst durch Aufreizungen und Verheißungen von mancherley Art den Krieg der welfischen Partey gegen den Kaiser, und die sicilischen Unterthanen des Kaisers suchte er zum Abfalle von ihrem Herrn zu verführen, indem er in einem Schreiben, welches zwey Cardinäle als Legaten des apostolischen Stuhls den Prälaten, Grafen, Baronen, Rittern und dem Volke des Königreichs Sieilien überbrachten, die Segnungen der Freiheit, zu welchen der Weg ihnen offen stände, mit lockenden Farben schilderte. „Das Gerücht von der Bedrückung," schrieb Jnnvcenz in diesem Briefe, „welche ihr erduldet, hat sich in alle Länder verbreitet, und eure Seufzer, welche überall gehört worden sind, haben allgemeines Mitlciden erweckt. Viele wundern sich zwar, daß ihr nicht darauf bedacht gewesen seyd, dem schweren und schimpflichen Joche, welches auf euch lastet, und den Erpressungen, welche wider euch selbst und euer Vermögen geübt werden, euch zu entziehen und euch nach dem Beyspiele anderer Völker die Tröstungen der Freyheit zu verschaffen; der apostolische Stuhl aber entschuldigt euch mit der Furcht, welche unter der Zwingherrschaft eines zwey- ten Nero eurer Herzen sich bemächtigt hat 7*)." Während der König Ludwig trotz der Hindernisse, welche die Vollziehung seiner Kreuzfahrt verzögerten, mit rastloser Tbätigkeit seine Bemühungen für dieses heilige Werk fortsetzte, verschlimmerte sich immer mehr die Lage der syrische» Christen. Nicht nur wurden die Stadt Ptvlemais und die übrigen geringen Reste des Königreichs Jerusalem von dem Sultan von Aegypten und den Charismiern bedrängt, wie im siebenten Buche berichtet worden ist, sondern auch das Fürstenthum Antiochien wurde von furchtbaren Feinden gelt. Clir. 1240. 71) Dieses merkwürdige zu Lyon Schreiben findet sich vollständig bey am sö. April 1-46 erlassene päpstliche NainalduS »ä -246. tz. n—,z. 32 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. I. 2 -Ar. ängstig. Der große Chan der Mogolen, deren Verwüstungen bisher das christliche Land von Syrien noch nicht be- 2. Cbr. rührt hatten, sandte im Jahre 1244 zweymal an den Fürsten von Antiochien Botschafter, welche die drey Forderungen machten, daß die Mauern von Antiochien und allen Städten und Burgen des FürstenthumS niedergerisscn, und die gestammten Einkünfte des Landes an Gold und Silber, so wie drey Tausend Jungfrauen den Mogolen überliefert werden sollten. Obgleich die mogolischen Botschafter mit schrecklicher Rache drohten, falls diese Forderungen nicht erfüllt würden, so gab gleichwohl der Fürst Voemund zur Antwort: „So lange Gott und die Heiligen leben, werde ich solches Begehren nicht erfüllen, und Gott und dem Schwerte das Urtheil überlassen." Nachdem sie diese Antwort empfangen hatten, stießen sie zwar von neuem schreckliche Drohungen aus, die Mogolen fanden aber damals in der Verwüstung von Kleinasien und den Ländern am Euphrat und Tigris hinlängliche Befriedigung ihrer Kampflust und Raubsucht und ließen daher jene Drohungen unerfüllt; jedoch war der Fürst Voemund zwey Jahre später genöthigt, den Mogolen zinsbar zu werden. Aehnliche Botschaften, wie an den Fürsten von Antiochien, sandte der große Chan der Mogolen auch an den König von Armenien und an mehrere muselmännische Fürsten Nachdem die Gefahr eines Einbruchs der Mogolen abgewendet worden war, so drang im Jahre 1247 eine zahlreiche Horde von Turkomanen in das Fürstenthum Antiochien ein, plünderte die Gehöft und Ortschaften und 72) IVIattiraous Varis »ü s, 1L44. I>. 64g. 64g. lieber die damaligen Unternehmungen der Mogolen oder Tataren in Kleinasien und wider Bagdad s. ^dulloäüe , niosl. 2'. IV. l>. 47g. -W. Dag der Fürst von Antiochien Im Jahre 1046 eben so wie der König von Armenien und andere Christliche Fürsten (-Nil nol>i- Ics 6Iiiisti->iri) im Jahrs 124Ü den Mogolen zinsbar wurde, berichtet Matthäus Paris x. 70Z. Zustand der Christen in Syrien. 33 tödtete die Landleute; und da die autiochische Ritterschaft, indem sie die Turkomanen als ein Hirtenvolk, welches unter den Saracenen des Gebrauchs der Waffen am wenigsien kundig war"), verachtete, wider sie nicht in Schlachtordnung, sondern in getrennten Haufen, ohne gehörige Bewaffnung und in nachlässiger Haltung auszvg"): so nahmen die Turkomanen ihren Vortheil wahr, sielen über die einzelnen verfolgenden Ritter und Knechte her, erschlugen derselben eine große Zahl und gewannen eine beträchtliche Beute. Diese Niederlage der anriochischen Ritterschaft brachte große Furcht über das ganze Land. Wenn diese Bedrängnisse, durch welche die Antiochier geangstigt wurden, vorübergehend und von kurzer Dauer waren: so seufzten dagegen die Bewohner deS Königreichs Jerusalem unter fortwährenden Leiden und Drangsalen, welche die Folgen der Zerstörung der christlichen Macht in der Schlacht bey Gaza waren; und diejenigen, deren Unbesonnenheit und Halsstarrigkeit die Ursachen dieses schrecklichen Unglücks gewesen waren, hatten es bitter zu beklagen. 73) 2n der französischen Fortsetzung der Geschichte des Wilhelm von Ly- rus wird (?. 733 ) folgende Beschreibung der Turkomanen gegeben: 6L1 l'urhirerniiiis sour uue §cnr sauv-rxo Hui n'oirr no ville ue ckasnaus, ains soiN: les jors Irerdergiss eii. teures gu'ils onr äo leurres (äo iilrro), er onr desres L §ranr foison, sL oommo dre^ls er mourons er »ri- euues ciiievres er melsinenierir diios er VLselies, er viveur oomure der- edier ( Kerkers) - ne ii. s'enrrerien- nenr äe nul xusin, ne äe rons les Sarraxins n'esr nulle nirrniero äo §enr ^ni iLLins (rooius) soir xrisie äs Isic ä'simes. Nach MarinuS Sa> VII. Band. nutuS (x. 21 g), welcher sonst diese Nachricht der französischen Chronik in lateinischer Ueberseyung mittheilt, kamen die Turkomanen in daS Fürsien- thum Antiochien xci stistiiotum va- tlragues, was aber nichts ist als eine falsche und abenteuerliche Ueber- setzung der t» der französischen Chronik vorkommenden Worte x - r eetrik st'araiiiemeirl et st'eu- nui guo 1'eu lor tatsoir (d. t. um den Quälereven und Neckereycn, welche wider sie geübt wurden, sich zu entziehen), saus oouvoi. Hugo Plagon. C 34 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VHI. K a p. I. daß sie verständigem Rathe kein Gehör gegeben hatten. Das feindselige Verhältniß gegen den Kaiser Friedrich, in welches die Christen des gelobten Landes sich gesetzt hatten, machte es ihnen selbst unmöglich, von dem Sultan Ejub von Aegypten die Bewilligung eines Waffenstillstandes zu erlangen; und dadurch ward ihnen ein Mittel der Rettung entzogen, welches in früheren Zeiten, als die Saracenen noch sehr bereitwillig waren, Anstandfrieden zu gewahren, mehrere Male den Untergang der christlichen Herrschaft in Syrien übgewandt hatte. Der Sultan Ejub, indem er wie sein Vater Malek al Kamel mit dem Kaiser Friedrich in freundschaftlichen Verbindungen stand und mit demselben Gesandtschaften wechselte "), betrachtete die syrischen Christen, welche dem Kaiser den Gehorsam aufgekündigt hatten, als strafbare Rebellen; und daher fand selbst der Antrag der Hospitaliter und Templer, ihre Großmeister und übrigen Ordensbrüder, welche in der unglücklichen Schlacht bcy Gaza in die Gewalt der Muselmänner gefallen waren, mit einer beträchtlichen Geldsumme aus der Gefangenschaft loszukaufen, bey dem Sultan eine sehr schlimme Aufnahme. Geschreckt durch das grausame Schicksal des Grafen Walter von Joppe, welcher zu Kahirah von den Muselmännern 75) Nunoiog Soläani Lab^loiilae, xoLt^uam iäem 8o1äanU8, cum guo äictus k'rläerjeris, xrout Ixsius sol- üani lirreris uuper accepimu5 (vgl. unten Anm. 83.)» a tempore patris e)u5äem Loläani kamiliarltatem et äilectlouem muruam et coucoräiam perLeotsm lindere äiAU 08 c 1 tur, l'er- rao Zauetae et eins liaditatoridus Qkristlanis per se ao euos äamna tz^LvissimL et Lurcstimadiles inju- riss rrroxarLt» (Imperator) lecerat per re§num Lieiliae cum lauäidus aä eiusäem Lolüani extolleutiam Iiouoriüce suscipi et ma^uilice pro- curari.kropter r^uae et slia couteuta iu praeäicta seutouriL (dem Bannspruche, welcher auf dem Com cilium zu Lyon war ausgesprochen worden) .... älctus I?ri<1erjens e5t Imeretici vooadulo secunäum 8srr-. Circularschrelben des Papstes, erlassen zu Lyon am 23. May 1244, bey Nak- naldus aä ». 1244. §. 19. Zustand der Christen in Syrien. 35 aus Rachsucht auf eine unmenschliche Weise war ermordet worden, und besorgt, daß den übrigen gefangenen Christen ein ähnliches Schicksal bevorsiehen möchte, sandten die Hospitaliter und Templer einige in Unterhandlungen gewandte Brüder ihrer Orden nach Aegypten, um die Befreyung ihrer gefangenen Mitbrnder, wäre es auch mit den größten Kosten, zu bewirken. Diese Abgeordneten gewannen zwar durch beträchtliche Geschenke einige der Großen vom Hofe des Sultans und erlangten von denselben die Zusage ihrer Fürsprache; der Sultan aber gab den Emiren, welche ihm das Ansuchen der Christen vortrugen, zur Antwort, daß Leute, welche ihren Herrn, den Kaiser Friedrich, verrathen und in die Hände seiner Feinde zu überliefern versucht hätten, die Regeln ihres Ordens täglich überträten und unter sich selbst in sietem Unfrieden wären, kein anderes Schicksal als schimpfliche Gefangenschaft verdienten Zu diesen Worten fügte 76) Matthäus Paris (aä a. 1246. p. 698 ) legt dem Sultane Ejub folgende Rede in den Mund, welche wenigstens ein Denkmal der Meinung ist, welche sich damals in Beziehung auf die geistlichen Ritterorden gebildet hatte: Misori snnr isri 6Iiri- Ltiani, Huos stäeimus lomplarios er Ilospitalarios, legis er orst.inis sni transgressores. krimo enim volno» rnnr parreis transaetis annis snum Imxeratorem Iriäoricnm in servi- tio Oliristi sui peregrinantem propere kranänlenter, seä per propi- tiam pietatem nostram non prae- valnerunr» Iterum ipsi» <^ui sese ut Iratres aä invioom Eiligere re- nerentnr er in necessüatidns coaä- invaro, lrellnm Iiostilo luter se er ostinm inexoradilo zum per gnin- gnenninm continnarnnt, nee pot- erat Oomes Rieiiaräus, krater Regis ^.ngliae, <^ui inrer eiiristianos lia- lwrnr olarissimus, paeilioare treu- gasc^ne oanto al) ipso initas ixsi ll'emplarii irr ooutemtnm äieti Ri- elraräi, ^nem garcionem (d. t. einen Buben) esse asseredant, et in eon- tumeliam kratrum suornm viäelioer Ilospitalariornm procaciter inkrege- runt. Item nnper in lrello inter nos er ipsos eommisso primieerius eorum et kigniker, Hnem Raloani- kerum vooanr (vgl. Gesch.derKreuzz. Buch Vir. Kap. i. S. 27. Anm. 51), contra oräincm eorum äocretum, xrimus reoalcitravit, in. proelio In- gitivns, Mruo autem mala malis aääenres er oräinis sui transgres- siones rransgrossioniklus acoumu- lantes, magistros ao Iratres suos captivos pro magna pecuniae yuan» C 2 36 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VHI. Kap. I. er mit erzürntem Antlitze den Befehl hinzu, daß nicht nur die Abgeordneten der beyden Ritterorden unverzüglich aus seinem Reiche entfernt, sondern auch die Gefangenen harter als zuvor behandelt werden sollten. Als den Abgeordneten dieser Befehl des Sultans war überbracht worden, so baten sie diejenigen, welche von ihnen Geschenke angenommen hatten, ihnen zu rathen, durch welche Mittel die Befreiung ihrer gefangenen Mitbrüder noch möglich wäre. Hierauf sagten die Emire: „Wir wollen euch die Geschenke, welche ihr uns gegeben habt, durch einen nützlichen Rath vergelten. Bewegt den Kaiser Friedrich, welchen unser Herr mehr als andere Menschen liebt und verehrt, durch einen Brief oder Botschafter den Sultan um die Freylassung der gefangenen Ritter zu bitten, und ihr werdet auf solche Weise sicherlich erlangen, was ihr begehrt." Darauf erwiederten die Abgeordneten: „Zu solcher Erniedrigung werden wir unS nimmer bequemen." Sie kehrten also, ohne den Zweck ihrer Sendung erreicht zu haben, zurück nach Syrien. Die Templer aber sowohl als die Hospitaliter sollen durch die damalige bedrängte Lage ihres Ordens und des syrischen Landes überhaupt dahin gebracht worden seyn, daß sie in sich gingen, ihre früheren Unbesonnenheiten bereuten und durch inbrünstiges Gebet und durch Fasten und Kasteyungen den Zorn Gottes zu versöhnen und die Errettung des heiligen Landes zu erwirken sich bemühten ' ^). ritLte srtaxuat reäimere, guos rrou- uisi xro 2onL ciuLäam vel eapttcro secuuäuiu oräüris eorum teuoreiu uovimus reäjrueuäos. IVleriro i§i- tur wulrixlici trLäiäit eos Deus eo- rum irr wauus oäieutiur» eozäem» carceri MAncixauäos. 77) 1'eiuxiLrii et HospitaLarii com- xerreutes xroxriam ruiseriam et aä so licet 6ero reverreutos, stLtuerunt luter 8e orLtioites et jejuura xrrae- ter solitL sxecialiter xro lideratioue terrae SLuctLv äevote Faeieuäs. ZVlLttk. karis 1. c. 37 Zustand der Christen in Syrien. Während die christliche Herrschaft in Syrien von außen durch die überlegene Macht der Saracene» bedrängt wurde, waren auch die innern Verhältnisse des heiligen Landes kei- nesweges friedlich, und Ptolemais insbesondere war noch immer der Tummelplatz erbitterter Parteyen; denn, obwohl der Kaiser, seitdem er im Jahre 1242 noch einmal einen Statthalter, den Grafen Thomas von Acerra, nach dem heiligen Lande gesandt hatte"), wegen der Kriege, welche in seinen abendländischen Herrschaften ihn beschäftigten, sein syrisches Königreich dem Schicksale preiszugcben sich ge- nöthigt sah, so war dennoch in Ptolemais noch eine Partey vorhanden, welche die Hohenstaufen als die rechtmäßigen Besitzer der Krone Jerusalem und die seit der Flucht des Marschalls Richard begründete cyprische Herrschaft über das heilige Land als eine gesetzwidrige Anmaßung betrachtete. Unter solchen Umständen war die Königin Alir von Cypern, welche, wie im vorigen Buche gemeldet worden ist"), von ihrem Gemahle Radulph von Soissons war verlassen worden, dem Namen nach die Beherrscherin des Königreichs Jerusalem; und als Alir im Jahre 1246 gestorben war, so sandte ihr Sohn, der König Heinrich von Cypern, einen Statthalter nach Ptolemais und ließ in seinem Namen die Regierung des Königreichs Jerusalem verwalten b°). Diesen verwirrten Zustand des heiligen Landes verbesserte Jnnocenz keinesweges dadurch, daß er im Jahre 1247 den römischen König Konrad, den Sohn des Kaisers Friedrich, wegen der von ihm wider den römischen Stuhl bewiesenen Treulosigkeit-seines mütterlichen Erbrechts beraubte und dieses 7ö) Vgl. Sesch. der Kreuzz. Buch in rc§no H!ero 8 Ql)''iuit 3 N 0 LNvLeäiL VII. Kap. 19. S. 626. Amil. io. et Ln rcolemaitle dulivnm 79 ) S. 63 ^. Olrronieon lor.Izrri bei) NailiaLdus Zv) H'iliuk Huinricus, Rex aä rr. 1246. 52. 38 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. I. auf den König Heinrich von Cypern übertrug, indem er denselben von der Verbindlichkeit des dem Kaiser Friedrich geleisteten Eides entband und anfforderte, der kräftigen Ver- thcidignng und gewissenhaften Verwaltung des Reichs, in welchem der Heiland zur Erlösung des menschlichen Geschlechts geboren worden, gelebt habe und gestorben sey, sich zu unterwinden, und dadurch Lob und Veyfall bey Gott und Mensche» und den herrlichen Lohn der ewigen Seligkeit zu verdienen 2*). Der vielfältige Verkehr, welchen der Kaiser Friedrich mit dem Sultan von Aegypten und anderen muselmännischen Fürsten unterhielt, erregte in dem Papste die Bcsorguiß, daß der Kaiser die Saracenen zu Feindseligkeiten gegen diejenigen, welche der Regierung des heiligen Landes sich bemächtigt hatten, aufreizen möchte; und Jnnocenz schrieb daher schon im Jahre 124z, bald nach seiner Erwählung zum Oberhaupte der christlichen Kirche, einen Brief an den Sultan von Aegypten, in welchem er denselben von der Wahrheit des christlichen Glaubens und der Verwerflichkeit der Lehre des Propheten Mohammed zu überzeugen suchte und zur Aufrechthaltung des Friedens mit den Christen ermahnte. Der Sultan aber gab zur Antwort: „Wir wissen von Christus, über welchem Heil sey, mehr, als ihr von ihm wißt, und halten ihn höher, als ihr ihn haltet. Was euer» Wunsch nach Ruhe und Frieden betrifft, so hegen auch wir solchen Wunsch; ihr wißt aber, daß zwischen dem Kaiser und uns vollkommene Eintracht und gegenseitige Freundschaft obwaltet, und wir können deshalb nicht ohne seinen Rath und gr) ir^inaia. I»a mrir. 1247. h. zz theidigung und gewissenhafte» Ver- Das von Natnaldus mitgethcilte waltung des Königreichs Jerusalem Schreiben, in welchem Jnnocenz den auffordcrte, ist dgtirt: Imgstuni XV. König Heinrich zur kräftigen Wer- L,al. M.rji ->nuo VIII. Unterhandlungen des Papstes mit den saracenischeir Fürsten. 39 seine Zustimmung mit den Christen Vertrag oder Frieden schließen. Wir haben jedoch unserm Botschafter, welcher au des Kaisers Hofe sich befindet, euer Begehren eröffnet und ihm befohlen, sich zu euch zu begeben und mit euch sich zu besprechen, und sobald wir dessen Bericht werden empfangen haben, so werden wir nicht ermangeln, euch eine solche Entschließung, als den Umständen angemessen und Gott wohlgefällig seyn wird, kund zu thun Jnnocenz ließ sich aber durch diese Antwort nicht davon avhalten, zwey Jahre spater, im Jahre 1245 , mehrere Minvritcn und Pre- digermönche mit eindringlichen Schreiben, in welchen die Wahrheit des Christenthums mit allen Gründen der damaligen Polemik verfochten wurde, sowohl an den Sultan von Aegypten, als an den Sultan Ismail und den Fürsten David zu senden. Diese Fürsten antworteten zwar dem Papste durch ausführliche Vertheidigungen der muselmännischen Lehre und wiesen die Ermahnung des obersten Priesters der Christen zur Aenderung ihres Glaubens von sich ^); 82) Das von Nalnaldus aäa. 1246. §. 82. 83 . mitgetheilte Schreiben des Sultans ist also datirt: 8 crixnim esr Der arabische Monat Moharrem fiel aber weder im Jahre 1244. noch in irgend einem andern der Jahre, innerhalb welcher dieser Brief geschrieben seyn kann, in den Augustmonat: es ist daher in dem Datum eine Unrichtigkeit. Nichtiger ist ohne Zweifel die Zeitangabe bey Matthäus PariS (afi a. 1246. x. 721), wo jenes Schreiben ebenfalls, jedoch ln etwas verschiedener Ueberseßung sich findet: woc kuit scriptum sextimo ciie messt», guae kuit septima lmimtio migusti Mafia»» (Mofiarrew). In der Ue- berschrift gibt der Sultan dem Papste unter andern Titeln auch den eines dreyzehnten Apostels. Dag übrigen- dieser Brief nicht erst Im Jahre 124S, wie Nalnaldus annimmt, sondern früher geschrieben worden Ist, erhellt aus der in der Anmerkung 78 enthaltenen Stelle des päpstlichen Circular- schreibe»- vom 23. Mai 1244. Dag der arabische Geschichtschreiber Ma- krist der damaligen Gesandtschaft des Papstes an den Sultan von Aegypten erwähne, bemerkt Nsinaud, Lx- trails äes fiistorieiis Grabes I>. 447. 8 z) Diese Antworten der muselmännischen Fürsten find von NainalduS mitgetheilt »ä a. 1247 (wohin sie nicht gehören, da sie in den Jahren 124z und 1246 geschrieben worden find) 40 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.I. doch gab der Fürst David dem Papste die Versicherung, daß die von den ruchlosen Charismicrn verübte grausame Verwüstung der Stadt-Jerusalem und der Kirche des heiligen Grabes ohne sein Wissen und wider seinen Willen geschehen wäre, daß er der Zerstörung, sobald es möglich gewesen wäre, Einhalt gethan und die Schlüssel der Kirche der Auferstehung einigen Christen, mit der Anweisung, die Kirche nur den Pilgern zu öffnen, überantwortet hätte, und daß er nunmehr sich befleißige, diese Kirche prächtiger als zuvor wieder herzustellen und auszuschmücken. Endlich versicherte der Fürst in diesem Schreiben, daß in seinen Landern, so viel ihm bekannt wäre, keine gefangene Christen sich befanden, und daß er diejenigen, welche von dem Papste namhaft gemacht werden könnten, ungesäumt in Freyheit setzen würde ^)- §. 87 — 73 . Der Sultan von Aegypten !Saleh oder Ejub) nennt sich in dem von ihm an den Papst erlassenen Schreiben Salchinus, und dieses Schreiben ist datirt: stio äeoimo in lluo stoueäloti meusis Del Deoem- dris (,243) in Laiaera (Lasters) oi- vitata muuita. Das Schreiben des Sultans Jömael ist unterschrieben: Dalum XXIV äio mensig diovcm- stris anno sst apparatioue IVstiesto- meti 64z (Chk- 124;', und das widerlegende Schreiben des Fürsten David von Krak: Sorixtum stnl in ultimo üeccuuario mensis llastie (xrimi) anno 644 ixslus IVlaolrometi (d. i in der ersten Hälfte des August 124S). Dieses Briefwechsels des Papstes mit den saraccntschen Sultanen erwähnt auch lssioolaus äe Lurstio, vita ln- noo. IV. vax. 17. p- §70. 84 ) Rainaldus bezeichnet das im Texte erwähnte Schreiben des Fürsten David nur als literas xraexokcntis slius Soläaui, und in der Ueberschrift desselben legt sich der Absender nur die unbestimmten Namen- -rrium- xstator, amator et Salvator bcy, so wie er sich auch im Texte nur Salvator nennt. Da aber dieses Schreiben auf übereinstimmende Weise mit dem in der vorigen Anmerkung erwähnten widerlegenden Briefe deS Fürsten David datirt ist (Sorixtum 644 ), so zweifele ich nicht, daß dis obigen Titel als eine ungeschickte Ue- bersetzung der Beynamen des Fürsten David: Malek an - Nassr Salahed- din, anzuschen sind, ES ist nicht unwohrschcinlich, daß David, welcher schon im Jahre >259 Jerusalem erobert hatte (s- Eesch. der Kreuzzüge Buch vii. S. syü), seit dem Jahre Unterhandlungen des Papstes mit den morgen!. Christen. 41 Die Ermahnung, zum Christenthume sich zu bekehren, welche Jnnocenz an die saracenischen Fürsten richtete, diente ihm ohne Zweifel nur als eine seit langer Zeit übliche Form für die Unterhandlungen des apostolischen Bischofs mit unchristlichen Herrschern; denn Jnnocenz der Vierte war ein Mann von einem viel zu klarem Verstände und von viel zu umsichtiger Erfahrung, als daß er von einer solchen Ermahnung einen erheblichen Erfolg erwarten konnte. Dagegen schienen die Unterhandlungen, welche Jnnocenz seit seiner Thronbesteigung mit den Geistlichen verschiedener christlichen Gemeinheiten im Morgenlande angeknüpft hatte, wirkliche und dauernde Vortheile für den römischen Stuhl zu begründen. Sowohl der Katholicus des Morgenlandes, als einige Bischöfe der jakobitischen und nestorischen Christen, welche durch die Vermittelung des Papstes Bepstand gegen die Sa- racenen.und Tataren und die Verbesserung der Lage ihrer Glaubensgenossen in den von abendländischen Christen beherrschten Ländern zu erlangen hofften, erkannten in ehrerbietigen Schreiben, in welchen sie ausführliche Bekenntnisse ihrer Lehrmeinungen ablegten, die Hoheit des römischen Stuhles an. Der Katholicus benutzte aber diese Gelegenheit, den Nachfolger des heiligen Petrus zur Nachsicht und Versöhnlichkeit gegen den Kaiser Friedrich zu ermahnen. „Wir haben," schrieb der Katholicus, „von dem Banne gehört, welchen ihr über den Kaiser ausgesprochen habt, und wir haben zugleich vernommen, daß solches wegen seiner Sünden und Missethaten geschehen sey; ihr wißt aber, daß unser Heiland gelehrt hat: So dein Bruder an dir sündigt, so verzeihe ihm, und selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen; und an einer anderen Stelle, 1244 wieder In den Besitz der von den men war. Vgl. Gesch. der Arcuzz. ChariSmtern zerstvrlen Stadt gekom- a. a. O. S- öZ4 folg. 42 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. I. als Simon Petrus ihn fragte: Herr, wie oft muß ich denn meinem Vrnder, der an mir sündigt, vergeben, ist's genug sieben Mal? so sprach der Herr: Ich sage dir, nicht sieben Mal, sondern siebcnzig Mal sieben Mal. Also gebot der Heiland demjenigen, welcher der Grundfels der Kirche ist, daß er seinem Bruder dessen Unwissenheit zu Gute halten und der Sunden desselben nicht gedenken möchte. Deshalb, mein Herr, bitte ich eure Heiligkeit, so wie die Vater der Kirche, die Patriarchen, Bischöfe und Könige, welche eurem Stuhle unterworfen sind, dem Kaiser seine Sunde und seine Misse- thaten zu verzeihen, und zwar wegen dreyer Ursachen: wegen des Todes und der Gefangenschaft unserer christlichen Brüder, wegen der Zerstörung der heiligen Stadt und wegen der schrecklichen Verwüstung des Grabes unsers Herrn Jesu Christi. Wir bringen diese Bitte an euch aus dem Eifer, welchen wir wegen Gottes haben, und schreiben dieses aus dem Schmerze unsers Herzens; denn die Noth drangt uns, bekümmert zu seyn um die Kirchen Jesu Christi. Alle Kirchen des Herrn, alle Klöster und alle Gläubige im Morgenlande und Abendlands sollten in Trauergewander gehüllt seyn und wehklagen und jammern über Jerusalem und über das, was in unfern Tagen daselbst geschehen ist b-)." Mit 85) Rainalsti LiinrI. cooles. aci L. 1247. §. Z 4 . Der Katholicus des Orients Ist ohne Zweifel kein anderer als der Patriarch von Armenien, welcher im Parzifal lMüllerscher Abdruck V. iSgi. B- 17.) der Katholicus von Nankulat genannt wird. Oie Patriarchen von Armenien batten nämlich seit dem Jahre ngc>, in welchem der Patriarch Eregor der Dritte von JoSceltn, dem Sohne des gefangenen Grafen Joscelin von Edessa- die am Euphrat gelegene Vurg Kalaherrum (armenisch: Ilriiomgla, v. j. Nömcr- burg) kaufte, in dieser Vurg ihren Sitz und blieben daselbst bis zum Jahre 1203, in welchem der Sultan Aschraf von Aegypten diese Burg eroberte und den Patriarchen oder Äa- thollcuS Stephan iv. alS Gefangenen nach Aegypten schleppen ließ. Sr. Martin Memoire» sur t^Vrmeuic Unterhandlungen des Papstes mit den morgcnl. Christen. 43 diesem Schreiben übersandte der Katholicns zwey Briefe, deren einer von den griechischen Bischöfen des heiligen Landes 2°), der andere von dem Erzbischöfe von Nesibis, zwey anderen Erzbischöfen und drey Bischöfen unterschrieben war. Diese Briefe enthielten die dringende Bitte um den Schutz des apostolischen Stuhls gegen Bedrückungen für den griechischen Patriarchen von Jerusalem, und die morgenländi- schen Christen, welche zu Antiochien, Tripolis, Ptolemais und in anderen den Abendländern unterworfenen Städten wohnten; und auch der Katholikus vereinigte sich mit seinen Glaubensgenossen zu dieser Bitte b?). Nicht minder begleitete der Patriarch der jakobitischen Christen Ignatius seine Anerkennung der Hoheit des römischen Stuhls mit Klagen über die Bedrückungen, welche seine Glaubensgenossen von den lateinischen Christen erführen, und bat, daß künftig die Wahlen der Patriarchen und Bischöfe der jakobitischen Kirche frey und nach den eigenthümlichen Satzungen und Gebräuchen dieser Kirche geschehen, die Gerichtsbarkeit der lateinischen hohen Geistlichkeit über die jakobitischen Patriarchen und Erzbischöfe, so wie der Zins, welchen die lateinischen Geistlichen von jakobitischen Kirchen und Klöstern erhöben, endlich die Wiedertaufe, ohne welche zur Beschimpfung der jakobitischen Kirche bisher seinen Glaubensgenossen der Uebertritt zur römischen Kirche nicht gestattet worden, für immer abgestellt werden möchten. „Wir thun," schrieb der Patriarch Ignatius zur Unterstützung dieser Bitten, ir. I. x. igö. 442. Der Patriarch, welcher Len im Texte erwähnten Brief an JnnocenzlV. schrieb, war Con> stantin i., welcher in bcn Jahren 1220 bis l-6s der armenischen Kirche Vorstand. St. Martin a. a. O. r>. 443. 86) De terra Sion. Raiimlä a. Ü. O. §. sz. 87) Uainalä. I. o. 44 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. I. „eurer Heiligkeit kund, daß, seitdem eure Brüder, die ge- benedeyten Lateiner, in unsere Lander gekommen sind, unser Volk stets denselben gewogen war und ihnen in allen Nöthen, insbesondere durch Befreyung der Sklaven und Gefangenen treuen Bcystand geleistet hat; deshalb bitten wir jetzt eure Heiligkeit, durch die Liebe, welche vor allen uns Gott gleich macht, uns zu belohnen und für unsere Schwache zu Gott zu beten b«)." Diesen Bitten der morgenländischen Bischöfe um den Schutz des apostolischen Stuhls wider ihre Bedrücker bemühte sich Jnnocenz um so mehr zu genügen, je mehr ihn die Unterwerfung derselben unter die Hoheit des römischen Stuhls erfreute, und er gab daher seinem Pönitentiarius, dem Minoriten Laurentius, welchen er als seinen Legaten nach Asien zur Besorgung der kirchlichen Angelegenheiten in Armenien, Aegypten und sämmtlichen übrigen saraceni- schen Reichen sandte, den Auftrag, als ein Engel des Friedens die Griechen, welche in den Sprengeln der Patriarchen von Antiochien und Jerusalem und in dem Königreiche Cypern wohnten, nicht minder als die Jakobiten, Maroni- ten und Nestorianer in seinen Schutz zu nehmen, und die von den Lateinern wider dieselben geübten Bedrückungen abzustellen und für die Zukunft durch nachdrückliche Maßregeln zu verhindern s»). Diesen Auftrag wiederholte der Papst noch einmal durch ein spateres an denselben Legaten gerichtetes Schreiben, in welchem er ihn zugleich bevollmächtigte, den griechischen Patriarchen von Antiochien zu einer Reise 88 ) Rainelst. I. c. § Zg. 89) Die Vollmacht, welche Inno- ccnz rem Legaten gab, ist datirt: Dmgstuai non. lnn. inino IV. (g. Ju- tllus ragst). Rainelä. I. 0. H. 30. Oer Legat kam also etwa im Herbste res Jahrs logst nach rem Lande jen- scit res Meers. Der päpstliche Legat Laurentius. 45 an den päpstlichen Hof oder zur Absendung eines Bevoll-^A^' machtigtcn, mit welchem alle streitigen Verhältnisse des Patriarchen und seiner Suffraganbischöfe zur Zufriedenheit der mvrgeniändischen Kirchen geordnet werden sollten, zu vermögen und die Kosten solcher Reise im nölhigen Falle aus den Gütern der apostolischen Kammer zu erheben^). Wie weit der Legat Laurentius den Auftrag des Papstes erfüllte und den Beschwerden der morgenlandischen Christen abhalf, davon ist keine Nachricht uns überliefert worden. yo) Schreiben des Papstes vom 7. August (Vir. ist. Lug.) 1247 bep RainalduS 1. 0 . h. Ai. 46 Geschichte der K r e u z z ü g e. Puch VIII. K a p. II. Z w e » t e 6 Kapitel. 3^hr. Jahr 1247 verlief unter mancherley Vorbereitungen und Znrüstungcn zu der Kreuzfahrt, welche der König Ludwig ohne ferncrn Aufschub im Jahre 1248 anzutreten entschlossen war; um Mitfasten des Jahrs 1247 berief der König seine Barone zu einem Parlamc.nte nach Paris, wo außer den Verfügungen über andere wichtige Angelegenheiten des Reichs der St. Johannistag des folgenden Jahres als die Zeit des Aufbruchs zur Meerfahrt bestimmt wurde, und der König sowohl als alle übrigen anwesenden Kreuzfahrer durch einen Eidschwur gelobten, die Vollziehung ihres Gelübdes nicht anders zu verschieben, als wenn solche Hindernisse einträten, welche die menschliche Schwäche nicht abwenden könnte Da Ludwig vernommen hatte, daß der König Hakon von Norwegen das Zeichen des heiligen Kreuzes trug, und der Papst demselben die Vollmacht, zur Bestreitung der Kosten der Kreuzfahrt von der Geistlichkeit seines Reichs den dritten Theil ihrer jährlichen Einkünfte zu erheben, verliehen hatte: so sandte er den Mönch Matthäus Paris, den Verfasser einer reichhaltigen Chronik, nach Norwegen mit einem Schreiben, in welchem er dem Könige Hakon den Antrag machte, sich mit ihm zu gemeinschaftlicher Meer- i) Msttk. karis sä a. 1247. x. 725. Bemühungen des K. Ludwig IX. für die Kreuzfahrt. 47 fahrt zu vereinigen und als kundiger Seefahrer den Befehl über die ganze Pilgerflotte zu übernehmen. Der König von Norwegen aber antwortete auf diesen Antrag, daß die Norweger ein viel zu reizbares und ungestümes Volk waren, als daß zwischen ihnen und einem anderen Volke von ganz verschiedener Sprache und ganz verschiedenen Sitten verderbliche Streitigkeiten verhindert werden könnten, und daß es daher besser seyn würde, wenn die Franzosen und Norweger, jedes Volk für sich, die Meerfahrt unternahmen und vollbrachten, was Gott ihnen zu bewirken verstatten würde. Der König Hakon fügte aber zu dieser Erklärung die Bitte, daß der König von Frankreich ihm und seinen Mitpilgern gestatten möchte, auf ihrer Meerfahrt an den französischen Küsten zu landen und daselbst Lebensmittel oder andere Bedürfnisse zu kaufen. Ludwig willfahrte zwar diesem Ansuchen, indem er seinen Amtleuten und allen übrigen Beamten und Getreuen befahl, den norwegischen Pilgern, welche das französische Gebiet betreten würden, freundliche Aufnahme zu gewahren und den freyen Markt der Lebensmittel und anderer Bedürfnisse zu gestatten, und der König Hakon belohnte den französischen Abgeordneten, welcher ihm diese Verfügung überbrachte, mit kostbaren Geschenken ; Hakon vollzog aber, da ihm der Papst erlaubte, seine Waffen gegen seine heidnischen Nachbaren zu kehren, nicht die verheißene Kreuzfahrt, wie bereits oben gemeldet worden ist^). Auch der Papst Jnnocenz beförderte durch Ermahnung und Ermunterung die damaligen Bemühungen des Königs Ludwig, waffenfähige Männer für den Dienst des Heilandes zu gewinnen. Auf die Bitte des frommen Königs 2) MLilli. Varls 1 , c. I>. 7-ii, wo auch die im Texte erwähnte von dem Könige Ludwig an seine Beamte erlassene Verfügung mitgetheilt worden ist. 3) Buch Vlll. Kap. r. S. Zo. I Cl,r. -- 47 . 48 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. H. b-E'befahl er dem Cardinal Peter-), damaligem apostolischen Legaten in Deutschland, keine Umwandlung des Gelübdes der Kreuzfahrt und keine Störung oder Verhinderung der Kreuzpredigten zu dulden; den Grafen Alfons von Toulouse, welcher das Kreuz genommen hatte, ließ er zur Vollziehung seines Gelübdes durch den Minoriten Hugo ermahnen 5), und bald hernach erließ er an alle Prälaren und gläubige Christen im Abendlande sowohl als in Armenien, Cypern und Syrien einen Brief, in welchem er es als die höchste Wohlthat Gottes pries, daß der König Ludwig von Frankreich, ein Mann von reinem Herzen, eben so reich an Tugenden als an weltlichen Gütern, und mächtig durch ein zahlreiches und tapferes Heer, von dem Heilande vor allen anderen erkohren worden sey, das heilige Land zu retten^). In eben diesem Schreiben verkündigte Jnnocenz, daß erden Cardinal Odo von Tusculum als apostolischen Legaten beauftragt habe, das Heer der Kreuzfahrer zu begleiten und alle kirchlichen Angelegenheiten sowohl in dem christlichen Heere als im Lande jenseit des Meeres zu ordnen. Dem Legaten selbst aber ertheilte Jnnocenz eben so wie zuvor dem Cardinal Peter den Auftrag, jede Umwandlung des Gelübdes der Kreuzfahrer zu hindern; und gleichzeitig wurden sowohl die französischen Bischöfe von Evreuv und Senlis als die Geistlichkeit von Friesland, Holland und Seeland durch 4) retro 8. 6eor§ii aä veluin au- rerim. ( 3 . Oeor§io iu Veladro) Oia- eono OaräiibLli. Raiualä. LÜ. a. ,247. Z6. Z) uä. a. »248. §. 27 . 6) Jnnocenz fügte in diesem am 23. Februar »247 (l-uZä. vn. Zvai. Mark, ariuo V.) erlassenen Schreiben noch hinzu: yni so iusiLniens vivi- iloae si§i»0 ernois et aä oonsnmivL- rioneiu asLnruxti laboris äesiäersus Felieirer et eeleriter xerveiiire, sio xer Del xrarism ln. »xx-Lrutu re§io» xront äeoer rantnin xrineixreiu et tanto expeäir negotio, se munivir, tznoä xor ixsum, ur Lxerarnr, im- xoni xorerit ne§ono ixsi üiiis. Lai- nalä. 1. a. §. 2Z.. Anordnungen des Papstes. 49 päpstliche Briefe aufgefordert, diejenigen, welche das Zeichen des Kreuzes trugen, ernstlich und im Falle der Noch durch kirchliche Strafen zur Vollbringung der Meerfabrt in der bestimmten Zeit und unter der Leitung des Königs von Frankreich anzuhaltcn ?). Aber auch in dieser Zeit vereitelte Jnnocenz selbst innerhalb des deutschen Reichs die Wirkun» gen der von ihm angevrdneten Predigten für die Sache des heiligen Landes dadurch, daß er fortfuhr, das Kreuz wider den Kaiser Friedrich predigen zu lassen, und denen, welche diesen Feind des apostolischen Stuhls bekämpfen würden, alle Vortheilc und Begünstigungen, welche die letzten allgemeinen Kirchenversammlungen den Kreuzfahrern bewilligt batten, anzubieten, ja sogar, im Widerspruche mit dem von ihm selbst mehr als einmal ausgesprochenen Grundsätze, die Umwandlung des Gelübdes der Meerfahrt nach Syrien in die Verbindlichkeit, die Hohenstaufen zu bekämpfen, gestattete 2). Dadurch aber, daß Jnnocenz das Kreuz und die zu Gunsten des heiligen Landes gemachten Bewilligungen mißbrauchte zur Erreichung von Zwecken, welche wenigstens nicht überall als rein und heilig anerkannt wurden. 7) Ilsiualä. I. c. §. 2 g. 8) Durch clu päpstliches Schreiben vom 4, Mai 1247 (IV. non. IVI,rjr anno v.) wurden die Bischöfe von Frcpstngcn, Paffau und NegenSburg beauftragt/ in ihren Diversen daS Kreuz gegen den Kaiser Friedrich/ besten Sohn Conrad und deren ganzen Anhang predigen zu lassen. Bald hernach erhielten die Bischöfe von NegenSburg und Meisten den Auftrag/ die böhmischen Erosten, welche damals mit ihrem dem Papste sehr ergebenen Königs Wenzel im Streite Vll. Band. waren und das gegen den Kaiser Friedrich genommene Kreuz abgelegt batten (rcvcisi ast vvmirnin), durch die geeigneten Mittel der Milde oder Strenge zum Dienste der Kirche zu- rückzuführcn. Bald hernach trat auch der Bischof von Chur alS päpstlicher Krcuzprcdiger gegen die Hohenstaufen auf/ und die Friesen wurden von der Verbindlichkeit/ nach Syrien sich zu begeben / bcsrcyt gegen die Verpflichtung, sich für den König Wilhelm gegen den Kaiser Friedrich zu bewaffnen. IZaiualä. l. 0 . tz. 7 —S- rZ. D st- Tbc. L247. 50 Geschichte der Kreuzzügc. Brich VIII. Kap. II. das Zeichen des heiligen Kreuzes alle Würde und Sichtung; und die Bürger von Regensbnrg, eifrige Anhänger des Hauses der Hohenstaufen, vereinigten sich sogar zu einer Satzung, durch welche unter Androhung der Todesstrafe das Tragen des Kreuzes auf de» Kleidern untersagt wurde °). Die Leidenschaftlichkeit, mit welcher Jnnocenz den Kaiser Friedrich verfolgte, und die unbesonnene Raschheit, mit welcher er überhaupt jede Widersetzlichkeit gegen seine Absichten durch Dann und Interdikt strafte, in Verbindung mit den Erpressungen, welche seine Legaten und Bevollmächtigten übten, um der erschöpften päpstlichen Kammer die Mittel zur Bestreitung der Kosten des Kriegs gegen den Kaiser und ändere Widerfacher des apostolischen Stuhls zu verschaffen, brachten auch in Frankreich damals eine Stimmung der Gemnther hervor, welche dem Ansehen des Oberhauptes der Kirche und der gesammten Geistlichkeit eben so nachtheilig war, als der Sache des heiligen Landes. Eine große Zahl französischer Barone und Ritter, von welchen sehr viele das Zeichen des Kreuzes trugen und ihr Wort gegeben hatten, den König Ludwig auf der Meerfahrt zu begleiten, vereinigte sich eben damals zu einem Bündnisse, dessen Absicht war, das Ansehen, die Gerichtsbarkeit und den Ncichthum der Geistlichkeit zu zerstören; und da die Verbündeten in der Urkunde ihres Bündnisses sich derselben Worte bedienten, mit welchen der Kaiser Friedrich in seinen Briefen und Ausschreiben zum öftern das Sittenverderbniß und die Entartung des römischen Hofes und der gesammten christlichen y) lieber die Ausschweifungen, wcl- liche Schreiben an den Bischof von che die mit dem Banne und Inter- Ncgcnsburg (vom 13. Mai 1247. in. Licte bestraften Bürger von Regens- ist. Mast anno V.) bc» NainaiduS bürg damals begingen, s. LaS papst- 1. 0. tz. 10 — 12. Fernere Hindernisse der Kreuzfahrt. 51 Pfaffheit bezeichnet hatte-°): so läßt sich nicht daran zwei- 2 -^. fein, daß dieses Bündniß die Wirkung der wiederholten und an alle Fürsten gerichteten Aufforderungen des Kaisers zum gemeinschaftlichen Widerstande gegen die Tyrannei) der Geistlichkeit war. Sie erklärten in dieser Urkunde: „es wäre nicht länger zu dulden, daß in einem Reiche, welches unter Karl dem Großen und anderen Königen nur durch die Tapferkeit der Ritterschaft von den Jrrthümern des Heidenthums wäre befrcyk worden, die Pfaffen langer die Gerichtsbarkeit übten, welche sie als schlaue Füchse sich erschlichen hätten, und daß Menschen aus der Hefe des Volks über freye Männer und Söhne freyer Männer zu Gericht säßen; den Geistlichen gebührte keine andere Gerichtsbarkeit als über Ketzerey, Ehesachen und Wucher; die Güter und Reich- thümcr, welche die Geistlichkeit besäße, müßten wieder in die Hände ihrer rechtmäßigen Eigenthümer gebracht werden; überhaupt wäre es nvthwendig, den ursprünglichen Zustand der Kirche wieder herzustcllen, damit die Geistlichen durch ein heiliges Leben die längst von ihnen gewichene Kraft der Wunder zur Erbauung derer, welchen es obliege, die Dinge der Welt zu handhaben, wieder erlangen möchte»*')." An die Spitze dieses Bündnisses, welches alle diejenigen, die es wagen würden, seinen Zwecken zu widerstreben, mit dem Verluste der Güter und der Verstümmelung eines Gliedes bedrohte, traten der Herzog von Burgund und die Grafen von Bretagne, Angouleme und St. Pol; und Jnnocenz ro) Was schon Matthäus Paris bemerkt, -l-t o. 1247. i>. 720. ui Diese lateinisch abgesagte Urkunde findet fick Key Matthäus Paris iss?, x. 720 und Matthäus von Wesiminsicr i>. -W. Eine zweyte französisch geschriebene Urkunde/ welche einige nähere Bestimmungen/ die Fcsiscxung der Bevsicucr von dem hundcrtsien Thcile des Ertrages der Euter der Verbündeten für Ein Jahr und die Ernennung der vier Vorsteher enthält/ bat Matthäus Paris mil- gethcilt/ a. a. O, x. ?iy. 720. D 2 4t 52 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. II. ^1247^ vereitelte die Wirkung dieser gefährlichen Verbindung weniger durch die Androhungen von Bann und Jnterdict als dadurch, daß er die einzelnen Genossen des Bündnisses durch Geschenke oder durch Verleihung geistlicher Pfründen an ihre Verwandte und durch andere Vortheile gewann und von den eingegangenen Verbindlichkeiten abwendig machte "). Unter solchen Umstanden erforderte es der unmittelbare Vortheil deS päpstliche» Stuhls, die unruhigen französischen Barone und Ritter zur baldigen Vollziehung der Kreuzfahrt anzuhalten. In England fand die Sache des heiligen Landes damals einige Theilnahme, weil der König Heinrich, dessen Gunst der Patriarch von Jerusalem und die übrigen Prälaten des heiligen Landes, so wie die Großmeister des Tempels und Hospitals und die syrischen Barone durch die Uebersen- dung eines Theils des Blutes Christi als einer köstlichen Reliquie gewonnen hatten **), seine Unterthanen nicht mehr von der Annahme des Kreuzes abhielt. Es nahm nicht nur Simon von Montfort, Graf von Leicester, das Kreuz, um die Sünde abzubüßen, welche er dadurch begangen hatte, daß seine Gattin zur Uebertretung ihres in Gegenwart des heiligen Erzbischofs Eduard von Canterbury abgelegten Ge- 12) Die Verfügungen, welche In- nocenz in dieser Angelegenheit ä a. 1247. H. 4« —L 4 - 15) IVI-lttlr. 1. 0. p. 720. 14) iVlattir. I-arir aci.1. 1347. p. 78 A. lVlartlroous Weetmonaetor. (eü.ii'i'.in- eak.) x. zzg. Der König Heinrich trug, selbst zu Fug gehend, mit ent- blögtem Haupte und mit einem einfachen Mantel (aaxxa) bekleidet, am Feste deS heiligen Eduard (iz. Ort. 1247) das heilige Blut von der St. Paulskirche nach der Kirche von Wesiminsicr c äistar !>d Lcole- «ir 8. I-mcU circttor riiro mil1i,rri, IVIstlii. Uarig), wo es nlcdcrgclegt wurde; und überhaupt gab der König durch die grogen Fcperlichkeitcn, mit welchen er Liese Ntedcrlegung des heiligen BluteS in der Kirche von Westminsier fepertc, den grogen Werth zu erkennen, welchen er dem Geschenke bcylegte. Seine Unterthanen thcillen icdoch nicht dies« Mepnung. E » gl i sch c Kreuzfahrer. 53 lübdes ewiger Keuschheit von ihm war verleitet worden, son- dem auch seine Gemahlin folgte seinem Weyspiele, so wie der Bischof von Worcester und Wilhelm Longaspatha, ehemaliger Graf von Sali-bury, nebst vielen anderen edle» Herren und Rittern'*), welche sämmllich beschlossen, an der Meerfahrt des Königs von Frankreich Theil zu nehmen. Der Graf von Leicester führte jedoch seinen Vorsatz nicht aus, und Wilhelm Longaspatha benutzte zuvörderst sein Gelübde, um aus seiner damaligen dürftigen und bedrängten Lage sich zu befreyen. Denn er begab sich zu dem Papste Jn- »ocenz und klagte über die Roth, in welche er durch den Verlust seiner Grafschaft, deren der König von England nach einem Urtheilsspruche des englischen Lehenshofes ihn beraubt habe, sey gebracht worden. Dann fuhr er fort: „Nunmehr sehe ich mich genöthigt, zu eurer väterlichen Barmherzigkeit meine Zuflucht zu nehmen, und da der reiche Graf Richard von Coruwallis, welcher nicht das Kreuz genommen hat, mir eurer Genehmigung von den Kreuzfahrern große Geldsummen zu seinem Vortheile erhebt, so hoffe ich, daß ihr dieselbe Vergünstigung mir, einem armen Manne und Kreuzfahrer, nicht versagen werdet." Durch diese Worte soll Jnnocenz bewogen worden seyn, die Bitte des Grafen, dessen schöne Gestalt und angenehmes Betragen ihm sehr wohl gefiel, zu gewähren "). 15) IVl-tttU. varis alt L. 1247. i>. 732 und .iL ->. 1248. x. 742. Mattst. 'Wcslwonast. I'. 5gg. Oer Graf von Leicester und dessen Gemahlin nahmen erst im Jahrs 1248 daS Kreuz, die übrigen schon um die Zeit der Betwoche, welche mit dem Sonntage Nogate beginnt (virvL tempora 10- gktloiiuni), des HahrS 1247. Iü) Mattst. raris a. a. O. Man darf übrigens nicht vergessen, dast Matthäus Paris, der einzige Gewährsmann für die im Texte mikac- theilte Erzählung, ein heftiger Widersacher des PavstcS war; weiter unten !x. 7Z4) fügt Matthäus Paris die Nachricht hinzu, dass der Graf Richard alS Belohnung für eine dem Papste heimlich geleistete Eeldhülfe 1 54 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. II. z. Ckr. 1248. Obgleich der Beyttitt einer nicht' geringen Zahl englischer Ritter zu der von dem Könige Ludwig beschlossenen Meerfahrt die Hoffnung, daß diese Unternehmung der Christenheit großen Vortheil und einen unvergänglichen Ruhm bringen wurde stärkte und befestigte, und obgleich Zeichen, welche man, wie zu den Zeiten der früheren Kreuzfahrten, also auch damals am Himmel sab, als die sichern Vorbedeutungen der glanzenden Erfolge, durch welche die Anstrengungen des frommen Königs von Frankreich belohnt werden sollten, von vielen gläubigen Christen betrachtet wurden"): so waren gleichwohl die Freunde des Königs Ludwig und vornehmlich seine Mutter Bianca nicht frcy von ängstlichen Besorgnissen, welche je mehr ihre Gemüthcr beunruhigten, je näher unter mancherlei) bedenklichen Umstanden die Zeit kam, in welcher die Meerfahrt begonnen werden sollte. Die französischen Barone beschlossen endlich, den König durch eindringliche Vorstellungen von der persönlichen Theilnahme an der Mecrfahrt abzumahnen, und die Königin tiskecerat) die Vollmacht, von den Kreuzfahrern Geld zu erheben, erhalten und von den Kreuzfahrern Eines Archidiakonats sechshundert Pfund crvrefjt habe; waS Wilhelm Lvngafpalha erpreßte, betrug Laufend Mark und »ick'r. Unter welchem Vorwände dieses Geld von den Kreuzfahrern erhoben wurde, sagt Matthäus Paris nicht; ob es, wie Herr Michaud l Ulst. Oiceh-nur, sagt Matthäus Paris (acl a. ,243. i>. 742), cjuasi zuo- mauilius liiiiulcorum crucis zioteu- ter erlperct, cuuäcm I'-c^cm revi- vlsicavlt. 13) Thomas Cantipratensis versichert, ein solches Kreuz von einer Länge von acht Ellen, und zwar ein schöneres, als ihm sonst jemals aus irgend einem Stoffe oder von irgend einer Gestalt zu Gesichte gekommen, im Hahrs,246 am heitern und wolkenlosen Himmel erblickt zu haben- liouunc universale üc i>iul>u» I 4 H. II. cazi. Z- h. g. Vgl. lituiuilcii .UIU. ecoles. alt a. rtqz. h. gg. 55 Ludwig IX. erneuert sei» Gelübde. Blama und der Bischof von Paris übernahmen es, im Name» der besorgten Barone das Wort zu führen"). „Gnädiger Herr," sprach der Bischof, „erinnert euch, daß ihr zu der Zeit, als ihr die Meerfahrt gelobtet, krank und sorgfältiger Ueberlegung unfähig wäret; euer Gelübde ist deshalb ohne Kraft, und der Papst wird in Erwägung der vielfältigen Gefahren dieser Zeit von diesem Gelübde gern euch lossprechen. Bedenkt, daß von der einen Seite die Macht des ketzerischen Kaisers Friedrich, und von der andern Seite die Schlauheit und Tücke des reichen Königs von England euer Reich bedrohen; daß das widerspenstige Volk von Poiticrs zwar gedemnthigt aber nicht überwältigt, und die Albigenser nicht unterdrückt sind; Deutschland wird von heftigen Unruhen bewegt, und Italien ist nicht in Frieden. Selbst der Weg nach Syrien ist zu Lande und zu Wasser durch die Kriegsvölker und Kriegsschiffe des Papstes und des Kaisers gesperrt, und die Parteyung, welche im Lande jenscit des Meers herrscht, würde es euch unmöglich machen, dort Ersprießliches zu bewirken. Und in welcher Bcdräng- niß würdet ihr uns zurücklaffen?" Diese Vorstellungen des Bischofs unterstützte die Königin Blanca durch die flehentliche Bitte, daß Ludwig nicht durch die Vollziehung.eines Gelübdes, welches weder bindend für ihn wäre, noch dem gelobten Lande Heil bringen könnte, ihr mütterliches Herz mit Kummer und Betrübuiß erfüllen möchte. Ludwig aber wurde sehr unwillig über solche Vorstellungen und Bitten und sprach: „Ihr meint, daß ich dem Heilande mich als ciUft.rlein, fügt Matthäus Paris hinzu, welcher uns eine Nachricht von. dieser Verhandlung, deren kein anderer Schriftsteller ausdrücklich erwähnt, .überliefert bat, ack a. raw. N- 7tZ. Dagegen schlicht er seine Erzählung mit der Bemerkung: Ilaea ickairao hielte aa expre^e ckixrian,, rrt natv-rt anililrer in CftrikNianikch- >uo Iftairaex nn: liege cke kaiunlatrr Oiiiisti aorrlinrnriräo aorrslantia. 56 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. II. 2 ^»--Opfer dargebracht habe in einer Zeit, in welcher ich ver, uünftiger Ueberlegung unfähig gewesen sey; wohlan, ich gebe das Kreuz in eure Hände zurück." Nach diesen Worten riß er das Zeichen des Kreuzes von seiner Schulter und übergab es dem Bischöfe von Paris; worüber alle Anwesenden große Freude äußerten. Ludwig aber fuhr fort: „Jetzt bin ich sicherlich weder krank am Körper noch schwach am Geiste, von neuem fordere ich das heilige Zeichen und werde nicht anders Speise zu mir nehmen, als wenn meine Forderung erfüllt seyn wird." Weder der Bischof noch die Königin wagten es, dem kräftig ausgesprochenen Willen des Königs ferner sich zu widersetzen. Seit dem Frühlings des Jahrs 1248 bot Frankreich wieder denselben Anblick dar, wie zu den Zeiten der früheren großen Kreuzfahrten; und in jeder Stadt, jeder Burg und jedem Dorfe sah man die Pilger beschäftigt mit Zurüstungen und Anordnungen. Die Barone schlossen unter einander Verbindungen zu gemeinschaftlicher Meerfahrt und hielten Berathungen über die Anordnung ihrer Reise Viele Barone und Ritter verpfändeten ihre Güter oder verkauften den Städten Rechte und Freiheiten, um das nöthige Gelv für die lange und kostbare Fahrt sich zu verschaffen^'); 20) Dem Senefchall Johann von Joinvills bot sich Johann Herr von Apremont und Graf von Salebrsiche zum Reisegefährten an, und bcyde Herren mieihetcn für sich und ihre Ritterschaften ein Schiffzu Marseille; jeder von ihnen führte mit sich zehn Ritter. loiuviiie itist. sie 8 t. Morris (Naris 176s bol.) x. 2Z. 21) Joinville verpfändete zu Metz in Lothringen von seinen Gütern, um auf rechtmäßige Weise sich Geld zu verschaffen (gouracguc je neu vouloio xovter nulr sienioi i> toit), einen so beträchtlichen Thcil, daß ihm nur noch Tausend Livres jährlicher Renten aus seinen Besipungcn blieben, indem seine Mutter noch einen großen Thcil seines väterlichen ErbcS alS Wittbum inne hatte. Er fügt dann die fromme Bemerkung hinzu: Lt acs akoee» vous rameiitervi?. jo, xouraeglic so Oiox uo in'eust ailtis, giii oitgnes uo ino biütli, jo i'ousse Rüstungen und Vorbereitungen in Frankreich. 57 und da die Pilger so vielfältigen Gefahren sich Preisgaben, so verfügten sie durch Testamente über die Güter und Besitzungen, welche sie zurückließen. Manche mit dem Kreuze bezeichnet« Barone versammelten ihre Lehnsmänner und nahmen von ihnen mit gerührtem Herzen Abschied, wie denn auch der edle Seneschall Johann von Joinville am Tage vor Ostern seine Vgsallen in seine Burg berief, undig.Apr,l als an diesem Tage ihm sein Sohn Johann, Herr von Au- cerville, war geboren worden, so brachten die versammelten Ritter die ganze Osterwoche mit Gastgeboten zu, welche des Scneschalls Bruder, der Herr von Vaucoulleurs, und andere Ritter nach einander veranstalteten. Nachdem einige Tage in Fröhlichkeit und Lustbarkeit verflossen waren, so sprach der Seneschall am Freytage jener Woche zu seinen Vasallen : „ihr wißt, edle Herren, daß ich im Begriff siehe, nach dem Lande jenseit des Meers zu wallfahrten, und ich weiß nicht, ob ich heimkehren werde: so Jemand unter euch eine Beschwerde wider mich hat, so trage er sie vor, und es soll ihm Recht werden." Nach diesen Worten verließ er die Versammlung, um die Besprechungen seiner Lehnsmänner nicht zu hindern, und gewahrte hernach alles, was von ihnen begehrt wurde"). Der Seneschall von Joinville befolgte, indem er vor dem Antritte der gefahrvollen Meerfahrt alle Streitigkeiten mit seinen Lehnsmännern ansglich, das Veyspiel des Königs Ludwig, welcher Predigermönche und Minoriten in alle Städte und Landschaften seines Reichs sandte, um sorgfältig nachzuforschen, ob irgend einer seiner Unterthanen gegen den König oder dessen Beamte eine Klage vorzubringen hätte. je cicmonrr.ii en le rorro sainte. schaffte, s. IVlicininci llise. sles Orois. lieber die Befreiungen, welche dieser 1 °. IV. x. 200. Krcuzzug manchen Gemeinden »er- 22) soinville a. a. O. 58 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. II. Auch die Amtleute wurden durch eineu königlichen Befehl angewiesen, dieselbe Nachforschung anzusiellen, und Ludwig erklärte zugleich seine Bereitwilligkeit, allen Beschwerden ab- znhelfen Diese Gesinnung des Königs Ludwig suchte auch der König Heinrich von England sich zu Nutze zu machen, indem er durch eine Gesandtschaft die Normandie, welche seit vierzig Jahren im Besitze der Könige von Frankreich war, zurückfordcrn und mehrere andere Ansprüche vortragen ließ. Ludwig soll geneigt gewesen seyn, die Forderungen des englischen Königs zu bewilligen, und nur die Gegenvorstellungen seiner Barone sollen ihn bewogen haben, jene Forderungen als unbegründet zu verwerfen. Auch der Graf Richard von Cornwallis kam mit seinem Sohne Heinrich nach Frankreich, in der Absichr, die Erledigung der Ansprüche, welche er an den König Ludwig zu haben glaubte, unter solchen günstigen Umständen zu erwirken; als er aber die Antwort vernahm, welche die Botschafter, seines Bruders erhalten hatten, so nahm er daS Pilgerkleid und wallfahrtete nach Pontigny zu den Gebeinen des heiligen Edmund, um daselbst sein Daukopfer für die Genesung von einer gefährlichen Krankheit darzubriiigen, beschenkte den Heiligen mit einem kostbaren Halsgeschineide von Edelsteinen und gab diese Wallfahrt als den Zweck seiner Reise nach Frankreich an uz) Die Ausscndung der Mönche und die Erlassung des crwälmtcn königlichen Befehls an die Annlcute geschah im Herbste ,247. lVkmrlr. t'aris -ul ». 1247. 7-z. 24) IVl-urIr»cu« I-ari» k. a. p. 7Zg. Oer Graf Richard kam am Tage Simon und Judä (-8. Ort.) nach England zurück. Die Erzählung dcS Matthäus Paris von den im Texte erwähnten Verhandlungen ist übrigens unklar, indem es nicht ganz deutlich ist, ob der Graf Richard und dessen Sohn die Ansprüche des Königs Heinrich vorlrugcn, und ob das ka- miliaro aotlngiiirini und der zwolixus cr-mmus, welchen Richard mit Ludwig hatte, sowohl auf die Ansprüche seines Bruders alS auf seine eigenen Angelegenheiten sich bezogen; oder ob 59 Auszug der französischen Pilger. Da endlich die Zurüstungen und Vorbereitungen beendigt 2 waren, und die Zeit sich näherte, iv welcher die Meerfahrt angetreten werden sollte, so berief der König Ludwig noch einmal seine Barone nach Paris, um gemeinschaftlich mit ihnen die Verwaltung des Reichs wahrend seiner Abwesenheit zu ordnen; und die Lehnsmänner der Krone verpflichteten sich auf diesem Parlamente durch einen Eid, den Kindern des Königs die Treue zu selbst auf seiner Meerfahrt ein Nachdem diese Verathungeu die nnncii domini Regis Lugidac, deren hernach Erwähnung geschieht, eine Gesandtschaft bildeten, welche gleichzeitig mit Richard an den französischen Hof kam. Wegen der Wendung jedoch, welche die Erzählung dcü Matthäus Paris nimmt, nachdem von dem Ausgange der Verhandlungen wegen der Zurückgabe der Normandie berichtet worden ist: Lomes lUicimrckus) mcmoratns siaeo comgerions kormam indnit gere- griimrionis, habe ich mich für die im Texte gegebene Darstellung entschieden. 25 ) tzuo bol et loiante gortcroienl ä ses cnkans, se anonno cirose avo- a. O. Andere Wettspiele von ähnlichen Eidesleistungen zu den Zeiten Ludwig VIII. und anderer französischen Könige hat Ducange gesammelt zu Joinville x. 55- gl- Joinville fügt hinzu: „Der König forderte auch von mir diesen Eid, ich aber wollte ihn nicht leisten, weil ich nicht sein LchenSmann war." Denn er war Vasall des Grafen von Champagne. Joinville erzählt hierauf noch folgendes Ereignis), wovon er damals bewahre», falls dem Könige Unglück begegnen sollte beendigt worden, und die zu Paris selbst Augenzeuge war. Ein Geistlicher tödtete mit grojjcr Tapferkeit drei! Knechte (scrjanr.) des I're- vör, welche in den abgelegenen Straßen von Paris Räuberei) trieben und auch ihn beraubt batten, den einen vermittelst einer Armbrust, die bciiden andern mit einer Sense (kanoNon), und stellte sich dann freiwillig zur Gefangenschaft und Untersuchung. Als der rrevöe Liesen Geistlichen zu dem Königc.führte und demselben von diesem Falle Bericht erstattete, so sprach Ludwig: Ehrwürdiger Herr, wegen solcher Thal könnt ihr nicht länger Priester styn, ich nehme euch aber in meinen Dienst und ihr sollt mit mir über Las Meer gehen; also verfahre ich mit euch, damit meine Leute sehen, dag ich sie nicht in Schlechtigkeiten unterstlchs. (Sire ctcro, vons UVLL gerdn ä cstrc grösrre gar vo- tro groesee, er gonr vostre groesoe je vons rclielng ä mos Zages et cn vcnrer: aveo moi Oukremcr; et ocste olrose vons kois skaisg jo en- core gonroegnc je veil srenxs hie» gno ma Zenr voient gne je ite les sustondrai en nultes de lenrs mau- vestivs). loinvitle g, 26. . Ehr. I-.I8. 60 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. K a p. II. ''iE Barone in ihre Heimath zurückgekehrt waren, so wurde der Aufbruch zur Meerfahrt nicht länger verschoben; und so wie der König Ludwig vor seiner Abreise nebst seinen Brüdern i 2 .Jun.die Gebeine des heiligen Dionysius besuchte und im Münster von St. Denys aus den Händen des Cardinals und apostolischen Legaten Odo die heilige Orisiamme, die Pilgcr- tasche und den Pilgerstab empfing"): also nahmen alle französische Kreuzfahrer, welche mit ihrem Könige den Ruhm und die Gefahren des Kampfes für den Heiland zu thcilcn entschlossen waren, Pilgerstab und Pilgertasche, jeder ans den Händen des Geistlichen, welchem er sein Vertrauen zugewendet hatte; und die frommen Pilger versäumten es auch nicht, vor dem Antritte ihrer gefahrvollen Reise zu den Ruhestätten von Heiligen zu wallfahrten und die Fürbitte der Heiligen bey Gott zu erflehen. Dem Seneschall Johann von Joinville legte der Abt des Cistercienserklosters Cheminon, welcher damals für einen der frömmsten Männer des weißen Ordens galt"), die Pilgerschärpe an und cr- theilte ihm den Pilgerstab und die Pilgertasche; hierauf wallfahrtete der Seneschall nach Vlanchicourt, wo die Gebeine des heiligen Urbanus und anderer Heiligen ruhten, und trat von dort sofort seine heilige Reise an, ohne noch üb) Dag dieses am Freytage nach Pfingsten skerla eexta llontevosres ) geschah, berichtet bis Chronik von St. OenyS. O' Lclrerx exiolleg. (Ausg. in Folio) M ll. i>. 407. Am folgenden Sonntage nahm auch Margarethe, die Ecmahlin des Königs, zu St. Denvs die Zeichen ver Pilgerschaft. 2 ?) Als Joinville einst mit dem Könige zu Elugny war, zeigte ihm ein Mönch den Abt von Cheminon und fragte ihn, ob er den heiligen Mann kennte. Hierauf erzählte der Mönch, ihm habe ein glaubwürdiger Mann berichtet, welcher einst mit dem Abte von Cheminon in einer Kammer geschlafen habe, daß die Mutter EoitcS selbst, als der Abc wegen der Hihe seine Brust entblößt hatte, an dessen Bett gekommen sei, und ihm LaS Gewand über die Brust gezogen habe, damit er nicht sich erkälten möchte (xourcccjrre Io veirt uo li seist mal), solirvlllc x. 27. 61 Auszug bei.' französischen Pilger. ein Mal in seine Vnrg Joinvllle zurückzukehren; „und ich^Cr,r. vermochte es nicht über mich," also erzählt er selbst, „meine Augen wieder nach Joinville zu wenden, damit das Herz mir nicht weich würde wegen des schönen Schlosses, wek ches ich verlassen hatte, und wegen meiner daselbst zurückgebliebenen Kinder")." Der König Ludwig verließ noch an demselben Tage, an welchem er zu St. Denys seine Andacht verrichtet hatte, seine Hauptstadt Paris"), begleitet von seiner Gemahlin Margaretha, dem päpstlichen Legaten Odo von Tusculum, seinen Brüdern, den Grafen Robert von Artois und Carl von Anjou, und deren Gattinnen, und vielen französischen Bischöfen und Baronen; und eine große Volksmenge folgte den Pilgern in feyerlichem Zuge bis zur Abtey St. Antoine. Zu Corbcil fand er seine Mutter Blanca und übertrug daselbst ihr und seinem Bruder, dem Grafen Alphons von Poiliers, welcher, obgleich mit dem Kreuze bezeichnet, vorerst zum Veystande seiner Mutter in Frankreich noch zu bleiben beschloß, die Regierung des Reichs während seiner Abwesenheit. Der König nahm mit seinem Heere den Weg durch Burgund, indem seine Mutter ihn bis nach Clugny bce gleitete, und verweilte dann einige Tage zu Lyon, wo er vergeblich sich bemühte, den Papst Jnnocenz zur Versöhnung mit dem Kaiser Friedrich zu bewegen. Nachdem er den Segen des Papstes empfangen, setzte er seine Reise fort und beschloß, die feste Burg Roche le Gluy an der Rhone zu belagern, weil Roger, der Herr dieser Burg, sich erfrecht hatte, die Fahrt auf der Rhone durch ungebührliche Erhebung eines Zolls zu belästigen und auf der Heerstraße, 2») loinville a, a. O. diesem Tags begab er sich nämlich 2Z) I?ciia eexta Nciiiccoskes nach »ach St, Deichs. Wgl. AMII, 2S. (tnitelinus äs dtanZiaeo 546. An 62 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. II. 2^«. welche an Roche le Gluy vorbei) nach Marseille führte, Pilger und Kaufleute zu berauben. Ludwig eroberte und schleifte diese Burg und gab sie nicht eher dem Ritter Robert zurück, als nachdem dieser unter gebührender Gewährleistung angelobt hatte, in Zukunft aller Erpressungen und Plünderungen sich zu enthalten Hierauf fügten die Bürger von Avignon, welche von den Franzosen, als der Kctzerep der Albigenser zugethan, mit Verachtung behandelt wurden, dem Pilgerheere mancherlei) Ungemach zu; selbst der edle Graf von St. Paul und Blois, Hugo von Cha- tillon, wurde zu großem Schaden der Kreuzfahrt durch den Steinwurf einer Kriegsmaschine getödtet, welche von den Mauern der Stadt Avignon gegen die Kreuzfahrer war gerichtet worden, worauf sein Gefolge von fünfzig auserlesenen Rittern sich zerstreute Auch die Bürger von Marseille übten Feindseligkeiten wider die Pilger; Ludwig aber enthielt sich der Rache und gab denen, welche ihn aufforderten, solchen Frevel zu strafen und bey dieser Gelegenheit an dem ketzerischen Volke von Avignon die ruchlose Vergiftung seines Vaters zu rachen, zur Antwort:,, ich bin nicht ansgezogen, um Beleidigungen meines Vaters oder meiner Mutter oder meiner selbst zu rächen, sondern um für den Heiland zu streiten; fern sey es von mir, die Tücke des Satanas, welcher unserm heiligen Werke Hindernisse in den Weg legt, zu fördern." Noch betrübender für Ludwig als jene Widerwärtigkeiten war es, daß mehr als Tausend Zv) 6ni1. de 1. 6. loinvillü I>. 27. In der Chronik des Wilhelm von Puh c^v I>oäio, in Ouolce-Ii>! Scrigtor. icr. 6>WI. - 0 . V. ^>. 700) wird der Herr dieser Burg ilogc- lins ste Llorcgio genannt. Ioinville, welcher etwas später seine Reise antrat, fand das Schloß Roche de Sluy schon zerstört. Wgl. Anm. 36. Welche Barg unter den an der Rhone gelegenen und Noolres genannten Burgen damit gemeint sc», läßt sich nicht mit Sicherheit angcbcn. 31) S. unien Kap. 3. Anm. 11. 63 Auszug der französischen Pilger. Bogenschützen und mehrere Tausende von Knechten zu Fuß^ auf dem Zuge durch die Provence in Unfrieden das Pilgerheer verließen, zu Lyon von dem päpstlichen Hofe mit Geld die Befrcyung von ihrem Gelübde erkauften und mit leeren Taschen in ihre Hcimath znrüükehrten ^). Nach vielerlei) Mißgeschick kamen endlich nach der Mitte des Augustmo- nats die Pilger nach Aiguesmvrtes, der einzigen Hafenstadt an der Küste des mittelländischen Meeres, welche damals im unmittelbaren Besitze der Könige von Frankreich sich befand und erst von Ludwig dem Neunten mit einem Leucht- thurme versehen, durch Mauern gegen die Seeräuber geschützt und mit einer großem Zahl von Bewohnern bevölkert worden war ^). So reichlich das Heer, welches dem Könige Ludwig folgte, mit allen Bedürfnissen versehen war, so einfach waren dagegen die Kleidung und Bewaffnung, welche der König 32) Der Mighelllgkeitcn, In welche Ludwig mit den Einwohnern von Avignon und Marseille gcricth/ erwähnt nur Matthäus Paris (asta. 124g. x. ; so wie auch nur heg diesem Schriftsteller eine Nachricht über die Rückkehr eines Theilü der Pilger in ihre Heimath steh findet. Oie Ursache dieser Rückkehr wird nicht angegeben: doch scheint auS der Bemerkung des Matthäus Paris sx. 750) , dag sie mit Unwillen (cnm das Pilgerhcer verlieben und den Entschlich, dem Könige von England wider den König voll Frankreich zu dienen, erst nach ruhiger Ueberle- gllttg (kntnra gericnla rarionis aa z-rovickentiae libra rrntinantee) aufgcgeben hätten, die Schllchfolgo gezogen werden zu können, dag Streitigkeiten zwischen ihnen nnd den übrigen Pilgern ihre Rückkehr veranlagten. Matthäus Paris berichtet dann weiter, dag die rückkehren- dcn Pilger dem Papste ihre Dienste angetragen hätten, und fügt die gehässige Bemerkung hinzu: Sock circnmvcnti xaxalilnis sermocina- rinnidns ct eorn-n in curia esns- ckem äomini I-axae, gui uovcranr cos stenariis adnnüare, crnois signa- mino l?ax>ae zno venia snae ziere- grinarionis odtiircnsta resignatis, ao lociiiis, nr levins irent, excussio vix remanente ixisie minima z-or- tiuncula, nncie xorscnt oditer sns- tentari, all z-roxria rcmearunt. 33 ) Denn Languedoc und die Provence hatten damals ihre eigenen Herren. Vgl. Oucangs zu goinville l>. 101. lieber den damaligen Zug des Königs Ludwig durch das südliche . Chr. -24c. 64 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. II. ^ 2 ^ 7 'angenommen hatte, als er zur Meerfahrt auszog und seit dem Anfänge seiner Meerfahrt wahrend seines ganzen übrigen Lebens nicht wieder änderte. Er trug seit dieser Zeit niemals weder Pelzwerk noch ein Gewand von Scharlach oder von grüner oder bräunlicher Farbe, sondern nur schwarze, dunkelblaue oder kameelhaarene Kleider^); seine Sporen waren von Eisen und unvergoldet, und der Sattel seines Rosses weiß und eben so als das übrige Geschirr deS Pferdes ohne alle Verzierung; und das Geld, welches durch solche Einfachheit erspart wurde, vertheilte der Beichtvater des Königs von Zeit zu Zeit an die Armen. Nach dieser Einfachheit des Königs richteten sich auch die Barone und Ritter, welche ihn auf dieser Meerfahrt begleiteten, so daß man in diesem Heere kein gesticktes Kleid erblickte. Die zahlreiche Flotte, welche Ludwig in dem Hafen von Aignesmortes versammelt hatte, um die Pilger über das Meer zu bringen, war schon zur Abfahrt bereit, als das 2 z.Aug.Heer anlangte, und Ludwig bestieg am Tage nach dem Feste des heiligen Bartholomäus^), demselben Tage, welchen späterhin die Kirche seinem Andenken weihte, sein Schiff; -8.Aug.nnd als am vierten Tage^) ein günstiger Wind sich erhob. Frankreich vgl. Disroire äo Dsngne- rloll P. Hl. x. 460. 461. 84) ilio tempore nnmgruiin inänrns est sguolero vel psnno vi- ritii ,en brnneto, noo pelliinrs v.r- riis, secl veste nigri coioris vei vs- mclini sen persei ( sie pers In der alten französ. Uebersepung). Vnil. sie Hong. p. 846. Dieser Einfachheit der Kleidung des Königs, welche auch von den Barone» und Rittern nachgeahmt wurde, erwähnt auch Joinville p. ü und 140. 85) Die Morris iw crsstino bcoti Lsrtiroiomoei ^.postoli. 6uii. äs dleng. 1 . 0. Wgl. Moltlr. Uoris asi 0. >248. p. 749 - Zu AigueSmortcs besprach sich der Graf von Toulouse Mit dem Könige. Suil. sie Uvsiil» LIrron. I>. 700. Ludwig batte den» Grafen durch einen Brief eine Untersuchung von -2200 pariser Pfund (ü- vres porisis) für den Fall angeira- gcn, datz er mit ihm die Meerfahrk unternehmen wollte. Michaud (nach einer Handschrift der königl. Bibliothek zu Paris) r. IV. p. rgg. g6) Die Venciis r xortu reccsieas. 65 Auszug der französischen Pilger. so verließ die Pilgerflotte den Hafen von Aiguesmortes und ^-Ar. ging unter Segel. Nicht alle französische Pilger waren auf dieser königlichen Flotte vereinigt, sondern manche hatten aus ihren eige-z neu Mitteln Schiffe gemiethet, mit welchen sie ebenfalls im Monate August aus dem Hafen von Marseille abfuhren, und unter diesen Pilgern war auch der Seneschall von Join- ville mit seinem Reisegefährten, dem Grafen von Salebruche 6i:U. ste blanx. I. o. Die Gräfin von Artois kehrte, wie Wilhelm von Nnngis l p. 347) bemerkt, von Ai- gucsmvrtcs nach Frankreich zurück, tveil sie schwanger war, und erwartete daselbst die Mcerfahrt ihres Schwähers, des Grafen von Poitiers. 37) Ioinville beschreibt seine Reise nach Marseille und seine Abfahrt also : „Nach der Pilgerfahrt gen Biechi- ccurt aßen wir, Ich und meine Gefährten, zu Fontaine l' Archeveguo vor Donicux, wo der Abt Adam von St. Urbatn mich und meine Ritter mit vielen schönen Kleinoden (xranr soiso» äo biaus iniaus) beschenkte. Dann kamen wir nach Ausfonnc, wo wir mit unserm Gepäcks auf Schiffs uns begaben und auf der Saone herab nach Lyon fuhren, während unsere großen Schlachtreife li.es grans ckcscricrs! am Ufer hinabgeführt wurden. Zu Lyon begaben wir uns auf die Rhone und fuhren nach ArleS tolles tc blano), und an der Rhone sahen wir das Schloß Roche de Gluy, welches der König hatte zerstören lassen, weil Roger, der Herr der Burg, in dem Rufe stand, daß er die Pilger und Kaufleute beraubte. Im August bestiegen wir unsere Schiffe zu Roche de Marseille (d. t be» dem Worge- bürge, welches den Hafen von Marseille schließt und die Citadelle dlorro Dame cle 1a Oarcio trägt, s. Onoansto zu Ioinville i>. 55)', und an den. Tage, an welchem wir die Schiffe bestiegen, öffnete man die Thür deS Schiffs, brachte die Pferde, welche wir über das Meer führen wollten, hinein und verschloß alsdann wieder die Thür, welche man so sorgfältig verstopfte als eine Tonne (vgl. Ecsch. der Kreuzz. Buch VI. Kap. 4. Anm. 12. S. 117. I> 8 ) l denn diese Thür befindet sich unter dem Wasser, sobald daS Schiff im Meere ist. Nachdem unsere Pferde waren eingeschifft worden, so rief unser Schiffshauptmann (mcstro notonnror) zu den Schiffö- lcutsn, welche auf dem Schnabel deS Schiffs sich befanden: Ist alles in Ordnung? mögen dis Geistliche» und Priester vertreten (csr aröe voscrs besorg, > 0 ? srrc, vicignciir avant los clcrs ot los provcies). Als diese vorgetreten waren, so rief er ihnen zu. Singet in Colies Namen (oirair- E vli. Band. 66 Eesch.d.Krenzz. B.VIU. K.H. Auszug d. französ. Pilger. teil äoparDien), worauf sie einstimmig anhuben zu singen: Ve»t oiealor Spiritus. Dann rief er den Schiffern li>o!oi,nicri> zu: „Spannt in Gottes Namen die Segel," was sie sogleich thaten; und in kurzer Zeit blies der Wind in die Segel und nahm uns den Anblick des Landes, so daß wir nichts alS Himmel und Wasser sahen, und jeden Tag entfernte u»S der Wind weiter von den Ländern, wo wir waren geboren worden. Und dieses melde ich euch, damit ihr cinsehet, da» derjenige, welcher in eine solche Gefahr sich bcgiebt, wenn er fremdes Gut sich angemaßt oder eine Todsünde begangen hat, ein frecher Narr (koilmräi) >si; denn am Abende weiß man nicht, ob man nicht am andern Morgen im Abgrunde des MeerS (»u konci sse I» mer) sehn wird." 1 Die fraiizSfifchen Pilger in Cypcrn. 67 Drittes Kapitel. §)er unglückliche Ausgang des in den Jahren 1217 bis 2-Ehr. 1219 von einem zahlreichen Pilgerheere gemachten Versuchs, Aegypten zu erobern, hatte zwar den Abendländern die großen Schwierigkeiten gezeigt, welche einem fremden Kriegsheere die Unterjochung und Behauptung dieses Landes erschweren; man betrachtete aber jenen unglücklichen Ansgang als die nothwendige Folge der Fehler und Mißgriffe des päpstlichen Legaten Pelagius, glaubte, durch eine thcuec erkaufte Erfahrung belehrt, ähnliche Fehler und Mißgriffe vermeiden zu können, und war noch immer überzeugt, daß die Eroberung von Aegypten, als der Hauptguelle des Reichthums und der Macht der Saracenen, das einzige Mittel wäre, zu dem dauernden Besitze von Syrien zu gelangen. Diese Ueberzcngung hegte auch der König Ludwig der Neunte von Frankreich, nnd er beschloß daher, die Saracenen zuerst in Aegypten anzugreifen i) Es ist auffallend, dag weder Jo- inville noch irgend eine Chronik Vieser Zeit der Verhandlungen erwähnt, welche ohne Zweifel über den Plan dieser Kreuzfahrt gepflogen wurden; wir wissen daher nicht, wo und wann und unter welchen Bestimmungen der Angriff gegen Aegypten beschlossen wurde. Vielleicht, enthielt darüber nähere Auskunft der frühere nicht vorhandene Bericht deS Legaten Odo, auf welchen eln späterer, aus Cypcrn am Mittwoch vor Ostern szi. März 1249) an den Papst Jnno- cenz lV. erstatteter und in w Lolicr^ Sxioilcgium s Folloausgabe) P. III. E2 68 Geschichte der Kecnzznge. Buch VIII. Kap. III. Die Zeit des Auszugs war von Ludwig sehr glücklich gewählt worden, und er würde, wenn er die Landung an der ägyptischen Küste beschleunigt hätte, gerade in der Jahreszeit daselbst angckommen seyn, in welcher die Ueber- schwemmung des Landes in starker Abnahme war; und wenn er dann der Mündungen des Nils sich hätte bemächtigen können: so würde ihm wenigstens die Beschaffenheit des Bodens während des nächstfolgenden Winters und Frühlings das Vordringen in das Innere des Landes nicht erschwert haben. Zum Sammelplätze seines Heeres hatte er die Insel Cypern bestimmt, und seit zwey Jahren hatte er mit weiser Fürsorge dort unermeßliche Dorräthe an Getreide, Wein und anderen Bedürfnissen gesammelt Wenn Ludwig x. 624 — 628 mitgethelltcr Bericht Desselben Legaten, über den Aufenthalt der Pilger auf Cypern und die daselbst vorgefaklenen Ereignisse, sich bezieht. 2) „Als wir nach Cypern kamen," sagt Joinville, „war der König schon daselbst, .und wir fanden grobe Vor- räthe an Wein und Früchten, welche wir der Fürsorge des Königs verdankten. Die Weinvorräthe waren von den Leuten des Königs auf den Feldern an der Küste aufgchäuft; die Weinfässer, welche man seit zwei) Jahren gekauft hatte-, waren eines über das andere gelegt, wie die Garben in einer Scheune. Das Getreide war auf den Feldern aufgeschüttet in Haufen, welche in der Ferne Bergen glichen, und da dasselbe wegen des häufigen Regens Keime getrieben hatte, so sah man davon nichts als grüneS Kraut. Als man späterhin dieses Getreide nach Acgvpten bringen wollte, so nahm man die Decke deS grünen KrautcS hinweg und fand unter derselben das Getreide so frisch, als ob es erst eben ausgcdroschcn wäre." Nach dieser glaubwürdigen Nachricht sind wir wohl berechtigt, die Erzählung des Matthäus Paris (est r. 124g x. 764. ?kz) nicht in ihrem ganzen Umfange für richtig zu halten, nach welcher Ludwig, da er während des Winters anLebensmittcln in Cypern groben Mangel litt, den Grafen von Bar und den Ritter von Beugiu nach Venedig und andern benachbarten Städten und Inseln gesandt und um Hülfe gebeten haben soll. Hierauf sollen die Venetiancr ihm sechs Schiffe mit Lebensmitteln, einiger Ritterschaft smillmre xracsi- ätum)undvielenanderenKreuzfahrcrn gesandt, und auch die Bewohner anderer Städte und Inseln ihm Lebensmittel zugeführt haben, was der Kaiser Friedrich nicht nur nicht hinderte, sondern beförderte. Als Ludwig auf solche Weise aus feiner Noth befrcyt war und an Lebensmitteln Ucbcrflust hatte, so soll die Königin Blanc» 69 Die fl'-nizösischeu Pilger in Cypern. also über eine hinlängliche Flotte gebot, nm diese Vorräthe^^?' nach Aegypten zu schaffen und dem Heere nachzuführen, so hatte er keine Storung seiner Unternehmungen durch Mangel zu befurchten. Ludwig erreichte nach einer Fahrt von fast vier Wochen»?-Scpt. am Donnerstage vor dem Feste des Evangelisten Matthäus ?) die cyprische Küste und hatte deu lebhaften Wunsch, von dieser Insel ohne Aufenthalt nach Aegypten überzugehen und den Krieg wider die Saracenen zu beginnen -). vom Kaiser in einem Briefe dafür, dass er ihrem Sohns das Leben gerettet habe, gedankt und Geschenke übersandt haben. Auch verwandten sich nach der Erzählung des Matthäus Parts sowohl die Königin Bianca als ihr Sohn, der König Ludwig, durch Dankbarkeit bewogen, aufs neue bei) dem Papste für die Absolution LeS Kaisers Friedrich vom Banne, obwohl vergeblich. Es ist jedoch nicht nur möglich, sondern selbst wahrscheinlich, daß Ludwig auch nach seiner Ankunft in Evpern die gesammelten Vorräthe zu vermehren sich bemühte und in dieser Beziehung Unterhandlungen mit den Wenetiancrn und andern Städten anknüpfte. Der Graf von Bar war aber nicht der Unterhändler, da dieser im Herbste 1248 starb. Vgl. unten S. 73. Im geraden Widerspruche mit der Angabe von dem Antheile, welchen nach Matthäus Paris der Kaiser Friedrich an der Kreuzfahrt des Königs Ludwig nahm, steht folgende Nachricht des Nikolaus de Curbto (vira luuoo. IV. esset situ, vias guogue uiaris et se- mitas arguc xvrcus lacceus custv- ctiri, ne iiluc viatnalia xortarentnr. In Beziehung auf die Anstalten deS Königs Ludwig für die Befriedigung alfer Bedürfnisse seines Heeres während der Dauer der Kreuzfahrt findet sich noch folgende Nachricht bey Hugo Plagon sp. 73?): „Ein Jahr vor seinem Aufbruche (innere) sandte Ludwig einige seiner Leute nach Eypern, um dort Lebensmittel (viaucle), und was sonst das Heer bedürfen möchte, zu kaufen, und diese führten fünfzig kostbare Pferde (ciievaus üe Plis) hinweg, und ihr Anführer (ckevctaiuc) war ein tapferer (vaUiaiit) Scrjant mit Namen Nikolaus von Souri.ss 3) Die lovis ante Icstiiiii 8 . lVkat- tiraei tLxosroli. 6 uil. fic Issaiig. 1>. 346.347. Nach der Angabe des Hugo Plagon tp. 73s)- welche Raumer angenommen hat (Eesch. der Hohenst. IV. S. 2gü>, landete Ludwig in Eypern am 2g. Septcmb. Den Ort, wo Ludwig landete, nennt Wilhelm von Nangis Minotium, ein Name, welcher ohne Zweifel in läiuotium zu verbessern ist und den Hafen von Li- massol bezeichnet. 4) l-c Hol lust ruoult volonticrs aiö »vaut saus s arcslcr cu Lg^pte, so ue fussout ses daroit» gui li loe- rcul ä atteucire sa geilt gui u esroi- 70 Geschichte der Krenzzügc. Buch VIII. Kap. III. I. Clir. 1248 . Weil aber ein großer Theil seines Heeres und seiner Flotte, insbesondere die Schiffe, auf welchen die Armbrnstschntzen sich befanden, erst später eintreffen konnten *), und ohnehin der Winter nahe war, so beschloß er ans den Rach seiner eigenen Barone und der cyprischen Ritterschaft, die Fortsetzung seiner Fahrt bis zum nächsten Frühlinge zu verschieben und den Winter zu Nicosia zu verweilen Der Aufenthalt in Cypern schien im Anfänge nicht unerhebliche Vortheile zu gewahren. Denn nicht mir war es allerdings zweckmäßig, die Vereinigung aller Pilger ab- znwarten, bevor ein Angriff wider die Saracenen unternommen wurde, und dem Heere nach einer langen Seefahrt während der rauhen Jahreszeit einige Ruhe zu gönnen; sondern es wurden auch der König Heinrich von Cypern und ein großer Theil seiner Ritterschaft wahrend dieses Aufenthalts der Pilger In ihrem Lande durch die großen Erwartungen, welche die beträchtliche Zahl und treffliche Rüstung des französischen Heeres erweckten, bewogen, das Kreuz zu nehmen; und sie versprachen, den König von Frankreich und dessen Waffengefährten ans ihrer heiligen Unternehmung zu begleiten?). Sehr bald aber entwickelten sich mancherlei) schlimme Verhältnisse. Mehrere Barone ent xtis encoro tourt Venus. loiu- vitte p. sg. 5) Auster Joinvilte und dessen Reisegefährten kam auch der Vizgrafvon Chateaudun (vicvcomcs Lastriän- ncnsis) mit vielen anderen Rittern später alS der König Ludwig nach Cypern, nämlich erg am Freytage nach dem Feste des heiligen Lucas ssz. October 1248). Oäonis Lpisk. I>. 624. 6) licx ivustoviaus . . . cic vonsi- lio Neionum suorum av Ntironnm tcrrarum Lz'pri, gnia naves et gaivae sn.Lv cnin dtiiistLriis tiv Avn- dttrn^. x. Z47. Dgl. Anm. 4. 7) 6»il, äv dlang. I. c. Die französischen Pilger in Cypern. 71 waren nicht darauf eingerichtet, die Ritter ihres Gefolges wahrend einer langen Uuthatigkeit aus eigenen Mitteln zu unterhalten; selbst dem Seneschall von Jvinville blieben, nachdem er die Miethe seines Schiffs bezahlt hatte, nicht mehr als zwey hundert und vierzig Livres °), und einige der zehn Ritter, welche nebst zwey Pannerherren dem Seneschall gefolgt waren, erklärten ihm daher nach der Ankunft an der cyprischen Küste, daß sie ihn verlassen würden, wenn er nicht Geld sich verschaffen könnte. Als der König Ludwig die Norh des Seneschalls erfuhr, so rief er ihn zu sich nach Nicosia und beschenkte ihn mit achthundert Livres ^). Wie gewöhnlich in den früheren Pilgerheercn in Zeiten der Ruhe und Uuthatigkeit der Friede durch innere Mißhellig- kcircn war gestört worden; eben so erhoben sich auch in diesem französischen Heere wahrend des Aufenthalts auf Cy- pcrn verderbliche Zwistigkeiten. Der Vizgraf von Chateaudu», welcher mit vielen anderen französischen Rittern erst gegen das Ende deS Oktobers nach Cypern kam, war kaum daselbst gelandet, als er mit den genuesischen Schiffern, welche ihn nach dieser Insel gebracht hatten, in Streit gerietst; und es kam sogar zu einem blutigen Kampfe, in welchem von den Armbrustschützen des Vizgrafen zwey Genueser, deren einer ein vornehmer Mann war, getödtet wurden. Noch war dieser Streit nicht zu Ende gebracht, als der Vizgraf mit dem Grafen von Montfort und vielen anderen Rittern zu der Verabredung sich vereinigte, den König von Frankreich zu verlassen, nach P.tolemais sich zu begeben und 6) yni ri'rrvole PLS inil livreos ne ine In demviirv de reinensnL de terre, ine , yuant j'slö c^ue donre vin« Livres de lonrnois, Ontremer, de mo^ diniesine de elro- rna rrel ffoinville 29. valiers er de dcnx clievsliers da- 9) Lt lors, fügt IolnvlUe Zo) i»iercs portaii«; et in'Lvint uinsi, hinzu, olL jo irltrs de deiiiers csire 11 9u.aut je srlvül en 11 ne ine eviiveitolt. 72 Geschichte der Krenzzüge. Bnch VIII. Kap. III. 2,^r.dort einen bequemem Krieg wider die Saracenen zu führen, als sie in Aegypten erwarten durften; und Ludwig hinderte die Ausführung dieses Plans, welcher eine Auflösung des Pilgerheeres zur Folge haben konnte, nur dadurch, das; er sämmtlichen Schiffern untersagte, jene Pilger nach Syrien zu bringen, und zur Aufrechrhaltuug dieses Verbots durch seine Kriegsschiffe die cyprischcn Hafen bewachen ließ. Als der Vizgraf von Chateaudun auf solche Weise jenen Plan vereitelt sah, so erneuerte er seinen Streit mit den genuesischen Schiffern und bemächtigte sich eines ihrer Fahrzeuge, indem er behauptete, daß dasselbe nebst allem Zubehör vermöge früher getroffener Verabredungen sein Eigenthum wäre. Ludwig bewog zwar die beyden streitenden Parteyen, zwey Schiedsrichter zu ernennen, welchen er einen dritten als Obmann beyordnete; diese Schiedsrichter vermochten es aber nicht, einen Vergleich zu stiften, und erst gegen Ostern des folgenden Jahres wurde der Streit dadurch beseitigt, daß der Vizgraf auf den Zuspruch des Königs, den Genuescrn das Schiff, dessen er sich bemächtigt hatte, zurückgab, und die Genueser sich verbindlich machten, bey Strafe von zwey Tausend Pfund Silbers wegen ihrer Irrungen mit dem Viz- ^ grafen von dem Hofe des Königs von Frankreich Recht zu > nehmen '°). Noch während dieses Streites gcrieth in dem Hafen von Famagusta das französische Fußvolk mit den > Seeleuten der königlichen Kriegsschiffe") in Mißhelligkeiten, welche einen blutigen Kampf zur Folge hatten, und Ludwig sah sich genöthigt, selbst nach jenem Hafen sich zu begeben. io) Oäonis Lp. p. 625. Oullel- ruirs äe NrniALkeo ( welcher die Er- zählung des Odo über diesen Streit zwar benutzt, aber eine elgenihümliche Nachricht über das Ende desselben hinzugefügt hat) p. 653 . n) 6Lrea leslnm I). (6. Oe- eciul). 1248) t'.-reHli esr rixa iri 1i,e§is ec scivieiires ixsius, er cham üe äiLiis servieinidnis inrerteari tuerunr. Oclouis Lxr. 62L. 636. Die Kte uzfahr et in Cypern. 73 wo er diesem Streite dadurch ein Ende machte, daß er die^br. Rädelsführer der beyden Parteyen verhaften ließ und zur Untersuchung zog. Diese Streitigkeiten der Pilger unter einander waren aber nicht die einzige Widerwärtigkeit, welche der Aufenthalt des Heeres in Cypern zur Folge hatte. Obgleich durch die Fürsorge des Königs Ludwig den Pilgern es an keinem Bedürfnisse mangelte, und ihnen in den Ortschaften der Insel so bequeme Herbergen, als das Land gewähren konnte, waren angewiesen worden "): so erzeugten gleichwohl unter ihnen die ungesunde Luft dieses Eilandes und die Strenge des dortigen Winters gefährliche Krankheiten; und Ludwig hatte den Tod des Bischofs Robert von Beauvais, der Grafen von Monlfort, Vendome und Dreur, des tapfer« Wilhelm von Bar und des edlen Archembald von Bourbon, des letzten seines Geschlechts, und mehrerer anderer Barone, so wie zwey hundert und sechszig französischer Ritter, welche während dieses verderblichen Winters als Opfer jener Seuchen starben, zu beklagen"); und selbst seine Gattin, die Königin Margarethe, und sein Bruder, der Graf von Anjou, er» 12) Dis stiebns (im Decemb. 124g) Dex er De§ina moram rrairebanr ln Dioosis; miiitia vero stisxersa erat xci cesaüa totius lnsuiao. Oäonis Dx. x. 62Z. 1Z) Odo ( welches meldete, der Sultan Ejub wäre mit einer großen i Macht nach Syrien gekommen, und mau fürchtete, daß er die Absicht hätte, Joppe oder Cäsarea zu belagern. Diese Furcht erwies sich jedoch sehr bald als ungegründet; denn der Sultan, da er sehr wohl wußte, daß er bald sein Reich gegen den Angriff eines großen Heeres von Kreuzfahrern zu vertheidigen habe» würde, war nur nach Damaskus gekommen, in der Absicht, den ferneren Eroberungen des Fürsten Malek annaser Joseph von Haleb, welcher in Verbindung mit dem armenischen Fürsten Schemseddin Lulu den ^ Fürsten Malek al Aschraf aus Emessa vertrieben hatte, Gränzen zu setzen; und schon damals von einem unheilbaren körperlichen Uebel gequält, war er so wenig zu kriegerischen Unternehmungen aufgelegt, daß er bereitwillig der Ermahnung des Khalifen Mostasem zum Frieden Gehör gab, die schon begonnene Belagerung von Emessa, welche durch die rauhe Witterung des Winters erschwert wurde, aufhob und den Fürsten von Haleb im Besitze jener Stadt eines der zwölf PairS von Frankreich/ »reicher unfern von Cypern auf dem Schiffe starb. 14) Ostonis Lp. p. 605. Der Graf von Anjou wurde von einem viertägigen Zieber befallen und war zur Zelt der Abfalm nach Aegypten noch nicht vollkommen wieder hergcstcllt. vuil. clc- bl MIA. p. g47. Brief des Grafen Robert von Artoiü an die Königin Bianca in den ^Sstiuniicu- tis aä IVIMlti. I-sris p. ,6L. 75 Die Kreuzfahrer in Cypern. ließ "). Hierauf meldete ein zweytes Schreiben des Tem- i^Chr. plenueisiers dem Könige, es wäre zu Ptolemais ein ägyptischer Emir als Botschafter angekommen, jedoch ohne mit einer Vollmacht zu Friedensunterhandlnngen versehen zu seyn, und wahrscheinlich nur in der Absicht, auszukundschaf- ren, was der König von Frankreich im Sinne hatte. Als Ludwig aber von andern Seiten erfuhr, daß der Templcr- meisier selbst diese Sendung des ägyptischen Botschafters veranlaßt hatte so gab er deshalb seine und der fran- > 5 ) Lbulkeä. Lim. mosl. I'. IV. I>. 494 - Sowohl Lee Legat Odo (x. 6 og) als Wilhelm von Nangis (?- ZL>) erwähnen dieser Händel deS Sultans Eiub mit dem Fürsten von Haleb, jedoch nicht mit gehöriger Bestimmtheit. Nach Len Nachrichten des Wilhelm von Nangis, welche etwas genauer stnd als die Meldung des Legaten, befand sich der Sultan Eiub zu der Zeit, als das Schreiben des TemvlermeisterS erlassen wurde, zu Eaza, womit auch Odo überein- stimmt; nach Abulfcda begab sich der Sultan sogleich nach Damascus und verliest diese Stadt erst dann, alS er die Nachricht von der Ankunft der Franken Key Dnmiette erhielt. Die Belagerung von Emessa fand nach Abulfcda im Winter Statt, und die Aufhebung derselben wurde nicht erst durch dis Nachricht von der wirklichen Ankunft der Franzosen bey Damiette veranlastt, sondern geschah früher; und wenn Abulfcda sagt, Last während der Belagerung von Emessa der Sultan Eiub die Nachricht von der Landung der Franzosen erhalten habe, so bezieht sich dieses gcwig nur auf eine vorläufige Nach rieht von ihrer Absicht, Aegypten an zugreifen. Nach Wilhelm von Nan gis bemühte sich auch der Scheich der Assasinen ( 8 eirex sto klonte, Oomi- ims Lrsaviä-irum), den Frieden zwischen den streitenden saracenischen Fürsten zu vermitteln. Auch war nach diesen Schriftstellern der Sultan Eiub nach Syrien in der Absicht gekommen, sich mit dem Fürsten von Haleb zu versöhnen. Odo fügte noch die Nachricht hinzu, cS habe späterhin der Marschall der Hospitaliter dem Königs Ludwig die Meldung gemacht, Last die beydcn saracenischen Fürsten mit beyderseitigem grosten Unwillen die Unterhandlungen abgebrochen hätten, und der Fürst von Haleb den König von Frankreich bald durch Botschafter um Frieden t xro rrcuga kacstenä») bitten würde. Der Versöhnung der beydcn Fürsten, welche durch die Vermittelung des Khalifen bewirkt wurde, und der Aufhebung der Belagerung von Emessa ( 6 amela) erwähnt Odo weiter unten x. 62g, indem er sie, was auch richtig zu seyn scheint, in die Zeit zwischen dem Sonntage Quinciuagestmci (14. Febr.) und dem Sonntage der Passton (21. März royg) seyt. Vgl. 6 uil. cio dlang. x. Zgr. 16) I 7 t stidrui a guibusstam, ast le- gursitioucm Ulagistri milirum ldom- 76 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. III. zösischen Barone ernste Mißbilligung zu erkennen, indem er dem Templermeistcr schrieb: „in den alten guten Zeiten pflegten die Christen des heiligen Landes, ob auch ihre Notkauf das höchste gestiegen war, nicht mit Friedensanträgen entgegen zu kommen, sondern die Anträge der Saracenen abzuwarren; du aber schändest durch dein unwürdiges Verfahren den christlichen Namen und bewirkst bey den Saracenen die Meinung, als ob ich aus Feigheit den Wunsch hegte, vermittelst eines leidlichen Vertrags dem Kampfe auszuweichen." Bald hernach kamen Botschafter des Fürsten Boemund von Antiochien und des Königs Haiton von Armenien nach Nicosia, überbrachten dem Könige Ludwig kostbare Geschenke und baten ihn im Namen dieser Fürsten um die Vermittelung der Streitigkeiten, welche zwischen denselben obwalteten. Die Botschafter des Fürsten von Antiochien baten zugleich um Hülfe gegen die Turkomanen, welche noch immer das christliche Land am Orontes ängstigten, und diese Bitte wurde auch dem päpstlichen Legaten Odo durch Briefe sowohl des Fürsten Boemund, als des Patriarchen von Antiochien vorgetragen. Ludwig gewährte diesen Gesandten huldreiche Aufnahme, er sandte dem Fürsten Boemund sechshundert Armbrustschützen zum Brystande wider die Turkomanen, jedoch keine Ritter, um nicht seine Macht allzusehr zu schwächen, und später begaben sich Botschafter des Königs von Frankreich nach Syrien und Armenien, um die beyden streitenden Fürsten mit einander zu versöhnen^). So ehrenvoll das Vertrauen war, welches xli Soläsirus rü ixsum miserilt sti- crum ^stmiralstum. ostoiris Lx. und 6ui1. üo 1. u. i?> OLouis Lp. p.62Z. Nach Wilhelm von NangiS (x>. M), welcher übrigens in seiner Erzählung von diesen Verhandlungen selbst In den Worten mit dem Legaten Odo übereinstimmt, vermittelten die französischen Botschafter zwischen dem Könige von Armenien und dem Fürsten von Antiochien einen zweyiäbrigen 77 Die Kreuzfahrer in Clipern, der König Hairon und der Fürst Boemund dem Königes Ludwig bewiesen, indem sie ihn um die Entscheidung ihrer Streitigkeiten ersuchten: so blieb doch die Erscheinung der armenischen Gesandtschaft an dem Hoflager des Königs von Frankreich auch nicht ohne »achtheilige Wirkung. Der kriegerische König von Armenien führte damals mit dem Vey- stande der Tataren, mit welchen er sich verbündet hatte, einen glücklichen Krieg wider den Sultan Aeseddin Kaikaus von Jkvnium, welcher für den reichsten aller saracenischen Fürsten galt"), und was die armenischen Botschafter von den Siegen ihres Königs über den Sultan und den Reichthum der gewonnenen Beute erzählten, verleitete einen Theil der Scrjanten") des französischen Heers, ihren König Waffenstillstand, anfangend vom Johannistage dcü Jahreö 124g. Unter den Geschenken, welche die armenischen Gesandten dem Könige Ludwig überbrachten, 'war nach Joinville . Zi^, welcher übrigens jener Verhandlungen nicht erwähnt, ein Zelt von Zoo Livres an Werth, welches dem Könige von Armenien (llcrnieuic ) der Zeltbcwahrer des Sultans von Jkouium gegeben hatte- Den Zellber wahrcr nennt Joinville: uc». 1 'errals au SonÜLUO clu 6oz-ue, und fügt die Erklärung hinzu: Iscrrals csr eil gut ticut les Pavillons LU, Souäaue et gul 11 (lui) ucttolc scs mesons. Es ist das arabische Wort sl?eiräselr) nach Eoliuü und Me- ninsky: stralor, gul rapctes, lcctos leerrrlosgue sterccit all eonsläenätlm vcl cleerrmheuäum, guocl 1u pala- tils llcgnin pcculiarc inuirus cst et gut tciuoriis sigeuciis praccst. Dieser Bemühungen dcü Königs Ludwig für die Wiederherstellung des Frie, denö im Morgenlande erwähnt auch Matthäus Paris aä a. 1049. p. 76L. Io plus rlolre Iloi cle toure 1a ir,cn- uime. loiuville p. Zo. Joinville führt folgenden wunderlichen Beweis seines NcichthumS an: „Der Sultan hatte einen großen Theil seines EvldeS in irdenen Töpfen schmelzen, dann die Töpfe zerbrechen und die Geldmassen in seinen Schlössern aufstellen lassen, wo sie jedermann berühren und sehen konnte; und solcher Schlösser hatte er wohl sechs oder sieben- " Igl Ociu scrjans. loiuville p. Zr. ES ist merkwürdig, daß auch Wilhelm von Nangis lx. 340) der Meinung nicht abhold zu scgn scheint, dag Ludwig besser gcthan haben würde, die Türken in Älcinasien, wo damals die Macht des Sultans von Jkonium durch die Tataren oder Mo- golen sehr geschwächt worden war, anzugreifen, als den gefährlichen . Che. 1248. 78 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IH. zu verlassen und in den Dienst des Königs Haiton zn treten; keiner dieser Serjanten sah aber seine Heimath wieder. Unter denen, welche damals die Hülfe der französischen Pilger in Cypern ansprachen, war auch die Kaiserin Maria von Cvnstantinopel, Gemahlin des unglücklichen Kaisers Balduin des Zweyten und Tochter des Königs. Johann von Jerusalem. Sie ließ, als sie bey Paphos gelandet war, dem Seneschall von Joinville ihre Ankunft melden, und dieser fand sie, als er zu ihr kam, in großer Verlegenheit; denn ihr Schiff war, bevor man ihr Gepäck an das Land geschafft hatte, durch einen heftigen Sturm von den Ankern gerissen und nach Ptolemais getrieben worden, und die Kaiserin hatte nichts bey sich als die Kleidung, welche sie trug^°); der Seneschall sandte ihr am andern Tage das Tuch nebst Zubehör"), aus welchem sie ein solches Kleid sich verfertigen lassen konnte, als erforderlich war, um mit Anstand an dem Hofe des Königs von Frankreich zn erscheinen "). Die Kaiserin fand zwar eine sehr ehrenvolle Krieg In Aegypten zu unternehmen. tati, UI licet Iiülnio csscnt irr INI- incro mMti, laiucn guasi nullt ine- runc in vigore. dlnüo a ruMpis cro- ctirur, gnoü si Ncx iü^uciüie I.iiiio- vicns rccra rromite vciiissct in Ilurguiani (d. i. Kleingsien), Micro er absgno utia conlnnnniiono roü- ciiäisscnt ci lcrrmn. dlam Legxpti lcrro est mnlium ^cricutusa. Diese Meinung würde sich gewiß nicht als richtig bewährt haben; vielmehr würden die Kreuzfahrer an den Türken von Jkoniuni sowohl als den Mogo- le» schlimme Leinde gefunden haben. 2o) 8 a cimpe gtio eile QI vcstua et rrn seurcot k MLiigcr (d. i. uns radc ziour In ladlo). Für I>n>iil;cr ist aber wohl clianxci zu lesen, ein Ueberrock zum Wechseln. soinviNa v- 30, 2rs Drap ct conüal xour kourici 1 a rode, ioiiiviilo a- a. O. 22) Darüber hatte Joinville noch einen Verdruß; denn Philipp von Nanteuil, ein Ritter aus der Umgebung des Königs Ludwig, als er dem Knappen lüc»xcr) des Soncschalls, welcher das Tuch zu der Kaiserin brachte, begegnet war, machte davon dem Könige die Anzeige und erhob die Klage, daß den andern Baronen dadurch, daß der Seneschall, ohne mit Mogolische Gesandtschaft. 79 Aufnahme bey dem Könige Ludwig, seiner Gemahlin und 2^. allen französischen Baronen, und blieb mit ihnen zu Nicosia, so lange sie daselbst verweilten; sie nahm aber, als sie nach der Abfahrt des französischen Heers nach ihrer Hauptstadt zu- ruckkehrte, nichts mit sich als eine große Zahl von Urkunden^), in welchen viele Ritter und unter ihnen auch der Seneschall von Joinville sich verpflichteten, in dem Falle, daß der König nach der Vollendung seiner Kreuzfahrt dem Kaisertums von Constantinopel den Veystand von wenigstens dreyhundert Rittern gewahren würde, ihre Dienste jenem bedrängten Reiche zu widmen. Dieser Verpflichtung wurden jedoch jene Ritter enthoben, weil Ludwig nach der Vollendung seiner eben so leidenvollen als kostbaren Meerfahrt nicht geneigt war, zu einer Unternehmung von so ungewissem Erfolge die Hand zu bieten 2*)." Ueberraschender als alle bisher erwähnten Gesandtschaften war den französischen Pilgern die Ankunft von zwey mogolischen Gesandten, welche am Montage nach dem Feste^.Occ. der heiligen Lucia in dem cyprischen Hafen Cerines anlangten und am Sonnabende vor Weihnachten ihren Einzug -y.D-c. in Nicosia hielten, worauf am folgenden Tage Ludwig in2°.Dcc. feyerlicher Versammlung und in Gegenwart des päpstlichen Legaten ihnen Gehör gewährte ^ ). Der Name dieses furcht- ihnen sich zu berathen, dev Kaiserin Kleider zusende, ein großer Schimpf wäre zugefugt worden; yrre ^rant Konto LV013 lart 2 Ir slni) et ans antves karons äo ses roko3 czue je Ir avois errvo^öes» guanc ils no b'crr vtoient avissen avant. 23) Llle emxorra cent xaire äo lettre et xins. FoinvLIlo. 24) Joinville fragte den König auf der Heimkehr von dem Kreuzzuge, ob er dreyhundert Ritter nach Consian-. tinopel senden wollte. Ludwig gab zur Antwort: eö fehle ihm an Geld, denn mit seinem Schatze gehe eS z» Ende (yne LI n'avoit äe czuor et Hn'LL n'avoit ei don trösor äollt LI ne Inst L 1a Ire). 7ornville 50. 25) Lastroclrernüs, ^noä äistat L ^LcoöLa sex lerieis. Oäonrs. Lj?. x. 625. 26) Oäonrs Lx, 1 . o. Die übrigen 80 Geschichte der Kreuzzügr.' Buch VIII. Kap. III.' baren Volkes, welches nicht lange zuvor gleichzeitig am äußersten östlichen Ende von Asien, am Euphrat und ' an der Wolga die Volker sich unterjocht, Ungarn geängstigt, Deutschland bedroht und ein vereinigtes Heer von Deutschen, Polen, Mähren und Schlesiern in der furchtbaren Schlacht bey Wahlstadt überwältigt hatte war zwar keinem der Pilger unbekannt, aber wenige unter ihnen hatten dieses Volk gesehen, dessen Aeußeres von denjenigen, welche als Gefangene oder Gesandte in mogolischen Horden verweilt hatten, als eben so widerwärtig wie fürchterlich war geschildert worden"). Bis dahin hatte man die Gesandten der Mogolen, deren Beherrscher sich den Sohn des Himmels nannte, an den Höfen christlicher Fürsten nicht anders als in übermnthigem Tone reden gehört, indem sie knechtische Unterwerfung unter die Herrschaft ihres großen Chans und Tribut als Anerkennung der Hoheit desselben forderten, und selbst zu dem Könige Ludwig war schon im Jahre.1247 wahrend des Parlaments zu Paris, auf welchem der König mit seinen Baronen wegen des Kreuzzugs sich besprach, ein Schreiben eines Chans der Tataren gelangt, welches mit Schriftsteller, welche dieser mogoli- scheu Gesandtschaft erwähnen, Wilhelm von NangiS (?. 54 ?), Wincenz von BeauvaiS (Dil>. xxxi. o. yo) und andere, geben nur die Zeitbestimmung der Ankunft der tatarischen Gesandten: um Weihnachten loiroa' natslo Domini). Nach der unrichtigen Angabe des Matthäus Paris (acl ». 124g. x. 770) kam die tatarische Gesandtschaft erst dann, alS Ludwig schon zu Damiette sich befand lagncl 07) Äm y. April 1:41. Si §r'- von Naumer, Gesetz, der Hohenstaufen lV. S. 70 —iU- ' og) Pontvs los ge»t el izomn§»r me- «les i-riicoes slirrotiens aveo les lkin- z-erenrs IVIogols in den (dloicveänx) mö Moires cle i'rVerclömio cles lnsor. r. Vl. x. 4-7- Mogolische Gesandtschaft. 81 stolzen Worten Gehorsam und Unterwerfung forderte Die beyden mogol, scheu Botschafter dagegen, welche »ach Cy- pcrn kamen, übergaben dem Könige Ludwig ein höfliches Schreiben des Fürsten Jlschigatai, welcher damals jm Namen des großen Chans der Mogolen Gajuk die eroberten Lander von Vorderasien verwaltete?°), und redeten in einem viel gemäßigteren Tone, als mogolische Botschafter sonst zu reden pflegten; denn die Mogolen, vielleicht geschreckt durch die Nachricht von der bevorstehenden Kreuzfahrt des Königs von Frankreich, hielten cs damals für angemessener ihrem Vorrheile, die abendländischen Fürsten mit Achtung zu behandeln, und eine mogolische Gesandtschaft, welche wenige Monate zuvor an dem päpstlichen Hofe zu Lyon erschienen war, hatte auch Jnnvccnz dem Vierten nicht unangenehme Meldungen überbracht b'). Das Lg) Lccexcrat (I.nclovicus), „r ciiceliatiir, uiaiulatum Negis Varla- rornm, tit ei loret sitlijoctns .... inin äisziositioiri «livlnae relin- gucns etc. IVlallli. Varls all a. 1247. x. 725. 30) „Gaiukchan übertrug (unmit- telbar »ach seiner Thronbesteigung >m Jahre 1248, nach Deguigncü l einem seiner Fürsten, mit Namen II- srhigati (Jlschikatt), die Länder von Slum (Klcinasicn), Iberien, Affn- rien, Svricn und CNicien." Llnil- laragli Lirroii. 871. x. Z07. Vincent von BeauvaiS und Wilhelm von NangiS nennen diesen Statthalter Lrciialtax und bezeichnen ihn als virnm grreiillam magnum «le gente I'artarcium; der Legat Odo nennt ihn Lrclialclial, Ilex maxinis xroviuciarnm miilrarum. Nach Io- inviltc kn. -st sandle der grolle Chan VII. Band. der Mogolen (le granr 10! «les Var- tsriiis) selbst diese Botschafter an den König Ludwig, er li inaiula moult cledonnairement ziaroles. Zi) Matthäus Pariü erwähnt dieser Gesandtschaft ast ». 124g. z-. 7 L 4 , indem er hinzufügt, dag die Verhandlungen sehr geheim gehalten wurden, und die vertrautesten Hofleute des PavsteS nichts davon erfuhren. Oan- sa urrncii Vartarornm aclco cuncros Istttit in curia, ut Iiev clcriois, IIO- lariis, neo aliis licet lamiliaridus claririt (olarucrit) ziatcsactiim. Der Brief, welchen diese Botschafter überbrachten, wurde nach der Erzählung deS Matthäus Paris dreymal überseht (tor luit «le iäiomale igiicnc aä irolins rranslatum) und enthielt, wie manche vcrmutheten, die Meldung, dag die Mogolen die Absicht hätten, nächstens den Kaiser Wata- heS, den Eidam deS Kaisers Friedr F i. Ehr. - 248 - 82 Geschichte der Krenzzügo. Buch VIII. Kap. III. persischer Sprache^) ahgefaßte Schreiben des Fürsten Jlschigatai an den König Ludwig enthielt die Nachricht, daß in Zukunft die Christen aller Bekenntnisse, welche in den mogvlischen Landern wohnten, ohne Unterschied ihren Gottesdienst sollten ungestört üben dürfen und weder an ihrer Ehre und ihren Rechten gekrankt, noch mit ungebührlichen Abgaben und Lasten beschwert werden, auch sollten alle zerstörte christliche Kirchen wieder hergestellt werden; und dieser Nachricht wurde die Bitte beygefügt, daß auch der König von Frankreich in seinem Reiche keinen Unterschied machen möchte zwischen Lateinern, Griechen, Armeniern, Jakobiten, Nesiorianern und anderen Christen, welche, ob auch in einzelnen Lehren und Gebrauchen nicht mit einander einverstanden, doch alle gleichmäßig das heilige Kreuz verehrten. Nachdem dieses Schreiben dem Könige Ludwig war übergeben worden, so begann er eine Unterredung mit den Gesandten, deren Einen, mit Namen David ^), der Predigermönch Andreas von Lonjumel, welcher in dem Pilgerheere war und drey Jahre zuvor als Abgeordneter des Papstes mit Ascclin und zwcy anderen Mönchen seines Ordens den Hof des großen Chans besucht hatte ^), sich erinnerte zu jener Zeit unter den mogvlischen Hofleuten gesehen zu haben "). In dieser Un- rlch, zu bekriegen. Matthäus Paris fügt bann hinzu: Ynoä Uomiuo I>L- xae non vrcstebelrrr äikxticrirsse; üeärr eninr eie vesres xncerioLisi«m2s, rohes virlAilrirci üxxcU.rm«?, cie esvarl-uo zireccicero 6 «m pcnrilis er knrrrriis äe peliilrirs v.rriis eisr- rnorrrm, er liberNer vonintniiich/uur 26 kirvoravilirer er e.revrtt rer rnrer- xrcles errm eisäcm, er mimer.r 6011 - rulit irr 2»ro er argcirro 6l2«6«1o rrerio-2. Dies- geheimen Geschenke begründe» freilich die Dermuthung, bah der Parst sich zu einem Tribute verstand. Vgl. rrvei izüinriear a. a. O. ». 4-5 - 4-7. 32) I 4 ngn.r r?erei62 er lirrcris - 4 . 12 - hieis. Ocionis Orrii. äe dt2«§. und Viiivenr. Neilov. 33) Der andere Gesandte hicst Marcus. 34) Ucber diese Gesandtschaft s. -4bei Iiem»s 2 r a. a. O. S- 41 Y folg. 35) Dieses merkwürdige« Umstandes erwähnen Wilhelm von Rangis I>. »47 und Vinccnz von Veauvais. Mogolische Gesandtschaft. 83 terrednng befragte Ludwig zuerst die mogolischen Botschaf- ter, auf welche Weise die Kunde von seiner Meei fahrt zu ihnen gelangt wäre, worauf sie erwiederten, der Fürst von Mosul^) habe dem Chan Jlschigatai einen Brief deS Sul- taus Ejub übersandt, welcher die Nachricht von der Ankunft des Königs von Frankreich und zugleich die lügenhafte Meldung, daß sechszig französische Schiffe von den Aegyptern erobert worden, enthalten habe. Da das Schreiben des Fürsten Jlschigatai sehr günstige Gesinnungen für die Christen aussprach, so erkundigte sich Ludwig bey den Gesandten, zu welcher Zeit und auf welche Weise das Christcnthunr ihnen bekannt geworden wäre, worauf sie berichteten: ihr gegenwärtiger großer Chan Gajuk^^) wäre der Sohn einer Christin, der Tochter des Priesters Johannes, und habe auf die Ermahnung seiner Mutter und eines frommen Bischofs mit Namen MalassiaS am letzten Feste der Erscheinung Christi mit achtzehn Prinzen aus königlichem Geblüte und vielen Mogolen die heilige Taufe empfangen; der Fürst Jlschigatai, ein Mann, zwar nicht von königlicher Abstammung, aber doch von hoher -Würde, sey schon seit mehrern Jahren Christ, sie selbst stammten aus einem zwey Tagereisen von Mosul entlegenen Orte und wären eben so wie ihre Voreltern dem christlichen Glauben zugethan, und der römische Papst stände bey ihrem Volke jetzt in großem Ansehen; Malek as Said Nadschmeddin Gast, ein Abkömmling des Emir Or- thok, des ehemaligen Füllten von Jerusalem. S- Gesch. der Kreuzzüge Buch I. S. 277- g7) Is.ioie.Li in Oüoiiis Lp. p. 627 - Sz-ocL^m bey Vincenz von Bcauvais Lw. XXXI. v. gz. Nach Wilhelm von NangiS lp- 8Z") hieß die christliche Mutter des großen ChanS ^nto- M-z-. Der Bischof, welchen die mo- golischen Gesandten als den Bekehrer des großen Chans angaben, wird ohne Zweifel richtiger in der französischen Ueberschung der Geschichte des Wilhelm von NangiS (p. 104) Malachias genannt. F2 I. Cbr. » 248 . 84 Geschichte dco Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. III. 2-^-auch versicherte» sie, daß der Fürst von Mosul der Sohn einer Christin wäre, die Feste der Christen seyerte, keine Gebrauche des Islam mehr beobachtete und sehnsuchtsvoll die gelegene Zeit, öffentlich zum Christenthume sich zu bekennen, erwartete. Sie fügten jedoch hinzu, daß ein großer Theil deö mogolischen Volks noch nicht getauft wäre. Da Ludwig auch nach den Ursachen der schlimmen Behandlung fragte, welche die letzte päpstliche Gesandtschaft von dem mogolischen Chan Batschu erfahren hatte, so gaben die Botschafter zur Antwort: Batschu ist noch ein Heide «nd von saracenischen Rathen umgeben, deshalb har er jene Gesandtschaft schlimm behandelt; jetzt aber ist seine Macht sehr gering, und er selbst ein Unterthan des Jlschigatai. Die Gesandten meldeten endlich dem Könige Ludwig, daß der Fürst Jlschigatai die Absicht hätte, im bevorstehenden Sommer den Khalifen von Bagdad zu bekriegen und alle von den Charismiern im heiligen Lande verübten Gräuel zu rachen, und baten den König, den Sultan von Aegypten anzugreifen, damit derselbe dem Khalifen keinen Beyjrand leisten könnte ^). A8) Ofionis Lp. Virreent. Dellov. 6111I. ctc bliing. I. 0. Joittvlllc, welcher überhaupt nur mit wenigen Worten von dieser mogolischen Botschaft berichtet, erwähnt nur des letzten Antrags mit erheblicher Abweichung: -parrariiis 1i M3I1Ü0 grro il esroit preer No li aiäici h coirgricrrc I» 1'erie soiirle et sie äölivrer lireru- Auffallend ist eS, dag sich keine Erwähnung des Dolmetschers findet, dessen Ludwig bep dieser Unterredung sich bediente t vielleicht versah der Prcdigermonch Andreas von Lonju- mcl dieses Amt. Dis wiederholten Unterhandlungen, welche mit den Mo- golen angeknüpft wurden, veranlagten besonders dis Predigermöuchc, sich mit der Sprache dcr Mogolen bekannt zu machen. Daher fand Ludwig unter Len Mönchen dieses Ordens, welche sein Heer begleiteten, mehrere, welche den Mogolcn sich verständlich machen konnten, gru eavoi- errr le ear-r-iiiroie, wie Joinville sich ausdrückt. Ob Joinville mit diesem Ausdrucke etwa die persische Sprache bezeichnet, wage ich nicht zu entscheiden. Mogollsche Gesandt sch a s t, 85 obgleich diese Meldungen wenig glaubhaft waren, und die Vermuthung nahe lag, daß diese Gesandtschaft keinen andern Zweck hatte, als die Absichten des Königs Ludwig auszuspähen, so hörten dennoch sowohl der König als die versammelten Prälaten und Barone solche lügenhafte Erzäh» lungen mit großem Wohlgefallen an, und die mogolischen Botschafter wurden während ihres Aufenthalts -zu Nikosia mit großen Ehren behandelt; sie wurden am Weihnachtsfeste zur königlichen Ehrentafel gezogen, und dem Könige Ludwig gewährte es nicht geringe Freude, daß diese heuchlerische» Fremdlinge sowohl aü diesem Feste als am Tage der Erscheinung Christi in seinem Gefolge der heiligen Messe beywohnten Als sie gegen daS Ende des Januars i24y*°) die Rückkehr antraten, so gab Ludwig dem Predigermönche Andreas von Lonjumel und zwey andern Mönchen desselben Ordens, welche morgenländischer Sprachen kundig waren, so wie auch zwey Weltgeistlichen und zwey königlichen Knappen") den Auftrag, als seine Botschafter die mogolischen Gesandten in ihre Heimath zu begleiten. NIM se Kerebanr. 6nil. cke x. 347-348- Vrno. vcllo v. l.. XXXI. c. go. 4c>) Sic beurlaubte» sich von dem Könige am ag. Januar l viil. Xal. Vebr.) und traten am -7. Januar c VI. X-I. rein-.) ihr- Rückkehr an. vckonis Np. p. 627. 41) 1'racciiorns Ir.rrcr ^.nckrezs onin cknodns sliis lr.nridns ejnsäenr orüinis l Joanne er wiiiielnio bcy Odo) er ckuolnr, olerrci» »0 ünobur scrvicntibn» Negis. 6uil. ckc dlan- xiaoo x. zzi. Nach JotttvNte waren eS nur zwei, Prcdigermönche lckenx Ireres xreseirenrs), nach ThomaS von Cantimpr« (Nonnin univ. -le axi- 1,u, Nil,. II. 0. Za. §- -4) zwey Pre- digermönche und zwey Minoriien, nach Vincenz von BcauvaiS l i. c. osi>. 94) nur der Bruder Andreas und zwei, königliche Knappen, welche der König zu den Tataren sandte. UebrigenS war einer jener Heyden Wellgcistlichen, welche den Bruder Andreas begleiteten, Robert, Subcaw loc der Kirche von CftnrireS. ^bel Nen>n-Il a. a. O. p. 44Z. 446. 4» I. «thr. 1 - 48 . 86 G c sch ichts der K r e»z z ü gc. B u ch VIII. K a p. III. er einigen dieser Mönche befahl, aus dem Lager des Fürsten Jlschigatai ihre Reise bis zu dem Wohnsitze des großen Chans der Megolen fortzusetzen; und diese Botschafter überbrachtcn sowohl dem großen Chan als dem Fürsten Jlschigarai im Namen des Königs von Frankreich Stücke des wahren heiligen Kreuzes und andere kostbare Geschenke ^), um sie in ihrer freundschaftlichen Gesinnung für die Christen zu bestärken. Da die mogolischen Botschafter geäußert hatten, daß ihrem großen Chan ein solches Zelt von Scharlach, als der König von Frankreich in seinem Feldlager bewohnte, ein angenehmes Geschenk sepn würde, so hatte Ludwig ein kostbares Zelt bereiten lassen, welches in seiner und künstlicher Stickerey die Verkündigung Maria und die Geschichte des LebenS und Leidens Christi darstellte; und auch dieses Zelt überbrachten die französischen Botschafter dem großen Chan, indem sie von dem Könige Ludwig beauftragt waren, die eingestickten Darstellungen dem großen Chan und dessen Fürsten zu erklären Der Legat Odo war ebenfalls darauf bedacht, diese Gesandtschaft zum Vorteile des apostolischen Stuhls zu benutzen; denn er übergab den französischen Botschaftern Briefe, in welchen er den großen Chan und Lessen Mutter, so wie den Fürsten Jl- schigatai und die Bischöfe der christlichen Mogvleu ermahnte. gs) sooati-. Osto, <'U!l cle vinc. IZcllov. qz' Joinoille sowohl (i>. 2g. gg) als die übrigen Schriftsteller erwähne» dieses ZelieS. Da» röche Zelte In der damaligen Zeit eine Auszeichnung der .Kaiser und Könige waren, ist schon deinerl, worden, Geschichte der tdreuzz. Buch VI. S esst. «um. o. Das d,,S Zelt welches Ludwig nach der Landung in Aegypten bewohnte, von rolber Farbe war, berichtet der arabische Geschichtschreiber Dschemal- cddin, Heiurust exrrarts Lauleurs arabes retaliie 2>ix Croisaäez p, Ludwig sandte dem großen Chan austerdem Kelche, Meßbücher und n>aS sonst zur Messe gekörte, und die Key» den Prediger,nöiiche wurden beauftragt, vor de» Mogolen die Messe zu singen, goiurille z>. SS. M ogol! sch c G e ssi li d r sch a s c. 8/ dem römischen Papste als dem Statthalter Christi gehorsam zu seyn, vey der Einheir des Glaubens zu beharren und keine andere Kirche als die römische für die wahre christliche Kirche zu achten 4"). Ludwig aber gab von der unerwarte- ren Erscheinung der mogolischen Botschafter an seiner Hofhaltung in Nikosia und den erfreulichen Meldungen, welche dieselben ihm überbracht hatten, seiner Mutter Bianca frohe Nachricht und übersandte ihr das Schreiben des Fürsten Ilschigatai in einer von dem Mönche Andreas von Loujumel .verfaßten lateinischen Übersetzung"); und auch der Legat Odo ermangelte nicht, dem Papste Innoceuz von dieser 44) Ostonis Lgist. 4,. 627. Vgl. OMI. sie dlang. p. zgo. Vincent. Deitov. l-ik>. XXXI. o. gg. Sic esoriptes, si les lit mottre en I.ilin zncr kröre -znärien et los en- voz-a cn I^rLiice, saelsLs sie so» aontrescel ä in iO)'no lglsnoico sa mörc. Handschriftl. sranz. Chronik Key ,rdcl Bömnsar a. a. O. S. 440. Vgl. Onil. sie dlLng. x. z?i. Vin- ociir. Uellov. I. 0. Was übrigens den Brief des Jlschigatni betrifft', so trage ich Bedenken, ihn init Herrn Abel - Ncmusat (a. a. O. S. gsig — ggz) für nnlcrgcfchobcn und von den Gesandten geschmiedet zu achten. Der Hauptsatz, welcher darin ausgeführt wird, dag die Mogolen angefange» hätten, ihre christlichen Untcrthanen mit Milde zu behandeln, war vollkommen gegründet; die Abweichungen von dem gewöhnlichen Style der Mogolen erklären sich dadurch, dag der Brief in persischer Sprache geschrieben war; und wenn man annimmt, Laß ihn ein morgenländischer Christ auf Befehl deg Ilschigatai versagte, so erklärt sich auch auf sehr natürliche Weise die hinzugefügte Ermahnung, daß der König von Frankreich keinen Unterschied machen möchte unter Len Christen der verschiedenen Bekenntnisse. Sehr merkwürdig ist cS, daß Joinvllle der von den mogolischen Gesandten erdichteten Bekehrung des großen Chans Gaiuk und des Fürsten Ilschigatai nicht erwähnt und ausdrücklich bemerkt, daß der König Ludwig in der Absicht, die Mogolen für den christlichen Glauben zu gewinnen sxonr veoir so ii los z-onrroit atraire ä Hostie crvanoe), das Zelt von Scharlach, welches er dem großen Chan übersandte, mit Darstellungen der heiligen Geschichte zieren lieg. Vielleicht waren in Beziehung auf dieses Vergeben der mo- goltlchen Botschafter der König Ludwig und seine Ritter weniger leichtgläubig alS der Cardinal Odo, dessen Bericht Wilhelm von Nangis und Vinccnz von Beauvais in ihre Chroniken ausgenommen haben. I. Ehr -248. 88 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. III. merkwürdigen Gesandtschaft ausführlichen Bericht zu erstatten und ihm den vollständigen Inhalt des von dem Fürsten Jlschigatai an den König von Frankreich erlassenen Schreibens mitzutheilen. So wie der König Ludwig wahrend seines Aufenthalts in Cypern sich bemühte, den Frieden unter den christlichen Fürsten des Morgenlandes wieder herzustellen und zu befestigen, eben so bewies der Legat Odo durch Ausgleichung kirchlicher Streitigkeiten eine verdienstliche Thatigkeit. Da der katholische Erzbischof von Nikosia mit der cyprischen Ritterschaft in Mißhelligkeiten gcrathcn war und fast sammtliche Ritter des Landes mit dem kirchlichen Banne belegt hatte: so vermittelte Odo die Versöhnung der streitenden Parteyen und bewirkte die Lossprechung der Gebannten. Die billigen Gesinnungen, welche der Cardinal in der Schlichtung dieser Handel bewiesen hatte, bewogen den griechischen Erzbischof von Cypern, welcher mit dem katholischen Erzbischöfe von Nikosia sich entzweyt und die Insel verlassen hatte, zur Rückkehr; worauf Odo sowohl den griechischen Prälaten als dessen Gemeinde, nachdem sie ihre Jrrthümer abgeschworeu hatten, von dem Banne lossprach und in den Schoost der Kirche aufnahm ^). Auch hinderte der Cardinal nicht die Foyer der griechischen kirchlichen Feste, sondern er schloß sich vielmehr mit den Königen Ludwig von Frankreich und Heinrich von Cypern am Feste der Erscheinung Christi einer Bitt- 46) Onil. Ne dlanx. g. 547 . Vincent. IZeiiov. ch.ih.XXXI. c. 94 . ES ist. merkwürdig, dag Odo in seinem Berichte Liese Verhandlungen verschweigt. Dagegen findet sich unter den Briefen dev PapsteS Jnnoccnz IV. ein an den Legalen Odv gerichtetes Schreibet! vom S. Mai 125 ?, durch welches die Verhältnisse der griechischen Christen in Chvern und ihrer Geistlichkeit zu dem katholischen Erzbischöfe von Nikosia bestimmt werden. S. chaichei Conciiia 'dom. XI. Vars I. zr. 6i3 — 6 t 6 . iVlansi choncfi- Ua vom. XXIII. i>. 578 — 582. Thätigkeit des päpstl. Legaten Sdo. 89 fahrt der Grieche» an, durch welche, so wie durch die damit verbundene Taufe des heiligen Kreuzes in einem Flusse das Andenken der Taufe Christi im Jordan geseyert wurde; und mit Wohlgefallen vernahm es Odo, daß die cyprischen Griechen an diesem Tage für den Papst beteten und de» Kaiser Vatatzes als einen von dem römischen Stuhle gebannten Ketzer aus ihrem Gebete ausschlossen. Als die herrlichste Belohnung seiner Thatigkeit für die Zwecke seiner Sendung betrachtete es der Legat, daß es ihm gelang, sieben und fünfzig Saracenen, welche als Gefangene in Cypern sich befanden, zum christlichen Glauben zu bekehren und ihnen durch seinen Unterricht einen solchen frommen Eifer einzuflößen, daß sie getauft zu werden verlangten, obwohl ihnen war angckündigt worden, daß die Taufe ihre Vefreyung aus der Sklaverei) nicht zur Folge haben würde; worauf der Legat selbst einen Theil dieser Saracenen am Feste der Erscheinung Christi durch die Taufe in die Gemeinschaft der Christen aufnahm "). Neben solchen erfreulichen Ereignissen wurden aber auch der König Ludwig und seine Barone von einer nicht geringen Gefahr bedroht; denn einige verdächtige Männer, welche ergriffen wurden, sagten aus, daß sie nebst einigen andern von dem Sultan von Aegypten ausgesandt wären, um den ' 47) Die LpiplianiLe eareeikiLavI Hnilicjn.iAnitL VII Laraaenos eaptl- vos, lioer äedoreuc nnIlLin 11- ceLkionem Oraceorum ruxer ljuon- äanr iluväum ...... Lr eoirfessl (daß nur Ein Golk, Ein Glaube und Eine Taufe sey, und das; diese Taufe des Kreuzes zum Gedächtnisse der Taufe Christi im Jordan geschähe) neciiie alirul clixeiunt, IN51 iioe: Lirmcir I'arer, Lumen 1'iliuä, Lumen Lprr1ru5 Laueres. Ociouis Lp. 1 '. 6 : 7 . 90 Geschichte der K r rnzz ü g e« B u ch V111. bv a p. 111. König von Frankreich und die angesehensten Ritter des Heers der Pilger zu vergiften Mittlerweile trat der Frühling ein, und die Pilger erwarteten um so mehr mit Ungeduld und der sichern Hoffnung des Gelingens ihrer Unternehmung den Tag der Abfahrt von Cypern, als ihre Zahl durch eine große Menge von Kreuzfahrern, welche auf verschiedenen Inseln den Winter zugcbracht hatten und seit dem Eintritte der mildern Jahreszeit nach und nach in Cypern sich cinfanden, eine bedeutende Vermehrung erhielt^). Ludwig hatte während des Winters unablässig sich mit Vorbereitungen zur Fortsetzung seiner Meerfahrt beschäftigt und insbesondere, um die Landung seines Heers an der Küste von Aegypten zu erleichtern, die Erbauung kleiner und flacher Fahrzeuge, welche dem festen Lande bis auf einen geringen Zwischenraum sich nähern konnten, angeordnet 5 °), und diese Vorbereitungen waren im Frechlinge so weit gediehen, daß der König die Mitte des Aprils zur Zeit der Abfahrt bestimmte^). Es erhoben sich aber unerwartete Schwierigkeiten, welche die Abfahrt des Heers der Pilger zu großem Nachtheile ihrer Unrer- nehmung verzögerten. Ludwig hatte darauf gerechnet, zu 48) Diese Giftmischer wurden um Ostern 124c, ergriffen. Cnil. äc dlanx. 1>. 353. Vincent. Ilellov. lind. XXXI. o. 9k. Joinvillc und der Legal Odo erwähnen nicht dieses Versuchs, den König Ludwig zu vergiften. 49) Lull. Le deang. x. 352. Vivo. LeNov. I. 0. cax. 97. 50) Cnil. Le Xanx. I, 0. VI NO. Dellov. 1. 0. eaxi. 96. Zi) Diesen Termin der Abfahrt gab noch der Legat Odo in seinem am Mittwoch vor Ostern (31. März) geschriebenen Briefe an (i>. 028 ), indem er den Papst bittet, für den glücklichen Ausgang der Kreuzfahrt zu Gott zu beten: Vater sanole, orale Ocnm xro sno cxeroiln, oni xrom- znns est ec votnntarins sc opponere ec ornnia aLversa aegnanimiter 8U- ktincrs xro lronore et nomine kesu Christi, Nach Joinville (z>. ZI. zs): . 6S8. Dich diese Gesandtschaft ihre» Zweck erreichte, erstellt auS den Erzählungen Lei! Wilhelm von NangiS und VIn- cenz von BeauvaiS: ü.nno Domini tVlOLXQIX, rirrm lex Dnstovierre essec irr 6z ziro, venerttirt ktti ciraa ^saeneioiiem Domini uavei vaeastrre oonliuLt-t. Fahrt nach ?lcgypteii. 93 Viertes Kapitel. ^ie Schiffe, welche der König Ludwig in Ptolemais ge-^^- niiethet hatte, langten zwar am Feste der Himmelfahrt, wieMai es im Vertrage war bestimmt worden, in dem Hafen von Limassol an; der Wind aber war so ungünstig, und die Mannschaft der Schiffe noch so wenig zur Fahrt vorbereitet, daß der König genöthigt war, die Abreise noch ferner zu verschieben *); erst am Freytage vor Pfingsten bestiegen dera-, Mai König und seine Gemahlin ihr Schiff, nachdem Ludwig allen Baronen und übrigen Pilgern die Anweisung gegeben hatte, ihre Fahrt unmittelbar nach der Küste von Aegypten zu richten. Nachdem die Einschiffung des ganzen Heers war vollendet worden, lichtete am folgenden Tage die ganzem Mai stattliche Flotte von achtzehn hundert großen und kleinen Fahrzeugen die Anker, und sie gewährte, wie Joinville versichert, einen schönen Anblick, indem das Meer, so weit der Blick reichte, mit Segeln bedeckt war^). Ein günstiger 6nil. äe I>. Z52. Zgz. 2) soinviiie x. Z2. Die Zahl der Schiffe, welche nach Joinville angegeben worden ist, betrug nach dem Briefe des SUiters Guido aus dem Gefolge des Vizgrafcn von Melun an den Meister B. de Corn (srustenri vgiisirs) , in den ^cistu^mcutis sch IVlsttli. varis x. 166 nur lüzo. In dieser Zahl waren Iio Dromonen (sst IVlsttli. varis i-. i6y) begriffen. Nach Wilhelm von Nangis (x. S52) fand dis Abfahrt der Pilger- flotte von Limaffol schon am Mittwoch (Me IVIercMrii) den io. Mat Statt, nach Hugo Plago» (i>. 73z 1 94 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IV. 3-^r. Mud beförderte anfangs die Fahrt; als aber am Pfingsi- 23. Mai tage der König bey der Landspitze von Limassol die Anker hatte werfen lassen, um in einer Kirche der Messe beyzu- wohnen, so erhob sich nach der Beendigung des Gottesdienstes ein heftiger Sturm aus Süden, riß viele Fahrzeuge von ihren Ankern und trieb sie nach Ptolemais und andern fremden Landern Auch in den folgenden Tagen dauerte noch die Gewalt des heftigen Sturms fort, welcher daS königliche Schiff und die übrigen Fahrzeuge, so viele deren am ersten Tage dem Sturme widerstanden waren, nach Paphos verschlug, wo Wilhelm von Villeharduin, Fürst von Achaja, nebst einer nicht geringen Zahl von Fahrzeugen, und der Herzog von Burgund, welcher den Winter in Morea zugebracht halte, mit der Pilgerflotte des Königs von Frankreich sich vereinigten Zwey Mal war die Flotte am so. Mal, unl> nach dem Schreiben des Grafen von Artois (dessen Gemahlin kurz vor der Abfahrt von Cypcrn einen Sohn, liiium vaido elegantem et bene kormatum, gebar und denselben daselbst zursicklieg, ibidem riadidic uutricndnm) an die Königin Vlanca, welches in den ad- dimmcntis ml IVIatlb. Paris x. 16Z, i 56 mitgciheilt worden ist, schifften der König Ludwig und die Pilger schon am Abende deS Himmclfakrt- feücS (13. Mat) sich ein. Das Schiff, auf welchem der König Ludwig nach Damiette fuhr, hieß la Manuale (die Münze), Micicand bist, des Oroisa- dcs P. IV. x. 232. lieber die Zahl des Heers, mit welchem der König Ludwig nach Aegypten kam, finden sich keine genauen und sicheren Angaben. Dag der König mit 2300 Rittern von Lypern abfuhr, bemerkt Ioinville gelegentlich x.LL; der Emir Husameddin, welcher mit Ludwig, als derselbe in Gefangenschaft gcra- thcn war, unterhandelte, versicherte, aus dem Munde des Königs gehört zu haben, dag das Heer der Pilger bey der Ankunft in Aegypten ygco Reiter und 130,000 zu Fug, mit Ausschluß der Handwerker und Knechte, gezählt habe. Abulmahasen bey Nci- naud . x. 475- Makrisi giebt das Heer der Kreuzfahrer zu 70,000 an, nach anderen arabischen Geschichtschreibern betrug dis Zahl desselben nur Zo,oao. Neinaud a. a. O. Dgl. unten Anm. ic>. z) loiuvillo a- a. O. Nach der Angabe des Ritters Guido wurden Kundert und sunfzig Schiffe verschlagen. q) 6uil. de klang. 1>. 3 L 3 . Nach Joinville (a. a. O.) legte sich der Wind schon am Lage nach Pfingsten, dis Flotte fehle dann ihre Fahrt fort, Fahrt nach Aegypten, 95 genöthigt, nach Limassol zulückzukchrcn; erst am Feste dcr -°>,^r- heiligen Dreyfaltigkeit erhob sich ein günstiger Wind, wel-ä-.Mai eher es gestattete, die Fahrt nach Aegypten zu richte«/ und am nächstfolgenden Freytage erblickten die Pilger um die Mit» tagszcit die Küsten von Damiette und warfen im Angesichte der Stadt die Anker *). Sie erblickten zugleich eine zahl- 2m,. reiche feindliche Flotte, welche die Mündung des Nils beseht hielt, und ein starkes Heer der Saracenen/ welches an der Küste in einem Lager stand, und vernahmen den Schall der türkischen Heerpauken und Hörner, welcher, wie Joinville selbst gesteht/ erschrecklich anzuhören war °). Der König man traf mit dem Fürsten von Achaja und dem Herzoge von Burgund zusammen, und am Freitage nach Pfingsten (og. Mai) kam der König vor Damiette an. Dag die Flotte nach Paphos getrieben wurde und zwemnal nach Limassol zurückkchrte, was Wilhelm von Nangis berichtet, lässt Joinville unerwähnt: und es ist Laben sehr auffallend, dag er ln der Angabe der Zeit der Ankunft des Königs von Frankreich vor Damiette um acht Tage irrt. Die Angabe des Wilhelm von Nangis, welcher wir gefolgt find, erhält ihre Bestätigung durch das Schreiben des Grafen von Artois an die Königin Bianca, und auch Makrist seht, übereinstimmend mir AbulfeLa (ih IV. x. 4yg, wo in der lateinischen Uebersexung unrichtig der 2o, Safar statt des 21. angegeben worden ist), die Ankunft dcS Königs von Frankreich vor Damiette auf einen Frehtag, den 21. Safar des Jahrs d. H. S47 — 4. JuniuS 1249. Dieselbe Angabe findet sich auch bcy Hugo Plagon n. 7,zz. Nach der Angabe des Ritters Guido la. a. O. ?, 166. iü?) erfolgte dte Ankunft der Pilgerftoltc um einen Tag früher, nämlich am Donnerstage lz- 2 un.). Zt ,,Wir ließen," erzählt der Ritter Guido, „einen erfahrenen KunLschaf- lorcm), welcher alle Küsten diesseit und jcnseit des Meers kannte, vieler Sprachen kundig war und uns als Wegweiser diente, die Höhe unserü Masibaums ersteige», um uns zu sagen, wo wir wären, und ob er Land erblickte. Dieser rief nach langer und sorgfältiger Betrachtung der Gegend mit erstaunter Stimme (voce sttonito): Gott helfe, Gott helfe nunmehr, denn er allein vermag cs, wir sind vor Damiette; und wirerblickten hierauf alle das Land. Auch die Kundschafter der übrigen Schiffe waren derselben Meinung wie der unsrige." Vgl, das Schreiben des Grafen von ArioiS a, a. O. ü) tt noise g»e it menoicnt sta leurs nocaircs et cte leure cors Sor- roTÜnnois, c.-toit esponvantoblo ä das Schreiben des Grafen von Artois a. a- O. Ouit, cto Nang. 1>. gzz. I. Ckr. 96 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. IV. Ludwig aber versammelte seine Varone zu einem Kriegs- rathe, in welchem viele der Meinung waren, daß es nicht rathsam seyn würde, die Landung eher zu unternehmen, als wenn die verschlagenen Schiffe, auf welchen mehr als zwey Dritttheile des Heers sich befänden, zu der Flotte zurückgekehrt seyn würden; der König aber billigte nicht diesen Rath, indem er meinte, daß die Verzögerung der Landung den Math und die Zuversicht der Saraccnen starken würde, und die ägyptische Küste den Schiffen keine Sicherheit wider ein ähnliches Mißgeschick, als der Flotte am Pfingstfesie begegnet war, gewahrte?). Es wurde also beschlossen, am folgenden Tage an derselben vom Nil eingeschloffenen und westlich von Damiette gelegenen Insel, wo die Pilger deS Cardinals Pelagius und des Königs Johann von Jerusalem ihr erstes Lager errichtet hatten, an das Land zu gehen ^). Der Sultan Malek as Saleh Ejub, der Sohn desselben Sultans Malek al Kamel, welcher vor dreyßig Jahren sein Reich gegen den Angriff der Kreuzfahrer mit so großer Geschicklichkeit und Tapferkeit vertheidigt hatte, war seit längerer Zeit von dem Vorhaben des Königs Ludwig von Frankreich unterrichtet; denn nach der Erzählung mehrerer arabischer Schriftsteller soll der Kaiser Friedrich schon im 7) loinviU-s 1.6. Nach dem Schreiben des Ritters Guido hielt der König Ludwig in diesem Kriegsrathe eine Ätede, in welcher er die Anwesenden zur Eintracht und gegenseitigen Liebe ermahnte, wodurch sie unüberwindlich seyn würden. Konsum Rex» fügt Ludwig hinzu, non sum LanetL Roelosia, seä vos ritlyue omnes Rex ostrs, vos SanotL Leele- eia; non. kiim iiisr mnis solus Iio- mo, onjus vita, cnur Deus volue- rir» sieuc runus alterius iiomiuis ex- 8 Ukü.Lbitiir. Nodis omnls Olisus tu-- Nis esc; si vino-rmur, inklir^ies avolamus; si viuerrmus, glori.i Der irr-ieüieabinir et totlus I^ranoiae imnio LIiri-rtianitLNs ainpliadiruv. g) 6u1i. äe blauA. 1. o. In cfiro sie oolisillo, schreibt der Graf von Artois, oräinatum luir, ut in or»- srino mano c^uilidet xrn ^osse siio 9) Makrisi und Iafei. Reinrniä Lxtraits i>. 4.;g. Laräoirrre Lxtraits 97 Anstalten des Sultans von Aegypten. Jahre 1248 durch einen als Kaufmann verkleideten Vot-2-^r schafter dem Sultan Ejub gemeldet haben, daß der König von Frankreich zu einer Kreuzfahrt sich rüstete. Je höher die Meinung der Saracenen war von der Macht des französischen Königs und seines Volks"), um so größere Sorgfalt hatte der Sultan auf die Anordnungen zur Vertheidi- gung seines Landes gewendet. Sobald er hörte, daß die Flotte der Pilger im Begriffe wäre, von Cypern nach Aegypten überzugehen, so begab er sich von Damaskus in die bedrohte Provinz, indem er sich, da seine schmerzhafte Krankheit ") ihm nicht erlaubte, zu reiten, in einer Sanfte tim Anhangs von loiwvillo est. Varls. 1761 toi.) x. A31 Anm. Nach einer Erzählung des Matthäus Paris (»6. a. 124Z x. 686) waren dis Saracenen schon im Jahre 124g von dem Vorhaben der Franzosen, einen Kreuz- zug zu unternehmen, unterrichtet und vergifteten deshalb den Pfeffer, -welchen sie an die Abendländer verkauften, so da» in Frankreich viele Menschen daran starben und in den englischen und französischen Städten öffentliche Warnungen gegen den Genus; des vergifteten Pfeifers bekannt gemacht werden muhten. Matthäus Paris fügt aber hinzu: stimmt, mcrcatorcs stoo feoisse, Ut vctus xi- xcr stier roscrvarum melius veir- äererur. io) „Der Nedefcans (Hol ste France), " sagt Abulfeda ta. a. O.), „ ist einer der größten Königs der Franken, und die Franzosen (ekrens) sind ein großes fränkisches Volk." „Dieser König," fügt Oschemaleddin hinzu, „war ein gewissenhafter Beobachter des christliche» Glaubens) er wollte Palästina erobern und zuvor vu. Band. Aegypten sich unterwerfen; er war von fünfzig Tausend Kämpfern begleitet und hatte den Winter in Cypern zugebracht." Neinaud a. a. Q. ii) Dis Krankheit des Sultans bestand nach Abulfaradsch (Östron. Sz-r. x. Zio) und Abulfeda (v. IV. x. 494) in einem bösartigen Geschwüre an der Hüfte (statt -Iso!-» ist bey Abulfeda wahrscheinlich S» lesen, wodurch die Gegend des Körpers, wo der Schenkel an die Hüfte sich an- fchliegt, bezeichnet wird). Nach Join- ville (x. Zi) war dieses Geschwür dis Folge einer Vergiftung. Der Sultan von Hama hatte den Ferrasch (Ferrais, s. oben S. 77. Anm. 17.) deS Sultans Ejub bewogen, seinen Herrn durch Gift aus dem Wege zu räumen; der Ferrasch vergiftete hierauf einen vor dem Bette deS Sultans ausgebreiteten Teppich (uatte), auf welchen der Sultan sich nieder- zusehen pflegte, wenn er nach der Tafel Schach spielte. Da nun Ejub, als er unbeschuht (gni eskoir stc- sokau) auf den Teppich sich nieder- G 98 Geschichte der Krcuzzügc. Buch VIII. Kap. IV. tragen ließ, nahm sein Heerlager zu A schm um Tanah, am Canal von Aschmum, in der Nähe von Mansurah, und traf von dort zweckmäßige Einrichtungen zur Verthcidigung von Damiette, da er vorhersah, daß die Christen wider diese Stadt ihren Angriff richten würden. Diese Stadt wurde mit Lebensmitteln für länger als Ein Jahr und mit allen erforderlichen Mitteln der Verthcidigung versehen, ihre Besatzung wurde durch eine beträchtliche Zahl von Arabern des Stammes Kenanah, welche in dem Rufe großer Tapferkeit standen, verstärkt, eine zahlreiche Flotte wurde zur Deckung der Mündung des Nils und des Hafens von Da- miette versammelt, und der Emir Fachreddin, welcher durch glückliche Bekämpfung der Kreuzfahrer in Syrien und durch die Eroberung von Askalon das Vertrauen des Sultans erworben hatte, erhielt den Befehl über ein zahlreiches Heer von auserlesenen Truppen, welches an der Küste aufgestellt wurde, um die Landung der Kreuzfahrer zu hindern, oder wenn die Landung der Feinde nicht abgewehrt werden könnte, die Besatzung von Damiette in der Veriheidigung der Stadt zu unterstützen "). Der König Ludwig hatte, wie wir aus dem Berichte eines Kreuzfahrers wissen, die Absicht, bey Alexandrien zu landen und mit der Eroberung dieser Stadt den ägyptischen Krieg zu eröffnen "), und die Ausführung dieses Plans lieg, eine wunde Stelle (cscorvliure) nm Beine batte, so drang das Gift in dieselbe ein und lähmte ihm die ganze Eine Seite bis zum Herzen (er li toili tour Io xooir cio bi mortis flu cors äs oeilc xsrt vors Io euer). »3) ^iruikeäa 1°. IV. x. 4gg. Uei- imuL Lxtr-lirs a. a. O. „Der Sultan," sagt Abulfaradsch (Llrrou. Sz-r. I>. Zioi, „erhob seine Stimme, und cs sammelten sich zu ihm die Araber auS Alexandria, Kos und Svene." Die saracenischen Truppen, welche der Sultan an der Äusie aufsteltte, waren nach Ioinville lr>- 30) moult Ire- les geilt ä legsrcier. rz) Lum INNO kxeomir eousriio L 6vi>ro movimus uavixsucio versus Landung der Kreuzfahrer in Aegypten. 99 würde ohne Zweifel große Vorthelle gewahrt haben, da' Alexandrien, wenn die Pilger der Stadt sich bemächtigt hätten, weit haltbarer war als Damiette, und von dort in dem westlichen Theilc von Aegypten, welcher weniger von Canälen durchschnitten ist als der östliche, das Vordringen in das Innere des Landes bey weitem nicht so schwierig und gefährlich war als auf dem Wege von Damiette nach Kahirah. Da aber durch die Gewalt des Windes und die Uukunde der Seeleute die Pilgerflotte nach Damiette gerieth, so änderte Ludwig, wahrscheinlich erst in Folge der Vera- thungen, welche in dem oben erwähnten Kriegsrathe Statt Oricutem, xroposiluiu Iiadcatss ^.lexansiriaiu expuguaro er paucis siicbus segueutibus rapti inopinata teiupesraro vastuui uiaris sparium perrrausivimus; multae navium uo- Sliarum siisxcrsae suur er siisjunotae et» iuvieem. Ptpisrnia Oujsiouis iut- Utis I. c. Der Ritter Guido gellt auch in der Anm> z mitgetheiltcn Stelle die Ankunft der Pilgerflotte auf der Höhe von Damiette als eine nicht ganz erfreuliche Ueberraschung Lar. Nach der Erzählung desselben Ritters näherten sich (wahrscheinlich um die Stärke der chrisilichen Flotte auszu- kundschaftcn) bald nach der Ankunft der Pilger vier feindliche Ealeen, welche von den französischen Galeen und deren Booten (soapftls aursoriis) umzingelt und mit Feucrpfcilen, Steinen und ungelöschtem Kalke beschossen ivurden (IVlisimus igirur super eas spioula iguita er lapisics sie uaango- uellis uavalidus, gut siv xaraliau- rur, ur guiugue vel sex lapisies si- mut sie tougo jaccreur er xlcialas plena» calao, araudus per parva lcastilia »si mosium sagitlarum super liostcs jaoulansias). Drei) dieser saracenischsn Ealeen wurden zerstört, und eine stark beschädigt; ein Theil der Mannschaften jener zerstörten Schiffe wurde von den Kreuzfahrern aus dem Wasser hcrvorgozogen und gefangen; und diese Gefangenen sagten auf der Folter aus, daß der Sultan in dem Glauben stände, die Kreuzfahrer würden ihren ersten Angriff gegen Alexandrien richten, und daß daher der größte Theil des ägyptischen Heers bey jener Stadt aufgestellt wäre. Von allen diesen Umständen findet sich bey den übrigen Schriftstellern keine Erwähnung. Herr Michaud fügt die Notiz hinzu, ich weiß nicht, aus welcher Quelle, daß die Bewohner der Stadt Damiette von der Ankunft der christlichen Flotte durch den Schall einer großen Glocke, welche aus den Zelten des Königs Johann von Jerusalem auf einem Thurme der großen Moschee geblieben war, benachrichtigt wurden. IM- aiiausi Hist, siez 6r0isasies IV. k>. szz. G 2 Ehr. I2gy. 100 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. IV. 2 -Chr. fanden, seinen Plan und entschloß sich, bey Damiette an das Land zu gehen '*). 5 . 2 un. Wie es in diesem Kn'egsrathe war bestimmt worden, so trafen in der Frühe des folgenden Morgens die Pilger alle erforderlichen Anstalten zur Landung. Die Ritter verließen die großem Fahrzeuge, welche wegen der Seichtigkeit des Meers der Küste sich nicht nähern konnten, und begaben sich theils auf die Galeen, theils auf die niedrigen Fahrzeuge^), welche der König in Cypem zum Behufs der Landung hatte erbauen lassen. Ungeachtet aller Fürsorge des Königs aber war an Fahrzeugen, welche zur Landung tauglich waren, großer Mangel; und Joinville, welchem Ludwig versprochen hatte, daß der Admiral Johann von Beaumont angewiesen werden sollte, ihm und dem Grafen Eberhard von Vrienne eine Galee für ihre und ihrer Leute Landung zu liefern, erhielt von dem Admiral, als er sich bey demselben meldete, zur Antwort, daß keine Galee vorhanden wäre, welche ihm für seinen Dienst überlassen werden könnte. Zwar hatte Frau Eschive von Berytus dem Seneschall, ihrem Vetter, ein kleines Schiff gesandt, auf 14 ) Nach der Erzählung des Makels, (IwumnL x. 44?^ sandte Ludwig, alS ec vor Damiette angelangt war, au den Sultan Ejub einen Brief, in welchem er denselben mit prahlhaftcn Drohungen auffoc- dcrte, in Begleitung der muselmännischen Priester und Mönchs und mit einer Wachskerze in der Hand bey der Flotte der Pilger sich sinzufinden und zum Cbristenthume sich zu bekennen, wenn er nicht die schwere Hand deS Königs auf gleiche Weise wie die Araber in Spanien fühlen »rollte. Der Sultan, »reichem dieser Brief Thränen auspreßts, antwortete mit der Versicherung, dag er auch daü Schwert zu führen wägte, und mit mehrern Stellen deS Koran. Da aber diese Briefe durchaus daS Gepräge der Unächtheit tragen, wie Horr Neinaud richtig bemerkt: so habe ich mich nicht entschließen können, dieses Briefwechsels als einer That- fache im Texte zu erwähnen. rs) Soinville (x. gz) nennt diese Platten Fahrzeuge, welche bey Wilhelm von Nangiü und Wincenz von Beauvais nasselia heißen, siaxgc» sie caittiers (elranticr). Landung der Kreuzfahrer in Aegypten. 10L welches acht feiner Pferde gebracht wurden; damit war 2 ^ Ehr. aber seiner Verlegenheit nicht abgeholfen, und unter seinen Leuten erhob sich großer Unmnth, als er ihnen die Antwort des königlichen Admirals meldete. Die Ritter des Serie- schalls begaben sich hierauf aus dem großen Schiffe auf ein Landungsboot; es kamen aber in dasselbe ihrer so viele, daß es zu versinken drohte, und die Schiffer, als sie diese Gefahr bemerkten, verließen das Boot und retteten sich auf das große Schiff, wo Joinville endlich den Schiffshauptmann vermochte, die Ueberschiffung seiner Ritter nach der Küste auf dem Boote, auf welchem sich die Pferde des Seneschalls befanden, nach einander in drey Fahrten zu übernehmen"). Gleichwohl ertrank einer der Ritter ") des Grafen von Brienne, als er in dem Augenblicke, in welchem das Boot schon abfuhr, auf dasselbe von dem großen Schiffe sich herabzulassen versuchte. Joinville benutzte den wichtigen Zeitpunkt, in welchem die Pilger im Begriffe standen, einen höchst gefährlichen Kampf zu wagen, um zwey seiner Ritter, Villain von Versey und Wilhelm von Dammartin, welche auf Morea in Streit gerathen waren und wider einander einen heftigen Haß trugen"), zu versöhnen; indem er ihnen zwar gestattete, mit einem Knappen, Herrn Hugo von Vaucouleurs, welchen er zum Ritter schlug, auf seine kleine Landungsbarke sich zu begeben, aber mit einem Schwure bey den Heiligen ihnen erklärte, daß er sie nicht an das Land gehen lassen würde, so lange sie wider einander 16) loiuvillo a. a. O. EschivS coure 6e IVloutdeUara er 1 » »ostrc, von Bervtus war eine geborene Grä- Vgl. Ducange zu Joinville x. 60. 61. fin von Montbeliard und dis Mutter des damaligen Grafen von Joppe, ^ Yui -voir L wouguor Johann von Jbelin und Berytus. ^«1 Ducange- riouguer!. 5 oi-r- Iwaäamo cie wlontboUartl, sagt Join- N- t). vitte, eswir eousiire 1e i6) ll 5'eLwlenr emroxris Ics 102 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IV. so feindselige Gesinnung hegten; worauf die beyden Ritter einander alle Unbill sich verziehen und ihre Versöhnung mit einem Kusse bekräftigten "). Nachdem die Schwierigkeiten, welche der Landung im Wege standen, so viel als möglich waren beseitigt worden, so setzten sich die Galeen und Böte mit den Pilgern, welche sie fassen konnten in Bewegung. Mit dem Könige befand sich auf demselben Schiffe der päpstliche Legat, Cardinal Odo von Ostia, welcher das heilige Kreuz offen und unverhüllt trug 2 '), und auf einer anderen Galee, welche vor dem königlichen Schiffe fuhr, wehte das Panier des heiligen Dionysius^); Galeen der Brüder des Königs und der übrigen Barone, so wie sämmtliche Landungsböte, ungefüllt mit Rittern und Armbrustschützen, hatten ringsum bas königliche Schiff sich gereiht. In solcher Ordnung näherten sich die Pilger, auf die Hülfe Gottes und die Wunderkraft des heiligen Kreuzes vertrauend, der feindlichen Küste. Einer der ersten, welche die Küste erreichten, war der edle Seneschall der Champagne, Johann von Joinville. Als sein Boot dem königlichen Schiffe voraneilte, riefen dem Seneschall die Leute des Königs zu, er möchte nicht auf solche Weise eilen und von der heiligen Oriflamme sich entfernen; Joinville aber kehrte sich nicht an diesen Zuruf, olievenx a 1a Qloree, sagt Joinville mit ritterlichem Ausdrucke. ig) Je lenr Ü8L xaräonner lenr mal tLleiir et liesier 1'un 1'anrre. Joinville a. 6. O. 20 ) (^norynor inrrare xoruerunr. Onil. äe x. 833. Vlneent. LeUov. LUr. XXXl. o. §7. 3i) I-e§rno 8aero8anor3in orucein äonnnioem rriu.mxli3l.eiii äeierenre nnäam er axertLin. 6uil. äe IffanA. und Vineenr. Lellov. 1. o. Vgl. das Schreiben des Grafen von Arrois in den ^.ckäiramenris ack IVlarrli. I?L- ris x. r6Z. 22) Joinville x. 84» 35« Onil. äe Iffanx. und Vineenr. Lellov. 1. o. Landung der Kreuzfahrer in Aegypten. 103 Rittern das Land in der Nahe einer saracenischcn Schar, welche an sechs Tausend Reiter zählte. Diese Saracenen machten zwar Anstalten zum Angriffe; als aber die Ritter die Füße ihrer Schilde und die Schafte ihrer Lanzen in den Sand pflanzten, dergestalt daß die Lanzenspitzen den Feinden entgegen gewandt waren"), so wagten die Saracenen keinen Angriff, sondern entflohen. Bald hernach landete mit Tausend Rittern der treffliche Balduin von Rheims, welcher den Seneschall bitten ließ, ihn zu erwarten, und Joinville gab zur Antwort, daß es nicht anders als schicklich wäre, in solcher Sache, als die gegenwärtige, auf einem so edlen Ritter zu warten; und für diese Gefälligkeit war ihm, wie Joinville selbst bemerkt, der Ritter Balduin während seines ganzen übrigen Lebens dankbar"). Die Pilger beeilten sich um so mehr, an die Küste zu gehen, als sie sahen, daß die Landung nicht schwierig war, und da weder die Galeen noch die flachen Böte wegen des niedrigen Wassers dicht an das feste Land gelangen konnten, so sprangen sie mit ihren Waffen und Rüstungen in das Meer und durchwateten das seichte Wasser"). Hierauf kam die stattliche Galee des Grafen von Joppe, Johann von Jbelin und Berytus, welcher sich dem Könige von Frankreich mit der 2z) Girant uous les veismes ve- 25) Loboil! ^.lrebarensls et Oul- ,,ir» »lous lisciiLines les xoiul.es äo äorüs ivil.il.l8 exlstolae 1. o. x. 16Z. uos eseus ou sablon, et 1 e Fusl äe 167. bull, äe Hau». el Vluo. Lei- uos larioes ou sablou el les xolules lov. 1 . 0. Joinville bemerkt, nach- sondern setzte seine schnelle Fahrt fort und bestieg mit seinen 2q) Io 1l manä^r gllo KL rerois-io mouir volontier«, guo lei xrcn- liommo commeil estoir, äovoit dien cslro »tenän » nn lei desoinA; äonr N me sor don Are tonte ss vie. loinviNe a, a. O. dem er seine Landung beschrieben bat: „Wisset, dag zur Zeit meiner Landung weder Knappen, noch Ritter, noch Knechte (varicr), welche ich aus meinem Lande mitgebracht baue, bcy mir waren, Gott aber half mir dennoch. " 104 Geschichte dev Krenzzüge. Buch VIII. Kap. IV. cypnschen Ritterschaft angeschlossen hatte ^), an die Küste; dieses Schiff war mit sorgfältig gemalten Wappenschilden des Grafen, rothen Ankerkreuzen in goldnen Feldern^), trefflich geschmückt, dreyhundert Ruderer, deren jeder durch einen Schild mit dem Wappen des Grafen geschützt war, trieben das Schiff so schnell vorwärts, daß es zu fliegen schien, und das geräuschvolle Schlagen dieser zahlreichen Ruder, an deren jedem ein Fähnlein mit dem gestickten Wappen des Grafen befestigt war, verbunden mit dem Schalle der Heerpauken, Trommeln und saracenischen Hörner, welche auf dem Schiffe sich befanden, war von gewaltiger Wirkung. Sobald diese Galee so nahe an die Küste, als es die Seichtigkeit des Meers erlaubte, gekommen war, so sprangen der Graf und seine Waffengefährten in das Wasser, eilten wohl gerüstet und gewaffnet nach dem Lande, nahmen ihre Stellung zur linken Seite der Ritterschaft, in welcher der Seneschall von Joinville war, und errichteten sogleich ihre Zelle. Die Saracenen kamen, als sie dieses bemerkten, in gesprengtem Laufe heran; als aber die Pilger Stand hielten und zum Widerstande sich bereiteten, so wichen die saracenischen Reiter zurück. Es kam dann zunächst zur rechten Seite der Ritter, welche zuerst gelandet waren, in der Entfernung eines starken Armbrustschusses, die Galee, 26) Da der cyprischen Ritter, welche, wie oben lS. 70) berichtet worden ist, das Kreuz genommen hatten, sonst nicht erwähnt wird, so ver- muthe ich, dag ste dem Paniere des Grafen von Joppe folgten, welcher in der Zeit, welche die französischen Pilger in Cypern zubrachten, daselbst anwesend war. Vgl. Oäonu Lpisro- 1a in O'^csirerz- 8pror1. ll'. m. x. 62Ü. Makrisi ( Laistorrire extrarrs x, gzi) bemerkt, dag die sorischen Franke» sich dem Könige von Frankreich angeschlossen hatten. Der König von Cypern begleitete zwar den König Ludwig, scheint aber an dem Kriege wider die Saracenen keinen thätigcn Antüeil genommen zu haben. 27) I.e5gneIIcs armce sollt st'or ä iure oroi-i sie xucnlcs i-aroc. tour, ville p. 34- Landung der Kreuzfahrer in Aegypten. 105 welche die Oriflamme führte, an die Küste, und ohne Schwie- 2^l,r. rigkeit wurde das heilige Panier an das Land gebracht. Ein Saracene, welcher in diesem Augenblicke in die Nähe der Kreuzfahrer kam, sey es aus Keckheit oder Vermessenheit, oder weil ihn wider seinen Willen die Wildheit und Unbän- digkeit seines Pferdes fortgerissen hatte, wurde im Angesichte der Orislamme in Stücke gehauen. Als Ludwig aber vernahm, daß das Panier des heiligen Dionysius schon auf dem Lande sich befand, so sprang er hastig aus seinem Schiffe, indem er den Legaten verließ, in das Wasser, und obgleich dasselbe ihm bis zu den Achseln reichte, so gelangte er dennoch, den Helm auf seinem Haupte, den Schild an seinem Halse und das Schwert in seiner Rechten tragend, glücklich zu den Pilgern, welche schon früher das Land erreicht hattem Hierauf warf sich Ludwig nieder auf den Boden und flehte mit inbrünstigem Gebete, daß Gott seine Schritte und Handlungen zum Besten leiten möchte; und nur mit Mühe hielten ihn seine Ritter davon ab, wider die Saracenen, welche in einiger Entfernung sichtbar waren, zu rennen Ohne einen kräftigen Widerstand zu leisten, hatte also der Emir Fachreddin die Landung der Pilger geschehen lassen, und das ganze christliche Heer versammelte sich nach und nach ohne weitere Hindernisse auf der westlich von Da- mictte gelegenen und durch das Meer, den Nil und einen Canal gebildeten Insel, welche die Araber Dschiseh nennen "). 2g) isoinville x. Z4- ZZ. 6u1äo 6o Lurscho ex relariono lottannis IAo- narchi de r-ontiniaco in den ^rääita- inentis »ä Llattli. 0eris p. 169. 29) S. Buch Vll. Kap. 8. Anm. 12. S. 18Z. i86- Es ist auffallend, daö der Ritter Euido in Hinsicht der Angabe des Tages, an welchem die Landung geschah, mit den übrigen Schriftstellern im Widerspruche stehr; denn nach Euido (x. 167) ging der König Ludwig mit seinem Heere schon am Freptage (4. Win.) an das Land, und der Sonnabend sz. 2 un.), an 106 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IV. ^ 12 ^" Es erhob sich zwar uoch im Laufe dieses Tages ein lebhafter Kampf zwischen den Christen und Saracenen; die christliche Ritterschaft gewann aber mit dem Verluste Eines einzigen Waffengefahrten einen leichten Sieg 3°), mehrere saracenische Emirs wurden erschlagen^), viele andere Saracenen getödtet oder verwundet, und der Emir Fachreddin zog sich mit seinem Heere über die Schiffbrücke, welche das Land Dschiseh mit Damiette verband, auf das östliche Nilufer zurück und begab sich unverzüglich zu dem Sultan Ejub nach Aschmum Tanah ^). Die Christen aber überließen sich nach den Anstrengungen dieses Tages ungestört der Ruhe in ihrem Lager, in welchem das rolhe Zelt des Königs vor allen andern die Aufmerksamkeit der Saracenen erweckte 33). Da die feindliche Flotte ebenfalls in die obere Gegend des Nils sich zurückzog, so besetzten die Schiffe der Pilger auch noch an diesem Tage die Mündung des Flusses 3 4). Das Schrecken der Einwohner von Damiette über diese Landung eines so furchtbaren feindlichen Heeres in der Nahe welchem noch den andern Schrlftstel, lern die Landung erst erfolgte/ wurde dazu angewandt/ um unter der Führung der gefangenen Saracenen (such stucatu er stocumeuto Sclavorum, gur eliam arcauos trausitus coguo- vciunt) die Küste und das Land vollständig in Besitz zu nehmen. 3o) kuistours Lxist. 1. c. Außer diesem Niiter verloren nach der Angabe dieses Schreibens bis Pilger nur noch zweu oder drey ihrer Waffenge- fährten- welche bey der Landung zu hastig in das Wasser sprangen/ bevor die Fahrzeugs die seichten Stellen der Küste erreicht hatten. 3r) I-itus ochtruu.it xoxuiu« Llrrr- otiauus cum sosxitate et laetitia et cum eguorum Vurcorumgue «trage magua et guoruustam, gur magui uomiuis esse sticechautur. Schreiben des Grafen von ArtoiS a. a. Q. II eut ce jour - 1K uu eugagemeut eutre les Vrancs et les Lg^ptieus, oü plusieurs emirs musulmaus iu- reur tue. Dschemaleddin bei) Nei- naud x. 4Zi. 32 ) Dschemaleddin a. a. O. Schulfest. r. IV. i>. 4Y8- Zg) l.a teure stu Uoi etoit rouge. Dschemaleddin a. a. O. Wgl. .oben S. üS. Anm. qz. 34) 6url. ste chlaug. IN 3ZZ. Vinc. Lellov. XXXI. 97. ihrer Stadt war granzenlos, und als sie den Rückzug des Emirs Fachreddin vernahmen, so bemächtigte sich ihrer vollkommene Verzweifelung; denn von dem Sultan, dessen Thä- tigkeit durch seine täglich sich verschlimmernde Krankheit gehemmt war, erwarteten sie keine Hülfe, und in dem Lager bey Aschmum herrschte, da Ejnb nicht mehr im Stande war, sein Ansehen geltend zu machen, die wildeste Zügellosigkeit, und Ordnung und Gehorsam waren verschwunden^). Unter diesen Umständen bemächtigte sich selbst der Araber des Stammes Kenanah feige Murhlosigkeit, und schon in der folgenden Nacht nach dem Tage, an welchem der König von Frankreich gelandet war, entflohen sie aus Damiette, obgleich die Stadt, da sie mit Lebensmitteln und allen anderen Bedürfnissen auf das reichlichste versehen war, zu dieser Zeit mit besserem Erfolge vertheidigt werden konnte als vor dreyßig Jahren gegen die langwierige Belagerung des Königs Johann von Jerusalem und des Cardinals Pelagius. Dem Beyspiele der Araber folgte die ganze Bevölkerung der Stadt; Männer, Weiber und Kinder entflohen in ungeordneten Haufen, theils auf dem Flusse, theils zu Lande, indem sie es selbst unterließen, die Kriegsmaschinen, Lebensmittel und kostbaren Kleider und Geräthe, welche sie nicht mit sich nehmen konnten, zu zerstören Nur das große allgemeine 3L) Oschemaleddin a. a. O. Nach Joinville (x. SZ) wurden dreymal nach einander Brieftauben aus Da- mistts an den Sultan abgesandt, mit Briefen, in welchen er um Bcy° stand ersucht wurde; als aber wegen der Krankheit des Sultans keine Antwort einlief, so verliehen die Einwohner die Stadt, indem sie glaubten, daß der Sultan gestorben wäre. 3 Ü) Oschemalsddin a, a. O. Jvin- ville a. a. O. Hostert! , 4 ,trcstsr. er Onicionis Lxisrolre x>. 165. 16g. Dagegen sagen Wilhelm von NangiS il>. SB) und Vincenz von Beauvais (XXXI. gg): In erastiiio äie Oo- ininioo MLgnares er omnes 3 ti! ex stiera niste exierunr er in kngain oonvers! eom eireumgnagne xosiro ignc xcnirus rclignernnr, was von der Verbrennung des Fondaco t s. Anm. ZS) zu verstehen seyn mag. 108 Geschichte deo Keeuzzüge. Buch VIII. Kap. IV. Lagerhaus, die Niederlage aller Gegenstände des damaligen lebhaften Handels von Damiette, wurde von den Flüchtlingen, welche sammtlich nach Aschmum sich begaben^), in Brand gesteckt Der Sultan Ejub war eben so wie alle einsichtvolle nnd eifrige Muselmänner 3?) mit Recht sehr ungehalten über die Feigheit der Truppen, auf deren Treue und Tapferkeit er sich verlassen hatte. Der Emir Fachreddi», welcher nicht nur durch eine höchst schimpfliche Flucht um seinen bisherigen kriegerischen Ruhm sich gebracht, sondern auch mit strafbarer Fahrlässigkeit die Schiffbrücke bey Damiette, welche den Kreuzfahrern den Uebergang auf das östliche Nilnfer erleichterte, zu zerstören unterlassen hattewurde von Der Ritter Guido behauptet, bah bis Pfortchen, durch welche die Sarace- ncu aus Damiette eutwlcheu, schon lange vorher zu diesem Behufs wären eingerichtet worden < per xorrnlas, (Pros oanre longe ante» xraep-tiavc- imir, kngeruut). Nach der Erzählung desselben Ritters Guido tödte- ten (exoerebr-rntes) die Muselmänner vor ihrer Flucht die in der Stadt befindlichen gefangenen Christen, weil sie gemerkt halten, daß einige derselben entflohen waren. 37) Dschemaleddin a. a. O. Zg) Orant stoum-rge uous streut an partir sie cc c^tio 1t bourorcut 1e len en 1a louste ( trat, koustooo ) Ist on tvntes los marolraudises cstoicut et tont 1'avoir sto PVIL. lotuvtlie a. <1. O. 3y) S. das Urtheil des Dschemaleddin l a. a- Q. S. 4Si. 452), welcher damals bc» dem Emir Husameddin, dem Statthalter von Äahirah, sich befand; an demselben Lage, an welchem Damiette in die Gewalt der Franken kam, gelangte davon die Nachricht nach Kahirah vermittelst einer Brieftaube und erfüllte alle Einwohner dieser Stadt, besonders wegen der Krankheit des Sultans, mit ängstlichen Besorgnissen. Dsche- maleddln meint, daß es den Kena- niten, auch selbst nach dem schimpflichen Rückzüge des Fachreddin, ein Leichtes gewesen kenn würde, Damiette zu behaupten und die Angriffe der Franken zu vereiteln. Wenn aber Gott etwas will, fügt er hinzu, so kann man cs nicht bindern. 4o) IVI-d rtpertemeut so partirout los teure sto Oamicte, Girant 11 »v streut oopcr 1e pout gut estoit (Io O. Vgl. LLilhclm von Nangis und Dinccnz von BeauvaiS, welche bin- zufügcn: uisi (prod in ipso (xonto) erat Interruptio uns, (pme statim kuit a nostris geutidns rexarara. 109 Einnahme von Damiette. dem Sultan mit heftigen Vorwürfen empfangen und verdankte die Verschonung mit der Todesstrafe nur der ängstlichen Stimmung des Sultans, welcher damals blos mit dem Gedanken an seinen nahen Tod sich beschäftigte und, um sein Gewissen zu beruhigen, seine Unterthanen in Ausschreiben aufforderte, alle Klagen, zu welchen er Veranlassung gegeben haben möchte, vorzubringen und Genugthuung zu empfangen. Dagegen wurden fünfzig Häupter der kena- nitischen Araber, obgleich sie sich wegen ihrer treulosen Fluchc aus Damiette damit entschuldigten, daß sie auf keine Hülfe hätten rechnen dürfen, in Folge des Ausspruchs der muselmännischen RechtSgelchrten, daß jeder, welcher seinen Posten treulos verlasse, dadurch das Leben verwirke, mit dem Strange bestraft; und der Sultan Ejub ließ diese Hinrichtung mit solcher Strenge vollziehen, daß er einem Vater, .welcher zugleich mit seinem Sohne unter den zum Tode Verurtheilten sich befand und als um eine Gnade darum bat, daß es ihm verstattet werden möchte, vor seinem Sohne zu sterben, die Gewährung dieser Bitte versagte "). Die Kreuzfahrer waren am Tage nach ihrer Landung,! dem ersten Sonntage nach dem Feste der Dreyeiuigkeit, noch damit beschäftigt, ihre Pferve und das übrige Volk, welches noch auf den großen Schiffen zurückgeblieben war, an das Land zu bringen "), als in der dritten Stunde des Tages zwey gefangene Christen, welchen es gelungen war, ihre 41) Dschcmaleddin und Makrifl bey Ncinaud S. 4Z2. Nach Abulfeda Cr. IV. x. 4yg) wurden sämmtlichs Kenanitcn aufgehcnkt. Auch Matthäus Paris erwähnt (->ä a. 1250. v- 736. 787 ) der Vorwürfe, welche der Sultan dem Emire FachrcdLin machls, indem ec hinzufügt, daö der Sultan den Emir ungeachtet der Entschuldigungen, welche er verbrachte, an einem Galgen aufhängcn lieg, waS eine Verwechslung deS EmirS Fachrcddin mit den Kcnani- ten ist. 42) 6uil. de dlanx. x. ZZz, Vin- ccirt. Lellov. XXXI, 98- z. Ehr. 124g. i. Jim. I. Cbc. -24S- 110 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IV. Fesseln zu zerbrechen"), wahrend ein großer Theil ihrer übrigen Mitgefangenen von den Saracenen, als diese im Begriff waren, aus Damiette zu entweichen, auf jämmerliche Weise erwürgt wurde, in das Lager der Pilger kamen und die Meldung brachten, daß Damiette von den Sarace- nen verlassen wäre, die Thore der Stadt offen ständen, und eine furchtbare, von den entflohenen Saracenen angelegte Feuersbrunst das dortige reiche Lagerhaus verwüstete. Obgleich die Pilger in der Nacht den Widerschein dieser Feuersbrunst am Himmel erblickt hatten, und der Rückzug der feindlichen Flotte aus der Mündung des Nils in die obere Gegend des Flusses die Vermuthnng begründete, haß es nicht die Absicht der Saracenen wäre, Damiette zu behaupten: so gewährte der König Ludwig dennoch jener Meldung als einer unglaublichen Sache kein Vertrauen und sandte sofort einen Ritter--) aus, um Erkundigung einzuziehen. Als dieser Ritter zurückkam und berichtete, daß er selbst in den Hausern des Sultans zu Damiette gewesen wäre, und Alles in der Stadt sich so verhielte, wie cs dem Könige wäre gemeldet worden"): so berief Ludwig sofort zu sich den Legaten und die übrigen Prälaten des Heers und ließ den Ambrosischen Lobgesang anstimmen "). Hierauf bestiegen die Ritter ihre Rosse, zogen wohlgemuth über die Schiffbrücke, deren geringe Beschädigung ohne große Mühe wieder 43) Duo oaptivi yni manns Iro- sriles evaseranr. Oniäonis Lxisr. ,67. Nach der von Michaud benutzt ten handschriftlichen Chronik (Hist, äes OroLs. IV. x». 253) kam ein Sa- racene und meldete dem Könige: Mo tons ii 8arrasins s'en etoienr ales äe 1a eitö äe Damiette et hno on 1e xenäist si co rr'estoit voir (vrai); 1i roi 1e lisr garäer er envo-'a genr II Inst nonne (irona). 44) I7n messagor elrevalier. 7oin» villo x. 35. 42) tzno il avoir osrö äeclens les mesous an 8onäano er o'estoir voir. ssolnville a. a. O. 4H) loinviUo a. a. O. 111 Einnahme von Damiette. ausgebessert wurde, und bemächtigten sich der Stadt Einige saracenische Scharen beunruhigten zwar das Heer der Pilger auf dem Zuge von dem Lagerplatze nach Da- miette, jedoch ohne großen Schaden zu bewirken, und nur der Graf Hugo le Brun de la Marche, welcher zur Strafe für frühere Vergehungen in der vordersten und den Feinden am meisten ausgesetzten Schar der Freywilligen seinen Platz erhalten hatte und an diesem Tage mit unbesonnener Hastigkeit unter die Feinde rannte, erhielt eine schwere Wunde. Auch das griechische Feuer, welches von einigen Saracencn, die in die Stadt zurückgekehrt waren, gegen die heranziehenden Kreuzfahrer geschleudert wurde, und anfangs, durch einen heftigen von der Stadt her wehenden Wind vorwärts getrieben, dem christlichen Heere sehr beschwerlich war, wurde bald, da der Wind zum Glück für die Christen bald die entgegengesetzte Richtung nahm, gegen die Stadt selbst gekehrt und entzündete dort eine neue Feuersbrunst, welche aber von den noch in der Stadt befindlichen, dem Schwerte der Ungläubigen entronnenen Christensklaven bald gelöscht wurde ^). Der König Ludwig, welcher mit dem größer« Theile seines Heeres am westlichen Ende der Schiffbrücke zurückgeblieben war, als die vorangezogene Ritterschaft die verlassene 47 ) loinville a. a. O. Vgl. 6ui1. äe und Vincent. Rellov. a a. O. ES wurde nämlich nach diesen Schriftstellern die Stadt durch eine Schar, welche der König voraussandte, beseht (Rex Imbita cerritu- äine äe xraemissis, 3 ii. 345, Lußo coxnomento le Rrun (Domes äs IVlarclÜL, cum Rex ^brsncorum axuä V3mi3t3m axxlicuisset, redus Ru- in3nis exempkus esr, ^ui iäcirca minus meruit äexl0r3ri, l^um xrl- viAno suo, re^i ck^.n§1orum . . . . xioäitionis la^ueos intenäiL ln ki- ct3viL. 49) Suiäonis Lxlsr. 1. c. I. Cbr. 1249 . 112 Geschichte der Krenzzügo. B n ch VIII. K a p. IV- 2 -^b r- Stadt besetzte, hielt erst nach der neunten Stunde des Tages, nachdem die Straßen von den Leichnamen erschlagener Menschen und Thiere waren gesäubert worden j„ gleitung des päpstlichen Legaten, des Königs von Cypern, des Patriarchen von Jerusalem, mehrerer Erzbischöfe und Bischöfe und vieler anderer Geistlichen, so wie einer großen Zahl von Baronen, seinen Einzug in Damiette, und begab sich baarfnß in feyerlichem Zuge nach der großen Moschee, welche der Cardinal Pclagius vor neun und zwanzig Jahren als eine Kirche der heiligen Dreyeinigreit geweiht hatte *'). Dort stimmte sogleich der Legat den Ambrosischen Lobgesang an, welchen alle anwesenden Pilger mit dankerfüllten Herzen sangen; und der Cardinal feierte an demselben Orte, wo am vorhergehenden Tage noch das Lob des Propheten Mohammed war gepriesen worden, eine bischöfliche Messe zu Ehren der Jungfrau Maria und weihte dadurch die Moschee wieder zu einem christlichen Tempel^). Den Pilgern erschien es als ein Wunder der göttlichen Allmacht, daß eine Stadt, welche durch ihre natürliche Lage nicht minder als durch treffliche Mauern und Thürme im Stande gewesen wäre, eine langwierige Belagerung zu ertragen, und deren Befestigungen seit ihrer Eroberung durch den Cardinal Pelagius sehr erhebliche Ver- Zo) Onil. äe «ang. -x. 8,-lz. '3Zi. Vincent. Ncliov. XXXI. yg. Vgl. Oniäonis Lpist. I. Si) Geschichte der Kreuzz. BuchVll. x. 2gz. Wilhelm von Nangis und Vincenz von Bcauvais find im Jrr- thume, wenn sie behaupten, daß der Cardinal Pelagius diese Kirche der Jungfrau Maria geweiht habe. Dagegen weihte der Cardinal Odo die große Moschee zu Damiette wirklich der Jungfrau Maria. Oe n>ons>ier Plotre Dame en I» viile, sagt IviN- ville x. 3y, estoir tait en I» niainnn- Iverie ctcs Sarrazins, ct i'avoit le legal äeäie eu vlronnenr üe la insre Oien. Z2) Ouiäonis Oplst. 7>. ,6g. Onil. äe Hang. x. 3äg, Vincent. Ncl- lov, I, c. 113 Einnahme von Damiette, besserungen erhalten hatten "), fast ohne Schwertstreich in^^- ihre Gewalt gefallen war. 5"). Sogar auf die Saracenen soll dieses Ereigniß einen solchen Eindruck gemacht haben, daß manche von ihnen um die Taufe baten und sich erboten, den Kreuzfahrern bey ihren ferneren Unternehmungen als Führer zu dienen, und durch ihre genaue Kenntniß des Landes von Aegypten und Syrien sich nützlich zu machen "). Die morgenländischcn Christen, welche in Damiette wohnten, nahmen die abendländischen Pilger als ein durch die göttliche Gnade vorzugsweise ausgezeichnetes Volk mit offenen Armen auf, kamen ihnen, als sie in die Stadt einzogen, mit Kreuzen entgegen, und der König und der päpstliche Legat gewährten ihnen als Belohnung für diesen Beweis ihrer freundlichen Gesinnungen den ferncrn ungestörten Besitz ihrer Hauser und Güter"). Als eine der erfreulichsten Folgen dieser unerwarteten Eroberung betrachteten aber die Kreuzfahrer die Befteyung von drey und fünfzig Chrisicn- sklaven, welche nach ihrer eigenen Aussage zwey und zwanzig Jahre eine schwere Knechtschaft erduldet hatten und, als sie zum Könige geführt wurden, erzählten, wie die Saracenen mit Verwünschungen und Schimpfreden wider die abendländischen Pilger aus der Stadt entflohen wären"). ZZ) Ouil. äe l^LN§. und Vincent. Dellov. 1. c. 64 ) Orant xrace nons keisr I^ostro LeiAneur äe Damiette c^uant II nons äelivra la^neHe nons ne äenssions xas avoir xrise §au2 allamer. ffoin- ville x. Z6. Doo lactnm. Fuit solo Dei äono ao omnipotentis Domini Dei 1 ar§itate. Dolrerti ^.rredat. Dxistola x. 165. Vgl. Onil. äe dlan§. und Vincent. Lellov. 1 . c. 65) Oniclonis Lxistola x. 163. VII. Band. 56) Relation, mannscrite (trou- vee äans les mannscrits äe l'adlrs Dliotelin) in lVliclmnä Rist, äes Orois. D. IV. x>. 344. 67 ) On tronva äeäsns en ^risoir Dill esclaves äe clirestiens Lvoient ete laiens ce üisoient XX.Il ans. Ils ^nrent äelivres et amenes s'en estoient Ini äüs 1e sameäi xar nuit er ine 1i Larrasins äisoienr 1i nn a 1'antre li pourcel (vgl. Buch VII. Kap. ig. Anm. 76 . S. 49?) H 2 - kbr. i-4y. 114 Geschichte dee Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IV. Den König Ludwig beschäftigten in den nächsten Tagen nach der Besitznahme von Damiette mancherlep Anordnungen. Die kirchlichen Einrichtungen nahmen zuvörderst die Aufmerksamkeit des Königs und des päpstlichen Legaten in Anspruch; der Hanptkirche wurde ein Bischof vorgesetzt mit einer hinlänglichen Zahl von Stiftsherren"), die übrigen Moscheen der Stadt wurden ebenfalls in christliche Kirchen umgewandelt, und so wie Ludwig den Geistlichen, welche in den neu geweihten Kirchen des Gottesdienstes warteten, reichliche Pfründen anwies, so versah er die Tempel mit mancherley Geralh, Altargewändern, priesterlichen Kleidungen, Fahnen und Büchern und zierte sie mit Bildnissen der heiligen Jungfrau"). Auch den Tempelherren, Hospitalitern und deutschen Rittern, so wie den Mönchsorden der Minoriten, der Brüder des heiligen Jakob und der heiligen Dreyfaltigkeit und anderen Orden wurden einträgliche Gefälle in der eroberten Stadt angewiesen""), und die christlichen Fürsten und Barone des gelobten Landes wurden mit Häusern und Grundstücken bedacht"). Diese Anordnungen estoient venns. Delation mann- scrire bei) Michaud a. a. O. S. 24Z. §8) 6nil. de I^anA. und Vincent. Lellov. 1 . 0. Delation niannscrite bey Michaud a. a. O. Der damals ernannte Bischof AegldiuS von Da- miette wurde im Jahre iszz Erzbischof von TyruS. Hugo Plagon x. 73L. §9) Des e§lises yni avoient estö stadlies des lVTalionimeries et les snrres Lsr le ricliement aonr- ner de ßsalioes (calices), d'encen- soirs, de candoladres, de seaux, de erorx, de crucelix, de livres, de oasnves, d'.andes, d'esroles, de Di' nons, de dras d'antel, de dras de soie, d'^ma^es de lUdstre Oarue, de autres clioses Hne il ^ convonoit. Delation niannsorite bey Michaud a. a. Q. S. 247. 24g. 60) Delation mannsorite bey Mir chauv a. a. O. S. 247. terre d'ontrv mer assena Io roz'' dolles nianandises er rickes snr ce c^u'il eonvenoit a eliascun daus Oarniette. Delation mannscrito bey Michaud a. a. O. Anordnungen in Damiette. 115 gewannen dem Könige Ludwig die Zuneigung der Geistlichkeit und der syrischen Barone und Ritterorden; dagegen erweckten seine Bestimmungen über die Vertheilung der in Damiette gefundenen Beute bey manchen Pilgern Unzufriedenheit. Als der König wegen dieser Angelegenheit eine Verathung mit den Prälaten und Baronen hielt, so war der Patriarch von Jerusalem, welcher zuerst seine Stimme gab, der Meinung, daß eö am zweckmäßigsten seyn würde, wenn der König alle in der eroberten Stadt gefundenen Vorräthe an Korn, Gerste, Reiß und übrigen Lebensmitteln an sich nähme und darüber nach den Bedürfnissen der Stadt und des Heers der Pilger verfügte, in Beziehung auf die übrige Beute aber im Heere den Befehl verkündigen ließe, daß jeder Pilger bey Strafe des kirchlichen Bannes das von ihm erbeutete Gut in die Wohnung des päpstlichen Legaten bringen sollte. Diese Meinung fand zwar allgemeine Zustimmung; die Beute, welche dem Legaten überliefert wurde, betrug aber nicht mehr als sechs Tausend Livres. Als hierauf der König und die Barone dem Ritter") Johann von Valery das Amt eines Schatzmeisters für diese Summen mit der Vollmacht, darüber nach seinem Ermessen zu verfügen, anrrngen: so antwortete dieser Ritter dem Könige: „Gnädiger Herr, ich bin euch zwar sehr dankbar für die große Ehre, welche ihr durch solchen Antrag mir erweist, ich kann aber, so es Gott gefällt, dieses Geschäftes mich nicht unterwinden, weil ich dadurch den alten löblichen Gewohnheiten des heiligen Landes entgegen handeln würde. Denn nach diesen Gewohnheiten, welche der König Johann von Jerusalem, als er Damiette eroberte, und alle Könige von Jerusalem vor ihm in ähnlichen Fällen beobachtet haben. H 2 S.Ctzr. »24S. 63) xreuäomnle. loinville x>. 56. 116 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IV. 2-Ar- soll die Beute jeder eroberten Stadt in drey Theile getheilt werden, und davon Ein Theil dem Könige, zwey Theile den Pilgern zufallen. So eS euch gefällig wäre, mir zwey Theile der erbeuteten Lebensmittel zu überantworten, so würde ich gern eurem Aufträge mich unterziehen." Ludwig nahm keine Rücksicht auf dieses Begehren, und Viele, sagt Joinville, mißbilligten es, daß der König die alten löblichen Gewohnheiten des heiligen Landes nicht befolgte So wie Ludwig in Hinsicht der Vertheilung der Beute sich nicht an die hergebrachten Gewohnheiten der Kreuzfahrer kehrte, eben so wich er auch von der frühem Sitte derer, welche sich Kämpfer des Heilandes nannten, darin ab, daß er den Befehl verkündete, es sollte kein Kreuzfahrer die Weiber und Kinder der Saraceuen erwürgen, sondern dieselben gefangen nehmen und taufen lassen; auch sollten die Pilger selbst in Gefechten mehr bemüht seyn, ihre ungläubigen Feinde gefangen zu nehmen, als sie zu tödten ^). Mir kluger Vorsicht legte Ludwig nur fünfhundert Ritter als Besatzung in Damiette, und das übrige Heer vertheilte er in Lager auf den beyden Ufern des Nils. Obgleich in diesen Lagern während der Sommermonate die brennende Hitze und die lästige Plage der Fliegen und anderen Ungeziefers unter dem unzulänglichen Schutze der Zelte 6z) Joinville a. a. O. .Die alte löbliche Gewohnheit, welche Johann von Valero in Erinnerung brachte, war übrigenö, wie die Geschichte der früheren von den Kreuzfahrern gemachten Eroberungen beweist, keineS- weges so strenge in allen Fällen beobachtet worden, alS der edle Ritter behauptete. 64 ) Vie äe 8t. Ilonis xar le coa- besseur äe 1a reine iVlargnerite (hinter der Ausg. von Joinville, Paris 17Ü1 Fol.) x. 388 . 6z) II sonlbioient beanconx ste I» granäe plente cle inonolies et slo xnces grans et grosses gut eroient en l ost. Relation inannsorlte bet) Michaud a. a. O. S. Lgy. Eines dieser Lager war das von Jamas (llastra lamas), in welchem der Graf von ArtoiS am Tage vor St. Johannis (oz. JuniuS) den mehrere Male 117 Kämpfe wider die Sara eenen. den Pilgern großes Ungemach auflegten: so ergaben sie sich ^2^?' gleichwohl, da die Vorrälhe, welche in Damiette waren gefunden worden, und die aus Cypern mitgebrachten Lebensmittel, welche aus den Schiffen an das Land waren geschafft worden"), viel beträchtlicher waren, als die Bedürfnisse des Heers es forderten, sehr bald einem üppigen Wohlleben. Die Barone fcyerten schwelgerische Gelage "), und der König war so wenig im Stande, selbst unter den geringeren Pilgern gute Sitten zu erhalten, daß sogar in der Nahe seines Zeltes Ausschweifungen der rohesten Sinnlichkeit nicht ungewöhnlich waren"). Die Pilger genossen aber in diesen Lagern nur kurzer Ruhe. Der Sultan Ejub hatte, nachdem Damiette auf eine so unrühmliche Weise den Kreuzfahrern überlassen worden war, sich nach der von seinem Vater Malek al Kamel erbauten Stadt Mansurah begeben, seiner Flotte unter den Mauern dieser Stadt ihre Stellung angewiesen und sein ganzes Heer um sich versammelt, welches durch neu an- kommende Freywillige täglich verstärkt wurde"). Als der Sultan glaubte, den Kampf wider die Kreuzfahrer mit Erfolg wieder beginnen zu können, so neckte er den König Ludwig durch eine spöttische Botschaft, indem er ihm melden angeführten Brief an die Königin Bianca schrieb. ^.ckältLmeutL acl ZVlLttU. raris x. 166. 66) Ouiäonis Lxist. x. 168. 67) H IiLrous gui. äcussent gar- äer 1e leur xonr Kien emxlo^er eu Neu et cu teils, so iu.-jst.reut L ckou- uor les Arsus mangors er los outra- xeusos visuckes. loiuviUe x. 56. 57. 6g) Als Ludwig nach der Rückkehr auö der Gefangenschaft vielen Pilgern den Abschied gab, und Joinvtlle ihn nach Verursache fragte, so gab der König zur Antwort: guo il. Lvcüt trouve äe cerreiu, HN0 LU gier ä'uno xierre uienue eutour son xaveillou tenolent eil leur boräiLus ü Hui il avoit äono eonssiö, et ou temxs üu xlus ssraut mesclüek gue l'ost eust oucfuos esttr. loiuviUo P. 57. IoiN- ville bemerkt ebendaselbst, nachdem er über Die Schwelgeren der Barone geklagt hat: I-o cowwuu xeuxle »e ^rist Lus soles (sales) lemmes. 69) üoiuLuü I5xtra1rs x. H6Z. 118 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IV.' ^ 2 «.^ ließ, es wäre überflüssig, daß die Kreuzfahrer Ackergeräth- schaften^°) aus ihrer Heimath mitgebracht hatten, das Land würde, ohne daß sie es anbauten, für die Zeit, welche sie in Aegypten zuzubringen hätten, ihnen so viel Getreide gewähren, als sie bedürften. Worauf Ludwig mit Ruhe und Würde antwortete: „Die Zeit meiner Ankunft in Aegypten konnte ich, so viel an mir lag, bestimmen, und mein Gelübde und mein Schwur verpflichteten mich, hierher zu kommen; nicht aber legt mein Gelübde mir die Verbindlichkeit auf, zurnckzukehren, und die Dauer meines Aufenthalts ist ungewiß, darum habe ich mit demjenigen mich versehen, was nützlich und nothwcndig ist." Bald hernach kam eine andere Botschaft des Sultans mit dem Anträge, die Kreuzfahrer möchten an dem Tage, an welchem sie das Fest des Täufers Johannes feyerten, sich an einem Orte, welcher verabredet werden sollte, einfinden und mit den Muselmännern um den Besitz des Landes kämpfen^'). Auf diesen Antrag erwiederte Ludwig: „Ich bin nicht gesonnen, nur an diesem oder jenem Tage wider den Sultan als den Feind des christlichen Glaubens zu streiten, sondern ich fordere ihn heraus für morgen und für jeden Tag meines Lebens und werde so lange ihn bekämpfen und keine Ruhe ihm gönnen, bis er seiner selbst sich erbarmt und zu dem Herrn sich wendet, welcher will, daß alle Menschen selig werden, und Allen de» Schooß seiner Barmherzigkeit öffnet." Die Sara- cenen säumten nicht, diese Herausforderung anzunehmen, 70) läcm Ilex attulit sccniri ar». tra, lixone», tralme er alt» instiarna instrunwirts. Oinno ä« Uurscjo lu IVlatuIraci I'-irts aäditaiueirtis 11.169. Wgl. iVtattsi. varis g. 77S. Mattbäus Paris setzt ln der letzter» Stelle diese Botschaft nach dem Antritte des Zuges gegen Kahirah, alS das französische Heer schon an Lebensmitteln groben Mangel litt. Bald hernach soll der Sultan Eiub gestorben seon. 71) Lniciouis Lgist. g. r6g. 2oin- vikle erwähnt dieser betiden Botschaften des Sultans nicht. 119 Kampfe wider die Sarareneir. und eine zahlreiche saracenische Reiterei griff das Lager der^A^ Christen vor Damiette von der Landseite an. Ein strenges Gebot des Königs befahl aber den Kreuzfahrern, sich auf die Vertheidigung des Lagers zu beschranken und nicht wider die Feinde zu rennen; und nur der Connetable von Frankreich, Jmbert von Bcaujeu, und der Meister der Armbrustschützen stellten mit dem größten Theile der königlichen Waf- fenserjanten außerhalb des Lagers sich auf, um dasselbe zu schützen. Als Joinville es wagte, zu dem Könige sich zu begeben, welcher, umringt von seinen vertrauten Rittern^), mit seiner völligen Waffcnrüstung angethan auf einem Lehnstuhlesaß, und zu bitten, daß ihm erlaubt werden möchte, mit seinen Rittern wider die Saraceneu außerhalb des Lagers zu streiten und die Feinde von einem Angriffe auf die Zelte der Kreuzfahrer abzuwehren: so fuhr ihn der Ritter Johann von Beaumont mit heftigen Worten an und befahl ihm im Namen des Königs, sein Zelt nicht anders zu verlassen als auf ausdrücklichen Befehl. Der Ritter Ganchier von Antreche aber kehrte sich nicht an das königliche Gebot, sondern waffnete sich in seinem Zelte mit Schwert, Harnisch und Helm, bestieg sein Schlachtroß, einen muthigen Hengst, erhob sein Panier und rannte für sich strlers k tour 1 e x> 1 ns cles sersans ü srmes Io llov. lolnville p. 87. 78) ll.es xrouclommes olievaliers ville 1 - c. Weiter unten (x. §o) nennt Joinville diese Ritter: los le ilo;-. Dieser Ritter waren, wie Joinville weiter unten bemerkt, acht, und unter ihnen waren Gottfried von SergineS, Matthias von Marly, Philipp von Nanteuil und der Connetable Jmbert von Beauieu: sie waren» fügt Joinville hinzu : tour: l>ons vlre- vallers gul Lvoieirt cu xris -l Limes üeSL (üe^a) mer et üela et tlcx olie- VLlieis sololt Von Lxxeller (dons) olievaliers. 74) Soaiir snr une forme, folit- vllle a. a. O. Isormes sformae) hießen bekanntlich dis Sitze ssralll oder Stalle) der Chorherren auf dem Chore. Ducange erklärt daS Wort, ohne seine Erklärung zu begründen, durch dm- val clo vataUlc, Zu Joinville x. 6 z. 120 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. IV. allein wider die Türken; bevor er die Feinde erreichte, stürzte jedoch sein Hengst und rannte über den Leib des Ritters hinweg mitten unter die Saracenen, welche auf Stuten ritten. Worauf die feindlichen Reiter herankamen und vorbereitend den noch auf dem Boden liegenden Ritter mit ihren Keulen jämmerlich schlugen; endlich befreiten der Con- netable und einige königliche Serjanten den unglücklichen Ritter aus der Gewalt der Feinde und führten ihn an den Arme» in sein Zelt, wo er sprachlos anlangte. Die Chirurgen und Aerzte des Heeres ließen zwar, keine Todesgefahr für ihn ahnend, ihm an beyden Armen zur Ader; als aber am Abende Joinville und der Ritter Aubert von Narcy in das Zelt des Ritters Gauchier kamen, um ihren Waffengefährten, welcher als einer der tapfersten Ritter in hoher Achtung stand, zu besuchen: so mahnte sie dessen Kammerling, leise zu gehen und seine» schlafenden Herrn nicht zu wecken, und da sie seinem Lager sich näherten, so fanden sie ihn schon entseelt. Der König, als er den Tod des Ritters vernahm, sagte, daß er nicht Tausend solcher Ritter haben möchte, welche an seine Befehle sich nicht kehrten. Größeren Schaden als durch solchen offenen Angriff fügte der Sultan den Kreuzfahrern dadurch zu, daß er unzählbare Scharen von Arabern aussandte, welche das Lager des Königs von Frankreich in derselben Weise als ehemals das Lager des Cardinals Pelagius und des Königs Johann von Jerusalem umschwärmten, jede Gelegenheit, den Christen zu schaden, wahrnahmen und nicht 73 ) Während seine Leute l-r meg- lieber den damaligen Gebrauch des nie), sagt Joinville, seine Losung Pclzwerks zum Lager s. die von Ou- riefen, nämlich: cUiasloitioii. cange zu Joinville S. 63 gesammel- 7ü) Oouverkovcrs (couvormre) cto tkN Stellen, mouu vor (vatr,. loiuviUe x, zg. 121 Befestigung der christlichen Lager. selten Gefangene hinweg führten ^). Andere Saracenen^^f' schlichen sich in der Nacht zu Fuß in das Lager der Christen^), erwürgten die Pilger, welche sie in den Zelten schlafend fanden, schnitten ihnen die Köpfe ab, weil der Sultan für jeden Christenkopf einen Eoldbyzanz bezahlte^), und entkamen aus dem Lager, bevor der Tag anbrach. So fand man in einer Nacht die Leiche des Pilgers, welcher vor dem Zelte des Counetable Wache gehalten hatte, ohne Kopf ausgesireckt auf einem Tische. Der König befahl daher, daß die Nachtwachen nicht mehr zu Pferde, sondern zu Fuß gemacht werden sollten, weil die Saraceuen mit großer Schlauheit und Keckheit im Rücken der Pferde sich einzuschleichen wußten; und die Wachtposten des christlichen Lagers wurden so sehr vermehrt, daß der eine den andern berührte. Ungeachtet aller Widerwärtigkeiten, welche die Pilger in ihren Lagern bey Damiette zu ertragen hatten, faßte Ludwig den Beschluß, die angenommene Stellung so lange zu behaupten, bis die Ueberschwemmung des Nils, welche eben damals begonnen hatte, ihr Ende erreicht und 77) Ncinnnst Lxtraits x, qM. Nach Der Erzählung des Dschcmaleddin wurden am Ende des Nabt el ewwel des Jahrs Ü47 . x. 788 ) : Solltniius Ibcir in xulilico vooo l>rneooni3 neolnmsri, nt guicnmigrio NLl>iit Liiristiniii Slbi xrneseninrcr, iteoem rnlentn xr-ietcr consnetn er l-notn srixeiiliin; gnicrimgne iiinnnin äcxtcrnm, giiingiio'; gilt vorn xe- üom, stiio xro xraomio gintniirer rexortnrer. 80) Oomitis Ltioimr, existola xi. iSZ, 122 Geschichte dev Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IV. °i» 4 A.^seili Heer durch die Ankunft des Grafen von Poitiers mit den ihn begleitenden Pilgern b*) die erwartete Verstärkung erhalten haben würde. Sobald dieser Beschluß gefaßt worden war, so ließ der König mit großer Raschheit das Lager durch hohe Walle und tiefe Graben schützen; und diese Walle wurden, so wie auch die Eingänge des Lagers, vornehmlich wahrend der nächtlichen Zeit durch zahlreiche Posten von Armbrustschützen und Fnßknechten bewacht Diese Maßregeln hatten die vollkommene Sicherung des christlichen Lagers gegen die Anfälle der Saracenen zur Folge, und in dieser Zeit der Ruhe beschäftigten sich die Kreuzfahrer auch mit der Ausbesserung und Verstärkung der Mauern und Bollwerke von Damiette Die Lager, welche der König Ludwig an beyden Ufern des Nils errichtet hatte, füllten sich mittlerweile immer mehr mit Bewaffneten; denn seitdem die Kunde von der glücklichen Landung der Franzosen in Aegypten sich verbreitet hatte, beeilten sich nicht nur manche Pilger, welche bis dahin ihre Wallfahrt verzögert hatten, dem Heere sich anzuschließen, welches auf so wundervolle Weise des göttlichen Segens gewürdigt worden war; sondern auch viele Hospitaliter und Templer und andere syrische Ritter b») kamen gl) flul amenolt 1'arlöro da» de 1'raiice. foiuvllle x. Z8. g 2 ) foiuville I'. 38- Ly. LZ) Uciuaud Lxtralts x. 457. 84) 6»idouis Lxist. x. lüg. Unter der militia de xarlidus doiniitl de Villa Ilcrlewinl , welche nach dieser Stelle Len französischen Kreuzfahrern sich anschloß, isi sicherlich keine andere als die Ritterschaft des heiligen Landes zu versiehe», und die viiia Hc» Icwinsi scheint nichts anders als das Schloß Jbelin zu sevn- Jvinvllle (x. 36) klagt dagegen, Laß zum Nach- theile des Pilgerhecrs sehr wenige Kaufleute auS der Fremde anlangten, wovon er den Grund angiebt', daß die Leute des Königs allzuhohc Miethe für die Waarenlager und Buden forderten: 1,0s geil» 1c Hoi c^ul dcus- seut dedonalrcnicut retenir sie» war- drauds, setzt dis 'Ausgabe von Du- cange hinzu, et gen» sulvaut I'ost aveo leurs denrees et niaveliandl- scs), loereut 1 c» estaus (etaux, statu» im Lgt.) aussi clilers, si counue 123 Ankunft neuer Pilger. nach Aegypten, um mit den französischen Kreuzfahrern wider die Saracenen zu kämpfen. Auch der Graf von Salisbury, Wilhelm von Longaspatha, Oberhaupt aller damaligen englischen Kreuzfahrer, welcher im Monate Julius aus England abgefahren war, kam mit zweyhundert Rittern nach einer schnellen und glücklichen Fahrt bcy Damiette an^). Dagegen erweckte die Verspätung der Ankunft des Grafen Alphons von Poitiers große Besorgnisse Key den französischen Pilgern. Als nach dem Eintritte des Oktobers „och keine Nachricht über die Fahrt des Grafen und der ihn begleitenden Pilger zu dem Heere gelangt war, so begab sich Joinville zu dem päpstlichen Legaten und erzählte ihm, daß die Vittfahrten, welche an drey nach einander folgenden Sonnabenden während seiner Meerfahrt auf dem Schiffe, auf welchem er mit dem Grafen von Salebrüche sich befunden, wären angcordnct worden^), seine glückliche Ankunft in Cypern noch vor dem dritten Sonnabende zur Folge gehabt hätten. Worauf der Legat ebenfalls drey Vittfahr- ten anordnete, welche an drey Sonnabenden nach einander gehalten werden sollten, um die glückliche Ankunft des Grafen von Poitiers von Gott zu erbitten. Nachdem zwey solcher Bittfahrten aus der Wohnung des Legaten nach der großen Kirche unserer Frauen gehalten worden waren, und der päpstliche Legat nach den Bittfahrten in jener Kirche in erbaulichen Predigten zu dem Könige und den anwesenden Baronen geredet und ihnen die Vergebung ihrer Sünden verkündigt hatte: so erfolgte noch vor dem dritten Sonn- 1'en. äisoit, eonnne 11 xorenr; ek liour ce Irr. renonnnee sonru. on estranzes terres, äonr inaint inar- ciieanr lessivrenr a veuir en 1'osr. 85) IVlLttkaeus karis aä a. 1249. t>. 7Ü7. 86) ynanr 1a Saint Heini (r. Oct.) Zn xassee. Zoinville 39. 87) doinment 1e äien (äo^en) äs IVlalrur (IVlarn.) nons avoit laik Zaire irois xrooessious en 1a rner. lolnvillo ci. a. O. 124 Gesch. b. Kreuzz. D.VIH. K. IV. Ankunft neuer Pilger. atzende b«), am Sonntage vor dem Feste der Apostel Simon -4.Oct.ulid Juda, die glückliche Ankunft des Grafen Alphons, welcher um St. Johannistag mit einem zahlreichen Heere seine Kreuzfahrt angetreten und am Tage nach St. Bartholo« -s.Aug.mauS zu Aiguesmortes sich eingeschifft hatte 22 ). Sammt- liche Pilger aber opferten Gott dafür ihren inbrünstigen Dank, daß der Graf nicht früher angekommen war, weil ein heftiger Sturm, welcher in der Zeit der Vittfahrten an der Küste von Damiette getobt und hundert und zwanzig große und kleine Schiffe zerstört hatte, den Grafen und dessen Leute in große Gefahr gebracht haben würde?°). 88) loinvillo a. a. O. 89) 6»i>. ste dlaug. x. ZZ4. Vincent. DcNov. xxxi. 98 - Eine Wer» ordnung deü Papstes,'.welche Michaud l List. , 3Z8 1 aus dem Inventaire än üresor ücs eltartres anführt, denn in der ebenfalls von ihm angeführten Labbe Men Conciliensammlung steht sie nicht, hatte bestimmt, dag dem Grafen von Poitiers zum Behufs seiner Ausrüstung zur Kreuzfahrt nickt nur das Geld, mit welchem Kreuzfahrer ihr Gelübde abkauften, sondern auch die Summen, welche in Testamenten für fromme Werke, ohne nähere Vorschrift der Verwendung, auSgesetzt wurden, überlasten werden sollten. Mit solchen Geldern batte also der Graf die Kosten seiner Rüstungen zum Theil bestritten. yc>) loinvilie a. a. O. Auch die Lclation manusvilte (bcy Michaud ll, IV. x. 264. S6z) erwähnt eines Sturms, welcher am Feste des bell. Lucas (i8. Oct.) überall auf dem Meere tobte und in allen Häfen jen» seit des Meers eine gcoge Zahl von Schiffen zerstörte. Zug dev Pilger gegen Kahirah. 125 Fünftes Kapitel. sobald der Graf Alphons von Poltiers im Lager vor^«? Damiette angekommen war, so berief der König Ludwig zu sich die Barone und hielt mit ihnen Rath über die fernere Führung des Kriegs '). In diesem Kriegsrathe waren der Graf Peter von Bretagne und die meisten andern Barone der verständigen Meinung, daß es das beste Mittel wäre, zu dem sichern Besitze von Aegypten zu gelangen, wenn zuvörderst Alexandrien erobert würde, weil diese Stadt mit einem trefflichen und für die Schiffe, welche dem Heere Lebensmittel zuführten, sehr bequemen und sichern Hafen versehen wäre 2). Wenn dieser Rath wäre befolgt worden, so würde der König Ludwig durch den Besitz von Rosette und Alerandrien, nachdem schon Damiette in seiner Gewalt war, Herr der ganzen ägyptischen Küste und aller wichtigen Häfen derselben geworden seyn; und seine ferneren Unternehmun- l) loinville p. Z9. Als dev Ritter Guido durch seinen Vetter Guischard, welcher nach Frankreich zurückkehrte/ seinen Brief nach Paris beförderte/ dauerten diese Berathungen noch fort: Optimales nostri, yuanäo Iiaeo sori- kebantur, consilium liadueruiit euru traeratn äi1i§eiiti, irr xroximo in- vaäere ^.lexsuärisiL vel Dab^lo- inäo, u.escimu.8 aäliuo. Oum anreiri Iaetu.ru luerit, voliis vita eomito siAuilioadrmus. ^.ääitam. IVIattlisei Z?aris p. 168. 2) (^ue äevaut 1a. ville avoir dorr port, 1ä vu les ne« arriveut apxortent les viauäes cn l'ost. loiuvüle 1. e. 126 Geschichte der Kreuz zöge. Buch VIII. Kap. V. ^ 24 s?gen würden eine sichere Grundlage gewonnen haben. Un- glücklicherweise aber fand dieser verständige Rath bey dem Könige kein Gehör, sondern Ludwig gab den Vorzug der Meinung des Grafen von Artois, welcher erklärte, daß er zu keinem andern Unternehmen seine Zustimmung geben würde als zu der Eroberung von Kahirah, der Hauptstadt des Landes, weil jeder, welcher eine Schlange tödten wollte, deren Kopf zertreten müßte 3). Am 20. November setzte sich also das Heer der Pilger in Bewegung und nahm denselben Weg gegen Kahirah, auf welchem das Heer des Cardinals Pelagius und des Königs Johann von Jerusalem seinem Verderben entgegen gegangen war. Der päpstliche Legat Odo und mehrere Bi-, schüfe und andere Geistliche, so wie die Königin Margaretha, die Gräfinnen von Artois, Anjou und Poitiers, und die übrigen vornehmen Damen, welche ihre Gatten auf dieser Kreuzfahrt begleiteten, blieben in Damiette, und die Bewachung dieser Stadt wurde einer ansehnlichen Zahl von Rittern und Fußvolk übertragen *). Das Heer, mit wel- g) Olli voiilml tucr xrcmicr Ir seixcnt, lt 11 ücvoit 000 o loi.ot (ooiooot) 1e oiiool. toiovil.o 1. 6. q) Lxislola S. I.lläovici cio va- xtiono et iiiler-tliono sioi Ni Olt Oiresne Scrigtorid. rer. bell. öl'. V. x. 42g — 4z2. Diesen Brief haben Wilhelm von Nangis und Vincenz von Bcauvais wörtlich in ihre Erzählung ausgenommen. 6nil. cio Dlsng. x. ZZ4. Vincent. LeUov. XXXI. gg. Nach Joinville l?- SS) geschah der Aufbruch cn 1'enrree cles Hävens. Der erste Adventsonutag siel Im Jahre ,249 auf Len ag. November. Nach der I.ciaiion MMIN- ecrito (be» Michaud r. IV. x. 267) lieg der König die Schiffe, welche auf dem Flusse dem Heere folgen sollten, am Feste der heil. Cacilia (re. Nov.) in Stand setzen laxgaieilici). Nach den arabischen Nachrichten llicinmist. Lxtiaics i>. 4L7) brachen die Kreuzfahrer erst dann von Damiette auf, als sie den Tod des Sultans Club erfahren hatten. §) lilattit. I-iiris aci 3. i 2 zo. x. 7ZZ. 787 . Nach eben diesem Schriftsteller wurde auch dem Herzoge von Burgund die Bewachung von Damiette übertragen, was aber unrichtig ist: vgl. Joinville x. 46. Nach der Angabe von Michaud ( 1 . IV. x. 2S7), welche vielleicht aus der liclatioir Zug der Pilger gegen Kahirah. 127 chem der König Ludwig es unternahm, in das Innere von^A? Aegypten vorzudringen, zählte nicht weniger als sechszig Tausend Streiter, unter welchen zwanzig Tausend Ritter sich befanden, und eine beträchtliche Flotte von großen und kleinen Schiffen, welche dem Heere Lebensmittel, Waffen, Kriegsmaschinen und anderes Heergeräth nachführten, bedeckte den Nilstrom ^). Die Pilger fanden das erste Hinderniß in einem kleinen Kanäle, welcher unfern von Damiette bey Fariskur von dem Nile auslief ^), und Ludwig beschloß, durch diesen Kanal einen Damm zu führen, was ohne große Schwierigkeit in Einem Tage bewirkt wurde Als das christliche Heer über den Kanal von Fariskur D ging, so zeigten sich zwar fünfhundert auserlesene saraccnische Reiter, jedoch ohne den Pilgern sonderlichen Schaden zuznsngen. Von keinem Schriftsteller wird die Ursache angegeben. «irniisciits entnommen ist: De roi avolr laisse ä vamicrre eine gariii- soii SONS les orilros w Olivlei äs lrliermes. Nach einer Nachricht des Mattbäus Paris (p. 79s) befand sich Olivicr zwar mit seinen Leinen . I2go. x. 7g3) bemannt mit Pisanern, Eenuesern und Pilgern aus Flandern, Poitou und der Provence. 7) Es ist dieser Canal ohne Zweifel derjenige, an dessen nördlichem Ufer Fariskur liegt, und dessen In der Geschichte des Kreuzzugs vom I. 1219 öfter Erwähnung geschieht.' Vgl. Geschichte der Kreuzz. Buch vii. Kap. y. S- aüo. Slum. igs. S. Anm. 23S. 6 ) D'eii hoirolia le clir 1)722 762 L rv2 sie 1-i granr rivieic. lolirvllle x. 40. Vgl. i>. 41. 9I Reinaucl Lxtraits x. 457. liebet! Fariskur l Fareskur) vgl. Gesch. dev Kreuzz. Buch VII. Kap. y. S>. 236. Anm. 75. Kap. ir. S. 320 und ebendaselbst Anm. 13. Dag die saracenie scheu Reiter, welche bey Fariskur sich zeigten, Vorgaben, sie wären gekommen , um dem Könige zu helfen läi- SLI1S 211 1107 gii'lls esroienr veim 2 xoiir le secomir lut er roiirscm osl, Wils o'esroir seulemerir 90117 äolaler nestle venire), was der von Du- cangs herauSgsgebene Text (9.3s) hinzufügt, ist so offenbar eins spätere und unstatthafte Interpolation, dag sie keine Berücksichtigung verdient. I. Ehr. l»4S- 128 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. V. welche den König Ludwig bewog, in der Nahe von Fariskur mehrere Wochen zu verweilen. Ein schnelles Vorrücken würde um so vortheilhafter gewesen seyn, als der Tod des Sultans Nadschmeddin Ejub,, welcher am 21 . November zu Mansnrah starb *°), ein für die Unternehmung der Christen höchst günstiges Ereigniß war. Wenn auch die Nachricht von dem lange erwarteten Tode des Sultans damals noch nicht zu dem Könige Ludwig gedrungen war, da die Witwe des Sultans ") mit kluger Vorsicht") den io) Am Sonntage Len 14. Schavan 647. ungefähr im 40. Jahrs seines Alters und im zehnten seines Reiches. Abulfeda IV. x. 502) schildert den Charakter des Sultans Ejub auf folgende Weise: „Er war ein Fürst von großem Ansehen und hohem Sinns, enthaltsam, keusch in Rede und That, sehr ernsthaft und von wenigen Worten; er nahm mehr türkische Mamluken in seinen Dienst als irgend ein anderer Fürst seines Geschlechts, dergestalt, daß der größte Theil der Emirs seines Heers aus Mamluken bestand. Einem Lheile dieser Mamluken übertrug er die Bewachung seines Palastes (Oolrlis, was eigentlich Dorbof bedeutet) und nannte sie die Babarischen (weil sie auf der Insel Nudah im Nilflusse, welchen die Araber Bahr, d. i. Las Meer, nennen, Kahirah gegenüber, ihr Standquartier hatten). Niemand wagte anders zu ihm zu reden, als wenn er gefragt wurde, und keiner nahm es sich heraus, in seiner Gegenwart eine Rede zu beginnen. Die Bittschriften wurden ihm von Len Eunuchen vorgelegt, dann schrieb er darauf seinen Beschluß, hierauf erfolgte die Ausfertigung, und keiner an seinem Hofe machte irgend ein Geschäft ab, ohne diesen Gang der Sachen zu befolgen. Er liebte sehr die Baukunst, erbaute die Burg auf der Insel lRudah), die Stadt Sale- hiaü, welche er nach seinem Namen (Malek assaleh) benannte, und in derselben mehrere Jagdschlöffer; auch erbaute er ein großes Schloß zwischen Misr und Kahirah, welchem er Len Namen Kabsch gab. Seine Mutter war eine Schwarze." Abulmahafen (in Reinsuä Lxtraits x. 454) fügt noch hinzu, daß der Sultan, wenn er zornig war, kein anderes Wort des Vorwurfs gebrauchte, als : Ach! Fauler; daß er völlig unempfindlich für die Musik war, zwar den Umgang mit frommen Männern, aber nicht die Beschäftigung mit Büchern liebte, am liebsten einsam war und durch das Ballspiel (Io Zen Le mail) zuweilen sich zerstreute. n) Sie hieß Schadschar ed-dor, d. >. Perlenbaum, und war nach Abulfeda (l. 0. x« 5 <> 4 , vgl. x. 546) eins Sklavin LeS Sultanö Ejub, und türkischer oder armenischer Abkunft. 12) Aus Furcht vor Len Franken, sagt Abulfeda a. a. O. 129 Zug der Pilger gegen Kahirah. Tod ihres Gemahls verborgen hielt und nur dem Emir^Ar Fachreddin und dem Obersten der Verschnittenen davon Kenntniß gab: so hätte doch den König Ludwig die Uuthä- tigkeit der Saracenen ahnen lassen können, daß eS ihnen an einem kräftigen Haupte fehlte. Zwar hinterließ der Sultan Ejub einen Sohn, den Malek al moaddhem Tnranschah; dieser war aber damals abwesend und hatte als Statthalter von Harran, Edessa und anderen Städten von Mesopotamien seinen Sitz zu Hesn Kaifa Auch hatte Tu- rauschah, welcher ein höchst leichtsinniger Jüngling war, so wenig das Vertrauen seines Vaters gewonnen, daß Ejub ihn nicht zu seinem Nachfolger ernannte, sondern dem Statthalter Husameddin von Kahirah den Auftrag gab, im Falle seines Todes das Reich von Aegypten der Verfügung des Khalifen anheimzustellen, damit derselbe das bedrohte Land den Händen eines würdigen und fähigen Fürsten übergeben möchte*"). Diese Lage der Dinge benutzte der ehrgeizige Emir Fachreddin zur Erreichung seiner herrschsüchligcn Absichten, indem er sich nicht begnügte mit der Würde und Macht eines Atabek oder Reichsverwesers, welche ihm die Witwe des Sultans Ejub übertrug, sondern den Prinzen Tu- * rauschah von der Nachfolge auf dem Throne auszuschließen sich bemühte und einem jungen Prinzen Namens Omar, aus der Nachkommenschaft des Sultans Malek al Adel, welcher damals zu Kahirah erzogen wurde, den Titel eines Sultans zuznwenden dachte, um unter dessen Namen mit unbeschrankter Gewalt zu herrschen. Dieser Plan wurde jedoch vereitelt durch den Widerstand des Statthalters Hu- sameddin, welcher sich der Person des Prinzen Omar be- iZ) annale? inosl. 1. o. x>. Z04. 14) Leiulruü LxriAirs x. 456. Vil. Band. 130 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. V. 2 -^vr. macht,'gte, und durch die Anordnungen der verwitweten Sultanin, indem sie einen Boten an Turanschah sandte, ihn anfforderte, schleunigst nach Mansurah zu kommen, und selbst die Truppen auf eine geschickte Weise bewog, dem Turanschah den Eid der Treue zu schwören, ohne ihnen das Geheimniß von dem Tode des Sultans Ejub zu offenbaren"). Mittlerweile blieb im Lager der Saracenen Alles in derselben Ordnung, als ob der Sultan noch lebte; die Emire versahen ihren gewöhnlichen Dienst, das Zelt des Sultans wurde täglich errichtet, die Tafel des Sultans in gewohnter Weise besorgt, sogar in den Befehlen und Anweisungen, welche erlassen wurden, fehlte der Namenszug ") des Sultans Ejub nicht, welchen ein Verschnittener mit großer Geschicklichkeit auf eine täuschende Art nachahmte, und es wurde vorgegeben, daß der Sultan nur durch Unpäßlichkeit verhindert würde. Besuche zu empfangen. Sogar der Statthalter Husameddin wurde erst durch die Anmaßungen und Willkührlichkeiten des Emir Fachreddin zu der Ver- muthung geleitet, daß der edle Sultan Ejub, welcher ungeachtet der Gebrechlichkeit seines Körpers sein Ansehen geltend iz) Loinausi Lxtraits x. 45Z. 4Z6. Abulfcda erwähnt dieser herrschsüch- tigen Absichten des Emirs Fachreddin nicht/ sondern berichtet vielmehr sa. a. O. x. Lo6>, daß der Emir an Malek al moaddhem Turanschah schrieb und Ihn aufforderte/ nach Mansurah zu kommen. Joinville (x. 42) nennt den Emir Fachreddin: Saeoeäiue le Ms an Sein (Ebn asch-Schaich), und be, haupret/ daß Ihn der Kaiser Friedrich zum Ritter geschlagen habe. Weiter nnrcn (x. 4 L) erklärt er den von Ihm angegebenen Namen des Emir Fachreddin durch: der Alte Sohn des Alten (Io veel le siln LU vecl), und fügt hinzu, Laß das Panier deS Emirs aus zwei) Banden bestand, in deren einer er das Wappen deü Kaisers Friedrich und in der andern das Wappen des Sultans von Halsb (Haraxe) führte. l6) Die Jlamch. LchuikesiL I. a. x. S04. Der Sultan nannte sich in seinem Namenszugs: Ejub, Sohn des Mohammed, des Sohns Abubekr. Durch Mohammed bezeichnte er (mit Beziehung auf den Propheten und dessen ersien Nachfolger) seinen Dater Malek al Kamel, und durch Abubekr seinen Großvater Malek al Abel. UciuLuä x, 4L5. 131 Zug der Pilger gegen Kahirah. zu machen gewußt hatte, nicht mehr unter den Lebenden ^Ar- seyn möchte "). Erst am Feste des heiligen Nikolaus hoben die Kreuz-s.D-cbr fahrer ihr Lager bey Fariskur auf und setzten sich wieder in Bewegung. Der König Ludwig hatte zwar auf das strengste geboten, daß auf dem Marsche kein Pilger die Schar, zu welcher er gehörte, verlassen und mit den Sara- cenen in einen Kampf sich einlassen sollte. Als aber die Templer, welche die Vorwache des Heers übernommen hat- i?) Matthäus Paris c »st ->. 1250. I>. 775 - und noch einmal x. 788) redet von einem Friedensantrage, welchen der Sultan Ejub dem Könige von Frankreich, als das christliche Heer von Damiette aufge- drochen war, gemacht haben soll. Ejub bot nämlich für die Zurückgabe von Damiette mit allem Zubehör k aum siistcictamentis, gnao garne- ktnras vulgares axgellaut) tind allen daselbst aufbcwahrten gefangenen Sa- racenen die Wiedererstattung dcS hei, Ilgen Landes mit allen Christensklaven an. Oer König Ludwig sowohl alS einige französische Barone und alle geringen Pilger sollen der Meinung gewesen seyn, dag man diesen Antrag nicht zurückweisen dürfte, und nur der Gras von Artois (welchem Matthäus Paris überall nicht gewogen ist) soll dis Annahme desselben verhindert haben, indem er darauf drang, dag man auch dis Abtretung von Alexandrien fordern mllgte. Worauf der Sultan antwortete, Lag er eins so wichtige Stadt (rcocxtaou- lum omaium mercatorum ^mstra- lium et Oiieutaiium ) nicht abtreten könnte, und auch die Einwohner derselben die Abtretung an die Christen sich nicht gefallen lassen würden. 2 n der zweyten aus einer andern Quelle geschöpften Erzählung fügt Matthäus Paris hinzu, daß der Sultan auch einen freyen gegenseitigen Handels- et i-aviüoa) angctragen habe. Auch mißt er in dieser Erzählung nicht dem Grafen von Artois, sondern dem päpstliche» Legaten die Schuld davon bey, dag der Friedensoertrag zurück- gewissen wurde ( lttiia xaois kormae ex kagae ruanäato, guock ewm anii- rnaverat, si körte Iiaeo otlerreirr Sar- rsoeiri, reiiclUs erat legatns et kroir- tose contraäixit ). Wenn man auch gegen diese Nachrichten nicht einwen- den will, dag der Sultan Ejub damals schon todt war, indem der Antrag unter den vorhin erzählten Umständen von dem Emir Fachreddin im Namen des Sultans sehr wohl gemacht werden konnte! so ist es doch nicht zu übersehen, dag dieses Frie- densantrags von keinem andern, weder abendländischen noch morgen- ländischen Geschichtschreiber Erwähnung geschieht, und ich halte denselben aus diesem Grunde für ein sehr zweifelhaftes Factum. J2 4.V Geschichte der K re » z zügc. B n ch VIII. Kap. V. teil, angegriffen wurden, und ein Templer vor den Füßen des Rosses, auf welchem der Meister der Templer, Rainald von Bichiers, ritt, durch einen Türken von seinem Pferde herab auf den Boden geworfen wurde, so rief der Meister: ,,Mit Gott wider sie, denn solches kann ich nicht dulden Hierauf gab er seinem Pferde die Sporen und rannte wider die Türken, und die ganze Ritterschaft der Pilger folgte seinem Veyspiele. Da die Rosse der christlichen Ritter noch frisch, die Rosse der Türken aber schon ermüdet waren, so gewannen die Pilger mit Leichtigkeit den Sieg; eine große Zahl der Türken wurde erschlagen, diejenigen, welche dem Schwerte der Ritter des Kreuzes durch die Flucht sich entzogen, stürzten sich in den Nil und ertranken, und keiner der Türken, welche diesen Kampf unternommen hatten, entging, wie Joinville versichert, dem Verderben "). Hierauf rückte das christliche Heer nach Schar- .mesah vor aber die Bewegung desselben wurde ungeachtet 18) vr » onl7. äo x»r Oien, aar cv nv ponrraio-io xlns LoccHclr. loitt- villo x. 40. 19) Joinvills. sM dieses Gefecht auf de» 6. Oecember (Io jonr cie 1a St. dlicoigs) , .Dschemalcddin (bei) Uei- -naiul i>. 457) und Abulfeda (?. IV. I>. Zag) auf den I. Namadan 647 — 8. Dpcember 124g. ir s'ei>g!>Kc.t, sagt Dfchcmaleddin, ucc xromior vomdat oictro r-iimvo vlirvtieniio et los avaitt-xostes mnsttlm-tns, tilt ein 1t et xltislettrs solä-its x sotilkrirent Io illiiil^re. Abu Schamal» erwähnt (Ms. or. Uidliatltocao Ucroliit. 78itl , lolio) eines heftigen Gefechtes, in welchem Tempelherren et- umgekommcn scyn sollen, seht es aber vor den Einzug der Franken in Da- miette und macht sich vielleicht einer Verwechselung des Kampfes zwischen Fariskur und Scharmesah mit dem Gefechte auf dem Lände Dfchiscü schuldig. An dem letztem Gefechte hatten die Tempelherren, da sic erst nach der Einnahme von Damiene nach Aegypten kamen, keinen Theil. Nach dem Briefe des heil. Lndwig lp. 42g), Wilhelm von Nangiü (p- .854) und Vincenz von Beäilvais sg): lmLovious et cltticti-l- uiis exoroitns in ipso ttinere Scctr.t- siclue suotuirc äetrimontum non cno- lUcitm rccopernlit. 20 ) Oschemaleddin bev Rcinalld a. a. O. 133 Zug der Pilger gegen Kahirah. des gewonnenen Sieges nicht rascher als zuvor, erst nach^'A) einigen Tagen erreichte es die Stadt Baramun; am Dien- Oec. stage vor Weihnachten lagerten sich die Pilger am nördlichen Ufer des Kanals von Aschmum Tanah, der Stadt Mansurah gegenüber, an demselben Orte, wo die Kreuzfahrer, deren Führer der Cardinal Pelagius und der König Johann von Jerusalem waren, vor dreyßig Jahren ihr Lager errichtet und verschanzt hatten"), und der König Ludwig fand auf dieselbe Weise den Uebergang über den Kanal von Aschmum erschwert als der König Johann von Jerusalem, indem das Heer der Saracenen sowohl das südliche Ufer des Kanals als das westliche Ufer des Nilsiroms besetzt hielt, und eine zahlreiche feindliche Flotte unter den Mauern von Mansurah aufgestellt war"). Das Vordringen der Christen in das Innere von Aegypten hatte indeß sowohl in dem Heere der Saracenen als in dem ganzen Lande um so größeres Schrecken erregt, da auch die Kunde von dem Tode des Sultans Ejub sich verbreitet hatte; und die einsichtvollen Männer unter den Saracenen waren überzeugt, daß ganz Aegypten verloren wäre, sobald das muselmännische Heer genöthigt würde, nur den Marsch Eines Tages sich gegen Kahirah zurückzuzieheu. Der Emir Fachreddin erließ daher ein Ausschreiben, welches am nächsten Freytage von den Kanzeln der Moscheen zu Kahirah verlesen wurde und mit den Worten des Koran anhub: Kommt heran, arme und reiche, um für den Dienst Gottes zu kämpfen, opfert euer Gut und Vlut, denn ein Li) Oie niLitis ante nativitatem Domini. Ouil. äe Xan§. x. 554. Vincent. .Leliov. XXXI. 99. Nach Joinville (p. 43): 110ns vonimes 1a semuinc äcvanr d>oei. Rach Dsche, maleddiii: am iZ. Ramadan — 20 . Oe« cember, also um Einen Tag früher. 22 ) Dschemaleddin a. a. O, 2 z) Dschemaleddin a. a. O. x. 458- 24) Koran Sure IX. D. 4c ( 43 ). 134 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. V. ^24"'größeres Glück kann euch nicht zu Theil werden. Die Franke», welche Gott verfluche, sagte Fachreddin weiter in diesem Ausschreiben, sind gekommen, um unser Land zu verwüsten, und trachten Herrn desselben zu werden; es ist die Pflicht der Gläubigen, sich wider sie zu bewaffnen und sie zu vertreiben. Dieses mit einer eindringlichen Beredsamkeit abgefaßte Schreiben rührte, als es verlesen wurde, alle Anwesenden bis zu Thränen und erweckte einen solchen Eifer für die Verteidigung des Landes, daß aus der Hauptstadt sowohl als den Provinzen eine unzählbare Menge nach Man- surah zog, um mit dem Heere wider die Kreuzfahrer zu kämpfen Die Kreuzfahrer hatten zwar auf ihrem Marsche von Damiette bis zu dem Kanals von Aschmnm die Nachricht von dem Tode des Sultans Ejub vernommen ^); der König Ludwig entschloß sich aber dennoch zu keiner raschen Unternehmung, obwohl das Schicksal des Cardinals Pelagius und des Königs Johann von Jerusalem ihn hätte belehren können, daß er in einer höchst gefährlichen Stellung sich befand und keinesweges Herr dessen war, was im Rücken seines Heers geschehen konnte. Der König und seine Barone entschlossen sich vielmehr zu dem langwierige» Bau eines Dammes mitten durch den nicht schmalen Kanal von Aschmum "), st, der Ent- or) Dschcmaleddin <1. a. O. x. 457. 26) Lx-ixiols 8. Tnulovini, Onil. So dlsnA. und Vinn. UeNov. 1. 6. Joi, Wille erwähnt (x. 42) des TodeS dcü Sultans Eiub erg nach der Ankunft des HecrcS am Kanals von Aschmum. - 7 ) Jolnvills lx. 41. 4g) nennt diesen Kanal: le Nnin äe Il.ixi, und unterscheidet ihn, da wo er den Lauf dcS Nils beschreibt (x. 40. 41) und vier Arme angiebt (vuno äe res dranclrc» VS cn Osinlerre, 1 surre en ^lexrnärie, d. i. nach Rosette, irsxi), mit Recht von dem'Nilarme ThaniS (Ltencs), d. i. dem thaniti- schen oder dem Kanal MoeS (vgl. Carl Nitter'S Erdkunde Th. i. zweyte AuSg. S 327 ). Die exislols 8 . l,n- äovici, Wilhelm von NangiS und Vincen» von Beauvais, so wie auch Aufenthalt der Pilger am Kanal von Aschmum. 135 fernung fast einer halben Meile von dessen Auslaufe aus 2-Ar. dem Nilarme, um vermittelst dieses Dammes ihren Ueber- gang auf das entgegen gesetzte Ufer des Kanals zu bewirken; und zu diesem schwierigen und fast unmöglichen Unternehmen verleitete sie, wie Joinville behauptet, die Leichtigkeit, mit welcher es ihnen gelungen war, durch den kleinen und schmalen Kanal von Fariskur einen Damm zu führen ^). Sie zogen aber die Schwierigkeiten, welche dieser Unternehmung entgegcnstanden, da der Kanal von Aschmum bey sehr hohen Ufern ein sehr tiefes Bett hatte, nicht in gehörige Erwägung. Um ein solches Werk zu vollbringen, mußte nicht nur das Lager der Kreuzfahrer durch haltbare Ber- schanzungen gegen die Angriffe der Saracenen geschützt, sondern auch für die Sicherung der Arbeiter gesorgt werden. Helm von Nangls und VIncenz von BeauvaiS) karre kurenr aveuxles Io Rox et t0U2 los daraus äo l'ost; car xourcegue II avoieur douods 1'uu äes dras äu Hum, le^uel lirent legrsremeut, xouroe^ue rl prisrreut L douolrer 1a ou il xartoir äu §raur Num; er xar cesti Fair curälereur - ü doucder 1e klum äe Raxi c^ui estorr ja xarti äu granr Heuvo Irren äemi Irene aval. Joinville p. 42. 6ane, sagt Ludwig selbst ( Lprst. x. 42g)» guia memorarus llnvins l'Ira- neos non erat vaäadilis xropter irrvkunäiratem a^uarum et riparum altituäiuem, coexrrmus kacerc su- xer eurir caloraram nt ^ier eam garerer rransitns exeroitui Qlirlstlauo, aä Iroo multis äiedus cum immeu- eis ladoridus, perrculis et sumxtl- dus insistentes. Nach Herrn Mte chaud's Angabe er. iv. x. 271) batte der Kanal von Aschmum die Breite der Seine zu Paris. andere Schriftsteller der Kreuzzüge (vgl. Gefch. der Kreuzz. Buch vn. Kap.n.S.337. Anm.I4 und S. 339. Anm.58) nennen den Kanal von Aschmum unrichtig den thanittschen (Humen laplrneos, ^riiaueos), wozu ste der Veyname der Stadt Aschmum (eigentlich Oschmum, nicht Aschmum, Vgl. ^.dulkeäae ^eg/ptus eä. IVti- clraelrs x. Zl ) verleitet bat, welche zum Unterschiede von dem In Ober» Ägypten gelegenen Orte Oschmunain gewöhnlich Aschmum (Oschmum) La- nab genannt wird. Da Joinville übrigens weiter unten (x. 57) den Kanal von Aschmum also beschreibt: Io üum HUI Le xarroit äs nosrro ost, er en aloit vors une vrlle <^uo 1'en appellv Risri, so trage ich kein Bedenken, anzunehmen, dag mit dem Namen Rrsrl oder liexr die Stadt Aschmum Lanah bezeichnet werde. 26) cello cdaucioe (calciats in der Lpisrola 3. Luäovrci, bey Wil- 2. Ckir. i24y. 136 Geschichte der Keeuzzüge. Buch VIII. K a p. V. Ludwig ließ daher, so wie er sein Lager mit Wällen, Mauern und Pfadlwerk umgab ^), auch zwey Katzenthürme zum Schutze der Arbeiter gegen die Würfe der sechszehn Maschinen, welche die Saracenen am südlichen Ufer des Kanals aufgestellt hatten, erbauen und jeden derselben vorn mit einem Thurme und an der hintern Seite mit einem Wacht- hause versehen Auch ließ er durch seinen Kriegsbaumeister ?'), Joscelin von Cornant, achtzehn Wurfmaschinen verfertigen und gegen das feindliche Lager richten. Ludwig sah aber sehr bald, daß dem von ihm begonnenen Werke unüberwindliche Schwierigkeiten entgegentraten. Die Arbeit wurde zwar mit großem Eifer unternommen, und die Brüder des Königs selbst hielten am Tage bey den -S) Dschemaleddin a. a. S. S. 458. zo) Oe,IX dellcois'giio hon agxcllo clias - cliaski.ins, vsr ll LVoit 6e„x odastians clev.ant les alias et clenx inaisons äarlarcs les cliasteaus xonr convrir aeni/. gnl galotcroicnt (d. t. die Wache stielten) xonr les aolgrc äes engins ans Siirraxlns. loinvilie a. a. O. Ilellrol ldcutsch: Bergfried, vgl. Gesch. der Äreuzz. Buch VBeyl. S. Z 8 > hisst bei, den Franzosen eine Art von Sturmdach l Sturmkatze 1 oder ein gewöhnlich aus mehreren Stockwerken über einander oder Galerien bestehendes Gerüst, welches durch vier Ruder in Bewegung gc< setzt werden konnte, durch ein mit Leder überzogenes Dach gegen Feuer gesichert war und bey Belagerungen diejenigen schützte, welche die Mauern oder Thürme bcrannten. Vgl. die von Ducange zu Jvinville x. 6 ? folg, gesammelten Stetten. Solche mit Thürmcn versehene Sturmkatzen (oar- ti vastellati' , welche von den Franzosen auch cliats kaux genannt wurden, werden öfter in Len Geschichten der Belagerung während deS Mittelalters erwähnt, z. B. der venetianl- schcn Belagerung von Zara im Jahre -Zg 6 bey Johannes LuciuS . 70 . In dem Briese Ludwig ix. über seine Gefangenschaft und Vefreyung k x. 4-8) und darnach von Wilhelm von Van- gis und Vincenz von Vcauvais werden diese Katzenthürme aastella llgnca genannt. Zt) IVlestre englngneni. loliiville a. a. O. In dem Texte von Ducange (x. g 7 > wird dieser KriegSbau- meistcr los.elin cle llonruant genannt. Aufenthalt der Pilger am Kanal von Aschmnm. 137 Katzenthürmen Wache, so wie andere vornehme Ritter lu^^' der Nacht ^); aber auch der Emir Fachreddin ließ es nicht fehlen an Wachsamkeit und Thätigkeit, wodurch er den Schimpf vertilgte, welchen er durch seinen unrühmlichen Rückzug von Damiette nach Mansurah sich zngezogen hatte 3 ü). Kein Tag verging, ohne daß er die Kreuzfahrer in ihrem Lager beunruhigen ließ, fast täglich wurden mehrere Christen von den Muselmännern gefangen oder getödtet, und manche kecke Saracenen schlichen sich in das christliche Lager, schleppte» einzelne Christen aus ihren Zelten als Gefangene hinweg und retteten sich, wenn sie entdeckt wurden, schwimmend durch den Fluß"). Gleichzeitig wurde durch sechszehn große Wurfmaschinen, welche der Emir am südlichen Ufer des Kanals aufstellen ließ, das Lager der Kreuzfahrer und ihre Werke und Verschauzungen unausgesetzt mit gewaltiger Wirkung beschossen 3^); und die bey Mansurah aufgestellte saraceuische Flotte versäumte keine Gelegenheit, die christlichen Schiffe, welche dem Heere der Kreuzfahrer gefolgt waren, zu beschädigen; ein christliches Schiff, welches mit zweyhundert Mann besetzt war, wurde erobert, und ein anderes einige Tage später verbrannt 3^). Die Ritterschaft der Kreuzfahrer stritt, so oft es zum Kampfe kam, allerdings mit rühmlicher Tapferkeit, aber M) loinvillo x. 42. 33) Ioinville sagt daher mit Recht ( x. 4Z): ii broit 1 e xlus xrisis ckll route l?Lonniine, er leitet aber die Achtung/ in welcher Fachreddin stand, von dessen hohem Aller ab, indem er von den Saracenen bemerkt: oar vo sonr les Avus on nionclo INI xlns lionenrent gens Liioiennes xnis gn'il esl »insl llorscln'ilariive) gne Dien les » ^irciees cle viisin re- xrociie jnsgnvs vn lour vicilleeae. 34) Dschemaleddin beh Neinaud I>. 4L8. Es wird daselbst erzählt, daß ein Saracene seinen Kopf mit einer auSgehohlten grünen Melone bedeckte und damit über den Fluß schwamm; als ein Franke nach der Melone haschte, so ergriff der Saracene denselben und führte ihn gefangen hinweg. AZ) soinvillc l, o. Zü) Dschemaleddin a. a. O. 138 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. V. ^ 24 y"'jeder Kampf war mit bedeutendem Verluste verbunden. sz. Der. Schon am WeihnachtStage griff eine türkische Schar, welche bey Scharmesah'5) über den Nil gegangen war, das christliche Lager im Rücken an; der Seneschall Joinville befand sich gerade mit seinen Rittern im Zelte des Ritters Peter von Avalon bey einem Mittagsmahle, als das Geschrey erhoben wurde, daß die Türken von der Seite von Damiette im Anzuge wären und mehrere des geringen Volks ^), welche zu Fuß auf den Feldern gewesen waren, erschlagen hatten. Joinville und seine Ritter legten in größter Eile ihre Rüstung an, und als sie an den Ort kamen, wo das' Gefecht begonnen hatte, so sahen sie außerhalb des Lagers ihren Wirth, den Ritter Peter, welchen die Türken zu Boden geworfen hatten, in großer Gefahr; sie retteten ihn aber aus der Gewalt der Saracenen und führten ihn und seinen Bruder zurück in ihre Zelte. Auch die Templer, welche auf das Geschrey von dem Angriffe der Türken herbey gekommen waren, besorgten an diesem Tage die Hinterwache mit gewohnter Unerschrockenheit; gleichwohl drangen die Türken mit großer Keckheit sogar in das an dieser Seite noch offene christliche Lager ein und verließen dasselbe erst, nachdem sie mancherley Schaden gestiftet hatten. Der König Ludwig beeilte sich daher, das Lager an dieser Seite durch tiefe Graben zu schützen. Als bald hernach der König Ludwig durch seine Späher in Erfahrung brachte, daß der Emir Fachreddin wiederum einen Angriff auf das christliche Lager vorbereitete und mit Ruhmredigkeit verkündigte, wie er gedächte am Tage z?) ^ uno ville yui ose sur 1e 88) kluseurs xoures ßens. 7oin> Hurn äe Lixl (richtiger: am Arme vUIe p. von Damiette) yui » non SormoeLo. ZoLn viUo I. e. Aufenthalt der Pilger am Kanal von Aschmum. 139 deS heiligen Sebastian in dem Zelte des Königs von^Ar- Frankreich zu speisen: so wurde eine neue Eintheilung des Heers angeordnet. Der König übertrug dem Grafen von Artois die Bewachung der Katzenthürme und Kriegsmaschinen, dem Grafen von Anjou die Vertheidigung des Lagers an der vorder« Seite gegen Mansurah hin, und dem Grafen von Poitiers und der Ritterschaft der Champagne die Beschirmung der an der Seite von Damiette errichteten Verschanzungen 4°). Kaum waren diese Anordnungen getroffen, Januar so erschien im Rücken des christlichen Lagers ein zahlreiches saracenisches Heer, welches über den Kanal gegangen war und, in Schlachtordnung aufgestellt, eine lange Linie von dem Kanals von Aschmum bis zum Nilarme von Damiette bildete. Der Graf von Anjou griff zwar die Saracenen mit Ungestüm an, durchbrach ihre Schlachtordnung und trieb viele Heiden theils in den Fluß, theils in den Kanal, der Graf von PoitierS und die Ritterschaft der Champagne schlug tapfer den Angriff einer türkischen Schar ab und verfolgte die fliehenden Saracenen auf einer weiten Strecke Weges; weil es aber der christlichen Ritterschaft wegen der gewaltigen Steinwürfe, welche von den jenseit des Kanals aufgestellten Maschinen auf das Schlachtfeld geschleudert wurden, unmöglich war, ihre Angriffe gegen die ganze sara- cenische Schlachtordnung zu richten, so wurde der gewonnene Vortheil bald wiederum verloren. Der Graf Guido von Forez, welcher mit dem Grafen von Anjou die saracenische Schlachtordnung durchbrochen hatte, wurde nebst seinen Rittern in einen ungleichen Kampf mit einer Schar von sara- cenischen Fußknechten verwickelt und von seinem Rosse 89 ) l.e Zoiir 1a Feste ssinr Se- Hv) FolnvIUo 1. cr. bsstien (— so. Januar). FoLirvills 47) lav comto Oui äe r'orex n«>- 1 . C. semdl» 1 i er sos ekvvolier« » une I Ehr. >S5°. 140 Geschichte dce Kocuzzüge. Buch VIII. Kap. V. herabgeworfen, dergestalt, daß er ein Bein brach und von zweyen seiner Ritter an den Armen in das Lager zurückge- bracht werden mußte. Auch der Graf von Anjou, obwohl er durch seine an diesem Tage bewiesene Tapferkeit großen Ruhm gewann, wurde nur mit Mühe aus der Gefahr gerettet, in welche er sich gestürzt hatte * 2 ). Die Sarace- nen, als sie das Schlachtfeld verließen, führten mehrere Christen als Gefangene mit sich, welche am andern Tage nach Kahirah gebracht und dem Volke der Hauptstadt als Zeichen des gewonnenen Sieges gezeigt wurden"). Mitten unter solchen Kämpfen setzten die Kreuzfahrer zwar ihre 'Arbeiten an dem angefangenen Damme fort; aber die Schwierigkeiten, welche der Vollendung dieses Werks entgegensianden, wurden in eben dem Maße großer, als die Arbeit fortschritt. Wegen der schnellen Strömung des Wassers, welches den Kanal von Aschmum füllte, gelang es nur mit großer Mühe, einen festen Grund zu errichten, weil die hineingebrachten Steine, als man das Bette des liefen Kanals zu beengen anfing, durch die Gewalt des Stromes b-maillo äs Sarrarüns serzans. foin- vMo x. 4.2. 42) koinville x. 41. 42. Wahrscheinlich ereignete sich dieses Gefecht wirklich am Kt. SebasiianStage oder den 3a> Januar. 4Z) Ohne Zweifel isi dieses Gefecht dasselbe, von welchem Dschcmaleddin sa. a. Q-) also berichtet: „Eines Tages im Monats Schawwal (der ersis Schawwal 647 war der 7. Januar 1250) gingen die Muselmänner über den Kanal und griffen die Franken In tkrcm Lager an: mehrere Franken wurden getödtcr, anders gefangen, und am folgenden Lage wurden 67 Gefangene, unter welch«» man drei) Temvelherren bemerkte, nach Ka- biraü gebracht." Joinvillc erwähnt keine« Gefangenen, welche die Kreuzfahrer an diesem Tage verloren. In der Lgisrvla s. Imüoviai, so wie bei, Wilhelm von Nangis und Vincenz von BeauoaiS kommt übrigens nur eine kurze Erwähnung der beichen erzählten Gefechts vor: Inter ntrnm- -zno ünvium xasninnis aaslra nosrra protenilontes a niasori llrrvio aü ininorein, nbi alignanto aonüictn Irabito cnm Laraacnls innlti ceaiäe- rnnr ex istie, rrostrornm glaciiis in- uiultitnäine snbmorsa in agnie va- liüis r l xrofuaäi«. t Aufenthalt der Pilger am Kanal von A'schmum. L41 hinweggespült wurden""); und nachdem diese Schwierigkeits-Ar war überwunden worden, und der Damm dem jenseitigen Ufer sich näherte, so leiteten die Saracenen das Wasser des Kanals in eine tiefe und breite Grube ab, welche sie bey Mausurah gegraben hatten, ein großer See breitere sich plötzlich vor den Augen der Kreuzfahrer aus, und die angestrengte Arbeit von mehreren Wochen war unnütz geworden "5). Die Kreuzfahrer setzten zwar dennoch das begonnene schwierige Werk fort, indem die Katzenthürme ihnen Hinlänglichen Schutz gewahrten gegen die Steine und Pfeile, welche die Saracenen aus ihren Wurfgerüsten unausgesetzt schleuderten. Als aber in einer Nacht, in welcher der Se- neschall von Joinville in einem der beyden Katzenthürme Wache, hielt, die Feinde ans einer Wurfmaschine das furchtbare griechische Feuer gegen die Thürme der Christen zu werfen begannen, da verzagten fast die Ritter. Unter furchtbarem Krachen, gleich dem Donner, in der Größe und dem Umfange einer Tonne und mit einem leuchtenden Schweife von der Lange eines großen Schwertes, ähnlich einem feurigen Drachen, und ein Licht von solchem Glanze verbreitend, daß die Ritter alle Gegenstände um sich her wie im Lichte des Hellen Tages unterscheiden konnten, fiel die glühende Masse das erste Mal nieder auf den von den Kreuzfahrern zn Stande gebrachten Damm, welcher die beyden Thürme der Kreuzfahrer trennte "^). Als der Ritter 44) Relation mLuusorite bey Mi» et relesoit uue Zrunt josse; clout il Hirni veuoir uns eaves, 1e Hum so esroit tele yue il veuoit iüeu 6.e- jlluissoit (iertoir) 63 o.ives äeäeus, vunr rnissr §ros oommo un rounel chaud 1 . IV. r>. 277. 45) I>our äestourdier 13 cliauclee yue le 1107- lesoit, les barraxius le- Loieut Fere oaves eu. rerre xur äe- vers leur oste; er sitosr oomme 1e 46) I.L m-uiiörv äu leu Are§ois 142 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. V. I. Cbr. Walter du Cureil, welcher mit Joinvllle auf der Wache war, die Vorbereitungen der Saracenen zum Werfen des griechischen Feuers wahrnahm, so sprach er zu seinen Waffengeführten: „Edle Herren, wir sind in größerer Gefahr als jemals, und so die Saracenen diese Thürme verbrennen, so sind wir verloren; so wir aber unfern Posten verließen, so würden wir große Schande über uns bringen; deshalb ist mein Rath, daß wir zu Gott uns wenden, welcher allein uns schützen kann, zur Erde niederfallen und Gott bitten, er möge aus dieser Gefahr uns erretten." Als nun der erste Wurf geschah, so folgten die Ritter dem Rathe des frommen Waffenbruders, und sie betrachteten es als eine Wirkung ihres inbrünstigen Gebetes, daß es den Löschern unter dem Schutze der beyden Katzenthürme gelang, unbeschädigt das herabgefallene Feuer zu löschen, obgleich die Saracenen aus ihren Wurfgerüsteu zahllose Pfeile in die Luft auf so geschickte Weise schossen, daß dieselben mitten zwischen den beyden Thürmen in der Nahe des Orts, wo das griechische Feuer herabgekommen war, niederficlen. Drei- Mal warfen die Saracenen in dieser Nacht das griechische Feuer, und der König Ludwig, so oft er das Krachen desselben vernahm, erhob sich von seinem Bette, flehte mit äe verZus et 1a yueuo än leu yul pariolc äe 11, esrolr dien anssl graut comnie rin graut glalve; 11 leLOient tele noise an venir, yne 11 kemdloir czne ce leust 1a louäre än del; 11 kemdldt un äragou ^ni verlast xar 1'alr. I'anr getolt graut darre, onr 1a graut lolson (^uantlte) än 5eri cznl getoir 1a graut darre. Die Sara- ccnen warfen dieses furchtbare Feuer, wie Joinville bemerkt, vermittelst einer dev Wurfrnaschlnen, welche man Petrarien nannte (11 nous avioreut un eugln HN6 1'en axrxelo xerrltzre . . . er mlslreur 1e len grogols en 1a lonäe slrouäe^ äe 1'engiu). 7c>- Inv. I». 44' Der Ritter LaubigoiS be» schrieb daS griechische Feuer In seiner weiter unten erwähnten Meldung (loluv. p. HZ) also: I.es 8arra2lns out lanr rralr äe leur x^les, c^no 11 L anssl eomme nne graut lia^e gul vlent aräant vers nostrs drasiel. Aufenthalt der Pilger am Kanal von A'schmum. 143 Thranen zu Gott um die Errettung seines Volks und sandte 2- Cyr. seinen Kammerherrn, um sich zu erkundigen, ob Schaden geschehen wäre. Einer dieser drey Feuerwürfe zündete wirklich den Thurm, welchen die Ritter des Herrn von Cour- tenay bewachten, indem das Feuergeschoß an der Seite des Thurms streifend in den Fluß Herabsiel, und der Riter Lau- bigois kam in großer Angst zu dem Seneschall von Join- ville, meldete, daß der Thurm, getroffen von einem Feuerpfeile, in Brand gerathen wäre, und bat um schleunige Hülfe. Joinville und seine Ritter, als sie zu jenem Thurme kamen, sahen, daß jener Ritter die Wahrheit gemeldet hatte, und sie überwältigten das Feuer, obwohl auch sie durch die Saraccnen von der andern Seite des Kanals her mit Pfeilen beschossen wurden. An einem andern Tage, als der Graf von Anjou die Katzenthürme bewachte und von der Höhe derselben aus Wurfgerüsten die Saracenen beschießen ließ, warfen die Feinde auch im Hellen Lichte des Tages, was sie bis dahin noch nicht gethan hatten, griechisches Feuer gegen jene Thürme; und die Kreuzfahrer wurden dadurch um so mehr geängstigt, als beyde Thürme durch die feindlichen Steinwürfe schon große Beschädigungen erlitten hatten. Auch waren die Steinwürfe, welche von den Saracenen aus ihren ganz nahe aufgerichteten Maschinen gegen den Damm gerichtet wurden, an diesem Tage von solcher Wirkung, daß kein Kreuzfahrer den Damm zu betreten und den Thürmen sich zu nähern wagte. Auf solche Weise geschah es, daß beyde Katzenthürme, vom griechischen Feuer ergriffen, in Brand geriethen und zerstört wurden, und kein Versuch gemacht werden konnte, dieselben zu retten "?). Den Grafen von 47) toinviUe x. 4Z. Der König Verbrennung der Thürme nur mit Ludwig erwähnt (Lxisr. x. 42g) der folgenden wenigen Worten: SarrL- 144 Geschichte der Kreuzzüge. Dirch VIII. Kap. V. I. Chr 125a. Anjou setzte diese Vernichtung der Werke, welche durch die mühevolle Arbeit und die Aufwendung großer Kosten zu Stande gebracht worden waren, in einen solchen Grimm und eine solche Verzweiflung, daß er sich selbst in das Feuer stürzen wollte, um es zu löschen; und der Sencschall Jvin- ville verhehlt es nicht, wie er und seine Ritter Gott dafür priesen, daß dieses Unglück nicht in der nächstfolgenden Nacht sich ereignet hatte, in welcher an sie wiederum die Reihe gekommen seyn würde, die Thürme zu bewachen^). Da auf Lle Erbauung des Dammes bereits so lange Zeit die mühevollste Arbeit unter beständigen und schrecklichen Gefahren und beträchtliche Kosten waren verwandt worden""): so wollte der König Ludwig auch nach jenem neuen Mißgeschicke die Vollendung jenes Werkes nicht anfgeben, sondern er berief seine Barone zu einer Berathung, stellte ihnen vor, daß der Damm nicht fvrtgeführt werden könnte, wenn nicht zum Schutze der Arbeiter ein neuer Thurm erbaut würde, daß aber kein anderes Holz vorhanden wäre für einen solchen Bau, als das Holz der Schiffe, welche dem Heere der Kreuzfahrer Gepäck und Kriegsgerälhschafren nachgeführt hatten, und forderte deshalb die Barone auf, so viel des Schiffsholzes zu diesem Vchufe därzubringen, als jedem belieben würde. Die Barone leisteten mit Bereit- ccni e contra totis resistentes co- natiüns inaelnnis noetris . . . ina- citinas opposnerunt guain i-lnrcs, Anilins oastclla nastra lignea, guae super nassuin colloeari scoer-uuus cunäciu, couciuassata lapiäidus et conkraeta, coindusscrunt rotalitcr ixne graeoo. Die arabischen Nachrichten übergehen die Verbrennung der christlichen Thürme mit Stillschweigen. /,g) Dt se ir Ilo^ cle Senile ( d, i. her Graf von Anjou) en ln oourou- oie, je et ines elrevaiiers en loanies Dien; oar se nous enssions guietlü Iv soir, nous estiöns estö tons ars (drules). loinville l. c. 4y) S. die Aeußcrung des Königs Ludwig oben, Anm. W. S. Igz. Aufenthalt der Pilger am Kanal von Aschmnm. 145 Willigkeit dieser Aufforderung Folge; es wurde so viel Schiffs- Holz dargebracht, daß der Werth desselben zu zehn Lausend Livres geschätzt wurde, und der Bau eines neuen Thurms kam zu Staude. Worauf der König Ludwig, um seinen Bruder wegen des Mißgeschicks zu trösten, welches ihn wahrend seiner letzten Wache betroffen, gebot, daß dieser Thurm nicht eher an die Stelle, wo die beyden ersten Thürme waren verbrannt worden, gebracht werden sollte, als an dem Tage, an welchem den Grafen von Anjou die Reihe der Wache treffen würde; was geschah. Kaum war aber der Thurm bis an das mittägliche Ende des Dammes vorgeschoben worden, so setzten die Saracenen wieder ihre sechszehn großen Wurfgerüste in Tätigkeit; und als es den Christen wegen der gewaltigen Steinwürfe unmöglich war, dem Thurme sich zu nahem, so ergriff das griechische Feuer, welches aus einer kleineren Wurfmaschine geschleudert wurde, auch diesen Thurm und zerstörte denselben mit unwiderstehlicher Gewalt 5°). Dieses wiederholte Unglück überzeugte endlich den König Ludwig, daß alle Mühe und alle Kosten für ein Werk verschwendet würden, dessen Vollendung unmöglich war. Wenn es ihm auch nicht an Mitteln fehlte, jene Kosten und vielleicht noch größere zu bestreiten, da eine beträchtliche Geldsendung aus Frankreich glücklich in dem Lager der Kreuzfahrer angekommen war-*): so erfüllte ihn doch die Ver- go) Joinville, nachdem er (S. gk) dto von keinem andern Schriftsteller berichtete Verbrennung dieses Thurms erzählt hak, fügt wiederum die naive Bemerkung hinzu: Loste granr aonr- oiievoliers; eer nons eussions Io soir gnero eir graut xoril, aussi VII. Band. commo Irans cnssions fair a I'aiitro guter ctonr so vous ai xarlö liovLiit. gi) Nach der Angabe deü Matthäus Paris (.ist ->. 1050. x.'779) kam diese Geldsendung noch im Lager bey Da- mictte an und bestand aus Talenten und Sterlingen guter cölnischcr Münze, nicht schlechter irexrobarac) Münze K 146 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. V. stimmung des Heers, welche der lange Aufenthalt in einer von zwey Strömen eingeengten Ebene bewirkt hatte und ei» längerer Aufenthalt nicht anders als verschlimmern konnte, mit großen Besorgnissen. Indem die Kreuzfahrer aller der Unglücksfälle gedachten, welche seit einer langen Reihe von Jahren ungeachtet aller für die Ehre des Heilandes übernommenen Mühen und Gefahren nichts anders als Schimpf und unersetzlichen Verlust über die Christenheit gebracht hatten, verloren sie alle Hoffnung eines günstigen Erfolgs auch dieser Kreuzfahrt; sie überließen sich der Verzweiflung, und viele lästerten sogar Gott, indem sie sprachen: „Wie mag unser Gott einen Herrn der Heerscharen sich nennen, da er von seinen Feinden so oft überwunden wird? wozu frommen unsere Andacht, die Gebete der Geistlichkeit und die Almosen unserer Freunde? ist nicht das Gesetz des Mahomet mächtiger als der Glaube Christi")?" Dazu kam, daß dieser lange Aufenthalt und die Unthätigkeit, in welcher ein großer Theit des Heers während mehr als sechs Wochen blieb, mancherley Zwistigkeiten, sogar Ungehorsam gegen die Anordnungen des Königs, und den Abzug eines von Paris oder Tours; sie wurde auf eilf langen Wage», deren jeder von vier starken Pferden und einigen Maulthieren ( sununariis ) gezogen wurde und zwei, mit Eisen beschlagene Fässer (caclos) enthielt, an das Meer und von dort auf genuesischen Schiffen nebst vielen Lebensmitteln nach Aegvpteil gebracht. Lest iiaea om»ia, fügt Matthäus Paris hinzu, cle bonis ecclcsiae per triennium extorta guem stnt'iü Litit sortita, 50 - siueus scrmo xlcuius äcclaralut. Ohne Zweifel befanden sich be» dieser Sendung, wenigstens zum Theile, die Gelder, welche dem Grafen von Anjou in das Land jenseit des Meers nachgescndet wurden, und nach einer von Herr» Michaud auS dem riösor sieg Oliartres (Hist, äes Orois. 1 . IV. I>. 581-583) mitgethejltcn Specifica- tioni gSgy Mark S Unzen Silber (taut eit sterling gu'eu plague), 17,404 livres lournois, 6 saus g Sterl. betrugen. 52) Matthäus Paris (indem er die Stimmung des HcerS während der Fastenzeit, also nach dem Ncbergange über den Kanal von Aschmum, schildert) aä a. I2Z0. x. 776, Aufenthalt dev Pilger am Kanal von Aschmnm. 147 Theils der Pilger zur Folge hatten. Der König Ludwig und seine Barone hatten den sehr wohl überlegten Befehl verkündigen lassen, daß kein Pilger auf eigene Abenteuer ausgehcn, sondern jeder zur Vertheidigung des Lagers in seinem Zelte und bey seiner Schar bleiben sollte. Diesem Befehle unterwarf sich aber der englische Ritter Wilhelm Longaspatha, welcher dem Könige Ludwig mit seinem Pan- nerherrn Robert von Ver und den übrigen englischen Pilgern, sowohl Rittern als Serjanten, auf dem Zuge von Damiette »ach dem Kanals von Aschmum gefolgt war, um so weniger, als diese Pilger schon bey ihrer Ankunft in Aegypten, obgleich der König selbst ihnen eine liebevolle Aufnahme gewahrte, dennoch von den Franzosen mit Hohn und Spott empfangen") und fortwährend durch Spötte- reyen geneckt wurden. Der König Ludwig mißbilligte zwar dieses Betragen der französischen Pilger, seine Ermahnungen und Warnungen waren aber unwirksam. Unter diesen Umständen verließ der Graf von Salisbury mehrere Male eigenmächtig das Lager der Pilger und zog im Lande auf Abenteuer umher. Er eroberte' ohne Wissen der Franzosen durch einen glücklichen Zufall ohne Schwertschlag einen festen Thurm in der Nahe von Alerandrien, machte eine große Zahl vornehmer saracenischer Frauen, welche daselbst Sicherheit zu finden gehofft hatten, zu Gefangenen und gewann eine beträchtliche Beute; und als ihm bald hernach durch seine Kundschafter gemeldet wurde, daß eine Karavane reicher saracenischer Kaufleute unter nicht sehr zahlreicher Bedeckung zu einem Markte, welcher in der Gegend von Alerandrien gehalten werden sollte, zöge: so überfiel Wilhelm Longaspatha mit seinen Leuten diese Karavane, erschlug nach einem I. SZ) iciaitliscne ksils sä a. 124g. x. 766. 767. K2 143 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. V. 2. er>r. Kampfe, ,'n welchem Einer seiner Ritter und acht Serjan- tcn getödtet, und einige seiner Waffengefährten leicht verwundet wurden, sämmtliche saracenische Kaufleute, zerstreute deren Bedeckung, machte mehrere Gefangene und erbeutete außer einer großen Menge von Gold und Silber viele Ka- meele, Maulthiere, Esel, seidene Gewänder, kostbare Farben, Specereyen und eine große Zahl von Wagen, welche mit Ochsen bespannt und mit Lebensmitteln aller Art beladen waren. Als er mit solcher reichen Beute in das Lager der Kreuzfahrer zurückkehrte, so kamen ihm französische Pilger in großer Zahl entgegen, machten ihm wegen der begangenen Uebertretung des Heerbefehls bittere Vorwürfe, und obgleich er erklärte, daß er bereit wäre, sich zu rechtfertigen und die erbeuteten Lebensmittel für die gemeinschaftlichen Bedürfnisse des Pilgerheers darzubringe»: so raubten sie dennoch dem Grafen und seinen Leuten mit Gewalt und unter krankenden Schimpfreden ihre ganze Beute. Als Wilhelm Lon- gaspatha bey dem Könige Ludwig Klage erhob und den Grafen von Artois beschuldigte, diese Frevelthat angesiiftet zu haben: so suchte der König ihn mit freundlichen Worten zu besänftigen und ermahnte ihn, zur Erhaltung des Friedens im Heere das Geschehene zu vergessen. Während dieser Unterredung trat aber der ungestüme Graf von Artois in das königliche Zelt, und ohne den König und die um ihn her sitzenden Barone zu begrüßen, richtete er an den König die vermessene Rede: „Wie magst du das Wort dem Engländer reden, welcher zu deinem und aller Pilger Hohne frevelnd den Heerbcfehl übertreten hat, heimlich und nächtlicher Weile dem Raube nachgeht und auf Kosten der Franzosen unter den Saraceuen sich einen großen Namen machen will." Diese Rede brachte den sanftmürhigcn König in solche Verlegenheit, daß er mit gebeugtem Haupte zu dem Aufenthalt der Pilger am Kanal von Aschmum. 14S Ritter Wilhelm sich wandte und sprach: „Du siehst, lieber 2>Tbr. Freund, wie nahe die Gefahr einer Spaltung im Heere ist, jey deshalb vertraglich, und in solcher Lage als die unsrige ist es Psticht, noch Schlimmeres mit Geduld zu ertragen." Worauf der Graf crwiedertc: „Wenn du es nicht vermagst, dein Volk in den Schranken der Ordnung zu halten und Verbrecher gebührend zu strafen, so sey nicht fernerhin König." Dann fügte er noch mit steigender Bitterkeit die Worte hinzu: „Einem solchen Könige diene ich nicht länger," verließ bald hernach mit den englischen Pilgern das Lager und begab sich nach Ptolemais. Die englischen Pilger vernahmen mit Verdruß, daß der Graf von Artois über ihren Abzug sich gefreut und lachend gesagt hatte: „Es ist gut, daß die Füchse davon gegangen sind *»)." Es gelang jedoch dem Könige nach einiger Zeit, die englischen Pilger, indem er ihnen melden ließ, daß die Aussicht, auf eine leichte Weise zu dem Besitze von Kahirah zu gelangen, sich ihm eröffnet hatte, zur Rückkehr in das Lager ihrer französischen Waffengefahrten zu bewegen^). . Der Emir Hus'meddin, Statthalter von Kahirah, welcher mit dem Atabel Fachreddin, wie oben berichtet worden ist, in Unfrieden war, soll nämlich einige in der Schlacht bey Gaza gefangene Tempelherren, Hospitaliter und andere Kreuzfahrer, welche zu Kahirah in der Sklaverei) sich befanden, heimlich zu sich gerufen, ihnen die Freyheit gegeben und sie zu dem Könige von Frankreich gesendet haben, mit dem Aufträge, demselben zu melden: er Z4) Isertur Lomes Ltrevstensis Silber kis ätxisse MIM cLciiumo: Vouo Vene mniiämnr maZiiilico- riim excrmtus Irrocorum n cLiiär- l». ivi-uU. karis (welcher allein von riesen Mixhelligkeiten berichtet) -a -l. nS->- x- 78Z- S5) Marrlmeiis karis sL 2 , i2Zs. l>- 737- g6) S- I2Y. 1 Z 2 . Anm. IZ. 150 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. V. wäre bereit, dem Könige, sobald er mit seinem Heere an- la»gen würde, die Städte Kahirah und Misr mit allen darin befindlichen Schätzen zu überantworten, und selbst zu dem christlichen Glauben sich zu bekennen; der König möchte nur eilen, den Marsch gegen Kahirah fortzusetzen und durch die Anstalten des Atabek Fachreddin sich nicht abschrecken lassen, da er in Kahirah in jedem Falle Sicherheit finden würde und auf jede Unterstützung rechnen könnte * ?). Wir wissen jedoch nicht, ob es mit diesem Anträge des Statthalters von Kahirah, dessen nur von Einem gleichzeitigen christlichen Schriftsteller, dem Mönche Matthäus Paris, und von keinem morgenländischen Schriftsteller gedacht wird, ernstlich gemeint war. Nach dem fernem Berichte des Matthäus Paris 5 b) wurde diese Verrätherey entdeckt, der Emir Husameddin büßte dafür mit dem Verluste seiner Freyheit, und Kahirah und Misr wurden mit stärkeren Besatzungen, auf deren Treue Fachreddin sich verlassen konnte, versehen; aber eben diese Nachricht macht die Glaubwürdigkeit der Erzählung von dem Anträge des Emirs Husameddin sehr verdächtig; denn nach beglaubigten arabischen Nachrichten'') war dieser Emir noch späterhin im Besitze seiner Statthalterschaft und stand ungeachtet einiger Kränkungen, welche er von dem leichtsinnigen Sultan Turanschah erfuhr, in großem Ansehen bey seinen Glaubensgenossen. Februar Wie es immerhin mit diesem verrätherischen Anträge des Emirs Husameddin sich verhalten haben mag, so entschloß sich endlich Ludwig zum Uebergange über den Kanal 87) lllsnli. Dsris 1. c. Es lst aber in jedem Falle unrichtig, wenn Matthäus Paris behauptet, daß Husam- eddin zu diesem Anträge durch die Hinrichtung des EmirS Fachreddin, welchen Matthäus Paris als den Bruder des Statthalters von Kahi- rah bezeichnet (vgl. oben S. ivy. An- mcrk. 41 ), bewogen worden sei). 88) lVIsilli. Daris sä s. i2Zo. )>,788- Sg> Iwinsnä Lxtrsirs x. q§g. 4S7, 4üg. 475. 47z UNd folg- Uebergang über den Kanal von Aschmum. 151 von Aschmum, nachdem er zwey Monate theils durch die Langsamkeit seines Zuges, theils durch den langen Aufenthalt am nördlichen Ufer jenes Kanals verloren und dadurch den Saracenen Zeit gegeben hatte, ihre Streitkräfte zu sammeln. Ungeachtet ihres langen Aufenthaltes an dem Kanäle von Aschmum hatten die Kreuzfahrer, nur mit dem unglücklichen Bestreben, einen Damm durch denselben zu bauen, beschäftigt, keine Mühe sich gegeben, die' Beschaffenheit des Kanals zu erforschen, und sie verdankten daher die Möglichkeit des Ueberganges nur einem glücklichen Zufalle. In dem Kriegsrathe, welchen der König Ludwig, nachdem er endlich die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß der beab, sichtigte Damm niemals zu Stande kommen würde, ver» sammelte, um mit seinen Baronen über weitere Maßregeln zu berathschlagen, meldete der Connetable Jmbert von Beaujeu, daß ein Beduine ihm den Antrag gemacht hätte, für eine Belohnung von fünfhundert goldenen Vyzantien einen seichten Ort des Kanals nachzuweisen, durch welchen daS Heer der Christen ohne Beschwerde und Gefahr auf das mittägliche Ufer gelangen könnte. Diese Meldung erweckte um so mehr allgemeine Freude, je größer die Verlegenheit des Königs und seiner Barone war. Ludwig bewilligte gern dem Beduinen die verlangte Belohnung, wenn derselbe seine Verheißung wahr machen würde; und da der Beduine darauf bestand, daß er nicht eher, als wenn die zugesagte Belohnung ihm eingchändigt wäre, den ihm bekannten seichten Ort anzeigen würde: so wurde auch diese Bedingung von Ludwig genehmigt ^o). 6v) loinvlllo l>. 46. Nach -er Ne- dem er den Kreuzfahrern den Lveg iLtio» maiinecrite in IMcluniei Nisr. gezeigt hatte und in das christliche lies crois. lr, IV» x. erhielt der Lager zurückgeführt worden war. Saracene erst seine Belohnung, nach- Auch Ludwig sagt in seinem Briefe I. Chr. »SO. 152 Gesch.d. Kreuz;. B.VIII. K.V. Uebergang überd. Kanal:c. x. 42g: tzno eacto (d. i. nach der Verbrennung der Thürme), bere omni spe er exsgecratione krnstrata gor calciatam iilam raliler transciinsti, laustem xer gucnstam Sarraccnnm venienlcm ad Legxvriornm excr- oiru stacnm Inir »obig intelligi, locnm esse vaäabilem alignantn- ium inkerins (d. i. nach der östlichen Seite), gno goterar exereirns LIrrisrianus stuvium rransmeare. (Suil. äll Hang. g. ZZZ. Vincent. Leltov. XXXI. 9g.) Nach einer von Matthäus Paris (ast a. 12Z0. g. 739) mitgetbeilten Nachricht verdankte König Ludwig diese Anzeige einem bekehrten Saracenen (guiäam convcr- sus guonäam Sarraeenns), und In dem von diesem Schriftsteller (g. 796) mitgctheilten Schreiben eines Kreuzfahrers an den Grafen Richard von Cornwallis (s. das folg. Kap. Anm. 3) wird hinzugefugt: knir istem oon- sis, scivus ejus. Nach Dschemaled- din sReinmni 9. /,Zg) zeigte ein treuloser Muselmann snn gerstste INN- snlman) den Christen den Weg, ugd nach Makrist llüxrrairs cio Larstonne im Anhänge von Ioinville g. s 38 )- stes tiairrcs avoienr montre aux Vran^als 1e Luc stu canal st'^scir- rnorun. Uebergang über den Kanal von Aschinum. 153 Sechstes Kapitel. dem Kriegsrathe, welchen der König Ludwig am Mon-J.Cftr. tage vor Aschermittwoch hielt, wurde beschlossen, daß am^ folgenden Tage der Uebergang über den Kanal von Asch- mum unternommen werden sollte *). Es wurde bestimmt, daß nebst dem Fußvolke der Herzog von Burgund und die syrische Ritterschaft mit Ausnahme der Tempelherren und Johanniter im Lager zur Bewachung desselben Zurückbleiben, und nur die Pilger, welche zu Pferde stritten, den Uebergang über den Kanal versuchen sollten; den Tempelherren wurde die Vorwache übertragen, die zweyte Schar sollte der Graf von Artois, welchem Wilhelm Longaspatha mit den englischen Pilgern sich angeschlossen hatte, führen, und die übrigen Scharen standen unter dem Befehle des Königs, seiner beyden andern Brüder, der Grafen von Anjou und Poitiers, und mehrerer anderer Barone^). Am frühen Morgen des folgenden Tages ordneten r) Lxistola 8 . Oriäovrci äe caxtione et lideratione sua x. 428 » 2) loinviito 46. 47. ülattll. Daris aä a. I25o. p. 78g. IVeiation manuscrite in iVIieiraua Nist. ücs Orois. O. IV. i>. Z6g. Z70. Dag auch Die Johanniter an diesem Ucberganga über den Kanal Theil nahmen, erhellt aus dem von Matthäus Paris lact ». 1250. x. 78 g) mitgetheillcn Berichte. g) Oie earnisxrivii. Oxirt. 8. Ou- üoviei 1. c. (Onil. üe ZZ5. Vine. OeNov. XXXI. gg). Oe tour aioir. foiuvitis x. 46 . Li. jour äs guaresme xreiiaur äe- vaur t'sude äu sour. Itelmiou ma- Iiusorire x. Aög. Oiioa clansum I>L- scsta (d. i. um die Zeit des Sonntags nach Ostern), was durchaus unrichtig ist. Mattst, varis aä »...lazo. r>. 7gg. Am Dienstags den s. Dsul- kaadav 6g? (— 8. Februar i-s°> nach Dschrmalcddin bey Neinaud i>. 453. Aschermittwoch fiel im Jahre iszoauf den y. Februar. Vgl. über die nachfolgenden Begebenheiten den Brief eines Kreuzfahrers an den Grafen Richard von ^ornwästis nach münd» lichen Nachrichten, welche dem Kreuzfahrer von seinem Geistlichen- den er an die Königin gesandt hatte, waren mitgetheilt worden, bey Matthä»- Paris aä a. I 2 Z 0 . x. 7§6. 747. 4) Uclatiou manusorito x. 370. Uebcrgang über den Kanal von Aschmum. 155 zur Schlacht sich geordnet haben würde: so widerstand der^'^- König nicht langer der Witte seines Bruders *). Die Kreuzfahrer fanden den Uebergang über den Kanal an der von dem Beduinen bezeichneten Stelle nicht so leicht, als er ihnen von diesem Ueberläufer war geschildert worden. Das Wasser des Kanals war an diesem Orte, welcher unterhalb des Lagers der Kreuzfahrer und nicht in großer Entfernung von dem Beduinen ihnen gewiesen wurde, noch immer von beträchtlicher Tiefe, und das diesseitige sowohl als das jenseitige Ufer steil, schlammig und mit dichtem Gesträuche bewachsen Die Rosse der Ritter erreichten erst einen festen Grund, als sie in die Mitte des Kanalssgelang- ten, mehrere Ritter wurden, während die Pferde schwammen, von dem schnellen Strome des Wassers fortgerissen und ertranken ?), und selbst die beherztesten Ritter verzagten in dieser Gefahr ^). Als am jenseitigen Ufer eine Schar von etwa dreyhundert saracenischen Reitern sichtbar wurde: so rief Joinville seinen Rittern zu: „Edle Herren, sehet nur links, und jeder nehme nur diese Richtung." Die Ritter folgten diesem Befehle, und nachdem sie gegen den Strom 8) 6ron1-1»o Le Vlanärcs x. 864, bey Michaud a. a. O. S. 279. 6) I-es rives cstolcnt Lnremonr imules et ä'une gart ct tl'itnrre xlal- ncs ste Io vor et äe Pctnmes et äe lernen, et I'vooo assös pIns xro- lonäe et xlns xörlllense gne 11 6ar- larln no leur avolr ält. Uclorlon mannscrlts a. 9. O. Vgl. l'.oot. 3. Lnst. x. 423. lolirvlUe x. 4ül 47. 7) Unter andern ertrank damals nach Joinville ln. 47 ) - monsolgnonr lekan st'Orlicn gnl xortolt danlers L 1 a voivre, Vgl. Lxlsrola S. I.u- üovicl p. 428 < 6 n 1 I. äe Hang, und Vincent. Uellov. 1 . c.) ES ist merk- Würdig, dast in dem schriftlichen Berichte, welchen ein zurüekkehrcnder Kreuzfahrer dem Grafen Richard von Cornwallis überbrachte und Matthäus Paris t a. a. O.) seiner Chronik einverleibt hat, gesagt wird, die Kreuzfahrer ss»en vermittelst flacher Kähne - (per scaplms xlanas) über den Kanal von Aschmum gegangen. g) dkl c>t celnl ä'culi- tont t»nv Inst Inon Monte gnl n'ust zraor äs noier, »ins < 4 ue 11 lusrcut outre. Holst, ms. a. a. O. 156 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. ^ 25 °?'weiter westlich sich gewandt hatten, so erreichten sie glücklich das jenseitige Ufer, und die saracenischen Reiter entflohen^). Der Uebergang über den Kanal wurde also, wenn auch nicht ohne Schwierigkeit, doch ohne beträchtlichen Verlust vollbracht. Kaum war aber der Graf von Artois mit seiner Schar auf dem jenseitigen Ufer angelangt, so vergast er seinen Schwur und rannte in vollem Laufe wider die Türken. Der Meister der Templer, welcher mit seiner Ritterschaft dem Grafen unmittelbar gefolgt war, sandte zwar einen seiner Ritter demselben nach und ließ ihm sagen, die Templer, denen die Vorwache des Heers übertragen worden sey> betrachteten dieses Verfahren des Grafen als einen ihnen zugefügten Schimpf und forderten, daß ihnen der erste Angriff zugestanden würde. Der Graf Robert konnte ihnen aber nicht antworten, weil der Ritter Forcald du Marie, welcher das Streitroß des Grafen am Zügel führte, taub war, die Rede des Templers also nicht verstand und nicht aufhörte, mit angestrengter Stimme zu schreyen: „nur auf sie." Eben so wenig beachtete der Graf den durch zehn Ritter ihm gemeldeten Befehl des Königs, sich zurückzuziehen und von der unbesonnenen Verfolgung der Saracenen abzulassen ^°). Als die Templer sahen, daß der Graf von Artois ihr Verlangen nicht berücksichtigte, so gaben auch sie ihren Rossen die Sporen und suchten der französischen und englischen Schar den Vorrang abzugewinnen Die bepden Scharen drangen hierauf, die g) loinvMo x. 47, io) Lewtioir waiiuscrite x. §72. »> roinviiiv a. <1. O. Nach dem von Mattbäus Paris mitgekheiltei, Berichte (x. 73 g — 7 yr) faud eine lange Berathung Statt, in welcher der Meister der Templer und Wilhelm Lougaspatha dem Grafen von Artois die hastige Verfolgung der Feinde und das Vordringen bis Mansurah widerriechen; der Gras erwiederte aber ihre Gründe mit Schimpfredcn. Rach der Uelmioir nnuinsarire (x. 57i ) riech der Grostcommandeur der 157 Gefechte bey Mansurah. fliehenden Türken verfolgend, in Mansurah ein, erregten daselbst, da die Muselmänner ans einen solchen Ueberfall nicht vorbereitet waren, Angst und Schrecken und erwürgten alle Saracenen, welche sie antrafeu, ohne Unterschied des Alters und Geschlechts"). Der Graf von Artois verfolgte hierauf die fliehenden Türken auch jenseit Mansurah, bis an das Ufer des Nilstroms; mittlerweile ermannten sich aber in der Stadt die Saracenen und versperrten die Straßen durch aufgeworfene Holzstöße auf eine solche Weise, daß es den Kreuzfahrern unmöglich war, den Weg sich zu offnen. Die Ritter kämpften zwar mit großer Tapferkeit wider die Heiden, welche, durch jene Bollwerke geschützt, mit Pfeilen und Steinen sie beschossen. Der Graf Robert von Artois aber, der Ritter Wilhelm Longaspatha nebst seinem Pannerherrn Robert von Ver, Radulph von Coucy, wohl drcyhundert andere französische Ritter, der größte Theil der englischen Ritterschaft und achtzig Templer wurden in diesem Kampfe erschlagen "). Templer Aegidius (freie 611Ies grsnt feil von Artois, sich bis zu den Kriegsmaschinen der Saracenen zu- rückzuzichen; ein Ritter des Grafen aber, welchen der Verfasser dieses Berichtes nicht zu nennen weiß (vielleicht hat erden RitterForcald du Marls im Sinne), gab zur Antwort: iVäes zr xliers et 11 osxltsliers vonlissenr et 11 »uties ste ee xsz-s» I-! lerro fust VIS tonte coitgui-c ; und die übrigen Ritter des Grafen von Artois stimmten dieser Meynung bey. na) Dschemaleddin bey Reinaud 1'- 4SS- iz) illiitviue a. a, O. Nach Matthäus Paris (p. ?gi) suchte der Graf von Artois, nachdem er auch den Ritter Wilhelm Longaspatha zur Flucht auf- gcfordert hatte, schwimmend durch den Kanal von Aschmum zu entfliehen und ertrank. Wilhelm von Longaspatha setzte zwar den Kampf selbst dann, als seinem Streiiroffe die Füße waren abgehauen worden, noch zu Fuß fort, wurde aber endlich von den Saracenen, welche ihm mit Pfeilen, Stcinwürfen und Schwertern zuseß- ten, getödtet. dtoote vero, fährt Matthäus Paris fort, live xroelium siircccäeiike visum fult mskil suse, irohiliselmse llominse Lomitirsse so ^1-hstissse ste ^ooes, Ilselo noorl- ue, stuost coclo sxerto eusoextuz esc 158 Geschichte der Kreuzzüge» Buch VIH. Kap» VI. Durch diese» unbesonnenen Angriff des Grafen von Artois wurde der ganze im Kriegsrathe sorgfältig überlegte Plan vereitelt; denn auch die übrigen Ritter folgten dem Weyspiele des Grafen und unternahmen, so wie sie das jenseitige Ufer erreichten, den Angriff, ohne die Ankunft der nachfolgenden Scharen zu erwarten. Es gelang ihnen zwar, yniclam miles omnidns armis rcäi- ircitris. Lujus clz-pcnm cum xcr xi- cruram cognovisser, srccxekacta sei- scilabarrir, guisnam esset ixse gui »scenäens ab aicgelis acl rantam su. scipiehatccr gloriam, cujus noverst sxolia; er rcspousum csr voce ma- Itikesta ec arriculara: 'VVillielmus Llius ruus. (Dieselbe Erzählung findet sich auch bei) Matthäus von West- minfier »cl a. I2Z0. cä. icrancok. x. 846). Weiter unten bemerkt Matthäus Paris, dag von dieser Ritterschaft nur zwei, Templer, Ein Johanniter und ein geringer Mann (uim couremxribilis xersona) sich retteten, und einige andere verwundet sich im Schilfe (iu vlirecto) verbargen und daselbst die Nacht erwarteten. In einer folgenden Nachricht (x. 733 ) berichtet derselbe Schriftsteller, dag die Schlachtordnung des Grafen von Artois durch die Unbesonnenheit ihres Anführers icxx> Ritter und überhaupt 7120 Streiter einbüstte, und drey Templer, vier Johanniter und drei) deutsche Ritter sich retteten; ein fünfter Johanniter entkam zwar aus der Schlacht, starb aber, ehe er nach Pto- lemais gelangte, an seinen Wunden. Als getödtete Kreuzfahrer nennt Matthäus Paris, ausicr Wilhelm Longa- spatha und dessen Fahnenträger Robert von Ver, den Grafen Hugo von Flandern (was nicht richtig ist, s. unten), den Grafen Hugo le Brun de la Marche, den Sohn des bcy Da- mictte getödtete» Grafen gleiches Namens, den Grafen von Ponthieu und Nadulph von Coucy; Eauchier von Chatillvn wurde nach Matthäus Paris gefangen und zum Khalifen geführt, was ebenfalls unrichtig ist; s. unten. Der von Matthäus Paris mitgctheilte Bericht mischt übrigens die bcyden Schlachten, die Schlacht, welche durch den Nebergang der christlichen Ritterschaft über den Kanal von Aschmum veranlastt, und die spätere, in welcher der König Ludwig gefangen wurde, zu Einer Schlacht zusammen. Genauer ist die Nachricht, welche in dem von Matthäus Paris mitgctheiltcn Briefe an Len Grafen von Cornwallis (x. 737) sich § 73 ) nennt als in dieser Schlacht gefangene oder getödtete Ritter, auster dem Grafen Robert, von Artois, Wilhelm Longaspatha (l.c>nxne-Lsx>ee) und Nadulph von Coucy, noch folgende: Rogier, Herrn von Nosoi in Ticraisse, Johann, Herrn von Cherist, und Eberhard, Herrn von Braine in Champagne. Nach eben dieser Nachricht wurden viele anders tapfere und kühne Barone, Armbrustschüyen und Serjanten zu Pferde vermisst, so Last niemals von ihnen etwas weiter kund wurde, und alle Templer biS auf vier oder fünf wurden getödtet. 159 Gefechte vey Mansurah. die Muselmänner, welche großentheils in dieser frühen Zeit^-Ar. des Tages noch nicht vom Schlafe erwacht waren, in ihrem an der südlichen Seite von Mansurah errichteten Lager zu überrumpeln und viele Saracenen i» ihren Zelten zu erschlagen; und selbst der Emir Fachreddin, welcher, als das Geschrei) erhoben wurde, daß die Christen das Lager erobert hatten, im Bade sich befand, dann in großer Hastigkeit sein Roß bestieg und an den Lrt der Gefahr sich begab, wurde getödtetDer Sencschall Joinville war unter den Rittern, welche diese zwar kühne, aber unbesonnene Wasfemhat ausführten, und der Seneschall trieb sein Schwert einem vornehmen Saracenen, welcher schon seine Hände auf den Sattel seines von einem Knechte gehaltenen Rosses gelegt hatte, um dasselbe zu besteigen, mit solcher Gewalt in die Schulter, daß derselbe todt zu Boden fiel. Der Knecht verließ zwar seinen Herrn und dessen Roß, um zu entfliehen; gab aber im Fliehen mit seinem Schwerte dem Seneschall auf beyde Schultern einen solchen Schlag, daß er auf den Hals seines Strcitrosses fiel, und der Saracene hielt den tapfern Ritter in dieser Stellung so fest, daß derselbe nicht im Stande war, sein Schwert zu gebrauchen. -Als es dem Seneschall endlich gelang, eines andern Schwertes, welches 14) Dschemaleddln be» Neinaud p. HZg. -^.vnlkeä. ,Viin. mosi. 1'. IV. x. zog. Nach der Lxistola 8.Imäo- vici (I. o.) wurden außer dem Emir Fachreddin l tüaxitancue garacciio- inm) noch mehrere andere Emire getödtet. Dieselbe Nachricht giebt auch die Notation mannsvrite (x. 571), welche den Emir Fachreddin durch den Namen NacNaiüin bezeichnet, wofür wahrscheinlich isacluiiLin gelesen werden nn>8- Joinviile erwähnt des Todes des Fachreddin nur gelegentlich x. ZS. Es ist auffallend, dag keiner dieser Schriftsteller die Schlachtordnung oder Schar bezeichnet, von welcher der Emir Fachreddin erschlagen wurde; dag er nicht in der Stadt Mansurah, sondern im Lager erschlagen wurde, erhellt aus der Erzählung des Dschemaleddln. I. Clir. >250. 160 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. an dem Sattel des Streitrosses befestigt war, mächtig zu werden, so entfloh der Saracene * *). Mittlerweile sammelten sich die Mamluken, welche von dem Sultan Ejub unter dem Namen der Baharischen und Dschamdarischen waren gebildet worden, lauter auserlesene Reiter, unter welchen Rokn eddin Bibars mit dem Beynamen Vondokdar, d. i. der Bogenhalter, durch Entschlossenheit und Tapferkeit sich auszeichnete; die Muselmänner nannten diese Reiter, welche eben so geschickt in dem Gebrauche des Schwertes als der Lanze waren, Löwen der Schlachten^). Der Seneschall Joinville und die übrigen Ritter, welche in das Lager der Saracenen eingedrungen waren, fließen daher, als sie zurückkehrten, auf eine Heerschar von sechs Tausend feindlichen Reitern, welche im Felde sich aufgestellt hatten, und wurden sofort von ihnen mit furchtbarer Heftigkeit angegriffen. Der edle Ritter Hugo von Trichatel, Herr von Conflans, wurde von den Türken getödtet, und Radulph von Vernon zu Boden geworfen; dem Letzter» aber kam Joinville mit seinen Rittern zu Hülfe' Als aber der Seneschall zurückkehrte an seine vorige Stelle, so drängten ihn die Türken von neuem mit großem Ungestüm, und sein Roß stürzte im Kampfe auf die Knie. Joinville jedoch, nachdem er über den Kopf des Rosses zu Boden gefallen war, raffte sich auf, ordnete den Schild wieder an seinem Halse, nahm das Schwert in seine Rechte und ver- theidigte sich zu Fuß wider die Heiden. Während Joinville in solcher Gefahr sich befand, kam der Ritter Eberhard von IZ) loinviNe x. 47. 43- wundst und durch Peter von Albe- 16) Dschemaleddin bey Neinaud l>. rive aus der Gewalt der Saracenen 4Sg. Wgl. ebendas. i>. 454. befreyt wurde. Entweder gelang dem 17 ) loüiviNe p. 48. Auf der fol» Seneschall die Bestellung seiner Waf- genden Sette (x. 4g) berichtet Join- fengcfahrten nicht, oder Nadulph ge- vtlle, dag Nadulxh von Wernon ver- riech zum zweyten Male in Gefahr. 161 Gefechte bey Mansurah. Siverey heran und gab ihm den Rath, er möchte bey der^«/' Unmöglichkeit, einen so ungleichen Kampf lange fortzusetzen, mit seinen Rittern sich hinter die Mauern eines nahen verwüsteten Gebäudes zurückziehen und dort den König erwarten, welcher im Anzuge wäre. Joinville billigte diesen Rath; als er aber, begleitet von dem Ritter Eberhard, zu Fuße sich zurückzog, so rannte eine Rotte der Türke» mit solcher Heftigkeit an ihm vorbey, daß er zu Boden geworfen, und sein Schild von seinem Halse herabgeschleudert wurde, worauf die Rosse der nachfolgenden Türken in schnellem Laufe über ihn hinweggingen. Nachdem die Türken sich entfernt hatten, so kam Eberhard von Siverey zu Joinville zurück und führte ihn nach dem bezeichneten verwüsteten Hause, wo bald auch die Ritter Hugo von Escoz, Ferri von Loupey und Rainald von Menoncourt sich einfanden. Die Ritter blieben jedoch nicht lange hinter jener Schutzwehr in Sicherheit; denn die Türken griffen von allen Seiten sie an, drangen in das Innere des verwüsteten Hauses ein und stachen und hieben mit ihren Schwertern von der Höhe ihrer Pferde herab wider die Ritter, welche zu Fuß kämpften, während Joinville die Streitrosse an den Zügeln hielt, damit sie nicht entliefen. Mehrere Ritter erhielten in diesem Kampfe schwere Wunden, Hugo von Escoz wurde Lurch drey Hiebe im Gesichte, die Brüder Radulph und Ferri von Loupey wurden beyde in der Schulter verwundet, dem Ritter Eberhard von Siverey wurde die Nase dergestalt abgehauen, daß dieselbe über den Lippen herabhing, und Joinville fand in dieser Noch keinen andern Rath, als den heiligen Jakobus um Hülfe anzurufen Obgleich diese I-ors we «ouvinr äe rnoir- Lsinr , aiäie» niozk er secou- sei^neur Salur lagnes; diarr sira reu a ce desviiig. 7oüiviUv x. 49. L VH. Band. 162 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. VI. 2-Ar-Ritter, welche zu den rüstigsten Kämpfern des Pilgerheers gehörten, wider die Heiden mit einer Tapferkeit kämpften, durch welche sie großes Lob sich erwarben: so wäre doch bey der überlegenen Zahl der Feinde, von welchen sie um- ^ ringt waren, es fast um sie geschehen gewesen, wenn nicht Eberhard von Siverey ungeachtet seiner schweren Wunde sich erboten hätte, zu dem Grafen von Anjou, dessen Schlachtordnung er im Felde erblickte, sich zu begeben Und denselben um Hülfe zu bitten. „Lieber Herr Eberhard," gab ihm Joinville zur Antwort, „mich dünkt, daß ihr ein gutes Werk verrichtet, wenn ihr uns Hülfe erwirkt, um unser Leben zu retten; euer Leben aber ist in großer Gefahr." Die schlimme Ahnung des Seneschalls ging wirklich in Erfüllung, und der Ritter Eberhard starb an seiner Wunde. Da auch die übrigen Ritter das Anerbieten des Ritters Eberhard billigten, so bestieg derselbe sein Streitroß und eilte zu dem Grafen von Anjou, welcher ungeachtet des Widerspruchs, den einer seiner Ritter erhob, den bedrängten Waffenbrüdern mit mehreren Serjanten zu Hülfe kam, worauf die Türken sich zurückzvgen. Kaum waren Joinville und seine Ritter aus der großen Gefahr, in welche sie geralhen waren, errettet worden, so erblickten sie die Schlachtordnung des Königs, welche unter dem Schalle der Heerpauken, Trompeten und saracenische» Hörner heranzog und auf einem erhöhten Wege Halt machte; und der König war ihnen durch seine treffliche Rüstung vor de» Rittern seines Gefolges kenntlich, indem Ludwig einen vergoldeten Helm auf seinem Haupte trug und ein deutsches Schwert") in seiner Rechten führte. Bald sahen die Ritter vl; car il. xsioir (paroik^oiL) «lesur sou uuo e8xse ä.' route sa ßeue ääs 1e» espLu1e8 eü eü ka MLiu. ^oiuvills x». 49. Gefechte bey Mansurah. 163 die königliche Schlachtordnung im Handgemenge mit den^A?' Türken; und ohne den Schuß eines Bogens oder einer Armbrust vermischten sich die Schwerter und Streitkolben der Kreuzfahrer und Türken. Dem Seneschall Joinville brachte in diesem Augenblicke einer seiner Knappen, welcher mit dem Paniere des Seneschalls entflohen war und jetzt zurückkehrte, ein Roß ^°), welches Joinville sofort bestieg, um zu dem Könige sich zu begeben. Die Ritter, welche die königliche Schlachtordnung bildeten, kämpften zwar mit der rühmlichsten Tapferkeit wider die Saracencn, welche an Zahl um vieles ihnen überlegen waren; Ludwig aber war unentschlossen und schwankend in seinen Anordnungen. Als der Ritter Johann von Valeri ihm den Rath gab, sich rechts mit seiner Schlachtordnung nach dem Kanal zu wenden, damit sowohl die Serjanten, welche durch die Hitze des Tages ermattet waren, mit frischem Wasser sich erquicken möchten, als auch der Herzog von Burgund und die Kreuzfahrer, welche zur Bewachung des Lagers jenseit des Kanals zurückgeblieben waren, im Falle der Noch dem Könige Bey- stand leisten könnten: so gab Ludwig mit der Bewilligung der Ritter seines vertrauter» Raths ") den Befehl, daß die Oriflamme und die übrigen Paniere den Weg rechts nach dem Kanäle nehmen sollten. Kaum sing die königliche Schlachtordnung an, unter dem Schalle der Trompeten und saracenischen Hörner diese Bewegung anszuführen: so nahm der König seinen Befehl zurück, weil ihm gemeldet wurde, die Grafen von Poitiers und Flandern und mehrere andere Barone waren mit ihren Schlachtordnungen in einen gefährlichen Kampf wider die Türken verwickelt und würden von den Feinden so heftig bedrängt, daß sie der Hülfe be- So) vn Wien roncin, ioinville 21 ) S. oben S. iiy. A»m> 73- I>. 4g- L 2 164 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. k dürsten. Als aber Johann von Valeri zurückkam und dem i Könige so wie den Rittern des königlichen Raths wegen ihres Wankelmuthes Vorwürfe machte: so wurde die früher gebotene Bewegung der königlichen Schlachtordnung nach ! j dem Ufer des Kanals von dem Könige und den Rittern - seines Raths aufs neue beschlossen. ! In diesem Augenblicke brachte der Connetable Jmbert ^ ) von Beaujeu die Meldung, der Graf von Artois sey in ; einem Hause der Stadt Mansurah von den Türken ringe- -! schlossen, worauf der König erwiederte: ,,Eilt, edler Conne- ^ table, nach Mansurah und sucht zu helfen; ich werde euch i folgen." Joinville erbot sich hierauf, dem Connetable als dessen Ritter zu begleiten, was der Connetable mit Dank ; annahm. Sie waren aber noch nicht weit geritten, als ein i Serjant^) ,n großer Angst dem Connetable meldete, daß i eine zahlreiche türkische Heerschar dem Könige den Weg ver- - legt hatte; und die Ritter sahen, als sie sich umwandten, I daß sie durch eine Heerschar von mehr als Tausend Türken ^ von dem Könige getrennt waren. Da ihrer nicht mehr als '' sechs waren, so wagten sie es nicht, jene Türken anzugrei- j fen; sondern sie beschlossen auf den Rath des Seneschalls ^ ! Joinville, über einen kleinen Kanal"), welcher an ihrer linken Seite sich befand, zu gehen, und an dessen entgegengesetztem Ufer die Rückkehr zu der königlichen Schlachtord- i nung zu versuchen. Der Uebergang über diesen Kanal wurde zwar, da die Türken, beschäftigt mit dem Kampfe wider die königliche und andere in deren Nahe aufgestellte ! Scharen der Kreuzfahrer, jene Ritter nicht gewahr wurden, glücklich vollbracht; die Ritter bemerkten aber bald, daß 2 S) I7n serjant L wLoe. 7oinvUlo ter unten (?. ZI) nennt er riesen Ka- k- not: le IN, und (x. Sr) 1e lui-sel. sz) I°o,re. 5o!nv. a. 0 . O. Wei- 165 ' Gefechte bey Mansurah. der König das Ufer des Kanals von Aschmum erreicht hatte, und die übrigen Scharen der christlichen Ritterschaft von den Türken, welche mit Streitkolben und Schwertern die Ritter anfielen, gegen das Ufer desselben Kanals gedrängt wurden. Die christliche Ritterschaft vermochte so wenig diesem heftigen Angriffe der Türken zu widerstehen, daß vielmehr die Scharen sich auflösten und die einzelnen Ritter durch Schwimmen über den großen Kanal zu entfliehen versuchten, was unmöglich war; denn ihre Pferde waren durch den Kampf und die Hitze des Tages ermüdet. Biele der Flüchtlinge ertranken, und die ganze Oberfläche des Kanals war bedeckt von den Schilden, den Lanzen, den Rossen und den Leichnamen der Kreuzfahrer, welche ein Raub der Wellen geworden waren 2*). Dem Seneschall Joinville erzählten nach der Beendigung dieser gefährlichen Schlacht die Ritter von Courtenai und Johann von Saillenai, daß der König selbst in dem Getümmel jenes unglücklichen Kampfes schon von sechs Saracenen als Gefangener hinweggcführt wurde, durch seine eigene Kraft und Tapferkeit aber sich wieder befteyte; worauf die christlichen Ritter, ermuthigt durch das Beyspiel des Königs, von der Flucht über den Kanal abstanden und wieder um die heilige Oriflamme sich sammelten, um dem Könige Beystand zu leisten. Unter solchen Umstanden achteten der Connetable, der Seneschall Joinville und die übrigen Ritter es für unmöglich, zu dem Könige zu gelangen, und sie zogen es vor, eine Brücke des kleinen Kanals, auf dessen südlichem Ufer sie stromabwärts geritten waren, zu besetzen und nachkommenden saracenischen Scharen den Uebergang zu verwehren, damit der König und die übrige christliche Ritterschaft nicht 24) loüivMe x. Zr. Dgl. -LLLusorlre x. 572. 2. Chl. 1252. 166 Geschichte der Kreuzzüge. BuchVIII. Kap. VI. auch im Rücken angefallen werden möchten. An dieser Brücke fand bald hernach auch der Graf Perer von Bretagne sich ein, welcher, im Gesichte durch den Hieb eines Schwertes verwundet, von Manfurah kam und von den verfolgenden Türken so gedrängt wurde, daß er nur mit Mühe sich im Sattel hielt, indem er den Hals seines Rosses umfaßte und die Zügel am Sattelknopfe herabhingen. Gleichwohl 'rief er, während das Blut aus seinem Munde floß, mit lauter Stimme, seine Verfolger verachtend: „Vey Gottes Haupte, sähet ihr jemals solche Schurken")?" Nach ihm kamen auch der Graf von Soiffvns und der Ritter Peter von Nonille"), gleichfalls von den Türken verfolgt; die Türken ließen aber ab von der Verfolgung, als sie sahen, daß die Ritterschaft, welche die Brücke besetzt hielt, ihre Gesichter gegen sie wendete und sich anschickte, wider sie zu rennen. Joinville aber bat den Grafen von Soissons, mit welchem er verschwähert war, so wie den Ritter von Nouille, bey der Brücke zu bleiben und an deren Vertheidigung Theil zu nehme», worein sie gern willigten. Hierauf begab sich der Connetable, indem er dem Seneschall Joinville die Behauptung der Brücke angelegentlich empfahl, nach dem Lager jenseit des Kanals von Aschmum, um über die Nothbrücke, welche während der Schlacht über diesen Kanal von dem im christlichen Lager zurückgebliebenen Volke aus dem Holze der Schiffe und Kriegsmaschinen in der Eile und mit großer Anstrengung erbaut wurde"), die Armbrustschützen zum Beystande herbeyzuführen. 25 ) Voi x-our Iv «Iiies Oien, LV02 ven ste «es ridans. loinviNc x. ZI. In rem Texte Vor pariser Ausgabe der Geschichte des Joinville vom I. 1761 werden diese Worte so gestellt, als vb der Graf von Bretagne damit seine eigenen Leute meinte; ich bin aber dem Texte von Ducange gefolgt. 36 ) l?ierre äe dsonille gue 1'en oxxclle Laier (Laxer). solnviUe a- a. O. 271 Ibi juxte gorraoenoxum ML- 167 Gefechte bey Mansurah. Die Heftigkeit, mit welcher die christliche Ritterschaft von den Türken sich bedrängt sah, wurde je ungestümer, ja langer der Kampf wahrte. Viele sonst unerschrockene Ritter verzagten, suchten ihr Heil in schimpflicher Flucht und flohen über die von Joinville und dessen Wassengefahrten besetzte kleine Brücke mit so ängstlicher Hastigkeit, daß diese Ritter sie nicht aufzuhalten vermochten "). So wie der Graf von Bretagne mit seiner Schlachtordnung von den Türken in die Flucht war getrieben worden, so hatte auch der Ritter Gnjou von Malvoisin mit seiner Schar dasselbe Schicksal ; und die Türken begnügten sich nicht mehr damit, mit ihren Schwertern und Kolben die Ritter anzu- äie ossrrs nostrs nosnimns, Fsoco Ldi xrins ponto «le lignls, per c^uem possent iili, Hni ersnt nltrs /1u« viuin, sä. nos lrsnsmesre. Lpisrols 8 . I-.näovioi 71 . 439 . Vgl. Onil. äe Tsssnx. und Vincent. Lellov. 1. 0 . Nach der relsrion inannscrito (p. §74) wurde diese Brücke von dem Fußvolke, welches im Lager jenseitdes Kanals zurückgeblieben war, erbaut: estoient s nos lierlierges gni l)ien veoienr 350. 168 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. fallen, sondern sie begannen auch das den christlichen Rittern furchtbare griechische Feuer zu schleudern. Immer ruckten frische türkische Scharen heran, durch welche die ermüdeten Kampfer ersetzt wurden, und der christlichen Ritterschaft wurde der Kampf um so schwerer, da ihre Pferde ermatteten, und die meisten derselben verwundet waren. Unter dem furchtbaren Schalle der Hörner und Heerpauken und dem Wiehern der Rosse begannen ihre zahllosen Scharen den Angriff mit gewaltigem Geschrey und einem dichten Pfeilregen, und wenn die Türken sahen, daß die Pferde der Ritter verwundet waren, so hingen sie die Bogen an ihre linken Arme und schlugen wider die Kreuzfahrer mit Schwertern und Keulen. Der König ermunterte zwar seine Waffengefährten durch kräftigen Zuspruch zur Ausharrung im Kampfe und zum Vertrauen zu dem Heilande, welcher ihnen den Sieg über ihre zahllosen Feinde sicherlich verleihen würde; er gebot den christlichen Scharen, sich so sehr als möglich in eng geschlossenen Gliedern zu halten; und von Zeit zu Zeit rannten, wo eine günstige Gelegenheit sich darbot, die Ritter wider die Türken und trieben sie in die Flucht. Wenn aber Eine türkische Schar verjagt war, so erschien eine noch zahlreichere und ungestümere an deren Stelle. Die Türken richteten vornehmlich ihren Angriff gegen die Schlachtordnung des Königs, welchen sie an seiner glänzenden Rüstung erkannten; Ludwig aber ermüdete nicht im Kampfe und entzog sich keiner Gefahr, und diejenigen, welche an dieser furchtbaren Schlacht Theil genommen hatten, versicherten ein- müthig, daß nur durch die ausdauernde Tapferkeit des Zs) 1 i 8LrrL8ln5 s'Lxroelä- tsmdurs» üe cris äo xens et äe clie- lkent äe ussrre xent, 1a iioize Lust vaiis Hue ee estoir ßraar Iiläeruc s ei LsranL äc corr ed äe duisiries, äe oir. IVelLilon wLiiuscrlie x. 575« 169 Gefechte bey Mansurah. Königs an diesem Tage die völlige Vernichtung seines Heers abgewendet worden sey^). Indem die Türken von allen Seiten die christliche Ritterschaft bedrängten, wurden auch der Seneschall Joinville und seine Waffengefährten in ihrer Stellung auf der Brücke von Türken, welche von der südlichen Seite des Kanals kamen, angegriffen, und der Ritter Peter von Nouille erhielt von hinten mit einer Streitkvlbe einen so heftigen Schlag, daß er auf den Hals seines Rosses fiel, worauf der Türke, welcher ihm diesen Schlag gegeben, über die von den Rittern besetzte kleine Brücke einen Weg sich öffnete und zu den türkischen Scharen entfloh, welche wider den König Ludwig und die übrige Ritterschaft des Kreuzes kämpften. Als die Türken, welche den Angriff wider die kleine Brücke unternommen hatten, an einem anderen Orte über den kleinen Kanal auf dessen nördliches Ufer übergingen r so wählte Joinville mit seiner Ritterschaft eine solche Stellung, daß sie auf gleiche Weise bereit zum Widerstande waren, die Türken mochten entweder den König anzugreifen oder der Brücke sich zu bemächtigen versuchen. In dieser Stellung wurden die Ritter durch das von türkischen Fußknechten geschleuderte griechische Feuer auf das heftigste belästigt; der Seneschall Joinville wurde an fünf, und sein Roß an nicht weniger als fünfzehn Stellen durch die brennende Masse verwundet, und durch einen glücklichen Zufall entdeckte der Seneschall auf dem Schlachtfelds den mit Werg gefüllten Rock eines Saracenen, dessen er sich als eines trefflichen Schutzes gegen fernere Verwundungen bediente^). Ungeachtet dieser schmerzlichen Wunden unterließ der Seneschall es nicht, mit seinen Waffengefährten den Zl) Relation ruLnusLiite 57Z. Z74. ZS) lolltville x. Z2. 170 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. Serjantcn Hülfe zu eilen, wo er sah, daß dieselben von den Türken bedrängt wurden; und ein Panier mit einer Schwertklinge, welches ihm ein Bürger aus seiner Stadt Joinville eben damals brachte, leistete ihm in solchem Kampfe erwünschte Dienste. In dieser Lage der Dinge verlor der Graf von Soissons so wenig seine gute Laune, daß er, scherzend in seiner gewohnten Weise zu reden, zu Joinville sprach: „Seneschall, lasten wir dieses Gesindel toben; bey der Helmhaube Gottes, von diesem Tage werden wir einst den Damen zu erzählen haben Der Ausgang dieses Kampfes, welcher von der Frühe des Morgens bis zum Sonnenuntergänge dauerte, wurde endlich dadurch zum Vortheile der Kreuzfahrer entschieden, daß der Connetable Jmbert von Beaujeu mit den Armbrustschützen über die Nothbrück'e, welche über den Kanal von Aschmum mittlerweile zn Stande gebracht worden war, nicht ohne große Gefahr auf das Schlachtfeld gelangte ZI) 1.6 Non 00216 So öoissoils 62 06 xolnl 1 k 02 2028 6811028 , 86 120 - r^uoll k 2I0V 6 t 126 cllZOll: 8626- 126 11 ,22011, 620026 62 xiarlorons 2028 So 06816 ,022266 68 ek2m1>26S a .68 ^22168. ioi2viU6 a. n. O. Anstatt 1a giiolko Oien stellt in dem Texte von Oucange (p.47): la oreike (g26kke) Di62. tzuolko oder oooko hieß die Mütze, welche die Ritter unter dem Helme trugen. 34) lolnvllte I>. Z2 53. IVIaie, sagt dis Helallon i 222 U 80 rire lx. 575 ) unmittelbar nach der oben Anm .27 mik- getheilten Stelle, <42221 1i 82222812 s 11 86 122188621 2221026 61 86 7>22t1- 2621 üe steuäroll ei 8 62 »lerenl 2 1622 Iw2l,62g68. Dschsmaleddin berichtet über Len Ausgang der Schlacht seit dem Worrücken der Baharischen und Dschamdarlschen Mamluken lbcy Nelnaud x. 48 s) also: „In einem Augenblicke wurden die Franken durch die Schwerter der Türken hinweggemäht und durch deren Keulen zerschmettert, und fünfzehnhundert der tapfersten und ausgezeichnetsten Franken bedeckten mit ihren Leichnamen das Schlachtfeld. Dieser Sieg wurde so schnell errungen, daß das christliche Fußvolk über die Brücke, welche über den Kanal war erbaut worden, nicht zu rechter Zeit herankommen konnte. Wenn die Reiterei) der Christen es vermocht hätte, länger ihren Stand zu behaupten, oder deren ganzes Fußvolk an dem Kampfe 171 Gefechte bey Mansueah. und seine Schützen, deren gewohnten Beystand die Ritter zu großem Nachkheile in dieser Schlacht entbehrt hatten in trefflicher Ordnung aufstellte; als die Türken sahen, daß die Armbrüste gespannt wurden, so zogen sie sich zurück, und die einbrcchende Nacht beendigte diesen blutigen Kampfs). Die Kreuzfahrer verdankten ohne Zweifel bey der Planlosigkeit, mit welcher sie gestritten hatten, die Behauptung des Schlachtfeldes nur der eben so großen Planlosigkeit, welche nach dem Tode des Emirs Fachreddin in den Angriffen der Türken sichtbar war. Selbst die türkischen Kriegsmaschinen, welche bisher den Kreuzfahrern so großen Schaden zugefügt hatten, fielen in die Gewalt der Kreuzfahrer "), und an dem Orte, wo diese Maschinen aufgerichtet waren und ein großer Theil des türkischen Heeres bisher sein Lager gehabt hatte, errichteten der König Ludwig und seine Barone und Ritter ihre Zelte; und als Joinville, nach dem Rückzüge der Türken von dem Connetable zu dem Könige ge- Lheil genommen hätte: so war es um Len Islam geschehen; aber schon war ihre Netteren fast gänzlich vernichtet, und nur ein Theil derselben entkam aus Mansurah und rettete sich auf einen Hügel, welcher Dschedileh heißt, wo sie sich verschanzte. Die Nacht trennte endlich die Streitenden." Abulfeda (Lim. Iliosl. 1. IV. x. 506) giebt von dieser Schlacht nur eins sehr kurze und ungenügende Nachricht. 85 ) Odldente lioilis oillllino ha- listarum kllN-iäiu. Lpi-tolr 8. lai- stovici x. 409 (Omi. sie I-saiig. x. zzz. Viiia. Lellov. XXXI. gg.) 36) Nach Joinville (x. 52) endigte sich die Schlacht: le eoir »a eoleil aoliadaiit, und die Ritter gelangten (nach i>. 55 ) erst mit einbrechender Nacht (ä laiiiliticr) in ihre Herbergen; nach dem Schreiben deü Königs Ludwig endigte sich die Schlacht: llsglie draller Ilor^m lioiiaill ; nach der Relation Iliaiinscrits (x. 874): jlisglies eiiloiir äe iioinie. Vgl. 6ml. sie hlang. und Viliaeilt. Lcl- lov. t. a, 37) Nach der Angabe der Relation lllLiiiisciite (x. 575) 24 an der Zahl. Weiter unten wird aber ebendaselbst deren Zahl nur zu rq angegeben. Wgl. oben S. 137 die Nachricht LcS Joinville, nach welcher die Sarace- ncn sechszehn Wurfmaschinen gegen das Lager der Kreuzfahrer richteten. Wgl. Lxistola 8. I-listovioi (6nil. cle klang. und Vinoent, Rellov.) I. c. und loiiivillo x. gz. 172 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. ^i!-L°?sandt, um denselben auf dem Marsche zum Lagerplätze zu begleiten, mit den königlichen Rittern dahin gelangte, so sah er, daß saracenische Fußknechte noch mit einigen geringen Kreuzfahrern um den Besitz eines Zeltes kämpften; Join- ville aber und der Meister der Templer rannten sogleich wider diese Saracenen und vertrieben sie, und das Zelt blieb in der Gewalt der Kreuzfahrer. Joinville errichtete hierauf sein Zelt, welches die Templer ihm überließen und seine Leute von dem andern Ufer des Kanals ihm brachten, vor den eroberten Kriegsmaschinen, zu deren Bewachung der König einige seiner Serjanten anwies. Es wurde zwar keine Beute an Gold oder Silber in dem eroberten Lager gefunden, weil nach dem Rückzuge der Türken die Beduinen in das verlassene Lager eingedrungen waren und Alles geraubt hatten, was sie wegtragen konnten gleichwohl erbeuteten die Pilger viele Zelte und anderes Heergeräth, so wie auch einen Vorrath von Bauholz, welches ihnen nützliche Dienste leistete Ludwig erfuhr den Tod seines Bruders, des Grafen von Artois, erst, als er nach dem Ende der Schlacht zu dem Lagerplatze sich begab, indem der Johanniter Heinrich von Ronnay, welchen er auf dem Wege antraf und um Nachrichten von dem Grafen befragte, zur Antwort gab: er wisse wohl, wie es dem Grafen ergangen sey, dieser befinde sich ohne Zweifel im Paradiese. „Aber, gnädiger Herr," fuhr der Ritter fort, „ihr mögt euch damit trösten, daß euch eine herrlichere Waffenthat gelungen ist, als irgend einem andern Könige von Frankreich, indem ihr ohne Schiffe über einen breiten Fluß gegangen seyd und die Saracenen aus dem Felde geschlagen, so wie deren Maschinen und Zelte Zg) loinville x. S4. zz. 39 ) Nolarjoil msiniicrUe x, L?6. 173 Gefechte bey Mansurah. erobert habt." Der König erwiederte zwar: „Gott sey ge, priesen für das, was er uns gegeben hat;" aber Thranen rollten von seinen Wangen-O). Die Saracenen, obgleich sie das Schlachtfeld den Kreuzfahrern überlassen hatten, schrieben dennoch den Sieg sich zu und betrachteten diesen Tag als den Anfang einer neuen Verherrlichung ihres Glaubens. Die Einwohner von Ka» hirah vernahmen am Morgen des folgenden Tages die Kunde von jenem Siege mit desto größerer Freude, als sie den Tag der Schlacht und die darauf folgende Nacht in großer Angst zugebracht hatten; denn am Nachmittage überbrachte dem Statthalter Husameddin eine Brieftaube ein Schreiben mit der Nachricht, daß die Stadt Mansurah von den Kreuzfahrern bedrängt würde, am Abende gelangten die ersten Flüchtlinge aus dem saracenischen Lager nach Ka- hirah, und das nach der Seite von Mansurah gelegene Thor des Sieges blieb wahrend der ganzen Nacht für die Flüchtlinge geöffnet. Sobald als die Nachricht von dem Siege der Muselmänner nach der Hauptstadt gelangte, so wurden die Straßen sowohl der alten als der neuen Stadt mit Tapeten geschmückt, und in beydcn Städten vernahm man überall laute Aeußerungen der Freude und des Jubels "). An die Spitze der Türken trat zwar nach dem Tode des Emirs Fachreddin, weil die Ankunft des Sultans Tu- qo) Ludwig selbst drückt sich (LpL- 5tol-i 1. e.) also über den Tod seines Bruders aus : Idi (i. e. post Lnoon- sultum prooesstUQ nostrorum) etiani rllum xrLeoorüiLleni et xraeclarum Frstrem nostruni reeolerräse inemo- riae, ^.tredatensein comitem, tem- xoralirer amisimus, yriock cum oor- üis amsritnäluL reaolimus et cko- lore; lieet äs ipso § 2 uckenäura sie potius guani äoleriäum, guoniLni pro eerro ereäimus et speramus, eum eorons. mrirt^iri aä ooelestenr evolrsso parriLiL er cmn 88. MLrt^- ridus perenniter con§3uäere. ar) Dschemaleddln bey Neinaud S, 43Y. 4üo. S.Cbr. I2Z0. 174 Geschichte der Krenzzüge. Düch VIII. Kap. VI. bevorstand, kein nener Stellvertreter mit unumschränkter Gewalt, sondern Einer der Emire übernahm nur den Befehl über das Heer""), hss Sultanin Schadschrcddor blieb an der Spitze der Verwaltung, und alle Verordnungen und Gebote wurden im Namen des Sultans Ejub erlassen, dessen Tod noch immer nicht öffentlich bekannt gemacht wurde gleichwohl setzten die Türken den Kampf wider die Kreuzfahrer mit großer Thätigkeit fort. Die christlichen Ritter hatten, ermüdet von den Beschwerden des gefährlichen Kampfes, die meisten unter ihnen durch Wunden geschwächt, kaum zur Ruhe sich begeben, als sie noch vor dem Anbruche des Tages ") durch den Ruf: zu den Waffen, wieder ans dem Schlafe geweckt wurden. Der Seneschall Joinville sandte sofort seinen Kämmerling, welcher vor dem Bette seines Herrn schlief, ans, um Kundschaft einzuziehen, und dieser brachte die Meldung, daß ein Haufe von Sara- cencn zu Fuß und zu Pferde die Serjanten, welchen die Bewachung der eroberten Kriegsmaschinen von dem Könige war übertragen worden, angegriffen und vertrieben hätte <"). Worauf Joinville, ungeachtet seiner Wunden, sogleich feinen Waffenrockund Helm änlegte und mit seinen Rittern die Saracenen verjagte; diese aber zogen sich zurück auf 42) IIu vaillaut Sarrazin yue nos euuemls avoieut Fet oliievetaine xour 8eeceä1o (Fachreddin), Io lllr: au 8e1o. loiuvMo x. §6, vgl. x. 67. Die arabischen Nachrichten enthalten keine Nachricht.über den Nachfolger des Emirs.Fachreddin im Befehle d.es Heers; Mtchaud (List, äes 6 rols. iv. 2». .296) nimmt an/ es sey der Emir Nokn eddin Bibars gewesen. 43 ) Dschemaledvtn bey Reinaud x. 460. 44 ) ^.vaut guo 4l lenst dien zour. loiuvllle p. 5Z. 45) Lt 11 revlut tont elkrss et ms ält; 81re, or sus, or sus, yue vs^ei los 8Lrra2ln8 <^u1 sour veuuL L xls et olieval, et out. äoseoullL les sori-ius 1e Ro^ cjul K-iräoiout les eu- §1ns, er les out mis äoäsus les cor- äes äe uos xavelllous. loluville a. a. O. 46) le me levsl et getsl uu gam- doison eu mou Los. loluv. a. a. O. 175 Gefechte bey Mansnrah. eine zahlreiche Schar von türkischen Reitern, welche längs den eroberten Kriegsmaschinen sich aufgestellt hatte, um das christliche Lager zu beobachten-^). Da Joinville sich nicht kräftig genug fühlte, mit seinen Rittern, welche eben so wie er verwundet waren und daher nicht einmal ihre Rüstung anlcgen konnten, die wieder genommenen Maschinen gegen fernere Angriffe zu behaupten, so bat er den König um schleunigen Beystand, und bald erschien von dem Könige gesandt Ganchier von Chatillon, welcher mit seiner Schar vor den Zelten des. Seneschalls Joinville und seiner Ritter sich aufstellte und die saraccnischen Fnßknechte, als dieselben einen neuen Angriff unternahmen, in die Flucht trieb. Gleichwohl behauptete die saracenische Reiterey ihre Stellung vor dem christlichen Lager, und acht trefflich bewaffnete feindliche Reiter"), welche ihre Pferde verlassen hatten, stellten sich hinter einen von ihnen aufgeschütteten Haufen von behauenen Steinen ") und warfen, gesichelt durch diese Schutzwehr gegen die Pfeile der christlichen Armbrusischü- tzen, in das Lager der Kreuzfahrer ihre Geschosse, durch welche mehrere Pilger und Pferde verwundet wurden. Während Joinville mit seinen Rittern darüber sich berieth, wie jene Schutzwehr, welche die saracenische» Schützen gegen jeden Angriff zu sichern schien, zerstört werden könnte, entfernte sich sein Capellan Johann von Vassey, welcher dieser Berathung beywohnte, aus der Versammlung, legte seinen Waffenrvck und Helm an, schlich sich, sein Schwert unter dem Arme verbergend, unbemerkt an die Saraceuen und 47) rour xaräer yne rious ne e6 Iinlr äe leurs nwule keurx>.i8sion8 1'osr aii5 Sarrsriins Hui 'dien »rkies. . estviL 1o§iv äariöre eul 2 . 7oinvM.s liouillei« äe x»1erres tarl- 4S) Nach Jeinville'S Angabe waren a. a. O. 176 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. überfiel sie mit solchem Ungestüm, daß keiner von ihnen Stand hielt, sondern alle die Flucht ergriffen. Die türkischen Reiter eilten hierauf herbey, um ihren Waffengefähr- ten beyzustehen, und es erhob sich zwischen ihnen und fünfzig christlichen Serjanten zu Fuß ein heftiger Kampf; die Ser- janten leisteten aber beharrlichen Widerstand, und die türkische Reiterey, nachdem sie zwcy Mal oder drey Mal ver, geblichen Anlauf genommen, und ein Türke durch daS kräftig geführte Schwert eines Serjanten eine schwere Wunde empfangen hattezog sich endlich zurück. Worauf die Serjanten den Steinhaufen, welcher den saracenischen Schätzen als Brustwehr gedient hatte, wegräumten. Der Priester Johann von Vaffey machte sich durch seine kühne und glückliche Waffenthat einen so berühmten Namen im Heere der Kreuzfahrer, daß, wie Joinville bemerkt, ihn Einer dem Andern zeigte und sprach: „Das ist der Priester des Herrn von Joinville, welcher acht Saracenen überwunden hat." y. Zebr. Am Aschermittwoch und an dem darauf folgenden Tage beschäftigten sich die Kreuzfahrer, da sie an diesen beyden Tagen nicht durch Angriffe der Türken beunruhigt wurden, mit der Errichtung einer Schiffbrücke, wozu das im Lager der Saracenen erbeutete Bauholz, so wie auch das Holz der eroberten Kriegsmaschinen, welche man zerstörte, benutzt wurde, um eine bequemere Verbindung mit dem jenseit des Kanals von Aschmum zurückgelassenen Lager, als vermittelst der am Tage der Schlacht erbauten Nothbrücke möglich war, zu bewirken"). Auch wurde auf den Befehl des So) 17» äe iios reijan, tint soa glaicee xrroü le Millen et le lLUHit ä UN lies I'ui- ü cdeval et li eil Loos xarmi le, cosres. loinville a. a. o. Sl) LxiLtola 8. I-Uclovici x. 4-A. Rach der NelLtiv» MLNu,orite l>. 57Z wurde außer der am Aschermittwoch neu errichteten Schiffbrücke auch die Nochbrücke in bessern Zustand gesetzt Gefechte bey Mansurah. 177 Königs sowvhl der Zugang zu dieser Schiffsbrücke, als das^-Ar. am südlichen Ufer des Kanals errichtete Lager, welches auf einer Anhöhe sich befand"), gegen die Ueberfalle der Feinde durch hölzerne Schranken gesichert"). Die christliche Ritterschaft hatte aber die ferneren Angriffe der Saracenen um so mehr zu furchten, als ihre Starke durch den erlittenen beträchtlichen Verlust an Mannschaft und Pferden eine große Verminderung erlitten hatte, und sehr viele Ritter und ein großer Theil der noch vorhandenen Schlachtrosse wegen der Wunden, welche sie in der großen Schlacht empfangen hatten "), kaum fähig zum Kampfe waren. Unter diesen Umstanden wäre ohne Zweifel kein besserer Rath für das Heer der Kreuzfahrer gewesen, als nach Damiette sich zurückzuziehen, dort den Verwundeten und Ermatteten Ruhe und Erholung zu vergönnen und die Ankunft von Verstärkungen zu erwarten, und späterhin unter günstiger« Verhältnissen mit Vermeidung der bis dahin begangenen Fehler von neuem die schwierige Eroberung des übrigen Landes von Aegypten zu unternehmen. Der König Ludwig aber und seine Barone konnten sich nicht entschließen, die Vortheile, welche sie errungen zu haben glaubten, wieder aufzugeben. Wahrend die Kreuzfahrer mit der Errichtung der Schiffbrücke und der Befestigung ihres neuen Lagers beschäftigt waren, erhielt der König Ludwig durch die Späher, welche er im feindlichen Lager unterhielt"), die Nachricht, daß (§1 HN« xouvoLt Ller en. xlu- kieurs Üeirs xLr - Lessrrs 1e ürur sn- remenc). § 2 ) Wgl. die Nachricht des Dschem- aleddin oben S. Anm. 34. ZI) I^L Irce eätoLr tele grre LI x Lvoir Ions inerriens, xpureegue Les SsrrL 2 iaL ne ee Ferisserit xarivL I'osr» et estoleut araekLes en terre eu tele zasrüere giie Leu xooit xasser xsr- uri iL merrien 2 xLe. loüiv. x. Z7. Vgl. LVistola S. L-kiLovLeL und Le- IstLon. LlsniL-erLte 1 . e. 54) I^elLtion MLnriLcrite a. a. O. ZA) I.es esxLes Le ^nL ^ esroL- eur en L ost äes ä2ri?.2ln-. Loinv. x>. S7. Dgl. oben S. 133 . *39» M Band. 178 Geschichte der Kreuzzüge. Bnch VIII. Kap. VI. 2 -Ar. dxr türkische Emir, welcher damals an der Spitze des Heers der Saracenen stand, die Absicht hatte, am nächstfolgenden Freytage einen allgemeinen Angriff wider das Heer der Kreuzfahrer zu unternehmen, und daß dieser Emir, um den Muth der Muselmänner zu starke», dem Volke den Waffenrock des getödteten Grafen von Artois gezeigt hakte, indem er vorgab, es wäre der Waffenrock des Königs von Frankreich, welcher von den Muselmännern im siegreichen Kampfe wäre erschlagen worden. Die christliche Ritterschaft, so sehr sie auch der Ruhe bedurfte, war also genvthigt, zu einem neuen Kampfe sich bereit zu halten. n.Febr. Als am Freytage kaum die Sonne aufgcgangen war, so erblickten die Kreuzfahrer türkische Reiterey, in der Zahl von etwa vier Tausend Pferden, längs dem christlichen Lager von dem großen Nilarme bis zu dem Ufer des Kanals von Aschmum sich aufstellcnd; in einer zweyten Schlachtordnung nahm zahlreiches Fußvolk dieselbe Stellung, und die ägyptischen Truppen bildeten die dritte Schlachllim'e, um im Falle der Noth den beyden vordem Schlachtordnungen Beystand zu leisten. Bald hernach näherte sich der feindliche Oberbefehlshaber, auf einem kleinen Rosse reitend, dem Lager der Kreuzfahrer und erspähte die Stellung des christlichen Heers; worauf die Christen bemerkten, daß die türkischen Scharen in eben dem Maße verstärkt oder vermindert wurden, als die gegenübersiehenden christlichen Schlachtordnungen mehr oder minder zahlreich waren Nachdem diese §6) 1.L coro (corre ä'arwes). 7oin- vlUo x. 26. 57) loirr Io pooir an 8ouäLiic äo Dadiloine. ffoiriv. x. 57. 58) I.o ctiievetLino vlnr veoir Io corrvirre äe nosire osr sur urr xerir rsucin» er selonc ce yue rt veoir Hue n08 dataille? estoienrpliig grosses en uii lieu. yuo en nn surre, il r'aloir tzrierre äs 8» xeur er renlor- ^oir 868 1)ÄtaiI1e8 coutre leg uostres. loiuv. 1. o. Für couviue (vgl. Geschichte der Krcuzz. Buch vli. Kap. 17. S. L92. Anin. 23) setzt der Text Gefechte bey Mansurah. 179 Anordnungen von dem Oberbefehlshaber der Saracenen waren 9^r. getroffen worden, so gingen etwa drei) Tausend Beduinen über den Kanal von Aschmum, um die am nördlichen Ufer desselben gelagerten Kreuzfahrer auf solche Weise zu beschäftigen, daß sie dem Könige von Frankreich nicht zu Hülfe kommen könnten Die christlichen Streiter hatten sich in Folge des Heerbefehls, welchen Ludwig erlassen hatte, schon um Mitternacht geschart und hinter den Schranken ihres Lagers in trefflicher Ordnung und in solcher Weise sich aufgestellt, daß durch diejenigen Scharen, welche in dem Kampfe deS achten Februars den geringsten Verlust erlitten hatten, und noch zahlreicher als die übrigen waren, die vordere Linie gebildet, und den Rittern, welche wegen ihrer Wunden unfähig zum Kampfe waren, hinlänglicher Schutz gewährt wurde. Die Schranken des Lagers waren mit bewundernswürdiger Raschheit von dem Kanals von Aschmum bis zum Nilarme von Damiette dergestalt geführt worden, daß sie das Lager an der südlichen und östlichen Seite umschlossen; und die Templer, so viele derselben in der letzten großen Schlacht dem Verderben entgangen waren, hatten an dem Orte, wo ihnen ihre Stellung war angewiesen worden, ein Bollwerk von einem Theile des Holzes der zerstörten feindlichen Kriegsmaschinen errichtet von Ducange (p. Ar): tos oräonnLn- ces er äexarremciir äc» 1>LtLi11es sin Sy) loinv. a. n. O. öo) Indem Joinville dis einzelnen Schlachtordnungen ( batailles ) oder Scharen des christlichen Heers in der Neihefolge, in welcher sie in der nachfolgenden Erzählung Vorkommen (x. 57—öo), aufzählt, bemerkt er (x. Lg. M 2 Lg), dast die Schranken, welche das Lager sinschloffen (1a live gni vlooir Losr), von der Schar des Guion von Malvoisin bis an den Kanal von Aschmum biS auf einen Steinwurf sich erstreckten und dann von der Schar des Grafen von Flandern bis zu dem Nil jnsgnes LN llnm gni s'cstonckoir vers la mer) sich ausdehntelt, und dast die Stellung, in welcher Zoinvillc im I Cbr. I2ZV. 180 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. Der Oberbefehlshaber der Saracenen war mit der Aufstellung und Scharung seines Heers wahrend des ganzen Vormittags beschäftigt, und erst in der Mittagsstunde gaben die Heerpauken der Saracenen das Zeichen zum Angriffe. Zuerst wurde die Schar des Grafen von Anjou, welche an dem äußersten südlichen Ende des christlichen Lagers stand ^'), mit heftigem Ungestüm angefallen, indem die feindlichen Scharen von Reitern und Fußvolk sich einander folgend in der Weise der Felder eines Schachbretts andrangeu, und die türkischen Reiter, wahrend das Fußvolk griechisches Feuer schleuderte, mit ihren Schwerter» einhieben. Einem solchen Angriffe vermochte der Graf von Anjou, welcher für seine Persou zu Fuß kämpfte, mit seiner Schar nicht zu widerstehen; der König Ludwig aber, als er hörte, daß die Türken in das Lager eingedrungen waren, eilte zu rechter Zeit seinem Bruder zu Hülfe und kam in unerschrockenem Kampfe den Türken so nahe, daß die Mähuen seines Rosses von dem griechischen Feuer der Feinde ergriffen wurden. Der Graf von Anjou und dessen Waffengefahrten, ermulhigt durch das Beyspiel des Königs, erneuten hierauf den Kampf und vertrieben die Türken wieder aus dem Lager. Die zweyte Schar, welche, durch die syrische Miliz gebildet, unter dem Befehle der Brüder Veit und Balduin von Jbelin Innern des Lagers und in der Nähe des Kanals von Aschmum sich befand (vgl. oben S. 171), durch die Scharen des Grafen von Flandern und des Ritters Gujon Malvoisin gedeckt wurde. In Folge dieser Angabe scheint die letztere Schar an dem nördlichen Ende des linken Flügels gestanden , und Joinville mir seiner Ritterschaft in der Fronte durch die Schar des Grasen von Flandern gedeckt gewesen zu seyn. ES ist auffallend, dag durch dis von Joinville angegebene Linie der Pallisaden dis Stadt Man- furaki eingeschloffen wurde, obgleich dieselbe noch in dem Besitze der Sa- racenen war, wie aus der Nachricht deS Dschemaleddin bey Neinaud x. güo. güi bervorgeht. 61) 6'eslotr I- xreinioro xar Lovers Lalliloine. tolliv. x. zg. 62) I.L vollere (bey Ducange l>. 52 la orllllere) Le -011 viieval. loiiiv. a. tt. O. Gefechte bey Mqnsurah. 181 stand, wehrte zwar eben so kräftig als die dritte Schar, deren Anführer der Ritter Walter von Chatillon war, die Türken ab; dagegen litt die vierte Schar, in welcher der Meister der Templer, Wilhelm von Sonnac, mir den wenigen, ihm noch gebliebenen Brüdern seines Ordens sich befand, große Noth. Die Türken brachten das vcn den Templern errichtete Bollwerk durch griechisches Feuer in Brand, und das Feuer verbreitete sich um so schneller, da dieses Bollwerk zum Theil aus großen Bretern von Tannenholze bestand. Noch wahrend dieses Brandes drangen die türkischen Reiter mitten durch das Feuer in das Lager und durchbrachen die Schar deS Meisters der Templer; und das saracenische Fußvolk schoß wider diese christliche Schar Pfeile in solcher Menge, daß hinter der Stelle, wo die Templer standen, der Boden in dem Umfange von einem Morgen Landes") dergestalt mit Pfeilen bedeckt war, daß man kein Erdreich erblickte. Der Meister Wilhelm, welcher schon in der Schlacht am achten Februar das Eine seiner Augen eingcbüßt hatte, verlor in diesem Kampfe auch das andere und starb an dieser Wunde. Die fünfte Schar, an deren Spitze Gujon Malvoisin stand, behauptete mit beharrlichem Kampfe ihren Platz, obgleich es nicht leicht war, das griechische Feuer, welches die Saracenen auch gegen diese Schar warfen, zu überwältige». Als die Türken zu Fuß und zu Pferde auch die sechste Schar, in welcher der Graf von Flandern mit seiner Ritterschaft stand, anfielen: so ließ der Seneschall von Joinville, welcher eben so wie seine Ritter wegen schwerer Wunden keinen Harnisch anlegen und keinen . Schild führen konnte, daher an diesem Kampfe keinen Theil nahm und in der ihm angewiesenen Stellung im Innern 65) Lien nn jonrnel 6.e rerre. 7oinv. a. a. O. 182 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. VI. ^ 25 °*' des Lagers durch die Scharen des Ritters Gujon von Mal- voisin und des Grafen von Flandern geschützt wurde, seine Armbrustschützen vorrücken; und die Pfeile, welche diese Schützen auf den Befehl des Seneschalls gegen die türkischen Reiter schossen, waren von solcher Wirkung, daß die feindliche Reiterey die Flucht nahm; worauf die Leute des Grafen von Flandern durch die Schranken des Lagers vordrangen, auf das saraceuische Fußvolk sich warfen und dasselbe in die Flucht trieben. In diesem Kampfe that sich besonders der Ritter Walter de la Horgne, welcher das Panier des Herrn von Apremont trug, durch rühmliche Tapferkeit hervor. Sehr heftig wurde auch die Schar des Grafen von Poitiers, welche den siebenten Platz einnahm, von den Türken bedrängt; sämmtliche Ritter dieser Schar kämpften zu Fuß, und nur der Graf selbst stritt zu Pferde. Ungeachtet eines rühmlichen Kampfes wurde diese Schar von den Türken gesprengt, und der Graf von Poitiers gefangen. Als aber die Schlächter, Trödlerinnen und anderes geringes Volk, welches im Lager sich befand, dieses Unglück des Grafen wahrnahmen r so erhoben sie ein Geschrey, und mit der Hülfe Gottes, wie Joinville sich ausdrückt, befreyten sie den Grafen und verjagten die Türken. Die achte Schlachtordnung unter dem Befehle des Ritters Josserand von Bran- yon, eines der tapfersten Ritter im Heere, Oheims und alten Waffengefährten des Seneschalls Joinville, welcher mit dem Grafen von Poitiers nach Aegypten gekommen war, wurde mehrere Male zum Weichen gebracht; auch die Ritter dieser Schar kämpften zu Fuß; und nur der Ritter Josserand, so wie sein Sohn Heinrich und der Sohn 64) Er war der Oheim des Se»c- Lourgogu,-. Wgl. Ducange zu Iol»- schalls vo» Joiuvllle L 1 a moäe äll ville I>. 77. Gefechte bey Mansurah. 183 eines andern Ritters beyde noch im Knabenalter, waren zu Pferde. Obgleich Josserand, so oft seine Schar in Unordnung gerieth, wider die Türken rannte, sie im Rücken anfiel und dadurch zwang, von seinen Leuten abzulassen: so verdankte diese Schar ihre Rettung vom völligen Untergange doch nur der verständigen Anordnung des Ritters Heinrich von Crienne"), welcher mit dem Herzoge von Burgund in dem Lager am nördlichen Ufer des Kanals sich befand und durch seine Armbrustschützen die Türken, so oft dieselben die Schar des Ritters Josserand anfielen, mit großer Wirkung beschießen ließ. Josserand büßte in diesem Kampfe außer andern Kriegsmannern von zwanzig Rittern, welche unter seinem Befehle gestritten hatten, zwölf ein, und jener tapfere Ritter selbst, welcher in sechs und dreyßig Schlachten gekämpft und Preise der Tapferkeit errungen hatte, erhielt in dieser letzten Schlacht, an welcher er Theil nahm, eine schwere Wunde, welche ihm die Krone des Martyrer- thums verschaffte. Dadurch wurde ihm aber, wie Joinville berichtet, ein sehnlicher Wunsch gewahrt. Als nämlich Josse, rand einst mit dem Seneschall und dessen Bruder in dem Heere des Grafen von Chalons kämpfte, und ihm am Char- freytage gemeldet wurde, daß die Deutschen an diesem heiligen Tage ein Münster erbrochen hatten: so forderte er den Seneschall und dessen Bruder, seine Neffen, auf, mit ihm dem Kloster zu Hülfe zu eilen; und als sie das Münster befreyt hatten, so warf sich Josserand vor dem Altäre desselben nieder und flehte zu Gott, daß ihm nicht langer der Waffendienst in den Kriegen der Christen wider einander obliegen, und es ihm dagegen vergönnt werden möchte, im 6Z) IX! lilz inonseixiicur loccrant oimc. toinv. x. 6o. Nach dem Texte a« Nzntiiin. roinv. I>. Sg. von Ducangc I>. L 4 : Henri äv Oone. 6S) Ileuri (ie Loonnc vVcr 6ri- 2. Chr. 1250. 184 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. Kampfe für den Heiland das himmlische Reich zu erwerben "). Die Tapferkeit der christlichen Ritter bewährte sich an diesem blutigen Tage durch die standhafte Behauptung ihres Lagers um so glanzender, je ungestümer die Angriffe der Türken waren ^ ^). Nach der gewohnten Weise wurden auch in diesem Kampfe die türkischen Scharen, welche einige Zeit gestritten hatten, durch frische Streiter abgelöst"). Die christlichen Kämpfer dagegen hatten während der ganzen Dauernder Schlacht die Last des angestrengtesten Kampfes ohne irgend eine Unterbrechung zu tragen. Die Türken fielen an diesem Tage das Heer der Kreuzfahrer mit den man- nichfaltigsten Waffen zum Hieb und Stich an?°); und sie begnügten sich nicht damit, Pfeile und Wurfspieße in ungeheurer Menge, so wie griechisches Feuer gegen die christlichen Scharen zu schlendern; sondern auch Steine von verschiedener Größe wurden von ihnen mit heftiger Gewalt unter die Kreuzfahrer geworfen "). Die syrischen Ritter, welche dem Heere der französischen Kreuzfahrer sich ange- schlvfftn hatten, bezeugten, daß im Lande jenseit des Meers noch niemals so anhaltend und mit solcher Anstrengung scy gefochten wordenSo zweifelhaft aber auch der Aus- 67) loinville x. 60:, . 63) II ne sambloit xas c^ne 1i luissent bommes, mais bestes sauva§es tonres erra^ies. Relation mannserite x. 576. 69) Relation mannserite 6. 6. O. 70) In Inres et li nostres s'vntro- fyroisnt de maelres (masses), de lances, d'esxees, de baebes danoi- ses» de kanebars, Le eontians et d'autres armnres. Relation manu- sorite a. a. O. ?r) Relation mannsorire p. 575. 72) 8 ecinont 1 die Veneris» sagt dev König Ludwig in seinem Schreiben (x. 429), ln welchem er diesen Kampf nur kurz andeutet, liiii perdirionis, oon§reAaris ex omni xiarte viribus snis 6bristianum exereitnm omnino xerdere intendentes, in lorritndine maxima et in mnltitndino inliuita conveuernnt ad lioias nostras, ex omni xarre exereitns ranros tamhno terribiles L'acientcs insnltns, ynan- tos» siont a plnribns dioebatnr, in eismarinis xarribns nnmcznam vide- 185 Gefechte bey Mansurah. gang dieses gefährlichen Kampfes war, so behauptete Lud- wig dennoch während der ganzen Dauer desselben eine stets gleichmäßige Festigkeit und Ruhe, keine seiner Mienen ver- rieth irgend eine Unentschlossenheit oder Aengstlichkeit und mit kräftigem Ansprüche ermunterte er von Zeit zu Zeit seine Waffengefährten zum Vertrauen auf Gott und zur Ausharrung im Kampfe ^). Als die Türken sich zurückgezogen hatten, so berief der König feind Barone zu sich und ermahnte sie in einer schönen Rede ^), Gott ihren inbrünstigen Dank darzubringcn für den zwiefachen Sieg, welcher innerhalb Einer Woche ihnen war verliehen worden. Die Türken aber, welche in dem letzten Kampfe einen größer» Verlust an Getödtcten und Verwundeten als die Christen erlitten hatten, ließen seit jenem Tage während längerer Zeit nicht in zahlreichen Scharen sich blicken, und die Waffenruhe wurde in dieser Zeit nur durch unerhebliche Gefechte gestört 7°). Dagegen wurden die Pilger auf das schmerzlichste, betrübt durch den Anblick der Leichname ihrer in dem unglücklichen Kampfe des Grafen von Artois erschlagenen Waffengefährten, welche am-6.Fcbr. neunten Tage nach jenem Kampfe, vermischt mit den Leich- rexnlimns eorniilleiu, nrsxima eo- rnm mnltirnäine nosrrornnr xlaäiis Lnouindente (sneeuindente). Vgl. Ouil. cle 35A. Vine. Rol- lov. XXXI. 99, und Relation rnanu- serire x. 576. Die arabischen Nachrichten schweigen von diesem Kampfe gänzlich. 73) ^.nonns gni en oelo Raraille estoient, äirenr ^ne onc^ues en oele liataillo ne es aurres . qüo. Erst nach der Ankunft des Sultans Turanschah zu Mansurah wurde der Tod seines VaterS Ejub öffentlich bekannt gemacht. Dgl. exislola 3 . gimdovlei ^.'429 und loinville p. 63. Nach Joinville war Luranschab damals az Jahre alt. kühn und boshaft (sperr et msiieienx). 8o) Dschemaleddiff a. a. O. ^bnlkcdse L,nn. inosl. 1 . IV. >?. 5 oü. In »drentn 8oldsni, sagt der König Ludwig in seinem Schreiben, rz-mpsnirsnles et Iseranres ^egz-xril rcoepcrnnr eum sd dominum, et ex iroo sugmcn- rsts esr eornm non modioum kor- tirndo. so Makrisi bcy Nsinaud z>. 460. Ia guinLcinne Lpree (die zuletzt x. 63 vorkommende Zeitbestimmung war der neunte Tag nach dem Ncber- gange über den Kanal — 16. Febr.; die gninreinne spres fällt also aus den 3 . März ) les lurs poul nous slkamer, dont nronlt de genr «e lenr gsiies desus nostre 1'ost et les Klent tleirtner psl teile et mettrv on ünm -int vcnoit de Dsmiele, bien nnc licne dcsous vost. loin- ville p. Sz. Auch Ludwig erwähnt in seinem Schreiben der galese er Nach Matthäus Paris (ad a. razo. p. 7 yd) Soldanns jussir illuv nsvi- eulss In plsnstris s bübslis sessi- nanter tlaoris aiselri. Dgl. Ger 188 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. und plötzlich wurde die christliche Flotte von diesen Fahrzeugen im Rücken angegriffen, während die feindliche Haupt- flotte ebenfalls von Mansnrah den Fluß herabkam und die christlichen Schiffe von der vorder» Seite mit dem heftigsten Ungestüme anfiel. In diesem unglücklichen Kampfe wurde die ganze christliche Flotte vernichtet; nur ein einziges kleines Fahrzeug des Grafen von Flandern öffnete sich mir Gewalt den Weg durch die saraccnische Flotte und brachte dem Könige von Frankreich die unerwartete Trauerbotschaft, daß achtzig Galecn in die Gewalt der Heiden gefallen, und alle a»f diesen Schiffen befindliche Pilger getödtet worden wären ^). schichte der Kreuzz. Buch VII. Kap. ii. S. 3ZS. Amn. s>. Z 2 ) dlous ire socrrmcs onagiie! irou- volles äe ocs oirosee suzgues ä taut i^uc uu vaisselet au ooirte cie d'Iau- äres, gui esairapa ct'eul?: par soiLc, le iroris strt, guo Ics galics Nu Svu- chaua avoieut dieu AaaiuKuä guarre viu§t sie U08 Falles gut c?toicut VVUU2 V0V3 Vamicttb, et tue?: les ^eus gni estoieut cteäaus. loiuville a. a. O. Der König Ludwig erwähnt nur im Allgemeinen deS Verlustes mehrerer Schiffe sv-lS» xlura caxta L Sarraoenieg. Nach Matthäus Paris, welcher (ä a. V.) eine sehr unklare Beschreibung dieses Kampfes mitthellt, gewannen die Saraccnen diesen Sieg vermittelst des griechischen Feuers, und es entkam von den Mannschaften der christlichen Schiffe nur ein einziger Engländer lLIcxan- äer Oikksrst, liiius uodilis matrouae, -zuae LUM lUegina oommo- radattii), er empfing aber auf der Flucht fünf Wunden und gelangte nicht nach Oamiette: wenn nicht diese Nachricht auf die spätere Zerstörung der übrigen christlichen Schisse am ü. April sich bezieht, welche Matthäus Paris mit der Zerstörung der größer» Flotte vermischt. Abulfeda giebt (a. a. O.) die Zahl der eroberten christlichen Schiffe nur zu za an z Dschem- aleddi» (dev Reinaud a. a. O.), Ma- krist und ISHaki (in de» Auszügen von Cardonnc x. LZy. 544). zu >Z 2 . Dschcmaleddin fügt hinzu: „ich war an dem Tage dieser Schlacht, zu Mansurah -und begab mich, um dieses Schauspiel.zu betrachten, auf die andere Seite des NilS. An diesem Tage bedeckte Gott den Islam mit Ruhm und zerschmetterte -die Macht der Ungläubigen, c' Nach einer von Herrn Meinaud (x. 461) mitgetheil- ten Erzählung des Sojuti verdankten die Muselmänner diesen Sieg der Wundcrkrafldes Scheich Affeddin, desselben, welcher von dem Sultan Ismail wegen seiner kühnen Mißbilligung des von dem Sultan mit den Christen geschlossenen Bündnisses (vgl. Gesch. der Kreuzz. Buch VII. S. Los) Gefechte bey Mansurah, 189 Nachdem den Saracenen die Zerstörung der christlichen Flotte gelungen war, so war es ihnen nicht schwer, die Verbindung des Heers der Kreuzfahrer mit Damiette und der Küste des Meers auch zu Lande abzuschneiden; und zwey Karavanen, welche zu dem christlichen Lager Lebensmittel und andere Bedürfnisse zu bringen versuchten, wurden von ihnen aufgefangen b?). Die nächste Folge, welche eine solche Hemmung des Verkehrs mit Damiette für das Heer der Pilger hatte, war Mangel an gesunden Lebensmitteln^"^; und da die Kreuzfahrer genöthigt waren, mit schädlichen Fischen sich zu nähren, und die nachtheiligen Wirkungen des ungewohnten Himmelstrichs ebenfalls sich entwickelten. ouS Damascus verbannt worden war und ln Aegypten das Amt eines Kadi erhalten hatte. Als der Scheich, welcher sich im Lager des Sultans befand und prophezeibt hatte, die Saracenen würden nach einigen Unfällen endlich obsiegen, bemerkte, dass der Wind im Anfänge des Kampfes den muselmännischen Schiffen ungünstig war und sie zu zerstören drohte, so rief er mit der ganzen Gewalt seiner Stimme: Wind, blase gegen die Franken. Unverzüglich drehte sich der- Wind und trieb die christlichen Schiffe wider einander. Als die Muselmänner dieses Wunder gewahr wurden, so riefen sie: Gott sey gepriesen, weil er unter den Verehrern des Propheten einen Mann erweckt hat, welchem der Wind gehorcht. Auch Marai t Gesch. der Regenten von Aegypten in Büsching's Magazin für die neue Historie und Geographie Th. v. S. 3SS. 402) erwähnt dieses und eines andern von dem Scheich verrichteten Wunders. Vgl. über den Scheich Asseddin Lhutleäae .4nn. mosl. 1°. IV. x. 46 z, und IZcisLe sä Ir. I. x. 7ir. 712. 8z) üx-isrola 8. Duäovici x. 429. Auch diese Karavanen versuchten, wenigstens zum Theil, auf dem Flusse zu dem Lager der Kreuzfahrer zu gelangen; denn Ludwig erwähnt unter den von den Saracenen bey dieser Veranlassung Erschlagenen auch Schiffer x. 35 Z. Vincent. LeUo v. XXXI. 100. Der Eroberung von ss mit Lebensmitteln beladenen Schiffen der Kreuzfahrer durch die Muselmänner, welche am y. Dsulbadscha siü, März) geschah, nachdem die Christen neun Tage zuvor sieben muselmännische Schiffe erobert hatte», gedenkt Makrisi in den Auszügen von Cardonne x. 542. 84 ) Lxisrola 8. l.uiiovici x. 42g. I-ar co avint ri grant citicrte en 1 'ost, °gne tantost Pie In I-Lsgnc In venne, nn den! vaioir en 1'cnr gna- trevins liviee, et un montan trcnle livre», et un oel cloure äeitiers, et nn mui sie vin ckix livres. loiuv. I>. 63. I, Vkm -250. 100 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. so brach sehr bald im christlichen Heere dieselbe verderbliche Lagerseuche aus, durch welche ein großer Theil der von dem Cardinal Pelagius geführten Pilger wahrend des Winters 1218 Opfer des Todes geworden waren^). Auch der Se- neschall Joinville, dessen Wunden kaum geheilt waren, erkrankte um Mitfastcn an dieser Seuche, zu welcher noch ein Fieber und ein heftiger Schnupfen sich gesellte^); und 83 ) Äons ne manKlous uul2 xois- sous en 1'ost tour Io c^uaresme nies (d. t. Vie Leichnamen der Türken, welche tn den Fluß waren geworfen worden, vgl. oben S 186), pouroe- c^uo oe sout Klous (d. i. gefräßige) (vgl. G'esch. der Äreusz. Buch VII. S. 233 . Anm. Zl)» uous vlut 1 a ML- laäle äs 1'ost <;u1 ostolt reis yue 1a eksr (ciialr) äs uos jamdos ssekolr touto et 1e sulr (1a xoau) äs uos jamdos äeveuolt tavelse äs uolr ec vlelL lieuso (d. t. wie ein alter Stie» fel), er a uous <^u1 avious reis ma- laäio, veuolc cliar (oliair) xourie ös Kouolves» ne 11.11.I2 ue esol^apoic äs oolle malaäie ^uo mourlr ne 1'en couveulst. I^o slKuo äs 1a more esroir tel c^ue lä. ou Io ue2 seiguolt (salßuoir) 11 eouveuolt mourlr. 7 o- iuville x. 63. Weiter unten (x>. 65) beschreibt Jolnvtlle die Verschlimmerung dieser Seuche also: I.L mala- äie oommeu^a a eugreKler (auK- menrer) ou 1'osc eu rel maulere . 6§. 88) Lxistola 8. Luäovici x». 42y. 89) Naurus erar vicriiL- lirnri, Hiroä. x1nre3 ineäiL äeHoio dani: et üäe. Lxistvla 8. Luäo- vici 1. c. yv) kour re^uerre s» Zent xlus bLUvemenr List 1e I4oi laire uno dur- äevant 1e xour «zui esryic einre rios Leus osr en Lei maiirere l'oii xooit eiitrer äe äenx xars en Iri a cliovril. 7oin- ville x. 64 . 192 Geschichte der Kreuzzüge. BuchVIII. Kap. VI. 2-Clir. 1250. dieses Bollwerk zu Stande gebracht worden war, so wurde der Rückzug angetreteu; und obgleich die Türken, sobald sie es gewahr wurden, daß die Kreuzfahrer Anstalten zum Rückzüge machten, mit heftigem Ungestüme die christlichen Scharen angriffen: so wurde dennoch das ganze Heergeräth glücklich an das jenseitige Ufer gebracht, worauf der König mit seiner Schar und die übrigen Barone mit ihren Ritterschaften nachfolgten. Den heftigsten Kampf bestand an diesem Tage Walter von Chaullon, welchem die Hinterwache des Heers war übertragen worden; und Eberhard von Va- lery befreyte am Eingänge des Bollwerks seinen Bruder- Johann, welchen die Türken schon als Gefangenen hinweg- führten. Das Bollwerk gewährte aber keinesweges vollständig den Vortheil, welchen der König und die Barone davon erwartet hatten; denn da es nicht hoch genug war, so schützte es diejenigen, die es verthcidigen sollten, nicht einmal gegen die Erdschollen, welche ihnen von den saracenischen Fußkuechten in das Gesicht geworfen wurden, und noch weniger gegen die Pfeile der türkischen Reiter; und ungeachtet der großen Tapferkeit, durch welche der Ritter Gottfried von Mussambourg, den Zugang zu der Brücke unverdrossen ver- theidigend, den Preis dieses Tages gewann, wäre die ganze Besatzung des Bollwerks ohne Rettung verloren gewesen, wenn nicht der Graf von Anjou ihr zu rechter Zeit zur Hülfe geeilt wäre und sie über die Brücke auf das nördliche Ufer geführt hätte "). gl) De colie jouinoo e»i>ortr Io xris wonkcignenr (gestrox' äo lVlne- eilndogrc, le xiis Le touL consri gni «stoionr cn iierbsgULne. foin- viii« 1. c. 92) Außer Joinville beschreibt kein anderer Schriftsteller den Rückzug deS Königs Ludwig über den Kanal von Aschmum; Joinville giebt aber nicht die Zeit an, in welcher dieser .Rückzug Statt fand. Wahrscheinlich geschah derselbe nicht lange vor dem Osterfeste- welches im Jahrs ivza auf den 27. März fiel. 193 Unterhandln ngcn. Die Lage des christlichen Heers wurde nach dem Rück- zuge über den Kanal um nichts gebessert, sondern verschlim» merke sich vielmehr. Der Hungersnoth konnte auch in dieser Stellung nicht abgeholfen werden, und die Lagerseuche wurde daselbst bösartiger, als sie zuvor gewesen war??). In dieser Noth beschlossen der König Ludwig und seine Barone, dem Sultan Turanschah Frieden anzutragen, indem sie sich erboten, Damiette zu raumen, unter der Bedingung, daß der Sultan dem Könige das Reich Jerusalem abträte und die Kranken, so wie die Vorrärhe und Kriegsmaschinen des Heers der Kreuzfahrer so lange zu Damiette verwahrte, bis dieselben durch Schiffe des Königs von Frankreich abgeholt werden könnten Nach der Erzählung des Seneschalls Joinville blieben die Unterhandlungen, welche in Folge dieses Antrages Statt fanden, deshalb ohne Erfolg, weil die Saracenen nicht damit zufrieden waren, daß ihnen bis zur Räumung von Damiette einer der Brüder des Königs, der Graf von Anjou, oder der Graf von Poitiers, als Geißel überliefert würde, sondern den König von Frankreich selbst als Unterpfand forderten; worauf Gottfried von Sergines erwiederte, die französischen Ritter würden sich lieber von den Saracenen tödten oder gefangen nehmen lassen, als den Schimpf auf sich laden, ihren König als Geißel über- yz) Vgl. die oben S.ryo. Anm. 83. angeführte zweyte Stelle aus Join- villc, welche auf tiefe Zeit sich bezieht. S 4 ) Es isi merkwürdig, wie 2vin- ville es zu verborgen sucht, dag dieser Antrag von den Kreuzfahrern aus« ging, indem er seine Erzählung kr. 6g) also anfängt: Lxres ce, viioees xrist le coirseil 1s Rox et 1e eoir- seil su Soriilsna jomiree ci'culL svorüeiu I.e rrstrs sie 1'saorüei Ittel gue l'eir äevoit renürc LU Soii- VII. Band. äsno Osmiete et le Soricksna ücvoit renäre su Rax- le resumö äs leru- eslem, et II äut gsrckcr 1s Scniäsna lcs mslsäcs gilt esroient L Dsmieto et leg clisrs sclrsirs) kslües, xourco gne il »e msngcorcnr xoiirt äc xoro, et les eugins Io Ilaf, jusgues s tsnt gne le liozr xoukroit reiivo^er gnerre torites ces olroses. Oer König Ludwig erwähnt In seinem Schreiben dieser Verhandlungen gar nicht!' N 194 Geschichte der Krenzzüge. Buch VIII. Kap. VI. 2 . Ehr. ^„twortet zu haben. Nach den arabischen Nachrichten ernannte zwar der Sultan Turanschah zwey Abgeordnete"), um mit den Franken zu unterhandeln, der Antrag aber, daß gegen Damiette Jerusalem und andere syrische Platze von den Saracenen abgetreten werden sollten, wurde von ihm als unstatthaft verworfen"). Nach diesem mißlungenen Versuche, auf dem Wege der Unterhandlung einen sichern Rückzug sich zu erwirken, blieb den unglücklichen Kreuzfahrern, da es ihnen unmöglich war, in der bisherigen Stellung langer sich zu behaupten, kein anderes Mittel der Rettung übrig, als heimliche Flucht; o?'Apri>uud der König Ludwig bestimmte die Nacht vom Dienstage auf den Mittwoch der Woche nach Ostern zur Ausführung dieses gefährlichen Unternehmens "). Nachdem man auf yz) Der Emir Zeineddin unv rer Karl Bedr eddin. Makrisi in 6 ar- tlonue Lxtrait» p. Zio. Daß von Seiten der Kreuzfahrer außer Gottfried von Sergines auch Philipp von Montfort Unterhändler war, erhellt aus der Erwähnung, des Seneschalls Ioinvillex. 66 . S. unten S. lyy. Der Sultan Turänschah drückte sich in dem SisgeSbriefe, welchen er an den Statthalter Oschemaleddtn von Oa- mascus,richtete (Hey Neinaud x. 435 ), also aus: ,,AlS die Feinde Zeugen waren dieses Eiferü (mir welchem sich die Muselmänner aus den Ruf des Sultans versammelten), so baten Po um Frieden unter gleichen Bedingungen wie zur Zelt des Males al Kamel, wir verwarfen aber mit Verachtung ihre Anträge." Nach diesem Schreiben geschahen diese Anträge am Montags d. q, April iszo. gS) Hchulseäre anualea macl. lr. IV. x. Zog. Vgl. Makrisi a. a. O. und Ileinauck Lxtraits x. 461. g7) l e niarsti au soir L I'auuiticr aprös les ootaves lies l?agues. loin- vllle i>. 6Z. l)uinto ckio nn-nsis ^xrills. Lxislola 8. l.ucioviei I. 0 . Ganz übereinstimmend die morgen- ländischen Nachrichten: »in derNacht, welche dem Mittwoch, 3 . Moharrem Ü48, voranging." cl.bulsestao c^un. inosl. 'l'. IV. x. Z 03 . Ileinauck ex- traits x. 46s. Oer erste Moharrem 648 fiel nicht, wie die Verfasser der art cie vstriller 1e5 (lates unrichtig angeben, acif den z. April, sondern auf den 4. April isgo; und der erste Mittwoch des Monats Moharrem Ü48 war also der ü. April rszo. Die Differenz von Einem Tage, welche zwischen den chronologischen Tafeln deS Lenglet Dufresnvy und der art ck« vörilicr lcs states auf der einen, und den genaueren Tafeln von EräviuS, 195 Rückzug gen Daniicttc. die Schiffe, welche in dem Kanüle von Aschmum sich besau- den und daher an dem verderblichen Tage, an welchem die übrige im Nilffusse aufgestellte christliche Flotte von den Sa- racenen war vernichtet worden, der Zerstörung entgangen waren, sammlliche Kranke und Verwundete gebracht^), und einige andere nunmehr überflüssige Fahrzeuge, so wie auch die Kriegsmaschinen zerstört hattev'): so begann der König Ludwig mit dem Neste seines Heers in der bestimmten Nacht, sobald die Dunkelheit eingetreten war, den Rückzug, indem er, um seine Flucht den Saracenen so lange als möglich zu verbergen, sammtliche Zelte und alles schwere Gepäck zurückließ. Unglücklicherweise wurde aber sein Befehl, die beyden Brücken, welche nach dem südlichen Ufer führten, zu zerstören, nicht vollzogen Der König, obgleich er selbst damals an der Lagerseuche erkrankt war, und an diesem Abende mehrere Male ohnmächtig wurde, ent- De Euignes und anderen auf der andern Seite sich findet, hat darin ihren Grund, dag dis erstern als die Epoche der arabischen Zeitrechnung oder den i. Moharrem des ersten Jahrs d. H., den 16. Julius statt des > 5 - Julius 6ss annchmen. Wgl. Jdclcr Handbuch der Chronologie Th. II. S. 4M folg., und dessen Lehrbuch der Chronologie (Berlin > 3 Zi. 8-) S. 470 — 472. gg) Lxlstola s. I-nckovici I. 0. Wgl. Makrist in cloräonne Lxtratts -x. 54 i und Abulmahasen Key Neinaud x. 462. Der Scneschall Joinville begab sich schon am Nachmittags mit zwey Rittern, welche ihm von seiner Ritterschaft übrig geblieben waren mesnieo), auf sein Schiff. loiuvUIe x. ög. ys) Schon am Freytage d. 27. Dsul- hadstha (I. April 1250) verbrannten nach Makrist die Franken alle Kriegsmaschinen und sämmtlichcs Zimmerholz, welches sie noch hatten, und machten alle ihre Schisse untauglich, lblxtrstts cle 6arüoiino x. §40. 120) 1.0 lloz- oommancka 4 soLLeliu üo Ooinant (Vgl. oben S. 1Z6) et L scs trörcs et aus aurics engtnglictirs, gne tl coyassciit leg coräcs gtii te- Iioicnt los xons entre Itons et les 8 arr 32 litS, et rlens It'eit llreitt. t0- iuvIUo x. 65. „ Der Rückzug der Franken, " sagt Abulmahasen (bey Neinaud a. a. O.), „war so übereilt, daß sie cü vergasten, die Brücke zu zerstören, und ihre Zelte in dem Zustande , In welchem sie zuvor waren, zurückliesten, ohne ihr Gepäck mit sich zu nehmen." N2 196 Geschichte der Keeuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. schloß sich nicht, auf ein Schiff sich zu begeben, sondern blieb bey seinem Heere, um alle Gefahren desselben zu theilen Ungeachtet aller Vorsicht, welche Ludwig anwandte, um seine Flucht den Saracenen zu verbergen, blieben die von ihm angeordneten Anstalten dennoch nicht unbemerkt; und die kranken und verwundeten Kreuzfahrer waren noch nicht alle auf die Schiffe gebracht worden, als Saracenen in das Lager eindrangen und die Kranken, welche, ihre Einschiffung erwartend, am Ufer des Kanals im Scheine eines Hellen, von den Schiffern angezüudeten Feuers lagen, erschlugen. Sehr große Muhe hatte Ludwig, die übereilte Abfahrt der Schiffe zu verhindern, weil Jeder nur von der Schnelligkeit der Flucht seine Rettung hoffte; und der König sah endlich sich genöthigt, gewaltsame Maßregeln anzuordne». Selbst der Sencschall Joinville, welcher auf seinem Schiffe die Rückfahrt antrat, weil er noch nicht von seiner Krankheit genesen war, zwang seine Schiffer, die Anker zu lichten, obgleich sie ihm vorstellren, daß ein einzelnes Schiff der saracenischen Flotte, welche Len Nilstrom besetzt hielt, roi) I^e Koz^ svalt 1a nralrulie ile 1'osr ct monoton (äziseiiterle ) woiilt Fort, 5L Fönst 1)1eii Zarantl es galles, se 11 vonslst; ives 11 äir hiie, svvieii plest, 11 ne lörolt (lais- servil) ZK son xeiixle. solr se pasnia xar ^Inseurs FolL et xonr 1a /ort menolson ^ue 11 avolr, sl con- vlnt ooniier 1e Fons (lonä) äe ses lirsies (seiner Beinkleider) tontes los FolL Anm. yg. no) I.o garrariii, setzt Joinville hinzu ( 1>. 67), svoit osröe 1,1 ron- sillo (seinen Turban) äo sn roste. m) loinville a. a. O. ,,Ungefähr fünf bundcrt der tapfersten Fran- ken," sagt Abulmahasen (Reinaufi Lxrrairs I. o.), „ versammelten sich um ihren Köniz; als sie aber nicht im Stande waren. Widerstand zu leisten, so ergaben sie sich unter Bedingungen (ä comxosilioir) dem Eunuchen Dschemaleddin, welcher sie nach Mansurah führte." Nach Ma- krisi (Lsräonne Lxtraits x. Z4r) und Abulfeda ergab sich auch der König demselben Eunuchen Dschemaleddin Muhsun (Mobassen) essalihi. Nach dem von Cardonne mitgethsilten Auszugs aus Abulmahasen lx. S 48 ) lieg der König Ludwig den Eunuchen Raschid iund Den Emir ScifeLdin Alka- nieri rufen und ergab sich ihnen uirter der Bedingung, dag ihm daS Leben gelassen würde. Auch Abulfeda und das Siegesschreiben des Sultans Turanschah lbe» Neinaud x. 46s) reden von einem Vertrage, durch welchen der König von Frankreich und seine Ritter Sicherheit des Lebens sich bedangen ; in den abendländischen Nachrichten aber findet sich keine Erwähnung eines solchen Vertrages. 200 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. Philipp von Montfort: „ihr sehet nunmehr wohl, daß kein Vertrag möglich ist, denn eure Leute sind gefangen." Philipp von Montfort hatte jedoch dem glücklichen Umstande, daß er in jenem schlimmen Augenblicke als Unterhändler Verden Saracenen sich befand, es zu danken, daß er nicht als Kriegsgefangener betrachtet wurde, sondern seine Freyheit behielt lieber die Gefangennehmung des Königs ist kein umständlicher Bericht uns überliefert worden, und Ludwig selbst in dem Schreiben, in welchem er seinen Unterthanen den unglücklichen Ausgang seiner Kreuzfahrt meldete, beschränkte seine Erzählung von seinem eigenen Schicksale und dem Mißgeschicke seines Heers auf folgende einfache Worte: „Die Saracenen überfielen mit ihrer gesammten Macht und in unendlicher Menge auf unserm Rückzuge das christliche Heer, und es geschah, daß wir mit göttlicher Zulassung, und wie es unsere Sünden verdienten, in die Hände der Feinde ge- riethen; wir selbst, unsere Brüder, die Grafen Alfons von Poitiers und Karl von Anjou, und alle, welche mit uns zu Lande zurückkehrten, fielen nicht ohne großen Verlust an Tobten und das Vergießen vielen christlichen Blutes in Gefangenschaft, und keiner entrann Nur Wilhelm H2) Or avint ainsi gno inonsei- gnour ^-ireiixpe, Die tonte Iinsrro 8-iil ektoierit xri?, et ii I,e Io kn I>LS, xorirocgnv ii estoit Message, ssiuviile a. a. O. IIZ) Lpistola 8. Imstovici x. 429. Indem Wilhelm von NangiS cx.ZLö) diese Stelle mittheilt, setzt er statt xec- catis iioslris cxi^eorilius, was ihm vielleicht nicht als der Würde des Königs passend erschien: xoeoaris kor- tasse niiDiornin exigenlibus, und auch Vineenz von BeauvaiS ixxxi. Ivo) setzt: kortasse pevcakis aiiguo- rnm exigenlibns. Matthäus Paris sst 1250. x. 7gz bemerkt, ohne irgend einen bcsondern Umstand der Gefangennehmung des Königs zu erwähnen, eS sey dies das erste Mal gewesen, dag ein französischer König in Gefangenschaft gerieth, und der Graf Richard von Cornwallis habe gerade an dem Tage, an welchem Ludwig in die Gewalt der Saracenen fiel, bey dem Papste Jnnocenz IV. gespeist. Gesangennchmung der übrigen Pilger. 201 von Nangis, ein gleichzeitiger Schriftsteller, fügt die^-Ar. Nachricht hinzu'"), daß Ludwig in dem Augenblickeseiner Gefangennehmung, als eben die Nona oder die neunte Stunde abgelaufen war, und der Tag sich zum Abende neigte, von seinem Capellan, welcher neben ihm stand, ein Brevier forderte, um die für diese Tageszeit vorgeschriebencn Gebete zu lesen, indem er weniger auf seine Rettung als auf die Erfüllung der Pflichten der Religion bedacht war; und aus dieser, den frommen Sinn des Königs bezeichnenden, Nachricht ergiebt sich die Tageszeit, in welcher er Gefangener der Saracenen wurde. Nachdem der König Ludwig in Gefangenschaft gerathen war: so verrheidigten sich zwar noch einzelne christliche Flüchtlinge gegen die verfolgenden Saracenen; aber keiner von ihnen gelangte nach Damiette"*). Der Bischof von Soissons, Johann von Castel, entschlossen, die Schmach dieses Tages nicht zu überleben, stürzte sich mitten unter die Türken und starb als Märtyrer; der tapfere Ritter Walter von Chatillon stritt, von allen seinen Waffengefahrten verlassen, in der Straße, welche von dem Einen Ende der Burg, wo der König gefangen wurde, zu dem andern führte, mit großer Tapferkeit wider die Türken und vertrieb die zahlreichen Feinde, welche fliehend ihn mit Pfeilen bedeckten. Außerhalb der Burg entledigte er sich dieser Pfeile, legte seinen Waffenrock an, erhob sich in den Steigbügeln, streckte sein Schwert aus und rief: „Chatillon, Ritter, wo sind meine Männer." Als er sah, daß die Saracenen von der entgegengesetzten Seite wieder in die Burg eindrangen, so 114) SuU. Se x. Z56. entginge!/ aber gsnöthigt waren, in 11Z) Abulmahasen be„ Rcinaud x. den Flug sich zu stürzen, und er- 4üZ, welcher hiuzufügt, dag zwey tranken, christliche Ritter zwar dem Schwerte 202 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. J-^>r. erneuerte er den Kampf und trieb drey Mal die Feinde in die Flucht. Der Ritter Johann Foninons sah aber, als er gefangen nach Mansurah geführt wurde, einen Türken, welcher auf dem mit Blut bedeckten Rosse des edlen Ritters saß, und dieser Türke verhehlte cs nicht dem Ritter Johann auf dessen Frage, daß er dem christlichen Besitzer seines Rosses den Kopf abgeschlagen hatte*"). Das Schicksal derer, welche auf den Schiffen dem Verderben zu entgehen suchte», war nicht minder traurig als das Mißgeschick der Ritter, Knappen und Serjanten, welche den Rückzug zu Lande unternommen hatten. Die Pilgerschiffe gelangten zwar aus dem Kanals von Aschmum in den großen Nilarm; ein widriger Wind aber verzögerte ihren Lauf und trieb sie ab von dem richtigen Fahrwege; und das Schiff, auf welchem Joinville sich befand, gerieth in einen Nebenkanal'"), aus welchem es erst nach längerm Aufenthalte wieder in den großen Strom zurückgebracht wurde. Die Ritter, welche nach der Anordnung des Königs auf kleineren Fahrzeugen "^) Hw Schiffe begleiten und die Kranken verthcidigen sollten, retteten sich hierauf durch die Flucht, weil sie jede Anstrengung zur Vertheidigung der Schiffe für vergeblich achteten, begaben sich auf das Ufer des Flusses und suchten nach Damiette zu entkommen. Nicht lange vordem Anbruche des Tages stießen die christlichen Schiffe auf die saracenische Flotte, welche die auf dem Lande fliehende» n6) soinvMe I>. gl. 8T- So wie »7) Ln une noo. loinv. i>. 67. Joinville das Ende des Walter von Weiter unten nennt Joinville diese Chatillon von dem Ritter Johann Fo- noe: le dras ctn llum Ul c>n nos ma- ninong erfuhr/ so erzählte ihm Jo- riniers nons orent cndatus. bann von Monson alü Augenzeuge von der Tapferkeit/ mit welcher der ng) I-es courcier» (cursoriLC>. Ritter Gauchicr in der Straste der sotnv. I. c. Vurg gestritten halte. Gefangen!,ehmung der übrigen Pilger. 203 Kreuzfahrer mit griechischem Feuer beschoß und nunmehr auch gegen die Pilgerschiffe eine solche Menge von Feuerpfeilen richtete, daß, wie Joinville sich ausdrückt, die Sterne vom Himmel zu fallen schienen. Die Lage der christlichen Schiffe war um so verzweifelter, als der mit steigender Heftigkeit tobende widrige Wind es ihnen unmöglich machte, den Strom zu halten*"); und Joinville sah von seinem Schiffe, wie an beyden Ufern des Flusses eine große Zahl christlicher Fahrzeuge, welche bereits in die Gewalt der Sa- racenen gefallen waren, ausgcplündert, und die auf denselben befindlichen Pilger getödtet und in den Fluß geworfen wurden. Während die Pilgerschiffe von vorn der zerstörenden Gewalt des griechischen Feuers nur mit Mühe widerstanden, wurden sie zugleich von den Saracenen, welche das Ufer des Flusses besetzt hielten, mit Pfeilen beschossen und unter Drohungen aufgefvrdert, sich zu ergeben; und der Se- neschall Joinville, welcher noch immer schwer krank auf seinem Lager ruhte, schützte sich kaum durch einen Turnier- Harnisch, welchen er angelegt hatte, gegen die feindlichen Geschosse. In solcher peinlichen Gefahr wurde der Sene- schall von seinen Leuten, welche am Vordertheile des Fahrzeuges sich befanden, benachrichtigt, daß seine Schiffer, geschreckt durch die Drohungen der Saracenen, die Absicht hätten, ihn an das Land zu bringen und den Feinden zu überantworten. Die Vollziehung dieses Vorhabens verhinderte zwar der Seneschall durch seine Entschlossenheit, indem er, wiewohl sehr matt und schwach, von seinem Lager sich aufrichten ließ, sein Schwert ergriff und den Schiffern drohte, sie alle zu tödten, wenn sie sich unterfangen würden, ihn an ng) I^ors levL rrn vent ve» nous Loli 1e oonrs üe 1'^aue. loirr- iwit äevers Vawierv ei torr, czuo villo I. c. 204 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. ^°?'das Ufer zu bringen; worauf sie ihm die Wahl gaben, ob er an das Ufer gebracht seyn oder ihnen gestatten wollte, im Flusse zu ankern und die Aenderung des Windes abzu- rvarten, weil es unmöglich wäre, dem Sturm entgegen das Fahrzeug sortzubringen. Kaum waren aber die Anker aus- geworfcn, als vier saracenische Galeen, auf welchen wohl Tausend Mann sich befanden, herankamen. Joinville sah nunmehr, daß er der Gefangenschaft nicht entrinnen könnte, und es blieb ihm nichts anders übrig, als mit seinen Rittern und übrigen Leuten die traurige Ueberlegung anzustellen, ob sie jenen vier Galeen oder den am Ufer stehenden Saracenen sich ergeben wollten; und alle waren der Meinung, daß es rathsamer wäre, den Galeen sich zu überantworten, indem sie hoffen dürften, auf einem dieser Schiffe beysammen zu bleiben, die saracenischen Landtruppen dagegen, wenn sie denselben sich ergäben, ohne Zweifel sie zerstreuen und den Beduinen verkaufen würden. Ein Geistlicher*^) aus dem Gefolge des Seneschalls, gebürtig aus Dourlenö in der Picardie, widersprach zwar diesem Beschlüsse, indem er meinte, es wäre besser, insgesammt sich tödten zu lassen, um mit Sicherheit in das Paradies zu gelangen; Joinville aber und seine übrigen Leute waren nicht dieser Meinung, und der Seneschall, als er sah, daß sein Schicksal entschieden war, beeilte sich, sein Schmuckkästchen und seine Reliquien in den Fluß zu werfen. In diesem Augenblicke trat einer der Schiffer heran und bat den Seneschall um die Erlaubniß, ihn als einen Vetter des Königs von Frankreich anzugebcn, weil solches Vergeben vielleicht sowohl dem Seneschall als allen seinen Leuten zum Heile dienen I3o) rin mien eovleiicr. ioinv. dafür (x. 6z)! nng Illicn vicrc Ple x. 66. Orr Text von Oucange sept j'avoie. Gefangenschaft des Seneschalls Ioinville. 205 könnte; und diesem glücklichen Einfalle verdankte Ioinville 2-^br. seine Rettung. Denn als den Saracenen kund getha» wurde, daß ein Vetter des Königs von Frankreich sich ihnen als Gefangener überantwortete, so warf sogleich eine jener vier Galeen neben dem Schiffe des Seneschalls ihre Anker, und ein Araber aus den Landern des Kaisers Friedrich^*) schwamm heran, bestieg das christliche Schiff, umarmte den Seneschall und forderte ihn auf, ohne Zögerung, während die Saracenen mit der Besitznahme des eroberten Schiffs beschäftigt wären, sich auf die Galee zu begeben und dadurch der Mordlust der Muselmänner sich zu entziehen. Eben dieser Araber unterstützte den kranken Seneschall, als er an einem herübergeworfcnen Seile den Schnabel der Galee zu erklimmen suchte, und schützte ihn gegen die Muselmänner, welche auf dieser Galee sich befanden, indem er ihn stets umarmt hielt und rief: „es ist der Vetter des Königs von Frankreich." Auf solche Weise wurde Ioinville gerettet, obgleich ihn die Muselmänner drey Mal zu Boden warfen, und er das Messer schon an der Kehle fühlte. Endlich führte der mitleidige Araber den Seneschall und dessen Leute in eine Burg, wo mehrere türkische Emire versammelt waren, welche den unglücklichen französischen Ritter mit Theilnahme empfingen, ihm, da sie sahen, daß er krank war, seinen Harnisch abnahmen und über ihn eine mit Pelzwerk gefütterte Decke, welche dem Seneschall seine Mutter geschenkt hatte, warfen. Aus dieser Decke bildete sich Ioinville, indem er Oeffnungen für die Arme schneiden ließ, ein Gewand, und ein Saracene brachte ihm einen weißen Riemen, I2i) Lors cnvo^-r Oicxs»rr-r- weder ein sicllischer Araber oder ela Lin gui estoit äo 1,1. teil« 1'Lnixe- Renegat, rcour. loinv. I. o. Er war also ent- 206 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VI. 2-^dk-niit welchem er sich umgürtete. Als bald hernach der Se- neschall zu bemerken glaubte, daß in seinem Halse sich ein schlimmes Geschwür gebildet hatte xeMe darüber heftig zu weinen ansi'ngen, und die saracenischen Emire von dem Araber, welcher den Seneschall gerettet hatte, die Ursache dieser Traurigkeit vernahmen: so versprach einer jener Ritter, dem kranken Gefangenen einen Trank zu bereiten, welcher in zwey Tagen ihn heilen würde, und er erfüllte dieses Versprechen. Eben so theilnehmend bewies sich auch ein alter Saracene von der Mannschaft der Galee, welche neben dem Schiffe des Seneschalls sich vor Anker gelegt hatte, gegen den Ritter Radulph von Vernon, welcher zugleich mit Joinville in Gefangenschaft gerieth und, da er in der Schlacht am achten Februar in der Kniekehle verwundet worden war'"), weder zu gehen noch aufrecht zu stehen vermochte; indem jener alte Saracene den hülflosen Ritter auf seinem Rücken dahin trug, wohin das Bedürfnis ihn nöthigte, sich zu begeben. So wie Joinville genöthigt worden war, in die Gewalt der Saracenen sich zu überliefern, eben so traf dasselbe Schicksal fast alle Kreuzfahrer, welche den Versuch gemacht hatten, auf den Schiffen zu entkommen; viele andere wurden durch die Schwerter der Saracenen getödtet; andere starben in den Flammen ihrer Schiffe, welche durch das griechische Feuer der Saracenen zerstört wurden, eines 122) Lt lors je äemLnäai a doire et len m'aporta äe 1'^auo en irn xot; et sitost cvmme je 1a. mis ii niL konelie porir envo^er a. val» eile mo sailli 1ior8 xar les narilles. ^iiant je vis ee, je envoiai luerre ma §enr et leirr äig 9110 je estoio moit 911s j'«ivoie 1'axok.runie en la gor^e. 5 o- inv. x. 69. i2z) ^.voit este e?jarettv. 7 oin- ville 1. e. 207 Frohlocken der Moslims. kläglichen Todes und keiner entging dem Verderb den "*). Die Moslims betrachteten diesen Sieg, welchen sie über ein durch Hunger und Seuche ermattetes Heer und über eine Ritterschaft, welche nur auf abgemagerten Pferden wider sie kämpfen konnte gewonnen hatten, als eine Waffenthat, welche dem Islam einen neuen Glanz verlieh und sie schrieben das Verdienst dieses Tages, an welchem mit dem Verluste von hundert Muselmännern dreyßig Tausend Kreuzfahrer durch das Schwert vertilgt wurden, außer denen, welche in den Wellen des Nils ihren Tod gefunden hatten, und eine unermeßliche Beute den Siegern zufiel vorzüglich der wunderbaren Tapferkeit 12-0 Lxistola S. Imäovioi x. 42g» I2Z) Ikeo NINIS Oliristimins IN oa- IIIIII nillmi innniiinin lli.im-iliio cüiristisnis cioiiniinnnniliin ovasit, sogt Matthäus Paris tp. 7gr) in seinem Berichte von der Zerstörung der christlichen Flotte. 126) tzuili mooroie et cioloro, II! me er iiceäia eonkoeti, panei er egrris nrscilenris iiislcieirtes, contra rot mil- lin millinm agore xiorucrniir? IVlattii. r-tiis x. 7 sZ. Wgl. das Schreiben eines Kreuzfahrers an den Grafen von Cornwaliis ebendas. 796. 127) ,/Dieser Tag," sagt Abulma- liasen (bev Neinaud x. 46z), „war wahrhaft bewundernswürdig, mit Einem Worte, es war ein groger Tag." rag) Abulmaüasen a. a. O. x. 462. 4Sz. Dieselbe Zahl der Getödteten geben auch daS SicgcSschreiben des Sultans Turanschah an den Statthalter von OamaScuS (bcy Neinaud x. 46 z) und andere morgenländische Nachrichten an, ziemlich übereinstimmend mit Matthäus Paris (ast i2Lo. x. 7 gz), nach welchem 2goo Ritter und iz,ooo Pilger zu Fug an diesem Tags getödtet oder gefangen wurden. Dagegen berichtet Makrisi lOar- tloniio Lxtnrits x. Z4i), dag die Zahl der getödteten Christen von einigen nur zu 10,000 angegeben worden sey, die Zahl der gefangenen christlichen Ritter, Fugknechte und Handwerker rc>o,ooo betragen habe, und die Beute an Zelten, Pferden, Maulthieren und anderen Gegenständen unermsglich gewesen sey. Der gleichzeitige Geschichtschreiber Saadeddtn sbeh Neinaud x. 46z) gicbt die Zahl der Christen, welche von den Saracenen getödtet wurden und im Flusse ertranken, zu 7-x», und die Zahl der gefangenen Christen zu 20,000 an. Alle diese Angaben stützten stch, wie cs die Natur der Umstünde mit sich brachte, nur auf muthmagliche Schätzung. Die i. Chr. rrso. 208 Geschichte der Krenzzüge. Buch VIII. Kap. VI. ^1252?' der baharischen Mamluken zu, welche unter der Anführung des Emirs Rokn eddin Bibars wie Löwen gekämpft hatten. Der gefangene König wurde auf einem Schiffe, begleitet von der muselmännischen Flotte, unter dem Schalle von Pauken und Trompeten nach Mansurah gebracht, und eben dahiu wurden auch die übrigen gefangenen Christen, welche mit Stricken gebunden waren, geführt, wahrend die türkischen Scharen an dem östlichen Ufer des Nils in trium- phirender Haltung zurückkehrten, und die Araber und vieles andere Volk am entgegengesetzten Ufer einherzogen Der Sultan Turanschah, obgleich er nicht selbst Antheil an dem Kampfe genommen hatte, rühmte sich nichts desioweni- ger dieses Sieges als einer glanzenden Verherrlichung des Anfangs seiner Regierung. „Wenn du," schrieb er in dem Siegesbriefe, in welchem er dem Emir Dschemaleddin, Statthalter von Damascus, Nachricht von diesen Ereignissen gab, „ein Bild von der Zahl der Tobten dir machen willst, so denke dir den Sand des Meers, und du wirst nicht irren *3°)." Mit diesem Briefe sandte der Sultan nach Damascus den erbeuteten Mantel des Königs von Frankreich, welcher von Scharlachtuch bereitet und mit Pelzwerk gefüttert war, und der Statthalter bediente sich dieses Mantels als einer köstlichen Bekleidung und zeigte sich damit dem Volke Zahl ver getodtcten Muselmänner, welche im Texte angegeben worden Ni, beruht auf der Aussage der mor< genländischcn Schriftsteller', nach Matthäus Paris (a. a. O.) wurde nur ein einziger vornehmer Saraccne, Mclkadin, der Sohn des Noch!, gelobtet. -2y> Abulmahasen bey Neinaud x. 462. 463. Ioinville und dis übrigen Christen, welche auf dem Flusse waren gefangen worden, wurden erst am folgenden Sonntage (10. Avril) aus dem Flusse weiter gebracht. loinv. i>. 7». izr>) Ueinmist Lxrraits I>. 46z. izi) Abu Schamah, welcher über den Kreuzzug Ludwig ix. sonst keine LOS Frohlocken der Moslims. eigenthümlichen Nachrichten mittheilt, berichtet (bol. iLü L.) Folgendes; ^ ^,s ^7? eSüS" e>.^r- d. t. „Am 16. Moharrem (— ry. April) wurde nach Damaöcus der Mantel des gefangenen Königs von Frankreich gebracht, welchen der Sultan seinem Statthalter zu Damaöcus, dem Emir Dschemaleddin Musa Cbn Jagmur, übersandte. Ich sah diesen Mantel, als der Emirlhn angelegt hatte: er war I. The. von rolhem Scharlach und mit Herme- '^Lo. linpelz gefüttert, und auf demselben befand sich eine Krone von Gold." (Das Wort >st in der angeführten Stelle vielleicht verschrieben, In den Wörterbüchern findet sich diese Form für nicht.) Abu Scha- mah führt hierauf Bruchstücke auS drey Gedichten des Dichters Nodschm- eddin Mohammed Ebn JSrail an, in welchen dieses Mantels erwähnt wird; diese Werse, welche kein sonderliches Zeugnis) von dem poetischen Talente ihres Verfassers geben, finden sich, jedoch ohne Unterscheidung der Gedichte und mit einigen Abweichungen, in der Mittbeilung des Herrn Neinaud aus Makrisi (Lx»aus x. 464). t Vll. Dan». O 210 Geschichte der Kreuzzüge. VuchVHI. Kap. VH. Siebentes Kapitel. ^ 250 ^ Äie Gefangenschaft, mit welcher die von der französischen Ritterschaft in der sichern Hoffnung eines glanzenden Erfolgs unternommene Heerfahrt sich endete, war für den König Ludwig und seine Waffengefahrten um so schmerzlicher, als sie selbst sich den Vorwurf machen mußten, daß sie nicht weniger, denn in früherer Zeit der Cardinal Pela- gius und der König Johann von Jerusalem, durch die großen Fehler ihres nicht reiflich erwogenen Plans und sehr ungeschickte Ausführung desselben selbst ihr Unglück verschuldet hatten. Auch war es leicht vorherzusehen, daß die Gefangenschaft des Königs von Frankreich in allen christlichen Landern als eine unvertilgbare Schmach, durch welche die französische Ritterschaft ihren Ruhm besteckt hatte, würde betrachtet werden. *). 1) Rex, sagt Matthäus Paris (aä s. r 2 Zo. x. 7 ZZ), eum xaucis aämo- äum, sOilieer Carolo 6omite Rro- vinoiae, er ^läepiionso Oomire Rl- eraviLe, er alris, gul ipsum äelen- äedant, et maxnatldns, yni 1arerL aäiiaeserunt, caxtns est, aä äoloris vnmrrlnm er Israncorum opprot)riiini seivpiternnm er totins 6tiri8Urm.ira- tls er eoelesiae eonlnsionem uni- versLlis; ne^ue esr in alignaruM serie Iiistoriarnm repertum, utRex Z?raneiae eaprns fuisset, all iniiäe- xraesertim, vel äevietus praeter isrum, , si 8Lliew. solus sa- Inti et lionori. reservaretur, er sr alri oecubulssenr nnlversi, ali^u-nn Iiaderent 6iiristian1 inateriain respi- rantli et oxxrodrla äevitsnäi. Auch der päpstliche Legat, Cardinal Odo, war mit dem Betragen dev französischen Ritterschaft auf diesem Zuge Behandlung des Königs Ludwig in der Gefangenschaft. 211 Der Sultan Turanschah behandelte indeß den König Ludwig und die vornehmen gefangenen Christen mit Schonung, da nach dem eigenen Zeugnisse des Sultans und der arabischen Geschichtschreiber durch einen Vertrag ihnen das Leben gesichert war, obwohl die christlichen Nachrichten eines solchen Vertrages nicht erwähnen^); und wenn der Sultan den König und dessen vornehme Unglücksgefahrten es fühlen ließ, daß sie Gefangene waren, so hatte er dabey wohl nur die Absicht, ein so hohes Lösegeld als möglich zu erpressen. Ludwig und seine Brüder wurden zwar gefesselt und in einem Hause zu Mansurah durch einen Eunuchen bewacht; der Sultan sorgte aber für ihren Unterhalt und sandte eines Tages dem Könige und den gefangenen französischen Baronen als Geschenk fünfzig Ehrenkleider, welche von allen andern angelegt wurden; nur Ludwig weigerte sich dessen, indem er erklärte, daß es einem Könige nicht geziemte, ein fremdes Kleid zu tragen. Am folgenden Tage beleidigte der König «och empfindlicher den Sultan dadurch, daß er dessen Ein- unzufrieden; io legst, sagt Josnbille (x. 70), se aonrronos mault sormeilt (kortcmenr) s mal xourcegue ll u's- vait stemoure svee 1e Loz- cle rl- elies liommes gue mnv. 2) Vgl. oben S. I§9. Anm. III. 3) In dem Hause des Schreibers Fachreddin Ebn Lokman, durch den Eunuchen Sabib, einen Sklaven des Sultans Turanschah. ^wulkest. sun. mosl. lr, IV. x. Zog. keinsuil Lx- trslts p. 463. Nach einer Bemerkung von Neinaud zeigt man noch jetzt zu Mansurah auf einem kleinen Platze am Nil das Haus, wo Ludwig in einem dunkeln, etwa 20 Quadratfug enthaltenden Zimmer des Erdgeschosses bewahrt wurde. Nach Gujart (x. 144) schmerzte den König während seiner Gefangenschaft nichts mehr alS der Verlust seines Breviers- Li 8 . Lais <11 SS toi Oien fermes Lleure souveut s alisustes lermes, Louraegu' eu ioeles äemeures dl a livre oi, it stise ses Peures, 8i vom il ot sxris s ksire. IVIiii: regrete so» brevisiro lJu'il xeräit xsr msssventure, Le jour ste Is stesooulltuie. Diese Erzählung wird durch das Anmerk. 3 angeführte Zeugnigdeö königlichen CapellanS widerlegt; und was sonst jener Dichter von der Mißhandlung der gefangenen Christen berichtet, mag ebenfalls llebertreibungsehn. O 2 212 Geschichte dee Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. VII. laduug zur Tafel ablehnte, unter dem Vorwände, er fürchtete, die Muselmänner möchten die Absicht haben, ihn zur Schau zu stellen und lächerlich zu machen. Ungeachtet dieser Beleidigung hörte der Sultan nicht auf, dem gefangenen Könige Beweise seiner Theilnahme und milden Gesinnung zu geben °). Es wurde dem Könige gestattet, seinen treuen Diener Jsambert, den einzigen königlichen Diener, welcher von der Lagersenche frey geblieben war, bey sich zu behalten ; und dieser bereitete seinem Herrn von dem Fleische und Mehle, das von dem Hofe des Sultans geliefert wurde, Pasteten und andere Speisen. Ein Priester des Prediger- vrdens, welcher des Arabischen kundig war, feyerte mit dem Beystande des Capellans Wilhelm von Chartres, welcher einen Bericht über den frommen Lebenswandel des heiligen Ludwig hiuterlassen hat, in dem Gefängnisse des Königs und in Gegenwart der saracenischen Wächter die Messe, jedoch ohne das Sacrament, und hielt mit dem Könige die vor-- geschriebencn täglichen Gebete nach der Weise der pariser Kirche; und die Saracenen schenkten selbst aus der Beute dem heiligen Ludwig das Brevier seiner Kapelle und ein MeßbuchNicht weniger sorgte der Sultan für die Pflege 4; Saadcddin bey Reinaud i>. 464. „Als der Sulla» am folgenden Tage/' sagt dieser gleichzeitige Schriftsteller, „den König zu einem glänzenden Eastmahle cinlud, so weigerte sich dieser Verfluchte, zu erscheinen, indem er behauptete, dag man ihn zur Schau stellen und lächerlich machen wollte." Vielleicht hatte Ludwig noch einen andern Grund, diese Einladung abzulchnen, nämlich die Furcht vor Vergiftung. Vgl. die unten Anm. ig aus Matthäus Paris angeführte Stelle. Nach Jolnvillo (r-LS) lick der Sultan dem Könige nicht nur eine Matratze (malelas) verabreichen, sondern ihm auch ein mit grauem und schwarzem Pelzwerke gefüttertes und mit vielen goldenen Knöpfen geziertes Kleid von schwarzem Sammet verfertigen lies rodcs gue Io Sou- äane II avoit kct hailiei et taillcr, erlöst üe samet noir, hone , 70. 71. Unterhandlungen. 217 Emir Saifeddin Jussuf, einen der Emire, welche mit ihm- aus Mesopotamien nach Aegypten gekommen waren, beauftragte, die Gefangenen, deren große Menge lästig war und selbst Gefahr befürchten ließ, nach und nach bey Seite zu schaffen, und daß dieser Emir je dreyhundert oder vierhundert absonderte, ihnen die Köpfe abschlagen und die Leichname dann in den Fluß werfen ließ, was so lange fortgesetzt wurde, bis keiner der zum Tode bestimmten Gefangenen mehr übrig war. Nach dem Berichte des arabischen Geschichtschreibers Abulmahasen hatte der Sultan zwar anfangs die Absicht, diejenigen Christensklaven, welche eine Kunst oder Handwerk verstanden, am Leben zu erhalten und deren Geschicklichkeiten zu benutzen; er änderte aber seinen Sinn und ließ sie tödten wie die übrigen"). Der König Ludwig und seine Barone hatten nicht lange Zeit, obwohl nicht ohne große Angst, in der Gefangenschaft der Saracenen zugebracht, als der Sultan mit ihnen Unterhandlungen wegen ihrer Auslösung «öffnete "). Die Barone wurden, ehe sie sich dessen versahen, in ihrem Gefang- 11) Leinenst Lxtreit» x. 46Z. 464, 12) 8enö xost caxlioncm nostrsin xer sties eiiguot jem stictns Solste- nu« rcgniri nos kcvir ste treugis ke- oienstis, xeteng instanter, non sine subiero rnorae stisxenstio taeerenius sidi restitui Dainiatanl VUIN oiuni- t>us rebns idistem inventis, et re- sas, gnes tecerar nsgue est tenixns iiiust a äie gue reeexcrant Osmia- kani Lirristiani. Lpistole 8. I-usto- vici x. 429. 450. Nach Der Erzählung deS oben (Anm. s) erwähnten Beichtvaters der Königin Margaretha i Vie ste 8t. Louis x, M ) kNÜkfte» einige reiche Christen, welche mit dem Könige gefangen waren, für sich Unterhandlungen mir den Saracenen an, um sich loszukaufen; der König untersagte aber solche Unterhandlungen , weil dadurch die Befreiung der armen Leute erschwert würde, und erklärte- er wolle nicht, dag irgend ein Kreuzfahrer auS seinem eigenen Vermögen sich loskauie, sondern er werde daS Lösegeld für alle gefangene Christen aus seinem Schatze bestreiten und für sich selbst die Frcyheit unter keiner andern Bedingung annchmen, als wenn allen seinen Mitgefangenen die Freyheit ebenfalls zu Theil würde. !. Chr. isgo. 218 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. uisse durch die Erscheinung eines Bevollmächtigten überrascht, welcher im Namen des Sultans sie aufforderte, einen Abgeordneten aus ihrer Mitte zu erwählen und durch denselben die Anträge des Sultans zu vernehmen; worauf die Barone den Grafen Peter von Bretagne zu ihrem Bevollmächtigten erkohren. Die Unterhandlung wurde durch die Vermittelung von Dolmetschern zwischen dem Grafen von Bretagne und dem saracenischen Bevollmächtigten geführt"); der Letztere fragte zuerst im Namen des Sultans den Grafen, ob die Barone und Ritter ihre Freyheit zu erhalten wünschten; und alS diese Frage bejaht wurde, so fragte er weiter: ob sie geneigt wären, ihre Befreyung mit der Räumung von Burgen und Schlössern der syrischen Barone zu erkaufen, worauf der Graf von Bretagne erwiederte, daß über Syrien kein anderer als der Kaiser Friedrich verfügen könnte. Der saracenische Unterhändler brachte hierauf die Räumung von Burgen der geistlichen Ritterorden in Vorschlag, und als darauf der Graf antwortete, daß ein solcher Antrag unstatthaft wäre, weil die Burgvögte sowohl der Templer als der Hospitaliter durch einen Eid auf die Heiligen sich verpflichten müßten, die ihnen anvertrauten Burgen für die Befreyung eines Menschen unter keiner Bedingung zu übergeben: so sprach der Saracene, er sähe wohl, daß sie keine Lust hätten, ihrer Fesseln entledigt zu werden, und man werde gegen sie eben so als gegen ihre übrigen Mitgefangenen das Schwert zu gebrauchen wissen. Mit diesen Worten ging er von dannen. Dieselben Anträge wurden auch dem Könige Ludwig gemacht, und von ihm auf gleiche Weise wie von den Baronen zurückgewiesrn. iz) II Lvoik ßous illoc ljul sovol- ouroniLU^oiout Io smiLLinuois au out Io sLULLinnois «t Io I-Lu^ols «oute kerrou. Ivluv. p. >zuc I cu sxrello Druge-ULus, yui 219 Unterhandlungen. Die Saracenen bedrohten hierauf den König mit der Fol-2-^kr. ter"), Ludwig aber gab, ohne die Fassung zu verlieren, zur Antwort, er wäre ihr Gefangener, und sie könnten mit ihm nach ihrem Willen verfahren. Nachdem die saraceni- sche» Unterhändler die Erklärung des Königs von Frankreich ihrem Sultane gemeldet hatten, so kehrten sie zuruck und legten dem Könige die Frage vor, ob er gesonnen wäre, sich mit einer Summe Geldes und der Räumung von Damiette loszukaufen, worauf Ludwig erwiederte, daß er, falls der Sultan eine billige Forderung machte, seine Gemahlin, die Königin, bitten würde, das begehrte Lösegeld zu bezahlen. Als die Saracenen über diese Antwort sich wunderten und fragten, warum der König nicht selbst entscheiden wollte, so erwiederte Ludwig, die Königin sey seine Gebieterin, und ihrem Willen sey der seinige untergeordnet. Hierauf bestimmte der Sultan das Lösegeld für die gefangenen christlichen Barone zu einer Million Byzautien oder fünfmal- hundert Tausend Livres damaligen französischen Geldes, und >4) II 1s nreiiaoereur et 11 älstrent czue xulsHtie 11 ne 1e voulolt kairs, yue 11 1e kerolent mettre es kerni- cles. Lernloles est 1e ^Ins grlek tourment gnv l'en xruisse soukrlr; st sont äeux tisons (xieees äs Kols) xloians, enäsntss an oklek er entre 1'uu en l'autro, et sont lies ü lorts oorroies äs kouk an ekle!; et Knarrt 11 veuleur mettre les §ens clecisns, ei les eouokent sus leurs eoster: et leur wettent les jarnkes xarm.1 les okevilles äeäLiis, et xuls si kont as- seoir nn kome snr les risons, äont 11 uo äsmourra (äemeurera) za äemi xiä enrier äe os gu'11 ue solt tont äelrrlsles; et xonr kalre au ^1s gus 11 xevem, au eklet äe rrois iorrr» ^ue les Zanrkes sont enllees, ei re- metterit les zsiukes äeäaris les ksr- nleles et iskrlssiit tont äerecklet. loiuv. 72. 73. Vergl. über diese Art der Folter die Dissertation XIX von Ducange zu Jolnville. DaS Wort ksrnlcnla bedeutet sonst in der Latir nitär des Mittelalters eine Art von Sumpfvogel, und in der Bedeutung Folter drückt es ohne Zweifel daS persische und in andere morgenländi« sche Sprachen aufgenommene Wort (Loklkenäsokek) aus, welr cheS ein Werkzeug zum Zerbrechen (von bedeutet, also eine Presse, Folter u. s. w. 220 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. Vll. 2. ?k>r. forderte für die Bcfreynng des Königs die Räumung von Damiette. Diesen Antrag genehmigte Ludwig und stellte nur die Bedingung, daß die saracenischen Unterhändler den guten Willen des Sultans, den König und die Barone freyzulassen, falls die Königin das geforderte Lösegeld bezahlen und Damiette räumen würde, durch einen Eid bekräftigen sollten. Als die Saracenen nach einiger Zeit zurückkehrten und mit der Genehmigung des Sultans diesen Eid leisteten: so erklärte der König, daß er gern fünfhundert Tausend Livres für die Freylassung seiner Barone bezahlen würde, weil es nicht seine Weise wäre, mit Geld zu kargen. Diese Bereitwilligkeit des Königs Ludwig, für die Vefreyung seiner Ritter ein so großes Opfer zu bringen, gefiel dem Sultan Turanschah so sehr, daß er ausriefr „in Wahrheit, der König von Frankreich ist ein edler Mann, sagt ihm, daß ich ihm zweyhundcrt Tausend Byzantien des Lösegcldes erlasse." Die französischen Barone hatten kaum von der Augst, in welche die oben berichtete Erscheinung des alten Scheichs und seiner bewaffneten Begleitung sie gesetzt hatte, sich erholt, als ihnen von einem Beamten des Sultans die Meldung von dem verabredeten Vertrage gebracht wurde, mit der Aufforderung, vier Abgeordnete an den König Ludwig zu senden, und durch dieselben die Bedingungen des Vertrages zu vernehmen. Sie leisteten mit großer Freude dieser Aufforderung Folge und erwählten die Ritter Johann von Valery, Philipp von Montfort, Balduin von Jbelin, Seneschall des Königreichs Cypern, und dessen Bruder Guido, Connetable desselben Königreichs, zu ihren Abgeordneten, um die Bestätigung solcher tröstlichen Kunde aus dem Munde des Königs zu empfangen' *). 15) loinvitlo x.71 — 7 Z. Nach dem s. laiäov. I>. wurde das Löse- «lgenen Berichte beS Königs (Lxist. geld zu goo,«» saracenischen Byzan- 221 Unterhandlungen. Obwohl dieser Vertrag nichts weniger als ehrenvoll für^A°- den König Ludwig und die Barone war, so verdiente gleich- t>en ^ 40O,«« franz. Livres bestimmt, es erklärt sich aber dieser Widerspruch mit Joinvlkle aus der von Letzterm berichteten später» Verminderung dcS Lösegeldes. Uebrigens betrug allerdings auch nach den von Ducange (Oisscrralioir XX zu 2 oin- villc) angeführten Stellen anderer Schriftsteller ein damaliges französisches Livre ungefähr zwei) Byzantien oder Oucaten, und war also ungefähr gleich einem jetzigen englischen Pfund Sterling. Nach Matthäus von Westminster (aff -r. 1251): Summa re- Ucmxliouis Legis Lraucorum erat sexLginta millia lidraium auii xri- ini er iiurissimi adsgue aliis äeuarüs «ommuuidus, viücUacr LsrerUngis, lduroueusidus er I-arisiensidus, gut aü inllnitunr uumcrum asoeuüciuut. Matthäus Paris (aff -l. iszo. x. 794) giebt das Löscgeld zu iso,cxx> Pfund Goldes (und x. 797 zu I0U,0M Mark Silbers) an und erzählt folgende Zabeln von der Gefangenschaft deS Königs Ludwig, welche auch zum Theil in dem von ihm sx. 7g6. 7y7) mitgetheilten Schreiben eines Kreuzfahrers an den Grafen Richard von Cornwallis sich stnden. Der Sultan habe im Anfangs die Absicht gehabt, den König in den morgenländtschen Städten zur Schau berumführen zu lassen, sep aber davon abgestanden, weil Ludwig in zwei) Lagen nichts Ost und trank, und der Sultan befürchtete, dag er durch den Tod des Königs alle Vortheile verlieren möchte. ES seyen hierauf Unterhandlungen angeknüpft worden; aber während derselben sev von den Saracencn versucht worden» Damictke durch eine Kriegslist zu erobern, Indem eine Zahl von Saracencn, welche ungefähr der Zahl des vernichteten christlichen HeerS gleich war, mir christlichen Waffen» derOriflamme und anderen eroberten Panieren vor Damiette erschienen sey und verlangt habe, in die Stadt ein» gelassen zu werden; sie jenen aber von den Christen schon in der Ferne durch ihre saracenische Weise, dis Schilde zu führen, und noch deutlicher, alü sie den Thoren der Stadt sich genähert hatten, an der dunklen Farbe ihrer Gesichter, ihren schwarzen Bärren und ihrer Sprache alS Saracenen erkannt worden. Erst, nachdem Liese Kriegslist mißlungen wäre, hätten die Saracenen angefangen, den König und dessen Mitgefangene milder zu behandeln, und ihnen Speise und Trank nach ihrem Wunsche reichen zu lassen; gleichwohl habe man noch immer in den Unterhandlungen den König mit der Folter und der Wegführung an den Hof dcS Cha- lifen bedroht. Alü hierauf von dem Sultan das Lösegeld in Pfunden Goldes gefordert worden sey, so habe der König um die Umwandlung in Marke Silbers gebeten, mit der Be- merkung: „wir Abendländer haben nicht Ueberfluß an Gold wie ihr Mor, genländer, wir rechnen daher nicht nach Pfunden Goldes." Uebrigens mag die von Matthäus Paris angegebene Summe von Marken Silbers mir der von Ioinville angegebenen Summe dem Betrage nach ziemlich übereinsti,innen. ( Vgl. die oben angeführte Dissertation von Ducange.) 2 n dem von Ducange ( SU Ioinville r- ge) mitgetheilten Auszugs aus den wohl die Mäßigung des Sultans Turanschah Anerkennung. Auch die einzelnen Bedingungen, durch welche die Vollziehung dieses Vertrages geordnet wurde, waren höchst billig. Die Dauer des Waffenstillstandes, in welchem auch die Lander und Herrschaften der Christen in Syrien begriffen seyn sollten, wurde auf zehn Jahre bestimmt. Das festgesetzte Lösegeld wurde zugleich als Vergütung angesehen für den Schaden, welchen die Kreuzfahrer dem Sultan durch ihren Einbruch in Aegypten zugefügt hatten. Die Gefangenen, welche seit dem Frieden des Kaisers Friedrich mit dem Sultan Kamel in Sklaverey gerathen waren, sollten von Seiten der Christen sowohl, als der Saracenen in Freyheit gesetzt werden. Die Güter und Kriegsgerathschaften, welche die Kreuzfahrer in Damiette nach der Uebergabe der Stadt zurücklassen würden, nahm der Sultan so lange in seinen Schutz, bis die Gelegenheit sich darbieten würde, dieselben nach dem Lande der Christen zu bringen. Eben so gewahrte Turanschah den kranken Christen und denen, welche wegen des Verkaufs ihrer Besitzungen zu Damiette Zurückbleiben würden, seinen Schutz, und die Freyheit, ohne alles Hinderniß zu Lande oder zu Wasser Aegypten zu verlassen, sobald sie es wünschten. Endlich machte der Sultan sich verbindlich, alle diejenigen, welche zu Lande nach Syrien sich begeben würden, mit sicherm Geleite bis zur Grauze seines Reiches zu versehen ^). Der päpstliche Legat Odo, der Herzog von Burgund und die übrigen in Damiette zurückgebliebenen Pilger waren Registern »er Rechnungskammer zu Paris findet sich folgende Angabe: Nestemxrio äicti Ssiicti (I^ustovioi t eoäeiu sieno (i2Zi> 167, io» Nbr. rg soUä. 8 fieuar. lruron. 16) Lxistola 8. I-uäoviai x. Hzo. Vgl, Victor Lira». . k44. „Man erzählt," sagt Abul- faradsch (clron. Sz-r x. Zik. §12), „daß in den Tagen, in welchen der König von Frankreich gefangen war, ihm gemeldet wurde, es habe die Königin, seine Gemahlin, einen Sohn geboren; als solches Moaddhem (Turanschah) hörte, so sandte er der Wöchnerin alS Geschenk »o,«» Stück Su- mak, eine goldene Wiege und königliche Kleider." OaS Wort wenn eS richtig Isr, bedeutet in dieser Stelle vielleicht die Frucht oder daS Gewürz, welche die Araber nennen (bcy Golius: lilcus xeo. odsoniorum ec ejus krnccns), nicht aber den Stein Sardonyx, wie in der lateinischen Uebersehung der syrischen Chronik angenommen worden ist. Vielleicht in faLooi, v. I. Granatäpfel, zu lesen. 225 Die Pilger zu Damiette. Turanschah geschlossen hatte, nur erst nach vielen Bedenk- lichkeitcn von ihnen angenommen; auch die vier Ritter, welche als Abgeordnete des Königs, begleitet von einigen Saracencn, nach Damiette sich begaben, um daselbst die Bedingungen des Vertrags bekannt zu machen, hatten große Mühe, jene Pilger zu überzeugen, daß die Räumung dieser Stadt das einzige Mittel wäre, den König vvu Frankreich und die gefangene französische Ritterschaft zu retten. Die Häupter der Besatzung wandten ein, daß dieser Vertrag nichts als ein Fallstrick wäre, welcher ihnen von den Sara- cenen gelegt würde, um diese wichtige Stadt, welche wegen ihrer Festigkeit wenigstens Ein Jahr lang gegen die ganze Macht des Sultans behauptet werden könnte und einen bequemen Landungsplatz für ein nachkommendes Heer darböte auf eine leichte Weise den Christen zu entreißen, und daß den Gefangenen selbst ihre Desrepung von keinem Nutzen seyn würde, da ihnen von den Saracencn gewiß ein langsam wirkendes Gift beygebracht worden sey, welches ihnen keinen langen Genuß ihrer Freyheit gestatten würde '?). Erst als die Abgeordneten des Königs auf das heiligste versicherten, daß Ludwig von keinem Saraceneu Speise oder Trank angenommen hätte, und der Sultan es redlich mit der Freylassung der gefangenen Christen meinte, gaben auf die inständige Bitte der Königin Margaretha, des päpstlichen Legaten und anderer eifriger Freunde des gefangenen Königs die Häupter der Besatzung ihre Zustimmung zu der verabredeten Räumung von Damiette^). ig) I>2ri§ sä s. rSZo. x. 794. ig) rVLiiicipulas Iro8tium veliemvu- seeum trskedant, reeipereiit xotio» uLlum. x»er aUeujus tewxoris vienr- VII. Band. rog brevLtrrtcm; nornnt eniin I 100 Henris Frsuäis Laraeerii. IVIattlr. ka- ris P. 795. 2o) IVlLttli. ?sris 1. 0 . Dgl. das Schreiben eines Kreuzfahrers an Den P I. Cbr. >750. 226 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. K a p. VII. Das Ziel der schweren Prüfungen, welche dem frommen Könige auferlegt wurden, war noch nicht gekommen, und in dem Augenblicke, in welchem Ludwig aus der Gefangenschaft erlöst zu werden hoffte, entstand für ihn eine neue Gefahr, welche seine Hoffnung zu zerstören drohte. Als die Bedingungen, unter welchen der König von Frankreich und die gefangenen französischen Barone ihre Freyheit erhalten sollten, bestimmt waren, und nur noch die Einwilligung des Herzogs von Burgund und der Kreuzfahrer, welche unter dessen Befehle standen, mangelte, begab sich der Sultan Turanschah mit seinem Heere nach Fariskur, um dort die Räumung von Damiette zu erwarten, und ließ dahin auch die Gefangenen auf vier Galeen führen Turanschah hatte bey Fariskur ein hölzernes Lustschloß mit allen Bequemlichkeiten") sich erbauen lassen, in welchem Grafen Richard von Cornwallis, eben- daselbst p. 7y7- Sl) zoiirvilie x. 73. Auf der Gates, auf welcher Jotnvllle war, befanden sich auch die Grafen Peter von Bretagne, Wilbelm von Flandern und Johann von Soiffons, der Eonnetable Jmbcrt von Beaujeu und die Ritter Johann und Guido von Jbelln. Vgl. Itciuaust Lxtraits 464 . 22) ^bulkestae -Xmi. mögt. P. IV. x. zro. Reinrust Lxtraits a. a. O. Joinvillc (x. 7Z. 74) beschreibt dieses Lustschloß also: Vor diesem Gebäude (Iierberge), welches am Flusse lag, stand ein aus tannenen Brettern gezimmerter Thurm, welcher mit bemaltem Tuche (ste teile liiule) bedeckt und mit einem Thore,. das den Eingang bildete, versehen war. Hinter diesem Thore war ein Zelt ausge- spannt, in welches die Emire, wen» sie rum Sultan sich begeben wollten, ihre Schwerter und Harnische ableg- tcn. Dann folgte wieder ein Thor, durch welches man zu dem Saale des Sultans gelangte. Nach diesem Saale kam man wieder zu einet,, Lhurme und durch denselben in das Gemach (clrrmbie) des Sultans. Hinter diesem Gemache war eine Wiese (un i-raci), auf welcher ebenfalls ein Thurm stand, welcher höher war als die übrigen und von dem Sultan benutzt wurde, um das Land und seine Truppen zu übersehen. Von der Wiese führte eine Allee zu einem Ba- dchause, welches der Sultan im Flusse hatte erbauen lassen. Alle Gebäude dieses Lustschlosses waren mit hölzernen Gittern (treiiiics sto kuer) versehen, und diese Gitter mit blauem Tuche sste roiiics z-ustes) überzogen; und so wie der erste Thurm mit bemaltem Tuche bedeckt war, eben so waren es auch die drey andern. Ermordung des Sultans Turanschah. 227 er nach der Befreyung seines Reichs aus großer Gefahr' der Freude und dem Vergnügen sich zu überlassen gedachte; denn er ahnte es nicht, daß eine noch größere Gefahr über seinem Haupte schwebte. Schon seit dem Tage seiner Ankunft in Mansurah hatte der Sultan die türkischen Main- luken, welche damals den Kern des ägyptischen Heeres bildeten, durch die Gleichgültigkeit, welche er ihnen bewies, gekrankt^); und diese Fremdlinge, welche, an den Ufern des schwarzen und kaspischen Meers als Sklaven gekauft^") LZ) Oomme il vint c„ 8gz-pte, N ost» et tollt AU SönöseiiAl so„ hui venoieiit ave» lui cl Orient. Zoinville z>. 6z. Vgl. p. 74. 24) Sie wurden, wie Joinville nach eigener Beobachtung berichtet sx. 6i), als kricgsgcfangene Knaben in fernen Gegenden des Morgenlandes von Kanfleuten aufgekaufr und nach Aegypten gebracht, wo sie theucc bezahlt wurden (vgl. IlciNAuck Lxtr»its z>. 4L4). Man übte sie von früher Jugend an in dem Gebrauche solcher Waffen, welche für ihr Alter und ihre Kräfte paßten, und wenn sie zu männlichem Alter gelangt waren, so erhielten sie ordentliche Waffen und das Feldzeichen dcü Sultans,llc Sou- Feldzeichen des Sultans war nämlich golden, welches die Mamluken mit ihren eigenthümlichc» Zeichen nach ihrer Wahl schmückten, rochen oder roscnrothen Streifen, Vögeln u. s. w. Man nannte sie die Laha- rischen (iz-chari--,, vgl. oben Kap. 4 Anm. 10. S. 12g), auch die von der Haulequa (cculL cko la Haniogua) ; sie bildeten die Leibwache des Sultans, und ihre Zelte umgaben im Feldlager das Zelt des Sultans. Vor dem Zelte dcü Sultans befanden sich in einem kleinen Zelte die Pförtner und die Spielleute desselben, welche bei, dem Aufgange und Untergangs der Sonne mir saracentschcn Hörnern, Trommeln und Pauken (m. bours et „»»Aires) eine so lärmende Musik machten, daß im Lager keiner den andern verstehen konnte. Zu andern Tageszeiten durfte aber diese Hecrmusik nicht anders angesiimmt werden, als auf das Gebot des Befehlshaber der Haulequa l le mestrc, äe HAuicgu»), und sic diente alsdann zum Zeichen, daß derselbe den Truppen einen Befehl des Sultans mit- zutheilen hatte. Wenn die Mamluken sich durch tapfere Thaten anszcichne- ten, so wurden sie zu Emire» über 200 oder zoo Mann und mehr ernannt; es konnte ihnen aber auch, wenn sie die Eifersucht oder den Argwohn des Sultans erregten, ergehen wie denen, welche die Grafen von Montfort und Bar gefangen nahmen ff. Gesch. der Kreuzzüge, Buch VII. Kap. 17. S. Lyo. SgZ. Zoinv. z>. 74), oder denen, welche den König von P 2 )- Ehr. lSzo. 228 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. VH. und der Knechtschaft in einem fernen und ihnen ganz fremden Lande preisgegeben, nur ihrer Tapferkeit das Ansehen verdankten, in welchem sie damals standen, und eben deswegen von einem sehr reizbaren Stolze beherrscht wurden, ertrugen eine solche Kränkung um so unwilliger, je mehr sie durch die Vorzüge, welche ihnen der Sultan Ejub, der Stifter dieser Scharen von türkischen Mamluken"), auf Kosten der kurdischen und anderer Truppen zugestanden hatte, verwöhnt worden waren. Obgleich die Mamluken den Sultan bey seiner Ankunft zu Mansurah mit lärmenden Freudenbezeigungen empfangen hatten^), so bewies er ihnen dennoch kein Vertrauen, sondern beobachtete nur so lange einige Rücksicht, als er ihres Beystandes im Kriege gegen die Kreuzfahrer bedurfte; und selbst die glänzende Tapferkeit, durch welche die baharischen und dschamdarischeu Mamluken in den blutigen Gefechten am Kanäle von Aschmum den Islam gerettet hatten, wurde von dem Sultan weder anerkannt noch belohnt. Dagegen verschwendete Turanschah seine Gunstbezeigungen an die jungen Leute, welche mit ihm aus Mesopotamien nach Aegypten gekommen waren. Nachdem das Heer der Kreuzfahrer vernichtet worden war, so hielt er es nicht länger für nöthig, den Mamluken seine Gesinnung zu verbergen; er verstattete seit dieser Zeit ihren Anführern nicht anders den Zutritt zu seiner Person, als wenn sie in der Gesellschaft von zahlreichen Höflingen an seiner Tafel speisten; und sobald die Tafel aufgehoben war. Armenien überwanden. Als die letztem den Sultan Bondokdar auf der Jagd begrüßte», so gab er nach Ioin- ville's Erzählung lp. 62) ihnen zur Antwort: „ich grüße euch nicht, weil ihr meine Jagd gestört habt," und ließ allen die Köpfe abschlagsn. Der Name Hauiegna ist vielleicht das arab. s - > , agmeir coxiosuiu. 2 Z) ireiilauü Llxtraits 0. 454. 26Z Lcinanä p.güs. Vgl. oben Kap.6. Ermordung des Sultans Turanschah. 229 so wurden sie angewiesen, zu ihren Zelten zurückzukehren. Eine ähnliche Zurücksetzung erfuhren die übrigen ägyptischen Emire, welche von dem Sultan Ejub durch Belohnungen und ehrenvolle Aemter waren ausgezeichnet worden; selbst der Emir Husameddin, Statthalter von Kahirah, dessen Treue dem Sultan Turanschah den Thron von Aegypten gegen den Ehrgeiz des Atabck Fachreddin bewahrt hatte, wurde von dem jungen Sultane, als er demselben seine Huldigung darbrachte, mit Gleichgültigkeit ausgenommen; Turanschah empfing den verdienten Emir nur an der Tafel und unterhielt sich nicht mit ihm über Geschäfte; Husameddin sah schon damals das Schicksal vorher, welches der Sultan sich bereitete, und er sprach eines Tages zu seinem Freunde, dem Geschichtschreiber Dschemaleddin: „Dieser junge Sultan benimmt sich auf dieselbe Weise als sein Oheim Adel, indem er die Emire sich zu Feinden macht"), und er wird es dahin bringen, daß man ihn absetzt und ermordet")." So wie Turanschah die Scharen der Mamlukeu und deren Häupter im Allgemeinen beleidigte, eben so krankte er auch einzelne ihrer Emire. Dem Emire Fareseddin Oktal, dem Haupte der dschamdarischen Mamlnken, einem Manne von großem Ansehen und Einflüsse, welcher zu dem Sultan nach Mesopotamien sich begeben, ihm den Tod seines Vaters gemelkt und ihn aufgefordert hatte, nach Aegypten zu eilen, verhieß Turanschah! zwar als Belohnung die Statthalterschaft von Alexandrien, er erfüllte aber nicht dieses Versprechen"). Die Erbitterung der Mamlnken gegen den jugendlichen 27) S. Eesch. der Kreuz;. Buch VII. Kap. 17. S. SS 5 - 28 ) IZciiLLna Lxlrairs I>. 466, 487, 2g) IZeinauä x. 48g. Der Emir Fareseddin Oklai kömmt bey 2 oin- ville (x. 7g. 84 ) vor unter dem Namen oder Faiaoalzic, und an der letztem Stelle bezeichnet ihn der Seneschall alü- u» äcs plus loiarrs LarraLing Hue je veisse rrn- gnes. 2. Shr. l2go. 230 Geschichte der Krenzzüge. Buch VIII. Kap. VII. Sultan wurde noch dadurch gesteigert, daß ihnen an den Unterhandlungen mit dem Könige von Frankreich keine Theilnahme irgend einer Art zugestanden, und der Vertrag ganz ohne ihr Mitwissen abgeschlossen wurde; und sie gaben dem Verdachte Raum, daß der Sultan das Friedensgeschäft in keiner andern Absicht beschleunigt hätte, als um sich ihrer ohne Gefahr entledigen zu können 3°). Es wurde dem Sultan zum Vorwurfe gemacht, daß er nicht unmittelbar nach der Vernichtung des Kreuzheeres seine Truppen gegen Da- miette führte und der Stadt sich zu bemächtigen suchte, bevor die Kreuzfahrer von ihrem Schrecken sich erholt hatten, sondern den Vergnügungen und Ausschweifungen der Sinnlichkeit sich ergab"). Man wollte wissen, daß die jungen Leute, welche mit Turanschah aus Mesopotamien nach Aegypten gekommen waren, ihm den Rath gegeben hatten, den König von Frankreich mit Schonung zu behandeln, dadurch den Frieden und die Räumung von Damiette zu beschleunigen, dann der schimpflichen Unmündigkeit, in welcher er von der Sultanin Schadschreddorr und den Emiren seines Vaters gehalten wurde, sich zu entziehen, die herrschsüchtigen Emire aus ihren Aemtern und Würden zu entfernen und seine Freunde an deren Stelle zu bringen. Der Sultan gab einem solchen Rathe um so williger Gehör, je schmerzlicher er es fühlte, daß er nur dem Namen nach Beherrscher von Aegypten war, ohne wirkliche Gewalt zu besitzen"). Es verbreitete sich hierauf das Gerücht, daß Turanschah die Absicht geäußert hätte, sich des Emirs Oktai durch Verbannung oder Mord zu entledigen, und eine vermessene Drohung, welche dem leichtsinnigen Sultan wäh- FL») V» 467. z2) -^Iiulksraßii kikityriu ä/ULbNL- 3 r) Dschemaleddin bei) Reinaud a. rum, eä. k00oek.e x. 495. 6 . 0 . Ermordung des Sultans Turanschah. 231 rend eines nächtlichen Gelages im Rausche des Weins ent-As schlüpft war, wurde von Mund zu Mund getragen; der Sultan hatte nämlich bcy diesem Gelage mehrere Male Fackeln zusammenbringen lassen und deren Spitzen mit seinem Schwerte abgeschlagen, indem er erklärte, daß er auf gleiche Weise mit den Köpfen der Befehlshaber der baharischen Mamluken, deren Namen er zu nennen sich nicht scheute, zu verfahren gedächte. Solche unüberlegte Aeußerungen des Sultans Turanschah, welcher zwar ein Fürst von guten natürlichen Anlagen und gebildetem Geiste war, es aber nicht gelernt hatte, seine Leidenschaften zu beherrschen^), brachten nvthwendiger Weise die Wirkung hervor, daß bey den durch vielfältige Kränkungen gereizten Mamluken der Entschluß zur Reife gelangte, dem Sultan zuvorzukommen und durch die Ermordung desselben ihren eigenen Untergang abzuwenden. Unter solchen Umständen beschleunigte Turanschah die schreckliche Entwickelung seines Schicksals dadurch, daß er von der Sultanin Schadschreddorr, deren Klugheit und männliche Entschlossenheit in der gefahrvollen Zeit während der Erledigung des Throns nach dem Tode ihres Gemahls Aegypten gerettet hatte, Auskunft forderte über die Verwendung der von seinem Vater hinterlaffenen Schätze. Unwillig gab die Sultanin zur Antwort, daß diese Schätze für den Krieg gegen die Ungläubigen wären verwandt worden, und sie klagte hierauf den baharischen Mamluken diese von dem leichtsinnigen und undankbaren Sultan ihr zugefügte Beleidigung; die Mamluken beschlossen, der gekränkten Sultanin eine blutige Genugthuung zu verschaffen Die gefangenen Christen langten am Donnerstage vor^lpru Himmelfahrt bey Fariskur an, dem Könige Ludwig wurde 33 ) Dschemaleddin unv Makrifi bey Reinauv i>. 470. 34) NeiilLirä x. 46g. 232 Geschichte der Keeuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. ^A?ein Zelt in der Nahe des Lustschlosses angewiesen, welches der Sultan bewohnte^), und alle sahen mit eben so froher als ungeduldiger Erwartung dem nächstfolgenden Sonnabende entgegen, an welchem nach der Bestimmung des SnlranS ihre Freylassung und die Uebergabe von Damiette an die Saracenen Statt finden sollte "). Da die Erfüllung ihrer Hoffnung sich aber verzögerte, so vollzogen die erbitterten Mamluken die beschlossene blutige Rache an dem Sultan, bevor der König Ludwig und seine Mitgefangenen die Frey- s. Mal heit erhielten. Als am folgenden Montage nach der Auf, Hebung der Tafel des Sultans die Emire in ihre Zelte und Turanschah in sein Gemach sich zurückgezogen halten, so drang der blutdürstige Mamluk Vibars Bondokdar ") in das Zimmer ein, in welchem der Sultan ruhte, und hieb mit seinem Schwerte nach dem Haupte des jungen Fürsten. Da Turanschah aber den Hieb mit seiner Hand abwehrte, so mißlang dieser meuchlerische Angriff, nur die Hand des Sultans wurde verwundet, und Bibars, selbst erschreckend über seine grausenvolle That, warf das Schwert von sich und entfloh"). Nachdem Turanschah von der Betäubung, ZZ) Du UN Dsvitton gut estoir as. k0L xros äes irerbergce Io Sonäanc, loiirvMo x. 74. 36! loiuvillc a. a. O. 37 ) Dschemaleddtn bcy Neinaud a. 0- Q. Nach Joinville (a. a. O.I: un ctos clievaliers äo 1 » Naulegna gut xorloit I'csxoc au Sonriano (wodurch Joinville vielleicht den Beynamen Bondokdar, d. i. Pfeilhalter, zu übersetzen glaubt). Als der Tag der Ermordung deü Sultans Turanschah wird von den arabischen Geschichtschreibern (vgl. lt.bulso r. lV. i'. Zro) der Montag 09. Moharrem 64g 2. Mai 1250 angegeben. Joinville bemerkt den Tag eben so wenig, als er die Umstände berichtet, durch welche die Vollziehung des von dem Könige Ludwig mit dem Sultan verabredete» Vertrags verzögert wurde; aber auch Hugo Plagon bezeichnet (x. 734 ) den 2. Mai alS Len Tag der Ermordung dcS SultanS (vgl. Marti» Sauuli 8c- orora liäclium Orucis, Dil». III. Dar» 3 . cax. 3. x. 2lg), und auch nach Wilhelm von ChartreS (vuclicsnc, rom.v. x. 46g> war eü ein Montag. 33 ) Nach Joinville gebrauchte Vi- barS zu diesem Mordversuche das ei« Ermordung des Sultans Turanschah. 233 in welche er fiel, sich erholt hatte, so rief er die baharischen Mamluken zu sich und klagte, seine Wunde ihnen zeigend, über den Meuchelmord, welcher von einem Bvsewichle aus ihrer Mitte wider ihn versucht worden, und bat sie um ihren Schutz; die Mamluken suchten ihn zwar zu überreden, daß kein anderer als ein Jsmaelit oder Assassine der Meuchelmörder seyn könnte, welchen er für einen Baharitcn hielte; als aber der Sultan bey seiner Behauptung beharrte, so zogen sie bestürzt sich zurück und beschlossen nunmehr, die Ermordung des Sultans zu vollbringen, in der Ueberzeu- gung, daß ihre eigene Rettung es nvthwendig machte, das Aeußerste zu wagen Die gefangenen Kreuzfahrer, welche größtentheils noch auf den Schiffen sich befanden, auf denen sie nach Fariskur waren gebracht worden, ahnten noch nicht, was in dem Lustschlosse des Sultans vorging, als sie die Heermusik im türkischen Lager erschallen hörten und hierauf bemerkten, daß ein großer Theil des türkischen Heers auS- zog und den Weg nach Damiette nahm; und sic gerielhen dadurch in große Bestürzung, weil sie meinten, daß die Sa- racenen die Absicht hatten, der Stadt Damiette sich zu bemächtigen und den geschlossenen Vertrag rückgängig zu gone Schwert des Sultans. Uebri- genS stimmt Ioinville in der Erzählung der Verwundung des Turanschal, ziemlich mit Dschemaleddin kbey Neinaud x. 46g. gög) überein. Nach Dschemaleddin verwundete Bibars den Sultan, als dieser den Hieb abwehrte, an den Fingern l nach Joinville traf er ilin zwischen den vier Fingern und spaltete ihm die Hand bis zu dem Arme. Nach Makrist (bei, Neinaud x. 470) überfiel Bibars den Sultan noch an der Tafel, worauf Turanschah in den hölzernen Thurm floh, indem er rief, daß er die baharischen Mamluken vertilgen wollte. 3g) Dschemaleddin bei, Neinaud x. 46g. Nach hoinville wandte der Sultan sich an die Emire, welche die Anstifter dieses Mordversuchs waren, und sprach zu ihnen: Seigneurs, je ine plcing (plains) a vons cie ccnlri che 1a Ilaniegua gui me vouioicnt oe- cire si vom vons 1e xoveL veoir; worauf die Emirs antworteten: ruis- Hne tu chiL gne nons re vonions oa- cire, 11 noris vaur iniex gue non» t'oocious 4110 tu rrous occücs. 234 Geschichte der Krenzzüge. Buch VIII. Kap. VII. machen "°). Die Mamluken hatten aber, indem sie durch die Heermusik die Scharen zusammenriefen und im Namen des Sultans verkündigten, daß Damiette in den Händen der Muselmänner wäre, und das Heer dem Sultane, welcher nach dieser Stadt sich begäbe, folgen sollte, keinen andern Zweck, als die Scharen, welche dem Sultane nock- treu waren, zu entfernen. Mittlerweile hatte der junge Sultan mit drey Imams auS seinem Gemache in einen damit verbundenen Thurm sich begeben"'), wo er seine Wunde verbinden ließ; worauf fünfhundert Mamluken"^) unter der Anführung des Emirs Fareseddin Oktai, nachdem sie das Gemach des Sultans zerstört hatten"^), diesen Thnrm belagerten. Tnranschah öffnete zwar ein Fenster und rief um Hülfe; aber sein Ruf verschaffte ihm keinen Beystand. Die Mamluken drohten hierauf, den Thnrm an- znzünden, und forderten den Sultan auf, herabzukommen, indem sie ihm Sicherheit versprachen; Turanschah gab aber ihrer Aufforderung kein Gehör. Der Emir Husameddin versuchte hierauf, mit den kaimaritifchen Mamluken dem bedrängten Sultan zu Hülfe zu kommen, er fand aber die Zugänge versperrt, und es wurde ihm erklärt, daß Turanschah bereits gelobtet wäre, und die Hülfe nicht mehr an der Zeit seyn würde. Ei» Gesandter des Chalifen von Bagdad, welcher im Lager sich befand, wagte es, die Mamluken abzumahnen von ihrem frevelhaften Unternehmen, sie brachten aber den Botschafter in ein Gefängniß und be- loinvUIe x. 7Z. Hi) I.e Loriäauo yrri esroit Zoenes (jeone) et loZiers, 5'enlui en 1a tour ^ue il Lvoit Fet Faire aveo trols äo cliamdre (vgl. oben Anm. 33. S.226). lornv. 6. a. O. I-o i-riiree s'etoit renäir a sa rour 2e Koi8 sur les lioräs äu Ml. Dschemaleddtn bey Aeinaud i>. 469. 43) Diese Zahl wirb von Joinvllle (a. a. O.) angegeben. 45) loiuviUe a. a. O. Ermordung des Sultans Turanschah. 235 drohten ihn mit dem Tode, wenn er sich nicht ruhig ver- 2 -^hr halten würde; und als einige andere Emire die Heerpauken schlagen ließen, um die Truppen, welche daö Lager noch nicht verlassen hatten, zum Beysiande ihres Herrn zu versammeln: so wurden auch diese Emire durch die Drohungen der Mamluken gezwungen, unthätig zu bleiben Alle diese Versuche, den jungen Sultan zu retten, bewogen nur die Mamluken, die Vollendung ihres blutigen Vorhabens zn beschleunigen; sie zögerten nicht, die Drohung zu erfüllen, mit welcher sie den Sultan aufgefordert hatten, sich ihnen zu überliefern, und der hölzerne Thurm, in welchem der junge Fürst Schutz suchte, stand bald in Hellen Flammen"). Turanschah, welcher nunmehr genöthigt war, hcrabzukom- men, versuchte den Emir Oktal, welcher ihm die heftigsten Vorwürfe machte, zu versöhnen, indem er sich erbot, ihm nicht nur die verheißene Statthalterschaft von Alerandncn zu übertragen, sondern auch in allen Dingen nach seinem Willen sich zu richten; Oktal aber blieb unerbittlich, und wahrend dieser Unterhandlung kam der Emir Bibars hcrbey, entschlossen, ohne Zögerung den angefangencn Mord zn voll- 44) Dschcmaleddin bcl> Neinaud a. a O. Nach einem andern arabischen Schriftsteller, weichen Herr Neinaud nicht namhaft macht, sollen die Mam- lukcn dem Abgesandten auch gedroht haben, im Falle fernerer Einschrei- tung von seiner Seite, Aegvvten dem Gehorsams des Cdalifen zu entziehen. estoit hatte äe pianoiros äe Lapin et äe teile (toiie) äe levloir; ia tour se prist Uastivemenr gne üroit. loinvilic a. a. O. Nach Dschemalcddin hatten zwar die Mamluken Holz unter dem Thurmc zusam- mengebracht. um vermittelst der Anzündung dieses Holzes den Thurm zu verbrennen. Der Sultan lieg sich aber durch die Verheißungen des Emirs Oktai bewegen, frcvwillig hcr- abzukommen. Abulfcda aber sch. IV. x. S»o), Abulfaradsch lHistor. p. 4yü) und Makrisi (bev Neinaud i>. 470) bestätigen die Erzählung des Scne- schalls von Ioinville, obwohl sie der Anwendung des griechischen Feuers nicht erwähnen. 236 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. bringen. Es gelang jedoch dem Sultan, vermittelst seiner Behendigkeit dem Schwerte des Mörders durch die Flucht sich zu entziehen und, obwohl verfolgt von den Pfeilwürfen seiner Feinde, zu dem Ufer des Nils zu gelangen Er warf sich dann in den Fluß und versuchte schwimmend eines seiner im Flusse vor Anker liegenden Schiffe zu erreichen; wahrend aber die Schiffer Anstalt machten, ihn aufzunehmen, wurde er von seinen Verfolgern ereilt, und Bibars gab ihm mitten im Wasser des Nils und in der Nähe der Galee, auf welcher der Seneschall Ioinville und mehrere andere gefangene christliche Barone sich befanden hx,, Todesstreich worauf der Emir Oktai noch dadurch seiner Rach- qü) Makrist bey Neinaud a. a. O- Nach der Erzählung dieses Schriftstellers rief der Sultan fliehend die Worte: „ich verlange nicht mehr den Thron, lagt mich nach Mesopotamien zurückkehren-, o Muselmänner, ist denn keiner unter euch, welcher mich »crtheidigen will?" Ioinville berichtet, daß einer der Mörder, welche die Alles von dom Lustschlosse biü zum Flusse (vgl. oben Anm. 22. S. 220) besetzt Harken, dem Sultan, alS er durch diese Allee floh, sein Schwert tn die Nippen stieß, und der Sultan LaS Schwert mit stch schleppte lcc ie flonäana s'enini on iium Io glaivo rrainont). 47) -rsseL xiö» äe la gaiie oit nous estions. Iol „ v. a. a. Li, gg) Wir sind in der Erzählung der Ermordung des Turanschah hauptsächlich dem Berichte des Dschemal- eddtn gefolgt, ohne dis von andern Schriftstellern angegebenen Umstände zu vernachlässigen, worüber die vorhergehenden Anmerkungen die gehörige Nachweisung darbleten. Der König Ludwig erwähnt zwar slipisr. 8. Dnäovici p. 4M, vgl, 6uil. cke dlang. x. 875- Vinv. Leilov. XXXI. ioi> der Ermordung deS SultanS nur mit wenigen Worten, doch ist seine kurze Erzählung mit dem Berichte deS Dschemaleddin vollkommen übereinstimmend: ^voickir ckivino zuckiaio, griock guickam miiitcs flarraceni nun sine conuiventia vci msjoris xartis exeroirns, irruenres in goiäanuin «nrgentem in mane äe mensa xost xranäium ixsnm immanitcr vnine- ravernnt et äe sno tcnrorio cxeun- tem, nr xosset kngee deneüaio iibe- leri, viäenlidns kere omnidus ,-rci- miralis et aiiorum garracenornm muititnäine, krüstratim giaäiis trn- oickarnnt. Nach dem Berichte des Wilhelm von Tripolis (äe -tarn 8ar- laccnorum xost I-nstovici äe Sz-ria rcäitnm, bey Ouclresne g-.v. x. 4M) wurde der Sultan Almoaddhem Turanschah (5oiäanus cjni vooabatur IVleiev Limoilaäim) von.üo Emiren In der Nacht vor dem Tags, an welchem Ludwig nach einer Gefangen- Besorgnisse der gefangenen Kreuzfahrer. 237 sucht Eenugthuung verschaffte, daß er mit seinem Schwerte' den Leib des entseelten Sultans spaltete und das Herz aus- r!ß Zwey Tage lag der mißhandelte Leichnam des unglücklichen Fürsten unbegraben am Ufer des Flusses, und der Botschafter des Chalifen erwirkte nur mit Mühe einigen mitleidigen Fakirs die Erlaubniß, ihn zur Erde zu bestatten Selbst die arabischen Geschichtschreiber berichten diese schaudervolle Ermordung des jugendlichen Sultans ohne große Theilnahme und betrachten sie als ein göttliches Strafgericht, durch welches der frevelhafte Mord, welchen Ejub, der Vater des Turanschah, an seinem Bruder Malek al Adel begangen hatte, vergolten worden sey Der Anblick dieser Greuelthat erregte in den Gemüthern der gefangenen Kreuzfahrer, vor deren Augen sie vollbracht wurde, sowohl Entsetzen, als bange Besorgnisse wegen ihres eigenen Schicksals. Joinville und die übrigen Gefangenen, welche mit ihm auf derselben Galee vereinigt waren, glaubten schon, daß das Ende ihrer Tage gekommen sey, als wohl dreyßig der Mordgenossen mit Aerten ") und entblößten Schwertern auf das Schiff kamen; und Balduin von Jbelin, welcher ihrer Sprache kundig war, versicherte dem Seneschall von Joinville auf dessen Frage, daß die Sarace- nen die Absicht äußerten, den Gefangenen die Köpfe abzuschlagen. Hierauf beichteten die meisten Pilger, um zum Tode sich vorzubereiten, einem Klosterbruder aus dem Orden schuft von 32 Tagen die Frcytzeit er- ^ Ermordung des Turanschatz dieselben halten sollte, ermordet. vier Emire, welche den Sultan Malek 4g) loiiiville a. a. O. al Adel auf den Befehl des Sultans Zo) Makrif, bei) Neinaud a. a. O. Ejub erwürgt hatten. Vgl. Dschcmaleddin ebendaselbst. §2) 2 es liaoliee äsuoises. Soinvillo zi) Nach einem Gerüchte, Lessen der a. a. O. Weiter unten bezeichnet Geschichtschreiber Jafei lbey Neinaud Joinville diese Waffe durch liadre 0. <1. 2 .) gedenkt, vollbrachten die äauvise a ciiarxeiitier. i- Ehr. 1250. 238 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. der Dreyeinigkeit, welcher den Grafen Wilhelm von Flandern begleitete, ihre Sünden. Joinville, welcher keiner Sünde in diesem Augenblicke sich bewußt war, beichtete zwar nicht; er hielt aber, wie seine Genossen, jeden Widerstand oder jeden Versuch zur Flucht nur für geeignet, die Gefahr zu vergrößern, und kniete daher, ergeben in sein Schicksal, nieder vor einem Saracenen, welcher mit einer Art bewaffnet war, und sprach die Worte: „also siarb die heilige Agnes." Neben ihm ließ Guido von Jbelin, Connetable von Cypern, auf gleiche Weise sich nieder auf seine Kniee und beichtete seine Sünden dem Seneschall, welcher ihm auch die Absolution ertheilte "). Die Saracenen begnügten sich aber damit, die Gefangenen von dem Verdecke zu entfernen und in dem Bodenräume der Galee so enge cinzusperreu, daß der Seneschall Joinville und der Graf von Bretagne, als sie sich niederlegten, der Eine mit seinen Füßen den Kopf des andern berührte; und in einem solchen beengten Gefängnisse verbrachten sie den übrigen Theil des Tages und die darauf folgende Nacht, geängsiigt durch die Furcht, daß die Saracenen sie eben so wie die meisten ihrer Mitgefangenen nach einander erwürgen würden. Zu dem Könige Ludwig aber kam der Emir Oktai noch mit blutiger Hand und sprach: „was giebst du mir dafür, daß ich deinen Feind gelobtet habe, welcher dir das Leben nicht gelassen haben würde, wenn er selbst länger gelebt hatte." Ludwig aber bewies seinen Abscheu an der greuelvollen Mordthat durch Schweigen Bald darauf drangen noch viele andere 53 t 5 ° vour osoln (adsons) äe tel S4) loinville x. 7Z. Dag der Emir I'ooir comme Oien in'» Uoniiö. Oktal den König damals aufgefordert Doch, fügt Joinville hinzu (g. 76I, haben soll, Ihn zum Ritter zu schla- als ich aufüand, so hatte ich schon gen s s. Ar. von Raumer, Eesch. der vergessen, was er mir gesagt und er- Hohcnst. IV. S. 3°o), ist sicherlich zadlt hatte. eine Fabel; Joinville würde gcwili 239 Anordnungen der ägyptischen Emire. Saracene» mit wilder Wuth in das Zelt des Königs ein und versuchten ihn durch schreckliche Drohungen zu ängstigen; die Ruhe aber und Würde, mit welcher Ludwig sie empfing, entwaffueke bald ihren Grimm; sie begrüßten ihn hierauf ehrerbietig und sprachen: ,, Wundere dich nicht, o Herr, über das, was geschehen ist, es konnte nicht anders kommen, sey aber ohne Sorge, erfülle baldigst, was du versprochen hast, und du wirst frey scyn Die Emire traten, nachdem die blutige That war vollbracht worden, in dem Lustschlosse des ermordeten Sultans zusammen zu einer Verathung über die Wahl eines neuen Oberhauptes und bestimmten, daß die Sultanin Schadschr- eddorr die Regierung führen, einer der Emire mit dem Titel eines Atabek, wie ehemals der Emir Fachreddin, Oberbefehlshaber des Heers scyn, und die Söhne des Turanschah, welche in Mesopotamien zurückgeblieben waren, von der Thronfolge ausgeschlossen bleiben sollten. Die Würde und Gewalt des Atabek wurde hierauf dem Emir Husam- eddin wegen des großen Ansehens, in welchem er bey dem Sultan Ejub gestanden, dann dem Emir Schehabeddin angetragen, und als beyde sie abgelehnt hatten, so übernahm sie der Emir Asseddin Aibek"), ei» Turkoman nach dieser Forderung erwähnt haben, wenn sie Statt gefunden hätte. LL) 6rril. Oarnot. (gxuä vudicsn. 1°. V.) 469. Ludwig nennt in seinem Briefe ia. a. O.) die Orohun» gen dieser Saraccnen: Verdorum et oommitrationum tonitima. Nach Abulmahasen (bei, Neinaud x. 472) begaben sich nach der Ermordung des Luranschah einige Mamluken mit blutigen Händen und gezogenen Schwertern in das Zelt des Königs von Frankreich und verlangten Geld. sü) Oer Emir AsSeddin Aibek ist wahrscheinlich der von Jotnvills lx. 79) erwähnte Sesircci c bey Ducange 7>. 74: Seedreci), welcher aus Mauretanien ( lVIorr-üg oder IVloreir- tmgnc) gebürtig war. Asseddin Aibek Dschaschnigir (d. t. Truchseß) war übrigens ein von dem Sultan Male? as Saleh Ejub gekaufter Mamluk und führte daher auch den Bevnamen Assalehi. 2 . Ehr. »050. 240 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. seiner Abkunft; worauf unverzüglich die Truppen sowohl der Sultanin als dem Atabek den Eid der Treue schwuren. Die Sultanin, eine Frau von unvergleichlicher Schönheit und großer Klugheit, welche, obgleich sie nicht kurdischer, sondern eine Fremde entweder türkischer oder armenischer Abkunft war, schon wahrend der Regierung ihres Gemahls sehr lebhafte» Autheil an den öffentlichen Geschäften genommen hatte, weigerte sich nicht, die Herrschaft aus den Händen der blutdürstigen Mörder auzunehmen, und nannte sich zur Erinnerung an den früh gestorbenen Sohn, welchen sie dem Sultan Ejub geboren hatte, auf ihren Münzen und in ihren Verordnungen, Mutter des Chalil"). Sobald die Ordnung wieder hergestellt war, so erneuten die Emire, in deren Händen die Gewalt war, die Unterhandlungen mit dem Könige von Frankreich, nachdem sie den Emir Husameddin zu ihrem Bevollmächtigten ernannt hatten"); und Joinville und seine Mitgefangenen wurden «.Mal schon am folgenden Morgen nach der Nacht, welche sie 6?) Waiiäo Olreiii. ^.tmlkeciae ,Vn- nat. inosi. 1 °. IV. i>. 510. 5,2. liei- iiarrst Hxtrsit» p. 47-- 473. Es ist merkwürdig, da» Hoinville dieser von den Mamluken getroffenen Verfügungen gar nicht erwähnt, welche um so merkwürdiger waren, alS die Bcy- sviele der Herrschaft der Frauen lischst selten in der Geschichte der muselmännischen Reiche Vorkommen, und selbst die von Herrn Neinaud angeführte Ncbcrlieferung einer mündlichen Aeuyerung Mohammed'S dagegen warnt. Auch Wilhelm von Tripolis (i. 0. p. 4 ;S> erwähnt dieser Verfügungen sehr unvollständig und ungenau in folgender Weise: lu- rcrteclo Soistauo, gui axpeiiadL- »nr lVsetic Lilmeeciin, eonvcneruur 6XXVII Lämiralli, rrt eiigereur eidr Lolstauum, er olegerrrirt rrurrm lur- oum, gnem voeaverrrur lVIeleoir Ll- mclroa (d. i. Aimoess, s. das folg. Kap.); Irlo surr Plimus Ucx ste gc- ncre luroorum. Nach dem Berichte des Sojuthi sbeh Neinaud z>. 472) war der Cüalife von Bagdad über dieses Regiment einer Frau in Aegypten sehr unwillig, und er schrieb den Emiren, ob in diesem Lande keine Männer sich fänden, welche im Stande wären, zu regieren, in welchem Falle er ihnen einen Beherrscher nach seiner Wahl senden würde. 58 ) Abulmahasen bcv Neinaud I>. 472. Unterhandlungen der Emire mit den Kreuzfahrern. 241 unter großen Beschwerden und ängstlichen Besorgnissen in 2 -^r. ihrem engen Gefängnisse zugebracht hatten, aus demselben hcrvorgeholt und aufgefordert, sich zu den Emiren zu begeben und von denselben die Bedingungen ihrer Freylassung zu vernehmen, indem ihnen gesagt wurde, daß sie dem Tode des Sultans ihre Rettung verdankten, weil Turanschah die Absicht gehabt hatte, ihnen allen die Köpfe abzuschlagen. Hierauf begaben sich die Grafen Wilhelm von Flandern und Johann von Svissons, die beyden Bruder Jbelin und - einige andere, welche sich kräftig genug fühlten, an den bestimmten Ort; der Graf von Bretagne aber, der Cvnnetable Jmbcrt von Beaujeu und der Seneschall von Joinvilke, welche krank waren, blieben auf dem Schiffe^). Der neue Vertrag kam ohne Schwierigkeit nach wenigen Unterredungen zu Stande, weil die Emire die von dem Sultan Turanschah genehmigten Bedingungen vorteilhaft genug fanden, und sie bewilligten sogar dem Könige Ludwig hinsichtlich der Zahlung des Lvsegeldes einige Erleichterung; denn es wurde festgesetzt, daß der König die viermal hundert Taufend Livres, mir welchen er seine Barone und die übrigen noch vorhandenen Gefangenen anSzulöse» hatte, in zwey Fristen, die eine Halste, bevor er Aegypten verließe, und die andere nach seiner Ankunft in Ptolemais bezahlen sollte. Alle übrigen Bedingungen des vorigen Vertrags wurden bestätigt "). Dagegen fand die Form der Eidesleistung er- Zg) soiirvillo x. 76. 60) loixviNo a. a. O. Makrisi bc» Ncinaud x. 475 . Vgl. Lpistoia z, Im-lovioi 4Z0, Nach Vem Berichte des Saadcddin (bei) Ncinaud a. a. Q.) wurden von den Emiren zuerst 800.000 Goldstücke nl!i Lösegeld mit Inbegriff der Entschädigung für die von den VII. Band. Franken zu Damictte erbeuteten Vor- rätüe gefordert; als cs steh aber fand, dag diese Worräths nicht aufgezchrt, sondern noch vorhanden waren, so wurde jene Summe auf die Hälfte herabgesetzt. Saadeddin scheint jedoch das Zugeständnijj von zwev Terminzahlungen als Herabsetzung deS O. 1 I 242 Geschichte der Krcuzzügc. Buch VIII. Kap. VII. I. Ckr. hebliche Schwierigkeit. Die Emire trugen zwar kein Be- denken, von ihrer Seite den Eid in der Weise zu leisten, welche der König auf den Rath deö Meisters Nikolaus von Ptolemais, eines der morgenlandischen Sitten und Gebräuche so wie auch der saracenischen Sprache kundigen Mannes, in Vorschlag brachte; sie sollten nämlich schwören, daß sie, falls der geschlossene Vertrag von ihnen nicht gehalten würde, so ehrlos und verrucht seyn wollten, als ein Muselmann, welcher mit entblößtem Haupte nach Mekka gepilgert, oder sein verstoßenes Weib wieder zu sich genommen"), oder Schweinefleisch genossen hätte. Als aber die Emire auf den Rath einiger Renegaten forderten, der König sollte schwören, daß er im Falle des Meineides so ehrlos und verrucht seyn wollte, als ein Christ, welcher Gott und seine heilige Mutter verleugnet oder von der Gemeinschaft Gottes, der zwölf Apostel und aller übrigen Heiligen sich losgesagt, oder Gott zum Hohne das heilige Kreuz bespieen und mit Füßen getreten hätte"): so weigerte sich Ludwig, die dritte dieser LösegcldeS genommen zu haben; denn 400,000 Goldstücke zahlte Ludwig als ersten Termin (äe rznldns so. oorln- Aentis niillldns L/2anr1ornm )am solvlmns gnaärlngenra, Ulp. 6. löu- äovlol I. o.). Nach Abulmahasen (bey Neing,ud a, a.O.) zahlte Ludwig alS Löscgeld 500,000 Byzantien. 61) Oe cecas (d. >. deshalb), fügt Joinville hinzu, no pevcnt lalssler leur ckennnss a 1 a Io/ sto IVIalioin- niec, gNL jamcrr liamals) 1a xulssent r'avolr, so 11 no voll NN aurro Iromnre gösir a 11 (eouolrcr aveo die) avant grre 11 la puisse r'avolr. S- Uurclolrarllr aradic xroverds lHoiräoir igZo. 4.) p. 2,. 6r) Wir stnd in der Angabe dieser Eidesformel dem Texte der Ausgabe des Louvre (oarls 1761 fol.) von Jo- inville lp. 77) gefolgt, welcher zwar nicht ganz vollständig ist, sich aber leicht ergänzen lässt l etwas abweichend ist der Text von Ducangs l?- 70), nach welchem Ludwig erstlich schwören sollte, dag er im Falle der Verletzung seines gegebenen Wortes getrennt seyn wollte von der Gemeinschaft Gottes und seiner heiligen Mutter und aller Heiligen (äe rons les arrtres Lalns er Zalnres) des Paradieses. Dagegen hatte Ludwig nichts einzuwenden, er weigerte sich aber, die zwcyte Verwünschung auszusprechen, nach welcher er im Falls des Meineides angesehen seyn sollte als ein Christ, welcher Gott und dessen Taufe und Gesetz verleugnet und Unterhandlungen der Emire mit den Kreuzfahrern. 243 Verwünschungen als gotteslästerlich anszusprechen. Die^A*' Emire ließen ihm zwar durch den Meister Nikolaus sagen, daß sein Eigensinn ihm und seinen Leuten den Tod bringen würde; Ludwig aber erwiederte, die Emire könnten thun, was ihnen gefiele, er wollte lieber wie ein guter Christ sterben, alS in der Ungnade Gottes und seiner Mutter leben; und eben so fruchtlos war das Zureden der Brüder des Königs, der Grafen von Anjou und Poitiers und anderer Barone ^). Die Emire faßten hierauf den Verdacht, daß der achtzigjährige Patriarch Robert von Jerusalem, welcher auf die Bitte des Königs Ludwig und mit sicherm Geleite des Sultans Turanschah in das saracenische Lager gekommen war, um die Friedensunterhandlungen zu befördern, und, da mit dem Tode des Sultans der unter den Kreuzfahrern und Saraccnen gegenseitig angenommenen Sitte gemäß sein sicheres Geleit erloschen war, als Gefangener betrachtet wurde jene Bedenklichkeit angeregt hatte und Las heilige Kreuz bespiee» und mit Fügen getreten hätte. Nach der Bulle, Lurch welche Bonifazvill. Leu König Ludwig heilig sprach (bei, Du- chesns lp. V. x. 483), verlangten die Saraccnen nur: ynoci llcx iw suo aäjioorer inramenrc), guod er ipso Auf ähnliche Weise, jedoch abgekürzt, wird diese Eidesformel angegeben von dem ungenannten Mönche von St. DcnpS, 6osra Imdovici. IX. ax. Duoicesn. 1. V. p. 404. 65) LuIIa danonisarianis Uonifaoii VIII. apnciOuclresn. 1 'om. V. x.4gg. 64) Or esr tele ia oousrnme entro les Lrcsriens er los Larraxins» gue gullirr le Ilox ou Io Soutlano nieurr. eil grii soirr cn inersagoiie, soir err xacnnimo (in der Heidenschaft) 0 » oi» orosrieicto, sonr prison (prison- Loriciano «gni avoir äono 1 a seurerö arr I-Ltiiarolre, kn inorr, Irr (il frir) xrisonicior arrssi o. 7yi, indem er sich auf die annales IVlcrren- ees ad -l. 884 beruft, dag dieselbe Sitte bei) Len Normannen sich gefunden habe; eS wird aber in der angeführten Stelle nur erzählt, Lag die Normannen nach dem Tode Carl- inann's sich nicht verpflichtet hielten, den Vertrag, welchen sie mit ihm ge- O. 2 244 Gcschichcc der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. unterhielte, und sie banden daher den hochbetagten Prälaten, um ihn auf andere Gedanken zu bringen, mit den Händen auf dem Rücken an einer Zeltstange so fest, daß ihm die Hände anfschwollen und das Blut aus denselben hervordrang. Diese Marter hatte die Wirkung, daß der Patriarch mit kläglicher Stimme dem Könige zurief: „Gnädigster Herr, schwöret diesen Eid in Gottes Namen; ich nehme die Sunde auf meine Seele; denn ihr gedenkt ja euren Schwur zu halten")." Nachdem auch diese Schwierigkeit beseitigt worden war, und der König und die Barone einen Eid geschworen hatten , welcher den Emiren genügte, so wurde der Freptag ö. Mai nach Himmelfahrt zur Vollziehung des Vertrages bestimmt"). Schon am Abende des Festes der Himmelfahrt fuhren die vier Galeen, auf welchen die gefangenen Barone sich befanden, den Fluß herab und warfen an der Brücke von Da- mietle ihre Anker"), und der König Ludwig ward auf einem Maulthierc reitend am Ufer des Fleißes zu Laude in die Nähe von Damiette geführt"), wo ihm an der Brücke ein Zelt zu seinem Aufenthalte angewiesen wurde"). Der König wurde bey seiner Aukuufc mit großen Besorgnissen erfüllt, als er sah, daß die Saraccnen einen Versuch mach- schlossen hatten, zu erfüllen; indem sie die übernommene Verbindlichkeit für eine persönliche erklärten, auf welche dem Nachfolger Carlmann'ü kein Anspruch zustände. 65 ) foinvrlie 11.77. Oer Anwesenheit des Patriarchen Robert im türkischen Lager und seiner Theiknahms an de» Friedenzunterhandlungen erwähnt auch Wilhelm von Chartres asinci Oncicesci. 1. 0. 1-. 46g. 66) .lo»o-Li x»s, sagt Hol,Wille a. a. L)., cmmmeuc 1 e serement tu atire, me2 V Emirat (Ics a.miraus ) se tiucireut Ulen ap.riö (satiskuit) cicr seremciit le U07 et 6cs untres rialres Icomes. Nach der Canonisa- tiongbullc des Papstes Bonifaz Vlll. (x. 436 ) beharrcc Ludwig standhaft bc» seiner Weigerung. 67) soinvUlc i>. 7g. Nach Abnl- mabasen (bei) Neinaud x. 47z) : der Frcptag 3. Safar Ü48 — 6. Mai 12Z0. 6g) soinvilte a. a. O. 6y> Abulmakascn a. a. O. 70) sornvrUc a. a. O. Entlassung der Pilger aus der Gefangenschaft. 245 ten, die Mauern der Stadt Damiette, deren christliche Be-^s°? satzung zmn Theil schon abgezogen war und sich eingeschifft baue, zu ersteigen; dieser Versuch mißlang indeß zum Gluck für den König und seine Unglücksgenossen?*). In der Frühe des ersehnten Tages begab sich der Ritter Gottfried von Sergines in die Stadt, um die Uebergabe derselben an die Emire zu bewerkstelligen; und nachdem die Königin Margarethe nebst ihrem Gefolge und die gesunden Kreuzfahrer, welche in der Stadt sich noch befanden, auf die Schiffe sich begeben halten: so wurden die Thore den Saracenen geöffnet, und die kranken Pilger, so wie die vorhandenen Vor- rathe und Kriegsmaschinen dem Vertrage gemäß der Obhut der Emire übergeben; worauff sehr bald die saraceni- schen Paniere auf den Thürmen der Mauer aufgepflanzt wurden ^). Die unglücklichen Kreuzfahrer erwarteten nunmehr nach der harten und angstvollen Gefangenschaft eines ganzen Monates ihre Erlösung mit sehnsuchtsvoller Ungeduld; aber noch immer schwebte die Gefahr des Todes über ihrem Haupte; denn die Saracenen waren, nachdem sie wieder in den Besitz von Damiette sich gesetzt hatten, keinesweges geneigt, ihren Schwur zu erfüllen. Die Truppen, welche in die Stadt eiitgozvgen waren, berauschten sich mit dem Weine, welchen die Kreuzfahrer zurückgelassen hatten, mordeten im Rausche die kranken Christen auf ihren Lägern, zertrümmerten einen Theil der Kriegsmaschinen des Königs von Frankreich und errichteten von den Leichnamen der ermordeten Pilger und 71) Abulmahasen a. a. Q. -72) roiiiviUe a. a O. Aus der Nachricht-dcli Matthäus Paris (?. 7 SZ), das; ci» Theil der Christen, welche aus Damiette auSzogen, von den auf Berge» und i» Lbälcrn lauernde» Saracenen erschlagen wurde, scheint zu felge», dag nicht diestranze christliche Bcsahung von Damiette zu Schiffe nach PioibmaiS sich begab, sondern ein Theil derselben de»' Weg zu Lande zu machen gcnothigt war. 246 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. ^i'sZo/'dem gesalzenen Schweinefleisch, welches sie in den Vorraths- häusern fanden, in wechselnden Reihen hohe Haufen, welche angezündet wurden und drcy Tage lang vom Freytage bis zum Sonntage brannten. Einer dieser trunkenen Mörder kam auf die Galee, auf welcher Joüwille sich aufhielt, und rühmte sich, indem er sein blutiges Schwert aus der Scheide zog, daß er sechs Christen in der Stadt erwürgt hätte"). Die Emire hielten in derselben Zeit, in welcher innerhalb der Mauern der Stadt durch so frevelhaften Muthwillen der feierlich beschworene Vertrag gebrochen wurde, eine Be- rathung, ob es rathsam wäre, dem Könige von Frankreich die Freyheit zu geben. Der Emir Husameddin erklärte es für dringend nvlhwendig, über die Verbindlichkeit des Vertrags sich hinwcgzusetzen, aus dem Grunde, weil der König von Frankreich nicht nur der mächtigste König der Christenheit wäre, sondern auch während seiner Gefangenschaft eine genaue Kenntnis; aller innen: Verhältnisse von Aegypten und selbst mancher Geheimnisse der Verwaltung erlangt hätte. Dagegen wandte der Atabek Asseddin ein, daß eine solche treulose Verletzung des Vertrages über die Emire eine un- vertilgbare Schande bringen würde; und der König Ludwig 73) loinvillo a. < 1 . O. Dag Nicht alle Kriegsmaschinen dcS Königs, wie Lioinville zu behaupten scheint, zertrümmert wnrden, sondern nur ein Tbeil derselben, ergiebt sich auö den Unterhandlungen, welche Ludwig von PtolcmaiS auS anknüpfts. Lvisioli» 8. Imäuvici p. 4 ZI. „Die Muselmänner," sagt Abulmahasen, „als sie in die Stadt cingczogen waren, fingen an zu plündern und die Christen, welche noch in Damielte waren, zu morden; und man war genöthigt, jene Muselmänner zu schlagen und auS der Stadt zu schaffen, um diesem Unfuge ein Ende zu machen." Dagegen erzählt Matthäus Paris c-ut a. iozo. i>. 7 yz), Lag die geringen Leute (xopularce) der christlichen Besatzung von Damielte vor dem Abzüge gegen den Vertrag die noch vorhandenen LebcnSmittcl zerstörten, die mir Wein und Üel gefüllten Fässer zerbrachen, und daS Getreide so wie daS gesalzene Fleisch ihcilS wegwarfen, theilü verbrannten, was den beglaubigten Erzählungen des SencschallS Ioinville und Abulmahasen widerspricht. Entlassung der Pilgeu ans der Gefangenschaft. 247 und seine Barone hatten es nur der Habsucht der saraceni- schen Emire, welche ihrem Antheile an dein verabredeten Lv- scgelde ungern entsagten, znzuschreiben, daß die Einwendung des redlichen Atabek berücksichtigt wurdeNoch wahrend dieser Berathung erschien ein Saracene am Ufer des Flusses, rief den Schissern der Galeen, auf welchen die gefangenen Barone ausbewahrt wurden, einige Worte in seiner Sprache zu und machte ihnen ein Zeichen mit dem Turban, welchen er von seinem Haupte nahm; worauf die Schisser sofort die Anker lichteten und wohl eine Stunde aufwärts im Strome fuhren. Die Barone hielten sich, als dieses geschah, für verloren ^). Endlich gegen den Abend dieses Tages, welchen die Kreuzfahrer unter ängstlichen Besorgnissen und ohne irgend 74) Abulmahasen a. a. O. Auf eine merkwürdige Weise stimmt die Erzählung dcS Seneschalls Ioinville (l>. 78. 79) non dieser Bcratbung mit Lein Berichte deS Abulmahasen zusammen, und eS ist offenbar, daß Ioinville seine Nachricht nuS sehr guter Quelle erhielt. Ein Admiral, sagt Ioinville, offne den Emir Hi» sameddtn zu nennen, sprach: ,,meine Herren, wenn ihr mir und denen, welche meines Sinns sind, glauben wollt, so tödtc» wir den König und die angesehenen Leute, welche hier sind t dann haben wir vierzig Jahrs Ruhe, weil ihre Kinder klein sind, und wir können solches ohne Gefahr thun, da Damicltc in unfern Hände» ist." Ein anderer Saracene mit Namen Scbreci iASSeddin, s. oben An- mcrk. sü. S. LZh) aber sagte: „wenn wir auch den König tödtcn, nachdem wir schon den Sultan gelobtet haben, so wird man die Acgvpter für die schlechtesten Leute auf der Welt dal: teil." Hierauf erwiedsrte der erster- Emir - ,,ES ist wahr, daü wir durch den Mord des Sultans ein Verbrechen begangen und das Gebot Mo- hammed'S übertreten haben, welches unü befiehlt, unfern Herrn zu behüten wie unfern Augapfel, wie in diesem Buche geschrieben steht." „Aber," fuhr er fort, indem er das Blatt des Buchs, welches er in der Hand hielt, umwandte, „hier ist ein anderes Gebot MohammcL'S, nach welchem man zur Befestigung des Glaubens seinen Feind zu lödien verbunden ist. Da wir nun ein groheü Verbrechen schon durch den Mord deS SuttanS begangen haben, so würden wir eines »och grögcrn uns schuldig machen, wenn wir Len Vertrag halten und nicht den König tödten wollten, welcher der gefährlichste Feind unseres Glaubens ist ( car o'ost Io i>iiue kort ouucmi -jiio 1a loc paicuuiuce alt). " 72) SoiicvtUc x. 79. I. Ehr. 1222. 248 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. eine Nahrung zu empfangen"), zngebracht hatten, wurde ihnen die frohe Meldung gemacht, daß ihrer Freilassung kein Hinderniß mehr entgegenstande; worauf die vier sara- cenischen Galcen mit den Baronen wieder den Fluß herabfuhren und an das Land gingen. Als die Barone aber um ihre Entlassung baten, so wurde ihnen erwicdert, daß cs den Emiren zum Schimpfe gereichen würde, die Gefangenen nüchtern zu entlassen, und man aus dem Lager Lebensmittel herbepholen würde, um sie zu speisen. Die Barone wurden hierauf mit Käsekuchen, welche an der Sonne gedörrt, und harten Eyern, welche schon vor vier oder fünf Tagen gesotten und mit bunten Farben bemalt waren"), bewirthct. Als die Barone und ihre Begleiter nach so vielen und mannichfaltigen Schwierigkeiten endlich aus ihrer Haft entlaßen und an das Land gesetzt wurden: so sahen sie mit großer Freude, wie auch der König Ludwig aus dem Zelte, in welchem er an diesem Tage war bewahrt worden, frep hervvrtrat und zu einer genuesischen Galce, welche im Flusse vor Anker lag, geleitet wurde. Ein zahlreicher Haufe von Saracenen zu Fuß") folgte anfangs dem Könige; als aber der Wächter jener Galee, welcher ganz allein auf dem Verdecke sich befand, ein Zeichen mit einer Pfeife gab, und achtzig Armbrusischützcn ans dem untern Schiffsräume hervorkamen und ihre Armbrüste spannten: so zerstreuten sich 76) 7^6 oncsnes 11'i 11c les ^Mireus missi, Mrciic cn äisxuloizoii laut le jo»r. loiii- viUo x. 7g, 77 ) Ue lonrineAes estoi- eur rories solleil, ^onroe^iie les vers ui veuisseru ct oeuls durs eiiits de cznaire jonrs ou de oin^, er x>our lioiuieur de nous en (011) les svoir Fair peindre deliors de diverses couleurs. loinville i». 7t). 78 ) VonoieiU liien vio§i miile Larr-i-rius les espees eeiiu.es 10112 »l'rös li 2 ^ie. loinvillc <1. a. O. Entlassung bcc Pilgcr ans dcc Gefangenschaft. 249 die Saracenen in eiliger Flucht?") bis auf zwei) oder drcy, welche noch bcy dem Könige blieben, und Ludwig bestieg mit seinem Bruder, dem Grafen Carl von Anjou, ohne Hinderlich jene genuesische Galce vermittelst eines Brettes, welches von derselben an das Ufer gelegt wurde. Nachdem der König Ludwig, sein Bruder, der Graf von Anjou, und sämmtliche Barone die Freyheit erhalten hatten, so blieb nur noch der Graf Alfons von Poitiers als Geisel für das vertragsmäßige Lösegeld in der Haft der Saracenen 2°). Schon am andern Morgen erklärten die?-Mai Grafen von Flandern und Soissons und mehrere andere Barone dem Könige ihre Absicht, das Land, in welchem sie so schwere Leiden ertragen hatten, unverzüglich zu verlassen und nach Frankreich zurnckzukehren; und als der König sie bat, doch noch so lange zu verweilen, bis der Graf von Poitiers ausgelöst seyn wurde, so gaben sie zur Antwort, daß ihre Abfahrt nicht verschoben werden könnte, weil ihre Galeen schon scgelferlig wären; und sie nahmen mit sich auch den kranken Grafen Peter von Bretagne, welcher aber sein Vaterland nicht wieder sah, sondern nach drey Wochen auf der Meerfahrt siarb b'). Der König aber war fest entschlossen, so lange in Aegypten zu bleiben, bis auch der 79) II lollvlrercur eil suite .russi vommo Verdis (vrcvis). loiuville I>. 8 ". 82) Nach der oft angeführten Balls des Papstes Bonifaz vm. (p. 489) gaben die Saracenen dem Könige Ludwig die Wahl, für eine» Tüeil des Lösegeldes (pro gnaci-in, z-erle zuetü recicmptiouis, d. t. für die Hälfte, welche noch in Aegypten entrichtet werden sollte) entweder selbst in der Gefangenschaft als Geisel zu bleiben, oder die Pilger als Geisel zurückzulassen. Der König war sogleich cnlschlosscn, selbst als Geisel zurück- zubleibcn, obgleich die Grafen voll Anjou und Poitiers und andere edle Männer durch ibrcn Widerspruch und durch ihre Bitten den König dahin zu bewegen suchten, dag er zuerst für seine eigene Freyheit sorgen möchte. Endlich wurde die Uebereinkunft getroffen, dass der Graf von Poitiers alS Geisel zurückblcibcn sollte. gl) loiuville x. gz, Hüll» lioui- Llvil VIII. I. L. 250 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. Graf von Poiriers die Freyheit erhalten haben würde, und der Senefchall und viele andere Barone und Ritter wichen nicht von ihrem Herrn und thcilten mit demselben alle ferneren Sorgen und Gefahren. 7.8.Mon ne resonnLlrle; Bezahlung des Lösegeldcs. 251 3 Chr. MS durch diese Aeußerung ein heftiger Wortwechsel zwischen dein Kvmthur und dem Seneschall veranlaßt wurde, so trat der Marschall der Templer, Rainald von VichierS, in das Mittel und besräiigte zwar die Behauptung des Komlhurs, deutete aber zugleich an, daß dem Seneschall eS unverwehrt wäre, mit Gewalt zu nehmen, was man ihm nicht mit freycm Willen geben könnte, und daß dem Orden die Vc- sitzthümer der Franzosen in Ptolemais die Mittel darbieten würden, sich schadlos zu halten. Hierauf begab sich Jvin- ville mit Genehmigung des Königs in Begleitung deS Mar, schalls von Frankreich und des Priesters aus dem Orden der Dreyeinigkeit ans einer Galee der Templer zu dem Hauptschiffe des Ordens und verlangte von dem Kvmthur, daß er mit ihm in den untern Schiffsraum, wo der Schatz sich befand, hcrabsteigen und selbst sehen möchte, was genommen würde; der Kvmthur wies zwar auch dieses Verlangen von sich, der Marschall Rainald war jedoch willfährig, den Seneschall zu dem Schatze zu begleiten. Als Joinville aber die Schlüssel eines Geldkastens, welcher vor ihm stand, von dem anwesenden Schatzmeister begehrte, so weigerte sich derselbe, diesem Begehren Folge zu leisten, weil er den Seneschall, welcher abgemagert und entstellt von der Krankheit war und sein Gefangenkleid noch trug, nicht erkannte, worauf Joinville eine Art ergriff, um den Kasten mit Gewalt zu öffnen v»). Da der Marschall solches sah, so nahm er den Seneschall bey der Hand und sprach: „Lieber Herr, wir sehen wohl, daß ihr Gewalt anwendet. ear von« L2VL5 tzuo uous reoevons les conlinanäos err lei lULnioro n.08 seremens nous iie les poons äolivrer ruos «zue k eenlL tzin los ilvus i>LiUent. lieber die Beschrän- knngcn der Vorsteher des Templcror- denS in Beziehung auf die Verwendung deS SchaycS s. Mstnlcr'o Sia- intcnbnch des OrdcnS der Lemvelher» rcn S. Ü7- 85. «3- 8 g) Ic äis guc jc hcroic Ir olct NN Iwx. loiuvillc x. gi. 252 Geschichte der Krouzzügc. Buch VIII. Kap. VII. 2-^>r.mid wir werden euch die Schlüssel überantworten lassen." Der Marschall ertheilte hierauf dem Schatzmeister den Befehl, dem Seneschall Joinville die Schlüssel zu überliefern, und der Schatzmeister wurde nicht wenig verlegen, als er gewahr wurde, daß er einem so vornehmen Ritter so geringe Aufmerksamkeit bewiesen hatte. Joinville nahm hierauf aus dem Geldkastcn, welchen er als ein Cigenthum des königlichen Serjanteu Nikolaus von Choisi erkannte, das Geld, dessen er bedurfte, brachte es mit Hülfe seiner Begleiter auf die Galee, mit welcher er gekommen war*"), eilte zu dem Könige-und wurde von demselben mit großer Freude empfangen. , ck Wahrend Ludwig auf der genuesischen Galee die Beendigung der Verhandlungen mit den Saracenen abwartete, sandte er den Bruder Nadnlph des Predigerordens an den Emir Oktal und ließ über die Frevel, welche 'von den Saracenen in Damiette verübt waren, Klage führen; der Emir rielh aber wohlmeinend dem Könige, seinen Unwillen so lange, als er noch im Bereiche der Muselmänner wäre, zu unterdrücken, und seine Beschwerde erst nach seiner Ankunft in Ptolemais, zu erneuern ^). I,, eben dieser Zeit kam ein wohlgeklcideter Saracene auf die genuesische Galee und überreichte dem Könige mit einer Anrede in französischer Sprache als Geschenk einen Topf mit geronnener Milch 83 ? „Man brachte mich," sagt Joinville la. a. O.), „ans daS Vorder- iheil des Schiffes, auf welchem ich gekommen war. Den Marschall von Frankreich lies, ich bcl> dem Gclde, und den Pricsicr I-ucnirne) der Dren- cinigkeit siellrc ich.auf die Galee.ld. i. die inv5lrv xakic, oder das Schiff des ErosimeisicrS, auf welchem sich der Schao des Ordcnü.befand), der Macschall reichte das Geld dem Priesier, und dieser reichte cS mir auf das Schiff, auf welchem ich war." Nach Matthäus Paris sack a. iazo. >>. 79g) borgte Ludwig zur Bezahlung des LösegeldeS Geld nicht nur von den Templern, sondern auch von den Ho: spiialitern, Pisancrn und Genuesen!. g6) toiuvillo. 84, 85- 253 Bezahlung des Löse gelbes. und einen Blumenstrauß °-); und als Ludwig ihn fragte, wie es komme, daß er der französischen Sprache mächtig sep: so gab er zur Antwort, daß er ehemals Christ gewesen; worauf der König ihn mit Verachtung von sich wies. Joinville aber ließ sich mit dem Saraccnen in ein Gespräch ein und erfuhr von ihm, daß er ans Provins gebürtig, mit dem Könige Johann von Jerusalem nach Aegypten gekommen und durch die Heirarh mit einer saracenischen Frau reich geworden sey; die Vorstellungen des Seneschalls, welcher warnend den Renegaten an die schweren Strafen, durch die er in der Hölle für seine Abtrünnigkeit würde büßen müssen, erinnerte, blieben ohne Wirkung. Nachdem das Geld, welches die Saracencn in dieser ersten Zahlung empfangen sollten, zusammen gebracht und abgewogen worden war, so wurde dem Könige Ludwig von den Bevollmächtigten, welchen er die Auszahlung des Lösegeldes an die Emire übertragen halte^), gemeldet, daß die Saraccnen den Grafen von Poitiers nicht eher aus der Haft entlassen wollten, als wenn das vertragsmäßige Lösegeld wirklich ihnen überliefert seyn würde. Ludwig beseitigte auch diese Schwierigkeit durch den Befehl, die Zahlung zu leisten und die Erfüllung des Vertrages von Seiten der Saraccnen ruhig zu erwarten; mehrere der Ritter, welche zu dem Rache des Königs gehörten, mißbilligten jedoch seine Nachgiebigkeit. Als hierauf einer jener Bevollmächtigten b?) anzeigte, daß es (Naser, d. i. Malek annaser Eiub) hni Lvoir esco LouäLNQ loine» fügt Ioinville (p. LZ) hinzu. Z8) Lonseil 1e 1e ziLie- inenr Lvoit 1 -ric. ssolnvlllo a. a. O. Ueber die Ritter, welche zu dem Rathe des Königs gehörten s. oben S. »y. Llnm. 73). Lg) IVlonseisrnenr. cio V211106?. 3oinvi11o i?. Li. 62. Nach dem Tcxre von Ducange (p. 76. 77) war eö Philipp von Moinfort, und nach der Vie cie Sr. 1 -ouis iilir 1 e eonk65S6ur äe 1a Iwino IVIarKnerixo (hinter ioinville in der pariser AuS» gäbe von 176«. Z?3), deren Nachricht über diesen Vorfall auS Ivins 254 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. VII. gelungen wäre, bey der Zuwi'eguug deö Geldes die Sarace- iien um zehn Tausend Livres zu übervortheilen, so wurde Ludwig sehr 'ungehalten, und befahl, das schuldige Geld ungekürzt zu zahlen. Joinville trat zwar den Ritter, welcher diese Meldung machte, auf den Fuß und sagte dem Könige, daß solche Meldung nur Scherz seyn könnte, weil die Saracenen ihren Vortheil zu gut wahrzunehmen verstanden, um sich hintergehen zu lassen, und der Ritter bestätigte diese Aeußerung; der König wurde aber noch ungehaltener und fuhr fort: „ich befehle euch bey der Treue, welche ihr als mein Lchensmann mir schuldig seyd, den Saracenen die zehn Tausend Livres noch zu überliefern, so ihr dieselben nicht bezahlt habt." Nachdem der König die Verbindlichkeiten erfüllt hatte, welche er gegen die Saracenen übernommen halte, so ließ er die Anker der genuesischen Galee, auf welcher er sich befand, lichten, um zu seinem Schiffe, welches im Meere vor dem Hafen von Damiette seiner wartete, sich zu begeben; und Ludwig und seine Begleiter hatten in ängstlicher Be- sorgniß um das Schicksal des Grafen von Poilierö, ohne daß einer ein Wort zu dem andern redete, wohl eine Meile zurückgelegt, als der Ritter Philipp von Montfort auf einem kleinen Fahrzeuge ihnen nachkam und dem Könige zurief: „Gnädigster Herr, redet mit eurem Bruder, dem Grafen von Poilierö, welcher auf diesem andern Fahrzeuge euch nacheilt ?o);" und die Gräfin von Poitiers gab einem armen Fischer, welcher ihr die frohe Nachricht brachte, daß er ihren vills geschöpft Ist, Philipp von Nemours idtcinox). yo) Joinville sx. gch fügt hinzu, dev König habe gerufen- atume, ainmo cd. t. zünde Licht an); eS war als» am Sonntage id. 8. Mai) nach dem Eintritte der Dunkelheit, alü Ludwig mit seinem Bruder wieder vereinigt wurde. Urtheil der MoslimS über Ludwig IX. 255 Gemahl frey und wohlbehalten gesehen hätte, eine Beloh-^Ebr. mnig von zwanzig parisischen Livres. Bald hernach begaben sich der König, dessen beyde Brüder und die übrigen Pilger, welche ihr Leben ans den schweren Leiden und Trübsalen, die ihnen waren aufgelegt worden, gerettet halten, ans die königliche Galee, welche ohne Zögerung unter Segel ging und in sechs Tagen nach Pkolcmais gelangte^). Der König Ludwig hatte wahrend seiner Gefangenschaft, welche einen vollen Monat dauerte, durch die Standhaftigkeit und Ergebung, mit welcher er sein Unglück trug, durch die Würde seines Betragens und die Klarheit seines Verstandes, so wie durch seine ernste Frömmigkeit und strenge Gewissenhaftigkeit die Achtung der Muselmänner gewonnen ^), und dieser Achtung gebührte ein nicht geringer An, theil an der glücklichen Wendung, welche zuletzt das Schicksal des Königs »ahm. Die Entlassung des Königs und der mächtigsten Barone von Frankreich, so wie vieler trefflicher Ritter der Königreiche Jerusalem und Cypern, aus der Gefangenschaft gegen vcrhaltnisimaßig so geringe Vortheile, als die ägyptischen Emire sich ansbedangen, betrachtete man um so mehr mit Recht als ein unerwartetes und höchst erfreuliches Ercigniß, da die rohe Grausamkeit eben jener Emire, welche wenige Tage zuvor ihren Sultan mit einer schaudervollen Wildheit erwürgt hatten, die schlimmsten Besorgnisse für die unglücklichen gefangenen yi) loiirville s>. 82 . 85- Nach Nar- rirotainaens Soridur OVInrotorr 1'. VI. I>. 517 ) waren eS genuesische Schiffe, welche den König Ludwig und dessen Gefolge von Damictte nach Ptole- maiS brachten. xa) S. das Urtheil des Saadeddin nach der Mitrhcilung des Abulmaba- scn be>> Ncinaud i>. 472. Dagegen sagt Makcisi (ibixrrairs cio Oaräonno x>. 245): isie roi cto Ir-anae avotr 1'csxrtr lln er aitiücieux. 226 Geschichte der Krenzzüge. Buch VIII. Kap. VII. 2^'s-Christen begründete'^). Gleichwohl verdient die Erzählung - ' eines arabischen Schriftstellers'*), daß der König nach seiner .völligen, Befrcyung durch einen Gesandten den ägyptischen Emiren sowohl wegen der grausamen Ermordung des Sultans, als des thörichten Leichtsinns, mit welcher einem mächtigen Könige und dem Beherrscher des Meers für so geringen Preis von ihnen die Freyheit gegeben worden sey, Vorwürfe gemacht habe, um so weniger Glauben, als dem einsichtvollen Könige, welcher wahrend seines ganzen Lebens keiner leidenschaftlichen Uebercilung sich schuldig machte, es gewiß nicht in den Sinn kommen konnte, die Erbitterung der Emire anfzuregen, in einer Zeit, in welcher Tausende von Christen in entlegenen Gegenden von Aegypten noch in der Sklaverey der Saracenen schmachteten und ihre Be- freyung vermöge des Vertrags zu erwarten hatten. Wenn auch die ägyptischen Emire mit einem geringeren Lösegelde sich begnügten, als die Gefangenen vielleicht gehofft hatten: so betrachtete Ludwig dennoch den Verlust von Damiette als ein beklagenswerthes Ereigniß, und er findet es nöthig, in dem Schreiben, in welchem er im Augustmvnate des Jahrs 1250 von seiner Gefangenschaft und Befreyung seinen Un- terthancn Nachricht ertheilt, wegen der Räumung jener wichtigen Stadt'sich zu' rechtfertigen, indem er bemerkt, daß nach der Versicherung derer, welche während seiner Gefangenschaft aus Damiette zu ihm kamen, es unmöglich war, diese Stadt zu behaupten, und die Christenheit also nur einen noch größern Schaden erlitten haben würde, wenn yzs Snitielw. Larnot. x. 46y. S4) DcS Abulmahasen. Nein-niel, Lxtrairs x, 473, 474, Nach Wilhelm non Chartrcü (a. a. O.) bereuten eS die Saraccueu selbst späterhin, den König für ein so geringes Lösegeld entlassen zu haben, irostmostum Ipsi Sarraceni inkcr se gementes et i>ne- nilcnliam agcntes,, älxcrnnr gui- Nusäsm ex nostiis, guoü nescie- Nant tunL tcmxoiis 2 utü t'actedant. urthell der M o s l i m s über Ludwig IX. 257 er die Besatzung von Damiette ihrem Schicksale überlassen und für deren freycn Abzug nicht gesorgt hätte ^). So groß aber auch die Achtung war, welche der König Ludwig bey den Saraceneu sich erworben hatte, so läßt sich dennoch kaum glauben, daß die ägyptischen Emire es ernstlich meinten, als sie, wie Joinville versichert, nach der Ermordung des Sultans Turanschah vor dem Zelte des gefangenen Königs die Heermusik ertönen und melden ließen, daß man gesonnen wäre, den König von Frankreich zum Sultan von Babylon zu erheben. Nach der Meinung des Seneschalls Joinville kam der Vorschlag, dem gefangenen Könige die Herrschaft von Aegypten zu übergeben, welcher in der Berathung der Emire wirklich vorgetragen wurde, nur deswegen nicht zur Ausführung, weil die Emire fürchtete», daß der König als ein eifriger und unduldsamer Christ ") sie entweder zur Aenderung ihres Glaubens nöthi- potins e1e§iniu.s LiirikNiaiiilati kors consutlius, nos et eaprivos alios xio rrenxis liuzusmoäi liderari, tznsm civitstem taliter amittere eum. resiäuo xo^uli Okrisnani existcnris in illa, (Ie§. er) nos et alias eud ranris perianlis rcraanere in careere. Lpisrala 3. I^uäovici 450 . Vgl OnU. äe Nan§. x. 357- Vino. Leliov. XXXI. rar. Auch Wilhelm voll ChartreS sagt (?. E): Ne- eonsensissec I^ex barraeo- nis rraäi Vamiaraw, si eam xotuis- senr rerinere rnna tem^ioris 6!iri- sriani; xrins enim illna miserar er yü) Oie Saracenen sahen, wie Jo« invtlle x. 73 erzählt, alS den Beweis der strengen christlichen Gesinnung des Königs eü an, dag er, so oft dis Saracenen auS seiner Herberge sich entfernten, seinen ganzen Leib von unten biS oben bekreuzte (xreuoir sa eroix ä. rerre er seixnair tour soir aors); die Saracenen sagten, wie Joinville hknzufügt, dag, wenn ihnen Mohammed so viel Leiden aufeelegt hätte, clS der König von Frankreich ertragen hätte, sie nicht mehr an den Propheten glauben würden. R 1 vii. Band. 258 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. Vll. oder tödtcn würde. Späterhin fragte der König den Sencschall, ob er glaubte, daß es rathsam gewesen seyn würde, die Herrschaft von Aegypten, wenn sie wirklich wäre angeboten worden, anzunchmen; und als Joinville äußerte, daß es thöricht gewesen seyn würde, mit Leuten sich einznlasscn, welche ihren Sultan ermordet hätten, so erwiederte Ludwig: „ich würde einen solchen Antrag nicht abgelehut haben." Nachdem die Stadt Damiette den Muselmännern zu- rückgegcben worden war, und der König von Frankreich mit seinen Begleitern Aegypten verlassen hatte, so kehrten die Mamlnken mit ihren Scharen nach Kahirah zurück und hielten ihren Einzug in die Hauptstadt unter lauten Aeuße- rungcn der Freude des Volks über den Sieg, welchen Gott den Verehrern des Propheten Mohammed verliehen hatte; und arabische Dichter priesen in Lobgedichten die glänzenden Thaten, durch welche die Kämpfer des Islam ihren Ruhm verherrlicht hatten, und verhöhnten in Spottgedichten den König von Frankreich wegen seines mißlungenen thörichten Versuchs, Aegypten zu erobern? ?). Die ägyptischen Emire faßten aber den Beschluß, die Stadt Damiette, welche zwey Mal binnen fünfzig Jahren von den Kreuzfahrern erobert worden war, zu zerstören. Schon im fünften Monate nach dein Abzüge der französischen Kreuzfahrer") warfen sie die Mauern von Damiette, welche 97) Ein solches Spottgedicht verfertigte Dschemaleddin Iahja Ebn Matruh und übersandte dasselbe - durch einen Freund dem Könige Ludwig. Aus diesem Gedichte hat Abulfeda s^nir. rnosl. -r. IV. x. FI2) einige Distichen mitgetheilt; vollständiger (und wie es scheint mit erheblichen Abweichungen) findet sich dieses Gedicht bey Makrifi. Vgl. Ilcineufi Lxlreirs I-. 474. 475. Die saraceni- schcn Truppen kamen nach Kahirah zurück am Donnerstage y Safar 64z — 12. May I2Z2. -rlinltcäir I. c. r- 5-4- Y8) 2m letzten Drüttheile des Mo- Zerstörung von Damiette. 259 der Chalif Motawakkel aus dem Geschlechts der Abbasiden 2 Ar. erbaut hatte, nieder und gründete in einiger Entfernung oberhalb am östlichen Ufer des Nils die jetzige Stadt Damiette, welche sie damals Almunschajah, d. i. die erneuerte, nannten. riats Schaban 648 17. bis 27. No- vemb. i2>D. ^ulkeclse ^.nn. inosl. IV: 11. Zig. Ueber die Zerstörung des alten Damiette und die neuere Stadt Damiette vgl. ^.dulkeclas eä. IVIieliLelis x. 29. Zs. Ma» krist bey Neinaud xr. 477. 4 ? 3 - iVlsrtK. rarig 3t1 s. i2Zl. x. Z2Z. Llironieon Limonig 6omiris Montiskorns »x. Oueiiesn. 1. V. p. 732. R 2 260 Geschichte der Krcuzzüge, Buch Vlll. Kap. V^lll. Achtes Kapitel. Sinter betrübenden Erinnerungen machte der König Ludwig die Fahrt von der ägyptischen Küste nach Ptolemais, und der Seneschall Joinville, welcher, noch immer an den Folgen seiner Krankheit leidend, wahrend der Fahrt an der Seite seines Herrn saß, vernahm aus dessen Munde die Erzählung der Leiden, welche er wahrend seiner Gefangenschaft erduldet hatte, und seiner Befreyung, und erstattete dagegen dem Könige auf dessen Gebot Bericht von seiner Gefangen- nehmung und allen Widerwärtigkeiten, welche er erfahren hatte. Mit Rührung und tiefem Schmerze gedachte zwar Ludwig des unglücklichen Todes seines Bruders, des Grafen von Artois, er pries aber mit dankbarem Herzen die Gnade Gottes, welcher ihn und die Seinigen, so viele am Leben erhalten worden, endlich aus ihrer Trübsal erlöst hätte, und ermahnte auch den Seneschall Joinville zur Dankbarkeit gegen Gott, seinen Erretter. Dagegen beklagte sich Ludwig über die Gleichgültigkeit seines Bruders, des Grafen von Anjou, welcher, obgleich mit ihm auf demselben Schiffe vereinigt, ihm seine Gesellschaft entzog; und als der König einst sich erkundigte, was der Graf machte, so erfuhr er, daß derselbe mit dem Ritter Walter von Nemours Würfel spielte. Dieses leichtsinnige Betragen des Grafen unmittel- 261 Ludwig IX. zu Ptolemais.' bar nach der Errettung aus so schweren Leiden erfüllte den König mit solchem Unwillen, daß er sogleich mit wankenden Schritten wegen der Schwäche, welche ihm von seiner Krankheit noch geblieben war, zn dem Spieltische sich begab und Spielbrett und Würfel in das Meer warf; dem Ritter Walter gelang es jedoch, des Geldes, welches auf dem Spielbrette sich befand, sich zu bemächtigen und es in seine Tasche zu bringen Dem Könige Ludwig kamen auf dieser Reise, da seine Leute es unterlassen hatten, für die Bequemlichkeit ihres Herrn zu sorgen, die Matratze und das mit Pelzwerk gefütterte Kleid von schwarzem Sammet, welche ihm von dem Sultan Turanschah geschenkt worden waren, sehr zu Statten, und Ludwig trug dieses Kleid, welches er in seiner Gefangenschaft sich geweigert hatte anzulegen, auf der Fahrt nach Ptolemais Der König von Frankreich und seine Begleiter wurden, als sie vor Ptolemais anlangten, mit gebührenden Ehren empfangen, die Geistlichkeit, Ritterschaft und Bürgerschaft der Stadt kamen ihnen in feyerlichem Zuge^) bis an das Ufer des Meers entgegen, und dem Könige wurde in der Burg eine bequeme und anständige Wohnung eingeräumt"). Die Ritter hatten aber auch in Ptolemais mit manchen Widerwärtigkeiten zu kämpfen. Joinville war noch so 1) loinville x. 8Z, wo Walter von Nemours (Ausgabe von Ducange 1>. gl ) Oautier L' ^.uemoc- genannt wirb. 2) loinviiie a. a. O. Nach bem Texte von Ducange w- vgl halte der Sultan bem Könige Ludwig zwei, solcher Kleider geschenkt. Wgl. oben Kap. 7. S. -ri. 3) laute- lc, xioaession- w Lore, loiuvlN« a. a. 0. 4) castcllo ä'^cre. Der damalige Statthalter (Lalia) des Königreichs Jerusalem, Johann von Jbelin, wohnte, während der König von Frankreich die Burg entnahm, in dem Hause deS Herrn von Berv- tuS. illhro Nelle assiso Ne 1a dorte äel Vlsooitlaäo in danaianl I.ege» Uardaroi. l. V. p, Lg,-;. V 262 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VIII. schwach, daß er, als er kaum ein Roß, welches mau ihm brachte, bestiegen hatte, in Ohnmacht fiel und denjenigen, welcher ihm dieses Roß gebracht hatte, bitten mußte, ihn zu halten; und nur mit großer Mühe erstieg er die Treppe, welche zu dem Saale des Königs führte. Es fehlte aber den Rittern an allen Bequemlichkeiten, und Joinville hatte kein anderes Kleid, als dasjenige, welches ihm nach seiner Gefangennehmung aus einer Decke war bereitet worden. Als der Seneschall nachdenkend und sorgenvoll in dem Saale des Königs an einem Fenster saß, und neben ihm sein treuer Begleiter der Knabe Bartholomaus, der Sohn des Herrn von Montfaucon, stand, so meldete sich bey ihm ein Knecht^), welcher angab, daß er aus Oiselair, einer dem Oheime des Seneschalls gehörigen Burg, gebürtig und ohne Herrn wäre, und seine Dienste antrug. Dieser besorgte dem Seneschall eine weiße Kopfbedeckung und ordnete sein Haar, damit er mit einigem Anstande an der Tafel des Königs erscheinen konnte, bediente auch den Seneschall und den Knaben Bartholomäus während der Tafel und mierhete hierauf für sie eine Wohnung in der Nahe eines Bades, in welchem der Seneschall am Abende sich reinigte, aber wegen seiner großen Schwäche in Ohnmacht fiel, so daß er in sein Bette getragen werden mußte. Der Seneschall brachte aber bald ln Erfahrung, daß dieser Diener, welcher im Anfänge ihm sehr nützliche Dienste geleistet hatte, ihn betrog'), und er äonunaßs cie äirc livres rle "?oui- iiois er äe plus. Oer Diener er« bot sich zwar zum Ersätze, Zvin- ville erließ ilmr aber diese Forderung wegen der nützlichen Diensie, A) vu vallet en une ootte ver- luvüle a äeux roies Zaunes. loiu- viUe x>. g6. Weiler unten nennt Joinville diesen Knecht OuLHemiu inon nouveau varlet, und in 8? Ouillcruiu inou uouvel eseuior. 6) 11 vint trauolror äevaut luoi et iiourclistzL 1a viaucle L 1'eulsur Ludwig IX. zu Ptolcmais. 203 sah sich daher genöthigt, ihn zu entlassen. Späterhin erfuhr 2,Ar. Ioinville von den Rittern des Herzogs von Burgund, welche diesen Diener mit sich in das Land jcnseir des Meers ge; bracht hatten, daß derselbe als ein verschmitzter Dieb bekannt war und den Rittern schon oftmals Handschuh, Sporen und andere Gegenstände entwandt halte. Mittlerweile wurde Ioinville aus der Verlegenheit, in welcher er war, befreyt durch den Ritter Peter von Vourbonne, welcher ihn besuchte und auf seine Bitte bey den Kanfleuten von Ptole- mais für die Gegenstände, deren er zu seiner Kleidung und übrigen Ausrüstung bedurfte, sich verbürgte. Als Ioinville, nunmehr anständig gekleidet, nach vier Tagen, in welchen er den König nicht gesehen hatte, wieder vor demselben erschien, so machte ihm Ludwig Vorwürfe wegen solcher langen Unterbrechung seiner Besuche und lud ihn freundlich zur Tafel ein für jeden folgenden Tag, Abends und Morgens, so lange, bis es entschieden seyn würde, ob sie in Syrien noch langer verweilen oder nach Frankreich zurückkehren würden. Ioinville benutzte diese freundliche Stimmung des Königs, demselben die Verlegenheit vorzutragcn, in welche er durch die Weigerung des Ritters Peter von Courlenay, ihm vierhundert Livres rückständigen Soldes zu zahlen, gebracht worden wäre; und Ludwig nahm diese Beschwerde so wohlwollend auf, daß er sofort Befehl ertheilte, dem Seneschall vierhundert Livres zu zahlen, welche er selbst dem Ritter Peter von Courtenay schuldig war. Gleichwohl gcrieth Jo- inville bald von neuem in Verlegenheit. Er gab, indem er vierzig Livres für seine Ausgaben behielt, das übrige Geld jener Summe dem Konithur der Templer zu Ptvlemais in Verwahrung; als er aber nach einiger Zeit wiederum vierzig welche er ihm geleistet -hatte, ^oin- vitte p. 87. A) Ousrre ee-ii8 Uvres äe mee Aa- ßes. ssouiville p. g6. > 204 Geschichte der Kreuzzügc. Buch Vlll. Kap. VIll. Livres bedurfte und diese Summe durch seinen Beichtvater Johann von St. Menehoud fordern ließ, so behauptete der Komthnr, weder den Seneschall von Joiuville zu kennen, noch Geld von ihm in Händen zu haben. Joinville erhob hierauf eine Klage bey dem Meister der Templer, Rainald von Vichiers, dessen Wahl zum Meister der König Ludwig wegen der von ihm in seiner Gefangenschaft empfangenen Dienstleistungen durch seine Fürsprache befördert hatte; der Meister aber bat ihn, diese Klage fallen zu lassen, damit die Templer nicht in den Ruf gebracht würden, als ob sie fremdes Eigenthum durch Betrug an sich brächte». Vier Tage verlebte der Seneschall, welcher nicht geneigt war, seine Ansprüche aufzugeben, in großer Verlegenheit und drückenden Sorgen; endlich kam der Templermeister zu ihm und meldete ihm lachend, daß das vermißte Geld sich wieder gefunden hatte, nachdem der bisherige Komthur von Ptole- mais zu einem andern Haufe des Templerordens gesandt worden sey. Nach einiger Zeit fand Joinville, nachdem er so verschiedene Widerwärtigkeiten erfahren hatte, eine bequemere Wohnung im Hause des Pfarrers von St. Michaelis, welche er der Sorgfalt des damaligen Bischofs von Ptolemais, der aus Provins in Champagne gebürtig war, verdankte. Zu den Sorgen, Bekümmernissen und Entbehrungen, mit welchen die französischen Kreuzfahrer in der Stadt Ptolemais, die überhaupt nicht in dem Rufe stand, daß sie einen angenehmen Aufenthalt gewährte "), zu kämpfen hatten, kam noch eine verheerende Seuche, welche auch s) Wau 6a^>» Le Sc. Maiicko-r, welcher tm Lande jenseit des MecrS in den Dienst de» Sencschallü trat und während zweier Jahre ihm sehr nuplich war. wiuvstn- p. 86. 87 - ic) S. Eesch. d. Kreuzz. Vuch Vll. Kap. ix. S. 8>S- 265 Ludwig IX. zu Ptolcmais. damals, wie es oft in der ungesunden Lust dieser Stadt der Fall war, viele Menschen hinwegraffte; und auch Join- ville und alle seine Leute erkrankten an einem heftigen Fieber"). Täglich wurden wohl zwanzig und mehre Todte in die St. Michaeliskirche, welche von dem Gemache, in welchem der Seneschall Joinville lag, nur durch das Zimmer seines Beichtvaters getrennt war, gebracht; und so oft der Seneschall hörte, daß man in der Kirche die Worte sang: lübsra ms, Domino, so erhob er sich von seinem Lager, weinte und sichre zu Gott mit inbrünstigem Gebete für sich und seine Leute um Genesung von ihrer schweren Krankheit. Die Brüder des Königs von Frankreich, die Grafen von Anjou und Poiticrs, dagegen blieben gleichgültig bey den Bedrängnissen, unter welchen ihre Mitpilgcr seufzten, und belustigten sich durch Brettspiel und Würfel; und der Graf von Poiticrs pflegte, wenn er in solchem Spiele glücklich gewesen war, die Thür des Saals zu öffnen, die edlen Männer und Frauen, welche in der Nähe waren, herbey- zurufen und unter sie alles Geld, das er gewonnen hatte oder sonst bey sich führte, auszuthcilen; und selbst wenn er verloren hatte, so kaufte er den Gewinn von seinem Bruder, dem Grafen von Anjou, oder andern Mitspielern und vertheilte denselben ebenfalls^). Während die französischen Pilger in Ptolcmais unter vielfältigen Widerwärtigkeiten fast zwey Monate zubrachten, ohne zu wissen, ob der König gesonnen wäre, im heiligen Lande noch länger zu verweilen, oder in sein Reich zurückzukehren, wurde die Nachricht von dem unglücklichen Aus- »3) Or aviur «iusl yu'uue (üsvre) coutiuuv ms xrisr, xar yuoi Z'slLi LU lit et toutv IUL wesure LULii. Zoiuv. i>. 67- 12 ) 7oinvU1e a. Ü. O. 266 Geschichte der Krcnzzüge. Buch VIII- Kap. VIII. 2^^ gange dieser Kreuzfahrt nach dem Abendlande zuerst vvu einzeluen aus dem Morgenlande zurückkehrenden Pilgern gebracht; diese Nachricht fand aber so wenig Glauben, daß die Königin Blanca und die in Frankreich zurückgebliebenen Barone die Pilger, welche sie verbreiteten, nicht nur als boshafte Lügner mit Verachtung behandelten, sondern sogar einzelne derselben am Leben straften *"). Als aber diese Trauerbotschaft nicht nur durch andere heimkchrende Pilger "), sondern auch durch die Briefe angesehener Männer, welche im Morgenlande sich befanden, eine solche Bestätigung erhielt, daß kein Zweifel gegen ihre Wahrheit langer Statt finden konnte: so wurde. die Betrübniß und Wehklage in ganz Frankreich allgemein, Musik und jede öffentliche Belustigung wurden untersagt, und wenige Familien waren, welche nicht den Tod eines nahen Verwandten zu beklagen und deshalb Trauerkleider anzulegen hatten "). Der Papst Jnnocenz der Vierte erließ ein Trostschreiben an den König Ludwig und gebot den französischen Erzbischöfen und Bischöfen, in allen ihren Kirchen für den König Gebete anzustellen und von Gott die Errettung des gelobten Landes, da alle bisherigen Anstrengungen der Christenheit für die Befreyung des heiligen Grabes ihr Ziel verfehlt hätten, zu erflehen *2). In den italienischen Seestädten erregte die Nachricht von der schrecklichen Vernichtung des französischen Pilgerhcers um so größere Bestürzung, als zu fürchten war, -4) Hclatoies xalidulis ensxcintr xraeveyeiiiur, gnos marl^rcs crcchi- inus eeso mauifesros. lVlarrlr. karis aä a. i2Zc>. x. 791. IA) nuZigoruloe nyyeli^io ito» auäcdsur. Maltin I'ails 1. c. >6) Martin 1 'aris r. c. 17) Mauel Loitvri. r. XX.III, x. Z 9 Z « 9 . Ouoircsui: Scrixt. rcr. t!-i11. 1. V. x. 41 z — 4 - 5 . r8) Schreiben des PapsseS Jnno- ccnz IV. an den Erzbischof von Nonen, welches erlassen wurde, nachdem der Papss schon die Nachricht von der Befreyung des Königs ov- liaitcn balle, bcy Mauer a. a. O. z>. 2 gS eg. und Duvlrcsue x. 4>Leg. Theilmihme des A'bendl. an d. Schicks, der franz. Pilger. 267 daß die Schiffe, welche sie dem Könige Ludwig geliefert 2-^br, hatten, und deren Mannschaften eben so wenig als die französischen Pilger dem Verderben entgangen scyn möchten"). Unter solchen Umstanden, welche der Hoffnung, daß Ludwig im Stande seyn würde, in Syrien Ersprießliches zu bewirken, keinen Raum ließen, ermahnte die Königin Blanca ihren Sohn, schleunigst zurückzukehren und die Verthcidi- gung seines Reiches wieder zu übernehmen. Obgleich der König Heinrich von England, und mit ihm viele englische Barone, Hofleute, Ritter und Geistliche im Marzmonate des Jahrs 1250 zu London aus den Händen des Erzbischofs von Canterbury das Zeichen des heiligen Kreuzes empfangen hatten: so hegte man doch den Argwohn, daß der König von England sein Gelübde nur benutzen wollte, um von dem Adel seines Reichs die Steuern, welche ihm bis dahin waren verweigert worden, zu erpressen^); und dieser Argwohn wurde dadurch bekräftigt, daß der König Heinrich ein päpstliches Gebot erwirkte, durch welches die englischen Kreuzfahrer angewiesen wurden, nicht anders als unter der Führung ihres Königs die Meerfahrt anzutreten; und es drang sich der Königin Blanca die Besorgnis) auf, daß der König Heinrich nicht gesonnen seyn möchte, den inultao arvitates ItLlme, guas iulia- hiwiir Sciuivlriistioui, iir ^.xosra- siam ^roloxssc esseut, icisl hlgisvo- giosorum consolatlone rovorareu- tur. IVImtir. Uaris 1. o. 22) Oer König Heinrich III. »ahm am Feste der heiligen Perpetua und Felicitas (6. März) mit vielen Rittern und Prälaten daS Kreuz. Ml-mili. I'arie x. 774. Schon früher hatten der Graf von Lcicester und andere englische Ritter mit dem Kreuze sich bezeichnet und auch schon wegen der Zeit ihrer Abfahrt Beratbungen gehalten. Vgl. Mollti. Noris aü a. 124N. x. 742 und ast.2. 1250. x. 77A. Mir heftigem Unwillen äußert sich Matthäus Paris (x- 774- 77Z) über die im Texte erwähnte päpstliche Verfügung, indem er behauptet, daß der König Heinrich für diese Verfügung dem päpstlichen Hofe Geld bezahlr habe. 268 Geschichte der Krcuzzüge. Bnch VIII. Kap. VIII. Waffenstillstand, welchen er mit Ludwig geschlossen hatte, noch langer zu halten, da die Abwesenheit des Königs von Frankreich uns die Vernichtung der Blürhe der französischen Ritterschaft ihm einen leichten Sieg verhießen, wenn er im Stande war, die Erneuerung des Krieges wider die Franzosen zu beschleunigen. Diese Vesorgniß wurde dem Könige Ludwig von seiner Mutter nicht verhehlt. Dagegen baten ihn die syrischen Barone, seinen Aufenthalt in Ptolemais zu verlängern, indem sie ihm vorstellten, daß ohne seinen Bey- stand das heilige Land verloren wäre, und, wenn er mit seinem Veyspiele voranginge, alle Pilger, welche damals in Syrien sich befanden, zurückkehren und ihre Dienste dem heiligen Lande entziehen würden aunius Ludwig berief im Monate Junins an einem Sonntage seine beyden Brüder, den Grafen von Flandern, sämmt- liche Prälaten, die Großmeister der geistlichen Ritterorden, und alle in Ptolemais anwesende französische und syrische Barone zu einer Versammlung, theilte ihnen sowohl die Meldungen seiner Mutter Blanca, als den Wunsch der syrischen Barone mit, ermahnte sie, alles Mitgetheilte sorgfältig zu erwägen, und bestimmte den nächstfolgenden Sonntag zu einer gemeinschaftlichen Veralhung. Sowohl die beyden Brüder des Königs, als die meisten Barone wünschten aber nichts sehnlicher, als baldigst das Land jenscit des Meers zu verlassen, wo sie weder zu nützlichen noch zu rühmlichen 2t) toillvIlle i». gg. 23 ) Joinville sogt (x. 91): Leite xarole gue 1e Itoi äs, äs KL äomott- roe, oc Io eutour IL St. seliLti ; und diese Zeitangabe bezieht sich auf die texte Entscheidung deS Königs, indem, wie Joinville gleich darauf (x>. 91. 92) bemerkt, an, Teste St. Jacobi (2z. Julius) ein Monat seit jener Erklärung verflossen war. Oie erste Versammlung der Barone scheint also am Sonntage d. i». Iunius roxo, die zweyte am 19. Junins, und die dritte am 26. desselben Monats Statt gefunden zu haben. De rat hu »gen zu Ptolemais. 269 Thaten Gelegenheit zu finden hofften; und diesen Wunsch theilte selbst auch der päpstliche Legat ^). AlS daher die Grafen von Anjou und Poitiers und die Barone nebst dem Legaten an dem bestimmten Tage wieder vor dem Könige erschienen, so hielt der Ritter Gujon Malvoisiu im Namen der beyden königlichen Prinzen und der Barone felgenden Vortrag: „Gnädigster Herr, eure Brüder und die hier versammelten Barone haben alle obwaltenden Umstande sorgfältig erwogen und sind der Meinung, daß ein längerer Aufenthalt in diesem Lande weder zu eurem eigenen noch zu eures Reiches Ruhme dienen kann; denn von zwey Tausend und acht hundert Rittern, mit welchen ihr nach Cypern kamt, sind gegenwärtig in dieser Stadt nicht mehr als hundert übrig; sie ralhen euch deshalb, nach Frankreich zurückzukehren, Geld und Mannschaft zu sammeln, und sobald eS geschehen kann, wieder hieher zu kommen und an den Feinden deS Glaubens, welche euch in schmählicher Gefangenschaft gehalten haben, euch zu rachen." Da Ludwig mit dieser Erklärung sehr unzufrieden war, so forderte er seine Brüder und mehrere Barone einzeln auf, ihre Meinung zu sagen; alle aber billigten die Erklärung ihres Wortführers. Der päpstliche Legat wandte sich hierauf an den Grafen von Joppe und fragte ihn um seine Meinung, und der Graf erwiederte: „Da meine Burgen an der Granze liegen und den Angriffen der Saracenen ausgesetzt sind, so wurde man, wenn ich dem Könige rächen wollte, zu bleiben, solchen Rath für eigennützig halten." Auf die Aufforderung 2Z) Aus einer Erzählung des Ioin- ville (x.gg), deren Text lückenhaft ist, geht so viel hervor, dag der Legat Odo den Senesthall damals bereden wollte, sich mit ihm zu Schiffe zu begeben, und sehr böse wurde, als Io- inville ihm kein Gehör gab, obgleich dieser vcrstchcrt, dag er gern mit dem Legaten heimgekchrt sei,» würde, wenn cs Ehre und Pflicht ihm verstauet hätten. In dem Texte von Ducange fehlt diese Erzählung. 270 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VIII. des Kölligs aber äußerte der Graf von Joppe seine Meinung dahin, daß dem Könige, wenn er während Eines Jahrs wider die Saracenen im Felde sich zu halten vermöchte, ein längerer Aufenthalt in Syrien zu großem Ruhme gereichen würde. Dieser Meinung traten zwölf Barone, welche in der Reihe zunächst auf den Grafen von Joppe folgten, auf das Befragen des päpstlichen Legaten nicht bey, sondern sie erklärten sich einverstanden mit Gujon Malvoisin, und nur Joiuville unterstützte den Rath des Grafen von Joppe, worüber der Legat sehr ungehalten wurde. Joiuville aber, gereizt durch die Vorwürfe des Cardinals, fuhr fort: „Man sagt, ehrwürdiger Herr, ich weiß nicht, ob mit Recht, daß der König bisher nur die Steuern der Geistlichen verwandt hat; so er aber seines eigenen Schatzes nicht schonen, sondern in Morca und anderen Landern jensest des Meers für seinen Dienst Ritter werben und denselben reichlichen Sold bieten will, so werden von allen Seiten so viele Streiter zu ihm sich versammeln, daß er füglich, so es Gott gefallt. Ein Jahr lang im Felde sich halten und die armen Gefangenen befreyen kann, welche in seinem und dem Dienste Gottes gefangen worden sind und nimmer ihre Freyheit erlangen werden, falls der König sie verlaßt." Dieser Meinung stimmten nur bey der damalige Marschall von Frankreich, Wilhelm von Beaumont, welcher deshalb von seinem anwesenden Oheime Johann von Bcaumont mit einer harten Rede angefahren wurde"), und der Herr von Chatenay; alle übrigen Ritter, welche nach Joiuville ihre Stimmen ab- gaben, beharrten bey der Erklärung des Ritters Malvoisin, 54) Der alte Ritter rief (monic 5 e- loinieLsement): Oräe Iongsi§ne (sale exeremeur) rasees - von« et Hnoi (setzt euch wieder und schweigt). Dev König verwies ihn aber zur Ruhe Mit den Worten: IVlesire Folisn, von5 mal, Isssles-Ii äire. 5o- irrvUle x. 88» Bcralhungcn zu Pro jemals. 2/1 und der König eutließ cudüch die Versammlung mit der Er- klärung, daß in einer ferner» Berathung über acht Tage die Entscheidung erfolgen sollte. Die Ritter, in deren Namen Gujon Malvvisin gesprochen hatte, waren sämmtlich sehr unwillig über Joinville und machten ihm die heftigsten Vorwürfe, weil er ihrem Wunsche, bald in ihre Hcimath zurückznkehren, in den Weg getreten war. Joinville ertrug aber diese Vorwürfe mit Geduld, da er für seine Person fest entschlossen war, in Syrien zu bleiben, auch wenn der König zurückkchren würde; denn die Ermahnung, mit welcher ihn, als er die Mcerfahrt antrat, sein Vetter, der Herr von Vollaincourt, entlassen hatte, war nicht aus seinem Sinn gekommen. „Ihr geht," sprach dieser Ritter damals zu Joinville, „übers Meer, aber bedenkt euch wohl, so ihr heimkehrt; denn jeder Ritter, arm oder reich, ist seiner Ehre ledig, so er znrückkommt und das geringe Volk, mit welchem er die Meerfahrt unternommen hat, in den Händen der Saracenen laßt")." Joinville wurde jedoch sehr betrübt, als er glaubte zu bemerken, daß die freymüthige Rede, welche er in der letzten Versammlung gehalten hatte, den König beleidigt hätte; denn Ludwig sprach an diesem Tage wider seine Gewohnheit mit dem Sene- schall während der Tafel kein Wort. Als aber Joinville nach aufgehobener Tafel während des Dankgebetes, welches der König sich vorsagen ließ, an einem Fenster stand und, die Arme zwischen das Gitter desselben gelegt, mit sich zu Rathe ging, ob er nicht, falls der König nach Frankreich zurückkehren würde, zu dem Fürsten von Antiochien, seinem Verwandten, welcher ihn eingeladen hatte, sich begeben sollte: so stützte sich Jemand mit den Armen von hinten auf feine -L) loinviNo x. 88- 272 Geschichte der Krcuzzügc. Buch VIII. Kap. VUl. ^ 25 °) Schulter und legte die Hände auf seinen Kopf, und Join- villc, welcher glaubte, daß es der Ritter Philipp von Nemours wäre, welcher ihm ebenfalls an diesem Tage wegen der von ihm in der Versammlung abgegebenen Meinung verdrießliche Worte gesagt hatte, sprach mit Unwillen: „laßt mich in Ruhe, Herr Philipp." Indem aber Joinville sich umwandte, bemerkte er an der Hand, welche ihn umfaßte, den Smaragd, welchen der König zu tragen pflegte, und Ludwig hob an: „bleibt hier, Seneschall, denn ich will euch fragen, wie ihr als ein junger Mann es wagen konntet, der einstimmigen Meinung aller mächtigen und weisen Männer von Frankreich zu widersprechen?" Joinville suchte sich zu rechtfertigen, der König aber legte ihm die Frage vor, ob er bey ihm zu bleiben geneigt wäre, falls er seine Pil- gcrschaft verlängern würde, und als Joinville diese Frage bejaht hatte, so fuhr Ludwig fort: „Seyd nur guten Muchs, ich bin euch sehr dankbar für euren Rath, haltet aber wahrend dieser ganzen Woche meine Acußcrung noch geheim." Diese Worte erfüllten den Seneschall mit großer Freudigkeit, und seit diesem Tage trat er denjenigen, welche wegen des von ihm gegebenen Raths ihn schmähten oder verspotteten, mit Zuversicht entgegen, und wenn sie ihn einen Pul- lanen nannten, so gab er zur Antwort, daß er lieber ein Pullane scyn wollte, als ein wortbrüchiger Schalk^), wie sie waren. Am dritten Sonntage, als die Prinzen, Prälaten, Barone und Ritter in der königlichen Herberge sich eingefunden hatten, so machte der König über seinem Munde das Zeichen des Kreuzes, rief den heiligen Geist um Beystand an^) und redete zu den Versammelten in folgender Weise: 36) IVoueiir recreu. Ioinvi.U.e x>. 90. 9-. 27) 7ourvUIe?>. 91. Vgl. LxistolL 8. I^räovioi 4zr. 273 Derathungen zu PtolemaiS. „Edle Herren, ich danke allen denen, welche mir gerathen 2. haben, nach Frankreich zurnckzukehren, eben so aufrichtig für ihren wohlgemeinten Rath, als denen, welche der Meinung sind, daß die Verlängerung meines Aufenthalts in Plole- wais dem heiligen Lande nützlich scyn werde; da aber mein Reich in keiner Gefahr sich befindet und die Königin, Frau Bianca, wohl im Stande ist, es zu vertheidigcn, und die Barone des Königreichs Jerusalem mir sagen, daß das heilige Land verloren seyn würde, wenn ich eS verlassen wollte: so bin ich entschlossen, hier zu bleiben, und ich fordere alle anwesende Barone und Ritter auf, offen und aufrichtig zu sagen, was ihnen vonnöthen ist, damit Niemand behaupten könne, daß er durch meine Schuld in die Nothwendigkeit gebracht worden sey, der Sache Gottes sich zu entziehen." Diese Rede erregte unter den Baronen und Rittern, welche der Hoffnung, bald ihre Heimath wicderzusehen, sich ergeben hatten, eine so große Bestürzung, daß viele Thränen vergossen. Ludwig hatte, wie er selbst versichert, nach Ptolemais mit der Absicht sich begeben, für dieses Mal nicht lange daselbst zu verweilen, sondern nach kurzem Aufenthalte in die Heimath zurückzukehren und nach dem Ablaufe des Waffenstillstandes, welchen er mit den ägyptischen Emiren geschlossen hatte, eine zweyte Kreuzfahrt zu unternehmen. Er hatte Aegypten mit der Hoffnung verlassen, daß die Emire die Bedingungen des Vertrags erfüllen, und die von ihm zurückgelasseneu Bevollmächtigten die Entlassung sämmt- licher in Aegypten zerstreuten gefangencn Christen und die Auslieferung der Kriegsmaschinen und Vorrathe, so viel davon noch vorhanden war, ohne Schwierigkeit bewirken würden. So lange der König diese Hoffnung hegte, be, schäftigte er sich mit Anstalten zu seiner Rückkehr und ließ vil. Band. S 274 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VIII. 2-Ehr. selbst Schiffe segclfertig mache»; er überzeugte sich aber bald, daß die ägyptischen Emire nicht so gewissenhaft waren, als er gehofft hatte, indem von zwölf Tausend gefangenen Christen, welche früher und spater in die Gewalt der Saraeenen gefallen waren, nicht mehr als vierhundert, zum Theil nur gegen Bezahlung eines Lösegcldes, entlassen^), andere Gefangene aber, wie diejenigen, welche zurückkamen, meldeten, entweder zur Verläugnuug ihres Glaubens gezwungen, oder, wenn sie als tapfere Streiter des Heilandes Drohungen und Marter mit unerschütterlicher Standhaftigkeit ertrugen, erwürgt wurden. Die Zurückgabe der Kriegsmaschinen und Vorrätho, welche der König in Damiette zurückgelassen hatte, wurde gänzlich verweigert. Unter solchen Umstanden hielt Ludwig es um so mehr für dringend nothtvendig, seinen Aufenthalt in Ptolemais zu verlängern, als das feindselige Verhältnis;, welches zwischen den syrischen Saraeenen und den ägyptischen Emiren eingetreten war, ihm die Hoffnung gewahrte, nicht nur die Entlassung der gefangenen Christen erwirken, sondern auch auf andere Weise dem heiligen Lande nützliche Dienste leisten zu können; und diese Ueberzengung wurde nicht geändert durch die Gründe, mit welchen der größte Theil seiner Barone die Meinung unterstützte, daß baldige Rückkehr in die Heimath den obwaltenden Umständen angemessener wäre"). Der König sandte jedoch im Monate August des Jahrs 12^0 seine beyden Brüder, die Grafen Carl von Aujou und Alfons von Postlers, und sg) Lpistola 8. laulovici I>. 4ZI. Es ist also nicht richtig, wenn Matthäus Paris, nachdem er berichtet hat, daß Vie christliche Besatzung von Da- mietle, als sie abzog, von Len Samtenen, welche auf Bergen und in Lhälern im Hinterhalte lagen, zum Theil gelobtet wurde, hinzufngt! va- cilcr reslituedaukur, wenn sich nicht etwa diese Worte blos auf die Befreiung des Königs und der Barone beziehen. sg) Lxiktota 8. laiäovici p. gzo, 4 Zl. Rückkehr der Grafen von Anjou und Portiers. 275 mehrere Barone zum Trosie seiner Mutter und seiner sammt-^Ehrlichen Uuterthalien ") zurück nach Frankreich; und die Heyden Prinzen nahmen ein königliches Schreiben mit"'), j„ welchem das französische Volk und besonders die Geistlichkeit ermahnt wurde, des Heilandes und seines heiligen Landes eingedenk zu seyn, zum Kampfe wider die Heiden, welche den christlichen Glauben und daL heilige Kreuz mit unerträglichem Uebermnrhe und Murhwillen verhöhnten und schändeten^), sich zu waffnen, und im nächsten April oder Mai, oder wenigstens zur Zeit der um St. Johannistag des folgenden Jahrs 1251 eintretenden Meerfahrt") eine hinlängliche Zahl wohlgcrüsteter Streiter nach Syrien zu befördern, und dadurch dem Könige eine erfolgreiche Erneuerung des Kampfes wider die Feinde Christi möglich zu machen. Zo) ^.cl aarissimee ctominae 36 wa- tris nostrae ncv non ec toccns rcgni vonsolationcni. dixisr. 8. cknutovicc I>. 43>- Joinville drückt sich zweifelnd über die Rückkehr der bei,den Prinzen also aus . cgr. 3l) Oie oft in den Anmerkungen zu diesem und den vorhergehenden Kapiteln angeführte Lgisrola 8.I,nüovi6i äe 631-rione er lideracioue sua, welche die Unterschrift trägt: Lcruin gusro, und von Duchesne mitgetheili worden ist r. Vi- x. 428 — 482 . Die behden königlichen Prinzen verließen nach Hugo Plago» l v- 7Z4) Ptole- mais am Tage des heil. Laurentius (rc>. August). Daß sie erst nach St. Iacvbstag abreisten, bemerkt auch 7ocnvc1le x. gs. AS) 6ens cninc illa seekerarissima iic vonciinieliam crcarorcs, xrceier k)t 2 spilcnii.c 8 gues ckieedsnt, iic oon- sxcecu popnli Llciistianc oruocin llg- gellis oceckebanc, sxnehLnc iic eam, ct cteinüe viticer xeäclncs csnc eon- occloahLict ci» opprobrilun siüec Licc-c- Stianae. Lgistola 8. Tnlüovivi p. 4Z2. 33) In seauncko segnen» vassexio sauvcc lolcailncs, Lgckt, 8. knulo- vioi 7. 6, S 2 276 Geschichte der Kreuzzüge. B u ch VIU. K a p. VIII. 2^hr. Ludwig war nicht im Stande, wahrend des ersten Sommers, welchen er in Syrien zubrachte, seine Thätigkeit auf die Angelegenheiten des heiligen Landes zu richten. Mit der geringen Zahl der Ritter, welche bey ihm in Ptolemais blieben, nachdem der Graf Wilhelm von Flandern, der Herzog von Burgund 3") und mehrere andere Barone mit den bey- den königlichen Prinzen nach Frankreich zuruckgekehrt waren, konnte gegen die Saracenen keine Heerfahrt gewagt werden; und wenn auch zur Zeit der beyden allgemeinen Meerfahrten im Frühlings und um St. Johannistag Ritter und andere waffenfähige Pilger nach Ptolemais kamen, so beschrankten sich dieselben auf den Besuch der gewöhnlichen Wallfahrtortcr und waren nicht geneigt, den Mühseligkeiten des Kriegsdienstes sich zu unterziehen. Ein ganzer Monat verfloß daher seit dem Tage, an welchem Ludwig seinen Entschluß, in Syrien zu bleiben, bekannt gemacht hatte, ohne daß auch nur ein einziger Ritter für den Dienst des -z. Im. Königs geworben wurde; und der König machte deshalb seinem Kammerherrn Peter, dem Connetable Gilles le Brun, welchem nach dem Tode des Connetable Jmbert von Beaujeu dieses Amt zugefallen war, und Gottfried von Sergines, als den damaligen Rittern seines Raths, heftige Borwürfe ^). Die königlichen Rathe aber entschuldigten sich damit, daß die Ritter nicht Lust hatten, in Syrien zu bleiben, und daher übertriebene Forderungen machten. Als Ludwig fragte, ob nicht einer oder der andere sich billiger hatte finden lassen, so antworteten die Rathe: der Seneschall der Champagne, dem wir jedoch ebenfalls das, was er verlangt, nicht zu bewilligen wagen. Der König ließ hierauf 34) Hugo Plagen x. 734- iri-ttli. vlktc x. gl. ga erzählt, ereignete sich rrri» il(t ». iLZo. I>. 7 gg. am Feste 8t. Jacob!, ach der König IZ) Diese« Auftritt, welchen Iotn- aus der Mess« kam, Wallfahrt des K. Ludwig nach Nazareth. 27"? de» Sem'schall Joniville, welcher in der Mitte deö königliche» Gemachs sich befand und diese Worte horte, zu sich rufen, hieß ihn, als er auf die Kui'ee sich niederließ, aufstehen und neben sich Platz nehmen, und beklagte sich in freundlichen Worten über seine Unbilligkeit: worauf Join- ville erwiederte; „Gnädigster Herr, ihr wißt, daß ich alles Mcinige verloren habe, als ich auf dem Nile gefangen wurde, ich kann nicht anders," und auf die Frage des Königs, wie viel er verlangte, forderte er bis zu Ostern deS folgenden Jahres zwey Tausend Livres. Als der König weiter fragte, ob der Seneschall schon Ritter angeworben hatte, so bemerkte Joinville, daß der Ritter Peter von Pont- moulin für sich und zwey Ritter seines Paniers für jeden bis zu Ostern vierhundert Livres von ihm begehrt hatte; worauf der König an den Fingern zahlte und sprach: „Es sind also zwölfhundert Livres, welche eure neuen Ritter euch kosten werden." „Bedenkt, gnädigster Herr," erwie, derte Joinville, „daß achthundert Livres wohl erforderlich sind, um mich selbst zu bewaffnen und meine Ritter zu ernähren, da ihr nicht wollt, daß wir an eurem Hofe speisen." Der König endigte diese Verhandlung dadurch, daß er zu seinen Rathen sprach: „in Wahrheit, ich finde die Forderung des Scneschalls nicht unbillig," und an Joinville die Worte richtete: „ich behalte euch in meinem Dienste." In dieser Zeit, in welcher Ludwig gezwungen war, unthätig zu seyn, unternahm er zwey Tage vor dem Feste der heiligen Maria Magdalena von Ptolemais aus eine Wallfahrt nach Nazareth, trug während dieser Wallfahrt, indem er den Weg über Cana in Galiläa und den Berg Thabor nahm, ein haarenes Hemd auf bloßem Leibe, stieg, als er den Ort der Geburt des Erlösers erblickte, von seinem Pferde, hielt zu Fuß seinen Einzug in diese heilige Stadt I. Ckr. 278 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. K a p. VIII. ^.sZo?'llnd genoß an diesem Tage, obwohl er sehr ermüdet war von der beschwerlichen Reise, nichts als Brod und Wasser. Am Feste der heiligen Maria Magdalena wohnte er zu Nazareth allen gottesdienstlichen Handlungen bey, von der Frühe des Morgens bis zum Abende, horte in der Kirche zu Nazareth an dem Altäre der Verkündigung die Messe und empfing daselbst das heilige Abendmahl, während der päpstliche Legat, welcher ihn auf dieser Wallfahrt begleitete, an dem Hauptaltare die Messe feyerte und eine erbauliche Predigt hielt ss). -o. Jui. Da Ludwig nicht im Stande war, die Saracenen zu bekämpfen, so bemühte er sich mit desto größerer Sorgfalt, die Befreyung der Christen, welche noch in der Gefangenschaft schmachteten, von den ägyptischen Emiren zu erlangen; und das feindselige Verhältnis), welches zwischen diesen Emiren und den syrischen Saracenen eintrat, beförderte den glücklichen Erfolg seiner Bemühungen. Sowohl die schauderhafte Ermordung des Sultans Turanschah, als die von den ägyptischen Emiren angeordnete Verwaltung des Reichs erregte allgemeinen Unwillen unter den Truppen, welche in den syrischen mit Aegypten damals verbundenen Landschaften sich befanden, und als, die ägyptischen Emire den Statthalter Dschemaleddin von Damascus und die kaimarischen Mam- luken, welche unter dessen Befehle standen, auffordertcn, die Sultanin Schadschrcddorr und den Atabek Asseddin anzner- kennen, so sandten die kaimarischen Emire einen Botschafter an den Fürsten Malek annaser Joseph von Halcb, einen Iurius Urenkel des Sultans Saladin ^), und trugen demselben die 36t 6»!I. äe Nun», p. 33g. 6uti. entlegen) zu und zog am andern Lage 6 c Lello loao l>. 436. 437. Ludwig auf dem angegebenen Umwege nach brachte dis erste Nacht in Sepphoris Nazarctb. (etwa sechs Stunden von PtolemaiS 37) Er war ein Sohn des Malek al Unterhandlungen des K. Ludwig mit den Saeacenen. 279 Herrschaft über Damascus an. Der Fürst Joseph trug kein Bedenken, diesen Antrag anzunehmcn, er kam unverzüglich nach Damascus, wurde als Sultan anerkannt ^ 8 ), belohnte diejenigen, welche ihn gerufen hatten, und ließ die andern zu Damascus anwesenden Mamluken, so viele derselben es mit den ägyptischen Emiren hielten, in Fesseln legen. Bald darauf ernaunten andere ägyptische Mamluken, welche zuSeptbr. Gaza standen, den Prinzen Malek al Mogits, eine» Enkel des Sultans Malek al Kamel, zum Sultan^). Obgleich also die syrischen Mamluken nicht einig mit einander waren, so glaubten doch die Emire, welche in Aegypten herrschten, die von ihnen eingcführte Ordnung nicht behaupten zu können, und sie entschlossen sich daher, da die Herrschaft einer Frau den Muselmännern ein Gräuel war, der Sultanin Schadschreddorr die ihr übertragene Regierung wieder zu nehmen und den Atabek Asscddin unter dem Namen Malek al moess zum Sultane zu erheben nach einigen Tagen 30 Jul. aber änderten sie auch diese Anordnung und wählten einen ssiug. andern Enkel des Sultans Alkamel, mit Namen Musa, zum Sultan"'), worauf Asscddin wieder in sein früheres Ver- Asis Mohammed und Enkel des Malek cd Daher Gast, eines Sohns des SaladiN. LdiNkeä. nio.-I. le. V. p. Z-4 Z8) Am Sonabcnd 8 Nabt al achir 648 — y. Jul. idM. ^tnilkect, I. 0. Loiäsntts ülalaxiae, sagt Ludwig (llpist. x. qzi), aongregatis knis cx- croitihns säm eepit Oamascum et rigni et Lct lerram illLin gwantum I>oterir ocotixmiciim. 3Y) Am Freytagc r. 4. Dschemadi al achir Ü48, nach Abulfcda 1. a. tv- SM). Der angegebene Tag nach der christlichen Zeitrechnung ist der 3. Sept., ei» Sonnabend; vielleicht ist der Z. Dschemadi al achir anzunehmcn — s. Sept. iszo, welches ein Freptag war. Malek al Mogits Fath eddin Omar war der Sohn des Malek al Adel Abu Vckr, welcher ein Sohn des Malek al Kamel war. 40) Am Sonnabend 2y. Nabi al achir S48 — 3c>- Jul. rezo. ^Vul- kesta 1. a. i>. §16. 41) Am Sonnabende S- Dschemadi elcwwel ügg — 6. Slugust >2Zo. Musa war der Sohn des Joseph Aksts, 280 Geschichte der Kreuzzüge. BuchVIH.Kap.VIlI. ^SO^'haltniß als Atabek oder Reichsverweser trat. Nach wenigen Scplbr.HHoche,^ als sie die Ernennung des Malek al Moglts znm Sultan erfuhren, kündigten sie dem Sultan Musa, welcher den Titel: Malek al aschraf, d. i. der herrlichste König, angenommen hatte, gleichfalls den Gehorsam auf und ließen zu Kahirah und Misr ausrufen, daß das Land dem Chali- fen Mosthasem heimgefallen wäre, unterwarfen sich aber bald aufs Neue dem jungen Sultan Musa und dem Atabek Asseddin, worauf der Emir Fareseddin Oktal mit zwey Tausend Reitern gegen Gaza zog und die dortigen Mam- luken, welche den Fürsten Malek al Mogits als Sultan ausgerufen hatten, vertrieb"^). -Während die ägyptischen Emire von einer Anordnung zur andern schwankten, rüstete sich der Sultan Malek annaser von Damascus znm Kriege, um die Ermordung des Sultans Turanschah zu rächen, und verschaffte sich für diesen Rachckrieg nicht nur den Bey- stand mehrerer ihm verwandter saracenischer Fürsten, welche damals in Syrien und Mesopotamien herrschten"^), sondern er sandte auch Botschafter nach Ptolemais an den König Ludwig von Frankreich, ließ ihm ein Bündniß zum gemeinschaftliche» Kriege gegen die ägyptischen Emire antragen und versprach für den Fall, daß der König ihm den gewünschten Beystand gewähren würde, die Zurückgabe aller Plätze des Königreichs Jerusalem, welche in seiner Gewalt wären, an die Christen""). Ludwig nahm mit seinen Baronen diesen Antrag des Sultans von Damascus in sorg, fällige Erwägung und beschloß, zu antworten: er könnte zwar, so lange er noch von den ägyptischen Emiren, wie- Herrn von Jemen, welche« ein Eotzn des Sultan» Malei al Kamel war. Lvulkccl» »a L. 626. r. V. o- 8L2 und -ä a, 64L l. c. x. zik>. 4«) LvuItcLa l. 0. x. 516 —2>g. 4Z) 4>duUeä. wotl. LÜ 648. "N. V. i>. zso. 44) toiilviN» x zz. Unterhandlungen des K. Ludwig mit den Saraccnen. 281 wohl sie auch gegen ihn sich meineidig bewiesen hatten, die^ Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten zn erwarten hatte, nicht in ein Bündnis; wider dieselben sich einlassen; würde aber durch Gesandte sie anffordcrn, ihren Verpflichtungen zu genügen, und wenn diese Aufforderung fruchtlos bleiben sollte, gern bereit seyn, dem Sultan zur Bestrafung der Mörder deS Sultans Turanschah Hülfe zu leisten. Diese Antwort wurde dem Sultan von Damaskus durch eine Gesandtschaft deS Königs überbracht; und der Predigermönch Ivo aus der Bretagne, welcher der saracenischen Sprache kundig war, begleitete die königlichen Gesandten als Dolmetscher Au, gleich benutzte Ludwig diesen Verkehr mit dem Sultan Male! annaser, um seinen Rüstmeister Johann l'Erwin nach Damaskus zum Einkäufe von Gegenständen, welche zur Ver, fertigung von Armbrüsten erforderlich waren, zu senden^). L5) soinville 87- Als der Mönch Ivo mit den königlichen Gesandten aus ibrer Herberge zu dem Palasie des Sultans sich begab, so bemerkte er eine alte Frau, welche in der rechten Hand eine Pfanne mit Feuer und in der linken einen Topf mit Wasser trug. Auf die Frage, wozu dieses dienen sollte, gab sic zur Antwort, dass sie mit dem Feuer daS Paradies und mit dem Wasser die Hölle zerstören wollte: und als Ivo weiter nach dem Grunde dieses seltsamen Einfalls fragte, so sprach sie: weil ich will, daß man künftig daS Gute thue, nicht in der Hoffnung der Belohnungen deS Paradieses oder auS Furcht vor den Strafen der Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, soinv. x. gz. 46) sclran Ir Lrinin gni eitoit ar- «illcui 1e lloz', »I» lor» » Dam«» xour »allerer aorne» er glu» (d. i- Leim) xour kair» »ibaleitrer. Den Nüsimeisisr Johann fragte zu Da- maücus ein alter Saracene, ob er ein Christ wäre, und alS Johann diese Frage bejahte, so fuhr er fort: „ihr Christen müßt euch sehr einander hassen ; denn ehemals überwand der König Balduin der Aussätzige mit drey hundert Bewaffneten den Sultan Saladin, welcher deren drei) Tausend hatte, jetzt send ihr durch eure Sünden dahin gebracht worden, daß wir euch wie LaS Wild Lurch die Felder jagen. " Johann wandte zwar ein, daß die Sünden der Saracenen noch größer wären, der Ereiü erklärte aber diese Einwendung für thöricht, und als Johann nach dem Beweise fragte, so erwiederte der Greis: ,, »erstattet mir zuvor eins andere Frage: habt ihr ein Kind?" worauf Johann antwortete, daß er eine» Sohn hätte. Der GreiS fragte weiter: ,.Wollt ihr lieber, daß ein anderer euch ein Ba- 282 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.VHI. 2-^br. hernach begab sich der Ritter Johann von Valencicn- nes als Botschafter des Königs nach Aegypten, machte den Emiren zwar Vorwürfe wegen ihrer bisherigen Wortbrüchigkeit, crthcilte ihnen aber die Zusicherung, daß der König Ludwig dem Sultan von Damaskus keinen Vcysiand gewahren würde, wenn ihrerseits billige Entschädigungen zugestanden, und alle übrigen Verbindlichkeiten vollständig erfüllt Scptbr. werden würden; und der Ritter Johann erlangte nach dieser Zusicherung nicht nur ohne Schwierigkeit die Entlassung aller übrigen christlichen Gefangenen, sondern auch die Auslieferung der Gebeine des in Aegypten gctödtetcn Grafen Walter von Joppe, welche auf die Anordnung der Frau Margarethe von Sidon, welche die Cousine des als Märtyrer getödteten Grafen war-?), nach der Abhaltung eines feyer- lichen Seelenamtes -^) im Hospital zu Ptolcmais in ge- rkenstrelch gebe, oder Log es euer Sol>» thue," und als Johann erklärte, dag eln Backenstreich, den Ihm sein Sohn gäbe, am meisien ihm Verdruß machen würde, so fuhr der alte Saracene fort: ,,ihr nennt euch Söhne Gottes und Christen nach dem Namen Christi, und Gott hat euch Lehrer gegeben, welche euch sagen, was ihr thun und unterlassen sollt; deshalb straft Gott an euch eine kleine Sünde schwerer als an uns eine große, weil wir ihn nicht kennen und blind sind; wir glauben aber unserer Sünden ledig zu werden, wenn wir uns vor unseren Tode in Wasser waschen können, weil Mohammed gesagt hat, daß das Wasser selig macht." foinviNe x.yz. 94. 47) iVlaüame cie Zoiete gut e5toit wahrichcinlich die Tochter des Grafen Wilhelm von Brienns, des Bruders von dem Könige Johann von Jerusalem, und die Gemahlin des Herrn Balian von Sidon. Ducangc zu Joinville x. hg. Damals erhielt auch der Meister der Johanniter dis Freyheit. 6nii. Oarnor. x. 46g. Hugo Plagon ? 7;g. Der Meister des Hospitals Wilhelm von Cbateau- neuf meldete selbst in einem an den Bruder Walter von St. Martin gerichteten Schreiben (^clülramenia Maiili. i-aris p. >80), daß er am ,7- Oktober aus der Gefangenschaft in PtolemaiS eintraf. Nach Hugo Plagon kamen überhaupt im September razo hundert und zwanzig Ritter und achthundert andere Leute auS der Gefangenschaft zurück. 48) IVlaüame sie Loiete liet faire Unterhandlungen des K. Ludwig mit den Saracenen. 283 weihter Erde bestattet wurden. Mit dem Ritter Johann von - Valenciennes kamen außer vielen geringen Pilgern zwey- hundert Ritter aus der Gefangenschaft zurück, und unter diesen Rittern befanden sich vierzig Ritter von dem Hofe von Champagne, welche von dem Scneschall Joinville gekleidet "?) und dem Könige vorgestellt, dann in den königlichen Dienst ungeachtet der hohen Forderung, welche sie machten, ausgenommen und zu der Schar ihres Sencschalls gewiesen wurden. Der glückliche Erfolg dieser Sendung bewog den König Ludwig, noch weitern Vorthei! von der damaligen bedrängten Lage der ägyptischen Emire zu ziehen und den Ritter Johann von Valenciennes zum zweytcn Male nach Aegypten zu senden mit der Erklärung, daß der König unter keiner andern Bedingung langer Frieden mit den Emiren halten würde, als wenn sie die mit dem Könige gefangenen christlichen Kinder, welche sie zur Verlaugnnng des christlichen Glaubens gezwungen hatten, nebst den an den Mauer» von Kahirah aufgestecktcn Köpfen der erschlagenen Kreuzfahrer ihm übersendeten und auf die noch übrigen 1e Service en teile inaniüro gne clwscnil ctrevaticr ofirri UN eierxe er nn äeiilcr ti'argcnr, et te Roi oltrr rin eierte er rtir bösenr, torrs äes ses üeniers; rnes it le fisr per sa eonrloise lcourroisie). toiuv. x. 98. Nach Mattbäuü Paris seit -i. I2Z2. x. 8K) brächten die Gesandten des Königs von Frankreich dis Gebeine des ehemaligen Grafen von Salisbury, Wilhelm von Longaspata, mit sich, waS eine Verwechslung ifi. 49) le !cur fisc Witter corcs et Iiergans (snreets) cte vcrt. Als die Ritter des königlichen Raths gegen die Forderung jener Ritter, welche der König schweigend angehört hatte, cinwandten, daß dieselbe um 7000 Livres zu hoch wäre: so crwiederte Io- invillc, cs wäre zu bedenken, das wohl zs Pannerherren aus der Champagne umgckommcn wären, und dem Könige bei) dem großen Mangel an Rittern nicht gecathen werden dürste, jene Ritter zurückzuwetsen. Hierauf fing Joinville an heftig zu weinen t der König aber beruhigte ihn und bewilligte, was der Seneschall im Namen der Ritter gefordert batte, so- iuvitte x. Y8- i. Cbr. I 3 ZO. 284 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.VIH. Zweyhuudert Tausend Livres des Lösegekdcs, welche sie zu fordern hatten, verzichteten. Auch dieses Begehren des Königs wurde von den ägyptischen Emiren gewährt; sie übersandten sowohl die geforderten Christenköpfe, welche der König in geweihter Erde begraben ließ, als die zum Islam übergetretenen christlichen Kinder, und außerdem als Geschenk einen Elephanten, welchen Ludwig nach Frankreich beförderte^), und späterhin schloß der König mit den Emiren ein Bündniß. Ludwig und seine Barone gelobten mit einem feyerlichen Schwure, den ägyptischen Emiren wider den Sultan von Damaskus beyzustehen, und die Emire verpflichteten sich, nach Gaza zu kommen und dem Könige, welcher zu Joppe sich einfinden sollte, das Königreich Jerusalem zu überantworten"). Weil aber weder der König go) solilvMe a. a. O. Vgl. p. »08. Dts von Jacques de Bie t 1 .il irranoe Iiieralliglie. laris Isizütoi. 1-lsi. VllI) mitgethetlte und in den tl-mis 8anoc. ^iiZusk. 1 . V. p. 4 ZZ wiederholte Denkmünze/ welche den von Ludwig nach Frankreich gesandten Elephanten darsiellt, ist ohne Zweifel eben so sehr ein späteres Machwerk/ alS die übrigen von Jacques de Bie mitgethcil- ten Medaillen, welche auf die Heyden Kreuzzüge deS heiligen Ludwig sich beziehen. Merkwürdig ist übrigens dt- von dem Beichtvater der Königin Margarethe (Vie sie 8r. Morris x. WS) erwähnte königliche Verordnung, dag Keiner den abtrünnigen Christen, welche von den Saracencn auSgeliefert wurden und den christlichen Glauben wieder annahmen, ihre Abtrünnigkeit sollte verwerfen dürfen. Z») Von dieser zweyten Gesandtschaft kehrte Johann von Valencien- ncS erst zu der Zeit rurück, als der König schon mit der Wiederherstellung von Cäsarea sich beschäftigte llo- iiiv. x. 107. log), also nach Fastnacht ioZi — 28. Fcbr. loinv. p. 9g. Mit den von Joinville über diese Unterhandlungen mitgetheilten Nachrichten stimmen die arabischen Meldungen vollkommen überein: Hs -lritciir, arabes rapporteilt gne, tont que tiens et 1e sultail sie 3 z-rie sollici- tsrcilt ä lenvie Isiliiiaiioe sin roi sie 1 'ranoe. Lniviiilt sis.lsel le» Premiers Irii olkrirciir, ssii voulalt se joinsire ä eux, la ville sie serusalem et Io reste sie la lalestine; sie soi» cot« le snltan sie sivr'ie lnl paisait äcs pro- positioils tres - avantagenses. ilei- »arisi Lxtrails x. 477. In einem Schreiben LeS Hospitaliters Joseph von Canci) an Len Bruder Walter von St. Martin vom S. Mai »052 (siisiklsi. iparis .Vsisiit.lnleiitl p. rgz) werden folgende Bedingungen de- Verschiedene Gesandtschaften. 285 von Frankreich, noch der cyprische Statthalter von Ptole-^-Ar. mais und die syrischen Barone über eine hinlängliche Macht geboten, um an diesem Kriege der Saracenen wider einander Theil nehmen zu können: so blieb jener Vertrag vorerst ohne Folgen "). Sobald aber die erzählten Unterhandlungen mit den ägyptischen Emiren ihren Anfang genommen hatten, so beschäftigte sich Ludwig mit der Ausbesserung der Mauern von Prolemais "), wodurch er diese Stadt gegen einen Ueberfall des Sultans von Damascus sicherte. Wahrend dieser Beschäftigung und der erzählten Unterhandlungen mit dem Sultan von Damascus und den ägyptischen Emiren empfing Ludwig mehrere andere Gesandtschaften. Zuerst meldeten sich Botschafter des Kaisers Friedrich, welche mit Beglaubigungsschreiben sowohl für den ermordeten Vertrags angegeben, welchen Ludwig mit den agiip,Ischen Emiren schloß ES soll fünfzehn Jahre Waffenstill' siand seyn', die Emire stellen zugleich mit den biS dahin zurückgebalrenen gefangenen Christen dem Könige zurück daS Land dieffcit des Jordans, mir Ausnahme der Burgen und Städte Gaza, Eibclin, Darum und Erandi- gertnum, welche den Emiren bleiben-, wenn der König nicht vor der Mitte deS nächsten Maimonatü zu Jafa, und die Emire nicht binnen eben dieser Frist zu Gaza sich einsinden, so ist dieser Vertrag ungültig. AlS die Zeit, in welcher dieser Vertrag geschloffen wurde, wird von Joseph von Cancy die Osterwoche (vom 3>. März bis ö. Aprii) 1252 angegeben. L2) Nach Makrist lbey Ncinaud a- a. O.) gewannen die Christen zu der Zeit, als späterhin der Sultan von DamaScuü und die ägyptische» Emire wir einander Frieden schloffen, den Besitz der Länder, welche zwischen dem mittelländischen Meere und dem Jordan lagen; bei, den christlichen Schriftstellern findet sich aber keine Spur einer solchen Uebcrcinkunst. ZZ) .gchona scrmL Ic roi le itors (lex. ic borg) -i',Vcre. Hugo Plagon 1-. 734. Vgl. iviarin. Sannt. 019. Nach der vic äo Sr. Oonis per 1s aonscs-enr ste la rcins IVIargncrire (hitiier Ioinville von 1761! p. 305 „Io cl'^ore gni est tt;ic1se ooinnntns- incnt IVIoin- mn-tirr." IVInIta inru- per ^tt.nit itt .rmnlittnäo et sorrili- caircio mnros -Voiion. Oarisrici. . 4L7. Vgl. totnvitle p. ,23. Nach Matthäus Paris last r. 1250. x. 7gg> dachten die Saracenen damals wirklich auf die Belagerung von Ptole- mais (Sarraaciit.esc »ä vdij. ciionem Loiron xirexaiaverunl). 286 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. VIII. Sultan Turanschah, dessen Tod der Kaiser nicht glauben wollte, als für den König von Frankreich versehen waren, und behaupteten, daß der Zweck ihrer Sendung wäre, für die Befreyung der gefangenen französischen Pilger sich zu verwenden. Ihr Vorgeben fand aber nicht allgemeinen Glauben, indem viele meinten, daß diese Gesandten, wenn die gefangenen Christen damals noch in der Gewalt der Sa- racenen gewesen waren, eher sich bemüht haben würden, die Freylaffung der Gefangenen zu hindern als sie zu befördern Bald hernach erschien ein Emir mit zwey Begleitern^), als Botschafter des Alten vom Berge. Als der König nach der Messe Liese Gesandtschaft empfing, so gestattete er ihnen, in folgender Ordnung vor ihm sich nicder- zusetzeu: vorn saß der Emir, hinter demselben der eine seiner Begleiter, welcher drcy in einander gesteckte Dolche") j» seiner Hand hielt, und hinter diesem der andere, welcher ein feines Tuch") um seinen Arm gewickelt hatte; die Dolche sollten dem Könige/ wenn er die Forderung des Scheichs der Assasinen ablchnte, als Zeichen der Aufkündigung des Friedens und seines baldigen Todes, und das feine Tuch ihm zum Gebrauch als Leichentuch cingehändigt werden. Nachdem der Emir sein Beglaubigungsschreiben überreicht hatte, so fragte er den König, ob er den Scheich, seinen Herrn, kennte; und Ludwig erwiederte, daß er zwar den Scheich, welchen er 54) Diese Gesandte kamen nach gno les krores 1e Ilot snrent perlte «r ^.cre Ooiirv. p. gs), also wahrscheinlich im September 12Z0. Wiel- leicht war der eigentliche Zweck dieser Gesandtschaft/ Nachricht über den Zustand von PtolemaiS einzuziehen. 53) Joinville, welcher zwar sehr ausführlich, jedoch ohne die Zeit zu bezeichnen, von dieser Gesandtschaft der Assasinen berichtet (x. 94 - 97), nennt die beyden Begleiter deS CmirS: Daolialors, 56) l'rote aourtauL stont I'uii en- trotr oir nmnclre (d. i. dem Griffe) üe 1'antre. toiirv. x. 94. 57) l/ir vongneran enrortoills eu- towr son drae. lotiivilte x. 94. §5- Verschiedene Gesandtschaften. 287 niemals gesehen, nicht kennte, jedoch viel von ihm gehört hatte. Hierauf fuhr der Emir fort: „Da ihr von meinem Herrn gehört habt, so wundere ich mich sehr, daß ihr ihm nicht Geschenke übersandt habt, wie der König von Ungarn, der Kaiser von Deutschland, der Sultan von Damascus und andere Fürsten jährlich zu thun pflegen, da sie wissen, daß sie nicht langer leben können, als cs meinem Herrn gefallt; so ihr jedoch meinem Scheich die Erlassung des Tributs, welchen er den Orden des Tempels und Hospitals zahlen muß, erwirkt, so wird er befriedigt scyn und keine andere Forderung an euch machen." Der König, welchen dieses Ansinnen in große Verlegenheit setzte, entließ die Gesandtschaft mit der Anweisung, nach einigen Stunden wieder zu kommen und seine Antwort zu vernehmen. Als sie zur bestimmten Zeit wieder erschien, so fanden sie bey dem Könige auch die Meister des Tempels und Hospitals, welche ihm zu beyden Seiten saßen; der Emir weigerte sich anfangs, in deren Gegenwart seinen Antrag noch einmal vorzubriu- gen, und entschloß sich erst dazu, als die Meister mit entschiedenem Tone ihm sagten: „wir befehlen dir, zu wiederholen, was du an diesem Morgen gesagt hast." Die beyden Meister beschicken ihn hierauf, am andern Tage bey ihnen im Hause der Johanniter sich einzufiuden, und in dieser Zusammenkunft wurde dem Emir eröffnet, daß die Meister der Templer und Hospitaliter nur aus Achtung für den König von Frankreich es unterließen, ihn und seine Begleiter wegen des unanständigen Ansinnens, welches sie einem mächtigen Könige gemacht hatten, im Meere zu ersaufen, daß aber der Emir unverzüglich zu seinem Scheich zurückkehren und binnen vierzehn Tagen mit einem geziemenden Schreiben und angemessenen Geschenken zurückkehren sollte. Der Emir und 2. Ehr. »2Z0. 288 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.VIII. seine Begleiter leisteten diesem Gebote ohne Säumniß Folge, kamen innerhalb der bestimmten Frist wieder nach Ptole- mais und nbcrbrachten dem Könige als Geschenke ein Hemd ihres Scheichs und einen Ring von feinem Golde, indem sie erklärten, durch das Hemd, als das Gewand, welches dem Leibe am nächsten ftp, gebe ihr Scheich zu erkennen, daß Niemand ihm naher sey als der König von Frankreich, so wie durch den Ring, daß er mit dem Könige sich vermähle und künftig mit ihm nur Eine Person seyn wolle. Außerdem überbrachten sie dem Könige Bildnisse von einem Elephanten und einer Giraffe, und Brett- und Schachspiele, alles von Krystall und mit Ambra auf feine» Goldplatten in schönen Figuren ausgelegt; und da der Kasten, worin diese Gegenstände sich befanden, von den Gesandten geöffnet wurde, so erfüllte der köstlichste Wohlgeruch das ganze Zimmer des Königs. Ludwig erwiederte hierauf die Ehre, welche der Scheich der Assasinen ihm erwiesen hatte, durch eine Gesandtschaft, welche Gegengeschenke überbrachte, und auch bey dieser Gesandtschaft befand sich der Predigermönch Ivo aus Bretagne als Dolmetscher"). 58) Joinville thcilt nach Dem Berichte deS Predigermönchs Ivo Niedreres über die Lehren und Sitten der Assasinen mit, waS jedoch nicht von grober Erheblichkeit ist. Der damalige Scheich der Assasinen z. B. liest, wenn er auSrttt, vor sich eine Streitaxt (Ii.rclro äauoisc), an deren mit Silber bedecktem Stiele Dolche dicht an einander angebracht waren, vor sich hcriragen und durch den Träger dieser Axt auSrufen: Kehrt euch um vor dem, welcher den Tod der Könige in seiner Hand trägt. Der Mönch Ivo fand, wie Joinville weiter berichtet, auf dem Kopfkissen dcS BctteS, in weichem der Scheich ruhte, ein Buch, in welchem vieles von den Reden des Heilandes zu St. Peter vorkam: alS Ivo den Scheich ermahnte, in diesem Buche fleistig zu lesen, so erhielt er die Antwort: „ ich habe St. Psicr sehr lieb, denn im Anfänge der Welt ging die Seele des gctödteten Abel über in Noah, und von diesem in Abraham, und von Abraham in St. Peter zu der Zeit, alS Gott auf der Erde erschien." Von der Falsch- 289 Befestigung von Casarea. Da nicht lange nach der Zeit, in welcher zwischen deni^As' Könige Ludwig und den Affassüicn diese Gesandtschaften waren gewechselt worden, der Sultan von Damascus mitDeccmb. seiner ganzen Macht und den Scharen seiner Bundesgenossen nach Aegypten zog, und zwischen den syrischen Muselmännern und den ägyptischen Emiren ein heftiger Krieg sich erhob ^): so achtete Ludwig es für rathsam, diese Zeit, in rvelcher kein Angriff von Seiten der Ungläubigen befürchtet werden durfte, zu einer Unternehmung, die dem heiligen Lande ersprießlich seyn könnte, zu benutzen. Er beschloß also, die Befestigungen der von den Saraccncn zerstörten Stadt Casarea in Palästina wieder herzustellen, verließ beit dieser Irrlehre kennte Ivo den Scheich nicht überzeugen. Endlich bemerkt noch Joinvillc li>. gz), dag dis Assasstnen slcs Ls.-zois) deswegen den Ritterorden des Tempels und Hospitals Tribut zahlten und keinen Versuch machten, deren Meisier zu tvd- ten, lbeil sie wüssten, dass ein eben so tüchtiger Meister an die Stelle des gekosteten treten, und die Aufopferung Ihrer Leute in diesem Falle ihnen keinen Nutzen bringen würde. 5y) Oer Sultan von OamaScuü zog mit seinem Heere, dessen oberster Anführer der Armenier Schemseddin Lulu war, in der Milte des Ramadan 6-i3 (>i. Oecemb. iozo) aus, und die Schlacht bey Abbasah in Aegypten, in welcher die DamaScencr geschlagen wurden, ereignete sich am Donnerstage io. Dsulkadah — a. Febr. legi, srsintkesi. mosl. 1-. IV. L2o. ES ist daher kaum begreiflich, wie Joinvillc, dem der Zug des Sultans von DamaScus nach Aegypten unmöglich unbekannt sehn konnte, Indem die oben erwähnte zweytc Sendung des NiiterS Johann von Valencien- ncs wahrscheinlich in die Zeit dieses Zuges fiel . gs), sagen kann: 7e Iio sai oommein oe kn, ne mes (st non) per la votcnco Oien, gne oir- gmcs ne nons llrcnr siez Sarrazins) nnl ävnmtige tonlc Nannee. Ludwig bezeichnet ebenfalls in dem Briefe, welchen er im August irzi von Cäsaren aus an seinen Bruder, den Grasen Alfons von Poiticrs, schrieb il,t>b>- tie iVlisaeilanca p. 6z6. ^.eta g.tiia- ror. ^»gn5ii M V. x. stzs), es als einen Wonhell, das) die Saracene» ihn in der Wiederherstellung von Casarea nicht durch Angriffe störten, giebt aber auch die Ursache davon richtig an. 6o) Sc 2 iirc gni esloit il äouro it- eurs xar stevcrs lerneLtem. soin- vitle x. gg. Der Befestigung von Casarea erwähnen auch Hugo Plagen lx. 734), Gaufried von Bcaulteu (x. 4 L?) und andere Schriftsteller. T vu. V.nid. 290 Gcsch.t>. Kreuzz.D.VIH.K.VIH. Befestigung v. Läsarea. I Chr. ,4.Zebr. im Anfänge der Fasten des Jahrs 1251 Ptolemais mit dem päpstlichen Legaten Odo und allen Rittern, welche noch um ihn versammelt waren, und begann den beschlossenen Bau mit großer Thaugkeit. Nach Matthäus Paris t-ä ->. ia;r. ouru eonsilio l'eniplLiiorum ec 80- sxnslLriorum ürnr-ivic. Nach der Angabe von Ioinville zog der König nach Cäsarea: ^ 1'eutree äe czn.i- resure (i.;. Febr.), nach MarinuS Sainuus (x. srv) am 29. März »251. 6r) loinviU« p. 104. !vZ. Kreuz predigten des ungarischen Meisters. 201 Neuntes Kapitel. Äie Ermahnung, zur Errettung des heiligen Landes ssch^z^' zu waffnen, welche der König Ludwig au seine Unterthanen durch seine Brüder übersandt halte, blieb ohne erheblichen Erfolg; dcnn die Berichte, welche die heimkchrenden Pilger von dem Anstande der Dinge im Lande jenscit des Meers abstatteten, waren nichrs weniger als aufmunternd, und mit der damaligen Stimmung der Gemächer in Frankreich und den übrigen Landern der katholischen Christenheit war die Begeisterung für die Sache des heiligen Grabes »ichi vereinbar. I» den Provinzen Flandern und der Picardie stand zwar um Ostern des Jahrs 125 r ein unberufener Kreuz- Prediger auf in dem ausgetretenen Cisterciensermönche Jak b, einem sechszigjahrigen Greise, welcher mit dem Veynamen des ungarischen Meisters bezeichnet wurde, in mehreren Landern, selbst im Morgenlande sich unihergetrieben hatte, mehrerer Sprachen, der französischen, deutsche», lateinischen und selbst der arabischen kundig war, und sich rühmte von der Mutter Gottes durch einen Brief, den er beständig in seiner verschlossenem Hand hielt, aber Niemandem zeigte, den Beruf als Kreuzprediger empfangen zu haben. Diejenigen aber, welche ans seinen Händen das Kreuz empfingen und sich rühmten, Wunderkraft zu besitzen und durch Gesichte T 2 2V2 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IX. 2 Cbr. irzi. und Erscheinungen zur Rettung ihres Königs aufgefordert zu seyn, waren Hirten, Knaben, Marktschreyer, feile Dirnen, ja selbst Straßenräuber und andere Verbrecher; denn Jakob richtete seine Ermahnung nur an das geringe Volk, indem er behauptete, daß Gott Mißfallen hätte an der Hvffahrt der französischen Ritter und dagegen den Armen und Verachteten im Volke die Ehre gönnen würde, das heilige Land zu erretten. Nachdem er eine beträchtliche Zahl eines solchen Gesindels um sich versammelt harte, so zog er über Amiens nach Paris. Einige andere Kreuzprediger, welche ebenfalls Meister sich nannten und dem ungarischen Meister sich anschlossen, trieben bald die Thorheit und den Ueber- muth noch weiter als ihr Anführer; sie maßten sich die Rechte und Geschäfte der Bischöfe an, weihten zu Paris selbst das Weihwasser, segneten und trennten Ehen nach Willkühr, ertheilten das Kreuz, entbanden von dem Gelübde der Meerfahrt und verübten grobe Gewaltthätigkciten gegen Geistliche und Layen. Ungeachtet solches Frevels und ungeachtet der Schmähungen gegen Mönche, Weltgeistliche und selbst den päpstlichen Stuhl, welche der Meister Jakob sowohl als seine Genossen anssprachen, und der Irrlehren, welche sie verbreiteten, gewährten die Königin Bianca und manche angesehene Männer den ungestümen Kreuzpredigern Schutz und Beystand. Die Zahl des irregeführten Volks, welches sich zu dem Meister Jakob und seinen Gehülftn sammelte, stieg bald bis zu mehr als hundert Tausenden, welche mit Schwertern, Aerten, Spießen und Dolchen bewaffnet waren; Jakob selbst ließ ein Panier, in welchem ein Lamm mit einem Hahne abgebildet war, vor sich tragen, und seine schwärmerischen Scharen führten mit sich fünfhundert ähnliche Paniere. Im Monate Junius verließ endlich Jakob mit seinem zahlreichen Anhänge die Stadt Kreuzpredigten des ungarischen Meisters. 293 Paris, um an die Küste des Meers sich zu begeben, und^zu*' kam, wahrend ein Theil seiner Scharen auf anderen Wegen zog, nach Orleans'), wo er zwar bey den Bürgern günstige Aufnahme fand, von der Geistlichkeit aber mit Verachtung behandelt wurde; und der Bischof verbot es sogar seiner Geistlichkeit bey Strafe des Bannes, die Predigten des ungarischen Meisters anzuhören. Einige Lehrlinge der hohen Schule zu Orleans kehrten sich jedoch nicht an dieses Verbot, begaben sich aus Neugier zu den Versammlungen dieses Kreuzpredigers, welche von zahllosem Volke besncht wurden, und büßten nicht nur selbst für diese Neugier auf schreckliche Weise, sondern brachten auch über die ganze Geistlichkeit von Orleans ein furchtbares Unheil. Einer jener Schüler wagte es, dem Kreuzprediger, welcher in ungeordnetem und verwirrtem Vortrage mancherlei) abenteuerliche Dinge verbrachte, zu widersprechen und ihn einen verruchten Ketzer und Verführer des Volks zu schelten; worauf einer der Anhänger des Meisters Jakob seine Art erhob und dem jungen Geistlichen, welcher es gewagt hatte, einen solchen kecken und heftigen Widerspruch zu erheben, den Kopf spaltete. Damit war das Zeichen zu einer allgemeinen Verfolgung der Geistlichkeit von Orleans gegeben; die Thüren und Fen, ster der Wohnungen, in welchen die Geistlichen, gehorsam dem Gebote ihres Bischofs, sich verborgen hielten, wurden erbrochen, die Bücher, welche daselbst gefunden wurden, verbrannt, mehrere Geistliche grausam mißhandelt, andere er, schlagen oder in der Loire ersauft; die übrigen, welchen es gelang, den Mißhandlungen und dem Tode sich zu entziehen, retteten sich, nachdem fünf und zwanzig aus ihrer Mitte von den wüthenden Kreuzfahrer» waren ermordet worden. i) Die s. LLiNiwLC t II. 2un.). lUattll, x, 8LZ. 294 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IX. der Nacht durch die Flucht, und die hohe Schule von Orleans wurde völlig aufgelöst. Dieser Frevel blieb jedoch nicht ohne schlimme Folgen für den Kreuzprediger und seine blutdürstigen Anhänger. Der Bischof von Orleans sprach über die Stadt das Jnterdict aus, weil die Bürgerschaft der Ruchlosigkeit der Kreuzfahrer nicht nur freyen Lauf gelassen, sondern sogar behülflich gewesen war; die Königin Blanca entzog dem Kreuzprediger Jakob und seinem Anhänge ihren Schutz, indem sie gestand, daß sie in ihrer Meynung von der frommen und einfältigen Begeisterung dieser neuen Kreuzfahrer für die Sache des heiligen Grabes sich getäuscht hätte, und die französischen Bischöfe verkündigten wider die ruchlosen Priestermörder und deren Genossen den kirchlichen Bann. Noch che dieser Spruch überall bekannt war, zog der ungarische Meister mit seinem Heere nach der Stadt Bonrges, deren Thore ihm ungeachtet des Verbotes, welches der dortige Erzbischof erlassen hatte, von den Bürgern geöffnet wurden; und auch in dieser Stadt überließen sich die Kreuzfahrer ihrem Ungestüme, indem sie die dortigen Juden ausplünderten und deren Bücher verbrannten. Mittlerweile brachte der von den französischen Bischöfen verkündigte Bann die erwartete Wirkung hervor, viele irregeleitete Kreuzfahrer gingen in sich und sagten sich los von ihren ruchlosen Genossen, alle rechtschaffene Christen verabscheuten die Gemeinschaft mit den gebannten Pricster- mördcrn, und als der Meister Jakob, nachdem er von Vour- ges abgezogen war, zwischen Mortemar und Villeneuve am Flusse Cher von einem Manne aus Bourges, welcher bemerkte, daß die vorgeblichen Wunder des Kreuzprcdjgers nichts als Gaukeley waren, erschlagen wurde, so zerstreute sich das ganze schwärmerische Heer. Ein Theil desselben erschien vor der Stadt Bordeaux und bat um Aufnahme, Kreuz predigten des ungarischen Meisters. 295 wurde aber, obgleich diese Kreuzfahrer noch immer behaup- 2 teten, daß sie gesonnen waren, in Folge der Aufforderung der Mutter Gottes das heilige Land zu erretten, von dem Grasen Simon von Leicester, welcher damals zu Bordeaux sich befand, zurückgcwiesen. Ein zweyter Hauptanführer, welcher zu Bordeaux ein Schiff sich gemielhet halte, um nach dem Morgenlande sich zu begeben, wurde von den Schiffern, als sie erfuhren, daß er ein Genosse des ruchlosen ungarische» Meisters wäre, erschlagen, und sei» Leichnam in die Garoune geworfen; ein dritter kam »ach England und verführte daselbst im Anfänge durch seine Kreuzpredjgten mehr als fünfhundert Hirten und Bauern, wurde aber bald hernach von seinen Zuhörern, welche merkten, daß er nichts als Unsinn predigte, auf jämmerliche Weise umgebracht. Biele andere Genossen des ungarischen Meisters wurden in verschiedenen französischen Städten aufgehenkt oder auf andere Weise gelobtet; andere, als sie inne wurden, daß sie durch Thoren und Betrüger waren irre geleitet worden, bereuten ihre Sünden, beschlossen, als Buße die Meerfahrt zu vollbringen, und nahmen aufs neue das Zeichen des Kreuzes aus den Händen rechtschaffener Priester, worauf sie nach dem heiligen Lande zu dem Könige Ludwig sich begaben. Bey Vielen fand die Meynung Glauben, daß der Meister Jakob, welcher in seinen früher» Jahren im Morgenlande gewesen war und der Sage nach damals den christlichen Glauben verläugnet und einem saracenischen Sultane gedient hatte, verrätherische Verbindungen mit den Ungläubigen unterhalten hätte und als Kreuzprediger nur in der Absicht aufgetreten wäre, das Volk, welches sich von ihm verführen lassen würde, in die Hände der Feinde Christi zu überliefern; und für diese Meynung glaubte man die Bestätigung in arabischen Briefen zir finden, welche nebst vielem Gelbe in dem . Ckr. ,szi. I. Ehr I2Zt. 296 Geschichle devKreuzzüge. B u ch VIII. Kap. IX. Gepäcks des bey Vourges erschlagenen Kreuzpredigeis entdeckt wurden Ersprießlicheres, als von dieser thörichten Bewegung, welche an die unsinnigen Unternehmungen des Mönchs Gottschalk und ähnlicher früherer Schwärmer erinnert, konnte von den Rüstungen des Königs Ferdinand von Castilien, welcher das Kreuz genommen hatte, als er die Nachricht von dem unglücklichen Ausgange der Meerfahrt des Königs von Frankreich empfingt), erwartet werden; allein dieses Gelübde blieb, wie so manche andere Gelübde dieser Art, unerfüllt, da Ferdinand schon im Jahre 1252 starb, und sein Sohn Alfons der Weise, welcher nach ihm den casiilischen Thron bestieg, seine Thätigkeit nach andern Seiten richtete^). Das Unwesen, welches der ungarische Meister und dessen Genossen in Frankreich getrieben hatten, war nicht dazu 2) Die ausführlichste Nachricht über die Kreuzpredigten des Meisters Jakob und deren Wirkungen findet sich bey Matthäus Paris (oder vielmehr dem Fortsetzsr desselben 1, nach de» Erzählungen des Erzbischofs von Canterbury, welcher zu dieser Zeit in Frankreich sich aufhiclt, und des Mönches Thomas, welcher selbst acht Tags in der Gefangenschaft der Genossen des Meisters Jakob gewesen war und zu Winchester dem Könige von England Bericht erstattete, aü a. i2Zi. x. 822. 825 - Wgl. 6»il üe dkangiacoxesta Imrcloviai IX acl a. r 3 Zr. !)n- clicsn. V. Z 58 . Oirrcrniaon 8. rctri Itrkorrensc alt ». 124Z in Mleii- elren, Lcripkor. rer. 6crm. et 8axan. r. in. I>. 260. S6l, und die ^.niialc» II z>. 2ay. 210. Nachderange- führten Erfurter Chronik: lacovns axnst llilnris eivitalem eentcntiona- litcr a Liiristianis oeeisns est. Marir nlts Sanutus, welcher seine Nachricht über diese von dem Meister Jakob gestiftete Bewegung aus der Chronik deS Wilhelm von Nangis geschöpft zu haben scheint, nennt lx.2iy) dieses Ereignis;: llrneissignatio ka.^torelornm et in Praneia. z) lVIattit. I>aris aä a. >2zo. x.7g?, wo er Ilex Oantiiiae ^lsteknniiNL genannt wird. Alfons der Weise kam aber erst im Jahre 1232 zur Negierung. Da Matthäus Parts den Tod des Alfonü in das Jahr 1252 sext (v- 844 ), so ist cs unzweifelhaft, daß er den Mater mit dem Sohne verwechselt hat. 4) IVlariana Histeria general cle Lsxana üidro XIII. cax. ysg. l'l'. V. Bemühungen des Papstes Jnnocenz IV. 297 geeignet, eine lebhafte Theilnahme an der Sache des hcili- gen Landes zu befördern; vielmehr konnte es bey Manchen, welche unter andern Umstanden das Kreuz genommen haben wurden, eine Abneigung gegen eine Sache Hervorbringen, welche zu verabscheuuiigswürdigen Ausschweifungen die Veranlassung gegeben hatte. Die damaligen zahlreichen Feinde des päpstlichen Stuhls waren außerdem geschäftig, das Mißgeschick des Königs von Frankreich als eine Strafe Gottes wegen der Harte und Ungerechtigkeit, mit welcher man die Kosten der Kreuzfahrt größtcntheils von der Geistlichkeit erpreßt hatte, darzustellen *). Der Papst Jnnvcenz der Vierte ließ es zwar an Aufforderungen zur Kreuzfahrt nicht fehlen. Er ermahnte durch ein Schreiben, welches er noch im De- cember des Jahrs 1250 erließ, diejenigen, welche in der Provence, zu Toulouse und in anderen in der Nahe von Seehafen gelegenen Städten Frankreichs das Zeichen des Kreuzes trugen, oder ohne päpstliche Genehmigung dasselbe abgelegt hatten, mit der nächsten Meerfahrt, deren Anordnung die Königin Bianca mit großer Tbätigkeit besorge, nach dem heiligen Lande sich zu begeben, und bevollmächtigte die Geistlichkeit, gegen die widerspenstigen Kreuzfahrer kirchliche Strafen zu verfugen^). Fast gleichzeitig erließ er an die 'Oberen der Predigermönche und Minoriten in Deutschland ein Schreiben, in welchem er sie auffordcrte, die friesischen Pilger um so mehr zur Vollziehung ihres Gelübdes ernstlichst anzuhalten, als die Friesen schon mehrere Male dem heiligen Lande nützliche Dienste geleistet hätten^), und Z) Vgl. die Sleußerungcii des Matthäus Parts !>ä a. i2ZO. x. 797. 79g. 6) Brief des Papstes vom g. Dc- ccmbcr rosa bey Nainaldus »st a. 1250. §. 2g. 7) solenr h'iisionor in risns- marinis xartiluis xrar^erari. Schrei, bcn des Papstes vom 29. Nov. i2zc> (lll. Deo.) in ^VastäinA cVniuc- los IVIinoium V. III. p. 49g. Dgl, Rainslä. I. e. 298 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIll. Kap. IX. ^25?? auch den Norwegern, welche das Kreuz genommen hätten, die Vollziehung ihres Gelübdes mit der Meerfahrt, die von der Königin Bianca vorbereitet würde, an das Herz zu legen. Diese päpstlichen Ermahnungen waren jedoch ohne Erfolg, da die Grafen von Anjou und Poitiers, als sie nach Frankreich zurückgekehrt waren, den Wunsch ihres Bruders, des Königs Ludwig, seine geringe Macht in Syrien durch zahlreiche nachkommende Pilger verstärkt zu sehen, nicht mit großem Eifer untersuchten ch und den Papst Jnnocenz als einen eigensinnigen, störrischen und habsüchtigen Mann, welcher durch seine leidenschaftliche Verfolgung des Kaisers Friedrich und die Leichtigkeit, mit welcher er für Geld die Kreuzfahrer ihres Gelübdes entbinde, die Rettung des heiligen Landes hinderte, verschrieen, weil derselbe, als sie ihn auf ihrer Rückkehr besucht und ihm gerathen hatten, mir dem Kaiser, als dem einzigen Fürsten, welcher die Ehre ihres Bruders wieder Herstellen und die Saraceneu mit Erfolg bekämpfen könnte, sich zu versöhnen, ihrem Rathe kein Gehör gegeben hatte'). Jnnocenz schadete aber selbst der Wirkung seiner Ermahnungen zur Kreuzfahrt dadurch, daß er über den Tod des Kaisers Friedrich, welcher am iz. De- cember 1250 starb *°), eine unmäßige und frevelhafte Freude M Sie begäbe» sich zwar zu dem Känigc von Euglaud, um im Auf, trage ihres BruLerS dcusclbe» um die Beschleunigung seiner Mcersabrt zu bitten r iVlLtlli. 0 aris aU a. 12 ^ 0 . x. Sozi; nach der Versicherung des Fort- sexerch ron Matibäuü Paris aber c->U a. iezl. l>. gogs: rut toeexil im- lueiuorLS oksieinm 5 nnm ininnmnm , nämlich die Beförderung der Kreuz« fahrt im Allgemeinelk) iiimi» exsv^neliLntnr .ncjlie äistnlernllt ur. nollo snÜ'rugLri viäerontnr. 799 - 6 « 3 - sdsolnrns kl 8entä ». 1250. gl) führt aus viov. vül.ini Historie Isiorentine I.H). VI. 36 (bei) Muratori lr. XIII. x. 180) an, Lag dis Eibellinen, welche damals zu Florenz herrschend waren, in dieser Stadt Freudenfeste anstelltcn, als ste die Nachricht von dem Unglücke deS Königs Ludwig erhielten; und allerdings sagt der florcntinische Geschichtschreiber: Hit not» elw, gu»nclo gnesl» Novell» veno in IstrcnLe si- gnoreggi»„stc> i LItibclini, ne kecero lest» e gisnsti I»Io, Man könnte aber die Nachricht, welche diese Freuds hcrvorbrachie, auf die Betreuung des KönigS von Frankreich beziehen, welche Villani in den unmittelbar vorhergehenden Worten meldet, wogegen jedoch der Zusah: signoreggi»nlio i 6IribeIIini, zu streiten scheint. >6) Mattliaelli r»ris »ä ». ^>. MI. SM. 301 Ludwig IX. zu Casarea. waHut nur zweyer Ritter, welche mit einigem Gefolge zudem Könige nach Cäsarca kamen, des Ritters Alemar von Selingan, welcher sein Schiff aus Norwegen geholt halte und viel Wunderbares von der Natur dieses fernen Landes und den Sitten seiner Bewohner erzählte"), und des Nit» terS Philipp von Touci, eines Verwandten des Königs von Frankreich'2). Ludwig nahm zwar beyde Pannerherren und die neuen Ritter, welche jeder von ihnen mit sich brachte, in seinen Dienst; der Ritter von Touci aber, welcher von Constantinopel kam, wo er einige Zeit wahrend der Abwesenheit des Kaisers Balduin das Reich verwaltet hatte"), kehrte sehr bald wieder nach Romainen zurück. Ludwig verlor jedoch, so ungünstig auch die Aussichten in die Zukunft waren, nicht den Math, und als er die Nachricht erhielt, daß ein Schiff, mit welchem seine Mutter und Brüder ihm im Frühlings des Jahrs 1251 Geld") übersandten, durch 17) Der Ritter Alemar (.^Ion-irr äe Lenaingtin Key Jvinvillc p. 105) erzählte nicht nur von Len langen Tagen und kurzen Nächten in Norwegen sou röaumc äc dlorioc gni csr en la Ln än wonclc vors vocoillcnr! während des Sommers, sondern auch von der dortigen Bärenjagd, an welcher er und seine Ritter Thcil genommen hatten 1 üoinville redet zwar von der Löwcnjagd, aber ohne Zweifel aus Mißverständnis. Die gagd geschah nach der Erzählung der Ritter auf folgende Weise- man ritt gegen das Thier mit der größten Schnelligkeit und schoß dasselbe an; wenn es dann auf seinen Feind losging, so ließ man ein Stück schlechtes Tuch fallen, auf welches sich das Thier sogleich warf, um cs zu zerreißen und zu verschlingen. Dann wurde das Thier wieder angeschossen und jene Lisi wiederholt, so lange bis man cs mit Pfeilen (sajctoe) erlegen konnte. iS) Joinville lv- 10Z. ioü) nennt diesen Ritter dl-ii'gve ldkarjot) cko rooz-, was der Name seines Vaters war. Oie Mutter des Philipp von Touci und Gemahlin des Narjot war eine Tochter des Theodorus BranaS und der Prinzessin Agnes, Schwester des Königs Philipp August von Frankreich, deren erster Gemahl der Kaiser Andronikus Komnenus gcwe- 153. Ducange zu goinvilte i>. 90. 19) OuLango Iltst. äe i' j'.iiiäe (Honst. i>. iz?. So) rcäcmxtioncm Ilcgis, indem j. Cbr l2zi. 302 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IX. 2^5"' «inen Sturm auf dem Meere zerstört worden war, so sprach er: „weder dieses, noch irgend ein anderes Mißgeschick soll mich von der Liebe Christi trennen." Ein treuer, unverdrossener Gefährte und Veystand des Königs Ludwig in allen diesen Verlegenheiten und Widerwärtigkeiten war der Seneschall Joinville. Als um Ostern 1251 die Zeit abgelaufen war, für welche Joinville mit seinen zehn Rittern in den königlichen Dienst sich begeben hatte, und er eines Tages zu dem Könige kam, als gerade der päpstliche Legat in dem königlichen Gemache sich befand: so nahm ihn Ludwig bey Seite und fragte ihn, wieviel er begehrte, um noch bis zu Ostern des nächsten Jahres im königlichen Dienste zu bleiben. „Da ihr/" erwiederte Joinville, „es ungern seht, wenn man etwas von euch begehrt, so will ich jetzt für das folgende Jahr nichts fordern und mit euch einen andern Vertrag machen: ihr mögt nämlich nicht böse werden, wenn ich mir von euch im Laufe des Jahrs erbitte, was mir nöthig ist, und ich will nicht verdrießlich werden, wenn ihr es mir versagt." Ueber diesen Vorschlag lachte der König laut, führte dann den Seneschall zu dem päpstlichen Legaten und den Rittern des königlichen Rathes und erzählte ihnen den Vertrag, über welchen er mit dem Seneschall übereingekommen wäre, und alle waren sehr erfreut darüber, daß der redliche und biedere Joinville noch länger bey ihnen blieb"). Der Seneschall war im Stande, von dem Solde, welchen der König ihn gab, täglich nicht nur seine eigenen zehn Ritter, sondern von der man In Frankreich nicht wußte, Laß es dem Könige gelungen war, die Erlassung der Halste dcS Losegeldes von den Saracenen zu erlangen. Ll-ltlr. Narts aä ». iSZr. x>. Mo. 21) rouioegno, setzt Joinville t i>. 10L) hinzu, je cstoie 1 e xtus riaire llome gut scust eil 1 'osr. 303 L « dwig IX. zu Cäsaren. Schar von fünfzig Rittern, welche unter seinen Befehl ge- ^ stellt war, zehn andere an seiner Tafel zu speisen; er ging aber mit großer Sparsamkeit und Wirthschaftlichkeit zu Werke; im Oktober^) versah er sich mit Schweinen, Hammeln, Mehl und wohl hundert Fässern Wein für den Winter, weil alle Bedürfnisse in Syrien zu sehr hohen Preisen stiegen, sobald das Meer stürmisch wurde, und die Schifffahrt aufhvrte. Den Wein, welcher den Knechten gereicht wurde, ließ der Seneschall mit Wasser stark verdünnen und den Knappen etwas weniger verdünnten Wein zntheilen. An der Tafel des Seneschalls wurde zwar jedem Ritter eine große Flasche Wein vorgesetzt, aber eine Flasche Wasser hinzugestellt, um den Wein nach Belieben zu verdünnen. Ioinville ließ zuerst seinen Leuten den guten Wein reichen und gebrauchte den schlechten, nur dann erst, wenn kein guter Wein mehr vorhanden war. Spater, als er einige Male in den Fall kam, seine Ritterschaft wider die Saracenen auszusenden, so bewirthete er an solchen Tagen seine ganze Schar, wenn sie von dem Kampfe heimkehrte; und an den hohen kirchlichen Festen lud er regelmäßig alle Ritter des Heers zu seiner Tafel, so daß der König an einem solchen Feste Gäste von Ioinville leihen mußte, weil dieser alle diejenigen, welche zu der königlichen Tafel gezogen werden konnten, zu sich geladen hatte. Die Ritter, wenn sie bey dem Seneschall speisten, saßen nicht an einem Tische und auf Stühlen, sondern nach der Sitte des Landes in Einer langen Reihe, einer hinter dem andern und auf einem Teppiche, welcher über den Boden ausgebreitet war. An jedem Tage, sobald die Morgenröthe angebrochen war, las ein Kapellan dem Seneschall die Messe, ein anderer . §hc I2ZI. 12) ce viiil contr« I» kriiit winvMe a. > 1 . O. 304 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IX. Kapellan spater sowohl den eignen Rittern des Seneschalls wie den Rittern der vom Könige ihm anvertrauten Schar; und Joinville begab sich nach der Messe zum Könige und begleitete denselben, wenn er ausritt/"). So gering die Zahl der Ritter und übrigen waffenfähigen Männer war, welche bey dem Könige geblieben waren, so fehlte es doch, während der König mit der Wiederherstellung von Cäsarea sich beschäftigte, weder an Ausbrüchen der Sitlenlvsigkeit, noch an Klagen der Ritter wider einander; und in allen solchen Fällen wurde nach den Gewohnheiten des heiligen Landes verfahren. Ein Ritter wurde in einem Frauenhause entdeckt und ihm die Wahl gegeben, entweder im Hemde von seiner Vnhlerin an einem Stricke, welcher an seiner Scham befestigt werden sollte, durch das Lager geführt zu werden, oder Pferd und Massen zu verlieren; der Ritter wählte das Letztere und verließ das Heer. Als Joinville für einen armen Edelmann seiner Schar um das Pferd dieses Ritters bat, so lehnte der König diese Bitte ab mit der Bemerkung, daß das Pferd wohl »och achtzig Livres werth wäre; worauf Joinville den König an den Vertrag erinnerte, nach welchem der König nicht böse werden dürfte, wenn der Seneschall etwas von ihm begehrte. Ludwig erwiederte zwar lachend: „ich bin ja nicht böse;^ Joinville erhielt aber dennoch nicht das gewünschte Pferd 2 Z) loinville ivg. rog. 24) loinvilto x. log. Matthäus von Westminster (sä a. isZg. eä. lbrancok. r>. zzr ) erzäblt, ohne die näheren Umstände anzugeben, noch ein Beyspicl der Strenge, mit welcher der König Ludwig im heiligen Lande die Vergehen seiner Krieger strafte. Der Sohn eines Ritters wurde nämlich wegen eines Verge- auf Befehl des Königs gehenkt. Hierauf ging der Vater dos gchcngtcn Pilgers zu einem saracenischen Fürsten über und fügte als Abtrünniger den Christen großen Schaden zu (o-ganls aüitis tactus esc axo- otata tormiäaditis)« Ludwig IX. zu Casarea. 305 Da die Ritter solcher Sittenlosigkeit sich ergaben, so ließ^-Ar Joinville, um von sich jeden Verdacht der Unkcuschheit sern zu halten, in seinem Zelte sein Bette also stellen, daß jeder, welcher in das Zelt trat, ihn sehen konnte, wie er schlief, und diese Anordnung behielt er bey, so lange er mit dem Könige Ludwig im heiligen Lande blieb ^). Nicht lange nach diesem Vorfälle wurden die Ritter der Schar des Se- ueschalls Ioiuville auf der Gasellenjagd von den Hospitalitern überfallen, geschlagen und vertrieben. Als Ioiuville deshalb bey dem Meister des Hospitals Klage erhob, so wurden die Ritter, welche diesen Unfug begangen hakten, verurthcilt, so lange auf ihren Mänteln sitzend und nicht an einem hohen Tische zu speisen, bis die Beleidigten sich befriedigt erklären würden. Nachdem sie einige Zeit diese Beschimpfung ertragen hatten, so begab sich Joinville zu dem Meister und legte Fürbitte für jene Ritter ein; der Meister aber gab zur Antwort, daß die bisherige Dauer der Strafe nicht genügte, weil cs nicht geduldet werden könnte, daß die Hospitaliter gegen diejenigen, welche als Pilger nach dem heiligen Lande kamen, Unbill und Gewaltthätigkeit übten; und die Fürbitte des Seneschalls fand nicht eher Gehör, als bis er sich zu den büßenden Ordensbrüdern setzte, mit ihnen aß und erklärte, er würde nicht eher aufstehen, als bis den Brüdern ebenfalls erlaubt würde, sich zu erheben. Dann speisten Joinville und seine Ritter bey dem Meister des Hospitals, und jene Brüder, nachdem ibre Buße für beendigt erklärt war, begaben sich zu den übrigen Brüdern ihres Ordens und aßen mit denselben an einem hohen Tische^). Nicht so bereitwillig war der König selbst. Recht zu üben, da der Seneschall Joinville Klage führte über einen könig- 2 Z) Joinville p. io5. 26) Joinville p. ro6. VII. Bcmr. u Cl,r. I2gl. 306 Geschichte der Kreuzznge. Buch VIII. Kap. IX. lichen Serjanten welcher an einem Ritter seiner Schar sich thätlich vergriffen hatte; denn der König gab zur Antwort, daß diese Klage nicht von Belang wäre, weil der Serjant de» Ritter nur gestoßen hätte. Als aber Joiuville erklärte, daß er nicht im königlichen Dienste bleiben wurde, wenn die Serjanten ungestraft die Ritter schlagen dürften, so erlangte er sein Recht; und der angeklagte Serjant kam nnbcschuht, ohne andere Kleidung als seine Beinkleider und ein entblößtes Schwert tragend in die Herberge des Sene- schalls, kniete vor dem Ritter, welchen er beleidigt hatte, nieder und sprach: „Gnädiger Herr, ich bitte euch deshalb um Verzeihung, daß ich Hand an euch gelegt habe, und ich überreiche euch dieses Schwert, damit ihr die Hand mir abhauen möget, so es euch gefällt." Der beleidigte Ritter gewährte dem Serjanten auf die Fürbitte des Seneschalls Verzeihung Nicht lange hernach gerietst der König Ludwig selbst in Mißhelligkeiten mit den Templern, welche ihren Marschall Hugo von Joy nach Damaskus gesandt und durch dessen Vermittelung mit dem Sultan Malek aunaser einen Vertrag über die Theilung eines bedeutenden Landstrichs geschlossen hatten. Obgleich die Zustimmung des Königs von Frankreich ausdrücklich Vorbehalten war, so nahm Ludwig es doch sehr übel, daß die Templer ohne sein Vorwissen diesen Vertrag verabredet hatten, und daß der Meister der Templer ihm die Bestimmungen desselben nicht eher mittheilte, als nachdem der Marschall Hugo mit einem damas- cenischen Emire, welcher die von dem Sultan vollzogene Urkunde überbrachte, nach Cäsarea zurückgekchrt war. Der König forderte deshalb Gennglhnung, welche auf folgende 27) tzui avoir » N(>,1 lnom) Is Lg) roiiiviUc x. 106. 107. 6ouU>. a. ci. O. Ludwig IX. zu Cäsaren. 307 Weise geleistet wurde. Nachdem Ludwig in seinem Lagern. ?hr. die Tücher von drey Zellen dergestalt hatte ausspanueu lassen, daß sie einem bedeutenden Raum als Obdach dienten, so versammelten sich auf diesem Raume diejenigen, welche zum königlichen Heere gehörten, so viele derselben Lust hatten zu kommen"). Hierauf erschienen der Meister und der ganze Convent der Templer") unbeschuht, und der König von Frankreich, nachdem er dem Meister geboten hatte, vor ihm und dem damascenischen Emire, welcher ebenfalls gegenwärtig war, sich niederzusetzen, richtete au den Meister die Worte: „Meister, ihr habt dem Emire zu sagen, daß ihr es bereuet, ohne mein Vorwissen mit dem Sultan von Damaskus einen Vertrag geschlossen zu haben, gebt dem Botschafter die empfangene Urkunde 3') zurück und erklärt den Sultan für ledig aller von ihm gegen euch übernommenen Verbindlichkeiten." Als dieser Aufforderung Genüge geleistet worden war, so befahl Ludwig den, Meister und allen anwesenden Templern, von ihren Sitzen sich ru erheben, uicderzukuieen und Abbitte zu thun. Hierauf ließ der Meister vor dem Könige sich nieder auf die Kuiee, reichte demselben den Zipfel seines Mantels dar und bat um die Bestimmung der Buße, welche sein Orden zu leisten halte, und Ludwig erwiedcrte: „vor allem fordere ich, daß der Marschall Hugo, welcher den Vertrag mit dem Sultan geschlossen hat, für immer aus dem Reiche Jerusalem verbannt werde." Diese Forderung mußte erfüllt werden, obgleich die Königin Margarethe, der Meister der Templer 29) l'oiir 1e commun. äe 1'ost hui veriir ^ volc. loinville ir. 107. Ao) Die Templer hatten, wie 2 oin- vllle (a. a. O.) bemerkt, ihr abgesondertes Lager (poiirceine leirr lier- derße estoic lioi'L tle 1'osr). Zl) ^es eonvenaiiLe«! eii escripr 1'en mornelo^ (das arab. Wort mis 1 i.il', vgl. Buch vis. Kap. 14 . Anm. Ü4. S. 436). loinv. a. a. O. u 2 308 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. IX. und der Templer Hugo, welcher nicht lange zuvor den jüngsten im Schlosse der Pilger geborenen Sohn des Königs, den Herzog von Alenyon, aus der Taufe gehoben hatte, angelegentliche Fürbitte um die Begnadigung des Marschalls der) dem strengen Könige einlegten. Wahrend der König Ludwig zu Casarea sich aufhielt, kamen auch zu ihm Andreas von Longjnmeau und die übrigen Botschafter zurück, welche er aus Cypern an den großen Chan der Mogolen gesandt hatte; ihre Meldungen waren aber keinesweges befriedigend und den Erwartungen des Königs entsprechend. Ihre Reise von Antiochien bis nach Karakorum, dem Wohnsitze des großen Chans, hatte ein ganzes Jahr gewahrt^), der große Chan Gajuk war, als sie an dem Orte ihrer Bestimmung anlangten, bereits gestorben^), und von der Geneigtheit der Mogolen oder ihrer Fürsten, zum christlichen Glauben sich zu bekennen, welche die Botschafter des Chans Jlschigatai dem Könige Ludwig vorgespiegelt hatten, war keine Spur anzutreffen. Vielmehr betrachtete die damalige Reichsverwcserin Ogul- gaimisch, welche für ihren minderjährigen Sohn die Regierung führte, die Kapelle, Kelche und Meßbücher, welche der König von Frankreich dem Chan Gajuk übersandte, als schuldigen Tribut, ohne von deren Zweck und Bedeutung irgend eine Kenntniß zu nehmen, und zeigte diese Geschenke mir großer Eitelkeit den Vasallen der Mogolen als Beweise Z2) Iniirville p. yI. zz) Vits Innoccnlii IV. in Mnrr- tori Script, rcr. Ital. I-om. III. p. 2. p. 40s. Vgl. Ncmussr IVIc- moire siir Ics rclstions politigues ries xrinces cNircliens »vev los Lin- poreurs IVlongols In den Memoircs äc 1'Inst, lto Vrsncc, lies Irrscr. -r. VI. (I-sris ,g22.) p. ^^7. Nach Zoinvllle erhielten die Gesandte des Königs Ludwig Gebar und Antwort von demselben Chan, an welchen ihr Beglaubigungsschreiben gerichtet war, indem Joinville den Tod des Chans Gajuk nicht meldet. 34 ) Er hiev cüti - Ilci-meir ( Scki- 1'. 44g. Neue Gesund schuft an die Tataren. 309 der Ehrfurcht und Unterwürfigkeit eines ferne» und machti-^Argen Königs, welcher den großen Chan als seinen Herrn anerkenne In diesem Sinne war auch das Antwortschreiben abgcfaßr, welches Andreas von Longjumeau und seine Gefährten überbrachten, und der König Ludwig bereute es daher, wie Joinville versichert, in einen Verkehr mit den Mogolen sich eingelassen zu haben "). Die französischen j Pilger vernahmen indeß mit Erstaunen den Bericht der Bot- ! schafter über das Land und die Sitte» dieses Volks und die Verfassung und Gesetze, welche Dschingischan den Mogolen gegeben hatte, so wie die Fabeln, welche die Botschafter von dem Reiche des Priesters Johann, des östlichen Nachbarn der Mogolen, erzählten ^). So großen Verdruß aber auch dem Könige Ludwig der Berscht erweckt hatte, welcher ihm von Andreas Longjumeau 35) Nach Joinville (p. ioz) rief der Chan (oder eigentlich die Neichsver- weserin) mehrere Könige, welche noch nicht Len Mogolen gehuldigt hatten, zu sich, zeigte ihnen die Kapelle, welche von den französischen Gesandten überbracht worden war, und sprach - „meine Herren, der König von Frankreich hat uns sich unterworfen, und sehet hier den Tribut (le treu), wel- — chen er unS sendet, und wenn ihr und nicht huldigen wollt, so werden wir ihn rufen, damit er euch sirafe (xour vous coukouUie)." Hierauf leisieten mehrere Könige die verlangte Huldigung aus Furcht vor dem Könige von Frankreich. In der oben s Anni. Zg) angeführten vira luuo- ceutii IV. wird (a. a. O.) folgende Nachricht von dem Erfolge dieser Gesandtschaft mitgetheilt: ()uumgue ix-i ml locum, ulü e«ke ciesicsier äictus Ilex pilttarcrum, üe- veuisseut, ipsumllegem Uekuuctum iuveueruut; verum Uegiua er silius ezus, visis et recextis iiususmocli muueribus xreciosis, ipsos Irsrres et omues gui erant LUM eisäem valäe i-onoraveruur et multa rioua et eucenia eis tribueruur, «icgue remis«! lueruut cum Irouore seä uou cum cücvtu Regt I^rsuciae su- xrsliicro. z6) Lt »scltier -, Iciuvilie si. ioz. Nach dem Urtheile von Abel Nemusat (a. a. O- l>. 489) ist der von Joinville mltgetheilte Brief des großen Chans der Mogolen dem damaligen diplomatischen Style des Hoses von Karakorum völlig angemessen. 57) IviuviUe x. gg —icr. 310 Gesch.d. Kreuzz. B.VIII. K.IX. Neue Gesandtschaft:c. ^l-zi^war erstattet worden, so ließ er sich dennoch im Jahrring aufs neue von dem tatarischen Chan Sartach, welcher damals an der Wolga mit einem großen Heere stand, auf dieselbe Weise wie von Jlschigatai tauschen und sandte in der Hoffnung, die vermeintliche christliche Gesinnung jenes Chans zu befestigen und das Volk der Tataren für das Christenthum zu gewinnen, die Franciscaner Ruysbrock oder Rubrnguis und Bartholomäus von Cremona, zwar nicht als Botschafter, aber doch mit Briefen und Geschenken, welche für die tatarischen Fürsten bestimmt waren, sowohl an den Chan Sartach, als an den Hof von Karakorum. Wenn aber auch diese Gesandtschaft durch die trefflichen Beobachtungen und den umständlichen Bericht des Mönches Rubruguis die Kenntnisse der Abendländer von dem Volke und Lande der Tataren oder Mogolen beträchtlich erweiterte, so blieb gleichwohl der eigentliche Zweck' derselben, die Bekehrung der Mogolen, vollkommen unerreicht zgst Itstnalctr snimtes ast 2. 125z. §> 49. und i2Zq. h. s. Sancro- rum Xux. r. V. x. 4^4. 4zz. ^dcl- IZemusat memoire sur Ics relatlons xollrigues lies xrinoes clrretiens svco tes Lmxereurs IVIouxols (diouv. tVIem. 6e v 20. ctes luscr. ce. VI.) x. 44g sg. Der Bericht des Rubru- «niö ist in französischer Uebcrsctzung mchrmalü mitgeiheitt worden, z. B. tn v. NerAerou vo/exes r. I. Ludwig IX. zu Cäsaren. 311 Zehntes Kapitel. 2 )a Ludwig die Ankunft von Verstärkungen and Frankreich wahrend des Sommers 1251 ungeachtet seiner dringenden Bitten um schleunigen Bcystand vergeblich erwartet hatte, und mit einer Zahl von vierzehnhundert Streitern, über welche niemals während seines Aufenthalts im heiligen Lande seine Macht sich erhob keine erfolgreiche Unternehmung ausgeführt werden konnte: so erneuerte Ludwig sowohl durch zwey Abgeordnete, welche er nach Frankreich sandte^), als durch einen Brief, welchen er zu Cäsaren an seinen Bruder, den Grafen Alfons von Poitiers, schrieb, die Aufforderung August an seine Unterthanen, dem Lande des Erlösers und ihrem Könige zu helfen ^). Er schilderte in diesem Briefe die 1e i'Uiö ile Zeus ä armes, nous rr'68- l-ons mrltekois xlus 6.« gualorire eens. goinville pn n2. Oer Hospitaliter Joseph ov„ Cancy glcbt i» dem schon oben erwähnten Schreiben (Maltlraei I-aris ^ästitamenta p. Igz) die Zahl des Heers, mit welchem der König von Frankreich zu Eäsarca sich befand, an zu Rittern, mit Einschluß der geistlichen Ritterorden, und g«> Turkopulcn l compnraris , fügt der Ordensbruder hinzu, centum mi- litidus, «guus Uex kecum noverit aääucere). 2) Bartholomäus, den Capellan des Königs, und einen Nitterkkoicannes ste Oomilnis). Wahrscheinlich überbrach, tcn diese bcpden Botschafter das königliche Schreiben an den Grafen Alfons, weiches auch dem weiter unten erwähnten Convente der Cisiercienser vorgclescn wurde. Z) 2 n I-adde IVIisccliancis x, 6 sü und itt Len K.ctis Sancrurum Lol- lancl. Lugust. 't'. V. x. 432. §. 70z — 312 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. X. 2 Ak-feindseligen Verhältnisse der ägyptischen Emire und des Sultans von Damaskus wider einanderwelche es den Kreuzfahrern möglich gemacht hätten, mit der Wiederherstellung der Stadt Eäsarea in der Nahe des Kriegsschauplatzes der Saraceneu ungestört sich zu beschäftigen und die Verbindung zwischen Eäsarea und Ptolemais offen zu erhalten, dergestalt, daß cs ihnen, ungeachtet einzelner von saraeenischen Piraten verübter Näubereyen, an Lebensmitteln und andern Bedürfnissen niemals gemangelt hätte. Ludwig meldete ferner, daß Anträge zum Frieden und Bündnisse ihm mehrere Male von den Heyden streitenden Partcyen der Saracenen wären gemacht worden, aber bis dahin nicht hätten benutzt werden können, und daß sicherlich ein sehr vortheilhafter Vertrag von den Emiren oder der andern Partey zu erlangen stände, wenn das Heer der Kreuzfahrer schleunigst eine hinlängliche Verstärkung erhalten würde; er bemerkte endlich, daß die baldige Ankunft von zweyhnndert Rittern im heiligen Lande ihn in den Stand setzen würde, von der damaligen Lage der Dinge allen Vortheil zu ziehen. Aber auch dieser Wunsch des Königs blieb unerfüllt. Ein anderes ähn- 708. Dieses Schreiben war datirt zu Eäsarea am n. August (in oiastino 4) Die Ereignisse, welche kurz vor dem Abgänge des königlichen Schreibens in dem Kriege der Saracenen sich begeben batten, waren folgende: Der Emir Fareöeddin Oktan ( lffcres kam nach dem Siege der ägyptischen Emire über den Sultan von DamaScus bei. Abbasah, (s. oben S 2 Sy. Anm. 8s) mit rooo Türken nach Neapolis (guae älstat a Oaesa- rea oiroa xcr »ovem leuoas) und erwartete dort während einiger Zeit die nachkommenden Verstärkungen, um den Angriffskrieg wider den Sultan von DamaScuü und Haleb zu eröffnen. Der Sultan sandte hierauf wider jenen Emir ein Heer, und Oktal, nachdem dieses Heer über den Jordan gegangen war, zog am 2y. Julius I2gt (äie Labbati ^ost Lestum i>. lVla- riic IVIrgüelciuic) nach Gaza sich zurück, weil er es nicht wagte, eine Schlacht mit der überlegenen Zahl seiner Feinde anzunehmcn. Als die Truppen von Damaskus und Haleb auch nach Gaza vordrangen, so floh das Heer des Emirs Oktal durch die Wüste nach Aegypten. Abulfeda erwähnt nicht dieser Ereignisse. Dündniß mit den ägyptischen Emiren. 313 liches Schreiben des Königs, welches ein Abt der Cistercienscr als königlicher Botschafter überbrachte, wurde auf dem gx,Sep,br. wohnlichen Convente dieses Ordens vorgelesen und nicht weiter beachtet ^), und der König Heinrich von England benutzte die päpstliche Ermahnung, welche damals an ihn erging, die von ihm verheißene Mcerfahrt zu vollziehen, oder doch wenigstens seine Unterthancn, welche das Kreuz genommen hätten, nicht an der Erfüllung ihres Gelübdes zu hindern, nur zu Erpressungen wider Juden und Christen Die Befestigung von Casarea war inzwischen mit rastlosem Eifer von dem Könige Ludwig betrieben worden, und nach einer angestrengten Arbeit von Einem Jahre und mehreren Monaten wurde eine sehr feste Burg mit einer trefflichen Mauer und einem tiefe» Graben zum Schutze dieser Stadt vollendet ^). Wahrend dieses langen Aufenthaltes der Pilger zü Casarea wurde der Krieg der ägyptischen les murs a rors er ä l>rereo 1 ies (Brust» wehren mit Zinnen) er äekenses monlr espaisses. Nach der von Nei» naud (Lxlrairs I>. 4yl) mitgetheilten Beschreibung, welche der arabische Geschichtschreiber Makrist von dem durch den heiligen Ludwig erbauten Schlosse von Casarea entwirft: il ses daixnes par les eanx äe 1a iner, les pierres yni avoienr servi a sa oonscrnoiion öraienr exrrömeinenr äures er s'eneliässoienr les mies äans los aurres en lorrne de eroix eo des Sultans von Damaskus mit wechselndem Glücke geführt. Der Sultan von Damaskus wurde zwar, als er in Aegypten eindrang, von den Emiren überwunden und zum Rückzuge gcnöthigt; in Syrien aber behauptete er, da er an Zahl der Truppen den Emiren überlegen war, seine Herrschaft, und die ägyptischen Truppen waren nicht im Stande, ungeachtet ihrer Tapferkeit und der Geschicklichkeit ihrer Anführer, gegen die zahlreichen Scharen des Sultans sich im Felde zu halten; in dieser Lage der Dinge verschmähten es daher die Emire nicht, die Hülfe des Königs von Frankreich zu suchen, so wenig er auch im Stande war, ihnen erhebliche Diensie zu leisten, und es wurde in der M^Ostcrwoche des Jahrs 1252 das Vündniß geschlossen, dessen ^"bereits im achten Kapitel Erwähnung geschehen ist Sobald der Sultan von Damaskus von diesem Bünd-, nisse Kunde erhielt, so ließ er die Stadt Gaza und deren Gebiet durch zahlreiche Scharen besetzen'*), dergestalt, daß es den ägyptischen Emiren unmöglich war, der Verabredung y) Mal. oben Kap. 8. S- agy. Anm. Zy. Nach Joinville (i>, 112) würbe der Sultan von Damascus in der Schlacht bey Abbasah am Kopfe und an der Hand verwundet; Joinville giebl aber dieser Schlacht nicht die richtige chronologische Stellung und erzählt sie so, als ob sie erst um 1253 nach dem Abschlüsse des Bündnisses des Königs von Frankreich und der Emire und während des 'Aufenthalts des Königs Ludwig zu Joppe sich ereignet hätte. 10) Gesch. der Ärcuzz. Buch vm. Kap. 8. S. 284 und Anm. Zi. ir) Nach Joinville (x. 103) durch 4000 Mann, er bemerkt jedoch später lp- rrs), da» das Heer des Sultans, welches von Gaza nach Damascus zurückkchrte, aus 20,20c- Saracenen und 10,200 Beduinen bestand; nach Joseph von Cancp aus iSocxrMann, denen noch eine Verstärkung von 3020 Mann folgte. Nach diesem letzter» Schriftsteller stellte sich die Macht des Sultans von Damascuü auf: ast und die ägyptischen Emire hatten damals über nicht mehr als 6000 oder 7020-Bewaffncte zu gebieten, welche sie nicht alle dem Sultan von Damascuü entgegen stellen konnten, sondern zum Theil zur Mertheidigung von Aegypten gegen die Beduinen und andere einheimische Feinde anwenden mußten. 315 Ludwig IX. zu Joppe. gemäß, mit ihrem minder beträchtlichen Heere in Gaza sich ciuzufinden. Da aber festgesetzt war, daß dieser Vertrag ungültig seyn sollte, wenn entweder der König Ludwig nicht vor der Mitte des Maimonatcs 12^2 nach Joppe käme, oder die Emire innerhalb dieser Frist nicht in Gaza sich emsiellten: so vereitelte der Sultan durch die Besetzung von Gaza auf das Vollkommenste dieses unnatürliche Bündniß "). Weil jedoch die Befestigung von Cäfarea vollendet war, so beschloß Ludwig gleichwohl, nach Joppe sich zu begeben, nm von seiner Seite den Vertrag zu erfüllen"); und die Botschafter der ägyptischen Emire, welche ihn dahin begleiteten, ersuchten ihn daselbst, einen Tag zu bestimmen, an welchem Abgeordnete der Emire mit ihm über die Vollziehung des Vertrags sich besprechen könnten. Der König erfüllte zwar ihr Begehren; die Ankunft der Abgeordneten wurde aber vergeblich erwartet"). Der Graf Johann hatte zum Empfange des Königs von Frankreich auf jeder Zinne der Mauer von Joppe, welche mit nicht weniger als fünfhundert Zinnen versehen war, einen Schild mit seinem Wappen, einem rothen Ankerkrenze im goldenen Felde, und ein Fähnlein aufrichten lassen, so daß die Stadt den heranziehenden Pilgern einen überaus schönen Anblick gewährte; die Pilger bezogen außerhalb der Burg von Joppe ein Lager, I. Chk. I 2 ZI-. » 12) linier. roseplii äe LLN6Z- 1. 0. Vgl. .loinvitle x. 108. IZ) Als der Tag, an welchem Lttd- wig nach Joppe sich begab, wird zwar von Marinas Sanutuü (x.220) der 15. April 1252 bezeichnet; cs geht aber aaü dem Datum dcS Schreibens des Joseph von Cancp !x. 184) hervor, dah cs erst »ach dem ö. Mai -2Z2 geschah. Die Urkunde, durch welche der König dem Seneschal! Joinville zur Belohnung für die im heiligen Lande geleisteten treuen Dienste ein erbliches Geldleben von jährlich 200 Livres Tournois verleibt (Düm. IVIaireile er Orcüni Oiir-inä oolieotio gmpliss. 1°. I. 001.1Z14), ist datirt: iVcniini in oaetris juxta loppv anno Domini IVIOLLr.Il meiise cV^iili, wenn nicht etwa die Jahrzahl unrichtig und IVlOLLI-III zu sexen ist. 14) loiiiville x. ic>8. ic>g. 316 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap.X. I Ckr. welches die am Meere gelegene Burg an der ganzen Land- r?52. feite umgab'*); und Ludwig machte seinen Aufenthalt bey Joppe dadurch nützlich, daß er rings um die alte Burg eine neue erbaute, indem er selbst thäligen Antheil an dieser Arbeit nahm und, um die Vergebung seiner Sünden zu verdienen, auf seinem Rücken oftmals in einem Tragkorbe Steine an den Graben trug"). Diese neue Burg wurde mit drey Thoren, vier festen Mauern, vier und zwanzig Thürmen und einem trefflichen Graben versehen, und die Kosten dieses Baues waren so beträchtlich, daß dem päpstlichen Legaten Odo die Herstellung eines Thors und eines Theils der Mauer, welche er übernommen hatte, nach seiner eigenen Versicherung drcyßig Tausend Livres kostete"). Auch baute Ludwig zu Joppe ein Kloster, welches er mit allen Bedürfnissen reichlich ausstattete und Mönchen des Ordens der W- ' noritcn übergab, und die Kirche dieses Klosters schmückte er mit zehn Altären, deren jeden er mit einem silbernen und vergoldeten Kelche, den nöthigen Meßbüchern, Gewändern und anderen Erfordernissen des Gottesdienstes versah"). Wahrend dieser Beschäftigungen wurde der König erfreut durch die Ankunft des jungen Grafen Johann von En"), welcher mit dem Ritter Arnold von Guines und IZ) loinviUe x. 10g. 16) Le Ro^ ineisnies V vis - je lerinle tairi xorter Ir kole (kalte) L»s Hasses, xonr rvoir ie xrrfian. lainv. a. a. O. Der päpstliche Legat halte nämlich denen/ welche Steins und andere Bedürfnisse zu dem Bau der Mauern und Gräben berbeytra- gen würden, den Ablag vcrl,eigen. Vie äs 8l. Louis xrr te aonkesseur Ne Ir Reine lArrguerire x. Z2l. 17) toinviltv x. il?. ig) Vie äs 8l. Louis xrr le Laut, äc Ir Reine IVlrrg. x. zig. i 9 ) Er war der Sohn des Grafen Alfons von Eu und der Marie, gs- bornen Gräfin von Dreux. Arnold von GuIneL (in den Ausgaben steht tgn^mena oder 6uiinsne) war der nachgeborene Sohn des Grasen Arnold von EuincS und der Beatrix von Vourbourg. Ducange zu Jotn- ville l>. 9t. gz. 317 Ludwig IX. zu Joppe. dessen beyden Brüdern und sechs andern Rittern aus Frankreich im Lager von Joppe eintraf. Ludwig gab dem jungen Grafen die Ritterwürde und nahm sämmtliche zehn Ritter in seinen Dienst. Bald darauf erschien der sechszehnjährige Fürst Woemund der Sechste von Antiochien und Tripolis mit seiner Mutter Lucia und erhielt mit großer Feyerlichkeit das Ritterschwert ebenfalls aus den Händen des Königs Ludwig, worauf er mit Genehmigung desselben, zur Erinnerung an diese ihm gewahrte Gunst, ein neues Wappen annahm, welches aus dem ehemaligen rothen antio- chischen Schilde und dem königlichen französischen Wappen geviertet war. Der Fürst, ein Jüngling von großem Verstände^'), kam eigentlich in der Absicht, in dem Streite, welcher zwischen ihm und seiner Mutter obwaltete, die Vermittelung des Königs von Frankreich sich zu erwirken, und er trug, als der König ihm in Gegenwart seiner Mutter Gehör bewilligte, seine Sache mit vieler Offenheit und Gewandtheit vor. „Es ist wahr," sprach der junge Fürst, „daß ich noch vier Jahre unter der Vormundschaft meiner Mutter stehen muß, es ist aber nicht recht, daß sie die Stadt Antiochien vernachlässigt und dem Verfall preis giebt. Darum gehl meine Bitte dahin, daß ihr meine Mutter bewegen möget, mir Antiochien zu meinem Sitze mit hinlänglichen Einkünften anzuweisen; denn so ich bcy ihr in Tripolis bleiben soll, so kann auch dieses nicht ohne große Kosten geschehen, und diese Kosten werden ohne Nutzen verschwendet." Der König Ludwig nahm auf diese Bitte des jungen Fürsten um so mehr Rücksicht, da die Stadt An- 2o) loiaviNe x. log. IMxo Nla- xon x. vzZ. IVI.iri». Lair. x. 22o. Lucia war die Tochrer des römischen Grafe» Paul, und ibr Bruder war Bischof von Tripolis. Ducange ,u Ioinvillc x. gz. Li) Ongues si ssxe eir/aut ne vi. soiirv. a. a. O. Z. Clir 1252. 318 Geschichte der Krenzzüge« Buch VIII. Kap. X. ^' 252 ? tiochien damals von den Turkomanen, welche zn Casarea sich festgesetzt hatten, so heftig bedrängt wurde, daß sie in der Gefahr schwebte, gänzlich von ihren Einwohnern verlassen zn werden^); Ludwig vermittelte also diesen Streit, und der Fürst Boemund begab sich sofort nach Antiochien, wo er ungeachtet seiner Jugend mit Wachsamkeit und Unerschrockenheit der Vertheidigung seines Fürstenthums sich unterwand. Unter den Begleitern, mit welchen der junge Fürst nach Joppe kam, erweckten besonders.die Aufmerksamkeit der Kreuzfahrer dreh Brüder, fahrende Spielleute aus Großarmeuien die nach Jerusalem zu wallfahrten^gedachten ; und durch die Töne ihrer gekrümmten Hörner, aus welchen sie.die lieblichsten Wohlklange hervorbrüchten, wurden die französischen -Pilger eben so sehr entzückt als mit Erstaunen erfüllt über die Gewandtheit dieser Fremdlinge in künstlichen und gefährlichen Sprüngen/- Nach einiger Zeit wurde dem Könige Ludwig gemeldet, daß der Sultan von Damascus sehr geneigt wäre, ihm sicheres Geleit nach Jerusalem, zur Vollbringung der Wallfahrt an das heilige Grab, zu gewähren; es waren aber die Barone und Ritter, als sie sich versammelt hatten, um diesen Vorschlag in -Erwägung zu ziehen, alle der Meinung, daß es für Len König um so weniger rakhsam wäre, sich in eine solche Gefahr zu begeben, als durch diese Pilgerfahrt der Nutzen des heiligen Landes in keiner Weise beför- 22) LxnstolL losepkL in NI.-rttkL.cL l'-irls rrääLrairi. 71. igZ- 184. 2Z) lroi.8 incncsiriers äc la »rLiräe II^ermerrLe, lolirv. a. 0« O. 24) Li avoLeitt rrois oors äoitt los äes oors lerrr vcrroieitt pririnl Ics visa^es; 1L eiroonnrierr^oi- -cnr .'r eorucr, vdrrs cLcLssicL czrie oe sonr Ics VO12 äcs c^rres (cLxnes) sc ^lirtcitt äc I'esrLrio (1'c.kLN§), cr Ics ^Irrs ^r-ircieirses gue c'esroit nicr- veiltes äs 1 'o>r. loiirv. a. 6 . O. Eben so naio drückt sich Joiiwille über den wunderbaren Sprung auö, wel» chen diese Minsirels auSführten.i. 3t9 Ludwig IX. zu Joppe. dert würde; und Ludwig gab diesem verständigen Narhe^^' Gehör "). Die christlichen Barone und Ritter hegten ein gegründetes Mißtrauen gegen die Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit der Verheißungen des Sultans Male! annascr von Damascns und Haleb; denn seitdem der König von Frankreich ein Vüudniß mit den ägyptischen Emiren geschlossen hatte, so war, ungeachtet dieses Bündniß nicht zur Vollziehung kam, dennoch der Krieg von ihm wider den Sultan so gut als erklärt; und die Kreuzfahrer hatten sogar selbst die Feindseligkeiten eröffnet, indem sie einen damascenischen Emir erschlugen, welcher durch seine Schar das Getreide auf den Acckern einer drey Meilen von Joppe entlegenen Ortschaft abmähcn ließ"), „i>d späterhin der Meister von St. Lazarus einen übel angeordneten Versuch machte, in der Gegend von Namlah eine den Saracenen gehörige Herde zu rauben " Mittlerweile wurden die Umstande sehr bedenklich, als2-Ar. die Saracenen ihrem dreyjährigen Kriege im Frühlinge des Jahres i 2 ?Z unter der Vermittelung des Ehalifen von Bagdad ein Ende machten durch einen Friedcnsvertrag, in welchem der Sultan von Damaskus den ägyptischen Emiren alles westlich vom Jordan gelegene Land von Syrien abtrat und sich nur die östlichen Gegenden vorbehielt "). Da seit diesem Friedensschlüsse die ägyptischen Emire keinen Grund mehr hatten, die ohnmächtigen Kreuzfahrer zu schonen, so sagten sie sich von allen Verbindlichkeiten los, welche sie früher gegen dieselben übernommen 2z) loinv'Ue x. iiü. 2 ») inosl. 1 *. IV. - 6 ) lolnvNIc x. log. aä a. (-»'fangend am 2. Mürz I25Z) I>. .528 — 530 . Vgl. 3olLLvi11e x. n3. 27) ffoinville x. n2. uz. San. x. 220. / 320 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. X. hatten; und der König Ludwig sah sich eben sowohl mit den ägyptischen Emiren als mit dem Sultan von Damaskus in einen Krieg verwickelt, für welchen seine geringen Mittel nicht zurcichten JunluS Die Kreuzfahrer wurden um St. Johannistag in ihrem Lager vor Joppe mehrere Tage durch große Furcht und Besvrgniß beunruhigt, als das Heer des Sultans von Damaskus, welches bisher Gaza und das übrige südliche syrische Gränzland besetzt gehalten halte und in Folge des Friedensschlusses diese Gegend räumte, zwanzig Tausend Türken und zehn Tausend Beduinen stark, vorüberzog und der Stadt Joppe bis auf zwey Meilen sich näherte; und der Meister der Bogenschützen des Königs von Frankreich stand mit seiner Schar drey Tage und drey Nachte an der Straße, auf welcher das saraceuische Heer hcranzog, um die Bewegungen desselben zu beobachten und einen Ueberfall des Lagers der Kreuzfahrer zu verhindern. Als am Feste -4. 2un.St. Johannis der König in seiner Kapelle die Predigt anhörte, trat ein bewaffneter Serjaut des Meisters der Armbrustschützen herein und meldete, daß sein Meister von den Saracenen umringt und von dem Lager vor Joppe abgeschnitten wäre. Der Seneschall Joinville, welcher bey dieser Meldung gegenwärtig war, erbat es sich von dem Könige als eine Gnade, den bedrängten Armbrustschützen helfen zu dürfen; unv als der König vierhundert oder fünfhundert Bewaffnete unter seinen Befehl gestellt hatte, so begab er sich mit denselben an den Ort der Gefahr. Die Saracenen, welche zwischen dem Lager der Kreuzfahrer vor Joppe und der Schar des Meisters der Armbrustschützen eine drohende Stellung eingenommen hatten, zogen sich bey der Annäherung des Sene- 29) loiiiviUe x. »2. Die Saracenen vor Ptolemais. 321 schalls zu einem Emire zurück, welcher mit einer Schar von etwa Tausend Mann auf einer Anhohe der Stellung des Meisters der Armbrusischützen gegenüber stand, und Joinville war hierauf Zeuge eines lebhaften Kampfes der Serjanten und Armbrustschützen wider die Saracenen. Da mittlerweile aber der päpstliche Legat und die im Lager anwesenden syrischen Barone den König Ludwig überzeugten, daß es höchst gefährlich wäre, mit der überlegenen Macht der Saracenen in einen Kampf sich einzulassen und dadurch einen Angriff auf das Lager der Kreuzfahrer herbeyzuführcn so erhielten der Seneschall Joinville sowohl als der Meister der Armbrustschützen den Befehl, schleunigst in das Lager zurückzukehren. Die Saracenen setzten hierauf ihren Marsch fort, ohne einen weitern Angriff wider die Kreuzfahrer zu unternehmen, weil, wie die christlichen Ritter meinten, ihre Pferde nach dem Aufenthalte von einem ganzen Jahre in dem öden und unfruchtbaren Lande von Gaza abgemagert und geschwächt waren Nach einigen Tagen erschien das damascenische Heer vor Ptolemais, und der Befehlshaber desselben ließ Herrn Johann von Jbelin und Arsuf, dem damaligen cyprischen Statthalter des Königreichs Jerusalem^), sagen, daß er 50) 'I'aiiiH gue iious eslious 1ä, Ics Legas (Io Legat) et les Larous stu xaxs Lii estoleut stcmourv ve0 1 e Loz-, stistreut au Loz- gue 11 1 e- soit graut lolie -ni.un II me mctolt cn avanture. loiuv. I>. 114. Zi) loiuville a. <1. O. Z2) LI Signor cLLrsuk cste cra au- cora (im Februar I2Z0) Lallo fiel Leamc lll Hierusalem per cl Le Lcurieo äe Lz-gro clie alltora cra Signor. Lllrro stelle Lssise cic 1 a corte stcl Visooutasto in Lauoianl VII. Band. Legcs dardarorum L. II. p. Joinville bezeichnet ihn lx. 114 1 alS oonueladle äu Lov.uime ste Jerusalem; diesen Titel führt er aber weder in Le» ^.sslses cie lerusalcm und de» lignagcs st'Outremer ( x. 2aü), noch bey Hugo Plagon (x. 7ZL), und Marinus Sanutus. Dgl.Ducange zu Joinville x. 95. Nach Hugo Plagon (a. a. O.) wurde Johann von Arsuf erst im Jahre 1256 cyprischcr Statthalter (dallll) -zu Ptolemais und war in diesem Amte der Nachfolger X Chr. 125;. I, kl,r> » 23 - 322 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIU. Kap. X. die Gärte» der Stadt verwüsten würde, wenn man ihm nicht fünfzig Tausend Byzantien übcrbrachte. Als diese Forderung zurückgewiescn wurde, so näherte sich das saracenische Heer in Schlachtordnung der Mauer der Stadt an der Landseite bis zu der Entfernung eines Armbrustschusses ^), und Johann von Jbelin zog mit der Ritterschaft aus Ptolemais und lagerte sich bcy dem Kirchhofe des heiligen Nikolaus^), um die Garten zu vertheidigen; worauf auch die Serjanten und Armbrustschützen aus der Stadt hcrvorkamcn und ansingen wider die Saraccnen zu kämpfen. Da Johann von Jbelin aber fürchtete, daß dieser Kampf ein schlimmes Ende nehmen mochte, so sandte er den Ritter Johann le Grand aus, um das Fußvolk zurückzuführen. Während der Ritter diesen Befehl vollzog, wurde er von einem türkischen Reiter in saracenischer Sprache zum Kampfe herausgefordert, und er war schon im Begriff, diese Herausforderung anzunehmen, als er zu seiner linken Seite einen Haufen von acht Türken bemerkte, welche herangekommen waren, um Zuschauer dieses Kampfes zu sepn. Er rannte hierauf wider diese Türken, durchbohrte mit seiner Lanze einen derselben dergestalt, daß er todt zur Erde nicdersiürzte, von einem andern Türken empfing er zwar einen Schlag mit dem Schwerte auf seinen Helm, er richtete aber gegen diesen Saracenen einen so geschickten Hieb, daß dessen Turban zu Boden fiel; und dem Streiche, welchen ein dritter wider seine Schulter des Johann von Jbelin/ Grafen von Joppe. . 5Z) I.ors llrenr lor lialailles ran- ßer er s'oii vinäieur tour le Sitdlon w^oro (vgl. Buch VII. Kap. iq. Ans merk. 8 g. S. Loi) ei xres ilc I» vitlc, gne 1'en I rrsieier Vien ä'nn srvale- eine 5 lonr. luinviUo x. 114. Ag) On IVIonI 8aint (teil,in) I.i oii loinv. a. a. O. Der Ritter Johann le Grand wird in dem Texte von Dm cangc lx>. 102) also be,eichnet: nng nc- (Genua). Zerstörung von Sidon. 323 richtete, wich er aus und stieß dem Saracenen sein Schwert in die Seite, worauf demselben der Sabel aus der Hand entfuhr. Nachdem der Ritter Johann diese glänzende Waf- fenthat vor den Augen des Herrn von Jbelin so wie sämmt- licher Frauen von Ptolemais, welche auf der Mauer der Stadt diesen Kampf ansahen, vollbracht hatte, so führte er die Serjanten und Bogenschützen zurück in die Stadt. Bald hernach zog das damascem'sche Heer ab von Ptolemais, nachdem es eine in der Nähe der Stadt liegende Ortschaft verwüstet hatte, und wandte sich nach Sidon, wo ein Meister der Armbrustschützen des Königs von Frankreich, Simon von Montsceliart, mit einer zwar tapfern aber nur geringen Schar sich befand, indem er die Wiederherstellung dieser Stadt begonnen hatte, welche zu der Zeit, als der König Ludwig bey Damiette im Lager stand, von den Truppen des Sultans Ejub war erobert und zerstört worden"). Da Simon von Montsceliart es für unmöglich hielt, die großentheils offene Stadt gegen die überlegene Zahl der Saracenen zu behaupten, so zog er sich mit seiner kleinen Schar in die Burg von Sidon zurück, welche von allen Seiten vom Meere umgeben war und daher vollkommene Sicherheit darbot. Auch gewährte er einer geringen Zahl von Einwohnern der Stadt die Aufnahme in die Burg, welche von sehr unbeträchtlichem Umfange war und eine größere Zahl von Flüchtlingen nicht fassen konnte. Die Sa- raccnen bemächtigten sich hierauf ohne Widerstand des offenen Orts, erschlugen mehr als zwey Tausend christliche Einwohner"), vollendeten die Zerstörung der Stadt und gewannen ZZ) c-lLLlo inxtÄ claur, voearurn Ooe er liecoräsua. Marirnrs Sunurus x>. L20. Vgl. Hugo Plago,, i>. 7ZZ> 3 ü) Im Jahre iaqy. Dschemalevdiu bcy Neinaud x. 4Zz. 37) toinviilc I>. HZ. Nach Hugo Plago,1 und Marinus SanutuL (wel- X2 324 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. X. 2,^"" eine nicht unbeträchtliche Beute, mit welcher, so wie mit vierhundert Gefangenen, sie nach Damascus zurückkehrten. Mittlerweile verließ der König Ludwig, nachdem der von ihm zu Joppe unternommene Bau vollendet war, am Feste »s.Jun.Petri und Pauli 3») sein dortiges Lager, in der Absicht, an dem Wege von Joppe nach Jerusalem auf einer Anhöhe, wo schon in alten Zeiten eine Burg stand ^), em neues Schloß zu erbauen, obwohl die syrischen Barone aus guten Gründen diesen Bau mißbilligten; denn der ausgewahlte Platz war fünf Stunden vom Meere entfernt, es war fast unmöglich, durch das von der überlegenen Macht der Saracenen beherrschte Land mit Sicherheit Lebensmittel zu dem Heere, welches jenen Bau ausführen sollte, zu bringen, und es ließ sich mithin nicht hoffen, daß dieses Werk, welches unter den damaligen Umstanden nicht einmal erheblichen Vortheil darbot, zu Stande gebracht werden konnte. Als die Nachricht von der Zerstörung der Stadt Sidon in das Lager der Kreuzfahrer gelangte s, so baten die syri- chs die Im Texte bemerkte Zahl der Gefangenen angebcn, a. a. O.) betrug die Zahl der zu Sidon gelobtsten Christen mehr als achthundert. Vgl. 6niiielm. Oariior. LPNÜ. Ou- viresrr. t'. V. zz. 469. Vie äo 3 r. Donis xar Io conkesscur sie la reine Marguerice p. ZLg. 33) loinvMe x. 117. 3 y) Joinville bezeichnet (i>. 115) diesen Ort also: UII tertre I» oil ii (i c>r) NN anoicn cbastel LN tcns (tems) Scs ivtLolmbiox. Der Beichtvater der Königin Margaretha (vie sie Sr. I-onis ;>. goZ) redet noch von einer durch den König Ludwig auSgcführ- ten Befestigung von Kaipha (der bekannten am Berge Karmel belegenen Stadt), wovon bey Joinville keine Nachricht sich findet. 40) Nach Joinville (a. a. S.) scheint dis Nachricht von der Verwüstung der Stadt Sidon zu dem Könige Ludwig gelangt zu seyn, als er noch im Lager vor Joppe stand; was aber nicht möglich war, da das Heer von Damascus am St. Johannistage (24. Jun.) noch in der Nähe von Joppe sich befand, und der König schon am 2y. Junius von Joppe abzog; wir müssen daher anehmen, das Ludwig jene Nachricht erst dann erhielt, alS er schon ein anderes Lager in der Nähe des Platzes, wo er eine neue Burg erbauen wollte, bezogen hatte. Uebrigens scheint Joinville an- 325 Zug nach Sidon. scheu Barone de» König dringend, den Bau der neuen Burg aufzugeben und lieber jene verwüstete Stadt wiederherzustel- len; und Ludwig gewährte dieser Bitte um so li^cr geneigtes Gehör, als ihn jene Nachricht heftig betrübt hatte "*). Am Abende deS Tages aber, an welchem er vor der festen Burg Arsuf anlangte und daselbst sein Nachtlager nahm, berief er die Barone zu einem Kriegsrathe und machte ihnen den Vorschlag, die benachbarte Stadt Neapolis ") zu erobern; Ludwig gab jedoch diesen Gedanken auf, als die Hospitaliter und Tempelherren zwar seinem Vorschläge bcypflichteten, aber der Meinung waren, daß der König von Frankreich selbst dieser Unternehmung sich nicht unterwiilden dürfte, weil das Land verloren seyn würde, wenn dem Könige ein Mißgeschick begegnete. Der König zog hierauf mit seinen Julius Waffengefährten nach Ptolemais und übernachtete auch dort in einem Lager außerhalb der Stadt. Es begab sich, daß gerade an dem Tage, an welchem der König vor Ptolemais anlangte, daselbst eine große Zahl armenischer Pilger eintraf, welche vermittelst eines beträchtlichen Tributs von dem Sultan von Damaskus die Erlaubuiß, nach Jerusalem zu wallfahrten, sich verschafft hatten"). Diese Pilger, als sie hörten, daß der Seneschall Joinville der vertrauteste Rath des Königs von Frankreich wäre, sandten zu demselben den Dolmetscher""), welchen sie mit sich führten, und ließen ihn bitten, zudeuten, daß der König noch an dem Tage St. Peter und Paul nach Arsuf gelangte und daselbst Die folgende Nacht zubrachte. 41) Io irozl' ees riouvel- los, morrlt en eorrrorieiö so riineu- äer le xeust (ctuoigu'il psfr Ploir reparer cettv xerte). 3oinv. a. a. O. 42) citö äos LarruLins ciuo «rr (oir) L^iölo Maxies luc^uel eito los snoiennes oserixt^ros axxöleut Samarie. loinv. x. n?. 43) Oec König von Armenien war Im Jahre 1253 auch im Frieden mit dem Sultan von Jkon'.um. ^oseplii. äe in IVlattliLel x. rZ3. 44) r7» latinier gut ^arloir lor iLnxsgje et le nostre. 3oinv. "t'.. 326 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. X. 2. Tbc. IM. daß er die Erlaubniß, den König zu sehen, ihnen erwirken möchte. Der Seneschall erfüllte gern ihre Bitte, begab sich zn dem Könige/ welchen er in seinem Zelte auf dem Boden <") ohne Teppich sitzend und an der Zeltstange gelehnt antraf/ und sprach zu ihm: „Gnädigster Herr, es ist draußen viel Volk aus Großarmenien, welches mich gebeten hat, ihnen den heiligen König zu zeigen; ich für meinen Theil möchte jedoch noch nicht eure Gebeine als Reliquien küssen." Ludwig lachte laut über diese Rede und gebot/ die Leute zu holen. Sie bewiesen dem Könige große Ehrerbietung und empfahlen ihn dem Schutze Gottes, was der König erwie- derte. Am folgenden Tage gelangte der König Ludwig nach dem Bergpasse Passepoulain wo sehr vorzügliches Wasser sich findet, welches damals zur Bewässerung von Zuckerpflanzungen benutzt wurde *?). Dort machte dem Seneschall Join- ville einer seiner Ritter großen Verdruß. Als nämlich der Ritter, welcher an diesem anmuthigen Orte die Herberge des Seneschalls besorgt hatte, die scherzhafte Aeußerung sich erlaubte, daß er seinem Herrn eine bessere Herberge ausgewählt'hätte, als die gestrige auf dem öden Sande von Pto- lemais gewesen wäre, so fühlte sich dadurch ein anderer Ritter, welcher das Nachtlager des Seneschalls vor Ptole- mais angeordnet hatte, so sehr beleidigt, daß er jenen Ritter bey den Haaren packte. Der Seneschall aber ließ diese Unanständigkeit nicht ungeahndet, sondern schlug den empfindlichen und jähzornigen Ritter mit der Faust so derb zwischen die Schultern, daß er von seinem Gegner abließ. Hierauf sprach Joinville zu jenem Ritter: „Hinweg von 48 ) vu sadlon. loinv. a. a. O. 46) 2ol»v>llc a. a. O. Vgl- Gesch. der Krcuzz. Buch VII. Kap. iS, S. L4>. Amn. 87-, 47) roiavUIe <1, a, O. Kampf wider die Sara eenen bey Paneas. '327 mir; so wahr mir Gott hilft, so sollst du nicht langer bcy^^ff mir seyn." Der Ritter, welchen diese Verstoßung aus dem Dienste des Seneschalls sehr betrübte, bereute zwar seine Uebereilung und verschaffte sich die Fürsprache des königlichen Connetable Aegidius le Brun; der Seneschall aber erklärte, daß er den verstoßenen Ritter unter keiner andern Bedingung wieder in seinen Dienst aufnehmen könnte, als wenn der von ihm ausgesprochene Schwur durch den päpstlichen Legaten aufgehoben würde, und der päpstliche Legat, welcher deshalb angesprochen wurde, erwiederte, daß er von einem vernünftigen Schwure nicht entbinden könnte; denn der Ritter hatte das vollkommen verdient, was ihm widerfahren wäre * 2 ). Als der König an dem nächstfolgenden Tage bey Tyrus 2 u„us sich gelagert hatte, so berief er die Barone zu einem Kriegs- rathe, in welchem er die Frage aufwarf, ob es nicht rath- sam wäre, daß er die etwa Zwölf Stunden von Tyrus entlegene Stadt Paneas oder Cäsarea Philippi "?) eroberte, bevor er nach Sidon sich begäbe. Die Barone waren zwar der Meinung, daß diese Unternehmung eben so ausführbar als vortheilhaft wäre, sie gaben aber dem Könige auch dieses Mal eben so wie in der Verhandlung wegen der Eroberung von Neapoliö den Rath, für seine Person an dieser gefährlichen Heerfahrt keinen Theil zu nehmen; und Ludwig befolgte diesen Rath nach langem Widerstreben. Während 48 ) Ioinville macht dazu die Nutzanwendung: Lc acs eliosss vons inostr« - je, xourssgiis voii8 von» garclss äs tlrirs serciuerir -zue ir IIS aonvisAiie Faire ziar reeon; aar es 49) Wo» Ioinville (x. ns. iig) wird diese Stadt Velinas genannt mit dem Zusatze: et l'axxsls l'üssriziturs aiislsinis OvLaire - l?1iillzi(is. Die Stadt aber, welche von den Schriftstellern der Kreuzzüge hin und wieder Val^nia oder Vrlcilir (Valerias) genannt wird, ist die Stadt Balanea (bey Abulfeda rab. Sxr> x. roS Lala- Iiias), welche ebenfalls oft durch den Namen BaniaS oder PaneaS bezejch- 328 Geschichte deo Kocuzzüge. Buch VIII. Kap. X. dtt König den Zug nach Sidon fortsetzte, unternahmen der Connetable Aegidius le Brun mit der königlichen Ritterschar, der königliche Kammerherr Peter und der Graf von En, so wie Philipp von Montfort, damaliger Herr von Tyrus und die Meister der Templer und Hospitaliter mit ihren Ritterschaften ^ die beschlossene Heerfahrt nach Paneas; auch der Seneschall von Joinville, obgleich die ihm übergebene Ritterschar Hey dem Könige blieb, und Gottfried von Sergines schlossen der königlichen Ritterschar sich an. Die Rilter verließen gegen Abend das Lager des Königs bey Tyrus, und nachdem sie die ganze Nacht hindurch geritten waren, so erblickten sie in der Frühe des Morgens die Ebene, in welcher die Stadt Paneas mit ihrer festen Burg Sabi- bah liegt, so wie die bcyden Bäche, welche diese Ebene durchstießen und nach ihrer Vereinigung in der Nahe von Paneas den heiligen Jordanstuß bilden "). Nach ihrer Ge- nct wird. Vgl. Gcsch. der Kreuzzüge Buch v. Kap. 6. S. 237. Anm. za. So) Er halte sich< nachdem er nach Syrien gekommen war/ mit Maria, der Tochter des Fürsten Nupinus von Toron, vermählt. Liguagcs st'Ou- ticmcr all. 12. Vgl. Hist, ste Lau- gucstoo D. III. x. 47g. Ai) i-ttt oouveur. loiuv. a. 6. O. Nch Joinville bemerkt, dag damals seine Schar, welche früher aus fünfzig Rittern bestand (s. oben Kap. y. S. zog), nur vierzig Ritter zählte. 83 ) „Das Schlök," sagt Joinville lx. 120), „welches oberhalb der Stadt am Berge Libanon liegt, Hecht 8ul>- eibe (Zaiüball, f. ^.bulkestae Labula Sz-riae est. Ivüliler 9. 96) und ist lvohl eilte halbe Melle (lioue) von derselben entfernt; das Erdreich (teilte), auf welchem man zu dem Schlosse heransteigt, ist mit Felsen angefüllt (xcuxle äe grosses rociics russi oomiue 1 iIlugos)." Nach Burck- hardt t Lravels iit Sz-ria allst lile Not)' laust, Laust. Ig22. 4. x. Z7), welcher selbst die jetzt verfallene Burg von Paneas besuchte, liegt sie auf einem Gipfel des Berges Hisch lllciscii, so heistt der Berg, an dessen Fug das jetzige Dorf Vanias sich befindet) in der Entfernung von 1 V4 Stunde von PaneaS. Nach -dem Nrtheile Abulfe- da's, welches auch von Burckhardt bestätigt wird, war diese Burg damals sehr fest. Ueber die Lage von Paneas vgl. noch LoaoaLo vesor. ok rllo Last (Laust. 1745 kol.) L. II. x. 20a. Z4> „An der nordöstliche» Seite des Dorfes (Banias)," sagt Burckhardt il>. 38 ), „ ist die Quelle dcS Flusses Kampf wider die Saracenen bei) Paiieas. 329 wolmheit sandten die Ritter die Scrjanten voraus, um den 2^ Ehr. Angriff zu eröffnen, und die Ritter selbst ordneten sich in vier Scharen: die Templer, welche eine Schar bildeten, wurden angewiesen, ans dem Wege, auf welchem die Ritter gekommen waren, in gerader Richtung die Stadt Paneas anzugreifen; die königliche Ritterschar nebst dem Grafen von En und dessen Ritterschaft so wie den übrigen Rittern, welche dieser Schar sich angeschlossen hatten, übernahm den Angriff von der Seite des Berges zwischen der Burg und der Mauer der Stadt, ihr zur linken stellte sich die Schar der syrischen Ritter und zur rechten Hand die Schar der Hospitaliter. Diese Unternehmung war jedoch schwieriger, als die Ritter erwartet hatten. Die Serjanten drangen zwar in die Stadt ein, wurden aber wieder herausgeworfen, bevor die Ritter ihnen zu Hülfe kommen konnten. Als Joinville dieses wahrnahm, so begab er sich zu den Leuten des Grafen von Eu und ermunterte sie, den Angriff an der Seite, welche ihnen und der königlichen Schar zugewieseu war, zu beschleunigen. Diese Aufmunterung fand zwar" Gehör, es war aber mühsam und gefährlich, auf den Berg zu gelangen; denn der Abhang war so steil, daß die Pferde ihn nur mit Mühe zu erklimmen vermochten, drey trockene Banias, welcher In den Jordan- in der Entfernung von i */2 Stunde in der unterhalb gelegenen Ebene, sich ergießt. " ,,Man sagte mir," berichtet Burckhardt ferner lx. 43 ), „dag der alte Name des Flusses von Pa- neaS Dschur war, woraus vermittelst Bevfugung von Dan der Name Jordan entstand." Dan ist nämlich der Name LeS Jordans bey feinem Ursprünge (ii/4 Meile nordöstlich) in der Nähe von Paneas (LliroiUisrstt 1>. 42). Ganz übereinstimmend Ioin- ville k I>. Itg): Ln oele cir<- sourt ririe follteliiile gue Von iixxelc.!our et eiiilli les xlsliliie» glll sollt äc- vailt Is eite, sourc une surre ties- Ileto siollteiilire gur est sxxelee Osii; or est sliisr gue gusilt ecs äelix rusi ( rlilsseslix ) ste ees steux soilteiililes viellireilt ellseillilie, ee sxxöle 1'eir le Leuve ste Zouräsi» tä oir Oieli ln Ilsxtl^le. LZ) Ist tcrrier l d. i. tes tlsrons sie ls terre oll stu xsxs). Zoillvitte a. a. O. 330 Geschichte der Krenzzüge. Buch VIII. Kap.X. ^ 2 sz? Doppelmauern waren zu übersteigen, und eine große Menge von Türken vertheidigte den Platz, welchen die Ritter besetzen sollten. Joinville aber ließ sich durch alle diese Schwierigkeiten nicht abschrecken, sondern erklärte, daß er die Türken angreisen und den Serjanten, welche von neuem die Mauer von Paneas berennten, zu Hülfe kommen würde, weil es befohlen wäre, von jenen Plätzen her die Stadt zu beren- nen, und ritt mit zwey seiner Ritter, welche ihn auf dieser Heerfahrt begleiteten, der übrigen Schar voran. Da der Seneschall sah, wie ein Serjant zu Pferde, welcher im Begriff war, in die Stadt einzudringen, auf dem felsigen Boden dergestalt stürzte, daß sein Pferd auf ihn fiel: so stieg er selbst von seinem Schlachtrosse und führte dasselbe am Zügel. Die Türken erwarteten aber nicht den Angriff der königlichen Ritterschar, sondern verließen den von ihnen bis dahin vertheidigtcn Platz, von welchem ein in den Fels gehauener Weg zu der Stadt führte; worauf auch die Stadt von den Saracenen, welche dieselbe vertheidigtcn, verlassen wurde. Diese glückliche Wendung des Kampfes verleitete einige Ritter des deutschen Ordens, welche in der Schar des Grafen von Eu stritten, zu einer großen Ueber- eilung, indem sie wider den Rath des Seneschalls von Joinville die Türken, welche nach der auf der Höhe des Berges gelegenen Burg sich zurückzogen, auf dem steilen und felsigen Boden verfolgten; auch verleiteten sie die beyden Ritter des Seneschalls zu derselben Unbesonnenheit. Diese ungestümen Ritter wurden bald inne, daß sie eine große Thorhcit begingen; denn die Türken hemmten nach ihrer gewohnten Weise sehr bald ihre Flucht, bedienten sich, da ihre höhere Stellung ihnen großen Vortheil gewährte, ihrer eisernen Keulen mit furchtbarer Wirkung, rissen die Decken von den Schlachtrossen ihrer Feinde und trafen, als die Ritter in Kampf widcr die Saracenen bey Paneas. 331 verwirrter Flucht sich zu retten suchten, mit einem Armbrust- pfeile einen der bcyden Begleiter des Seneschalls Joinville, Herrn Johann von Bussey, dergestalt, daß er vor dem Serieschall todt zu Boden stürzte. Joinville war so entrüstet über die Unbesonnenheit jener Ritter, daß er Herrn Hugo von Escoz, dem Oheime des getödteten Johann von Bussey, einem sonst tapfer» Ritter, welcher bis dahin im heiligen Lande sehr rühmlich sich betragen hatte, dieses Mal aber durch die ungestüme Hastigkeit der deutschen Ritter fortge- riffen war, als derselbe ihn um seinen Beystand bat, um den Leichnam seines Neffen fortzuschaffen, erwiederte: „Ehrlos würde derjenige seyn, welcher euch Beystand leisten würde, da ihr ohne meinen Befehl euern Posten verlassen habt, ihr habt vollkommen euer Mißgeschick verdient, werft selbst euren Neffen auf den Mist, ich bleibe auf meinem Platze." Die Serjanten zu Fuß, welche bey Joinville sich befanden, wurden durch die unrühmliche Flucht der deutschen Ritter so geschreckt, daß sie auf die Flucht dachten, obgleich der Meister der Templer zum Beystande herbeyeilte, welcher nur einen Armbrustschuß entfernt war, als dieses Mißgeschick sich ereignete; Joinville aber erklärte, daß er jeden, welcher seinen Posten verließe, aus dem königlichen Dienste jagen würde; und als die Serjanten erwiederten, daß den Rittern es ein Leichtes wäre, furchtlos zu seyn, da sie Pferde hätten, um der Gefahr sich schnell zu entziehen: so schickte der Seneschall sein Roß zu der Schar der Templer und blieb zu Fuß bey den Serjanten. Der Seneschall Joinville wurde jedoch bald aus der schlimmen Lage, in welche er gerathen war, errettet. Als der tapfere Ritter Johann von Valenciennes hörte, daß der Seneschall in großer Gefahr schwebte, so begab er sich zu Llivier de Termes und den übrigen Rittern aus Langue- 332 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. X. 2- Ehr 1 - 55 -, . doc") und forderte sie auf im Namen des Königs von Frankreich, gemeinschaftlich mit ihm den Seneschall zu suchen. Der Ritter Wilhelm von Beaumont machte zwar die Einwendung, daß alle Mühe vergeblich seyn würde, weil der Seneschall nicht mehr am Leben wäre; Johann von Valen- ciennes aber erwiederte: „er mag todt seyn oder lebendig, so muß ich über ihn Nachricht dem Könige bringen." Der Ritter Johann begab sich hierauf, begleitet von Olivier de Termes, zu dem Seneschall, und Olivier gab folgenden verständigen Rath: „ So ihr auf demselbigen Wege hcrabstei- gen werdet, auf welchem ihr gekommen seyd, so werdet ihr in große Gefahr gerathen; denn die Türken werden es nicht unterlassen, euch zu verfolgen. Deshalb ist mein Rath, die Straße nach Damascus einzuschlagen, was bey den Sara- ceneu die Meinung bewirken wird, daß es unsere Absicht sey, ihnen in den Rücken zu fallen. Sobald wir die Ebene erreicht haben werden, so müssen wir im schnellen Laufe die Stadt umreiten und über den Bach gehen, bevor die Feinde uns Nachkommen; und es wird uns die Gelegenheit sich darbieten, das auf dem Felde liegende geschnittene Getreide zu verbrennen und dadurch den Heiden großen Schaden zuzufügen." Dieser Rath wurde befolgt, und die in Vorschlag gebrachte Verbrennung des Getreides ausgeführt, und Join- ville erreichte glücklich mit seinen Begleitern das Lager seiner übrigen Waffengefährten, welche, keine weitere Gefahr befürchtend, schon sich entwaffnet hatten. Da die Ritter einsahen, daß ein längerer Aufenthalt bey Paneas gefahrvoll Z6) Orxitsiircs üo Ir Tortelainge. loinville x. i 2 i. lieber Olivier Ls Termes, welcher im Jahre LaS Kreuz genommen und versprochen haue, vier Ritter und zwanzig Armbrustschützen für Len Dienst des Kö» nigS Ludwig im heiligen Lande auf eigene Kosten zu unterhalten s. His- roire äo I,siiguestoL "0. III. I>. 45Z- Ludwig IX. zu Sidon. 333 war, ohne irgend einen Nutzen zu gewahren, indem die^Ar. Stadt ohne den Besitz der sehr festen und fast unzugänglichen Burg nicht behauptet werden konnte, so begaben sie sich am folgenden Tage nach Sidon. Sie fanden zu Sidon den König beschäftigt mit der Julius Beerdigung der von den Saracenen vor wenigen Wochen erschlagenen Christen, indem er, um seine Leute zu ermuntern, in eigener Person an dieser abschreckenden Arbeit Theil nahm und die bereits in Verwesung übergegangenen Leichname zu den Gräbern trug Auch hatte Ludwig schon von allen Seiten her Arbeiter versammelt, um die Stadt Sidon mit hohen Mauern und großen Thürmen zu befestigen, und mit zuvorkommender Aufmerksamkeit Lagerplätze für die von Paneas nachkommenden Ritter ausgewählt. Dem Seneschall Joinville hatte der König einen Platz in der Nähe der Herberge des Grafen von Eu angewiesen, weil er wußte, daß der Graf die Unterhaltung des Seneschalls sehr liebte; der Graf von En war aber ein muthwilliger Jüngling, welcher dem ernsthaften Seneschall manchen Possen spielte. Da die Thür des Speisesaales, welchen Joinville sich erbaute, der Thür der Herberge des Grafen von Eu gegenüber lag: so schoß der muthwillige Graf, wenn der Seneschall und dessen Ritter bey offener Thür speisten, mit einer kleinen Armbrust dergestalt auf die Tafel, daß die Schüsseln und Gläser zertrümmert wurden, und eines 57) loinville x. 121. Oriilrclm. tlzruot. ax>. Oriolresn. "r. V. p. 469, 6rril. cio iditl. Z60. Vgl. Vi« äo 8t. toiij- lo ooirfessenr äe la Reine IVliignerite 9. Zg 4 . ZZL, wo »och manche Einzelheiten über tiefe Selbstverläugnung deü Königs berichtet werben, so wie auch, vag ber Erzbischof von TvruS, obgleich er und der Bischof von Damiette und ein anderer Bischof mit ihren Kleidern die Nasen sich zugestopft hatten, an den Wirkungen der verpesteten Luft nach wenigen Tagen starb. Oer Erzbischof erhielt den Bischof Aegidius von Damiette zum Nachfolger. Vgl. Hugo Plagon x. 73L. 334 Geschichte der Krcuzzügc. Duck, VIII. Kap. X. Tages ließ er auf deu Hühnerhof des Seneschalls eine Gaus laufen, welche ein Dutzend Hühner und Kapaunen zu Tode biß, ehe die Wärterin des Hofes hcrbepkam und mit ihrer Schürze die bissige Gans hinwegscheuchte "). So wie Joinville durch seine heitere Laune und erprobte Biederkeit die Zuneigung aller seiner Waffengefährtcn gewonnen hatte, so wurde er auch täglich unentbehrlicher seinem Könige, welcher noch im Lager vor Joppe die treuen Dienste, welche ihm der Seneschall während der Mcerfahrt geleistet hatte, durch die Verleihung eines erblichen Geldlehens von jährlich zweyhundcrt Livres Tournois belohnte Joinville erheiterte nicht nur dem Könige manche trübe Stunde durch muntere Unterhaltung, sondern war mit aufmerksamer, selbst ängstlicher Sorgfalt darauf bedacht, jeden Unfall von seinem Herrn, welchem er mit der treuesten Anhänglichkeit zugethan war, fern zu halten. Als der Scne- schall eines Tages nach der Messe auf einem Ritte in der Umgegend von Sidon den König begleitete, so kamen sie zu einer kleinen Kirche, in welcher gerade ein Priester Messe las, und da Ludwig der Meinung war, daß diese Kirche auf dein Platze, wo nach der Erzählung des Evangelisten Matthäus der Heiland den Teufel aus der Tochter des kana- näischcn Weibes ausgetricben hatte, zum Gedächtnisse dieses Wunders erbaut worden sey, so traten sie in diese Kirche ein, um der heiligen Handlung beyzuwohnen. Weil aber der Geistliche, welcher bep dieser Messe diente, ein großer, schwarzer und magerer Mann und überhaupt von widerwärtigem Aeußern war, so gab Joinville es nicht zu, daß 53) loinvillc 122 1 c vous «on- lcrai, also beginnt Joinville diese Erzählung, Ics jene gnc 1 c vontc ( 1 'Lti iwu» lcsoit. Zy) S. oben. Anm. iz. S. 3 >S. üo) Matth. XV. 2i — sg. Ludwig IX. zu Sidon. 335 dieser Geistliche dem Könige den Friedenskuß ertheitte, weil' er besorgte, derselbe mochte ein Assassüie scyn und die Gelegenheit wahrnehmen, den König zu ermorden; sondern er selbst nahm von diesem ihm verdächtigen Geistlichen den Friedenskuß und brachte ihn dem Könige. Als sie wieder zu Pferde gestiegen waren, so begegneten sie dem päpstlichen Legaten, zu welchem der König sprach: „ich muß mich sehr beklagen über den Scneschall, welcher dem armen Geistlichen nicht erlaubt hat, mir den Friedenskuß zu bringen;" und der Legat, als ihm Joinville die Ursache seines Verfahrens erklärt hatte, crwiederte: „der Sencschall hat recht gethan." „Das hat er nicht," fiel Ludwig ein, „denn erbat so heftig mit dem Geistlichen sich gezankt, daß ich darüber nicht zum Frieden kam." Wahrend der Wiederherstellung von Sidon erhielt der König wiederum einen Beweis der hohen Achtung, in welcher er selbst bey fernen Völkern stand; denn es erschienen Gesandte des Kaisers Emannel Komnenns von Trapeznnt^), welche mancherlei) Kleinodien und künstlich gearbeitete Armbrüste von Horn als Geschenke übcrbrachten und für ihren Herrn, welcher nach dem Tode seiner zweyten Gemahlin von neuem Wittwer war, um eine Tochter des Königs von Frankreich warben. Ludwig aber gab zur Antwort, daß er keine mannbare Tochter mit sich nach dem heiligen Lande gebracht hätte, und ertheilte dem Kaiser von Trape- zunt den Rath, um eine Verwandte des Kaisers Balduin von Konstantinopel zn werben. Bey diesem Rathe hatte der König, wie Joinville versichert, die Absicht, dem Kaiser Balduin, seinem Vetter, die Freundschaft des Kaisers von z. Chr. 1 - 23 . üi) I.0S Messages 2 NN graitt sei- nie (Lommeninos) er sire Ne Ira xncnr äe I- xar0oitcie 6recc, Icy»cl kentesi. 3oi,iviNe x. 123. sc üaisoit axxeler ie graut (iomme- I. Ehr. --Z3. 336 Geschichte der Kre 11 zzi'ige. DuchVlll. Kap. X. Trapeznnt und dessen Veystand gegen den mächtigen Kaiser Johannes Vatatzes von Nicäa zu verschaffen; dieser Rath wurde aber nicht befolgt, und der Kaiser Emanuel Komne- nus erkohr zu seiner dritten Gemahlin eine Prinzessin aus Jberien "). Nicht lange nach der Abreise dieser Gesandtschaft kam die Königin Margaretha, welche zu Joppe zurückgeblieben und des dritten Kindes, welches sie ihrem Gemahle während der Meerfahrt schenkte, ihrer Tochter Blanca, genesen war, zu Schiffe nach Sidon; und Joinville, als er ihre Ankunft erfuhr, ging ihr entgegen und führte sie zur königlichen Herberge. Mit großem Wohlgefallen bemerkte der Seueschall, daß der König, welchen er in der Kapelle antraf, als er ihm die Ankunft seiner Gemahlin meldete, dieses Mal sehr angelegentlich nach dem Befinden seiner Gemahlin und der Kinder sich erkundigte; denn bis dahin hatLe Ludwig wahrend der fünf Jahre, in welchen der Seneschall beständig um ihn gewesen war, gegen denselben niemals weder der Königin noch der Kinder gedacht"). Auch während des Sommers irzz erwartete Ludwig vergeblich die Ankunft von Verstärkungen aus dem Abendlande, obgleich weder er selbst cs an Ermahnungen und Bitten um Hülfe, welche er an seine Unterthanen sowohl als an den König Heinrich von England richtete, hatte fehlen lassen"), noch der Papst Jnnocenz es versäumt hatte, die 62) Dgl. I, E. Fallmerayer, Essch. deS Kaiserth. von Trapezunt S. 132. 63) Lt oe ri'estoir xas Nonne IIIL- niere, setzt Joinville (x. 124) hinzu, eetranAe äe sa sennne et äe ses cn/Lns. 64) Nach einer von Matthäus Paris c »ä L. I2Z2. x. 833. 834 ) mitgc- tbeilten Nachricht bot der König Ludwig schon im Jahre 1:52 dem Könige von England dis Abtretung der Normandie und aller übrigen streitigen Länder an für den Fall, dag der König von England die verheißene Meerfahrt vollziehen würde, Dieser Antrag erregte aber den heftigsten Unwillen bey den französischen Da- Ludwig IX. zu Sidoii. ZZ7 Ermahnungen und Bitten des Königs von Frankreich zu untersuchen, die Könige Heinrich von England und Hako von Norwegen zur Ausführung der verheißenen Kreuzfahrt zu ermunrern und in Frankreich Krenzprevigten anzuord- ueu "). Außer der Königin Vlanca, welche gern ihrem Sohne Hülfe gesandt hatte, wenn es ihr möglich gewesen wäre, nahm fast kein anderer das Schicksal des Königs Ludwig zu Herzen als der Abt Wilhelm von St. Denys, welcher im März 125z ein Schiff mit Kleidern verschiedener Art, Geflügel und Käse befrachtete und mit demselben zwey Klosterbrüder zu dem Könige nach dem heiligen Lande sandte, woher sie um Weihnachten desselben Jahrs nach St. Denys zurückkehrten"). Joinville erwähnt keines andern Ritters, ronen sowohl als dein Volke. (Ipso tempore ooepit iromen Ile^is eornm non mediocriter io Ilegno sine eornnr oonsensn praesumsisset, si cidcm ekücacircr er potenter snd- veniret, Maxime oum tencrctitr ntpote ornoesignatns. ) Sie erklärte» mit einem schrecklichen Schwure, dass der König von England zu der Normandie nicht anders als durch die Spitzen von Tausend Lanzen und über deren Splitter und durch eben so viele Schwerter würde gelangen können. Auch die Brüder des Königs Ludwig, die Grafen von Poitou und vii. Band. Provence, waren sehr aufgebracht über diesen Antrag (eoepernnt eriam Iratres ejus, videlioor I'iotavi.io et 1'rovinoiae oomires, ipsnm spernere xromissnm ipsi liegt pracstolanti oonkcrre dcnegarnnt). Be!> andern Schriftstellern findet sich keine Erwähnung jenes von dem Könige Ludwig dem Könige von England gemachten Antrages, von welchem der König Heinrich seinen Baronen schon in einer Berathung, die er mit ihnen um Ostern r:Z2 zu London hielt, Nachricht gab 6Z> liainaldi nun. coclcs. ad ». 1252. tz. 22 — 66) Llrron. 8. ldonv-ii ad a. 1253 sin dV/Lolierz- 8pioiI. 1 . II. p. 40/). Wilhelm von Nangis (cirron. in d'Lolrcrx 8picil. 3 '. III. x. Z7) setzt diese Sendung schon tn das Jahr 1252, Die beyden Mönche der« Ean- Y I. Ehr. 12LZ. 338 Geschichte der Kreuzzüge. Vuch VIII. Kap. X. welcher zu dem kleinen Heere der Kreuzfahrer, wahrend es bey Sidon versammelt war, kam, als eines armen Ritters, i. No», welcher mit seiner Gattin und vier Söhnen am Tage Allerheiligen auf einem kleinen Fahrzeuge") anlangte, als der Seneschall nach seiner Gewohnheit an diesem Feste einen Theil der Barone zu einem Gastmahle bey sich versammelt hatte. Joinville ließ in seiner Herberge diesen Ritter und dessen Familie speisen und machte nach der Tafel seinen Gasten den Vorschlag, jenem armen Manne die Sorge für seine Söhne abzunehmen, unter sich diese Knaben zu vertheilen und dadurch ein verdienstliches Werk der Barmherzigkeit zu vollbringen. Der Seneschall selbst nahm einen der Knaben, welcher zwölf Jahre alt war, zu sich, und da jeder der übrigen Gaste dem Veyspiele des Wirths folgen wollte, so erhob sich ein edler Wetteifer, welcher den armen Ritter und dessen Gattin zu Freudenthränen rührte. Als bald hernach der Graf von Eu, welcher an diesem Tage bey dem Könige gespeist hatte, in die noch versammelte Gesellschaft eintrat und hörte, was geschehen war: so bat er den Seneschall, den Knaben, welchen derselbe an Kindes Statt angenommen hatte, ihm zu überlassen; der Graf von Eu belohnte diesen Knaben, als er zum männlichen Alter gelangt war, für die guten Dienste, welche er ihm leistete, dadurch, daß er ihm das Ritterschwert und eine Gattin verlieh; und noch in spätem Jahren, nachdem die Pilger nach Frankreich zurückgekehrt waren, wenn Joinville den Grafen von Eu besuchte, so bewies jener Ritter dem Seneschall stets eine treue Anhänglichkeit und pflegte zu ihm zu sagen: „Lieber Herr, Gott möge es euch vergelten; tor Thomas und Nikolaus, dritter Ms, 04. März) von St. DenyS ab, sie Prior, reisten am Tage vor Mariä trafen also den König erst zu Sidon. Verkündigung (vigilla LiinrriiaiLtio- 67) Ln u,ne bärge. loinv. x. irg. Rückkehr Ludwigs IX. nach Frankreich. 339 denn euch verdanke ich die Ehre, welche mir zu Theil ge- ^-Ar- worden." Unter solche» Umständen, welche die Hoffnung des Königs Ludwig, seine Macht verstärkt zu sehen, endlich vernichteten, so lange er dieser Hoffnung auch Raum gegeben hatte, begann er endlich, an seine Rückkehr nach Frankreich zu den- - ken. Unmöglich konnte Ludwig es übersehen, daß er die Ruhe, in welcher er die Wiederherstellung von Cäsaren, Joppe und Sidon bewerkstelligen konnte, nur dem unsichern Zustande, in welchem Aegypten sich befand, und der Spannung, welche zwischen dem Sultan von Damascus und den ägyptischen Emiren herrschte, zu verdanken hatte, und daß die Saracenen, sobald ihre Lage eine günstige Wendung nähme, nicht auf unbedeutende Strcifzüge in das Land von Ptolemais ihre Feindseligkeiten wider die Christen beschränken würden. So ungern aber Ludwig der Nothwcn- digkeit nachgab, und so schwer es ihm wurde, das heilige Land zu verlassen, bevor er eine Unternehmung vollbracht hatte, welche seiner Würde angemessen und der Sache der Christenheit ersprießlich war: so lebhaft war dagegen der Wunsch seiner Waffengefährtcn, in ihre Heimath zurückzu- kehren; und selbst Joinville, welcher vor drey Jahren entschlossen war, in Syrien zu bleiben, wenn auch der König heimkehren würde, bekennt, daß das erste Wort des Königs, welches den Gedanken an die Rückkehr in das Vaterland andeutete, ihm das Herz erleichterte Als Joinville nämlich den König um die Erlaubniß bat, zu einem wunder-' ög) Eines Strcifzugs, welchen Im Jahre 122z die -Saracenen (quiäam rum, d. i. aus Haleb, Mesopotamien u, s. w., iu xeruiciem et ottium cürrietmnvrum ooukoeäcrari) bis an^ die Thore von Ptolcmais unternahmen, erwähnt Matthäus Paris »chnur 1253 . x. 87L- ' 6y) loruvrUe x. 1:5. Y 2 340 Geschichte der Krcnzzüge. Buch VIII. Kap. X. thatige» Bilde der Mutter Gottes zu Tvrtosa zu wallfahrten, so ertheilte Ludwig dem Seneschall, indem er ihm die erbetene Erlaubuiß gewahrte, den Auftrag, hundert Stucke Tuch von Kameelgaru?') iu oer>ehiedeucn Farben ciuzukaufeu, indem er die Worte hiuzusugte: „damit will , ich den Minonten Geschenke machen, wenn wir nach Frankreich zurückgekchrt si-yii werden." Mit hciterm Sinne vollbrachte der Seneschall diese Wallfahrt, wurde zu Tripolis von dem Fürsten Boemund mir großen Ehren empfangen und bewirthet und mit Reliquien für den König beschenkt; auch erfüllte er nicht nur den Auftrag des Königs, sondern brachte auch vier Stücke Tuch von Kameelgaru mir sich als Geschenke für die Königin Margarethe 70) Dieses Bild hatte, wie Join- ville a. a. O. versichert, zu der Zeit, alS die Kreuzfahrer auS Aegypten nach Syrien kamen, folgendes Wunder voltbracht. AlS ein vom Teufel besessener Mann von seinen Verwandten zu dem Altar der Mutter GotteS zu Tvrtosa, dem ersten Altar, welchen man zu Ehren der heiligen Jungfrau errichtete lic xremrci airlei äc 1 a mere vier, 5 >rr lerro), geführt wurde: so sprach der böse Geist durch den Mund jenes ManneS: Unsere liebe,Frau ist jcpr nicht hier, sondern in Aegypten, wo ste dem Könige von Frankreich und den Christen beystcht, und dis Christen werden an diesem Tage In dieses Land kommen, ste zu Fug gegen die Hcidenschafr zu Pferde. Der Dbg wurde ausgeschrieben und dom, päpstlichen Legaten davon Meldung gemacht; und Joinvillc erfuhr dieses Wunder aus Lein Munde deS Legaten. 71) (tont aamelins ( c.imelots) <1o 72) Joinvilla übersandte der Königin diese Camelotte, cingeschlagen in ein wci-jeS Tuch. AlS der Ritter, welcher ste übcrbrachte, in das Zimmer der Königin eintrat, so fiel die Königin nieder auf ihre Kniec, woraus auch der Ritter nicderkniete. Die Königin aber sprach: Herr Ritter, siebt auf, ihr dürft nicht nieder- knieen, da ihr Neliguicn tragt; und der Ritter erwiederic: gnädigste Frau, eö sind nicht Reliquien, sondern Ca- mclotte, welche mein Herr euch sendet. AlS die Königin und ihre Frauen dieses hörten, so fingen sie alle an zu lachen; und die Königin sprach: sagt eurem Herrn, das; ich cs ihm übel nehme, dai; er mich vor seinen Camclotten kniecn läjjl igne mal jour II soit äoirilö griant 11 mc lait ,igc- noiiler aoirtre ses aameliirsl. Merkwürdig ist auch die Nachricht, welche Joinville (i>. 126) auf diese Erzäh- Rückkehr Ludwigs IX. nach Frankreich. 341 Der Entschluß des Königs Ludwig, nach Frankreich zu- ruckzukchrcn, gewann erst Festigkeit, als der päpstliche Legat Odo dem Könige die Trauerbotschaft von dem Tode seiner Mutter, der Königin Bianca, brachte^), und bald hernach lung folgen lägt, von einem verfiel, ncrten Seefische/ welcher damals dem Könige (nnch dem Texte der Ausgabe von Poiticrs alö Geschenk eines vornehmen ägyptischen Mannes, uu grsnck zioreonago ck'Ikg^ino) überbracht wurde. In einem andern Steine, welchen der König Ludwig dein Se- ncschall Joinville schenkte, fand sich eine versteinerte Schleie (»» ncnoiie üe brune conlcnr cr üe tclc 1.1701» coiiimc I.iirclie ckoir estrc) Wahrscheinlich waren beude Versteinerungen auf dem Libanon gefunden worden. S. über die syrischen Jchthyo- lithen Diotionnaire cios Loioncos Nil' tnrellce 1'. XIII ( varis 1826. 8.) I>. 246. 247. 78) lieber die Zeit des Todes der Königin Bianca sind die Angaben abweichend. Nach Matthäus Paris (ist i2ga. g. g,;g) starb Bianca am ersten Adventsonntage d. r. Dcc. iazz, und auch Hugo Plagon lg- 7si5) und Marinuü Samilus (i-.oro) setzen den Tod der Königin in dieses Jahr; Wilhelm von Nangis dagegen l go- et,i Duck. IX. g. ZZ8 und csiicon. in D' .g.clc<-rv ügicil. 1. III. 1>. Z7 ) nimmt das Jahr i:ZZ alS daü Todesjahr der Königin Bianca an. Cs würde sich dieser Streit leicht zu Gunsten des Matthäus Paris entscheiden lassen, wenn nicht die Angaben über Len Ort und die Zeit, wo zu dem Könige Ludwig die Nachricht von dem Tode seiner Mutter gelangte, eben so abweichend wären. Nach Joinville w.126) erhielt Ludwig diese Nachricht zu Sidon, was bey de» Umständlichkeit, mit welcher Joinville von dem Eindrücke berichtet, welche diese Nachricht auf den König und dessen Gemahlin hcrvorbrachte, unmöglich ein Gedächtnigfehler sepn kann, wie In den ,Votis Sancwr. Ln- gn5t. 1. v. n.455 angenommen wird. Nach Eaufrid von Beaulieu, dem Beichtvater des Königs (-»gml vu- eiw-il. V. l>. 457), theilte der Legat, welcher die erste Nachricht von dem Tode der Königin erhalten hatte (gni grimo rnmores sie zno obitu üomin.ie ül.indi.ic anälcrat), diese Trauerbotschaft den, Könige schon zu Joppe mit, worauf Ludwig nach Vollendung deS zu Joppe unternommenen Baues nach Sidon sich begab; und diese Erzählung des Eaufrid von Beaulieu hat um so mehr Gewicht, da er, wie er versichert, nicht mir nebst dem Erzbischöfe von Tvrus (,,ni tuno Domini Ilegis sigliium xortabat) auf die Bitte des Legaten anwesend war, als dieser Prälat seiner traurigen Pflicht sich entledigte, sondern auch, nachdem der Legat und der Erzbischof sich entfernt hatten, den dem Könige in seiner Kapelle blieb, um ihn zu trösten. Wenn Bianca schon am 1. Dcc. 1272 starb (was übrigens, da Matthäus Pari- Wochentag, Festtag und MonatStag genau angiebt, nicht in Zweifel gezogen werden kann): so ist es kaum möglich, dag der König erst zu Sidon (also nach dem i. Julius >azz) die Nachricht von ihrem Tode erhielt'. I, kbr. -rzg. 342 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. X. I. Ehr. 1 - 54 - fernere Berichte meldeten, daß die beyden Brüder des Königs, die Grafen von Anjou und Poitiers, welche nach dem Tode ihrer Mutter die Regierung übernommen hatten, nicht im Stande waren, weder, die inner» Unruhen, welche das Reich bewegten, zu unterdrücken, noch den äußern Gefahren die Stirn zu bieten"). Nachdem Ludwig die Trauerbotschaft von dem Tode seiner Mutter empfangen hatte, so ließ er wahrend zweyer Tage Niemanden zu sich, und als am dritten Tage der Sencschall Joiuville, den er durch seinen Diener rufen ließ, zu ihm kam, so streckte er demselben die Arme entgegen und sprach: „Ach, Seneschall, ich habe meine Mutter verloren." „Das nimmt mich nicht Wunder," erwiederte der Seneschall, „aber ich wundere mich, daß ihr als ein kluger Mann der Traurigkeit euch hingebt; denn ihr wißt, daß nach dem Ausspruche eines Weisen der Mensch die Traurigkeit seines Herzens nicht durch sein Gesicht kund werden lassen soll, weil er dadurch seine Feinde erfreut und seine Freunde betrübt." Bald hernach wurde der Seneschall auch zu der Königin Margarethe gerufen"), welche gleichfalls seines Trostes bedurfte, und als er sie weinend antraf, so sprach er mit eben so großer Dreistigkeit als Offenheit: „Es ist doch wahr, was man sagt, daß man keiner Frau trauen soll; denn ihr sepd in so großer Trauer riese Nachricht müßte wenigstens schon mit der Ostermeerfahrt 125z zu ihm gelangt seyn. Vielleicht ist anzunehmen, daß der König Mittel fand, diese Nachricht während einiger Zeit geheim zu halten, und daß er sie erst bekannt werden ließ und also auch dem SencschallJoinville erst mittheilte, nachdem der Bau von Sidon bereits begonnen war und nicht mehr rückgängig werden konnte. Joinville bezeichnet übrigens dis Zeit, In welcher der König die Nachricht von dem Tods seiner Mutter erhielt, nicht genauer, sondern sagt nur Im Allgemeinen - Lafette vinstreut los iiouvottes au Noz- guo ka möie estolt morre. 74) Saukrtä. äe Netto loco 458. butt. cte idlang. ltiirou. n. 57. 75) totnvttle 1». 127. c te cke 6t. Nouie xar Io coutoeecur äo ta ttetno IVlarguertre x. Z26. N ü ck k e h r LudwigöIX. n a ch § rankrei ch. 343 über den Tod einer Frau, welche ihr über alles gehaßt habt." Die Königin erwiederte, sie weine nicht wegen des Todes der Königin Bianca, sondern aus Theilnahme an dein Schmerze ihres Gemahls und aus Sehnsucht nach ihrer in Frankreich zurückgebliebenen Tochter, welche nunmehr den Händen der Männer überlassen wäre; denn die Königin Vlanca hatte, wie Jvinville versichert, ihre Schwiegertochter stets mit Kalte und Zurücksetzung behandelt und das vertrauliche Verhältnis: zwischen derselben und ihrem Sohne, so viel sie konnte, gestört. So dringend nothwendig nunmehr die Rückkehr nach Frankreich geworden war, so entschied sich Ludwig, nachdem der Bau der Mauern von Sidon vollendet war, dennoch nicht sogleich für die Abreise aus dem heiligen Lande; sondern er ordnete Bittfahrten an, zu welchen die Pilger ent- schuht und in Hemden erscheinen mußten, und ließ am Schlüsse dieser Bittfahrten durch den päpstlichen Legaten Gebete, so wie durch den Patriarchen von Jerusalem, welcher ebenfalls iin Lager sich befand, Predigten halten, damit Gott offenbaren möchte, ob cs ihm angenehm wäre, daß der König noch länger im heiligen Lande bliebe, oder daß er nach Frankreich zurückkehre. Als nach der Beendigung dieser Bittfahrten die Barone bey dem Könige auf einer Wiese bey Sidon versammelt waren, so sprach der Legat zu Jvinville: „Lieber Seneschall, der König ist mit euren Diensten so sehr zufrieden, daß er euch eine Gnade zu gewähren wünscht, und in der Absicht, euch etwas Angenehmes zu erzeigen, hat er mich beauftragt, euch zu sagen, daß er kommende Ostern nach Frankreich zurückzukehren denktworauf Jvinville erwiederte: „Gott lasse ihn seinen Willen vollziehen." Alsdann bat der Legat den Seneschall, ihn in seine Herberge zu begleiten, und als sie daselbst an- 344 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. X. gekommen waren, so schloß sich der Legat mit dem Sene- schall in seinem Zimmer ein, legte dessen Hände in die sei- nigen, Hub au laut zu weinen, und als er zum Worte zu kommen vermochte, so erleichterte er sein Herz in folgender Weise: „Lieber Seneschall, ich freue mich zwar herzlich und danke Gott dafür, daß der König von Frankreich und die übrigen Pilger endlich aus der Gefahr errettet werden, welche in diesem Lande über ihnen geschwebt hat; aber es betrübt mich, daß ich eurer heiligen Genossenschaft entbehren und an den römischen Hof zurückkehren soll, wo es viele schlechte Leute giebt; ich will euch jedoch anvcrtrauen, daß cs meine Absicht ist, noch ein Jahr in diesem Lande zu bleiben und mein ganzes Geld zur Befestigung der Vorstadt von Ptolemais zu verwenden, damit Niemand den Vorwurf mir machen könne, als ob ich mir den Gaben der Christen mich bereichert hätte." Joinville benutzte diese bewegte Stimmung des Legaten, um zwey Sünden, an welche ihn sein Capellan erinnert hatte, zu beichten, und der Legat, nachdem er dem Seneschall die Absolution ertheilr hatte, fuhr fort: „Keiner kennt die ruchlosen Sünden, welche zu Ptolemais begangen werden, so gut als ich, und es ist nvth- wendig, daß Gott das Volk dieser Stadt strafe und die Stadt mit dem Blute ihrer Bewohner wasche, damit ein anderes Volk komme und der göttlichen Gnade sich würdig mache; denn das jetzige Volk von Ptolemais ist der göttlichen Gnade nicht würd " Nach einigen Tagen erhielt Joinville von dem Könige den Auftrag, mit seiner Ritterschaft die Königin Margarethe und die drey königlichen Kinder, welche während der Meerfahrt geboren waren ^), nach Tyrus zu geleiten; und der 7Ü) 7 olnviUe x. 127. ,2g. verS; Peter, Herzog von Alentzon unv 77 ) Johann Tristan, Graf von Ne» Blanche, vio äe Sr. i^ouis xar Rückkehr Ludwigs IX. nach Frankreich. 345 Sene sch all vollzog mit Unverdrossenheit diesen Auftrag, wel- ^Archer mit großer Gefahr verbunden war, da wegen der Nachstellungen der Saraceuen die Reise, welche zum Theil durch feindliches Land führte, nur bey Nacht gemacht werden konnte, und zwey Mal Feuer angezündet werden mußte, um Speise für die Kinder zu bereiten "). Endlich, als der Patriarch von Jerusalem und die syrischen Barone dem Könige Ludwig erklärten, sie hatten sich mit einander berathcn und die Ueberzeugung gewonnen, daß der längere Aufenthalt des Königs im gelobten Lande, nachdem durch ihn die Städte Ptolemais, Casarea, Joppe und Sidon auf das trefflichste befestigt worden, keinen Nutzen gewahren würde: so zog Ludwig im Anfänge der Fasten^-br, von Sidon ab und begab sich über Arsuf, wo er seine Gemahlin Margarethe fand, nach Ptolemais, um Anordnungen zu seiner Rückkehr zu treffen Mit diesen Anordnungen beschäftigte sich Ludwig zu Ptolemais sowohl während der ganzen Fastenzeit, als wahrend eines großen Theils des Ostermonats; und nachdem dreyzehn Fahrzeuge, sowohl Frachtschiffe als Galeen scgelfertig gemacht worden waren, so schiffte der König mit seiner Gemahlin und seinen Kindern am Tage vor St. Marcus^.Apru oonkesseur äe I» Reine Nffargucrire l'. Z°7- 78) ioinville p. 12g. 7g) ioinviiio i2g. i2g. Wahrscheinlich bat Eanfried von Beanlieu vie im Texte erwähnte Berathung der syrischen Barone im Sinne, wenn er (?. 453) sagt: Rex coneiiio iradilo cum äiscreris, a.-seusir aä z-ropria rcmeare; Ioinville wenigstens erwähnt keiner andern Berathung, welche in dieser Angelegenheit gehalten wurde. 8o) RreiLL lnach andern Handschriften guarorxe) gr:o neks grie gaiies. soinv. x. I2g. Nach Marinus Sa- nutrls (p. 320 ) oolo uaves er gua- tu«r galeas. Aus dem Verfolgs der Erzählung des Sencsrhalls Ioinville geht hervor, dag das Schiff, auf welchem der König und Ioinville sich befanden, den Templern gehörte: denn auf demselben war der Templer Nai- 346 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. X. ^ 2 Z 4 *'sich ein, und die Flotte ging mit günstigem Winde unter Segel br). Mit besonderer Vergünstigung des päpstlichen Legaten nahm Ludwig den heiligen Leib Christi mit sich auf sein Schiffs), damit weder ihm noch andern Pilgern und besonders den Kranken es nicht an der Gelegenheit fehlen möchte, des heiligen Abendmahls theilhaftig zu werden; erließ zur Aufbewahrung der Monstranz an einem würdigen Orte des Schiffs ein kostbares mit seidenen und gvldgewirk- ten Gewändern verziertes Tabernakel nebst einem Altäre errichten; und täglich während der ganzen Dauer der Meerfahrt wurden an diesem Altäre im Beyseyn des Königs sowohl die Messe, als die kanonischen Stunden gefeyert. Auch verordnet« Ludwig, daß auf den Schiffen während der^ Fahrt wöchentlich drey Predigten und bey ruhigem Wetter, wenn das Schiffsvvlk unbeschäftigt wäre, einfache Vorträge über die Grundwahrheiten des Christenthums, wie sie der Fassungskraft der Seeleute angemessen wären, gehalten werden sollten; einzelne Geistliche wies der König dazu an, die Beichten der Schiffer anznhören, und ermunterte die Seeleute, mit eindringender Erinnerung an die steten Gefahren, von welchen sie auf dem Meere bedroht würden, zu fleißiger Ablegung des Bekenntnisses ihrer Sünden, indem er in einer von diesen Ermahnungen die Worte hinzufügte: „sollte, wahrend ein Seemann beichtet, das Schiff seines Dienstes gl) soliivMo 0. 0. O. Hugo Pla- go» (p. 735) giebt unrichtig Len Tag nach St. Marcus <26. April) als Len Tag der Abreise des Königs von Pto- lemais an, und nach Marinuü Sa- nutuS l i>. 220) verliest Ludwig am Abende (Nora vcexerriira) des St. MarcuSftlieS den Haft» von Ptvlc- mais- 82) Yuia atii peregrini guautum- cumgue magni lioo sacere non 80- Icdant, odtinuir (Uex) su^cr Iroo a Domino Degaro licciuäam epeoia- 1 cm. 6au1r. äe ltctto loco x. 45g. ' Wgl. Viiil. i!« dkang. gesta Duciov, IX. x. zöo. Rückkehr Lud >vigsIX. nach § ra »krei ch. 347 bedürfen, so werde ich gern mit meiner eigenen Hand die^.^' Segeltane ziehen nnd jede andere erforderliche Arbeit verrichten/^ Durch solchen Zuspruch wurden manche Seeleute, welche seit mehreren Jahren ihrer Sündhaftigkeit nicht eingedenk gewesen waren, bewogen, ihre Fehler und Mängel zu beichten bZ). Die Pilger erblickten schon am folgenden Tage den Bergaz.April des heiligen Kreuzes s») auf der Insel Cypern; und als Ludwig an diesem Tage den Scneschall Joinville daran erinnerte, daß das Fest des heiligen Marcus sein Geburtstag wäre, so gab Joinville zur Antwort: „ihr könnt wohl sagen, daß ihr wiedergebore» seyd, da ihr aus jenem gefährlichen Lande euer Leben davon bringt." Nicht so glücklich als der Anfang war die weitere Fahrt. Schon in der Nähe von Cypern gerieth das Schiff, auf welchem der König sich befand, während eines dichten Nebels auf eine Untiefe und erlitt eine so beträchtliche Beschädigung, daß der sonst unerschrockene Ritter Olivier de Termes es nicht wagte, auf demselben die Reise fortzusetzcn, sondern in Cypern blieb und von dort anderthalb Jahre später als die übrigen Pilger nach Frankreich znrückkehrte ^). Als diese Gefahr glücklich überstanden war, so erhob sich ein schrecklicher Sturm, welcher die Schiffe an den Felsen der cyprischen Küste zu zerschmettern drohte und die Königin Margarethe vornehmlich so sehr ängstigte, daß sie in das Gemach ihres Gemahls sich begab, in der Absicht, den König zu bitten, er möchte Gott oder den Heiligen eine Pilgerfahrt Zusagen und dadurch die Rettung aus dieser Gefahr erwirken. Als sie aber, 83) Laukriä. äc Ncllo loco x. 4g?. 84) l ^ raoncazoc üc Ii Qroix (bcy Len Griechen oßok or«l>(>or). loiriviNe x. 129. 85) loinvlllc x. Igi, 6uil. äe re-rnA. p. Z61. 348 Geschichte der Krcnzzüge. BuchVkkl. Kap. X> sie den König fand, dem Sencschall Joinville ihr Anliegen cröffnere, so riech ihr dieser, für sich selbst das Gelübde einer Wallfahrt zn dem heiligen Nikolaus von Wa- rangcville 26) zu geloben, indem er versicherte, daß dieser Heilige gewiß seine Hülfe nicht versagen wurde; worauf die Königin crwiederte: „ihr wißt, Seneschall, daß der König sehr eigensinnig ist und mir nicht erlauben würde, diese Wallfahrt zu vollbringen, wenn ich sie ohne sein Vorwissen gelobte." „Nun," sprach Joinville weiter, „so gelobt, gnädige Frau, dem heiligen Nikolaus ein Schiff von fünf Mark Silbers für den König, euch und eure drey Kinder zu weihen, ich bin euch gut dafür, daß St. Nikolaus euch wohlbehalten nach Frankreich zurückbringen wird, und verspreche, von Joinville aus zu Fuß zu den Gebeine» dieses Heiligen zu wallfahrten, wenn derselbe aus dieser Gefahr uns errettet." Die Königin nahm die Bürgschaft des Se- neschalls an, und bald hernach beruhigte sich der Sturm. Als Margarethe nach Paris zurückgekommen war, so ließ sie daselbst ein silbernes Schiff nebst Masibaum, Segel, Tauen und Steuerruder verfertigen und auf demselben den König, die Königin und die drey königlichen Kinder, so wie den Schiffshauptmann, alle in Silber darstellen, bezahlte dem Silberschmidt, welcher dieses Werk besorgte, für seine Arbeit hundert Livres und übersandte dieses Schiff dem Seneschall nach Joinville, um es dem heiligen Nikolaus zu überbringen; und Joinville sah dasselbe zn St. Nicolas in Lothringen noch im Jahre izoi, als er Blanca, die Schwester des Königs Philipp des Schönen von Frankreich, auf 86) Dem jetzigen Orte St. NtcolaS aufbewahrt wurden. Vgl. 6slmet in Lothringen (Eine Post von Nancy iiistoire äe I^orr.iiuo entfernt, auf dem Wege nach Toul), Leneä. I'. V. x, Z 2 o. wo die Gebeine des heil. Nikolaus Rückkehr Ludwigs IX. nach Frankreich. 340 ihrer Reise nach Hagenau zn ihrem Gemahle, dem Erzherzoge ^Ar. Rudolph von Desircich, begleirele ^). Nach einer Fahrt von zehn Wochen, auf welcher noch 2 ""--'s manche andere Gefahren glücklich bestanden wurden^), gelaugte die königliche Flotte zu dem Hafen von Hieres in dem Gebiete des Grafen Karl von Anjou und Provence. Da aber der König wider den Rath der Königin und seiner Barone nicht in dem Gebiete seines Bruders, sondern nur 87) soinviUo p. Igo. Vgl. über riese Reise Oucango zu Joinvillc fi. ioo. 83 ) Cius der Nennen (Uegniues), welche die Königin aus dieser Mcer- fahrt begleiteten und bedienten , beging, alö sie ihre Gebieterin zu Bette brachte, die Unvorsichtigkeit, ihr Kopftuch an das in dem Schlafgcmache brennende Nachtlicht zu legen. DaS Kopftuch entzündete sich, alS die Nonne in ihr Zimmer sich begeben hatte, welches unter jenem Gemache sich befand, und thcilte daS Feuer selbst dem Betttuche der Königin mit, so dasi Margaretha, als sie erwachte und nackend aus ihrem Bette sprang, nur durch ihre Entschlossenheit ein groijeS Unglück verhütete, indem sie das Kopftuch der Nonne in. daS Meer warf und daS Feuer deg brennenden Letteü löschte. Oer König befahl, um für die Zukunft ähnlicher Gefahr vorzubeugcn, dag der Seneschalt künftig nicht eher zu Bette gehen sollte, alS biS er gehörige Untersuchung, ob auch irgendwo noch ein Licht brennte, angcstellt und dem Könige Bericht erstattet hätte. loinvitte p. >gg. ig 6 . Bald hernach fiel der Ritter von Ar- gonncS l Oargones) im Schlafe aus seinem Schiffe in das Meer, und da daS kleine Fahrzeug, auf welchem dieser Ritter sich befand, kein Boot batte, so wurde er erst durch eines der nachkommenden Schiffe gerettet und auf die königliche Eales gebracht. Ioinviue, welcher zwar bemerkt hatte, dag etwas in daS Meer gefallen war, aber, weil er gar keine Bewegung wahrnahm, der Meinung gewesen war, dasi eS ein Kasten oder Ballen fragte den Ritter: warum er gar keinen'Versuch gemacht hätte, durch Scbwinunen oder auf andere.Weise sich zu retten, und.der Ritter erwie- dcrle:' er hätte für sich selbst weder Rath noch-Hülfe gewicht, sondern im Augenblicke dcS Fallend dem Schulze, der heiligen Jungfrau sich übergeben, welche ihn wirklich so lange an den Schultern gehauen hätte, bis er durch die königliche Ealec wäre errettet worden. Dieses Wunder lieg der Sene- schall goinville sowohl durch ein Gemälde in seiner Kapelle zu Joinville, alS auf Glaomalerehen in der Kirche zu Blecourt zum immerwährenden Gedächtnisse darstellcn (cn l'onircur cle eo mirooie jo l'ar kair zioiucire ä I-. igü. Blecourt liegt in der Nähe deS Schlosses Ioinville. 350 Geschichte der- Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. X. ^- 54 "'Zu Aiguesmortes in seinem eigenen Gebiete an das Land gehen wollte, so blieben die Schiffe noch zwey ganze Tage") auf dem hohen Meere, ohne ihr Ziel zu erreichen. sa. Jun. Als am dritten Tage der König den Seneschall um seine Meinung fragte, so erwicderte dieser mit seiner gewöhnlichen Freymüthigkeit: „gnädigster Herr, es geschähe euch kein Unrecht, wenn es euch erginge, wie der gnädigen Frau von Bourbon, welche nicht in diesem Hafen, sondern zu Aiguesmortes an das Land gehen wollte und wegen solchen Eigensinns sieben Wochen auf dem Meere znbrachte." Diese Rede blieb nicht ohne Wirkung, und der König verließ sein Schiff im Hafen von Hieres"). Julius Nachdem Ludwig zu Hieres für sein Gefolge Pferde gekauft und für sich und seine Gemahlin von dem Abte von Clugny zwey kostbare Reitpferde") als Geschenk erhalten hatte, so trat er über Air in der Provence die Rückkehr in sein Reich an; der Seneschall Joinville verließ den König erst zu Beaucaire im königlichen Gebiete, besuchte dann die Dauphine von Vienne, seine Nichte, den Grafen von Cha- lons, seinen Oheim, und dessen Sohn, den Grafen von Bretagne, verweilte einige Zeit in seiner Herrschaft Joinville und vereinigte sich zu Soissons wieder mit dem Könige, mit welchem er sich bald hernach zu einer Versammlung des Parlaments nach Paris begab"). Seit dieser Zeit widmete Ludwig siebzehn Jahre lang 8 ->) Am Mittwoch und Donnerstags — 24. unt> 25. Junius 1254- roiii- vitto x. lg 6 . Nach Wilhelm von Naiigis dauerte die Fahrt deS Königs Ludwig von Ptolemaiö nach Hieres nicht nur zehn Wochen, wie Joinville angiebt, sondern xcr tlillteeiiv kere eexriivanas. go) On ctiilStci ä-'^eroZ (ieseeväl Io Itox tte In vier cr Io U07110 et scs eilkoils. soinvitio x. 1Z7. OllM äe dUnx. x. g6i, gl) t)vi vovroient ( Viluäroicvt ) Vien vttioliratini eilig eevs iivree. loiilviltc a. 0- O. ga) ioiilviiie x. izg. Rückkehr LudwigsIX. nach Frankreich. 351 unausgesetzt angestrengte Sorgfalt den innern und äußern 2 -^br. Angelegenheiten seines Reichs, befestigte durch weise Gesetze und Anordnungen Frieden und Sicherheit und unterstützte und versorgte mit liebreicher Wohlthatigkeit die hülflosen Wittwcn und Waisen der Kreuzfahrer, welche in seinem Dienste ihr Leben geopfert hatten ^ 93) 1i denoieL vinr cl'Ourrenier, il avinr ^luseurs loi2 9110 aucuiics xenrix temmes venoi- elles leur ilrr2 et leur Lilles, et xrioi- enr 1e sainr Ilo/ 9110 il lerir leise dien er c^ue il ensr xirie ä'ellcs; er insrit 1i sainr avoir eonnois- sance tl'elles, il lenr laisoit äonner xar son aumonier a l'une vin§r 1 i- vres, il l'aurre äix, er plus er moins, selou ce ^ne il 1 i esroir avis ^rie il 1 i eonvenoir; er aneune loi2 il äe- rurrnäoir se aneune äe ees Ülles sa- voir lerrres, er äisoir . 221) war Gottfried von SergineS noch im I. irzg Scneschall des Königreichs Jerusalem. S. unten Kap. 12. 353 Verhältnisse in Syrien. die Ritterschaft des Königreichs Jerusalem war daher sehr bald wieder auf ihre eigenen geringen Hülfsmittcl beschränkt. Die syrischen Ritter konnten nicht anders als mit banger Ahnung der Zukunft entgegensehen; denn die christliche Herrschaft in Syrien ließ sich nur so lange behaupten, als die Kräfte der Saracenen zersplittert waren. Sobald die saracenische Macht wieder in der Hand eines unternehmenden Fürsten sich vereinigte, so ließ sich der Verlust des heiligen Landes nicht mehr abwcnden. Der Aufenthalt des Königs von Frankreich in Syrien hatte außer der Befestigung einiger Städte keinen Vortheil gewährt; und die Ve- sorgniß, daß die Saracenen zu einem ernsthaften Angriffe gegen Ptolcmais oder eine andere christliche Stadt in Syrien aufgercizt werden möchten, wenn der fremde König noch länger verweilte, war vermuthlich die Veranlassung zu dem Rathe, welchen die syrischen Barone, wie im vorigen Kapitel berichtet worden ist, dem Könige Ludwig gaben, seine Rückkehr nach Frankreich zu beschleunigen. Nach dem unglücklichen Ausgange der letzten französischen Kreuzfahrt durften die Christen des gelobten Landes nicht mehr der Hoffnung Raum geben, daß die abendländische Christenheit den oft mißlungenen Versuch, das Königreich Jerusalem wiederherzustellen, noch fernerhin wiederholen würde; und die Erfolglosigkeit aller Bemühungen des Königs Ludwig, Hülfe und Verstärkungen sich zu verschaffen, war der überzeugendste Beweis von dem gänzlichen Mangel der Theilnahme an der Sache des heiligen Grabes im Abendlande. Die syrischen Barone durften daher nur auf den Vey- stand einzelner Ritter oder andrer waffenfähiger Pilger rechnen, welche mit den regelmäßigen Passagien oder Meerfahrten nach Syrien kamen und durch ihren frommen Eifer für die Sache Gottes bewogen wurden, an der Vertheidigung des vn. Ba»d. Z 354 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XI. heiligen Landes wider die Ungläubigen Theil zu nehmen, oder für Sold in Kriegsdienste traten. Diese Meerfahrten, welche zwey Mal im Jahre, um die Osterzeit und um und nach St. Johannistag, oder vom Ende des Junius bis zum August Statt fanden und nach diesen Jahreszeiten durch die Namen der Frühlingsmeerfahrt oder Ostermeerfahrt und der Sommermcerfahrt bezeichnet wurden -), waren ohne Zweifel in größerer oder minderer Regelmäßigkeit schon seit früher Zeit und überhaupt so lange üblich, als das Abendland mit dem Morgeulande durch Handel und Schifffahrt in Verbindung stand; weil im Frühlinge und hohen Sommer am seltensten durch heftigen und anhaltenden Sturm oder andere Gefahr die Seefahrt gehindert oder erschwert wurde Seit der Zeit, in welcher die Wallfahrten zum heiligen Grabe und zu den übrigen heiligen Oertcrn des gelobten Landes gewöhnlich geworden waren, betrachteten die Seefahrer der französischen Hafen am mittelländischen Meere, so wie die genuesischen, pisanischcu, veuetianischeli, apulischen und sicilischen Schiffer die Ueberfahrt der Pilger »ach den syrischen Häfen als die sichere Quelle eines sehr erheblichen Erwerbes; und vornehmlich die Ostermeerfahrt, welche auch die große Meerfahrt genannt wurdet, brachte regelmäßig 4) kassaginm vernale ('I'r-iu-ilns vernslis, Luit. Iz-I. XVII. g.) oder Vassagium IVlarrü, auch ikassaginm I-L«cii»e; und rassagium aestivaie oder kasssgium L. goannis Dapti- etae, auch I?LSsagium t^ugusti. Dgl. die von Ducangs fSIossar. mest. er inlimae larinitatis V. rasssgium) angeführten Stellen. 5) DegetiuS ( äe re militari V. y.) bemerkt, daß die Meere wegen der Kürze der Lage und der häufigen Stürme vom «. November bis zum re>. März geschlossen find, daß der letztere Tag als der Geburtstag der Schifffahrt von vielen Volker» festlich begangen wird, und daß die Meerfahrt in der Zeit vom io. März biS zum iZ. Mai zwar noch etwas gefährlich ist und große Vorficht erfordert, aber Loch Statt finden kann, in der Zeit aber vom 27. Mai bis zum ih. Oktober am sichersten ist. 6) laaobi stc Vitriaco Irist. Orient. I.id.111. (bei) BongarS) x. 1125. Wie große Wichtigkeit die Eenueser diesem 3SÜ Verhältnisse in Syrien. eine beträchtliche Zahl von Pilgern, welche zu Jerusalem das Osterfest zu feyern wünschte», nach dem heiligen Lande. Den größten Vortheil brachten diese regelmäßigen Meerfahrten den Genuesen,, Pisanern und Venetianern, welche überhaupt es am besten verstanden, die Herrschaft der Christen in Syrien sich nützlich zu machen, ohne für deren Erhaltung zu bedeutender Anstrengung ihrer Kräfte oder zur Auf, Wendung von beträchtlichen Geldmitteln sich zu entschließen. Die Schifffahrt und der Handel nach Syrien waren sogar für die italienischen Handelsstädte in eben dem Maße einträglicher geworden, als die Macht der syrischen Barone sich vermindert hatte. Die Herrschaft der Christen hatte immer mehr auf die an der Küste des mittelländischen Meeres liegenden Städte und Burgen sich beschrankt; und selbst das schmale christliche Gebier an der Meerküsie war nicht mehr zusammenhängend, sondern durch mehrere den Saracenen unterworfene Städte und Landstriche unterbrochen, und der Verkehr der einzelnen christlichen Oerter mit einander sehr erschwert ?). Auf eine regelmäßige Benutzung der außerhalb der Städte und Burgen belegenen Aecker und Fluren konnten die Christen wegen der Furcht vor den Plünderungen und Verwüstungen ihrer Feinde, in welcher sie Erwerbzweige beylegten, sieht man z. B. au6 der Beschränkung / welche sie ln einem Vertrage vom 12 . Noo. n66 der Stadt Narbonne in Bezie« hung auf die Ueberfahrt der Pilger zur Pflicht machten; denn die Burger von Narbonne mußten der Republik Genua Folgendes versprechen: 2Ho vel xeonniain alienins, yni non eit äe terra nostra, nisl rit /Lnnen3i8 et ejus xeouniL, neo cum oorninuni contra volunlatem Isnuenbium con- Stilum , . . exoex)ti 8 I>ere§rinis, ynos P05SNNN18 xortare in nn-l I 12 V 1 xer »nnnm, gnae tamen non sir Hosintallz vel lempli, et c^ui xere- grini non sinc äs Montexessulsno vel 82 noto ^essiäio, ant a Liioäsno N 8 gue l^ieiLin, neo tainen xorrent ixsi xerexrrni negoeistionem Lli- gNLin, ni 8 i xro 5N13 exxensis tan- tnm. Llbtoire äe I/SNAueäoo HI. Vlrartes x. ng. 7) Vgl. oben Kap. io. S. 345. Z2 356 Geschichte, der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XI. stets schwebten, nicht mehr rechnen; vielmehr waren sie ge- nöthigt, die nothwendigsien Bedürfnisse des Lebens, welche ihnen ans Frankreich, Italien, Romainen nnd Cypern, zugeführt wurden, von gewinnsüchtigen Kauflenten und Seefahrern mit thenren Preisen zu erkaufen ^). Eine Hnngers- nvth war daher von den Bewohner» des heiligen Landes nicht abzuwenden, sobald cs den Saracenen gelang, die syrischen Hafen, welche im Besitze der Christen waren, zu sperren und die Schiffe, welche Lebensmittel nach Syrien brachten, wegzunehmen oder zu zerstören; die Gefahr aber, mit welcher wegen der lauernden saracenischcn Seeräuber die Meerfahrt nach den syrischen Hafen verbunden war, steigerte um ein Beträchtliches die Preise der Bedürfnisse, welche auS der Ferne nach dem heiligen Lande gebracht wurden. Die christlichen Fürsten und Ritter, von welchen das Königreich Jerusalem und die übrigen Fürstenthümer und Herrschaften jenseit des Meeres waren gegründet worden, hatten mit einer beivundernswürdigen gesetzgeberischen Weisheit und einer edlen Billigkeit die Verhältnisse der verschiedenartigen Unterthanen, welche ihrer Herrschaft sich unterwarfen, auf eine höchst zweckmäßige Weise geordnet; und ihren weisen und billigen Anordnungen verdankte die christliche Herrschaft in Syrien ihre fast zweyhundertjährige Dauer eben so sehr als der beharrlichen Ausdauer und unverdrossenen Tapferkeit der spätcrn Ritter des Kreuzes und den innern Streitigkeiten der Saracenen. Der Herzog Gottfried von Bouillon nnd seine Waffengefährten konnten zwar dem Lande, welches sie unterjochten, nur eine auf Lehenrecht und Lehengewohnheit,en gegründete Verfassung geben, weil sie keine Verfassung anderer Art kannten; und sie verpflanzten 8) WgN oben Kap- y. S. 30z. Verhältnisse der Bürger' in den syrischen Städten. 357 also nach Syrien die Mangel und Gebrechen des damaligen abendländischen Lehenwesens; sie nahmen aber auch in ihren Anordnungen Rücksicht auf die Verhältnisse ihrer syrischen Unterthaneu, sowohl der eingeborenen christlichen Bewohner des Landes oder der Syrianer und der eingewanderten Griechen, als der Jakobiten, Nestorianer, Samariter und Sara- cenen, und begründeten, was ihnen als Rittern, welche keinesweges frey waren von den Vvrurtheilen ihres Standes, sehr hoch angerechnet werden muß, in den Städten einen fränkischen Vürgerstand, welcher durch große Rechte und Freyheiten begünstigt wurde So wie der hohe Gerichtshof, welcher zu Jerusalem und nach dem Verluste der heiligen Stadt an dem Orte, wo der König von Jerusalem oder dessen Stellvertreter sich aufhielt, und späterhin zu Ptolemais nach der Wiedererobernng dieser Stadt, seinen Sitz hatte, für Lehenssachen und Lehenträger die richterliche Behörde war: eben so wurde für die Rechtshändel der Bürger in jeder bedeutenden Stadt ein niederer oder bürgerlicher Gerichtshof angcordnet. Zur Vollständigkeit eines bürgerlichen Gerichtshofes im Königreiche Jerusalem war die Zahl von wenigstens zwölf Geschworenen, welche aus der Mitte der fränkischen Bürger gewählt werden mußten, erforderlich, und der Vorsitz so wie die Vollstreckung der von dem Gerichtshöfe gesprochenen Urtheile war mit dem Amte des Viz- grafen vereinigt Für den Dienst des Vizgrafen und g) 1^1 Irairclrosia äo la Lorgosis, sagt daher der Verfasser des Indio äeNe ^ssisie äella oorte hol Visooir- taäo tz. az (in Osiicläiii Oeges Unr- brroiniu I. III. x. 5Zg), oll' ö cosr molto lidcra, io) Daher führte der niedere oder bürgerliche Gerichtshof (I-r dassa oor- rc, la corte äi Lorgesi) auch den Namen Hof des Vizgrafen (I-r ooite äel Viseonte ). S. I-idro äelle ^.s. slsie UeNa corte acl Visoontaäo a. a. O. x. 546. Vgl. Geschichte der Kreuz,. Buch l. S. 3 --. Herr K. E. Schmidt hat im Hermes (B. 30. S. Z21) richtig bemerkt, dar die «ZricreUe Lo Louigesie irrig von mir (am obeil angef. Orte) als ein Nechtsverfahren 358 Geschichte der Keeuzzüge. Buch VIII. Kap. XI. seines Hofes waren mehrere Beamte angestellt, ein Schreiber, ein Mattasip und zwey Scharen von Serjanten oder Stäblern, jede zu vier und zwanzig Mann "). Da der Bizgraf auch mit der Polizey beauftragt war, so unterstützten ihn in der Handhabung derselben sowohl der Makaber angemajjtcs Bürgerrecht gedeutet worden ist, und vielmehr eine Klage über Grundstücks war lgucrclls äi Stabil! , in der italienischen lieber- sehung der Assisen des hohen Gerichtshofes in Oaiwlaui 8 Larbaro- rum I-. V. 144. col. 2), Dis Benennung Lonrgesio (italien. Io Dor- xesie) bezeichnete aber nicht jedes Grundstück, sondern, wie schon auS der Etymologie des Wortes hervorgeht, ein bürgerliches und innerhalb einer Stadt belegencS, nach folgender genauen Erklärung des vorhin angeführten läbro clclle Assisis (tz. IZ. bei) Loiioiairl r. III. r>. §47): Lor- gerie iä est etablli oliv 8 onnc> äon- rro L Io eirä, si oome sonno irere- «litä cll rase, glaräänl, magaLenr 0 »Ilre coeo simill. (Von solchen Lorgesio werden ebendas, ausdrücklich die Grundstücke unterschieden, welche Theile von Lehen ausmachen.) Anher dem niedern Hofe zu Prole- ma>s wird in den asslsie stell» dass» vorte 19z ( bet) Oaireiairl 1 . III l>. zaz) eines solchen Gerichtshofes zu Joppe gedacht-, Tyrus aber, Sidon, BecytuS und dis andern bedeutenden Städte des Königreichs Jerusalem ermangelten eben so wenig ihrer bürgerlichen Gerichtshöfe als Antiochien und Tripolis, lieber die Zahl, die Pflichten und Geschäfts der Geschworenen vgl. die Assisen des nirdern Hofes j. 7 —12 bev Laucstani I'. III. p. 4yr, und das I.ibin stell» A-eieie §. 7. ebendas, x. 842 . Der DIzgraf bis» auch (vielleicht nur In einigen Städten) Lallo. 4 ^ 88181 » stella b» 8 sa corre h. 4. x. 491. Oer Kürze wegen bezeichne ich hier und in den folgenden Citatcn die italienische lleber- sehung der Assisen, welche Canciani lp. III. )>. 4 gr -ZZg bekannt gemacht hat, durch den Namen Assisen deS niedern Hofes oder Assisi» stell» des«» corre, und die italienische Arbeit eines spätern Verfassers, welche eine »Übersicht des Inhalts jener Assisen mit einzelnen Erläuterungen und Nachträgen enthält, ebendas. x.Zgo- S 6 Z, durch I-ibro stell» ^ssieie. Ii) Serxcnli vol bastonierl, auch kenti. Vgl. löibio stelle Assisie h. 1. 10. p. 541. g.44. Die Anstellung eines Schreibers an dem niedern Hofe erfolgte auf den Antrag, welchen der Statthalter des Königreichs, Johann von Arsuf, an einem Montage Im Februar iazc> zu Ptolemais während der Anwesenheit des Königs von Frankreich in einer Versammlung der syrischen Barone und der dreyzehn Geschworenen des bürgerlichen Gerichtshofes von Ptolemais machte. Es wurde in eben dieser Versammlung die Anstellung eines fränkischen Schreibers an dem hohen Gerichtshöfe beschlossen; dieser Beschlub kam aber damals nicht zur Ausführung, weil die Bgrone bald nach jener Be- rathung mit dem Könige von Frankreich nach Cäsarea zogen. Verhältnisse der Bürger in den syrischen Städten. 359 tasip, welcher insbesondere die Aufsicht über die Backereyen und jeden andern Verkauf von Lebensmitteln führte"), als auch die Städler, welche also nicht blos Gerichtsbeamte waren, sondern zugleich Polizeybeamte. Zum Beystande der Parteyen waren Sachwalter angeordnet, indem Niemandem es gestattet wurde, ohne den Bcystand eines Sachwalters vor dem bürgerlichen Gerichtshöfe seine Sache selbst zu verhandeln " Es lag aber in der Natur der Dinge, daß die Ritter in der Einrichtung dieser städtischen Gerichtshöfe, so wie in den Vorschriften, durch welche sie das Verfahre» desselben bestimmten, eben so strenge an die gerichtlichen Gewohnheiten und Grundsätze, welche in ihrer Heimath befolgt wurden, sich hielten, als sie für die Satzungen des hohen Gerichtshofes das französische Lebenrecht sich zum Muster nahmen. Daher wurde auch für die bürgerlichen Eerichts- ,höfe des Königreichs Jerusalem der alte germanische Grundsatz beybehalten, daß zur Gültigkeit eines gerichtlichen Zeugnisses die Ebenbürtigkeit des Zeugen mit demjenigen, wider welchen er Zeuguiß gab, erforderlich w.ar; und der Syrianer konnte daher eben so wenig Zeuguiß geben wider einen Franken, als ein Franke wider ihn, und ein Grieche wider einen I2) I.ldro stelle ^ssisie h. y. I>. 844. Der Name Mattasip (oderiviLokasipxo ilstst. h. I. x. 54 l) ist das arabische (bey Eolius xraekecrus LN- Iioiieel, wodurch der Beamte bezeichnet wird, welcher die Aufsicht bat über die Preise und das Maß und Gewicht der Maaren, welche in den Basars oder auf den Märkten feil geboten werden. 2 n einem Briefe des venetianischen Bailo in Syrien, Mar- stliuS Georgius, vom Jahre 1-43 (bäder allms, Handschr. des k. k. Staatsarchivs zu Wien) wird jener Amtsname also erklärt: lVlaresap, gui rio- etra liugna vooatur lluscltlariiis. rz) festste stelle desea corte §. isi. x. Log. Nach der Angabe des Istdro stelle festste §» II. x. 545 erlaubte eine spätere Satzung -des Königs Amalrich (von Eypern) den Parteyen, ihre Sachen selbst ohne einen Fürsprecher vor dem bürgerlichen Gerichtshöfe zu verhandeln. 360 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XI. Syriancr, oder Nestoriauer, oder der Nestoriaucr wider einen Griechen oder Jakobiten"); obgleich dieser Grundsatz schon in früher Zeit für eben so unchristlich als unzweckmäßig war erklärt worden"). Der Gcrichtskampf ward in den Satzungen der bürgerlichen Gerichtshöfe eben sowohl wie in den Satzungen des hohen Lehcnhofs als Beweismittel bestätigt. Nach den Satzungen des nieder« Gerichtshofes war die Herausforderung zum Kampfe sowohl gegen einen der beyden Zeugen, welche ein des Mordes Angeklagter stellte, anwendbar^), als auch in allen Fallen zulässig, in welchen der Gegenstand des Rechtsstreites den Werth einer Mark Silbers überstieg"); und selbst die Syriancr und Griechen, so wie die Glieder jeder andern im heiligen Lande geduldeten christlichen Gemeinschaft, sogar die Saracenen waren verbunden, sich dem Gerichtskampfe zu unterziehen, wenn sie von fränkischen Bürgern hcrausgefordert wurde», obgleich ihnen das Recht nicht zustand, selbst auf die Gewährung des Kampfes wider Franken anzutragen So wie in dem hohen Gerichtshöfe in den meisten Fallen nur zu Pferde und mit ritterlicher Rüstung und ritterlichen Waffen gekämpft wurde *): so wurden dagegen in den niedern Gerichtshöfen die Kampfe nur zu Fuß und mir Stöcken bestanden, und den Kämpfenden wurde kein Helm oder Har- -4) kreisle stelle bes-rs aorte h. 57 — 6o. x. 4 yg. »8) Z. B. der Bischof Agobard von Lyon in seinen an den Kaiser Ludwig gerichteten Schriften, in welchen Las burgundische Gesetz in dieser Beziehung als höchst verwerflich bezeichnet wird. S. trgobeistl OxierL eä. NeliiL. rom. I. Ist) T^ssisie stell! baei-L aorte §.237. I>- LZ-- 17) Lssislc stell! iiLss» aorte H. 40. I>. 498. Eine Mark Silbers wurde im Königreiche Jerusalem zu Ls Bi- santien — igr/2 damaliger französischer Livres gerechnet. Libro stelle Lssisle h. Zz. x. L5g. Vgl. oben Kap. 7. Anm. ist. S- 220—222. Ig) ^Lsslsle stell.! bassa aorte H. 3 gg. I-. Slq. iy) Gesch. der Kreuzzüge Buch I. Kap. iz. S. 490 folg. Verhältnisse der Bürger in den syrischen Städten. 361 nisch, sondern nur ein Schild als Schutzwehr gestattet. Die Förmlichkeiten der bürgerlichen Gerichtskämpfe waren sehr ähnlich den Gebräuchen, mit welchen die ritterlichen Kämpfe im hohen Gerichtshöfe gehalten wurden. Nachdem der Viz- graf und die Geschworenen, welche während der ganzen Dauer des Kampfes anwesend seyn mußten, von beyden Kämpfern, zuerst von dem Herausforderer, dann von dem HerauSgcforderten, den üblichen Eidschwur empfangen hatten, so übergaben die Geschworenen jedem der beyden Kämpfer einen rothen Schild und einen Stab, welche von völlig gleicher Größe, Stärke und Beschaffenheit seyn mußten. Hierauf wiesen zwey Geschworene dem Herausforderer, und zwey andere dem Herausgeforderten solche Stellungen an, daß keiner von beyden mehr oder weniger als der andere durch das Sonnenlicht belästigt wurde; und nicht früher als mit dem Eintritte der dritten Tagesstunde, wenn die Sonne schon hoch am Himmel stand, wurde drey Mal der Bann deS Landesherrn verkündigt, durch welchen jedem unter Androhung schwerer Strafe untersagt wurde, den Kämpfern durch Zeichen oder auf andere Weise Vorschub zu leisten; und nach dieser Verkündigung des Bannes nahm der Kampf seinen Anfang. Wahrend des Kampfes standen die Geschworenen seitwärts an einer Stelle, wo sie das Bekenntniß des Unterliegenden vernehmen konnten; und das Gottesgericht endigte sich in dem bürgerlichen Gerichtshöfe eben so als in dem hohen Gerichtshöfe damit, daß der Ucberwundene todt oder lebendig an einem Galgen aufgehcnkt wurde Die Vizgrafen wurden zwar von dem Landesherrn ernannt und eingesetzt, doch nur mit dem Rathe und der Zustimmung der Männer der Städte"); und die Geschworenen 2o) ^.ssisle äellL dussL eorte h. szg. I>. 533- 634. 2l) Oon 11 oonsLAlio äe komiiii äe 1a eittL. ^.ssisie äella Kassa eorte 362 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. Xl. waren nach den Satzungen des bürgerlichen Hofes berechtigt und verpflichtet, die Willkührlichkeiten oder Ungerechtigkeiten, welche der Vizgraf in seiner Amtsführung beging, zur Kenntniß des Landesherrn zu bringen und auf die gebührende Strafe, selbst auf Verlust des Amtes, Einziehung der Güter und Landesverweisung anzutragen "). So wie die Bürger nur von ihrem eigenen Gerichtshöfe Recht nahmen, eben so waren sie noch durch andere Vorzüge begünstigt. Ein fränkischer Bürger harte das Recht, Grundstücke im heiligen Lande zu erwerben, ohne dazu der Erlaubniß des Landesherr» zu bedürfen, da hingegen die Geistlichen, die Ritter, die Brüder der geistlichen Ritterorden und selbst die im Königreiche Jerusalem angesiedelten Pisaner, Genueser und Venetianer nur mit landesherrlicher §. 4- p- 490. Unter den howini sie I» eiltä sind aber doch wohl nicht blos Burger zu verstehen. Der Vizgraf siand nach den angeführten Assi- sen §. 221. x. 52g. LZo auch an der Spitze eines oorlc siel konlcgv (Va- sargcrichtS oder Gerichts des Lagerhauses). Zu diesem Gerichtshöfe, welcher in Streitigkeiten wegen Schulden, Pfänder, MiethSverträge u. s. w. das Erkenntnis über Surianer, Griechen, Iakobiten, Nestorianer, Armenier, siuden und Samaritaner hatte, ernannte der Vizgraf zwei) Franken und vier Surianer als Geschworene. Ohne Zweifel war diese oorie siel kontcgo eincrlep mit der Oonrt ries 8 nricns, deren Begründung in den ^.ssises sie ia haute eourt 0I1. 4 (esi. lphauwassiere ^. iZ) erzählt wird. Daher führte auch in den sprianischen Gerichtshöfen mancher Städte, in welchen kein Malis angestellt war, der Laiiii sie Ia konsie (it Patio siet kontego) den Vorsitz. ^esises sie Ia haute eourt esi. Ihauwassiörv a. <1. O. und Key Canciani r. V. x. 144. aol. 2. ^jn den t^ssisie sioila hassa eorte h. 40. x. 49z wird noch einer eorte sie war gedacht, wo Streitigkeiten , welche zwischen den Schiffern und Reisenden sich erhoben (sie gctio xer rio tewxo 0 xer aicuna aitra cauia siel navißiio), geschlichtet wurden , wovon als Grund angegeben wird, xcrche in guelia eorte sie war non hä aionna hattagiia in 1e ve« hattagiia, se 1a siifferentia paesa nn marco sii argento. Atich die eorte sie mar konnte in der Regel nicht über Mord, Raub oder Werrath erkennen. Sonst findet sich über die Verfassung und Verhältnisse dieses Hofes keine Nachricht. 22) Lssisie sioiia Hase» carte §. g- ü> x, 490. 491. Verhältnisse der Bürger in den syrischen Städten. 363 Zustimmung liegende Gründe an sich bringen konnten "). Zu den Berathungen über wichtige Angelegenheiten sowohl der Städte als des Königreichs wurden die Bürger zugezogen Gesetze und Verordnungen, welche bürgerliche Verhältnisse betrafen und ohne die Zustimmung der Bürger waren erlassen worden, hatten nicht vollkommene Gültigkeit und welchen wichtigen Antheil die Bürgerschaft von Ptolemais an den Streitigkeiten der Ritter mit dem kaiserlichen Marschall Richard nahm, ist im siebenten Buche dieses Werkes berichtet worden"). Da der fränkische Bürgerstand in Syrien durch so wichtige Vorrechte ausgezeichnet war, so dürfen wir nicht zweifeln, daß die Bürgerschaften der syrischen Städte auch an der Verwaltung ihrer städtischen Gemeinwesen einen sehr bedeutenden Antheil nahmen und durch von ihnen gewählte Beamte vertreten wurden, welche mit ähnlichen Befugnissen wie die Magistrate der französischen Städte versehen waren; obgleich weder die Geschichtschreiber noch die wenigen Urkunden, welche aus dem christlichen Königreiche Jerusalem und den damit verbundenen Landern bekannt sind, über die Verwaltung der Städte des heiligen Landes alS Gemeinheiten einige Auskunft ge- 2z) Lireor» Vi somio xcrsone, olle jronno venster sr»l)ili 0 U0I1 xouno idle geistlichen Ritterorden) e ste li l>. 549- Der Ausdruck geirrl stelle eomwrrnl wird in den ^rssisie stell» Vas,» corre §. izi. x. Lio erklärt: eloe Veirerleni, Oenovesl er NlL»nl. 24; Z.B. in der Bcrathung wegen der Anstellung von Schreibern bey den Gerichtshöfen, s. oben Anm. i,. K. 3Z8- 25) Len SLpcre, heißt cs in den ^s- »isie stell» h»ss» Porte h. 26g. p. Zgz, oire'l viscoure uoir xrenst» mix» von r»sou 11 Seite soläi er ruc20 ste II scovsrorl ste 1e rive, elie'I Ile L»Iäriirio kece guesro st»liiro scuL» ei ponsigllo ste 1i sriol Iroruenl er stell Lorgcsi ste l» eit». 26) Kg». IZ. S. SZo folg. 364 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XI. wahren. Der. Fürst Voemund der Vierte von Antiochien verschmähte in den Händeln, in welche er mit der Kirche und dein Könige Leo von Armenien gerieth, keinesweges den Beysiand des Bürgermeisters und der Rathsherren, so wie der übrigen Bürgerschaft seiner Hauptstadt, wie ebenfalls im siebenten Buche dieses Werkes berichtet worden ist"). Den Surianern oder alten ursprünglichen christlichen Bewohnern von Syrien war zwar ein eigener Gerichtshof zugesianden worden, welcher auch die richterliche Behörde für die bürgerlichen Nechtshändel der Griechen, Jakobiten und Nesiorianer war^); jedoch war dieser Gerichtshof mir in den Streitigkeiten, in welchen beyde, der Kläger und der Beklagte, jenen morgenlandischen Kirchenparteyen angehör- ten, urtheilsfähig; und der Vlutbanu war dem surianischen Gerichtshöfe eben so wenig übertragen worden als den pisa- uischen, genuesischen und venetianischen Gerichtshöfe», welche in den syrischen Handelsstädten angeordnet waren Ver- 27) Kap. 1. S. rö folg. Besonders Vgl. S- 37- 2g) Gcsch. der Kreuz,»ge Buch 1. Kap. iz. S. 313. Vgl. oben Anm. 21. S. 362. 2g) L.ssiüiis tdictem orckiuare ^>1aoneitt, sir- cramcutum tläetilaris Iistdls saoiev er jilradtr guock secuuckuiu terrae eonsrieructinem curtae vesrrae oarr- L»s jucktcabir er äisoeruct, kaxorr Irrst. < 1 e kroveuoe r. II. c^aris 1778- 4.) xreuves iro. 2Ü... Da aber dieses Hofs der Marseillec zu Ptolemais in den Asstscn keiner Erwähnung geschieht, so vermuthe ich, dag er 'nicht wirklich eingerichtet.wurde. S. unten Kap. XVUI. Änm. üzs . . 366 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.XI. waren Es konnten aber nur diejenigen Surianer, welche in den Städten wohnten, in den Fall kommen, städtische Grundstücke zu erwerben; denn die auf dem Laude lebenden Surianer waren, so wie früher unter der römi, scheu und saracenischen Herrschaft, eben so auch unter der christlichen, zwar nicht Sklaven, aber doch an den Boden gebundene Beysaffen, welche ihrem Herrn dienstbar und zinöpflichtig waren: sie konnten mithin nur auf dem Gebiete ihres Herrn mit dessen Einwilligung Grundstücke an sich bringen Wir finden zwar über die Gesetze, nach wel- go) I-ioro stelle i^esisic H. 16. x. Agg. Zr) Lnur alll Nomines L temxoil- bus antignis snb stiversis äominls in rcrra commorantes, so!> Iloma- nis, 6raeois, Isoinis er llsrioois, Laraeeilis er Obrlerianis, vioiisus eubalteriiis longo renixoie jngnm xassi eervütnlis; nbigue servl, sem- nis suis reservali; xrorsne imbol- les er zirsteliis velnr mniieres in-- ntiles, exoexris csnibusstam, gul aronbns er sagitlis lanrnm urnniuv. Li Luri.siii nnnoupanlnr. l.,oobi äo Virri.rco biscorio orlcnr. o. 74 (bei.) Dongars) ?- iogg. Dag diese Beschreibung, welche auch Marinuü Sa- nutuö tu seine Seercra llstellrun crn- 018 l.lb. III. Vars g. oag. I. x. ijZl ausgenommen bat, nur auf die Surianer, welche auf dem Lande als Paröken lrra^orxor), d. i. Bellsassen, wvbnten, sich bezieht, dürfen wir wohl nicht bezweifeln: diese Surianer waren Colonen (serviterrae) im römischen Sinns des Worts. Dgl. Fr. C. v. Savignv über den römischen Colonat, in den Abhandlungen der K. Mad. der Wissensch. zu Berlin aus den Jahren >322. igsz. S. 6 folg. Dag die Surianer, welche in den Städten wohnten, in günstigeren Verhältnissen sich befanden, lägt sich daraus abnehmen, dag ihnen eigene Gerichtshöfe zugestanden waren: diese Begünstigung konnte aber den auf dem Lande lebenden Suriancrn, welche in Folge der Beschaffenheit ihrer Verhältnisse unter der Gerichtsbarkeit ihrer Grundherren standen, nicht ge- währt werden. Nach einer Angabe des üäbro steile ^seisie §. 22. g. AAr stand den königlichen Belltassen l Partei stet Ile), worunter vielleicht vorzugsweise Surianer verstanden werden, die Befugnig zu, von zwei) Grundstücken, welrhe'in Einer Hand vereinigt waren, Eins und zwar dasjenige, welches von geringerm Werths war, zu vcräugern. Sicherlich war aber zu einer solchen Veräußerung die königliche Einwilligung erforderlich (vgl. Savignv a. a. O. S. iz), und der Erwerber wurde kein frever Eigenthümer, sondern ein Paröke. Aus dem Berichts des venetiantschen Bailo Marsilius Georgius im Ickber albus (Handschr. des k- k. Haus- und Verhältnisse der Surianer. 367 chen die Surianer lebten, keine Nachricht ^), und in den Satzungen des nieder» Gerichtshofes wird nur erwähnt. Staatsarchivs) vom Jahre 1243, dessen wir unten ausführlicher gedenken werden, wissen wir, dag die Verwaltung und Gerichtsbarkeit über die Ge- höss oder Dörfer (casaUa) durch 6 a- «talstiones oder kraepositi, welche die Erundhcrren anordneien, versehen wurden, und eben dieser Bericht giebt uns über die Beschaffenheit der Steuern, welche die Colonen entrichteten, Auskunft; z. B. von einem im Gebiets von Thrus belegenen Casals Theiretenns, welches die Venetianer gemeinschaftlich mit dem Könige oder den Meistern der Templer besagen, wird folgende Nachricht ertheilt: ilu- Hnnnt. Ita güost ei aliguis ste ru- sticis I,egiS peceat vei steiinguit, guost Ilex badet stuas Zaires er iros tertiain. Istciu cst, er aliguis ste nostris tuslicis stclinguit, c^uost Ilex badet stuas partes er nos tertiaiu ... stra pari? ldaS Eafale enthält 30 ca- rueae oder Bauerhöfe). Naeo sunt uomina rusticorum: Ilaz-s, Sacke, liegest, lVlegram, draim, Seist, iVIa- Irumest, Ilelel, Hadsteiraginam, Sclcm, lffovclstoule, Laragns. (Man sieht aus diesen Namen, wie sehr die arabische Sprache inner den Suriä- Nern herrschend war,) Diviäuntur IruLtus ira, grinst NOS IiaNemus ier- tiam pattem, et küstivi stnas parrer. (Auf andern Casalien erhielten die Denetianec nur den vierten Theil der Früchte, und dreh Wierthelle blieben den Bauern). Dedent rustici pro griaiidct oaruoa ist tribns stiolis fe- stivitatidus (irr nativitate Oomiiri, earnisprivio et pasebate) urrarrr gai- iirram, stcvcm ova, stuosteoim roii- stos (?) pro ligiris. In earnisprivio et pasvate äelrent praeäieta ennr nrestia rotrria easei. Die Abgaben waren zwar nicht auf allen venelia- nischen Casalien völlig gleich, jedoch nicht sehr verschieden; auch gab cs auf einigen earueae lidcrae, welche also ganz oder zum Theil steuerfrei) waren. Die in den Städten wohnenden Surianer scheinen wenigstens in späterer Zeit einer Eewerbsteuer unterworfen worden zu seini. Wenigstens bemerkt der Bailo Marsiliuo Eeorgius in Beziehung auf ThruSi Suriani texarini oiim liiiril solvedant, nune a guooumgue pro uirrguagtie fo- voa, ulii texunt, äuo oarlara per za) Wenn Marinus Sanutus (a. a. O. p. Iga) sagt: Observant gnogue eonsuetuäines et institnla 6raeeo- ist diese Aeugerung nur auf die kirchlichen Gebräuche zu beziehen, wie auS dem Zusammenhangs der Stelle heroorgeht, und Marinus Sanutus kheilt auch nur unvollständig dis Nachricht des Jakob von Witry mit, welcher (a. a. O. x. rogo) also sich ausdrückt: Oonsuerustines autem et institutiones 6 raeeorum ln stivinis okircäis et aiüs sxiritualidus Suriani xenitus Observant St eis tanguam suxerioridus suis obestiuut. 368 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. XI. daß ein Surianer, welcher eine» Franken schlagt, die Halste der Buße, die einem Franken in ähnlichem Falle aufgelegt wird, entrichten soll, fünfzig Visanticn an den Gerichtshof und eben so viel au den Geschlagenen^). Man darf aber um so eher annehmen, daß den Snrianern der Gebrauch des römischen Rechts im Allgemeine» nicht entzogen wurde, als durch die Assisen des bürgerlichen Hofes selbst größten- the.ils nur römische Gesetze und Anordnungen bestätigt werden. Mit so großer Billigkeit auch die christlichen Ritter, welche das heilige Land eroberten, die Verhältnisse der Sn- rianer ordneten, so waren die Snrianer doch niemals treue Unterthanen ihrer abendländischen Herren, behielten stets eine Vorliebe für die Saracenen, deren Sprache und Sitten sie angenommen hatten, und dienten denselben oft als Ausspäher und Verrather So wie es aber, den Gesetzgebern des Königreichs Jerusalem nicht gelang, die aufrichtige Zuneigung ihrer syrischen Unterthanen zu gewinnen,- eben so wenig vermochten sie einen kräftigen fränkischen Bürgerstand im heiligen Lande zu begründen; schon die nächsten Nachkommen der abendländischen Christen, welche in Syrien sich niederließen, entarteten und nahmen morgenländische Sitten und Laster an; und diese Entartung, über welche schon in den ersten Zeiten der Kreuzzüge bittere Klage geführt wurdet, nahm in dem ^ AZ) ch,s.«isie äella chassa carte §. 2g6. i>. zz8- Eben so bezahlte eine Frau, welche einen Franken geschlagenchatte, nur die halbe Bulle. A 4 ) lec- äe Vitr. 1. o. I>. logg. ZS) Geschichte der Kreuz». Buch III. Kap. 8. S. 202—207. Alü eine ver> abscheuungSwürdige Bequemung der Pullanen an saracenischs Sitten betrachtete Jnnocenz iv. auch die Prägung von Münzen der christlichen Fürsten in Syrien mit dein Namen MohammeL'S und den Jahren der Hedschrab, und er schrieb,daher von Perugia Im Februar 12ZZ an den Cardinal Odo, damaligen'Legaten in Syrien: Iransmissa nodis iusiuua- tioue mouzrrasti, guost cum tibi 1i- -guist» constuidset, guost. 1u iusau- ciis et stragmis, guae in 2 vccoueusi Verhältnisse der italien. Handelsrepublik in Syrien. 369 Fortgange der Zelt immer mehr überhand. Ungeachtet aller Unglücksfalle, von welchen das heilige Land so oft heimge- sncht wurde, lebten die Pullanen in einem üppigen Wohlstände, welchen sie zum Theil zwar ihrer Betriebsamkeit und Thätigkeit, zum Theil aber der gewinnsüchtigen Uebervor- theilung der Pilger in den Preisen für Wohnung und jedes andere Bedürfnis; verdankten Auch die geistlichen Ritterorden entsprachen immer weniger den Erwartungen, welche sie in ihrer frühesten Zeit erweckt hatten; sie bewahrten zwar noch immer den Ruhm einer bewundernswürdigen Tapferkeit; aber die unversöhnliche Eifersucht der Templer und Hospitaliter war oft für das heilige Land von den verderblichsten Folgen, und die Unfälle, welche in dem vorigen Buche berichtet worden sind, wurden größtentheils durch die gegenseitigen Feindseligkeiten jener Ritterorden herbeygeführt. Von noch schlimmerer Wirkung war der große Einstuß, welchen die Pisaner, Genueser und Venetianer auf die Angelegenheiten des heiligen Landes gewonnen hatten; und wir dürfen wohl behaupten, daß diese drey Handelsstaaten durch ihr verkehrtes Benehmen den Untergang der christlichen Herrschaft in Syrien beschleunigten. Sie begnügten sich weder reZno Ilierosol^iniisiio, prinoixatn. ^ntioolieno ae oomitatn. l'rixolilLno excommnnioalLonis sentenriLM xro- mnl^asti; ynare netiisti, ntsandem sententiam roknr laceremns Hrrui- rstLs äebitnm odtinere. 27os iALtnr Lltendentes, non soluin Lnäi§num. esse, seä etian» .ikoiriiiiLkile, Iiujns- moäi dlLsiilieivuru nomen rsm so» lerani inemorise oommendare, man- »^pellstionis olrstLculo, luviolndi- litor odservari. RalnLldi annales cooles, sd 3 . I2ZZ. x. §3. Z6) 730. de VLtr. 6. K. O. A a vn. Band. 370 Geschichte der Keenzzüge. Buch VIII. Kap. XI. mit den Besitzungen, welche in den syrischen Städte», an deren Eroberung sie Theil genommen hatten, ihnen waren zngcsianden worden, noch mit der ihnen zugesraiidenen eigenen Gerichtsbarkeit und den andern Vortheilen, durch welche ihr Handel im gelobten Lande begünstigt und erleichtert war ^); sondern erweiterten mit einer unruhigen Geschäftigkeit bis zur Uebertreibung ihre Vorrechte. Sie nahmen an der Vertheidigung des Landes keinen oder doch nur sehr geringen Antheil, schlossen einseitige Vertrage mit laraceni- schen Fürsten ^3), verfolgten sich unter einander mit leidenschaftlicher Eifersucht und machten Ptolemais und andere syrische Städte oft zu den Schauplätzen blutiger Kämpfe 3»). So wie sie unter einander selbst in stetem Unfrieden waren und einander zu schaden sich bemühten: eben so standen sie selten in gutem Vernehmen mit den übrigen weltlichen und geistlichen Behörden des heiligen Landes. Ueberhaupt war ihre Thatigkeit in Syrien nur aus Erwerb und Gewinn berechnet 37) lieber die Verwilligungen, welche im Königreiche Jerusalem im I. ii2z zugestanden wurden, s. Gesch. der Kreuzzüge Buch II. Kap. sj. S. gyü folg. 38) So schlossen die Venetlaner Handelsverträge mit dem Sultan von Halcb in den Jahren 122z, 1229 und 12S4, und mit den Sultanen von Ae- gvvten tn den Jahren 1234 und i2Z8- Die Urkunden dieser Verträge finden sich tn dem Inder albus lHandschr. des k. k. HauS- und Staatsarchivs zu Wien). Auch Marin (Sioria fiel 24454 - tbcilt eine Nachricht mit von den Verträgen, welche die Venetlaner im Jahre 12:9 mit dem Sultan von Haleb, und im Jahre roiy mit den, Sultan von Jkonium schlossen. 39) Der Kriege und Kämpfe, welche im gelobten Lande zwischen den italienischen HandelSrcpubliken während der Kreuzzüge Statt fanden, iss hin und wieder in dem Laufe dieses Weckes gedacht worden; es licken sich die Nachrichten darüber aus den iia- lienischen Chroniken deS Mittelalters sehr vervollständigen, wenn in dieser Beziehung Vollständigkeit und Zweckmäßigkeit nützlich wäre. Spätere Händel dieser HandclSstaatcn werden in der Folge gemeldet werden. 40) Vgl. das Gesch. der Kreuzzüge Buch tll. Kap. g. Anm.ld. S. 207.208 Besondere Verhältnisse der Venetianer. 371 Die Grundsätze, »ach welchen die Venetianer in Syrien verfuhren, und die Weise, in welcher sie ihre dortigen Besitzungen verwalten ließen und sich nützlich machten, stellen sich auf eine sehr anschauliche Weise in zwey Berichten dar, welche in den Jahren 124z und 1244 der damalige venetia- nische Bailo oder Statthalter in Syrien, Marsilius Geor- gius, erstattete"). Dieser Statthalter kam nach Syrien im Jahre 1240, zu der Zeit, als der Mische Marschall Richard mit unzulänglichen den Zweyteu die Rechte der Umfange als möglich wieder größer« bemüht war und Venetianer nicht schonte"). mitgetheilte Uriheil deS billigen und einsichtsvollen Jacob von Vitro. qi) Dieser Bericht, welcher im Diner albus lHandschr. der venetiani- schen Abthcilung des k. k. Haus- und Staatsarchivs) t» 1 .172 sg. sich findet, ifi also überschrieben: Marsilius 6e- uariat, und hebt an mir folgenden uis Veueciarum: Irieo cgo Marsilius Seorgius, bajulus Vcuelorum iu Szr- ria, iu «crixruiu reiiigi fcci, 7 und Kap. 19. S. 62Z. 626. no» Iisbcrettir. Bericht des Mar> siliuö Georgiuü. 44> Locxi 8sgsoitcr intluceie sio- intnnni vlulipxuin sie iVloiiksorl, gtii Uominus erst riiroitis, et slios, 9 tios oresievsm rainse rei expeäire, tit tVeeoit retiitere P085enitt3 et I v- rnm recuxersre. Mars. Georg. 4 L) irsul sie 8»il8iin> de» Marsilius. 46) Am Z. JuniuS 1240 nach Marsilius- Besondere Verhältnisse der Venetianer. 373 und Burg von Tyrus, nachdem ihn die Königin Mir dazu aufgefordert und ihm verheißen hatte, den Venetianeru alle Rechte und Befreyungen, welche ihnen in jener Stadt gebührten, znrnckzugeben. Als aber Balian von Jbelin und Philipp von Montfort nicht ohne den Beystand der zn Tyrus ansässigen Venetianer diese Stadt in ihre Gewalt gebracht halten so fand die Erfüllung des Versprechens, welches die Königin Ali.r dem Statthalter Marsilius gegeben hatte, große Schwierigkeit. Die Königin sowohl als die Varone antworteten dem veuetianischen Statthalter, welcher seitie Ansprüche geltend machte, mit Ausflüchten und vertrösteten ihn auf die Bestimmung einer Versammlung der Prälaten und Barone, welche zu PtolemaiS gehalten werden sollte, und auch diese Versammlung verschob unter leeren Vorwäm de» ihre Erklärung. Mittlerweile wurde von dem Vizgrafen 07) MarstliuS wurde nach seinem Berichte von der Königin ersucht, auf ihre Koste» eine Ealee zur Eroberung von Torus auSzurnsten, indem ste versprach- die Venetianer in ihre Rechte zu Torus wieder einzusetzen. Der Statthalter war bereitwillig, derKvnigin bchülffich zu scyn, unter der Bedingung, dag dieselbe sich zur Erfüllung jenes Versprechens verpflichtete; er erklärte aber, dag die Ausrüstung der Salee nur auf Kosten der Republik Venedig geschehen könnte, vnino Venetiainin 11011 cst oonsne- tum siiveie .ilicjiioä servitiiim aii- oui 8 UO umieo eorum expeiisis, se «1 tLiiNliii suis propriis. Als Alix auf bündige Welse das verlangte Versprechen gegeben barte, so führte Marsü lius schon ain 9. Juri. 1240 drcyßig Mann zu ihr. Die Stadl Tyrus wurde hierauf mit Hülfe der dorr wohnenden Venetianer in drey Lar gen, und die dortige'Burg in acht und zwanzig Tagen (onm rrirrxno 1 s- dore) erobert, wovon MarsUiuS also berichtet: A.1II1 idi oonstruximns driäriiu ( Wurfmaschtne, s. DiioauAe Uttd ^.äelunx Olosssr. vv. Lricoia et Lriäa) et oirius IiLinnrniis giiani iialniissemus, iiisi esset ^iiorl kitzu- 1 iis Iirl^eratoris, c^,i xer^edst in ^inili-im, x.issns Iiiit iiLnfiaAiinn riä inontein äo Lirelie. <^ni reäiit onm l-arolia navis, in ^na reverte-- iiritnr et ililit 'I'xruin, Lt sio euin clernut. Vgl. Gesch. der Krerrzzüge Buch VH. Kap. iy. S. 6 -Z. 626. 374 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIU. Kap.Xl. von Tyrus ein Venetianer, welcher eines Diebstahls beschuldigt wurde, ergriffen und aller Vorstellungen ungeachtet unter dem Vorwände, daß den Venetianern der Blntbann nicht zustande, nicht an den venetianischen Statthalter, sondern an den Meister der Templer ausgeliefert, welcher den Gefangenen endlich dem Bailo Marsilius überantwortete. Nach vielen vergeblichen Mahnungen erklärten zuletzt die Barone des Königreichs Jerusalem dem venetianischen Statthalter, daß sie ihm nur zurückgeben könnten, was der Republik Venedig durch einen Statthalter des Königreichs, nicht aber was derselben durch einen König selbst entzogen worden sey, weil nicht die Königin Mir, sondern Conrad, der Sohn des Kaisers Friedrich, als der rechtmäßige König von Jerusalem zu betrachten wäre"). Marsilius berichtet hierauf, daß er zwar den Baronen geantwortet habe, die Gerechtsame, welche er znrückforderte, wären wirklich den Venetianern durch einen Statthalter entzogen worden; daß die Republik Venedig aber zu Tyrus keincsweges in ihre vollen Rechte wieder eingesetzt wurde; und er erwähnt in seinem ersten Berichte vom Jahre i 2 g.z, welcher die Verhältnisse der Venetianer zu Tyrus betrifft, nur folgender einzelner Zugeständnisse. Der Statthalter bewirkte cs durch seine Beharrlichkeit, daß dem Gerichtshöfe der Venetianer zu Tyrus nicht nur die Gerichtsbarkeit über die auf dem venetianischen Dritttheile der Stadt wohnenden Suriancr, welche die Venetianer zur Zeit des Königs Johann von Jerusalem nicht ausübten, zugestanden, sondern auch die Bcfugniß ertheilt wurde, über 4L ' si per d^Livniu »litjULM rü xer dominum illiquid di- .itiud (aljyuid) nol-is kursset nünutum esset» non resntuercnl, diminurum, yuod lidenter nol-ie re» cum ips.i Regina non sn Leßitiru» siituerent et facerenr resiitui; sed in liefino, scd Nex Ooraäus. Besondere Verhältnisse der Venetianer. 375 Todischlag und Diebstahl zu erkennen""), welche die Assisen des niedern Hofes im Allgemeinen, wie oben bemerkt wor, den ist, den Gerichtshöfen der drey italienischen Gemeinwesen absprechen. Es wurde ferner den Veuetianern die Gerichtsbarkeit über die auf ihrem Drilttheile von Tyrus wohnenden Juden, und das Recht überlassen, von jedem derselben, welcher alter als fünfzehn Jahre war, eine Kopfsteuer, nämlich einen Bysantius, welcher jährlich am Allerheiligenrage entrichtet werden mußte, zu erheben^"); eben so wurden auch die saracenischen Weber, welche auf dem venctianischen Dritttheile wohnten, zur Entrichtung einer Steuer an die Republik Venedig verpflichtet Der Bann, welchen noch zu den Zeiten des Königs Johann von Jerusalem der königliche Mattasi'p auf dem venelianischen Dritttheile eben sowohl, als auf den beyden königlichen An- theilcn von Tprus von den Specerephandlern "), so wie von denen, welche Wein, Oel, Lichte und Fleisch feil hiel- qy) Nachdem Marsilius berichtet bat/ rag den Bcnetianern ehemals ,u Ty- rus die Gerichtsbarkeit über die Su> rtancr (gui eiailt in nostro Dcioic- rio) vvrenthaltcn und nuninehr wieder zurückgegebcn worden, und auch der dortige Blutbann ihnen früherüin gewehrt worden se«, so fährt er fort: 8esi nunv inwemus lideie et keci- tuus justitiaw et letinuimus xer total,r irostrnm temxus curiirm sie iio- Illioiliio et kurto, in pr-rekcoli-i. et conscnsn Oasteiianorum, visielicet Vgori» (Vgonis) Lmirantiet liilirsii risani et Vioeoomilis, iniiitis no- niinc SaNacii; et siominu« Lerirln, gui Iiitdel lioiuiiultioneiu terrae i'v- ri, niisit nodis gueusiam nostrnm Venctuln, gni kuit sie Oxxro, no- ulius I-lcodinum vardcrium, gui 50) Es wohnten auf dem vcnetlani- schen Dritttheile sieben Juden, deren Namen Marsilius nennt; einer von ihnen Harle zwcy Sohne, welche das steuerbare Alter erreicht hatten (äuos lilios sie -letate). 51) S- oben Anm. 3 i- S- 3üä. zr) S- oben Anm. 12. S. ZSY. Sz) l^ui sunt ^porlieeriii (exotlle- earii), vensientes exieoias et LÜL wercimonia. 376 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. XI. ten, erhob, wurde abgkstellt; und es wurde dagegen festgesetzt, daß nur den Venetianern das Recht zustehen sollte, auf ihrem Dritttheile durch ihren Statthalter oder Vizgrafen einen Bann zu erhebe». Nicht minder wurde die alte Gewohnheit, nach welcher die Unterthanen der Republik Venedig zu Tyrus von jedem Schweine, welches sie schlachteten oder verkauften, dem königlichen Hofe vier Deuarien zu entrichten hatten *"), abgeschafft. Nachdem Marsilius Georgius über diese Zugeständnisse berichtet und die Formeln der Eide, welche die Geschworenen des venetianischen Gerichtshofes zu Tyrus bey ihrer Anstellung, und jeder dortige venetianische Unterthan, so wie diejenigen, welche auf dem venclianischcn Dritttheile zu Tyrus Hauser kauften, zu leisten hatten ^), mitgetheilt hat, so läßt er ein Verzeichniß der Hauser, Backöfen, Bäder, Gärten und anderer Grundstücke folgen, welche innerhalb der Stadt Tyrus sowohl die Republik Venedig als die Kirche des heiligen Marcus, die nach der Eroberung der Stadt zur Zeit des Königs Balduin des Zweyten daselbst von den Venetianern war erbaut worden, so wie andere tyrische Kirchen im Jahre 124z wirklich besaßen, nebst der Bezeichnung der Gränzen bey jedem Grundstücke und bey mehreren auch der jährlichen Abgaben "), welche davon entrichtet werden 24) Lr Iioo vocridrurt niaro. 55) S. Beilage l. 57 ) Ilabomus, heißt es unter an: dern ln dem Berichte des Marsilius, et recrjpimu5 in /onrioo 1>ri brisant. l-IH annnatim sd illis, czui Iiadent regere terrae ^rerrarn) i>ro Kege; et 11 t irrrnr et äleitnr» iialiemnb srro l.aiubif, 8avon- ireNanr 6.irer (an andern Stellen der zeichnet Marsilius das Brachland earuca. Divicluutur ita Irnetus» guoä nos Uakemus gnartaui partem et rnstioi ties partes. Lt ilivisiono iLOta iisl-emus xro LL- rriea nnuin moäium Irumeini ultrs äivisionein. veääitus irersonales, gn.os äedrent rustioi, suntIiij, c^uoil äe gnaliiret oaiuea ru trlbus lestL- vitstidus» in nalivitato Vomin!, carnisprivio et i'asoate Besondere Verhältnisse der Vcnetianer. 379 dienst« von ihnen geleistet werden müssen"); so wie auch, daß die Bauern für das Saatkorn, welches ihnen geliehen wird, jeder ein kleines Füllen dem Statthalter, vermöge einer demselben von dem Dogen von Venedig zugestandenen Verwil- ligung, als Erkenntlichkeit zu liefern haben"), und daß das sammtliche in den der Republik Venedig gehörigen Ortschaften des Gebietes von Tyrus gewonnene Stroh in Folge der hergebrachten Gewohnheit nnd der Bestimmung des Dogen ebenfalls dem Statthalter zufällt. Von einem sechsten Casale, mit Namen Betheron, welches ergiebig war an Wein und unam, X ova, meäiam rotulam ca- eei recenris er XX soliäos pro una «slma lixnorum. Dt praepositus ca- salis, guem nos appeilavimus xa- ktaläioues, aur in carnisprivio aut iu pascare renentur daiulo äare unum eäum (Iroeäum?) pro ^uoli- d>et aä eins volunratem; EL äicti praepositi in aliis euur lidvri. Dr rota palea, ^uae pervenit irr parte communis, (er) esr cousueeuäo, <^uoä sic daiuli cum äictis xallnis, ovis, casco er lixnis, xrour esr vo- iuuratis äomini Ducis. Das oben vorkommende Wort xuasrina (wüste Stelle) bezeichnet einen abgesonderten Bestandthell der Casalten. Deshalb batten auch die xnastinae ihre eignen Namen; und in der Beschreibung eines casale, welches die Republik alS Lehen vergeben hatte, werden von MarstliuS die Namen von vierzehn xuasrinis aufgeführt; z. V. ioräei, IVle^arlia, l'oreix, Disilia u. s. W« So wird eine zum Lehen des Wib Helm Iordanu? (s. unten Anm. 6s) gehörige und im Gebiete von TvruS belegene xuasrina also beschrieben: De keuäo eoäem esr czuaeäam xua- sriNL, l^uae voealur Lelemecl guae esr sira äesnper conciucro. Dirmar in orieurem in casale l'alaliie, Lr- kisanorum, lirmar versus austrum in terra ^.rclriepiscopi er 6cu kara- rinis (lex. karaonis, wie dieser Baum weiter unten beißt) er rivoli, Ilcääit pro atztzalto 6XU di- k-3»rt, 64) Inprimis Iiakernus rul.rrrr iilii eliieirur yaeliLrum irr Besondere Verhältnisse der Venetianer. 381 In der Aufzahlung der unberücksichtigt gebliebenen Ansprüche, mit welcher Marsilius Georgius seine» Bericht über Tyrus schließt, werden ebenfalls manche merkwürdige Verhältnisse berührt; und man sieht aus dieser Aufzahlung, daß in Tyrus nicht nur Korn und anderes Getreide, Oel, Wein und Bier, sondern auch die Milch und der Honig mit Steuern belegt, und diese Steuern eben so wie die Fischerey, die Glasbreunerey und Kalkbrennerey verpachtet waren, und von der Pacht, welche dafür entrichtet wurde, die Venetianer ehemals einen Antheil erhalten hatten"). Nachdem Mar- nostro tempore, in gua non kuir Factum ^acliarum ueo lalioratum luit in ea Ham trausaotis XXII an- nis. Item Iiademus msAnam xeciam terrae in nno loncko optimo, udi xlantatur canamelle, äs c^uilrus ei- üciiur ^aelaarum, juxta äiolam ma- sariam, et äicta xecia irriZatur aä oanamelias creauäas ex a^ua lontis, äein^ne per§ir et äiscurrit juxta äictam masseram; c^ui Ions est no- srer irro rertia xarte et oustoäitur et reäcitur, cum e8t neoesse, a no- dis xro tertia xarte nostra xer no- stras mauus. Ita^ue ciuauäo Hex inmittit äuos laomines, et nos in- mittimus unum; et etiam Iroo la- cimus xro ax»tai»äo oonäucto a^uao. De agua kontis et conäucio uullus laaliet xotestarom liaurienäi aguam vel irri§anäi lonäos nisi Dex et nos, et ipse xro äuai^us xartidus, et nos xro tertia. Nachdem die Gränzen des Grundstücks bezeichnet worden, fährt MarstliuS fort: 2 sr rat äs äicta terra, tam äe canamel- lis c^uam äe seinine, c^uoä exlrident nostro vieecomiti tertiain xartem intexram sine ali^uo äisxeuäio communis äe omni Iructu; et palea, ^nae pervenir communi, est daiuli ex ^raeoexito äucis. omuis §eneris §ranis, vinr, olei et mellis reeixilur xro appalro 666X I)isant. Item ex vitrco recixitur 7>ro appalro 6001^ iaisant. Item ex calce cum aliis, DUle ei xerrinent DXXXX I-isant. Item ex züscaria reci^itur xiro ax^ialto disant. DXXX. Item ex vino cervese (cerevisia)» ^uoä ellicitur ex oräeo, guoä loca^ (das arab. vocaut, recixitur xro axxralto Insant. XXII. Eben so waren auch der Zoll, welcher am Landthore (xorta versus terram), und die Abgaben, welche in dem in Der Nähe dieses Thors auf dem vene» tianischen Dcittthetle belegenen Fon» tego und auf Der dortigen Waage (statera) von den verkauften Waaren entrichtet wurden, für rzoo Aysantien verpachtet, und der Pacht von dem Fleischscharren (macellum) und der Accise (rua^o s. oben Anm. 54. S. 376) betrug 400 Bysantien; Marst» lius beginnt die Angabe Der bis zu 382 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. XI. Mus von diesen und andern der Republik Venedig zu Tyrus entzogenen Gefallen Bericht erstattet hat, so fügt er noch die Bemerkung hinzu, daß auch ein aus zwölf ganzen Casa- lien oder Ortschaften, den Dritktheilen von vier andern und einem Hause zu Tyrus bestehendes Lehen, welches die Republik Venedig unmittelbar nach der Eroberung der Stadt dem Nobile Orlando Contareno als Belohnung für die von ihm geleisteten Dienste") übertragen halte, der venetiani- seiner Zeit unberücksichtigt gebliebenen Ansprüche auf folgende Weise : 8oien- äum esc, yuoä seounäum Privilegium er eonventionem liadntam Inter Re^em er commune Venetiae äedemus hadere tertiam partem civitatis 'I'xri Üdere (vgl. Gesch. der Kreuzz. Buch II. Kap. 24 S- gy?', itL nr Rex alias 6.U38 parres iiadier et äedet hadere. 8ect retinetur no- t)is 3. Rege et gni pro eo sunt, pars nostra tertia de ynibusärrm reüiti- liu8, cpri recipiunrur iukra civita- tem ^)'ri, er miramur, et nesci- mu?, gualiter et «^uomoclo dicti re- Lirus retinentur er sunt amissi» Iu- primis retinentur reäitus tertiae parris catenao ( wahrscheinlich eine Abgabe, welche am Thore von TyruS, das durch eine Kette gesperrt war, von Waaren und Gütern erhoben wurde, s. das Ende dieser Anm. , Huae in kioc anno (1243) appaitata Luir QLLOIaXXX Risanr. aä ratio- uem äe toka. Lt manikesrum esr, <;uoä Rex ^ioirannes lidieravit onines Lurianos 3. üarione catenae, rzui es- kenr äe suis partikus; c^ui 8uriani, si aci n08 reverreretur reäitus ca- tense, 3. earena er ejus reäiti^>us non essenr iiderari, cjuia eo tempore 3 uodis pro nosrra parle non L'uir eoncessa lidertas. i^r kertnr c^noä Rex 7oki3nnes iäeo kecit, nr 8uriani, cjni iraizilant in nostro hung auf einen andern Fondaco, welcher den Venelianern ebenfalls vocenthalien wurde, bemerke Marsi- lius : ltem ex alio konrico, ^uoä esc in nosrro tercierio, enm tudis ec luäenäum, recipitur äe ei5 Roc 3nno pro Lppairo d>isanr. D. Mar« silius beschlicht diesen Abschnitt mit folgender Bemerkung: Noscanr no- stri Veneti «luoil Iiadiemus unam Regis esc konticnm Risanorum, cznoä. emernnr a Rege» construxe- rnnr ecclesiam super äicra volta er xorra civitatis, ira ^uoü in no- stra xarte esr t'uia (?) Zuxra xeäcs c^uin^ue; er ranto tempore exstirir consrructa, cproü in l^ro (vix) re» peritur aiiguis Hui mcmor sir accii- licationis ecclesiae memoratae. Lc sud porra et volta venäitur panis, er recipimus nostro tempore pen- sionem 3 nostro vicecomite. 66) Rrc» tribus militiis. Besondere Verhältnisse -der Venetianer. 383 schen Hoheit schon nach dem Tode des ersten Lehenträgcrs entzogen wurde, indem dessen Witwe Guida, obgleich das Lehen, da Orlando Contarcno keine Nachkommen hinter- ließ, der Republik heimfallen mußte, in dessen Besitz widerrechtlich sich behauptete und den König von Jerusalem zum Erben ernannte; welcher nach dem Tode jener Witwe sich in den Besitz des Lehens setzte, ohne die Ansprüche der Venetianer zu beachten. Zuletzt gedenkt noch Marsilins vierzig anderer im Gebiete von Tyrus belegener Ortschaften, deren Besitz die Republik Venedig ebenfalls verloren halte Mir eben so großer Genauigkeit gab Marsilius Geor- gius im Jahre 124 g. iu einem zweyten Berichte Auskunft über die Häuser, Bader, Tafeln oder Bänke, Backofen und andere Gebäude, welche zu dem Fondaco der Venetianer zu Ptolemais und dem damit verbundenen großen Palaste ge, hörten"); über die Weise, wie diese Gebäude benutzt, und über die Micthzinse, welche davon bezogen werden. Die 67) Eö ist merkwürdig, daß Marsi- liuö nur in Beziehung auf zwei) die» ser vierzig Casalien eS in Erfahrung bringen konnte, auf welche Weise die Republik Venedig sie verloren harte' er bemerkt über da6 Casale Teyr- clerent äerellotnm, L^prelienäernnt et nnno xossiäent, et I 100 Inrellißst- Nir solnmmoäo äe 0L83.11 l'c^rkebne; und über das Casale Sedim: Lc ce- xro terria xarte, er sälino non snnc XQ anni, et iäem testarnr llromLL vnlee et slil xlnres; älmlsit illncl» c^noä tenebat, piopter oeoLsionem älvisionis, cznam voledrir üerl onm I^e§e äominns kantLleollarbo (wahr» scheinlich der damalige Bailo ), gni ßnl Lomes Ilenrlcns äe Lampania; et K .00 1ntv11i§1rur solrrmmoäo äo OLsall Leäim. 68) Dieser zweyte Bericht, welcher ebenfalls in dem l-ider albus sich be» findet, ist überschrieben: I-r nomine äomini lesn Lkristi LnnoIVILLXI^IV. Incl. IläL^oeon. IVlemoriale posses- elonum in rnZL knrni, oi> äedcrei.t rcoixcre nu-riir. Dgl. Ges», der Kreuzzüge Nisi gut cxeui.r -Io Buch II. Kap. 24. S. 4Y8. 499. Nc-rnc>! i.ee ert-lll. cte perc^rinis -o„tr-.-N°^t -t-.ro rreae.rwe ^are rr°- ir-°te---.ver-.,.r -r -.aae- -Mu-n cnjuscumgue I.°- "Ulli. et gu-u-togue »on. I)1s3Nl1o5 äe lontieo l^ri, znoä inzuste Faeiunr et reoixinnt. Lr «znLnäo- guo evenir <;uo6. reeixiunr et la- Besondere Verhältnisse der Venetianer. .387 eine Kirche und eine Straße zu besitzen, so wie an die Verheißung, welche den Venetianern durch das Privilegium des Königs Balduin des Zweyten ertheilt war, daß auch von der Stadt Askalon und deren Gebiete ein Dntttheil unter gleichen Verhältnissen und Rechten wie das lyrische Dritt- theil ihnen überlassen werden sollte. Marsilins fügt die Bemerkung hinzu, daß auf dem Gebiete von Askalon außer etwa zwanzig unbeträchtlicher» Ortschaften zwey und siebzig Casalien mit wenigstens zweyhundert Bauernfamilien gezahlt wurden. 72) Lt iernrr ynoä in äistrictu äicrav civitatis (8ca1onae) sunt i-XX casalia, et etiam iä, minus inter äicra imdetur (d. 1. was die geringere Angabe ist), äucenrae lamiliae rexeriuntur. Vgl. Gösch, der Äreuzzüge Buch H. Kap. 24 . S. 497- Bb 2 388 Gcschichrc der Kreuzzüge. BuchVIU. Kap. XU. I. §br. L2Zo. Zwölftes Kapitel. Aie ersten Jahre seit der Rückkehr des Königs Ludwig in sein Reich verflossen für die Christen in Syrien ohne erhebliche weder glückliche noch unglückliche Ereignisse. Wen» auch Ludwig das heilige Land verlassen hatte, ohne einen Waffenstillstand zu schließen, so trat dennoch nach seiner Rückkehr in Syrien eine vollkommene Waffenruhe ein, weil der Sultan Malek annaser von Damascus nicht unternehmend oder mächtig genug war, um die Christen mit Erfolg zu bekämpfen, und in Aegypten der nach der Ermordung des Sultans Turanschah eingetretene schwankende Zustand noch immer fortdauerte. Die ägyptischen Emire hatten in der Zeit, in welcher sie noch die Macht des Sultans Malek annaser von DamaScus und der mit demselben verbündeten übrigen Fürsten aus dem Geschlechts Saladins fürchteten, einen Verwandten des ermordeten Sultans Turanfchah, den Prinzen Musa*), welchem sie den Namen Malek al aschraf, d. i. der glorreichste König, bcylegten, auf den Thron erhoben und dem Emir Asseddin Aibek, welchem schon der Titel eines Sultans war zugestanden worden. i) Muss war der Sohn des Joseph, welcher der Sohn des Joseph Aksis, Fürsten von Jemen und Meskah, eines Sohns von dem Sultan Malek al Kamel, war. v,ii, niosl. --<1 a. 6-6. 1. IV. i>. Z5o. z,;s. 389 Verhältnisse der Saracene». diesen Titel wieder entzogen, so dag der Emir wieder in seine frühem Verhältnisse als Atabek oder Reichsverweser zurücktrat ^). Nachdem aber durch die Siege der Emire und durch den im Jahre 125z mit dem Sultan von Damaskus geschlossenen Frieden die äußere Ruhe von Aegypten war gesichert worden, so stieß im folgenden Jahre der Emir Asseddin den Sultan Male! alaschraf wieder vom Throne, vernichtete damit für immer die Herrschaft des Geschlechtes der Ejubiden in Aegypten, nahm selbst den Titel eines Sultans wieder an und suchte seine Herrschaft durch seine Vermahlung mit Schadschreddorr, der Witwe des Sultans Ejub, deren Ansehen und Einfluß noch immer sehr groß waren, zu sichern *). Diese Anmaßung des Emirs bewog die baharischen Mamluken, welche bis dahin den Kern des ägyptischen Heers gebildet hatten, das Land zu verlassen und in den Dienst des Sultans von Damaskus zu treten, welchen sie zur Erneuerung des Krieges wider Aegypten ermunterten *). Dieser Krieg wurde zwar schon im Jahre 125z durch einen Frieden beendigt, in welchem Bir al Kadi zwischen Varradah und Mansch als Gränze zwischen den Reichen von Damaskus und Aegypten bestimmt wurde °), Asseddin Aibek fiel aber nach wenigen Jahren: als Opfer der Eifersucht seiner Gattin; denn als Schadschreddorr in Erfahrung brachte, daß ihr Gemahl um die Tochter des Fürsten Vedreddi» Luln von Mosul geworben hätte, so ließ sie ihn im Vade ermorden Diese Greuel- 2) Ll-nlkeUa 1. c. aU a. ü-A. x-5i6. z) Asseddin Aibek lies!, el>e er die. ken Plan ausführte, den Emir Fareo- eddin Okta» durch drei» Mamluken ermorden, ^dullciia I, v. aä a. 6M> I>. SZS. 4) Ldnlt'ech. I. a. aä a. 6ZZ ( Ehr. IW) p- 35L- Z) ecbulkaaa t. all .1. KZs. x. zzü. t>1 I. a. »a a. 6ZZ. x. Zzz. 7^ Schadschreddorr lieg ihrenGcmabl in dem Bade, in welches er sich von I. Skr. 1250. 2- Ehr. 1254. !. Ehr. >257. 390 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XII. erregte jedoch den Unwillen der meisten ägyptischen Emire und Mamluken; Schadschreddorr wurde zwar im Anfänge durch die von ihrem ersten Gemähte, dem Sultan Ejnb, errichtete Schar von Mamluken gegen die Rache der Anhänger des ermordeten Sultans geschützt; bald aber gewannen die Letztem die Oberhand; alle diejenigen, welche an der Ermordung des Sultans Asseddin Theil genommen hatten, büßten ihr Verbrechen am Kreuze, und die Sultanin Schadschreddorr selbst wurde in einen Thurm eingesperrt und bald hernach erwürgt b). Die ägyptischen Emire erhoben, nachdem sic die Ermordung ihres Sultans gerächt hatten, dessen fünfzehnjährigen Sohn, Malek al Mansur Nur- eddin Ali, auf den Thron und ernannten Einen aus ihrer Mitte zum Atabek°); vier Jahre später, im Jahre 1259, beraubte der Emir Saifeddin Kotuz den jungen Sultan wieder seiner Wurde und setzte sich selbst in den Besitz der Herrschaft über Aegypten mit dem Titel und der Gewalt eines Sultans *°). Während dieser Reihe von Umwälzungen, durch welche das ägyptische Land im Innern verwirrt wurde, hörten die baharischen Mamluken nicht auf, die Meidan, wo er mit dem Ballspiele (ülieorreli) sich belustigt hatte, gegangen war, durch den Mamluken Sandschar aus Dschudschar (In Aegypten) am Olensiage d. :g. Nabt alawwal SgZ (— 10 April 12Z7) ermorden und sandte den abgeschnittenen Finger desselben nebst dem Siegelringe an den Emir Asseddin aus Halcb, mit der Aufforderung, der Herrschaft über Aegypten sich zu bemächtigen ; der Emir batte aber nicht den Much, dieser Aufforderung Folge zu leisten, ^bulkcria l. c. aü 3. 6gg. p- 544. Vgl. 6 mi 1 ieimtis 1 'rjpoittL- ritts (in Orrakiesne Sorixror. rer. kkrairc. M V. i>. gzg). 8) Am rü. Nabt al acher 65Z ^ 3. Mai 1257. ^.dnilkesta a. a. O. g. 546. g) Ldirlkcä» I, 0 . p. Z44. Vgl. 0»tl. lpripol. 1. v. 10) Im November 1259. -Vbtilkcäa I. a. ass ,r. 6z?. p, 570. Saifeddin legte sich den Ehrentitel Malek almo- daffer, d, i. der siegreiche König, bcy. Wilhelm von Tripolis nennt ihn 5 cin kkestz-lt -poeos, indem er hinzufügtet iiomiuatus est lVIclea lkensiiev. 391 Zustand der Christen in Syrien. muselmännischen Fürsten in Syrien zum Kriege gegen die-2;As' jenigen, welche in Kahirah die Gewalt sich angemaßt hatten, aufzufordern; und als der Sultan Malek annaser sie wegen ihres ungestümen Wesens und ihrer Untreue aus Damaskus vertrieb, so begaben sie sich nach Gaza und verleiteten den Fürsten Malek almvgits von Krak zu zwey erfolglosen Heerzügen nach Aegypten*'); endlich zwang der Sultan Malek annaser den Fürsten von Krak zur Auslieferung dieser unruhigen und ungestümen Schar, worauf sämmtliche noch übrige baharische Mamluken gefesselt auf Kameelen nach Haleb gebracht wurden, mit Ausnahme des Emirs Rvkneddin Vibars und einiger Anderer, welche in den Dienst des Sultans von Damaskus wieder ausgenommen wurden Wenngleich diese Verwirrungen, durch welche die Sa- racenen so sehr beschäftigt wurden, daß sie nicht im Stande waren, die Christen zu bekämpfen, der christlichen Herrschaft in Syrien sehr günstig und vortheilhaft waren: so war doch leicht vorauszusehen, daß dieser Zustand der Dinge nicht von langer Dauer seyn konnte. Die Christen vermochten es selbst in dieser Zeit der Ruhe nicht, einige Kräfte zu sammeln; der Fürst von Antiochien war nicht im Stande, die turkomanischen Horden aus den Gränzen seines Landes zu entfernen"); und die Reste des Königreichs Jerusalem 11) Lbuikeäa r. c. 3. 6.15. l>. 2g6, und eä g. 6s6. x. L5§. 12) ^.bulkcäa 1. a, sä a. 6z?. x. 56 « - 87 °. rz) .g.üco, schrieb der Pax>r Alexander IV. am iZ. Februar ies6 an den Patriarchen von Antiochien, Purg,»!- riuuis bellaium incursivus attri- verunr, giiaä gniüquiä extra eivi- caceiu ^uciocireuam et aastruiu Our- earii . guocl e?t ^.utioeiccuae eaele- si3e epecialo, eousistir, Lupxosue- ruur sere coraliter vastitati. Alexander übertrug daher dem Patriarchen, um ihm die Mittel zur Behauptung seiner Würde zu verschaffen, die Verwaltung der cpprischcn Kirche 392 Geschichte der Krcuzzügc. Buch VIII. Kap. XII. batten an dem Könige von Cypern, welcher, seitdem Conrad, des Kaisers Friedrich Sohn, wegen seiner Widerspenstigkeit wider die Kirche seiner Ansprüche an die Krone von Jerusalem im Jahre 1247 durch päpstlichen Urlhelspruch beraubt worden war"), den Titel eines Herrn des Königreichs Jerusalem führte"), nur einen schwachen Beschützer. Die saraccnischen Fürsten achteten daher mit Recht die Macht der Christen in Syrien für so unerheblich, daß sie selbst in der Zeit, in welcher das Innere ihrer Reiche durch die heftigsten Gahrungen zerüttet wurde, die Anträge der Barone des Königreichs Jerusalem wegen eines Waffenstillstandes von sich wiesen Unter so mißlichen Umständen erweckte in Syrien die Nachricht von dem Tode des Papstes Jnnocenz des Vierten, welcher am 7. December 1254") »i dem Palaste des ehemaligen berühmten Kanzlers Petrus de Vinea zu Neapel starb"), große Bestürzung; denn durch den Tod dieses thätigen Papstes verlor das heilige Land einen eifrigen Beschützer, auf dessen Beystand für Fälle dringender Noth mit Sicherheit gerechnet werden konnte. Die Cardinäle wählten zwar schon am 12. December, fünf Tage nach dem Tode von Nicosia. lioiiitiilii ann. cooles. ->a 0.1256. h. 45. >4) liainalli. I. 0, tlli tl. 1147. h. 55. >5) In einem Schreiben vom 25. Jul. l2§2, in welchem auf den Antrag dsS Königs von Cypern der Patriarch von Jerusalem angewiesen wird, die Klagesachen der Witwen und Waisen gegen Lagen nach der alten löblichen Gewohnheit des Königreichs Jerusalem dem dortigen weltlichen Gerichte zu überlassen, nennt Jnnocenz IV. den König von t!»pern rcgni Ilieiosvlx- mitLill liominns. litiineläi an». acl <>. 12Z2. §. 27. iS) Schreiben des PapsieS Alexander IV. an den König von Casiilien vom -3. April i-zg bei) RainalduS tili t>. 1254 tz. 71. 17) In lesto 8. Ambrosis Lire» Ilvraiu veexertinain. bkicolai sie (inrlno vittt Innoo. IV. 0. 42. p.403. Wal. liaintlllii an», eä n. 1254. h. 6g und daselbst die Anmerkung von Mansi. Fr. v. Naumer, Gesch. der Hvhcnst. iv. S. 375- 18) blicul. äc Lnrbio 0.4z. x. 404. Der Papst Alexander IV. 393 des Papstes Jnnocenz, den Cardinal Rainald, Bischof von^dr- Ostia, Sohn des Grafen Philipp von Segni, einen Verwandten der großen Päpste Jnnocenz des Dritten und Gregor des Neunten, zum Oberhaupte der Kirche'^); der neue Papst Alexander der Vierte war aber, obgleich ein Mann von frommem Sinne und mildem Gemüthe, dennoch weder begabt mir der Gelehrsamkeit und Veredtsamkeit, noch mit dem kräftigen und selbstständigen Geiste seines Vorgängers ^°). Da der Papst Alexander sogleich nach seiner Thronbesteigung seine ganze Thätigkeit auf die Fortsetzung des Krieges gegen Manfred, den natürlichen Sohn des Kaisers Friedrich und Nachfolger des Königs Conrad in dem Königreiche Neapel und Sicilien, richtete, so ließ sich von ihm keine kräftige Verwendung für die Angelegenheiten des heiligen Landes erwarten. Er sandte jedoch im Jahre 1255 den Johannes von Troyes, Archidiakonus der Kirche zu Lüttich, welcher nicht lange zuvor den Krieg des Herzogs Sviatopolk wider die Ritter des Schwertordens mit großer Geschicklichkeit bepgelegt hatte, als apostolischen Legaten nach Syrien, übertrug eine ähnliche Vollmacht wie jenem Legaten auch dem Patriarchen Jakob von Jerusalem^), und lg) Maat. ste ic> I. c. Vgl. liainaist. Lä g. 1254 ( Negierung des Papstes Alexander IV.) §. r. und daselbst Manst. so) Sehr richtig schildert ikni Matthäus Paris (acta. 12Z4. x. 8g7 ) : Vir, Nt ajunr, «alle denignns er Iieue religiosus, assiänus in orario- nistus, in Ilststüientia strenuus, seit siiriiis ariniantinrn serlnoilliiis er xnravis Lvaroruin suggektioniinis in- atillativus. tu) Das Schreiben, in welchem Alexander dem Archidiakonus Johann von Troyes seine Ernennung zum Legaten im Königreiche Jerusalem (xrovinaia terosoiomz-tana ) kund that, wurde im Lateran am 7. De- cember (VII. i- 1 . Deo.) I2ZZ auSge- fertigt und schliehl sich mit den Wvr- gnaris i-raeillissilc legarionis risst, einin, eorlcm Icgruo inidi existente. An vemsclben Tage wurde auch die Vollmacht für den Patriarchen von 394 Geschichte der Krenzzüge. Buch VUl. Kap. XII. 2^hr. dje syrischen Fürsten ihm meldeten, daß das heilige Land verloren seyn würde, wenn die abendländischen christlichen Fürsten, Prälaten und Völker nicht desselben sich erbarmten und eine hinlängliche Miliz zu Pferde und zu Fuß nach Syrien sendeten und daselbst bis zum Abschlüsse eines Friedens oder Waffenstillstandes unterhielten: so erließ er an die Könige der Christenheit ein Schreiben, in welchem er ihnen die Noch der syrischen Christen kund that und sie zur Wiederherstellung und Befestigung des Friedens unter sich selbst, so wie zu schleuniger Errettung des heiligen Landes ermahnte; auch verordnete er die Erhebung des zwanzigsten Theils der Einkünfte der Kirchen und Klöster zur Unterstützung der bedrängten Christen in Syrien"). Gleichzeitig ertheilte Alerander auch dem nicht lange zuvor in Syrien entstandenen Ritterorden des heiligen Lazarus von Jerusalem, welcher die Regel des heiligen Augustinus befolgte, die päpstliche Bestätigung"); -,nd folgenden Jahre 1256 beauftragte er den Patriarchen Jakob von Jerusalem, dem Grafen von Joppe, welcher auf die Befestigung seiner Stadt sein ganzes Vermögen verwandt hatte und in Schulden ge- rathen war, aus dem bey den Templern niedergelcgten Schatze von dreyzehn Tansend Bysantien, welcher zur Bestreitung der Bedürfnisse des heiligen Landes bestimmt war, eine Unterstützung von Tausend Mark zu gewähren"). In Jerusalem als päpstlichen Legaten in seinem Sprengel vollzogen. Der Patriarch Jakob, zuvor Bischof von Wcrdun, trat nämlich eben damals erst die Nelse nach Ptolemais an. >vo er am z. Iunius lazü, dem Sonnabende vor Pfingsten- eintraf. Hugo Plagon x. ?5s. 22 ) NainalduS l-ä ->. 12 z;. h. 68 — 72 ) bat zwar aus dem päpstlichen Archive dieses Schreiben nur mitgetheilt, wie cs am -3. April (II. ist. -rxr.) an den König von Kastilien erlassen wurde; cS läßt sich aber wohl nicht zweifeln- dag gleichlautende Briefe auch an andere Könige geschrieben wurden. -355. tz. 75- sg) kaii-alä- Lil». aä L. -356, §. 46 , Krieg der Vcnetianer und Genueser. 395 eben diesem Jahre ließ Alexander der Vierte in Deutschland ^Ar. das Kreuz zu Gunsten des heiligen Landes predigen Diese Maßregeln aber, da sie keine erhebliche Wirkung her- vorbrachtcn, waren nicht hinreichend, um die ängstlichen Besorgnisse der Christen im heiligen Lande wegen der Zukunft zu heben. Die Ritterschaft des Königreichs Jerusalem betrachtete es daher als einen großen Gewinn, daß es ihr gelang, den Sultan von Damascus im Jahre 1255 zur Gewährung eines zehnjährigen Waffenstillstandes zu bewegen "). Kaum war aber durch diesen Waffenstillstand die äußere I. ehr. lLZÜ. Gefahr von der christlichen Herrschaft in Syrien für einige Zeit entfernt worden, so geriethcn die Behörden der italienischen Handelsstaaten zu Ptolemais mit einander in einen Streit, welcher blutige Kampfe selbst innerhalb dieser Stadt und einen mehrjährigen Krieg der drey Republiken zur Folge hatte. Im Jahre 1256 erschien nämlich zu Ptolemais als venetianischer Cvnsul Marco Giustiniano und überreichte dem Patriarchen Jakob von Jerusalem ein päpstliches Schreiben, welches gebot, die Venetiauer in den Besitz des dorti- 2Z) ^lbcrr. Stall. sä a. I2ZÜ. x. z:c>. aü) Es ist zwar etwas Kart ausgc- drückt, wenn Matthäus Paris 1255. i>. gi4) -sagt, die Christen des gelobten Landes hätten diesen Waffenstillstand deswegen geschlossen, weil sie gesehen hätten, datz es dem Papste Alexander mit der Errettung des heiligen Landes kein Ernst wäre (vi- Matthäus Paris mag aber in so weit Recht haben, als die syrischen Christen von den schwachen Matzregeln des Papstes wirklich keinen Erfolg erwarteten. Auch Hugo Plagon (p. 7A5) erwähnt dieses Waffenstillstandes, indem er hinzufügt: et tu lalle- vise ein tluu ll'^rsur suegu' b ta cicvise äe Uarutli; der Waffenstillstand begriff also nur das christliche Land von dem Flusse von Arsus biS »ach Bcrytus mit Einschlutz der letzter» Stadt und ihres Gebietes. Wahrscheinlich wurde der Sultan von Da- uiascus durch die Furcht vor den Mogolc» bewogen, den Christen Liesen Waffenstillstand zu bewilligen. 39b Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XU. gen geistlichen Hauses Sauet Saba zu setzen. Gleichzeitig übergaben aber auch die Genueser dem Prior des Hospitals einen Brief, in welchem ihnen der Besitz dieses Hauses zugesianden wurde"). Dieser Streit erbitterte die Genueser und Venetianer, welche in den letzten Zeiten wenigstens äußerlich ein freundschaftliches Verhältnis; unterhalte» hatten^), so sehr wider einander, daß sie sich den Frieden aufkündigteu; und als in Ptolemais ein Genueser von einem Venetianer geschlagen wurde so bewaffneten sich alle dortigen Genueser, vertrieben die Venetianer aus ihrem Palaste und verfolgten sie durch die Straßen der Stadt bis zur Kirche des heiligen Marcus?'). Bald hernach bewogen die Genueser den Philipp von Montfort, Herrn von Tyrus, die Venetianer ihres lyrischen Dritttheils völlig zu bcraur ben^), mrd als sie zu eben dieser Zeit sich den Veystand der Pisaner verschafften, so gewannen sie dergestalt die Oberhand in Syrien, daß die Venetianer, um in Ptolemais sich zu behaupten, in den Schutz des Patriarchen von Jerusalem Sv) De I, maison 8. Sslie. Hugo Plagon x. Andreas Oandulo (x. z 65 ) und Marinus Sanutus (p. SSO) sagen blos in xosscssione 3. gLddac, ohne weitere Bestimmung: „ach einer Angabe, welche weiter unten in der Chronik des Andreas Dandulo stch findet, bauten die Ve- uetiancr über S> Saba eine Weitung lkoruiliaiuin üestiper 8-inotliin 8adi- iiam), welche der veneiianische Admiral Loren» Tiepolo noch im 2- rszü zerstörte. Sgl Weder Oandulo noch MarinuS Sanuiuü geben an, von wem der Brief, welchen die Genueser vorwie- scn, war ausgestellt worden. LZ) Vcncti et lanticnses longo teilt- fiera insiniul It.-llieliLilt. Uarriiolo- nnlci Svridao ^nnalcs 6enuenscs (Muratorr Script, rer. Ital. 7V VI ) x. 52z. Zo) Nartitoloinzeus I. 0 -, welcher Liese Schlägerei) als die Ursache des Kriegs der beydcn Republiken darstellt, ohne deS Streites wegen S. Saba zu erwähnen. gl) DartltolomLeus und .'Vnsttci, vaiululus 1. v. Vgl. Hugo Plagon Auch Abulfaradsch erwähnt dieses Krieges der Venetianer und Genueser, Liiron. 8xr, x. 226 . Hist. Dz-nLkl. I>. 5-4- ZS) >>iär. vaiisttil, I. c. Krieg der Vcnct inner und Genueser. ,997 sich begaben und das Panier des Patriarchen auf ihrem Palaste zu Ptolemais errichteten"). Als es aber den Ve, netianern gelang, nicht nur die Pisaner von der Verbindung mit Genua zu trennen und mit denselben ein Bundniß zum Trutze und Schutze auf zwanzig Jahre zu schließen "), sondern auch den Beystand von Marseille und andern Handelsstädten der Provence sich zu verschaffen "): so vergalten sie den Genuesern die früher« Beschädigungen, eroberten, indem sie des Hafens von Ptolemais mit Gewalt sich bemächtigten, alle dort befindlichen genuesischen Schiffe, verbrannten hierauf mehrere Häuser der Genueser zu Pto- lcinais, zerstörten das von ihren Feinden in eine Feste verwandelte Haus Sanct Saba"), überwanden die genuesischen Flotten in zwey Seeschlachten, deren eine vor dem Hafen von Tyrus, die andere an der Küste zwischen Ptole-^br mais und Chaifa gestritten wurde ^ ?), und warfen den Thurm ZZ) Bartholom. x. 226 . Ln so» tvms (d.i. alS Jakob/ der nachhcrige Papst Urban lv., Patriarch von Jerusalem war), sagt Hugo Plagon (x. 7 L 7 ) > in VN - VkN'v 1 a Araut guvrrs cles Veuetivus et ävs Oeuovois, äpnr 1a rille kn xresguv üestruitv, et il (lv xatriarehe) maiuteuoit les Vcnniens. Nach Bartholomäus hatten die Genueser Mitleid mit den Wenetianern, als diese das Panier des Patriarchen ausrichteten llauncu-' svs miseriooräia mori climiseruut). 32) Deiucle Bisani Vvnetis ^eoüi- oali sunt et aoce^erunt löeeaham vt tuo se suvareut in oäium lantivn- sinm. lVlarln. Sannt, x. 220. Der Schreiber Bartholomaus ist der Meinung, das; eS den Genuesern ein Leichtes gewesen seyn würde, die Venetia- nor ganz aus Syrien zu vertreiben, wenn ihnen die Pisaner treu geblieben wären. 32) Bartholom. l. 0. Nach Dan- dulo gab auch der König Manfred den Venetlanern das Versprechen, daß er die Genueser nicht in seinen Häfen aufnehmen und in keiner andern Weise ihnen behülflich seyn würde. 56) Bartholom, x. §25. Tlnstr. llaurl. x. zbz. z66- 37 ) Oer venetianische Admiral Lorenz Liepolo gewann die erste dieser beyden Schlachten noch im 2 . iszS gegen den genuesischen Admiral PaS- guetuS Malono, die andere im Jahre 1257 gegen den Admiral Robert dclla Turcha. Bartholom. I>. 2-6. ^.ustr. Oaiistul. x, z6S. 3S7. In der Zeit- 398 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XII. ^A*'der Genueser zu Ptolemais nieder"); worauf die Genueser genöthigt waren, ihre Besitzungen zu Ptolemais gänzlich zu verlassen") und dem schimpflichen Gesetze sich zu unterwerfen, nach welchem keines ihrer Schiffe unter genuesischer Flagge in den Hafen jener Stadt einlaufen durfte Diese Vorlheile verdankten die Veuetianer großen Theils der Begünstigung der syrischen Fürsten; denn der Meister der Templer gewann nicht nur den cyprischen Statthalter zu Ptolemais, Johann von Arsuf, welcher anfangs die Genueser in diesem Kriege unterstützt hatte, und den Grafen Johann von Joppe für die Sache der Venetianer, sondern auch den angabe der letzter» Schlacht sind Andreas Dandulo und Bartholomäus, nicht einig; nach dem Erstem ereignete sich die Schlacht bey Ptolemais: eile gno 8. IVleroi apxaritio oeledratnr (2Z. April >SZ7) ; nach Bartholomäus, welchem auch Marinus Sanutus (x. :ao) beystimmt, verließ der Admiral Robert della Turcha erst am Vorabende vor S. Johannes (23. Junius) mit der genuesischen Flotte den Hafen von Tyrus, um die Venetianer in Ptolemais anzugreifen. Hugo Pla- gon und Marinus Sanutus sehen sogar die zweyte Schlacht erst in das Jahr I2L3- Vgl. IVIonrvIii vatavini Olrronicon in IVInratori Sorixtor. rer. Ir--I. V. VIII. x. 6yy. gg) l'nrrim munirissimsm äietam IVInLojLin lvielleicht die rurris nineve- rnm, vgl. Geschichte der Kreuzziige Buch IV. Beylagen S.3y.yo). Lnär. Danilul. x. 3Ü7. Nach Hugo Plagon lx. 786) wurden dis Steine dieses LhurmS und der zu Ptolemais zerstörten Häuser theils nach Venedig gebracht, theils (besonders die Steine des Fundaments des Tburmü) zur Befestigung der venetianischen und Pisanischen Straßen zu Ptolemais verwandt. zg) dsoetri vero, gni orant in üoone er gni viriliter semxer siie- goü. Nach Andreqs Dandulus (x. (i^oirone) Ir-lheliLnr onriem vel nraeoonem. Vgl. lVIarin. Zsnnrne x. Mi. Dagegen behaupteten sich die Genueser zu Tyrus. Lnär. vanä. I. o. ao) l'z-ri oommoranres (iLnugnecs) äs aetero non xortadaur vexillniu in snis nLvigiis, venienres a-I ^ror- >nm -V-iinn. .-instr. H.inil. I. o. Vgl. Hugo Plagon I>. 7 ZÜ und iria- rillns 8anntns x. 32l, wo dis Zerstörung des genuesischen TburmS zu Ptolemais, so wie die Räumung aller dortigen genuesischen Besitzungen und die Bestimmung wegen der genuesischen Flagge als Bedingung des zwischen den Verielianern und Genuc- sern geschloffenen Friedens bezeichnet werden. Streitigkeiten der syrischen Christen. 399 Fürsten Vormund von Antiochien, welcher am i. Februar 1257 mit seiner Schwester, der Königin Placentia von Cy- pern, und deren Sohne Hugo, dem Erben des Königreichs Jerusalem, nach Ptolemais gekommen warEndlich trat auf die Bitte der syrischen Barone und Prälaten, welche fürchteten, daß dieser Krieg der Republiken den Verlust des heiligen Landes zur Folge haben möchte, der Papst Alexander der Vierte als Friedensvermittler auf, beschied Bevollmächtigte der Venetianer, Genueser und Pisaner an seinen Hof und brachte durch mühsame Unterhandlungen, welche vier -Wochen hindurch fortgesetzt wurden, es dahin, daß im Jahre 1258 die drey Staaten in seiner und der^^r. Cardinäle Gegenwart durch einen Vergleich jenem ärgerlichen Kriege ein Ende machten Als der Krieg der drey italienischen Republiken durch die Bemühungen des Papstes Alexander war beendigt worden, so blieb gleichwohl noch mancher Anlaß zu Hader und Streit unter den syrischen Fürsten übrig. Der Fürst Boe- mund von Antiochien war in Zwistigkeit verwickelt mit Johann von Arsuf, Statthalter von Ptolemais, weil die Königin Placentia von Cypern, die Schwester des Fürsten, in Unfrieden lebte mit ihrem Gemahle Balian, dem Sohne des Johann von Arsuf. Jene Zwistigkeiten wurden zwar endlich 41) Lnstr. Dana. x. Zk>6. Hugo Plag. x. 736. iVlerin. Lennr. p. 220. 43) In oismerinis xartünis in on- ria xonriücis comproinisso tacto, xex inter ixses oivitates taota tnir naliiins in NNO mense, guost. esr mirediie. Neiliiolom. x. Z2Z. S2ö. Vgl. .-Viiiie. Denst. Vgl. das Schreiben des Papstes Alexander in dieser Angelegenheit an den Podest«, den Capitaneo, den Nach und das Volk von Pisa vom ö. 2 ul. I2gg, in welchem er die Sendung eines Legaten nach Syrien ankündigt, in liainaläi .-INN. eaoies. alt I>. I2zg. h. Z2 — zz. Nach andern Nachrichten wurde durch den von dem Papste gestifteten Vergleich den Eenuesern wieder die fccye Schifffahrt nach Syrien zugestanden. Uaiuaist. a. a. O. §. gg. 4 M Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XU. durch die freywillige Auflösung dieser Ehe geschlichtet; worauf die Königin mit ihrem Sohne Hugo nach Tripolis sich begab und Johann von Arsuf in dem Besitze der Statthalterschaft von Ptolemais ließ "). Bald hernach aber geriethen die Ritterorden des Hospitals und Tempels zu Ptolemais mit einander in einen so heftigen Streit, daß die Hospitaliter zu Ptolemais eines Tages sich waffneten und den größten Theil der in dieser Stadt anwesenden Templer erschlugen, dergestalt, daß die im Abendlande zerstreuten Häuser der Templer sich genöthigt sahen, den größten Theil ihrer Ritter nach Syrien zu senden, um daselbst die Würde und die Rechte 2 -Ar.des Ordens zu behaupten"). Bald hernach im Jahre 1260 geriethen die Templer, als sie die Stadt Sidon und die Burg Beaufort von Julian, Herrn von Sidon, welcher dem weltlichen Leben sich zu entziehen und in den Orden der Trinitarier zu treten entschlossen war, gekauft hatten, wegen dieses Kaufes in ernste Mißhelligkeiten mit dem Könige von Armenien"); und die Hospitaliter wurden durch diese Vermehrung des Gebiets der Templer bewogen, auch ihre Besitzungen durch den Ankauf der Stadt Arsuf, welche Balian 43) Hugo Plagon x. 7 ZS. Mari,,. 8 aniic. x. 220. 44 ) Mattst,. I>aris aci L. I2gg. x. 987. ES waren dis lemxlarii frarres lie 8. I.a 2 aro ec 8. rstsma, welche mit de» Hospitaliter» in Streit geriethen, und Matthäus Paris erwähnt be» dieser Gelegenheit auch noch eines Streites der Genueser und Pisaner, welcher ohne Zweifel kein anderer ist als der oben beschriebene Krieg der drcy italienischen Republiken, und wahrscheinlich in keiner nähern Verbindung stand mit der Zwistigkeit der bevden Ritterorden. In eben diesem Jahre -azy bewilligte Alexander IV. Lurch ein Schreiben oom n. August den Hospitalitern als Auszeichnung schwarze Röcke (ostiamxste« nigrae), und für den Kampf rothe Kriegeklci- dung mit einem meisten Kreuze (in xrocUib utantnr jni-eiiis er aliis sn- xerinsigniis miiitaiistus, gnae sint oolocis rüstet, ec in gnidns eciaia ornx aisti ooloris eit in ve.-nri 45) Hugo Plagon p. ?Z 6 . Marin, gsnttt. Niederlage der Christen iin Kampfe wider die Turkomanen. 401 nach dem Tode seines Vaters, des Statthalters, ihnen über- 2 -Ar. ließ, zu erweitern Unter solchen Verwirrungen und Streitigkeiten konnte selbst die Ruhe und Sicherheit der friedlichen Bewohner des heiligen Landes, welche an jenen Fehden keinen Theil nahmen, kaum erhalten werden; und der tapfere und unverdrossene französische Ritter Gottfried von Sergines, welcher nach dem im Jahre 1258 erfolgten Tode des Herrn Johann von Arsuf zum Statthalter des Königreichs Jerusalem ernannt wurde, war genöthigt, eine große Zahl von Räubern und Mördern mit dem Tode am Galgen zu bestrafen*?). Zu den übrigen Bedrängnissen, durch welche der Muts) I. Ckr. I2ÜÖ, und die Beharrlichkeit der syrischen Christen auf eine schwere Probe gestellt wurden, kam im Jahre 1260 noch eine schlimme Niederlage, welche die Ritterschaft des Königreichs Jerusalem im Kampfe wider die Turkomanen erlitt. Es zogen zu dem Kampfe wider diese wilden Horden, welche, nachdem sie schon seit mehreren Jahren das Fürstenthum Antiochien verwüstet hatten, auch in das Königreich eingedrungen waren: Johann von Jbelin, Herr von Derytus, Johann von Gibelet, Marschall des Königreichs Jerusalem, der Meister der Templer, Stephan von Sissy, mit den Conventen seines Ordens aus Ptolemais, dem Pilgerschlosse, Safed und Beaufort, und die ganze übrige christliche Ritterschaft von Ptolemais *b). Die Niederlage der Christen in diesem unglücklichen Kampfe war so entschieden, daß die 46) Marin. 8 annr. I. c. 47) Hugo Plagon und MarimiS Sanutuü a. a. O. 43 ) Hugo Plagon i>. 737 nennt noch unter denen, welche wider die vii. Band. Turkomanen auSzogen, den Grafen Judans, welchen er nachher, alü er ihn unter den Gefangenen, welche in die Gewalt der Turkomanen ge- riethen, aufführt, als la^ncs luäan, bezeichnet. Cc I. Ehr. I2Ü0. 402 Geschichte der Krcuzzüge. Buch VIII. Kap. XII. Templer nicht nur ihr ganzes Knegsgcräth einbüßten, sondern auch Johann von Berytus, Johann von Gibelet, der Commcuthur der Templer, Bruder Matthias von Sanrage, und viele andere Ritter, so wie viele Serjanten zu Pferde und zu Fuß Gefangene der Turkomane» wurden, viele Andere als Märtyrer starben. Johann von Berytus wurde hernach mit zwanzig Tausend Vysantien losgekauft; und der Marschall des Königreichs Jerusalem nebst dem Com- menthur der Templer, so wie mehrere andere Ritter erlangten ebenfalls für beträchtliche Lösegelder wieder ihre Frcyhcit In derselben Zeit, in welcher die syrischen Christen durch so vielfältige Drangsale heimgcsucht wurden, kam über die Muselmänner ein noch viel schrecklicheres Unglück. Die Mo- gole», welche damals die Völker am O.rus wie an der Wolga, am Euphrat und Tigris wie an der Weichsel und Theis, bedrängten und ängstigten, richteten bald nach der Thronbesteigung des Mangnchan, des Nachfolgers von dem großen mogolischen Chan Gajuk, zu welchem der König Ludwig von Frankreich, wie von uns berichtet worden ist, zwey Mal Botschafter gesandt hatte, einen großen Theil ihrer Macht gegen Persien und die übrigen von türkische» und kurdischen Fürsten damals beherrschten Länder, in der Absicht, auch diese Länder mit ihrem unermeßlichen Reiche, welches schon die Gräuzen der Staaten des Sultans von Jkonium berührte ^°), zu vereinigen. Wenn die Nachrichten des armenischen Mouches Haithon, welcher dem königlichen Geschlechts der Armenier augehvrte, Glauben 4 y) Hugo Plagon a. a. O. IVIuriik. 50) Ilaitlionis orlentalis (eä. 8anM. 1', 221. Oer Ort dieses uns IVIiilIer. IZerol. 1671. ) glücklichen Kampfes wird nicht an- ca?. 25. gegeben. Einbruch der Mogolen. 403 verdienen, so veranlaßre der damalige König Haithon von Armenien diesen schrecklichen Einbruch der Mogolen in die vorderasiatisch, -ander. Dieser König, da er hörte, daß der große Chan Mangn den Christen nicht abgeneigt wäre, kam ans den Gedanken, die Macht der Mogolen zur Zerstörung der türkischen Herrschaft in Persien, Mesopotamien, Kleinasien und Syrien zu benutzen, durchzog, ngchdem er durch seinen Connetable Sinibald dem großen Chan seinen Besuch angemeldet hatte ^), verkleidet das Land des Sultans von Jkoninm und gelangte nicht ohne Gefahren zu dem Hofe von Karakorum^). Er fand daselbst eine sehr ehrenvolle Aufnahme und erlangte die Gewährung von sieben Gesuchen. Der König Haithon bat den großen Chan der Mogolen nicht nur um Freundschaft und Schutz für sein Reich und um Zurückgabe der Lander, welche den Armeniern von den Saracenen entrissen und spater von den Mogolen erobert waren, sondern trug ihm auch das Ansuchen vor, daß der große Chan mit seinem Volke zum christlichen Glauben sich bekehren, die Herrschaft des Chalifen von Bagdad, zi) IlaiNio c. 2z. Nach Abulfa- radsch (Lllron. 8^r, x. AI5- List. O^nüst. x. Zar) war es ein falsches Gerächt, welches der König von Armenien auSsprengte, um sicherer Lurch LaS Land Les Sultans von Jkonium zu kommen, Laß er Lurch einen Gesandten um die Erlaulmiß, nach Karakorum sich zu begeben, nachgesucht und Liese Erlaubniß erbalten hätte. 22) ^.dnlkaiag. II. ec., wo die Reise Les Königs Haitbon nach Karakorum in das Jahr izüz der alcxandrir »Iseken Acra (Chr. 1252) gesetzt wird. Nach AbulfaraLsch und Haitbon ( c. 24) Lauerte die Reise des Königs Lre,) und ein halbes Jahr; andere armenische Nachrichten geben eine kürzere oder längere Dauer dieser Reise an. Vgl. H.be 1 Nsiliusat IVkö- äes i-rinocs obrstiens aveo les Irm- xereurs IVIogoIs in dlouveaiix IVlo- moires äs 1 '^. 6 -räsmis des Insor. lk. vl. (I-aris 1822. 4.) I>. 460. Zu der Zeit, als Nubruquis zu Karakorum sich befand (Im 2 - 125.1), erwartete man daselbst dis Ankunft des Königs von Armenien. Nuliruguis voz-age (in N. Nergeroir vo^sges lUome I.) rstrax. 44. x. log. Im Jahrs I2Z2 kam also sicherlich der König Haitbon noch nicht an den Hof des großen Chans. Cc 2 J.^Cbr. 404 Geschichte der Keerizzüge. Buch VIII. Kap. XII. Hauptes der Anhänger des falschen arabischen Propheten, zerstören und das heilige Land den Muselmännern entreißen und den Christen zm ückgeben möchte ^ H. Mangnchan soll hierauf von einem armenischen Bischöfe, dem Kanzler des Königs Haithon, die Taufe empfangen und in Beziehung auf den Krieg wider die Saracenen, zu welchem der König von Armenien ihn aufforderte, geantwortet haben, daß ihm selbst zwar es nicht möglich wäre, sein Reich zu verlassen, daß er aber seinem Bruder Hulakn 5") sowohl die Zerstörung der Herrschaft des Chalifcn von Bagdad, als die Eroberung des heiligen Landes übertragen würde. So wenig wahrscheinlich die Nachricht des Mönches Haithon von der Bekehrung des großen Chans der Mogolen zum Chrisienthume ist: so läßt es sich dagegen nicht bezweifeln, daß der König von Armenien zu Karakorum einen großen Einfluß sich verschaffte und cs ist daher auch nicht Zg) Die sieben Gesuche des Königs waren: ,) dasi der groüe Chan alle andere Sekten entferne und mit seinem Wolke zum Chrisienthume sich bekehre und sich taufen lasse. 2) Daß ein ewiger Friede zwischen den Christen und Mogolen aufrecht erhalten werde. 3) Dag in allen Landern, welche die Mogolen erworben hätten oder erwerben würden, die christlichen Kirchen sowohl als die christlichen Cleriker, Mönche und Laycn von jeder Dienstbarkeit und jeder Steuer sad omni ctalia) befrept werden möchten. 4t Das der grojje Chan das heilige Land und das Grab des Herrn aus den Händen der Saracenen erretten und den Christen zurückgcben möchte. 5 t Da» er den Chalifcn von Bagdad, daü Haupt der Sekte deS treulosen Mahommed, vernichte. 6t Dag alle Tataren, vornehmlich diejenigen, welche in der Nähe von Armenien sich befänden, angewiesen würden, dem Könige von Armenien auf dessen Aufforderung unverzüglich Belistand zu leisten. 7' Dastdem Könige von Armenien alle ihm von den Saracenen entrissenen Länder, deren die Mogolen sich bemächtigt hätten, zurückgcgeben, und die Länder, in deren Besitz er selbst sich setzen könnte, zur ruhigen und ungestörten Behauptung gegen die Saracenen überlassen werden möchten. Ilaülro cap. 2z. 54t Haolonus bcy Haithon (cax. 2551;.), Olav in dem Briefe des Papstes Alexander IV. in Il»iualcii auu. ccclee. aä a. 1260. h. -g. 55t Abulfaradsch erzählt, unmittelbar nach der Nachricht von der Reise deü Königs Haitbon nach Karako- Einbruch der Mogolen. 405 unglaublich, daß die Unternehmungen des furchtbaren Hu- laku in Vorderasien, wenn auch nicht durch die Aufforderung jenes Königs veranlaßt, dennoch durch seinen Rath geleitet wurden. Auch begleitete der König Haithon den Chan Hu» laku auf seinem Zuge bis zu dem Flusse Arares") und kehrte von dort zurück nach Armenien. Mit unzählbaren Scharen brach hierauf Hulaku im Jahre 1256 zuerst in Persien ein, eroberte das Land in kurzer Zeit u„d zerstörte die Herrschaft der Jsmaeliten oder Assassinen auf den persischen Gebirgen, indem er die dortigen Burgen der Js- macliten nach und nach eroberte und zum Theil schleifte. rum, die Beschlüsse des Äuriltai, auf welchem der Zug des Hulaku gegen Westen verabredet wurde, Östron. 8 ^r. und Hier. Oz-nasi. 1 . c. lieber den Zustand der Dinge zr» Bagdad sowohl, als in Syrien und Aegyvtcn war der König von Armenien sicherlich im Stande, den Mogolen genaue Nachrichten zu ertheilcn. Vgl. ^.stcl lieiuneat Uebrigenü finden sich in den Angaben der Schriftsteller über die Neiss des Königs Haitbon und deren Folgen nicht unerhebliche chronologische Schwierigkeiten. Wenn der König von Armenien, wie auS der Angabe des Nubruguis heroor- geht, frühestens noch im Jahre 125z nach Karakorum gelangte, so kann Hulaku, welchen jener König auf dem Zuge nach Westen begleitete, nicht vor dem Jahre -25g ausgczogcn seyn. Nach der syrischen Chronik des Abul- faradsch aber (g. ZiS) kam Hulaku schon im Jahre d. H. 650 sCbr. 1250) nach Persien, und nach der arabischen Chronik desselben Verfassers (llisr. O^na.-n. p. 502) trat Hulaku seinen westlichen Zug im Jahre d. H. 6 z- (Chr. 1S53) an. Auch nach der Angabe des Nubruguis lost. 44. x. 107) waren die Mogolen zu der Zeit, als dieser Mönch zu Karakorum war lim J.i-ZZ), schon in Bewegung gegen die Assasfi- nen, so wie gegen Persien, Äleinastcn und Bagdad. Vielleicht ward dis Unterhandlung in der Hauptsache schon durch den armenischen Cvnne- table Sinibald, welcher nach der Angabe des Mönches Haitho» (oax. az) zu der Reise nach Karakorum vier Jahre verwandte, beendigt; und nur durch diese Annahme scheinen jene Schwierigkeiten sich lösen zu lassen. Sehr merkwürdig find die Nachrichten , welche über die damaligen Verhältnisse der Armenier zu den Mogo, len initgcthcilt worden sind, in St. IVIariin Ilccstcrostes SUI I' ^rmönis 1'. II. g. i2y cg. Lü) c^uousguo transiveruirr iua- girriin Iluviucu 1'stieou. Ilartsto cag. 04. 57) ^Integnam scx wcneinm kxa- tinm stilastoretur rotnm rcgunm0er. sarum, guia corestat stoiuino et rc- ctore, Init laciliter iltstjugattim. Ilaitsto I. c. I CH», raüs. ). Tbk. r-5ü. 406 Geschichte der Kreuzzüge. B n ch VIII. K a p. XII. Ekr. Nokneddin, den letzten Scheich der persischen Assassinen, gefangen nahm und auf den Befehl seines Bruders, des großen Chan Mangu, sammtliche persische Assassinen erwürgen ließ Im Jahre l2;8 führte Hulaku seine furchtbaren Horden gegen Bagdad. Da in dieser Stadt durch den Streit der Sekte der Rafediten gegen die Sunniten die heftigste Parteyung herrschte, der damalige Chalife Mos- thasem zwar ein gutherziger, aber auch ein träger, unbesonnener, wankelmüthiger und der Geschäfte unkundiger Mann war, und der Vesir des Chalifen, Mowaijad eddin Ebn alkami, welcher der Sekte der Rafediten angehvrte, aus Haß gegen die Sunniten es nicht redlich mit seinem Herrn meinte, sondern demselben rieth, sein Heer von hundert Tausend Reitern ans zwanzig Tausend zu vermindern und mit dem Gelde, welches dadurch erspart würde, den Angriff der Mogolen abzukaufen "), gleichzeitig aber die Mogolen zur Eroberung von Bagdad ermunterte: so fand Hulaku, als er vor der Hauptstadt des Chalifen erschien und dieselbe umlagerte, nur sehr unerheblichen Widerstand, und Mostha- sem sandte in das Lager der Mogolen seinen verrätherischen Z8) 7 I.duIk>rragit LIrron. Svr. l>. Ziysg. lilj. Hi.-nor. Dz-nasr. x. ZoZsg. Nach MIrchond fHisloiie Nos Ismaa- lieirs cko Verse, xudiiee xar lour- ckain, Varis Igri. 4, auch im y. Bande der dlotioss er Lxtiaits äcs IVlaurr- scrits üe la Lidirotli. äri Uc>v, x. 64. 127) erschienen die Mogolen zum ersten Male in der Nabe der ismaeli- tischen Burg Alamutü am 10. Osche- madi elewwel üZg — 6. Mai 1256. Dgl. I. v. Hammer/ Geschichte der Assassinen S. 262 folg. Sy) Also erzählen Abulfeda sLmr. mosi. V IV. x. zzo sg.) und andere arabische Geschichtschreiber l vgl. 2 . v. Hammer, Gesch. der Assassinen S. 2yg folg. Nach der Erzählung des arabischen Geschichtschreibers Fachred- din, welcher nicht lange nach diesen Zeiten schrieb, trug der Vesir Alkami nicht die Schuld deS Unglücks, welches über den Chalifen kam; vielmehr rieth er seinem Herrn in redlicher Absicht, auf seiner Hut zu seyn, als die Mogolen im Anzuge waren. Die Wirkungen seines guten Raths wurden aber durch dis Machinationen der Höflinge dcü Chalifen vereitelt. silv. clo Lacz- Llrreslamatirio arade l Ausg. vom 2 . tWS) Vom« l. I>. S7- 58 (Vrackncrioir x- 6r). Einbruch der Mogele«. 407 Vesi'r Ebn alkami als Unterhändler, welcher die Antwort brachte, daß der Chan Hulakn geneigt wäre, dem Chalifen, wenn dieser selbst in das mogolische Lager kommen wollte, Sicherheit des Lebens, ja selbst die Fortdauer seiner Herrschaft und Würde zu gewähren und Abu Vekr, dem Sohne des Chalifen Mosthasem, seine eigene Tochter zur Gemahlin zu geben. Der unerfahrene Chalife ließ durch die Hoffnung, sei» Reich ohne Kampf, wenn auch als Unterthan der Mo- gvlen, behaupten zu können, sich verleiten, dieser heimtückischen Einladung Gehör zu bewilligen, und begab sich, begleitet von einer großen Zahl seiner Hofleute, in das Lager des Chans Hulaku. So wie er dort ankam, wurde er von seiner Begleitung abgesondert und in ein Zelt gebracht; und da der Vesir Ebn alkami alle übrigen vornehmen und gelehrten Männer der Stadt Bagdad durch allerlei) Vorspiegelungen bewog, sich ebenfalls in das mogolische Lager zu begeben, so geriethen alle bedeutenden Einwohner der Stadt in die Gewalt des grausamen mogvlischen Heerführers, welcher alle ohne Unterschied erwürgen ließ. Mittlerweile er- 4. Febr. stürmte Badschu, welcher einen Thcil des mogolische« Heers führte, den östlichen Thcil von Bagdad und den Palast des Chalifen und begann die gräuelvolle Verwüstung der Stadt, welche vierzig Tage fortdauerte und die Zerstörung der dortigen Moscheen, vieler Paläste und aller Werke der Kunst und Wissenschaft, welche seit den Zeiten des Harun al Raschid und der übrigen großen Chalifen aus dem Geschlechts der Abbasiden in Bagdad waren gesammelt worden, zur Folge hatte ^°). Während dieser schrecklichen Zerstörung So) Nach Abulfaradsch iLIiron. s^r. x. Z2g) drangen die Mogvlen schon am Freytagc den 25. Mobarrcm 6zü — r. Februar 125g in Bagdad ein, wurden aber vertrieben und erst am folgenden Lage (2. Febr.) wurden sie Herren der Stadl; nach der Angabe der arabischen Chronik desselben Wer- I. CIN!, »2zz. 408 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kcip.XII. der Stadt wurde von Hulaku auch der Tod des unglücklichen Chalifen Mosthasem beschlossen, und durch die Vollstreckung dieses Beschlusses die Herrschaft der Chalifen von Bagdad für immer vernichtet. Die Vernichtung des Chalifats erweckte um so größeres Schrecken unter den muselmännischen Fürsten von Syrien, faffers li>. S>9) begab sich ber Chattfe erst am 4. Safar — io. Fcbc. 125g in bas Lager des Hulaku. Fachred- din (bey de Sacy a. a. O. i>. 40) setzt ble Eroberung von Bagdad auf den 2y. Moharrcm — s. Febr. ,LZg. Vgl. blaitiio aax. LZ. 61) „Es Ist nicht bekannt," sagt Abulfeba Lr. IV. i>. Zg-z), „auf welche Welse der Cbalife getödtet wurde. Nach einigen Nachrichten wurde er erdrosselt, nach andern wurde er mit Füßen so lange getreten, bis er starb, und nach andern im Tigris ersäuft." Dgl. I. v. Hammer, Eesch. der Assass. S. zoS. 307. UebrigenS setzt Abulfeda da, wo er die zweyte Todesart angiebt, noch die Worte hinzu: ^-0,, welche Reiste übersetzt durch: saceo immissns est, und Hr. von Hammer: „er wurde in Kotzen (D. i. grobe wollene Tücher) ein- gswickelt." Abulfaradsch (cstiron. Lz-r. x. ZLY ) drückt sich darüber also aus - „Sie legten ihn auf Befehl (des Hulaku) In einen Sack welchen sie zunähten, und tödteten ihn mit ihren Fußtritten." Die Bedeutung von als Sack findet sich nicht in Len Wörterbüchern. Was der Mönch Haithon (cap. Lü) von dein Tode des Chalifen erzählt, ist eins abgeschmackte Fabel. Merkwürdig aber ist eS, daß schon Im Jahre i2ZZ, alS der König von Frankreich die Stadt Sidon wiederhcrstelltc, nach dem Berichte des Seneschalls Joinvllle (Hist, äo 8t. Douis, 1'aris i7üi kol. x. ,22. 12z), Kaufleute in daS Lager der französischen Pilger kamen und die Eroberung von Bagdad durch die Mogolen (xarleioi ckes larttlrins) als damals schon fast mit denselben Umständen geschehen erzählten, wie sie fünf Jahre nachher wirklich Statt fand. Nach der Erzählung eben jener Kaufleute wurde der Cbalife auf dieselbe Weise zum Hungertods verurtheilt, wie der Mönch Haithon berichtet; nur mit dem Unterschiede, daß der Chalife mit seinen Schätzen nach Joinville in einen eisernen Käfig (iin a»ge äv kei), wie nach der bekannten Sage später der oömanische Sultan Baiasid, nach Haithon aber in ein Gemach (came- ra) eingespcrrt wurde. Es unterliegt aber wohl keinem Zweifel, daß Join- vills Liese Nachricht erst nach seiner Rückkehr von dem Krcuzzuge erhielt, und daß die obige Angabe von einer Meldung, welche Kaufleule schon im Jahre,25z in das Lager von Sidon gebracht haben sollen, auf einem Ge- dächtnißfehler beruht. 409 Einbruch der Wog ölen. als das Vordringen der Mogvlen in Mesopotamien, und^A?' die Belagerung der Stadt Majafarckin, über welche damals Malek al Kamel, ein Enkel des Sultans Male! al Adel, herrschte"), xg nicht bezweifeln ließ, daß die Absicht der Mogolen auch auf die Eroberung von Syrien gerichtet war. Der Sultan Malek annaser von Damaskus versuchte es vergeblich, die Gefahr, welche ihn bedrohte, abzuwenden, indem er seinen Sohn Malek al Asis mit Geschenken und einem schmeichelhaften Schreiben an den Chan Hulaku sandte"). Andere kleinere muselmännische Fürsten folgten diesem Beyspiele"). Selbst der König Haithvn von Armenien, als die Horden des Hulaku seinen Granzen sich näherten, gerieth in große Besorgnisse und suchte durch Geschenke, welche er dem Chan übersandte, der Gunst desselben sich zu versichern und das Land von Cilicien gegen einen Einbruch der Mogvlen zu sichern; Hulaku nahm diese Geschenke wohlwollend an und forderte den armenischen König auf, in der Eroberung von Syrien ihn zu unterstützen; worauf ein armenisches Heer den Mogvlen sich anschloß "). Wahrend Hulaku selbst die Städte in Mesopotamien sich I. Chr. unterwarf, drang gegen das Ende des Jahrs 1259 sein Sohn Samud in Syrien ein, verwüstete das Land von Haleb, überwand die muselmännische Miliz dieser Stadt und den Statthalter Malek al moaddhem Turanschah und bemächtigte sich der Stadt Esas. Der Sultan Malek annaser von Damaskus kam zwar im Anfänge des folgenden Jahrs nach der in der Nähe von Haleb liegenden Stadt Vorsah, 6S) Ldnikeäa r. IV. x. 26s. 6g) I, c. x. g6q. ög) Ldulfeäa I. 0. x. ggs. 65 ) ^dci wömusar x. 465. Nach der Erzählung deS Mönches Halthon (»Lp. eg) führte der König von Armenien zu dem Heere deS Hulaku nach Cdeffa iS,«« Mann zu Pferde und 4^,000 zu Fug. 410 Geschichte der Krc uzzüge. D u ch VIII. K a p. XII. Absicht, die Stadt Haleb, seinen Stammsitz, gegen die Mogolen zu beschützen, und sammelte Truppen. Da er aber von einer Verschwörung seiner Maminken wider sein Leben Kunde erhielt, so verließ er heimlich das Lager, in welchem schon eine bedeutende Zahl von Truppen versammelt war, und floh in die Burg von Damascus, worauf sein Heer sich anflöste, mehrere seiner Mamluken, unter welchen auch Rokneddin Vibars, der Mörder des Sultans Turanschah, war, in die Dienste des Sultans Kotus von Aegypten sich begaben, und andere den Malek addaher Gast', den Bruder des Sultans Malek annaser, zu Gaza als Sultan ausriefen "). 3 -niuar Nicht lange nach der Flucht des Sultans Malek annaser erschien Hulaku selbst in der Nahe von Haleb, umzin, gelte, nachdem er vergeblich den Statthalter Turanschah zur freywilligen Uebergabe aufgefordert hatte ^ ?), die Stadt, eroberte sie nach achttägiger Belagerung, mit Ausnahme der Burg, welche der Statthalter noch behauptete, und gab die Einwohner, welche in der Stadt angetroffen wurden, dem Schwerte und ihre Besitzungen der Plünderung seiner Horden preis, indem er nur der jüdischen Synagoge und zwey andern Häusern, so wie denen, welche in diesen Gebäuden ihr Unterkommen fanden, Schntzbriefe bewilligte. Nach fünf gräuelvollen Tagen erbarmte Hulaku sich endlich der noch übrig gebliebenen Einwohner der Stadt und ließ 2 ^ für die Zukunft Frieden und Sicherheit gebieten. Nach zweymonatlicher Belagerung war der Statthalter Turanschah 66) ^tnitkeSa 1 '. IV. i'. Kg. Ü7) ^dutkcä» I, o. i>. L76. Nach der Erzählung des Mönches Haiihon (aap. sg) unternahm Hulaku die Belagerung von Haleb auf den Ralh des Königs von Armenien. Oie Zahl des Heeres, mit welchem Hulaku in Syrien einbrach, wird von Abul- faradsch zu gvc>,o-c> Mann angegeben. Hist. v/lNlst. I'. 5Z>. Einbruch der Mogolen. 411 geuöthigl, auch die Burg von Haleb den Mogolen zu über- l geben, und noch während dieser Belagerung unterwarf sich die Stadt Hama freywillig dem Chan Hulaku, und die Stadt Neapolis wurde mit Gewalt erobert; bald hernach wurde die Burg Harem den Mogolen geöffnet, Damaskus leistete den Mogolen keinen Widerstand, die Stadt Maja- farekin wurde nach zweyjähriger Belagerung erstürmt, Baalbek durch Vertrag übergeben, und Hulaku herrschte über Syrien bis gen Gaza, mit Ausnahme weniger Städte, und regierte die unterworfenen Städte und Ortschaften durch seine Statthalter "). Dem Sultan Malek annaser von Damascus blieb kein anderes Mittel der Rettung, als mit seinem Bruder Malek addaher, mit welchem er sich versöhnt hatte, und dem Fürsten Malek almansur von Hamah, welcher ebenfalls sein Fürstenthum verloren hatte, nach Aegypten zu fliehen und den Beystand des Sultans Kotus in Anspruch zu nehmen. Malek annaser änderte aber, als er an die ägyptische Gränze gekommen war, seinen Entschluß und floh in die arabische Wüste, wo er von einem treulosen ü8) Haleb ergab sich dem Chan Hulaku am y. Safar üzü — 25. Januar 1260 (^bulkecta V. IV. x. 532), und die Burg dieser Stadt über zwet> Monate später, am 2,. Nabt al achir — 12. April 12Ü0 (vgl. Zzint IVIaitlir Reclierafies sur 1' Limeuto 1. II. x, 274); Majafarekin wurde nach zwev- jährigcr Belagerung im April oder Mai 12Ü0 erobert (Hdnlkecir 1, c. x. Lüg). Die Lage, an welchen Damascus und die übrigen im Texte genannten Städte in die Gewalt der Mogolen fielen, werden weder von Abulfeda, noch von Abulfaradsch angegeben. Vgl. Ilaitlic, 00p. sg. 2y. Nach Abu Lchamah (tut. 17211.! wurde der Firman, durch welchen Hulaku den Einwohnern von Damascus Sicherheit deö Lebens und Ei- gentüums zusagte, in der dortigen großen Moschee schon am Montage d. 17. Safar 65s (r. Febr. isüo) verlesen , und am 17. Nabi al achir desselben JahrS (1. April 1260) kamen die tatarischen Statthalter nach Damascus. Die Burg von Damascus wurde hierauf im folgenden Monate Oschemadt el ewwel (Mai isüc>) belagert und erobert. Dag auch die Stabt Paneas von den-Mogolcn eingenommen wurde, wird von Abu Schamah berichtet. >. Chr. i 2 üc>. 412 Geschichte der Krenzzüge. Buch VIII. Kap. XII. Diener an die Mogolen verrathen, von diesen in Syrien, mn die noch Widerstand leistenden Besatzungen der Burgen zur Uebergabe zu ermahnen, herumgeführt und späterhin von Hulaku mit Pfeilen erschossen wurde. Der Fürst Male! al Mansur von Hamah dagegen setzte die Reise nach Aegypten fort "). Die syrischen Christen, sowohl diejenigen, welche der griechischen Kirche und andern morgenländischen Bekenntnissen angehörten, als die Kreuzfahrer, betrachteten das Unglück, welches der Einbruch der Mogolen über die Muselmänner gebracht hatte, als einen vollständigen und dauernden Sieg, welcher für ihre Sache errungen war, und äußerten, ohne daran zu denken, daß die Lage der Dinge sich ändern könnte, ihre Freude auf eine sehr unbesonnene Weise. So grausam Hulaku gegen die Muselmänner verfuhr, so milde, behandelte er dagegen die Christen, welche diese Begünstigung so wie die Verfolgung und Unterdrückung der Mos- lims, welche die Mogolen übten, dem Einstusse der christlichen Gemahlin des Chans verdanktenAuch Zlseban, 69) ^.du. 15 eäa IV« x. §92, Ilairlio ca?. 39. 72) Haolono hniäein nxor erst (vokns Lkatliun bei) Abulfaradsch Oliron. 5 )'r. x. 616, Vo§iin2 Lira- rirun in der Ilistoire äes Orxrvlians bey 8t.iVI3rl.in IVeoIierolies sur nrenie l'. II. x. iAl), er Inir äe x>ro- ßenie illoruin Re§nm» 9111 vene- rnnt ad orieirte, visa srells nativ i- lounitas Heret in nomine ÄTaiiuine- ri, er feoir Laravenornm renixla Lnttäilns äevaekLri, ec in tantanr servitutem xosuir Saraeenos, ^nocl non cr.int ansi nlterins a^xarere. Haitlio cap. 27. Daher sagt die Ilis- roiro äes Orxelians bey 8r. iVlartin a. a. O.: /,Der Herr weiß, daß Hu- laku und seine Gemahlin Ooghuz Chathun nicht weniger wohlthärig waren als Conftantinus und He» lena." Auf ähnliche Welse urtheilt auch Abulfaradsch über Hulaku und dessen Gemahlin, eiiron. S^r. r». 543. Hist. Dynast. ?. 544. Herr St. Martin giebt a. a. O. S. 239 aus dem Geschichtschreiber Naschideddin folgende Nachricht über diese merkwür» dige Zrau: „Sie war aus dem ko- Einbruch der Mogolen. 413 der mogolische Statthalter, welchen Hulaku zu Damascus 3. Thr. eingesetzt hatte, war den Christen sehr geneigt; und als die dortigen Christen von Hulaku einen Freyheitsbrief sich erwirkt hatten, so hielten sie mit diesem Briefe unter Vortragung von Kreuzen einen feyerlichen Einzug in die Stadt Damascus durch das Thomasthor und sangen die Worte: „Sehet den Sieg des wahren Glaubens, des Glaubens Christi," zwangen die Muselmänner, welche sie in den Straßen antrafen, vor dem Kreuze niederzuknieen und begossen sie mit Wein; auch an den Eingängen der Moscheen gossen sie Wein aus, um die Moslims zu verhöhnen und deren Tempel zu entweihen. Sie begaben sich hierauf in die Kirche der heiligen Maria, wo ein Prediger von der Kanzel das Lob des Christenthums pries und den Islam und dessen Bekenner mit Schimpfreden herabwnrdigte, und fingen bald hernach an, die Thnrme der Moscheen, welche in der Nähe der christlichen Kirchen sich befanden, niederzuwerfen und die Muselmänner selbst in deren Moscheen zu verspotten; sie ahnten es nicht, daß in kurzer Zeit die Muselmänner im Stande seyn wurden, Vergeltung zu üben. Die Kadi's und Ulemas von Damascus, welche sich in die Burg zu dem mvgolischen Statthalter begaben, um wegen deS UebermuthS der Christen Klage zu erheben, wurden mit Verachtung zurückgctrieben "). Als einen eifrigen Freund der niglichen Geschlechts der Kerait entsprossen und die Tochter des Aiku, Sohns des Wang-Chan. Sie war eins der vornehmsten Frauen des Tu- lu, Vaters deü Hulaku, und vermählte sich nach dessen Tode, gemäß der mogolischcn Sitte, mit einem von einer andern Gattin ihres verstorbenen Gemahls geborenen Sohne; Mangu überließ sie dem Hulaku, alS er denselben zum Statthalter von Persien bestellte, und sie nahm den ersten Platz unter dessen Frauen ein. Sie war eine Christin, beschützte während der Regierung des Hulaku die Christen mit ihrer ganzen Macht und starb am i. Ramadan 663 (i7> Iun. loüLt, vier Monats und elf Tags nach dem Tobe des Hulakit." 71) IleinLuci Lxtraits x. 47g snach 414 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XII. ^' 260 ? Mogolen zeigte sich auch der Fürst Boemund vou Antiochien, welcher aufgemuntert durch die Vcgünstignngen, die dem Könige von Armenien von den Mogolen gewährt wurden den Chan Hnlaku zu Baalbek besuchte und den Befehl des Chans erwirkte, dast alles Land, welches von den Saracencn dem Fürsten entrissen worden sey und damals unter der Botmäßigkeit der Mogolen stände, an das Für- stcnthum Antiochien zurückgegeben werden sollte Der Chan Hnlaku war schon im Begriff, seine Horden gegen Jerusalem zu führen, als er die Nachricht von dem Tode seines Bruders, des großen Chan Mang», erhielt; und diese Nachricht bewog ihn, die Fortsetzung des Kriegs in Syrien seinem Unterfeldherrn Kethboga zu übertragen und mit einem Theile seines Heeres nach Karakorum Makrist und Jafei). Dieselbe Nachricht, mit einigen Auslassungen und Zusätzen, theilt auch Abu Schamah mit skol. 177 L.), indem er auch den Tag bezeichnet, an welchem die Christen zu DamaScuS solchen Uebermuth übten, nämlich d. La. Ramadan — Zi. August iröo, also drei) Tage vor der Niederlage der Mogolen bei» Ain Dschaluth. Am 2g. Ramadan (2. Sep- tcmb.) fand sich, wie Abu Schamah hinzufügt, der mogolische Statthalter Jlscban sogar in der Kirche der Christen ein, was den MoSlimS große Angst verursachte. ,,Dic Christen zu DamaScuS," sagt Abulfcda (i. iv. x. Ss2), „hatten sich dadurch übermü- thig bewiesen, daß sie mit ihrcittKlap- pern (welche statt der Glocken gebraucht wurden) Lärm machten und in die dortige große Mosches Wein brachten." Uebcr die Kirche der heil. Maria zu DamaScuS s. LduUcüa I. e. i>. 5 g 2 . Ly/,. 72) Dem Königs Halthon überließ Hnlaku einen Thcil der beträchtlichen zu Halcb gemachten Beute. - Il-uclro a. oy. Schon früher war der König von Armenien durch mancherlei» Begünstigungen von den Mogolen ausgezeichnet worden. Vgl. ^.bel Ile- mnsar z>. 4 zy. 75) Ilour so concertcr »von los larrares er oonsommer 1a inine sie 1 ' Islamisrne. izeinanü blxrrairs 47Y. 74) llaiclro I. 0. Daher sagt die Historie lies Orzielioirs (bei» Lr. IVlar- tin 1. II. x. I 2 Z): „Hulaku bemächtigte sich der großen Stadt Antiochien, deren Einwohner ihm frei-willig sich unterwarfen." 75) Ilaitlro cain 2g, wo Kethboga (so nenne»! ihn Abu Schamah, Abul- feda und Abulfaradsch) oulboga heißt. (Vgl. unten Anm. 87). Hu- laku ließ dicse»n Untcrfeldherrn nach der Angabe des Haithon und deS Abttlfaradsch (Oinoil, Sxr. I>. 554) 415 Einbruch der Mogolen. zurückzukehren, um seine Ansprüche auf die Thronfolge oder wenigstens seinen Einstuß auf die Wiederbesetzung des erledigten mogolischen Throns geltend zu machen Obgleich der Feldherr Kethboga eben so sehr als Hulaku die Christen begünstigte so beleidigten ihn gleichwohl die Franken, welche damals Sidon und Beaufort besaßen, auf eine höchst leichtsinnige Weise, indem sie einige den Mogolen zinsbare saracenische Ortschaften, welche in der Landschaft von Beaufort lagen, überfielen, einige der dort wohnenden Saracenen tvdteten,^ andere mit deren Heerden als Gefangene hinweg- schlcppten, einen Neffen des Kethboga, welcher ihnen nachkam, um die Gefangenen und die geraubte Beute zurückzufordern, nebst einem Theile der ihn begleitenden Mogolen erschlugen und auch dem Kethboga selbst die Zurückgabe der Gefangenen und geraubten Heerde» verweigerten. Diese Beleidigung rächte Kethboga unverzüglich durch die Eroberung von Sidon und die Zerstörung eines großen Theils der Mauer dieser Stadt; und die Einwohner von Sidon entzogen sich der Rache des mogolischen Heerführers nur durch die Flucht in die bey ihrer Stadt auf einer Insel liegende Burg. Durch jene von den Franken begangene Feindseligkeit und deren Folgen wurde, wie ein morgenländischer christlicher Geschichtschreiber nur 10,000 Tataren zur Behauptung von Syrien zurück, was kaum glaublich ist- Nach der Erzählung Der His- coire clee Orz-elians (bey 6c. iVlarciic 1°. II. x. 12z) hatte Hulaku auch Jerusalem, welches damals den Aegypten» unterworfen war, erobert. Da aber weder der Mönch Hatthon noch Irgend ein anderer Schriftsteller dieser Eroberung erwähnt, so beruht jene Erzählung ohne Zweifel auf einem Jrrthume. Nur Hugo Plagon (l?. 756) sagt: 1-03 lartarcs vinclrciit ir (acc) Uoiaccrue ste lercieaiem ec xriktreicc ta eite cieserre. Statt cio- scrcv ist aber sicherlich zu lesen : de kajete, wie aus der Ucbersehung dieser Stelle bey Marinus Sanutus lx- 22c) sich ergicbt: Incranc ctciiiste (lartari) lerusalc-n eaxiuiic- guo S^stoiiem. 76) Ilaiclio cax. Zo, IZcinaust ex- traics a. a. O, 77) Ilaiclio I. o. IZIarinuz 8 aicci- 416 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XII. bemerkt, das bisherige gegenseitige Zutrauen der syrischen Christen und der Mogolen gänzlich zerstört?«). Bevor Kethboga die Eroberung der Städte und Landschaften des Königreichs Jerusalem, welche im Besitze der Saracenen waren, ausführen konnte, erschien in Syrien mit einem zahlreichen Heere der Sultan Kotus von Aegypten begleitet von Malek al Mansur, Fürsten von Hamah, Malek al Afdal, dem Vater des Geschichtschreibers Abulfeda, und anderen muselmännischen syrischen Fürsten, welche in Aegypten Schutz gegen die Mogolen gesucht hatten. Der mogo- lische Feldherr sammelte zwar, als er von dem Anzuge des Sultans von Aegypten gegen Damascus Kunde erhielt, unverzüglich seine zerstreuten Horden und ging mit den muselmännischen Fürsten, welche sich ihm unterworfen hatten, 3. Sepr. dem feindlichen Heere entgegen, erlitt aber am dritte» September l 2 Üo bey Ain Dschaluth ") zwischen Baisan und Neapolis eine völlige Niederlage. Kethboga selbst wurde in dieser Schlacht, welche der mogvlischen Herrschaft in Syrien ein Ende machte, getödtet, sein Sohn gefangen, und das 78) IssrimgriLiir xostca äo Llrristra- »rs Striae raitair lräliaram Incho- Iraur, iregrrc Llrrislisirr lartarls oonsisr. Ilaiilro I. o. 7s: Die Schlacht bei, AinDschaluth (V. i. Quelle des Goliath) in dem Lande Gaur, zwischen Baisan und Neapolis (vgl. Sclrntlens Iiiäcx geo- ^rrptriaus all vitsm Lalaelini v. ,Vtn- <-1sj>il»t), ereignete sich nach den morgenländischcn Nachrichten c-rsrul- Icäa lr. IV. x> Zg-i. Abu Schanial, tot. 177 am 25. Ramadan Ü58 — 3. Scpt. i2Zg. Ganz übcrcinstim- mend Hugo Plagon (x. 7-6): an kreis joi äe Scxlemsirc. Unrichtig steht bei, Marinus Sanutuö (i>. 221) üio keriio Ootodiis. Abulfaradsch ccuiiorr. S)-r. x.LZZ. Hist. x.ZZZ) seht diese Schlacht ebenfalls unrichtig auf den 27. Ramadan — Z. Scpt. Hugo Plagon u,id Marinus Sanu- tus bezeichnen als den Ort der Schlacht die Ebene von Liberias lös xloirrs äo ccairaiie, in xlsno tridcrr-läls), wodurch sie eben jenes von den Arabern Gaur genannte Land, welches zwischen dem See von Liberias und dem todten Meere liegt, andeuten. Nach Abu Schamah entflohen die Tataren aus Damascus am 27. Ramadan (L. Sextemb. leüo). Dgl. wcistce ad ^drrlceäam 17 IV» x. 72 g. ttNd unten Anm. S7. Einbruch der Mogolen. 417 ganze mogvlische Heer vernichtet oder zerstreut. Wenige Monate hernach, am zehnten December 1260, wurde ein anderes mogolisches Heer, welches in Syrien einzudringe» versuchte, in einer Schlacht bey Emessa ebenfalls von de» Muselmännern überwunden Der König Haikhon von Armenien gab jedoch auch nach diesem unglücklichen Ausgange des mogolischen Einbruchs in Syrien den Plan nicht auf, mit Hülfe der Mogolen die Herrschaft der Muselmänner in den vorderasiatischen Ländern zu zerstören; vielmehr rechnete er noch immer für die Ausführung dieses Plans auf den Vcysiand des Chans Hulaku, welcher, bevor er nach Karakorum gelangte, die Thronbesteigung seines Bruders Kublaichan erfahren und deshalb seine Reise nicht weiter als bis Tebris in Adserbeivschan fortgesetzt hatte; wo er sich als König unter der Hoheit seines Bruders, des großen Chans Kublai, behauptete und in einen Krieg mit Berkehchan, der zum Chan von Kiptschak sich aufwarf bi), verwickelt wurde. Hulaku war wirklick) entschlossen, die beyden Niederlagen, welche die Mogolen bey Ai» Dschaluth und Emessa erlitten harten, zu rächen, sobald der Krieg wider Berkehchan beendigt seyn würde. Schon hatte er nicht nur die Könige von Armenien und Georgien und andere morgcnlandischs christliche Fürsten auf- gefordert, ihn zur Erneuerung des Kriegs wider die Muselmänner mit Hülfsvölkern zu unterstützen, sondern er hatte auch bey Tebris ein zahlreiches mogolisches Heer bereits verso) An einem Freytage,, Z. Mohär- gr) wairtio o. zi. Dgl. Da 6,irrem 6Z9 — io. Dec. i2üo. ^tnrl- Anas trist, äes IInns Div. XVH. lalta r. IV. I>. 6r2. Der Anführer der Mogolen in dieser Schlacht war Cugalkai. ^.dtilkargxii Litton. 8)'t. (rom. III) p. agg. St. Dlarlin Re- ciicrcircs srrr I'Simonie r. II. l>. 8Z7. Dj. Ilistoiia D^nastiarnm ?- 2,14- 2Z6. I>- 858- vir. Band. Dd 418 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII.Kap.xls. sammelt, ^ ex im Jahre 1265 starb b^); nach dem Tode des Hulaku aber entsagten die Mogolen, deren Macht durch Thcilung ihres Reichs und innere Kriege geschwächt wurde, vorerst der Eroberung der vorderasiatischen Lander und die Hoffnung des Königs von Armenien wurde getauscht. Die Nachrichten, welche von den christlichen Gesinnungen des Ehans Hulaku nach dem Absiidlande gelangten, hatten anfangs daselbst große Freude erweckt. Dem Papste Alerander dem Vierten wurde sogar von einem Ungarn, mit Namen Johannes, welcher für einen Bevollmächtigten des Chans Hulaku sich ausgab, gemeldet, daß dieser mogo- lische Chan nichts sehnlicher wünschte, als durch eiucn geschickten christlichen Geistlichen, welchen ihn der Papst senden möchte, im Christenthume unterwiesen zu werden und aus dessen Händen die Laufe zu empfangen. Dem Papste erschien es jedoch mit Recht auffallend, daß dieser Bevollmächtigte weder einen Brief des Chans Hulaku, noch irgend eine andere Beglaubigung verweisen konnte; und Alerander beauftragte deshalb den Patriarchen Jakob von Jerusalem, über die Gesinnungen des mvgolischen Chans Erkundigung einzuziehen und Bericht zu erstatten Wenn aber auch der Papst dem Vorgeben jenes Bevollmächtigten einigen 82) Er starb im Februar I2Ü5, Dis- rorre äes Orpölians in 5 r. ivlartin Recirercires snr 1 ' ^.rmenie 1 '. II. x. iLy. ^Vdnlksroxii Liiron. L)'r. I>. 5 -Z. Lj. Hist. Oi>. 544. tt-ulio (welcher eben so wie die ttis- tvire äes Or^e-Iians den Tob beb Hulaku in baü Jabr 1:64 irrig seßi) e. Zr. De 6 ni^nes irist. lies Drins 0. a. O. p. 2Z7. 83) rerroo s-noiee ne§otinm jom incextum tun lorslilcr 7>crturbL- «um xosc obitnm Ilaoloni. Dairiro 1. 0. 8 t) k-oiiniläi unnales eocles. aä 1260. h. 2g—Z2. Da das hier (ex cuäice VoUlLeUlino ) mltgctlleills päpstliche Schreiben mit keiner Ucbcr- schrist und keinem Datum versehen ist, so war eS wahrscheinlich nur ein Entwurf, welcher nicht wirklich auS- gcferligt wurde, weil der Papst mittlerweile andere Nachrichten erhielt. Einbruch der Mogolen. 419 Glauben gewahrt hatte, sv wurde er durch die Nachrichten,^^, welche seit dem Anfänge des Jahrs 1260 über das Verfahren der Mogolen im heiligen Laude ei'ngiugen, sehr bald wieder enttäuscht. Nachdem durch die Feindseligkeiten, welche der Feldherr Kethboga wider Sidon geübt hatte, die Meinung der syrischen Christen von den Absichten der Mogolen vollkommen geändert worden war: so trat an die Stelle ihrer ehemaligen frohen Hoffnungen die Ucberzeugung, daß die Templer und Hospitaliter aus dem rechten Wege gewesen waren, als sie den tatarischen Botschaftern, von welchen sie und alle übrigen Bewohner des heiligen Landes bald nach dem Einbrüche des Hulaku in Mesopotamien nnd Syrien zur Unterwerfung unter das Joch der Mogolen aufgefordert wurden, eiiimü- thig die Antwort errheilten: „sie hatten die Ordenskleider nicht angelegt, um ein bequemes Leben zu führen, sondern um für ihren Heiland zu sterben; und wenn die tatarischen Teufel kamen, so würden sie die Knechte Christi auf dem Schlachtfelde bereit zum Kampfe finden^)." Die Einwohner von Ptolemais, welche einen Angriff der mogoli- schen Horden befürchteten, zerstörten die Garten, welche ihre Stadt umgaben, so wie alle in diesen Gärten errichteten Thürme und die außerhalb der Mauer erbauten Häuser, und führten nicht nur die Steine dieser zerstörten Gebäude, sondern selbst von dem außerhalb der Stadt belegcnen Kirchhofe die Leichensteine hinweg Die dortige Ritterschaft gestattete dem Sultan Kotus von Aegypten, als derselbe mit seinem Heere nach Syrien kam, um daS Land von den gz) Matllr. N-iris aä a. 12Z7. x. g?6. 957. Aus Vieser Gesinnung der Templer erklären sich die oben (S. lpsl erzählten, wider die Mogolen und deren Unterchanen tni Gebiete von Beaufort geübten Feindseligkeiten; denn Beaufort gehörte damals den Templern. Wgl. oben S. 400. 86) Marin. Sanutu» I>. 22l. Dd 2 420 Geschichte der Kreiizzüge. B n ch VIII. K a p. XII. I C!,r. tatarischen Horden zu befreyen, und dessen Schaaren den freyen Durchzug durch das christliche Gebiet und einen Aufenthalt von drey Tagen in der Nahe von Ptolemais; auch gewährte sie dem Anträge des Sultans wegen eines Bündnisses zur gemeinschaftlichen Bekämpfung der Mvgolen geneigtes Gehör"); nnd ein Templer, welcher in dreyzehn Wochen die Reise aus dem heiligen Lande nach London vollbrachte"), überreichte dem Könige von England und dem Templermeister zu London Briefe, welche eine so bewegliche Schilderung der von den Mvgolen im heiligen Lande gestifteten Verwüstung enthielten, daß alle diejenigen, welche den Inhalt dieser Briefe vernahmen, eine laute Wehklage erhoben; und der Templer, welcher diese Briefe überbrachte, bestätigte nicht nur die Wahrheit jener Schilderung, sondern versicherte auch, daß das heilige Land verloren wäre, wenn nicht schleunige Hülfe geleistet würde"). Gleichzeitig wurde dem Papste Alerander gemeldet, daß, so wie das Königreich Armenien und die Städte Haleb und Damaskus, eben so auch Tri- 87) anäi?§er Koläanns gnoä. I'.vrtari venissend ln. nie aä Okrlslianos, gni eranr in ^Veon» er onm eis koestns inivir, er recreato exevoun sno rridns äie- kns ante oivirsrem 2Vcon, ivir oon- rrL äieros l'LrlLvo» in. stietam Osli- lernn er äevioir eo§, interkeero änee eornm, o1.irLNN8 Dnekosne 1'. V. x. ^5- gg) Hui ranra veloeirsre rsm sxa- liosam viLm rrLnsenrrit, guoä 1n- rolerLbili oompnlLns neoessitLre, äie ^no L ^errs »LNCkL reeessir eoäem Dovers, sä. Donäiunm, kienr slidi se keoisse sssernir (tiiaerss) eon?imi- les. Der Templer kam am r6. Iun. (v 4 »iUL 8. Lornl^lii) 1260 zu LvN» don an. IVlLtiliLens ^VettmonL?icr. (Draneok. 1601 kol.) sä s. i26o. I>- 574- 8y) Achnliche Briefe wurden, wie Matthäus von Westminster hinzu» fügt, der Sage nach (nr äielrnr) auS dem heiligen Lande an alle Fürsten gesandt, welche an den Küsten des Meers der Griechen mächtig waren (omnidns LÜis eircs mare Orseco» rnm xorenridns). Einbruch dcr Mogolen. 421 poliö und Antiochien in der Gewalt der Mogolen sich befän-^^ den, uudPlolemais und das übrige christliche Land von Syrien einer uuabwendlichen Gefahr prcisgegeben waren; und als der König Ludwig von Frankreich, welcher noch immer an den Schicksalen des heiligen Landes lebhafte» Antheil nahm, diese Kunde durch ein päpstliches Schreiben erfuhr, so versammelte er am Sonntage der Passion die französischen".Marz Prälaten und Barone zu einer Besprechung zu Paris, wo beschlossen wurde, Gott um die Errettung des heiligen Landes durch öffentliche Gebete und fcyerliche Bitlfahrten anzuflehen, allen Unnützen und siindlichen Aufwand in Kleidung und Speisen abzusicllen, Gotteslästerungen strenge zu bestrafen, für die Dauer von zwey Jahren die Turniere zu untersagen, und in eben dieser Zeit keine andere Spiele und Belustigungen als Uebungcn im Gebrauche des Bogens und der Armbrust zu gestalten °°). Jene Besorgnisse wurden zwar durch die Niederlagen der Mogolen Key Am Dschaluth und Emessa beseitigt?'); das heilige Land geriet!) aber bald in noch schlimmere Gefahr. Onil. Ne dlangizoo sapuct On- olicsn. ' 0 . V.) 1>. 371, wo diese Ve- rathnng i» das Jahr 12L0, ln welchem der Sonntag der Passion auf den si. März fiel, gesext wird. Vielleicht fand sie erst im Jahre >261 -am rs. April) Statt; denn im März 12S0 konnte der Papst noch nicht die Nachrichten erhallen baden, welche er dem Könige Ludwig minbeiltc, da dis Mv- golen erst im Jahre 12Ü0 die Eränze deü christlichen Königreichs Jerusalem berührten. yi) Daher schrieben die Väter einer im Jahrs iaüi zu Bordeaux versammelten Synode, nachdem sie auf die Aufforderung deS Papstes Alexander iv. zu einem allgemeinen Kriege gegm die Tataren, welche Antiochien und andere christliche Städte bedrängten und schreckten (Il.iinalcii .iniucle- cooles, aä 3 . 1161. §. 6>, diese Angelegenheit in Erwägung zogen: (z,c- rionliiin gnoci 3 Aaitaris imiuinc- vat) 3 11 ,ullis cessare clicitiir, ni- I-ote -darcsiis t»m in iransmarinir gnam in oisiuarinis zisrciiius z»ru magna xarcc jain cieviciis. Lcim IVlarcenc er Ilrs. vurancl vollcorio vcternm inonnmeni. r. VII. 7,. 17c,. Wgl. INansi aff Ilainalcii ann. aä,. 12S0. g. 36. Auch von den Ungarn erlitten die Mogolen im I. 1261 eine Niederlage. 422 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XIII. Dreyzehnteö Kapitel. 2-^'- Machvem der Sultan Kotus von Aegypten die inogolischen Horden, von welchen wahrend der Dauer fast Eines Jahrs in Syrien schreckliche Verwüstungen waren gestiftet worden, in der siegreichen Schlacht bey Ain Dschaluth vernichtet hatte: so setzte er sich, ohne irgend einen Widerstand zu erfahren, in den Besitz nicht nur der Städte und Landschaften, aus welchen die ägyptischen Statthalter durch die Mo- golen waren vertrieben worden, sondern auch der Städte Haleb, Daniascus und überhaupt aller Städte und Lander, über welche zuvor der Sultan Malck annaser von Damaskus geherrscht hatte, und bestellte in allen Städten von Syrien und Palästina, welche er mit dem Reiche von Aegypten wieder vereinigte, seine Statthalter'). Kotus genoß aber nur kurze Zeit die Früchte jenes glänzenden Sieges; und schon auf der Rückkehr aus Syrien nach Aegypten, als er, um einen Hasen zu verfolge», von seinem Heere sich entfernt hatte, wurde er von Rokneddin Bibars, dem Führer der baharischen Mamlukcn, welcher schon mit dem rr.Ott. Blute des Sultans Turanschab sich befleckt hatte, und einigen andern Mamluken bey Kvsair am Eingänge der L) ^bulteä-ro nioslem. Lliron. 8^r. AZ§. Lj. Iiistor. 1 ?. IV. x. 604. nast. x. 5Z7. Ermordung des Sultans KotuS. 423 Wüste, welche Syrien von Aegypten trennt, ermordet 2 );^«. Bibars soll zu diesem zweytcu Morde dadurch bewogen worden seyn, daß ihm der Sultan Kotus die Statthalterschaft von Haleb, um welche er bat, verweigert hatte Als die Verschworenen dem obersten Emir Fareseddiu Oktai, welcher mittlerweile mit dem Heere nach Salefiah vorgerückt war und daselbst schon das Zelt des Sultans errichtet hatte, die von ihnen verübte blutige Thal meldeten, so legte ihnen der Emir die Frage vor, wer von ihnen den Mord vollbracht hatte, und als Bibars sich als Mörder nannte, so sprach Oktai: „Wohlan, so scy auch du Sultan." Noch an demselben Tage, an welchem Kotus durch die Schwerter und Pfeile der blutdürstigen Mamlnken gelobtet worden war, huldigte das ägyptische Heer dem Bibars, welcher anfangs den Titel Malek al kaher, d. i. der überwältigende König, annahm, bald hernach aber, als ihm bemerkt wurde, daß auf diesem Titel kein Segen ruhte, und keiner der Fürsten, von welchen er geführt worden sey, einer langen Regierung sich erfreut hatte, denselben wieder ablegte und sich Malek addaher, d. i. der siegreiche König, nannte"). In Damaskus warf sich zwar der Emir Almeddin San, dschar zum Sultan auf, als daselbst die Ermordung des Sultans Kotus bekannt wurde; er vermochte aber nicht, 2) Am - 7 - Dsulkaadaü üzz 24 Okt. I2üc>. ^UnUecin 1 . a. x. 604. 606. Nach Abulfaradsch sLIiroii. S^r. I. «. Hist. Dynast, x. Zzg) wurde Kotus in der Nähe von Gaza ermordet. Kosair war nach Abulfeda eine Tagereise von Salesiah entfernt. Z) ^Nniseäa 1 . c. x. 606. Nach Wilhelm von Tripolis (axust Du- drcsii. 1. V. x. 4 SZ) beging BtbarS s^ämriatus Loiläoxsi) diesen Mord, weil der Sultan KotuS den Nath, umzukehren und Pwlemais -u erobern, nicht befolgen, sondern dem Bündnisse, welches er mit den Christen geschloffen hatte, treu bleiben wollte. 4) .4i)nIIeüL 1. a. Den Namen Malek addaher drückt Wilhelm von Tripolis aus durch IVIcieoli Lw-Ket. Bibars führte auch den Titel: Abul- fotuh d. i. Vater der Eroberungen. 424 Geschichte der Krenzznge. Buch VIII. Kcip. XIII. sich zu behaupten, und Bibars wurde nach wenigen Monaten eben so in Syrien wie in Aegypten als Sultan anerkannt *). Obgleich der Sultan Bibars, der Mörder von zwey Sultanen, nichts weniger war als ein Mann von edlem Sinne, vielmehr Grausamkeit und Rohheit die Hauptzüge seines Charakters waren, so besaß er gleichwohl große Eigenschaften, und als tapferem und unerschrockenem Krieger konnte ihm unter den früher» Beherrschern der Saracenen kein anderer verglichen werden als der große Saladin. Er wurde schon in früher Jugend aus seinem Vaterlande, dem Lande Kiplschak, als Gefangener hinweggesührt und von einem Sklavenhändler dem Malek al mansur, Fürsten von Harnah, angeboten; und da Malek al mansur an dem schwarzbraunen Sklaven, denn Bibars war von solcher Farbe, kein Wohlgefallen fand?): so kaufte ihn der ägyptische Mamluk Jdekin Vondokdar, welcher damals bey seinem Herrn, dem Sultan Malek assaleh Ejub, in Ungnade gefallen und nach Hamah geflohen war, und dort von dem Fürsten Malek al mansur als Gefangener bewahrt wurde. Als späterhin Jdekin Vondokdar, dessen Veynamen Bondok- dar, d. i. der Pseilträger, auch Bibars führte, von seinem Herrn wieder zu Gnaden ausgenommen wurde und nach §) ^hulkesta I. L. x. Sog. 614. Ein Versuch, welche» bald hernach der Emir Schamseddin Akusch al Barki machte, die Herrschaft über Shrien an sich zu bringen, gelang eben so wenig als die Unternehmung des Emirs Sandschar, ^t-ulkecka 1, e. x. 614 sg. 6 ! Seine Vaterstadt hieß Bardschab. ^hutteäae Arnual. mosl. l'. V. x. 44. 7) Nach einer von Neinaud aus Ebn Fcrath (x.L 34 ) mitgetheilten Nachricht verkaufte der Emir (wahrscheinlich Malek al mansur;, in besten Be- sch Bibars zuerst kam, ihn wieder wegen eines Fleckes in Einem Auge. Als dieser Emir vor Bibars, nachdem dieser Sultan geworden war, erschien lind von ihm an sein damaliges Verfahren erinnert wurde, so erblaßte er vor Furcht und bat um Gnade; Bl- barS aber suchte ihn zu beruhigen. Der Sultan Dibars Bondokdar. 425 Aegypten zurückkehrte: so überließ er seine» schwarzbraunen Sklaven aus Kiptschak dem Sultan Malek assaleh Ejub, in dessen Dienste Bibars sehr bald von Stufe zu Stufe stieg und endlich zum Anführer der baharischen Mamluken ernannt wurde. Aus Dankbarkeit gegen den Sultan Malek assaleh nannte sich Bibars auch als Selbstherrscher von Aegypten und Syrien auf seinen Münzen und in allen Urkunden, welche er ausstcllte, assalehi, d. i. der Mamluk des Malek assaleh Nachdem Vibars in dem Kriege gegen den König Ludwig von Frankreich durch glänzende Waffenthatcn sich ausgezeichnet, aber auch durch die Ermordung des Sultans Turanschah seinen Namen furchtbar gemacht hatte: so ward er in alle innern Parteynngen, durch welche Aegypten seit dem Tode jenes Sultans bewegt wurde, verwickelt, wandcrte, als der Athabek Aibek zum Selbstherrscher des Landes sich aufwarf, mit den baharischen Mamluken aus und kehrte erst nach Aegypten zurück, nachdem der Sultan Malek annascr, in dessen Dienst er sich begeben hatte, vor der Macht der Mo- golen flüchtig geworden war, wie oben berichtet worden ist *°). Auch an der siegreichen Schlacht bey Aiu Dschaluth nahm er im Dienste des Sultans Kotus Antheil. Bibars war ein Fürst von unruhiger und unermüdlicher Thätigkeit, und während seiner ganzen siebzehnjährigen Regierung verweilte er niemals lange Zeit an Einem Orte, sonder» zog fortwährend von einer Provinz seines Reichs zur andern, oft mit solcher Raschheit, daß er innerhalb Einer Woche Kahirah und Damaskus besuchte"). Darum L) Ltnittecta V. p. 44. S) Wgl. oben Kn». 12. S. 3 Sy. io) Vgl. oben Kap. 12. S- 411. n) It tut arriva xlu» ä'une boir L Damrs el an Oatrc. Nelnaud nach Ebn Fcrach x. ü 3 g. Auch Wilhelm von TrN'olth (!>i>nä OnoNcene x. 433) 426 Geschichte der Keeuzzüge. Buch Vlll. Kap. Xlll. pflegte seiu Mihmandar oder Ne i sein arschall zu sagen: „Heute ist der Sultan in Aegypten, morgen in Arabien, übermorgen in Syrien und in vier Tagen z» Hasel'." So wie Bibars ein eifriger Anhänger der rechtgläubigen Lehre des Islams war und daher auch gern die Unterweisung gelehrter Fakirs vernahm'^), so hielt er auch mit großer Streike auf die von dem Propheten Mohammed gebotene Reinheit der Sitten; gegen die Ausschweifungen der Sinnlichkeit erließ er nachdrückliche Gesetze und strafte die Uebertrcter dieser Gesetze ohne alle Rücksicht und Schonung. Da in Aegypten der Genuß des Weins, welchen italienische Kaufleute lieferten, sehr gewöhnlich geworden war, so ließ der Sultan von den Kanzeln aller Moscheen seines Reichs nach den gewöhnlichen Gebeten einen Befehl verkündigen, durch welchen er den Genuß des Weins untersagte, diejenigen, welche Trauben keltern würden, mit der Todesstrafe bedrohte und vcrordncte, daß alle Wcinvorräthe in den Straßen ansgegosscn werden sollten. Bibars selbst trank niemals Wein, er liebte dagegen leidenschaftlich das tatarische Getränk Kumis, welches ans geronnener Stutenmilch bereitet wurde"). Auch in seinem übrigen Lebens- crwähnt dieser beständigen Nellen des Sultans Bibars, indem er behauptet, dag ihn die Furcht wegen Nachstellungen wider sein Leben dazu getrieben Habs. Daher ssy er auch immer nur in sehr kleiner Begleitung und verkleidet gereist und habe Jeden, welcher stch merken lieg, dag er ihn erkannte, mit dem Tods bestraft. Auch die Pilgerfahrt nach Mekka habe er in grösitcr Heimlichkeit unternommen und einem Emir, welcher in das Eeheimnig des Sultans eindrang und sich zur Begleitung antrug, auf dem Meidan die Zunge auüschneiden lassen. Keiner wage daher nur zu frage», wo der Sultan scy. 12 ) lioiirauss x. 5Z5. Ouii. 1'rixol. x. 434. iz) Ebn Ferath bcn Neinaud i>. 535 — 537 . Das von Ebn Ferath mit dem Namen Lninls bczcichncte Getränk wird closmos von Nubruguis cii. 4 — 6) genannt, welcher die Zubereitung desselben beschreibt. Das Verbot des Weins wurde im Jahrs d. H. ü?o f vom 8- August 1271 bis -7. Jul. 1272) bekannt gemacht. Bis dahin hatte der Pacht der Abgabe vom Weine, welcher zu Kahirah erhoben wurde, jährlich Lausend Du» Der Sultan Bibars Bondokdar. 427 wandel gab Bibars seinen Unterthancn ein löbliches Bey- spiel; er hielt keine Veyschlaferinnen, haßte und verabscheure unnatürliche Laster und begnügte sich mir vier Ehegattinnen, deren Eine, welche den Sultan auf allen seinen Reisen begleitete, eine Christin aus Antiochien war; und selbst christliche Nachrichten geben ihm das Zeugniß, daß er nicht nur gerecht gegen die Muselmänner war, sondern auch seinen christlichen Unterthancn niemals ihr Recht versagte, und den Mönchen des Berges Sinai und anderer christlicher Klöster seines Reichs manche Gnadenbezeigungen gewahrte'"). Der Sultan Bibars war ungeachtet der Strenge und Grausamkeit, welche in seinem Charakter vorherrschten, dennoch empfänglich für das Gefühl der Freundschaft. Als im Jahre 1266 der Sohn des Königs Haithon von Armenien in die Gefangenschaft des Sultans gerathen war, und der König Haithon um die Freylaffnng seines Sohns angelegentlich bat: so gedachte Bibars seines Freundes, des Emirs Sankor alaschkar, welcher bey der Eroberung von Haleb durch Hnlaku in die Gefangenschaft der Mogolcn gerathen war, und er sagte dem armenischen Könige die Freylassung seines SohneS nur unter der Bedingung zu, daß derselbe außer der Ueberlieferung einiger festen Platze die Vefreyung jenes Emirs bey dem Chan der Mogolcn erwirkte. Der cats» eingetragen. Vinnm, sagtWil, Helm von Tripolis, ct incretiioes äc- rcelaner (Zoiäanus) ec oüit, äioeitS guocl Iiaeo viros potentes veooräes man dem Sultan bemerkte, daß seine Vorgänger von den Steuern, welche von den Welnschenken und Fraucn- häuscrn bezahlt würden, Zvoo Söldner unterhalten hätten, so gab er zur Antwort, daß er lieber wenige enthaltsame Soldaten haben wollte, als viele dem Trünke und der Sinnlichkeit ergebene. Wilhelm von Tripolis schrieb seine Nachrichten Im Jahre 1273 nieder. 14) 6iiit. Irixolit. 1. o. 428 Geschichte der Kreuzznge. Buch VIII. Ka p. XIII. Chan Abaga, der Sohn und Nachfolger des Hulaku, sandte zwar den Emir Sankvr auf das erste Ansuchen des Königs Haithon nach Armenien; Haithon aber zögerte mit der Auslieferung des Emirs in der Absicht, durch scrncrc Unterhandlungen den Besitz eines der von Bibars geforderten festen Platze sich zu erhalten. Hierauf schrieb Bibars an den König Hailhon: „Dich betrübte die Trennung von deinem Sohne, dem Erben deiner Krone, eben so sehr als mich die Entbehrung eines Freundes; gleichwohl erhebst du jetzt Schwierigkeiten; mich knüpfen aber nicht Bande der Verwandtschaft an den Emir Sankor, und meine Forderungen sind unwiderruflich." Dieser Brief bewog den König Haithon, dem Willen des Sultans sich zu fugen; worauf Bibars seine Emire zu sich berief und ihnen die Frage verlegte: „was wurdet ihr gethan haben, wenn ich in die Gewalt meiner Feinde gefallen wäre?" Die Emire antworteten: „wir wurden unser Gut und Blut geopfert haben, um dich zu befreyen," und der Sultan fuhr fort: „Einer von euch schmachtete in der Gefangenschaft, ihr hattet ihn vergessen, ich aber war seiner eingedenk; es ist Sankor al- aschkar. Der König von Armenien bot mir für die Freyheit seines Sohns Geld und Gut, und ich verschmähte seine Anträge und bestand auf die Freplassung meines Freundes")." » 5 ) Ebn Ferath zum Jahre d. H. 6üü (vom 2l. Sept. 1267 biö zum 8. Sept. i26ü) bey Neinaud x. ZZ5- ^dnlkL- Lkron. 8xr. x. 544. 545. Ilisr. D/n. x. 546. Vgl. unten Kap. xv. Naitlion. Hist. Orient, e. gz. Wil' Helm von Tripolis fa«t Den Charakter DeS Sultans Bibars in fok genden Zügen zusammen: llio Lol- äsuus in nnütis, nt lioeat äieere, lu^isno OaesLre non viäetnr iule- rior, neo in nntlitilt Dierone niinor . . . . Ilie cie soäLiikns suis r-iliis et amiois 06 QXXX jitni in- terkeclt, Kinos, ternos et c^iidtei- nos, knspoctos, nt iittZekst, c^noä enm oeeläere velienk. ^'ivos vero snk t-ntto timore Lnkieolos tenet, nt nulius .inäeat aä tlomnm rilte- rins Ire neo ouni alterv loczni neu osrenäere so smionm lere amico .... Ilio likenter äat Liäem, jnrat, xro- Anordnungen des Sultans Bibars. 429 Sobald Bibars der Herrschaft über Syrien mid Aegypten sich bemächtigt hatte, so dachte er ernstlich ans Anstalten zur Beschülznng seines Reichs gegen künftige Angriffe, sowohl der Tataren als der abendländischen Christen; und das Betragen der Franken in Palästina wahrend der kurzen mogolischen Herrschaft über Syrien, so wie insbesondere die Verbindung, welche der Fürst Vormund von Antiochien mit den Mogolen auch nach ihrer Vertreibung ans Syrien noch fvrtsetztewar für den Sultan Vibars eine starke Aufforderung, die Vernichtung der christlichen Herrschaft in Syrien zum Gegenstände seiner angestrengten Thatigkeit zu machen. Um Aegypten gegen fernere Angriffe der Franken zu sichern, ließ er die Mündung des Nilarms von Damiette, in welche zwey Mal fränkische Flotten eingedrungcn waren, dergestalt mit Baumstämmen verstopfen, daß sie selbst für größere Handelsschiffe nicht mehr fahrbar blieb. Man war daher seit dieser Zeit gcnöthigt, alle größere Schiffe an dem Eingänge jener Mündung zu entladen und zur Fortbringung der Maaren nach der neuern Stadt Damiette kleinerer Fahrzeuge sich zu bedienen Gleichzeitig sandte Vibars ruittit; seä servarc Iran licet. Ve- ritatcm in aiiis vnit iirvcnire» nec innt velut lindes egitata. Verriet, verriet Ilex ü-eroiris, verriet 6iee- crrs crrm ec et l^it-rns, c>int»is eo- irrm äitedimrrr, in deitis tzioriedi- rnur nt victores. 16) Nach einer von Neinaud (x. Aa 5 ) ans einer arabischen Lebensbeschreibung deü Sultans BibarS mit- gctlieilten Nachricht nahm Boemund Gesandte des Königs von Georgien, welche zu Bibars sich begeben wollten und an der Küsie des Fürsten- thumS Antiochien Schiffbruch litten, gesungen und überlieferte sie dem Chan Hulaku. 17) Makrtsi beo Neinaud x. aür. t. Chk. raüi. 430 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.XIII. ^öi^'den Geschichtschreiber Dschemaleddin, damaligen Kadi zu Hamah in Syrien, als seinen Botschafter an den König Manfred von Neapel und Sicilien, um die Freundschaft dieses Fürsten, welcher eben so wie sein Vater der Kaiser Friedrich den Muselmännern sehr geneigt war, aber auch auf gleiche Weise wie sein Vater mit einem unversöhnlichen Hasse von dem Papste und der ganzen hierarchischen Partey verfolgt wurde, sich zu verschaffen. Der Botschafter des Sultans fand an dem Hofe des Königs Manfred eine sehr günstige Aufnahme und erfreute seinen Herrn durch seinen Bericht von den geneigten Gesinnungen des geistvollen und gebildeten Königs gegen die Moslims, deren stets einige in der Begleitung desselben sich befänden und ohne alle Storung ihren Gottesdienst abwarteten und die Pflichten ihres Glaubens erfüllten"). Auch nachfolgenden Zeit unterhielt Bibars die mit dem Könige Manfred angeknüpfte Verbindung und sandte demselben als Geschenke eine Giraffe und einige gefangene Mogolen nebst ihren Pferden von tatarischer Abstammung"); und nachdem Manfred in der unglücklichen Schlacht bey Venevent am 26. Februar 1266 seinen Tod gefunden hatte, so bewarben sich sowohl Karl von Anjou, welcher des sicilischen Besitzthums der Hohenstaufen sich bemächtigte, als der unglückliche Conradin durch Gesandtschaften um die Freundschaft des Sultans Bibars; und Bibars erwiederte die Gesandtschaft des Königs Karl lg) Ldmtkeäa 1°. V. x, Iä6. Dsche- maleddin Ebn Vasa war als Gesandter deS Sultans Bibars am Hofe deö Königs Manfred („in einer Stadt, welche fünf Tagereisen von Nom entfernt lag ") Im Jahrs d. H. 559 (Ehr. iiül). Merkwürdig ist, was Abulfeda, welcher ein Schüler deS Kadi Dschemaleddin war, nach einer Mittheilung seines Lehrers über die Weise erzählt, wie Friedrich der Zweite seine Erwählung zum Kaiser bewirkt batte. Dschemaleddin hatte Liese Nachricht auS dem Munds des Königs Manfred vernommen. 19) Ialct bey Neinaud x. 48z. Untergang des lateinischen Kaiscrthnms von Coiistantinoyel. 431 von Anjou, welche in Begleitung päpstlicher Botschafter vor^ftsi.^ ihm erschien und Fürbitte für die syrischen Franken einlegte, durch die Sendung des Kammerhcrrn Vedreddin Mohammed nach Neapel 2 °). Mit dem Könige Jakob von Ara- gonien, dem Freunde und Bundesgenossen des Königs Manfred, trat Vibars ebenfalls in freundschaftliche Verhältnisse^'). Wenn dieser Verkehr mir den Beherrschern von Aragonieu, Neapel und Sicilieu dem Sultan Bibars auch keinen unmittelbaren Vorthcil gewährte, so gab er ihm doch Gelegenheit, über die Verhältnisse der abendländischen Christen unter einander und ihre Pläne in Beziehung auf Syrien, Palästina oder Aegypten von Zeit zu Zeit sich Nachrichten zu verschaffen. In derselben Zeit, in welcher der Sultan Vibars mit so) Ebn Ferath berichtet von den Im Texte erwähnten Gesandtschaften des Königs Karl, des Papstes und des Königs Konradin bcv dem Jahre d. H. 607 (vom y. Sept. ioüs bis zum 2 y. August im sechsten Bande seiner Chronik (Handschrift der k. k. Bibliothek zu Wien) x. 22 g. lieber den Namen des Königs Karl bemerkt Ebn Ferath - „In Beziehung aus den Namen desselben sind die Franken nicht mit einander einverstanden, einige nennen ihn Re Dschar t^>), andereDscharla(^i->), ich befolge die leyiere Weise." Aus dem Briefe des Sultans, welchen der Kammerberr Bedrcddin Mohammed Ebn Astü mitnahm, hebt Ebn Fcrarü auS, dass Bibars darin anführie, wie er schon früher dem Könige Karl und dem Bruder desselben, LuiS, genannt Ne de FranS gefällig gewesen sey; zu der Zeit nämlich, als sie nach dem Unglücke bei) Damiette in der Gefangenschaft sich befunden hätten, sey von dem Könige Ludwig der Wunsch geäugelt worden, dass ihm BibarS dieselbe Freundschaft gewähren möchte, welche dis Könige von Aegypien Malet al Kamel und dessen Sohn Malet agsaleh dem Kaiser (Friedrich) gewährt hätten, und die Erfüllung dieses Wunsches sey auch von ihm dem Könige zugesagl worden. Konradin wird von Ebn Ferath bezeichnet durch Koraih Ebn alimberuv E7- osp ). Nach einer von Neinaud (x. 4 liz ) mitgelheilten Nachricht nannte sich Karl von Anjou in seinem Schreiben an Bibars: Io irös - civvouo scrviteur äu Sultan. Sl) Ebn Ferath beiz Neinaud x. 494- 432 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XIII. 3-großer Vorsicht und Behutsamkeit die Vorbereitungen zur Erneuerung des Kampfes wider die Christen traf, endigte das lateinische Kaiserthum zu Constautinopel sein kümmerliches Daseyn. Weder der Kaiser Balduin der Erste, noch sein Bruder Heinrich hatten es vermocht, innere Haltbarkeit einem Reiche zu geben, welches in seiner Einrichtung und Verfassung den Keim des Verderbens trug; und wenn auch der Kaiser Heinrich die zweckmäßigsten Mittel anwandte, um die Dauer des Kaiserthums zu fristen, indem er die Griechen zu gewinnen suchte, sie mit Milde und Schonung behandelte und ihnen Stellen im Heere und in der Staatsverwaltung anvcr- traute: so vereitelte der päpstliche Legat, Cardinal Pelagius, welcher im Jahre 121z von Jnnoccnz dem Dritten nach Consiantinopel gesandt wurde, um daselbst die kirchlichen Angelegenheiten zu ordnen, die Wirkungen jener weisen Maßregeln durch ein eben so hcrrschsüchtiges und leidenschaftliches Verfahren, als er fünf Jahre spater während des Kreuzzngs gegen Aegypten befolgte. Kaum war Pelagins in Constautinopel angckommen, als er befahl, die Kirchen und Kloster der Griechen zu schließen, gewaltsame Bekehrungen anordnete und die Griechen, welche ihrer Kirche treu bliebe», verjagte. Der Kaiser Heinrich ließ zwar die von dem unduldsamen Legaten verschlossenen griechischen Kirchen und Kloster wieder öffnen und ihren rechtmäßigen Besitzern znrückgebeu beruhigte aber dadurch nicht ,die Besorgnisse der Griechen wegen künftiger Wiederholungen ähnlicher Gewaltthatigkciten. Die feindselige Gesinnung der Griechen gegen ihre lateinischen Beherrscher, die natürliche Folge ungerechter Behandlung, war für die letzter» um so gefähr- 22) Lcorxii Lcroxolilao Mstoria Lmxcrcrirs ttran^ois ll>aris iSZ/tol.) V-I>. ,6. 17. >5. 16. Onsanxe INs- I.ivie n. sU»i>. 16. I>. 6o. ck. 22. loire äs Oonslaittiiioxlo eous Iss x. 65. Untergang des lateinischen Kaiserthums von Constantinopel. 43 Z licher, als ihre Macht an sich gering war und durch Strei- ^Artigkeiten der Ritter unter sich und mit ihrem Kaiser noch mehr geschwächt wurde; und die Ritter, welche die Verthei- digung von Constantinopel übernommen hatten, vergaßen sogar dergestalt ihre Pflicht, daß sie, durch höher» Sold verleite?, in die Dienste der Feinde des neuen KaiserthumS traten "). Der frühzeitige Tod des Kaisers Heinrich, welcher im Jahre 1216 nach einer Regierung von zehn Jahren und fast zehn Monaten im vierzigsten Jahre seines Alters starb, war ein höchst unglückliches Ereigniß, welches den Verfall des entstehenden Reichs beschleunigte, da an die Stelle des milden und billigen Heinrich kein Kaiser trat, welcher dessen Grundsätze befolgte und das vollendete, was er angefangen hatte. Der Graf Peter von Aurerre, Gemahl der Jolanthe von Flandern, der Schwester der Kaiser Balduin und Heinrich, welchen die Wahl der Barone von Constantinopel/ da Heinrich ohne männliche Nachkommen gestorben war, auf den erledigten Kaiserthron berief, nahm zwar eine ansehnliche Zahl von Rittern und Fußvolk in seinen Dienst und verpfändete seine französischen Herrschaften "), um die Kosten der Ausrüstung und Unterhaltung des Heers zu bestreiten, durch welches er seinem neuen Throne Ansehen und Glanz zu geben hoffte; er gelangte aber nicht einmal nach Con- stantiuopel. Da Peter nicht die Mittel besaß, den Vene- tianern die Kosten der Ueberfahrt nach Griechenland für sich. 23) Z.B. tm I. ms i„ die Dienste deS Fürsten Michael Comnenus von Cpirus. vucauge a. a. O. ill vrc II. . k>7- VH. Band. Ee I. Chr. I2ÜI. 434 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XII!. seine Familie und sein Heer zu bezahlen, so übernahm er die Verpflichtung, sür die eigennützige Republik, welche solche Verlegenheiten tapferer Ritter nicht unbenutzt zu lassen pflegte- die Stadt Dyrrachium wieder zu erobern. Denn diese Stadt war nicht lange zuvor den Venetianern von Theodorus, dem Sohne und Nachfolger des Michael Com- nenus im Fürstenthume Epirus, entrissen worden. Als die Belagerung von Dyrrachium mißlang, so entschloß sich der Kaiser Peter, durch die Lander des Fürsten Theodorus und das Königreich von Thessalonich seine Reise nach Constan- tinopel fortzusetzen. Er wurde aber sehr bald in den Gebirgen von Epirus durch die Truppen des Theodorus ein- geschlossen, ungeachtet des Vertrags, welchen der päpstliche Legat, Cardinal Johann Colonna, der den Kaiser begleitete, mit den Feinden verabredete, nebst mehreren seiner Waffengefährten von dem treulosen Fürsten Theodorus gefangen genommen und nur durch einen baldigen Tod von den Leiden einer harten Gefangenschaft befreyt Seine Gemahlin Jolanthe, welche mit ihren Töchtern aus dem Hafen von Brundusium, wo der Kaiser nach Epirus sich eingeschifft hatte, unmittelbar nach Constantinopel vorangegangen war, genas zwar daselbst bald nach ihrer Ankunft ihres Sohnes Balduin, des letzten der lateinischen Kaiser von Byzanz; die Barone deS Kaiserthums waren aber mit Recht der Meynung, daß eine lauge vormundschaftliche Verwaltung dem schwachen Reiche höchst verderblich wäre, und vereinigten sich zu dem Beschlüsse, dem ältesten Sohne des Kaisers Peter, dem Grafen Philipp von Namur, den erledigten Thron anzntragen. Der Graf Philipp von Namur war aber nicht geneigt, für die Kaiserkrone, welche seinem Vater 25I vucinixc a. 0. O. 0I1. 25 — 27. x. 6g —7l. Untergang des lateinischen Kaiserthums von Constantinopel. 435 einen so schmählichen Tod zugezogen hatte, seine schönen flandrischen Herrschaften aufzuopfern; sondern er brachte den Baronen von Constantinopel seinen jünger» Bruder Robert in Vorschlag; und dieser trat im Jahre 12:0 die Reise nach Romainen durch Deutschland und Ungarn an und wurde am Feste der Verkündigung Maria 1221 von dem^-März Patriarchen Matthias in der Sophienkirche zu Constantino- pel gekrönt"). Bald nach seiner Thronbesteigung folgte in dem Kaiserthume von Nicäa dem milden und nachgiebigen Theodorus Laskaris, welcher in den letzten Jahren seiner Regierung mit dem Hause der flandrischen Kaiser von Constantinopel durch seine Vermählung mit Maria von Cour- tenay, der Tochter der Kaiserin Jolanrhe, sich verbunden hatte, dessen unternehmender Eidam Johannes Ducas, mit dem Beynamen Vatatzes; und der Krieg, in welchen Robert, verleitet durch zwey Brüder des verstorbenen Kaisers Theodorus, mit Johannes Vatatzes sich verwickelte, hatte für das lateinische Kaiserthum von Constantinopel die empfindlichsten Verluste zur Folge. Die unglückliche Schlacht bey Poemaninum im Jahre 1224, in welcher mehrere kräftige Verthcidiger des wankenden jKaiserlhroncs ihr Leben verloren, brachte den Kaiser Robert um den Besitz der asiatischen Plätze, welche während der Regierung des Kaisers Heinrich waren erobert worden; und Johannes Vatatzes unterwarf sich bald hernach auch die Stadt Adria- nopel mit dem Beystande der griechischen Einwohner, welche das Joch der lateinischen Herrschaft mit Widerwillen getragen hatten "). Gleichzeitig drang Theodorus Cvmnenus, welcher schon zuvor Thessalonich sich unterworfen und den 26) vucLNKv . 7. ?. gr. g 3 . Untergang des lateinischen KaiserthuniS von Constantinopel. 437 so übertrngen die Barone von Constantinopel bis znr Voll-^s?.'' jährigkeit dieses jungen Prinzen dem Könige Johann von Jerusalem, welcher sein Königreich bereits dem Kaiser Friedrich abgetreten hatte und damals als Anführer eines päpstlichen Heers den Kaiser bekämpfte, den erledigten Thron nebst dem kaiserliche» Titel"). Der Kaiser Johann, welcher bereits ein Greis im hohen Alter war M xx Jahre 1230 in der Sophienkirche gekrönt wurde, brachte zwar eine Anzahl von Kriegern, welche er in Italien und Frankreich geworben hatte, nach Constantinopel; diese Krieger aber, da der hochbetagte Kaiser zu keiner Unternehmung sich entschließen konnte, zerstreuten sich und kehrten in ihre Heimath zurück, ohne dem Kaiserthume irgend einen nützlichen Dienst geleistet zu haben"). Als nach zweyjahriger Unthätigkeit Johann im Jahre l2ZZ in die Lander des Kaiserthums von Nicäa einbrach und bas Glück hatte, des festen Platzes Piga sich zu bemächtigen, so veranlaßt er dadurch ein Vündniß des Kaisers Johann Vatatzes mit Johann Asan, Kral der Bulgaren, welchen die Barone von Constantinopel auf das empfindlichste beleidigt hatten, Indem sie die von ihm angetragene Vermählung seiner schönen Tochter mit dem Prinzen Balduin ablehnten und dem Thronfolger die Tochter ihres Kaisers Johann, Maria von Brienne, zur Gemahlin gaben. Die Folge dieses Bündnisses war eine Belagerung von Constantinopel zu Wasser und zu Lande durch ein Heer und eine Flotte der vereinigten Griechen und Bulgaren im gl) Es war damals, wir Ducangs (a. a. O. alr. 15. I>. so) ln mehreren Beysvlelcn nachweist, in Zrankrcich Sitte, den Vormündern die Titel der Herrschaften, welche von ihnen verwaltet wurden, zu bewilligen. 32) „Dieser Kaiser," sagt Georglus Akropolila soll. -7. x. 24 ), „hatte bereits ein Alter von achtzig oder vielleicht noch mehr Jahren erreicht; alS Ich selbst diesen Mann sah, so erstaunte ich über seine Größe, indem er an Länge und Breite des Körvers alle Anderen übertraf." 5Z) Oucrngv a. a- O. cir. 17. I'. 84 ' 438 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.XIII. Jahre 12z;. Obwohl Johann seine, Hauptstadt mit jugendlichem Muthe vertheidigte und durch einen glücklichen Ausfall entsetzte "): so sah er doch mit banger Vesorgniß neuen Angriffen seiner überlegenen Feinde entgegen; und er sandte daher seinen Eidam, den Prinzen Balduin, nach Rom zu dem Papste Gregor dem Neunten, um dessen Hülfe zu erbitten. Wahrend Balduin mit päpstlichen Kreuzbullen in Frankreich umherzog und die Barone und Ritter für die Unternehmung eines Krenzzuges zur Errettung des bedrängten lateinischen Kaiserthums am Bosporus zu gewinnen sich bemühte, kamen im Jahre I2Z7 Abgeordnete aus Constantinopel, welche meldete», daß der Kaiser Johann gestorben wäre und das Reich in der bedrängtestcn Lage hinterlassen hätte, daß die geringe Ritterschaft, welche in Constantinopel sich befände, es nicht wagte, aus den Mauern der Stadt hervorzukommen und die Plünderungen der Feinde, welche das umliegende Land schonungslos verwüstete», zu hindern, und daß theils wegen des Mangels an Lebensmitteln, theils aus Furcht vor künftigen Gefahren viele Ritter aus Coustanti, nopel heimlich und in der Nacht entflohen und in ihre Hei- math zurückgekehrt wären"). Diese schlimmen Nachrichten, welche durch spätere Meldungen bestätigt wurden, bewogen den Prinzen Balduin, seine Bemühungen für die Rettung seines bedrängten Reichs zu verdoppeln, und es gelang ihm nach vielen Schwierigkeiten"), für seinen Dienst eine 84) Ouvange a. a. O. «k. 19 — 21. l>- S5-9g. Uebcr de» von dem Kaiser Johann unternommenen Ausfall s. die Geschichte des Philipp Mous- keS, Bischofs von Troycs (in der Ausgabe der Gesch. des Dittehardouin von Ducangc x. 224 , wo behauptet wird, bah weder Ajax, noch Hcctor, noch OgierS der Däne, noch Roland, noch Judas Maccabäus jemals so große Thaten vollbrachten, als damals der Kaiser Johann. 85) Oneaiige a. a. O. eil, 22 — 25. p- 99 —IN- Zö) Ein französisches Heer, welches auf die Aufforderung deS Kaisers Balduin im I. logg sich versammelt und nach Venedig sich begeben hatte, Untergang des lateinischen KaiserthumS von Conflantinopel. 439 beträchtliche Zahl von Rittern und Fußvolk zu gewinnen, mit welchen er im Jahre i2Zy durch Deutschland, Ungarn und die Lander des Krals Johann Asan von Bulgarien, der das frühere Bündniß mit Johannes Vatatzeß aufgelöst hatte, nach Constantinopel zog. Nachdem Balduin im December jenes Jahrs die kaiserliche Krone empfange» hatte, so unternahm er im Jahre 1240 die Belagerung der befestigten Stadt Tzurulum und eroberte diese Stadt, da die geringe Zahl von Truppen, mit welchen der Kaiser Johannes Vatatzes sie besetzt hielt, nicht im Stande war, dem zahlreichen Heere der Belagerer einen beharrlichen Widerstand entgegen zu stellen b?). Da der Kaiser Balduin aber nicht hinreichende Geldmittel besaß, um sein Heer zu besolde» und zu unterhalten, so beschrankten sich seine kriegerischen Unternehmungen auf diese Eroberung und einen Sieg, welchen seine Flotte über den unerfahrenen Befehlshaber der Seemacht des Kaisers von Nicaa gewann; sein Heer zerstreute sich bald nachher, und Balduin sah sich genöthigt, mit Johannes Batatzcs, welcher damals mit den Ziirnstungen zu einem Kriege gegen den Kaiser von Theffalouien beschäftigt war, einen zweyjahrigen Waffenstillstand zu schließen und dem Sultan von Jkonium Anträge wegen eines Bündnisses zu machen ^); und als diese Unterhandlung ihren Zweck verfehlte, so begab sich Balduin im Jahre 1244 aufs neue nach Italien und Frankreich, um die Hülfe des Papstes um daselbst sich einzuschiffen, ging wieder aus einander, weil der Kaiser Friedrich die Ueberfabrt nach Griechenland hinderte. Duoangc a. a. O. I.ivro IV. av. g— IO. x. III —1,4. 87) Dnoange a. a. O. all. Ig — Ls. 1>. Ilg —I3Z. 28) Der Waffenstillstand mit Johannes DatatzcS wurde im Jahre 1242 ge- schloffen, und die Unterhandlungen mit dem Sultan Eajatscddin von Jkonium, in welchen von der Vermählung einer Verwandten des Kaisers Balduin mit dem Sultan die Rede war, fanden Im folgenden Jahre »egg Statt, vucanzc a. a. O. clr. eg —Lg. x. lSZ —isg. 440 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. KaP.XIII. Jnnocenz des Vierten, des Königs Ludwig des Neunten und der französischen Barone sich zu erwirken. Seine Bemühungen wahrend seines mehrjährigen Aufenthaltes in Frankreich blieben aber ohne Erfolg, weil der König Ludwig der Neunte sowohl als ein großer Theil der französischen Barone und Ritter damals schon mit dem Kreuze bezeichnet waren und zur Errettung des heiligen Landes sich verpflichtet hatten, und bald hernach die Blüthe der französischen Ritterschaft in Aegypten vernichtet wurde. Diese Reise hatte für den unglücklichen Kaiser nur die Wirkung, daß er sich durch fort, währende Verlegenheiten genöthigt sah, die letzten Ueber- bleibsel seiner Stammgüter zu veräußern^). Die kurze Regierung des Kaisers Theodorus Laskaris von Nicäa, des Sohns und Nachfolgers von Johannes Vatatzes, gewährte zwar dem Kaiserthume von Cvnstantinopel einige Ruhe, weil Theodorus, ein Fürst von geringen Fähigkeiten, von der Einen Seite durch einen Krieg gegen die Bulgaren und den Fürsten von Epirus beschäftigt und von der andern Seite durch die Mvgolen, welche damals in Klcinasien ein- gebrvchcn waren, bedrängt wurde"'"). Kaum war aber Balduin aus Frankreich nach Cvnstantinopel zurückgekehrt, I-Cvr. als im Jahre 1258 nach dem Tode des Kaisers Theodorus von Nicäa der thätige Michael Paläologus von einer Par- tey des Hofes von Nicäa zuerst zum Vormunde des minder, jährigen Kaisers Johannes Laskaris, des Sohns des Theodorus, ernannt und wenige Monate später mit dem kaiserlichen Purpur bekleidet wurde "). Schon im Früh- linge 1259 sandte Michael Paläologus unter der Anführung seines Bruders, des Großdomesticus Johannes, nach 39 ) riiicrnM n. 9. O. I.ivre V. vt>> 8 «9- 90) Nucanze l>. a. O. cli. >3. p. 146. 1>. 87 — 88 I4iccplioi>is Orczor. III. q. V. 1. 41) Oeorg. Lcroxol. c.ip. 76. 77. Untergang des lateinischen Kaiserthums von Constantinopel. 44L Thessalien ein Heer, welches den Michael Comnenus, da-2-^r. maligen Fürsten von Epirus und Beherrscher von Thessalien, so wie dessen Bundesgenossen, den Fürsten Gottfried Ville- hardouin von Achaja, und die Truppen des Königs Manfred von Sicilien in einer entscheidenden Schlacht überwand und das ganze Land von Thessalien eroberte"). Nachdem Michael Paläologus diese wichtige Eroberung vollendet hatte, so dachte er ernstlich auf die Vertreibung der Lateiner aus Constantinopel. Die Lage des Kaisers Balduin war mit jedem Jahre hülfloser geworden; und da die häufig eingetretenen vormundschaftlichen Verwaltungen während der Erledigung des Throns oder der Abwesenheit der Kaiser, wenn sie auch geschickten und kräftigen Händen anvertraut wurden, zur Aufrechthaltung des kaiserlichen Ansehens und der Rechte des Throns nichts weniger als förderlich gewesen waren: so wurde Balduin in eben dem Maße verächtlich, in welchem seine Hülfsmittel sich erschöpften. Die Einkünfte der Hauptstadt Constantinopel, seitdem das Kaiserthnm auf den Umfang der Mauern dieser Stadt beschränkt war, genügten um so weniger zur Bestreitung der gewöhnlichen Bedürfnisse des Kaisers, als die habsüchtigen Venetianer in dem Thei- lungsvertrage, welcher im Jahre i 2 o/p war geschlossen worden, selbst einen beträchtlichen Theil von Constantinopel sich Vorbehalten hatten. Die Unterstützungen an Geld, welche Balduin auf seinen Reisen nach Frankreich und England sich erwirkt hatte, so wie der Verkauf der Dornenkrone des Erlö, sers und anderer kostbaren Reliquien") aus den Schätzen der Kapelle des kaiserlichen Palastes zu Constantinopel und andrer 42) Oiivanxe l>. a. O. cli. iS-lg. eil. II — IZ. 1'. I>4 — 117. cli. 24. x. 14g —i§i, x. 124. 125, . 4z) Oucsiixo ci. O. Livre IV. 442 Geschichte der Kecuzzüge. Buch VIII. Kap. XIII. Ar dortigen Kirchen, hatten seinen .Verlegenheiten mir für kurze Zeit abgeholfen; und Balduin geriet!) in solche Noth, daß er, um die Kosten seiner Hofhaltung und der Besoldung seiner Miliz zu bestreiten, das Vley von den Dächern der Kirchen und Paläste von Constantinopel abnehmen und daraus Münzen prägen ließ; um Brennholz sich zu verschaffen, schöne Hauser niederriß, und für ein Darlehn seinen einzigen Sohn Philipp dem Hause Capello zu Venedig als Geisel überlieferte - 4 ). Obgleich Michael Palaologus schon diese bedrängte Lage des Kaisers Balduin als eine ermunternde Aufforderung zur Ausführung der beschlossenen Eroberung von Constantinopel betrachtete, so beschleunigte doch auch die Aufreizung der Genueser den Untergang des lateinische» Kai- serthnms am Bosporus; denn die Genueser verbündeten sich 2 ^kr. ungeachtet des Friedens, welchen sic unter päpstlicher Vermittelung mit den Vcnetianern geschlossen hatten, schon im Jahre 1261 mit dem Kaiser von Nicäa zur gemeinschaftlichen Zerstörung der venetianischen Herrschaft in Consianti- nopel Unter solchen Umständen fristete selbst der Waffenstillstand, welchen Michael Palaologus im Herbste des Jahrs 12Ü0 dem Kaiser Balduin für ein Jahr bewilligte^), keinesweges die Fortdauer des hinfälligen lateinischen Kai- 44) vucango a. a. O. llvrc V. cli. 19. x- 1Z1. 45) Hortlrolomaei »anales 6enn- onses (IVluratori Scrixt. rer. Irrt. 2 '. VI.) .r. Zog. Oie Ge, nueser rüsteten in Folge dieses Bündnisses wirklich für den Krieg zehn Ealesn und sechs andere Schiffe aus, mit welchen die nach Genua gekommenen Botschafter des Kaisers Michael Palaologus zurückkehrtcn. Daher erklärt sich die von mehreren Ge- ichichlschrcibcrn (vgl. Ducanxc i. a. clr. 27. x. rS 3 ) erzählte Sage, vag die Genueser dem Kaiser Michael Palaeologus bev der Eroberung von Constantinopel Beysiand geleistet hätten. DeS von Bartholomäus erwähnten Krieges der Wene- tianer wider den Kaiser Michael gedenkt auch die von Buchen (in den ssu Xlli sisclc) hcrauügcgebene neugriechische Chronik von Romanien und Morea. 46) vucaiigo a- a. O. all. 20. t>, Ige. Untergang des lateinischen Kaiserthums von Constantinopcl. 443 serthums, und Michael Palaologus gelangte zu dem Be-^Arsche von Constantinopel früher, als er erwartet hatte. Im Sommer des Jahrs 1261 sandte der Kaiser Michael seinen Feldherrn Alevius Strategopulus mit einigen Truppen nach Thracien, theils um dieses Land gegen einen Angriff des Fürsten von Epirus, weil der Waffenstillstand, welchen Michael mit diesem Fürsten geschlossen hatte, abgc- laufen war, zu vertdeidigen, theils um Erkundigung über den Zastand von Constantinopel einzuziehen; und der griechische Feldherr stellte sein Heer, welches durch comanische Horden war verstärkt worden, in der Nahe dieser Stadt auf, nicht in der Absicht, wirklich Feindseligkeiten wahrend der Dauer des Waffenstillstandes zu üben, sondern um die Besatzung von Constantinopel zu beunruhigen und die Bewohner des flachen Landes von Romainen, welche damals weder die Griechen noch die Lateiner als ihre Herren anerkannten^), sondern in völliger Unabhängigkeit lebten, für die Sache des Kaisers von Nicaa zu gewinnen und mit ihnen Berathungen wegen einer künftigen Unternehmung gegen Constantinopel zu halten. Durch den Bericht, wel- 47) Or H kz^ar-c-proi, I>. I. solche, welche noch ihrem eigenen Willen lebten, also damals, nachdem die lateinische Herrschaft über daö iiachs Land von Nomanien besonders seit der Eroberung von Eclhbria durch die Griechen aufgebört halte, unabhängig waren, und je nachdem eg ihrem Wortheile angemessen war, es bald mit den Griechen, bald mit den Lateinern hielten. Sie bauten übrigens das Land, wurden eben deswegen, da sie Constantinopcl mit Lebensmitteln versorgten, von den Lateinern mit großer Schonung behandelt und waren kelneswcgcS herumstrelfende brodlose Scharen, sondern vielmehr damals freue Bauern. Vgl. 6eorg. NicephoruS Eregoras sll.2.) bezeichnet die Bauern, welche von PachymcrcS (Iiomines suae vc>- luntatis) genannt werden, durch geringe Leute («'/ossai'or zwar Römer ihrer Abstammung nach, aber Eingeborene («örctzsAoncs) von Constantinopel, welche damals wegen der Ernte außerhalb der Stadt sich befanden. 444 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. Xlll. ^- 2 «/chen diese Landleute erstatten konnten, da sie in häufigem Verkehre mir Constantinopel standen, erfuhr Alerius, daß keine Zeit für eine Unternehmung gegen diese Stadt günstiger wäre als die damalige, indem der Mangel und die Noch des Kaisers Balduin und seiner geringen Miliz de» höchsten Gipfel erreicht hätten, und daß die venetianische Flotte unter der Anführung des kürzlich angekommeneu veuetiani- schen Statthalters, Marcuö Gradenigo, nicht nur mit den venetianischen Truppen, sondern auch mit einem Theile der französischen Ritterschaft nach der thracischen Stadl Daph- nusia an der Küste des schwarzen Meeres gesegelt wäre, dergestalt, daß Constantinopel fast gänzlich von Truppen entblößt wäre *2). Diese Meldungen bewogen den Alerius nach einigen Bedenklichkeiten ohne Wissen und Willen des Kaisers Michael Palaologns am 24 . Julius sein Heer an die Mauern von Constantinopel zu führen und den Angriff von der Seite des goldenen Thors zu miternehmen. Der Erfolg übertraf die Erwartungen des griechischen Feldherr,,; die Bauern, welche ihn zu dieser Unteruehmuug bewogen hatten, erstiegen, ohne Widerstand zu finden, die Mauer, erschlugen die Wächter, welche sie meistens schlafend antra- fen, und öffneten sowohl das vermauerte goldene Thor als andere benachbarte Thore, worauf Alerius mit dem übrigen Theile seines Heers am Morgen des 2 z. Julius in Constantinopel einzog Weder der Kaiser Balduin noch die übrigen Franzosen und Italiener, welche daselbst zurückgeblieben waren, hatten den Muth, sich zu vertheidi- 48) 6 eorg. Urolixm. läb. II. c. 26 . I>. go- 4g) Oie verschiedenen abweichenden Erzählungen über die Wicdercrobe, rung von Constantinopel durch die Griechen s. bev Oucangc a. a. O. cN. »4 —s6. x. ,zz—iZg. Unter de» morgenländlschcn Geschichtschreibern erwähnt nur Abulfaradsch (Oi,ron. 8>-r. x. 50g) dieser wichtigen Begebenheit mit einiger Ausführlichkeit. Vgl, UeiuLUÜ Uxlrailz >>. 408- 434- Untergang des lateinischen KaiserthumS von Constantinopel. 44 S gen, sondern sie waren nur bemüht, ihr Leben und von ihren Gütern so vieles als möglich zu retten; und zu ihrem Glücke war in dieser Nacht des Schreckens die venetianische Flotte von Daphnusia zurückgekehrt, welche die Flüchtlinge aufnahm und von der Stadt, die sie mit schimpflicher Feigheit verlassen hatten, hinwegführte *°). Der Kaiser Balduin war mit solcher ängstlichen Eile aus seinem Palaste entflohen, daß er selbst sein kaiserliches Schwert, seinen Reichs- scepter und alle übrigen Reichskleinodien den Griechen als Beute zurückließ ^). Am 15. August 126 c hielt Michael 2. Che.? «, r26i. Palaologus seine» feyerlichen Einzug in Constantinopel durch das goldene Thor, indem er das von dem Evangelisten Lucas gemalte Bildniß der Jungfrau Mariä, welches aus der Kirche des Klosters Pantokrator hervorgeholt worden war, vor sich tragen ließ ^). Also nahm das lateinische Kaiserthum von Constantinopel ein klägliches Ende, nachdem es sein Daseyn auf sieben und fünfzig Jahre, drey Monate und elf Tage gebracht hatte "). Wenn auch das lateinische Kaiserthum von Constantinopel dem heiligen Lande bey weitem nicht die großen Vortheile gewährt hatte, welche der Papst Jnnocenz der Dritte «0) Oer Kaiser Balduin landete auf seiner Flucht zuerst an der Insel Ne- groxonts, wo ihm der venetianische Bailo gastfreundliche Aufnahme gewährte (--rmstr. Dmistuli (üliroii. in IVInimoil Scrixr. T. XII. x. z6y), dann ging er wieder zu Monembasta in Morea an das Land und verweilte einige Zeit bey dem Fürsten Wilhelm von Slchaia und Morea (Chronik von Nomanien und Morea bei) Buchen i>. »oo. roi). Dgl. Du- coago a. 0. O- all. 27. l>. 158 . zi) OriCLNtzo a. a. O. all. gg. x. izg. Daher bezeichnet die neugriechische Chronik von Nomanien und Morea li>. 96) mit Recht den Kaiser Balduin durch die Bemerkung: „welcher durch sein feiges Benehmen bas Kaiserthum verlor" (onoü k'^aoe rov 7i(>«§cv)» 5r) Moei-iior. Sregoi. IV. : tost. Loim. 1.1. x. 87). DuosiiZo a. N- O. ok. go. 160. i6r. 8Z) vuaanM a. Ü. 0. cli. 27. x. 15g. 446 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.XIII. ""d dessen Nachfolger davon erwartet hatten, und wenn auch die Halbinsel Morea und das Fürstenthum Achaja noch fernerhin in dem Besitze des Hauses Villehardouin blieben, die Venetianer die Inseln, welche sie nach und nach sich unterworfen hatten, behaupteten, und der Verkehr der Abendländer mit Syrien durch jene Besitzungen vielfältig erleichr tert wurde: so betrachtete man im Abendlande gleichwohl den Verlust von Constantinopel nicht nur als eine Schmach für die ganze katholische Christenheit, sondern man befürchtete auch mir Recht die Entwickelung noch fernerer schlimmer Folgen aus diesem unglücklichen Ereignisse. Mit den Verhältnissen aber und den Ansichten der damaligen Zeit waren Unternehmungen, in welchen nur Ehre und Ruhm gewonnen werden konnten, nicht vereinbar; und eine mehr als anderthalbhundertjährige Erfahrung hatte die Franzosen, Deutschen und Engländer belehrt, daß die Eroberung des heiligen Landes, so wie die Eroberung von Constantinopel und einigen griechischen Küstenländern und Inseln den geringsten Vortheil gerade denjenigen gewährten, welche dafür die kostbarsten Opfer brachten. Da außerdem das Ansehen des päpstlichen Stuhls seit dem leidenschaftlichen Kampfe der letzten Päpste gegen das Haus der Hohenstaufen sehr gesunken war, und die Fürsten, die Ritter und das Volk den Nachfolgern des heiligen Petrus selbst eine reine und aufrichtige Begeisterung für die Sache des Heilandes nicht mehr zutrauten: so blieben alle päpstlichen Aufforderungen zur Wiedereroberung von Constantinopel und zur Unterstützung derer, welche noch einige Ueberbleibsel des östlichen lateinischen Kaiserthums behaupteten, ohne Erfolg, obgleich diese Aufforderungen unterstützt wurden durch die Versicherung: daß die Sache des Kaiserthums von Constantinopel Untergang des lateinischen Kaiscrthums von Constantinopel. 44? im engsten Zusammenhänge stände mit der Sache des hei- 2,Ar. ligen Landes So wie man im Abendlands die Vertreibung des Kaisers Balduin und seiner Ritterschaft aus Constantinopel als einen empfindlichen Verlust beklagte: so fand dagegen der thatige Sultan Bibars in diesem Ereignisse eine neue Ermunterung zur Ausführung seiner Plane in Beziehung auf die Zerstörung der christlichen Herrschaft in Syrien; und sobald als Bibars die Kunde von dieser wichtigen Begebenheit vernommen hatte, so beeilte er sich, Verbindungen mit dem Kaiser Michael Palaologus anzuknüpfen. Seine damaligen Unterhandlungen mit dem griechischen kaiserlichen Hofe bewirkten die Zurückgabe der in früherer Zeit den Moslims von den Griechen zugesiandenen Moschee zu Constantinopel, welche der Sultan mit Lampen, Gewändern, Wohlgerüchen und allen übrigen Erfordernissen des Gottesdienstes versahDie Christen achteten mit Recht diese Unterhandlungen nicht für gleichgültig, und der König von Cypern scheute sich nicht, mitten im Waffenstillstände Botschafter, welche der Sultan Bibars nach Constantinopel sandte, auffangen zu lassen und in Fesseln zu legen, und dadurch die Erbitterung des kriegerischen Sultans gegen die Christen zu steigern SP S- das Schreibe» des Papstes Urban iv. an den König Ludwig IX. pon Frankreich vom z. Iunius i2ü2 bcy NainalduS ast a. 1262. h. 41. ZS) Makrist bsy Nsiiiaud, Lxlrail» äes liisrorieus ste3 croisastes 1'. 484, S6) Noiiiaust i>. 435- 448 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap. XIV. Vierzehntes Kapitel. Axx Verlust von Constantinopel fiel in die Zeit, kn welcher nach dem zu Viterbo am 25. Mai 1261 erfolgten Tode') des Papstes Alexander des Vierten der apostolische Stuhl erledigt war. Obwohl die römische Kirche damals nur acht Cardinäle zahlte, weil Alexander der Vierte wahrend seiner ganzen Regierung keinen Cardinal ernannt hatte: so verflossen dennoch mehr als drey Monate, ehe diese geringe Zahl zu der Wahl eines neuen Oberhauptes der Kirche sich vereinigte; so sehr auch die gefährliche Lage des von der Uebermacht des Königs Manfred bedrohten apostolischen Stuhls selbst und die Bedrängnisse der Kirche im Morgenlande und Abendlande zur Beschleunigung des Wahlgeschäftes aufforderlen. Da die Cardinäle unter einander selbst so sehr im Unfrieden waren, daß von ihnen keiner einem seiner Amtsgenossen die päpstliche Krone gönnte: so beschlossen sie endlich, einen andern Geistlichen auf den apostolischen Stuhl zu erheben, und wählten am Feste der Enthauptung Johannis auf den Vorschlag des Cardinals Johann Orsini den Patriarchen Jakob Pantaleon von Jerusalem ^), welcher »t Schreiben des Papstes Urban IV. 2) WLästing LNinUcs IVliiiorum an alle Prälaten der Kirche/ erlassen 1 . IV. x. »Sy. Fr. von Raumer/ Gern Witerbo im September i2üi/ bev schichte der Hobenst. IV. S. 46Ü folg. RainalduS »st ». >261. §. 12. Der Papst Urba n IV. 449 damals in Angelegenheiten seiner Kirche am päpstlichen ^evr. Hofe sich befand Der Patriarch Jakob, welcher als Papst Urban den Vierten sich nannte, war zwar von geringer Herkunft, dknn er war der Sohn eines Schuhstickers zu Troyes in der Champagne; er war aber gleichwohl ein Mann von vieler Bildung und in allen den Kenntnissen, welche damals die Verwaltung hoher kirchlicher Aemter erforderte, sehr wohl unterrichtet; und auf der hohen Schule zu Paris, wo er den Grund seiner Bildung legte, blieb seine ausgezeichnete Gelehrsamkeit, sowohl in den freyen Künsten als in dem kirchlichen Rechte und der Gottesgelahrtheit, nicht unbemerkt -). Deshalb nahm ihn sehr bald nach seiner Rückkehr von Paris in seine Vaterstadt der Bischof von Laon in seinen Dienst, vertraute ihm hierauf die Pfarrey von Laon an und belohnte seine Dienste durch die Ertheilung einer Pfründe an der dortigen bischöflichen Kirche In diesen Verhältnissen erwarb sich Jakob Pantaleon durch seine Red- 3> Er war schon zu Lebzelten des Papstes Alexander an dessen Hof gekommen , um Beschwerden zu sichren wegen der von diesem Papste zum Nachthcile der Kirche von Jerusalem verfügten Schenkung des Venedicti- nerklosterS St. Lazarus zu Betliania an dle Hospitaliter. Eine der ersten päpstlichen Verordnungen Urban des Vierten war die Zurücknabme dieser Schenkung. Ilniiittlsti iVnimles !>a 3. ,2Si. §. 8. 9. Nach Hugo Plagen (x. 737), welcher auch dieser Schenkung erwähnt, verlieh der Patriarch daS heilige Land aus Verdruss über die Ernennung des Bischofs Thomas von Bethlehem (auü dem Predigerorden) zum päpstlichen Legaten in Ptolemais, welche bald nach dem Kriege der Venctianer und Genueser erfolgte (vgl. Hugo Plagon I>. 736), indem er einem Geistlichen, welcher unter ihm stand, nicht sich unterordnen wollte (z-rr äeepir cle oe gue eil gut äevoict e.-lre äe- Oregoriu-t Oeceinis und 3 . kulant,ms bei) NalnalduS aü 3. itüi. h, 8 Denen, welche ihm eines Tages seine geringe Herkunft vorwarfen, gab er zur Antwort, edle Geburt sei, eine Gabe der Natur, aber um edel zu werden, dazu gehöre Tugend und Edelmutb (mobilem imsci 113- rurae esse, lieri vero virtrrlis et irobilir.rtis). WaststimA 1 . e. Ff VII. Band. 4L0 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.XIV. S»r. r,^6k. lichkeir uud Tüchtigkeit so großes Vertrauen, daß er zum Archidiacouus ernannt, späterhin zum Bischöfe von Laon erhoben und nach einiger Zeit zu dem bischöflichen Stuhle von Verdun berufen wurde. Auch an dem päpstlichen Hofe erregten seine Fähigkeiten so große Aufmerksamkeit, daß ihm wichtige Sendungen nach Pommern, Liefland und Preußen übertragen wurden 5); und dem aukgebreiteten Ruhme, welchen er durch seine Redlichkeit, Gelehrsamkeit und Geschicklichkeit sich erworben hatte, verdankte er ebenfalls die Berufung zum Patriarchen von Jerusalem °). In diesem Amte bewahrte er nicht minder als in seinen früheren Verhältnissen seinen wohl erworbenen Ruhm, und die einheimischen Bewohner des heiligen Landes sowohl als die Pilger, welche dahin wallsahrtcten, verehrten ihn als einen liebreichen Vater ?). Ungeachtet des hohen Alters, welches Urban der Vierte schon erreicht hatte, als ihn die Cardinäle auf den Stuhl des heiligen Petrus erhoben, seiner beträchtlichen Wohlbeleibtheit und der ihm angeborenen Liebe zum. Frieden und zur Ruhe ^), entwickelte er in asten den vielfältigen und schwierigen Angelegenheiten, welche damals die Sorgfalt des Oberhauptes der Kirche in Anspruch nahmen, eine eben so große Thätigkeit als Entschlossenheit. Obwohl Urban der Vierte als Patriarch der Kirche von ' Jerusalem, welche fünf Jahre von ihm war verwaltet worden, die Verhältnisse des heiligen Landes von allen Seiten kennen gelernt hatte, so ahnte er dennoch nicht die Gefahr, welche die Christen in Syrien bedrohte; vielmehr hatte er Z) "rUcoLorinis VaUicolor bell Ral- nalduü a. a. O. ü) 6reZor. Occ. dcy Rainaldus a. a. O-. §. g- Vgl. oben Kap. ia. Anm. 2 >. S. 3gL. grillt et iaaolae ixsariim xartiiiir» xarrom ct xastoioia amadUcin Iia- Uere so ALriäeNanr. OreZor. Diaa. bcy RalnalduÄ a. a. s. 8) I. c. x. 2Zz. Bemühungen des Papstes füe den Kaiser Balduin. 451 mit sehr frohen Hoffnungen für die Zukunft Ptolcmais ver-2^b». lassen?). Seine ersten Bemühungen nach seiner Erhebung auf den apostolischen Stuhl waren deshalb keiuesweges den Angelegenheiten des heiligen Landes zugewendct; und da neben der Unterdrückung des Königs Manfred nichts ihm wichtiger zu seyn schien, als die Bestrebungen seiner Vorgänger für die Vereinigung der Griechen mit der römischen Kirche fort- zusetzcn: so bemühte er sich mit großem Eifer, oie Wiederherstellung des lateinischen Kaiserthnms von Constantinopel zu bewirken. Nachdem der unglückliche Kaiser Balduin, wel, cher nach der Flucht aus seiner Hauptstadt an den päpstlichen Hof kam, durch seine Klagen und Bitten das Mit- leideu des Papstes und der Cardinäle erweckt, und eine Gesandtschaft der Venetianer nebst einigen aus den Ländern des griechischen Kauerthums gekommenen Lateinern die Hülfe des römischen Stuhls zur Wiedereroberung von Constanti- nopel und zur Behauptung der griechischen Länder und Inseln, welche noch im Besitze der abendländischen Christen sich befanden, mit eindringlichen Vorstellungen erbeten hatten: so sandte Urban der Vierte seinen Capellan Andreas von Spoleto, Archidiaconus der Kirche zu Paphos, an den König Ludwig den Neunten von Frankreich und die französilchen Prälaten mit Briefen, in welchen er die Wiederherstellung des y) „ Siebe, " schrieb er am August -2ÜZ dem Königs Ludwig IX. von Frankreich, „nachdem bis göttliche Verseilung durch das Schwcri der Tataren, alS eine Ruche des Zorns, die Treulosigkeit der Sarace- " nen gestraft und von ihrem Schmuze das ganze Land von Haleb bis Jerusalem gereinigt baite, hierauf auch die Tataren vertilgt worden waren: so batten die Gläubigen in jenen Gegenden keinen andern Feind zu bekämpfen als die Acgypier (Ladz-io- iiivs). Dadurch wurde die frohe Hoffnung begründet, dag es möglich fron würde, das Verlorene wieder zu gewinnen und den frühem glücklichen Zustand wlederherzuiiellcn " Dar- nalckns all a. I2ÜZ. L. Jakob Pantaleon war Patriarch von Jerusalem vom I. irzü biS zum I, isSi. Ff2 452 Geschichte der Kreuzzüge. B n ch VIII. K a p. XIV. I klir. lateinischen Kaiserthums von Constautinopel mit kräftiger Beredtsamkeit als eine Angelegenheit von so großer Wichtigkeit darsiellte, daß die Christenheit kein Opfer und keine Anstrengung, welche zu diesem Ziele führen könnten, scheuen dürfte. „Wenn die Ueberblcibsel jenes Kaiserthums," schrieb Urban dem Könige Ludwig, „wieder in die Gewalt der Griechen fielen, was Gott verhüten wolle: so würde denen, welche dem heiligen Lande zu Hülfe kommen wollen, der Weg verschlossen seyn; deshalb reiche aus Achtung für den apostolischen Stuhl, oder vielmehr aus Rücksicht für Gott selbst, die Hand des Schutzes und Beystandes dem gedachten Kaiserthume, den Venetjancrn, welche daran Theil haben, und den übrigen Lateinern, welche gegenwärtig noch daselbst sich behaupten, und bewege die Prälaten deines Reichs, für diese wichtige Angelegenheit eine angemessene Geldnnter- stützung in der Weise, welche wir in dem auf das Ansuchen des Bischofs von Agen an sie erlassenen Schreiben bezeichnet haben, zu bewirken. Denn so in deinem Reiche, welches das Vorbild und Muster aller andern christlichen Reiche ist, ein so frommes Werk einen kräftigen Anfang gewinnt, so wird es unter dem Beystande Gottes bald sich verbreiten zu allen andern Reichen der Welt, welche zum Cbristen- thume sich bekennen." Zugleich meldete Urban dem Könige Ludwig, daß der Fürst von Achaja und Morea ein zahlreiches Heer gesammelt hätte, um zu Lande wider Consianu- nvpel zu ziehen, daß die Barone, welche einen Theil der griechischen Inseln beherrschten, ihre Slreilkräfte mit dem Heere jenes Fürsten vereinigen würden, und daß die Vcne- tianer, von welchen eine stattliche Seemacht wäre ausgerüstet worden, durch ihre Gesandten sich erboten hätten, allen denen, welche an der Heerfahrt gegen Constantinopel Theil zu nehmen geneigt wären, unentgeltliche Ueberfahrt Bemühungen des Papstes für den Kaiser Balduin. 453 auf ihren Schiffen zu bewilligen *°). Gleichzeitig gebot Urba» dem Prvviucial der Miuoriten iu Frankreich, das Kreuz für die Wiedereroberung von Constantinopel im ganze» Bereiche seiner Verwaltung zu predige» und durch andere dazu fähige Brüder seines Ordens predigen zu lassen, indem er diejenigen, welche für dieses verdienstliche Werk das Kreuz nehmen würden, aller Rechte und Vortheile, welche den Kreuzfahrern im Dienste des heiligen Landes zustande», theil- haft machte und die Kreuzprediger bevollmächtigte, überall, wo es ihnen angemessen scheinen würde, die Geistlichkeit und das Volk zu ihren Predigten zu berufen und den anwesenden Gläubigen nach Gutdünken für vierzig oder hundert Tage Ablaß zu bewilligen "h. Auch beauftragte er den Bischof Wilhelm von Agcn, zur Förderung dieser Kreuzfahrt in ganz Frankreich einen Zehnten zu erheben Obgleich Ludwig der Neunte das schimpfliche Ende des lateinischen Kaiserthums von Coustautinopel nicht mit Gleichgültigkeit vernom- >men und früherhin dem Papste Urban seine Bereitwilligkeit, jenem Kaiserthume eben sowohl als dem heiligen Lande zu helfen, zugesichert hattet): so fand er dennoch die Ver- hälmisse der damaligen Zeit nicht geeignet, um seine Unker- thanen zur Bewaffnung für die Wiederherstellung des lateinische» Kaiserthrvns zu Evnstantinvpel anszufordern; und die Maßregeln, welche Urban genommen hatte, um einen neuen Kreuzung nach Romainen zu bewirken, hatten kaum einen ander» lol DaS Schreiben des Papstes Ur- >2) 1, L. - 28' Pan an den König vudwigix. i bey würbe zu Bil-rbo am 5 - Iunü.S r-ür ^Err Albert k seinen B°- Itt «2ll>rcwen ocv vapnep urvan IV. erlasse»' n> VVatlllinS 1. a. 1». -75—-77- §- S-l-30- vollmächrigien in den stctiischen An- gelegenheiic» zu Paris) bep Nainal- LuS a- O' §' Le-' 454 Geschichte der Krenzzüge. Bu ch VIII. Kap. XIV. Erfolg, als daß sie die Aufmerksamkeit der Abendländer noch mehr von der Sache des heiligen Landes ablenktcn. In derselben Zeit, in welcher der Papst Urban noch die Hoffnung hegte, daß eine Kreuzfahrt zur Wicdercroberung von Constanlinopel zur Ausführung gelangen könnte, begannen in Syrien die Feindseligkeiten zwischen den Christen und dem Sultan Bibars. Nach den Berichten der arabischen Geschichtschreiber *") hatte der Sultan Bibars die Absicht gehabt, sogleich nach seiner Gelangung zur Herrschaft über Syrien und Aegypten den zehnjährigen Waffenstillstand, welchen der Sultan Malek annaser von Damaskus den Christen bewilligt hatte"), für ungültig zu erklären und den Krieg wider die Kreuzfahrer zu eröffnen; eine Hungersnorh aber, von welcher Syrien heimgesucht wurde, bewog ihn, die Ausführung seiner Pläne zu verschieben und sogar den Waffenstillstand mit den Franken zu erneuen. Cr machte aber während dieses Waffenstillstandes die Erfahrung, daß cs unmöglich war, mit den syrischen Christen in ihren damaligen Verhältnissen im Frieden zu leben; denn nach der Versicherung der arabischen Geschichtschreiber mangelte es zu dieser Zeit so sehr an Eintracht und Einheit im Königreiche Jerusalem sowohl als in den damit verbundene» Ländern, daß nur diejenige Partey, welche einen Vertrag eingegaugcn war, sich für verpflichtet achtete, die Bestimmungen dessel-° den zu erfüllen. Wenn daher die Mvslims mit den Templern einen Vertrag verabredet halten, so wurden die Hospitaliter dadurch nur noch mehr zu Feindseligkeiten aufgercizt, und ein Waffenstillstand mir der Ritterschaft von Ptolemais sicherte den Handel und die Schifffahrt der Saracenen nicht gegen Beschädigungen von Seiten des Königs von Cypern. iq) L.'bensbcschreibung des Sultans Nilmcö in NcinLuU LxüLil, x. 485. IL> S. oben Kao. II. S. 3Y5. § ci nd scligke i t e n in Syrien. 455 Alle Straßen zu Wasser und zu Lande waren im Waffen« ^l». siillstande so unsicher für die Moslims als im Kriege. Die Franken beobachteten die Bedingungen des Waffenstillstandes, welchen sie mit dem Sultan Vibars geschlossen hatten, so wenig, daß sie den Bau der Mauern von Arsuf forr- setzten, obgleich sie sich verpflichtet hatten, wahrend der Dauer jenes Vertrages keine neuen Befestigungen in ihren Landern zu errichtcm Sie machten sogar die Auswechslung der Gefangenen, welche eine der Bedingungen des Waffenstillstandes war, rückgängig. Der Sultan Bibars sandte zwar die gefangenen Christen nach Neapolis, aber kein Franke erschien, um die Gefangenen zu übernehmen, und eben so wenig wurden die Moslims, welche in der Gewalt der Franken sich befanden, ausgeliefert; der Sultan ließ deshalb die gefangenen Christen von Neapolis nach Damascus führen und bey dortigen Bauten beschäftigen ^). 16) NciiiaristlklxtvaitsxDie Erzählung der morgenländischcn Schriftsteller von der verabredeten Auswechslung der Gefangenen, welche von den Christen nicht vollzogen wurde, erhält ihre Bestätigung durch folgende Nachricht deS Hugo Plagen (l>. Voll): i-'aclraisnri' Iior'giroi 11 (Loiniocäar 1 vinr l d. >. die Dera»> laffung, welche den Sultan Voiidok- där oder BibarS bewog, gegen Pto- lcmaiS zu ziehen), Inst i-orcecjrie le voieirr olrose xar 1a rvive lalle, er 11 voloil rcullve les sierrs j li cricirs äe lalle li ltrri) rcrräl scs .esclas, er 11 11 (Irrt) rinr Irlerr sa rvive lono lau.-. Dieselbe Nachricht. findet sich auch bey MarinuS SanutuS x. 221. Die Templer und Hospitaliter hatten also dem damaligen Waffenstillstände nicht sich angcschlosse». Ucbereinstim- mend mit der obigen Nachricht der Hugo Plagon.berichtet der glcichzci- tige Wilhelm von Tripolis lüfiuä Du- cl-esii. Ist V. x. 4Z4): Solstailrr» m»1rum InLizuaiiir corrrra irosrror, fiiceirs cos rrorr rervarc stclem er vevitarem, rrc airri^nl cülvislianl I»- mosl laeiedanr, c,„i Iiiciaiir xoien- res. Imxroxcrar eis mulra viria et xeccala, giiac ixse stcreslalrii er oclir .... »sseicus, gnoäsl leitLr- äissenr om»es caxlivos Sarraccoos, slenr er l^-se xavarris evar rcstäere cHrvisrianos, „r ex rirraguc xarr« Irrerar compronrissrrm, ircgriagrraur arrna movlssct contra cos, seä ür- nrara oorrooväla er xaec, slra^e« er äanrira iroir Irrrssenr coirsecrria. Dagegen beschuldigt Urban IV. in sei- 456 Geschichte der Kreuzzügc. Buch VIII. Kap. XIV. 2 -^br. Bibars kehrte seine Waffen zuerst gegen den Fürsten Boemund von Antiochien, welcher seinen Zorn dadurch ans sich gezogen hatte, daß er noch immer fortfuhr, die Mogo- len zu einem neuen Einbruch in Syrien aufzureizen ' Der Emir Schamscddin Sonkor'^), welcher den Emir Jde- kiu Von-dokdar aus dem angemaßten Fnrsteuthume von Haleb vertrieben hatte, erhielt von Bibars den Befehl, mit den ihm anvertrauten Truppen in das Land von Antiochien eiu- . Zufällen; und auch die Fürsten Malek al Mansur von Ha- mah und Malek al Afchraf von Emessa wurden von dem Sultan anfgefordert, mit ihren Truppen dem Emir Sonkor für diese Heerfahrt sich anzuschließen. Diese muselmännischen Scharen stifteten nicht allein in der Umgegend der Stadt Antiochien eine große Verwüstung '^), sondern sie drangen auch bis Scleucia vor und verbrannten die in dem dortigen Hafen vor Anker liegenden Schiffe^"); und der Fürst Boemund verdankte die Abwendung noch größer» Schadens von seinem Lande nur dem Könige von Armenien, welcher die Mogolen bewog, der von den Saracenen belagerten Stadt Antiochien Hülfe zu leisten Hieraus verließen die muselmännischen Scharen das Land von Aatio- nem Schreiben an Len König Ludwig IX. von Frankreich l erlassen zu Orvieto am -c. Aug. rsSz) den Sul- lan Vikars der Treulosigkeit und der frevelhaften Verletzung LeS Waffen- lilllsiandeö: Lirristianis iregligeuti- t»us causam Olrristi, ^erssssus Soläa- rrrrs Uavz-Ioiriae, rrcti§arum et i-a- crorrrm lrsse, Iguam cum (Urrrstraitis weis inrerat, rirliäoliter vioI-,:a cum cxoicitir coploso . . . castrameratrrs rnler moutein 'oirabor et. Xaim etc. (>. unien Annr. L7). Uariralclrrs aä r. ,26z. tz. 5. 17) HciuLuch 4g;. r») Mit dem Bcvnamcn Lrrrimi, welcher seine Herkunft aus Nun, oder Kleinasien bezeichnet. LNrilkeciae rLu- iiales r. IV. x. 630. rg) Lturikccia I. 0. 20! Ueiuaritl x. 4g6. Sri Hugo Plagon x. 736. Dieselbe Nachricht wirk auch von Marinus SanutuS x. Wr wiederholt. Fc iiid sel'Ig kei te n in Syrien. 457 chien, und der Ensir Senker kehrte mir fest dreyhundert ge- fangenen Christo'., nach Kahirah zurück Im Jahre 126z unternahm der Sultan Bibars selbst'^Clir. mit einer zahlreiche» Heeresmacht seinen ersten Feldzug gegen die Christen in Syrien, in der Absicht, an der Stadt Pto- lemaiS wegen der Verletzung des Waffenstillstandes, welche die dvrtige Ritterschaft geübt hakte, sich zu rächen^). So großen Schaden Bibars auf diesem Zuge den Christen zu- sügtc: so würde es ihm dennoch nicht schwer geworden scyu, noch größere Dinge zu bewirken, wenn er die Vortheile, welche sich ihm darboten, vollständig benutzt und in seinen Unternehmungen planmäßig und beharrlich verfahren wäre. Denn die Ritterschaft von Ptolemais, welche durch leichtsinnige Verletzungen des Waffenstillstandes den Sultan zum Kriege gereizt halte, war durchaus nicht zum Widerstande vorbereitet und durfte auf den Veystand der übrigen Barone des Königreichs Jerusalem, welche den Waffenstillstand anerkannt und gehalten hatten, keinesweges rechnen. Der Graf Johann von Joppe und Balian von Arsnf, beyde aus dem Hause Jbelin, kamen vielmehr dem Sultan Bibars, als er in das christliche Land eindrang, mit Geschenken entgegen; und sie wurden, weil sie von ihrer Seite die Bedingungen des Waffenstillstandes erfüllt hatten, freundlich empfangen, und ihre Länder blieben unbeschädigt 2*). I« Ptolemais dagegen entstand allgemeine Bestürzung, als die'Kunde von dem An- 2S) ^.dniikcckr I. c. Sonkor kam mit seinen Truppen am 2y. Namadan 660 — iü. August 1262 nach Kahirah zurück; rer erzählte Einbruch In das Fürstenthum Antiochien ist also etwa in den JuniuS und den Anfang des Julius 1262 zu setzen. og) Makrist bey Neinaud v. qgst- Wgl. oben Anm. iS. 24) Makrist a. a. O. Wgl. oben Anm. ,iö. Wahrscheinlich stand das Haus Jbelin, welches früher im Besitze der Statthalterschaft des Königreichs Jerusalem gewesen war, nicht in gutem Vernehmen mit Gottfried von Sergines, dem damaligen Statthalter ldaii) zu PtolemaiS. 458 Geschichte der Kreuz züge. Buch VIII. Kap.XIV. des Sultans dahin gelangte; und die Ritterschaft dieser Stadt versuchte es vergeblich, durch Friedensanträge den Zorn des erbitterten Sultans zu besänftige!!. Ihre Gesandten, welche nach dem Berge Tabor, wo Bibars mit seinem Heere sich gelagert hatte'"), kamen, fanden eine sehr unfreundliche Aufnahme, und der Sultan gab ihnen auf ihre Anträge nur die kurze Antwort, daß sie, falls ihnen der Friede lieb gewesen wäre, den Waffenstillstand erfüllt und nicht seine Ankunft vor ihren Thoren abgewartet haben würden, um zu unterhandeln; und als sie damit sich entschuldigten, daß sic von seinem Anzüge nichts gewußt hätten, so fuhr er fort: „So man etwas ernstlich will, so beweist man mehr Wachsamkeit. Wenn ihr behauptet, nichts von dem Anzuge unsers Heers gewußt zu haben, so ist daS nichts anders, als wenn ibr sagen wolltet, daß die Menge der Thiere, welche das Land bewohnen, und der Fische, welche im Meere schwimmen, euch unbekannt wäre. Unsre Scharen sind so zahlreich, daß in euren Häusern kein Winkel seyn kann, ans welchem ihr nicht beständig den Staub weg- zukehren habt, den nufere Reiterei) erregt; und das Getöse unserer Rosse hat die Ohren der Franken jenseit des, Meers und der Tataren in ihren Wüsten betäubt. Wenn ein solches Heer bis zu euren Thoren gelangen kann, ohne daß ihr es gewahr werdet, was wäre dann wohl dazu geeignet, eure Aufmerksamkeit' xn erwecken?" Nach einigen Tagen rief er die christlichen Abgeordneten wieder zu sich und legte ihnen die Frage vor, was sie zu thnn gesonnen wären, wor-. ans sie antworteten: „Den Waffenstillstand zu vollziehen." Bibars aber eröffnete ihnen seine Willcnsmeynung in fvl- LA1 ^.VnikeäZo -iriral. M 05 l. V. Schreiben deö Papiteö Urban IV. zwb L. Makrisi bey Neinaud x. qag. scheu dem Berge Tabor und Nain. Nach dem oben lAnm. iö) erwähnte» Feindseligkeiten in Snrien. 459 gender Rede: „Warum gabt ihr nicht selche Absicht uns zu 2 erkennen, ehe wir hierher kamen, ihr härtet dadurch uns große Kosten erspart; wenn das Geld, welches unsere Rüstungen erfordert haben, könnte geschmolzen werden, so würde es unermeßliche Ströme bilden. Wir haben eure Länder nicht beschädigt, ihr aber habt die Wege unsicher gemacht und die Verpflegung unserer Truppen gehindert. Kaum war der Waffenstillstand erneuert worden, als ihr euch schon weigertet, ihn zu beschwören, und cs mußte deshalb eine neue U.rkuude des Vertrags abgesaßt werden. Obgleich wir von unserer Seite unsere Verpflichtungen größtenlheils erfüllten und die Gefangenen, welche in unserer Gewalt sich befanden, nach Neapolis sandten zum Behufs der Auswechslung, in der Hoffnung, daß ihr ein Gleiches thun würdet: so habt ihr dagegen eurerseits nicht gekhau, was euch oblag, kein Mitleidcn bezeigt mit dem Schicksale eurer in unser» Fesseln schmachtenden Glaubensgenossen und die gefangenen Mos- lims zurückgehalten, ohne deren Lage zu erleichtern, indem ihr von solcher Worlbrüchigkeit einer die Schuld auf den andern schobt. Ihr verspracht für die Beraubungen, welche unsere Kaufleute von euch erlitten halten, Entschädigung; da ihr aber ermahnt wurdet, euer Versprechen zu erfüllen, so machtet ihr die Einwendung, daß solche Beraubungen zu Tortosa, einer den Templern gehörigen Stadt, geschehen, und mithin die Templer dafür verantwortlich wären; Gott weiß es aber, daß ihr allerdings Herren zu Tortosa seyd. Als wir die Absicht hatten, Botschafter an den Kaiser von Constantinopel zu senden, so fragten wir euch, ob diese Botschafter sicher auf dem Meere seyn würden; und ihr gabt uns den Rath, sie über Cypern reisen z» lassen. Kaum waren sie aber daselbst angelangt, so wurden sie angehaltcn, mit Fesseln beladen und mit solcher Härte behandelt, daß >. Cftr. r2Ü3. 460 Geschichte der K >' e 11 zz ü g e. B u ch VIII. K a p. X I V. Einer von ihnen an den Folgen der erlittenen Mißhandlungen starb. Haben wir jemals eure Abgeordneten auf solche Weise behandelt? Ist nicht die Person eines Gesandten selbst ini Kriege unverletzlich? Wenn auch solcher Frevel ohne eure Zustimmung verübt worden ist, so beschimpft er dennoch eure Ehre; denn cs ist die Pflicht der Könige, Güter und Personen zu schützen. Uebrigens hat der König von Eypcrn Besitzungen in Ptolemais und an der Küste von Syrien, seine Schiffe und Kauflentc kommen des Handels wegen in eure Stadt, und er steht nicht sür sich allein, sondern die Templer und die übrigen Ritterorden sind mit ihm einverstanden. Wäret ihr ohne Antheil an seiner Treulosigkeit gewesen, so würdet ihr es nicht versäumt haben, ihn zu strafen, seine Besitzungen cinzuziehen und über sein Verfahren Klage bey dem Papste und den abendländischen Königen zu erheben. Und von welcher Art war euer Betragen gegen die Sultane, unsere Vorfahren im Reiche? Der Sultan Ismail von DamaScus überließ euch, als ihr ihm Hülfe gegen den Sultan von Aegypten zusagtet, die Burgen Schakif und Safed"); und als der Sultan von Aegypten, welcher den Sieg davon trug, euch mit der Rache verschont hatte, so vereinigtet ihr euch zum Lohne dafür zur Bekämpfung desselben mit dem Könige Ludwig von Frankreich; glücklicherweise aber scheiterten eure Pläne. Sagt mir, ob ihr jemals in euren Verhältnissen mir Aegypten euch als Männer von Treue und Glauben bewahrt und in euer» Unternehmungen wider dieses Land eines günstigen Erfolgs euch erfreut habt? Um es kurz zu sage», der Sultan Ismail überließ euch die Burgen Schakif und Safed, weil er eures Beysiandcs bedurfte; mir ist eure Hülfe unnütz; Lü) S. Gesch. der Kreuz;. Buch VIl. Kap. 17. S. üon. üoi und daselt'il Mim. 42. Feindseligkeiten i» Syrien. 461 deshalb gebt mir jene beyden Burgen und alle übrigen Platze, welche ihr unseren Vorfahren entrissen habt, zurück und setzt die gefangenen Moslims in Freyheit; andere Anträge werde ich nicht auhören." Als die christlichen Abgeordneten diese Rede nur mit der Erklärung beantworteten, daß diejenigen, von welchen sie gesandt waren, nicht die Absicht gehabt hatten, den Waffenstillstand zu brechen, sondern vielmehr ihre Verbindlichkeiten gern erfüllen würden: so befahl ihnen der Sultan, sein Lager ungesäumt zu verlassen "). Nachdem auf solche Weise die Unterhandlungen abgebrochen worden waren, so gab Bibars das Land der Christen einer furchtbaren Verwüstung preis; die schöne Kirche zu Nazareth, welche an der Stelle erbaut war, wo der Engel der Jungfrau Maria erschien"), wurde gänzlich zerstört, und dasselbe Schicksal erfuhr die Kirche der Verklarung auf der Höhe des Berges Tabor, so wie die Kirche von Cabula, wo der Heiland nach seiner Auferstehung zum ersten Male seinen Jüngern sich gezeigt hatte; und auch die Umgegend von Ptolemais blieb nicht verschont"). Nach 27 ) Makrist bey Neinaud p. 486 — 488- Vgl. die oben Anm. IÜ mitgc- theilken Stellen deS Hugo Plagen und Wilhelm von Tripolis. Auch der Papst Urban lv. erwähnt in dem bereits angeführten Schreiben der im Texte erzählten vergeblichen Unterhandlungen : Loläanne orsrrametatne inter nrontem Istrahor et dlain et Inter ^ctmiratos snos pro lidito öis- tridntz, per varios nnncios a Lirri- Ltianae ticlei euitoribns actitns, soli- oitatns rnnitixlioiter et soiioite re- quisitns, in aliguo inoiinari non xotnit neo moveri. aibatn. Schreiben deS Papstes Urban IV. bep RainalduS a. a- O. §. 7- In dieser Kirche befand sich die jetzige Capelle von Loreto. Ly) Schreiben deS PapsteS Urban IV. a. a. O. Vgl. ^IniUlecir a. a. O. Makrisi bep Neinaud x. 488. Nach MarinuS Sanutus tx. 221) wurde I. Chx. -LÜZ. Avril I2SZ. 462 Geschichte der Kreuzzüge. Buch VIII. Kap.XIV. einigen Tagen verließ der Sultan mit seinen auserlesensten Scharen in der Nacht sein Lager am Berge Tabor, um die Christen aiizngreifen, welche auf einer Anhöhe bey Ptole- rq.Aprnma'6 3°) j„ einem verschanzten Lager standen. Der Sultan ordnete, sobald er dem christlichen Lager sich genähert hatte, seine Scharen zum Angriffe; die von den Christen besetzte Anhöhe wurde von den Saracenen, welche der Sultan durch seinen Zuspruch ermunterte und durch das Deyspiel seines eigenen Eifers und seiner Unerschrockenheit begeisterte, unter dem Schlachtrufe: Gott ist groß, erstiegen; die Fakirs und Mönche, welche das Heer des Sultans begleiteten, so wie die Sklaven eilten herbey, um die Gräben des christlichen Lagers auszufüllen; und die Kreuzfahrer wurden aus ihren Verschanznngen vertrieben und genöthigt, in die Stadt Pto- lemais sich zurückzuzichen. Hierauf wurden die Umgebungen dieser Stadt von den Scharen des Sultans schrecklich verwüstet, die Bäume abgehauen, und die Häuser verbrannt. iz.ApruAm folgenden Tage rückte Bibars mit seinem Heere bis an die Thore von Ptolemais, bemächtigte sich des Kirchhofs des heiligen Nikolaus und unternahm eine allgemeine Bestürmung der Stadt; ein Theil der Christen, welche ungeachtet ihrer geringen Zahl es wagten, außerhalb der Mauern den Feinden sich entgegen zu stellen, wurde in die Gräben gestürzt, andere wurden an den Thoren erschlagen^), und selbst der Statthalter Gottfried von Sergincs und viele andere tapfere Ritter und Serjanten empfingen in diesem Kampfe damals auch das Kloster von Bethle- III 1 M) durch die Saracenen zerstört. Zv) Hielt ol-toänl. Makriü bey Neinaud x. 489- Auch Bohaeddin erwäluit tvita Salrciiul x. löi) die, ses Hügels als ganz nahe den Zelten der Kreuzfahrer, welche im Jahrs iigi Ptolemais belagerten. ziZ Makrisi bey Neinaud a. a. O- Wgl. Lyislota Ilrdani IV. bey Nai> »alduS a> a. O. §. 8. 463 Feindseligkeiten in Syrien. schwere Wunden Auch der Thurm Dok, welcher außerhalb der Mauern von Ptolemais lag, wurde von den Sara- cenen untergraben und uiedcrgeworfen Alle diese Anstalten schiene» anzudeuten, daß der Sultan entschlossen wäre, Ptolemais zu erobern; gleichwohl hob Bibars plötzlich die Belagerung auf und setzte nur die Verwüstung des christlichen Landes fort, welche er bis nach Antiochien ausdehnte ^). Nach dem Berichte eines arabischen Schriftstellers wurde der Sultan Bibars zur Unternehmung der Belagerung von Ptolemais vornehmlich dadurch bewogen, daß die Genueser und Philipp von Montfort, Herr von Tyrus, versprochen hatten, ihn mit ihrer Seemacht zu unterstützen und die Stadt von der Seite des Meers zu belagern; als aber diese Zusage nicht erfüllt wurde, so soll er die Fortsetzung der Belagerung zu Lande für unnütz geachtet und die Wortbrüchigkeit des Philipp von Montfort durch die Verwüstung 82> Hxistola Hrdani IV. best Nai- naldug 0 . a. O. §. 8. Hugo Pla- gon, welcher die am Räude deg obigen Texleg bezelclmeteu genauern Zeitbestimmungen mitlheilt, p. 788 - Vgl. Hierin. San. x. 22l. Der Papst Urban glcbt ludest den Verlust der Christen im Kampfe gegen den SuUan nicht alg erheblich an: Lest, nr str- militibns, gilt mortem Irrisns 8Z6- orli srgiro orncrs vrvrircae InsiAurti Zo) Lpist. Ilrdaniiv. bcl> Nainal- dtlö a. a. O. §. 7. adulteste 1. V. x. 8- Makcist a. a. O. lieber den Thurm Dok, welcher wahrscheinlich in der Nähe von Necordana stand und zur Veriheidigung dieses Playes diente, s. Kap. ,2. Anm. Z8- S. 898. 3 g) Makrist bey Neinaud x. 489.490. 3 Z) Des Ebn Fermh bev Neinaud a. a. O. > Chr. 12Ü3. 464 Geschichte der Kreuzzüge, Buch VIII. Kap.XIV. ^E'des Gebietes von Tyrus gestraft haben. Bey der heftigen Erbitterung, mit welcher seit dem Jahre 1261 die Genueser und Vcnelianer sich bekämpften, ist es allerdings nicht unglaublich, daß die Genueser, nachdem sie von dem Verkehre mit Ptolcmais waren ausgeschlossen worden, den Sultan Vikars zur Belagerung dieser Stadt"), in welcher ihre Feinde das Uebergewicht erlangt hatten, anfreizten, wenn sie auch eben so wenig als der ihnen befreundete Philipp von Montfort") geneigt waren, durch einen thatigen Veysiand die Unternehmungen des Sultans gegen ihre christlichen Glaubensgenossen zu befördern. Die Verwüstung des christlichen Landes, welche Bibars, nachdem er die Belagerung von Ptolemais aufgehoben hatte, fortsetzte, gewahrte ihm um so weniger einen erheblichen Vor- lheil, als auch die Christen bald Gelegenheit fanden, in das Land des Sultans cinzubrecheu und Vergeltung zu üben. Diese unaufhörlichen gegenseitigen Plünderungen halten aber die Wirkung, daß nicht nur der Anbau des Landes unterlassen, und das christliche sowohl als das saraccnische Gebiet von Syrien von einer Hungersnoth bedroht wurde, sondern auch ungeachtet eines Gesetzes, welches der Snltan in seinem Lager am Berge Tabor zur Abstellung der Räubereyen, die damals in Syrien von Bauern und Hirten verübt wurden, erlassen hatte"), keine Karavane und keine Heerde, welche Zü) Die Erzählung von dem oben (S- 4 P! crwälnucn Bündnisse', welches die Genueser mit.Michael Palä- vloguüsschlesscn, beginnt der Schreiber Bartholomäus < animier 6cnn- cnscs aci a. I2ÜI in iVIuratori Lori- z-tores rer. Itai. 1'. VI. x. Z 2 Z) in folgender Weise: In ipso anno la- animnm inteinierunr ass eos ailli- gcncios inaäis Omnibus gnibus xos- senr. 37 ) Vgl. oben Kap. > 2 . S. Zy6. Uartbolomaei annaics 6cn. ass a. 12S4. x. SZ2. 38) Durch dieses Gesetz verordnte BibarS, dag das Blutgeld, welches von einem Mörder den Derwandlen 465 Feindseligkeiten in Syrien. durch ein Dorf zog, mehr sicher war gegen die Plünderun- ^-^r. gen der Bauern, und jede Anhöhe, jedes Thal und jeder durch Natur oder Kunst befestigte Ort zahlreichen Räuberbanden zum Aufenthalte dienten. Dieser Zustand der Dinge nvthigte den Sultan, den Waffenstillstand mit den Christen zu erneuern eines Ermordeten nach morgenländi- scher Sitte bezahlt werden muhte, in den Fällen, In welchen eine ganze Familie ermordet und mithin kein Erbe vorhanden war, an den Schatz des Sultans entrichtet werden sollte. Auch sollten dis Diebe gezwungen werden, dis gestohlenen Güter, deren Eigenthümer nicht ermittelt werden konnten, an den Schatz des Sultans abzugeben. Diese Verordnungen brachten nach Makrisi dem Schatze beträchtliche Summen ein. Diejenigen, welche solche Näubereyen vornehmlich in dem Gebiete von Neapo- lis und der Gegend von Joppe übten, waren nach demselben Schriftsteller Bauern und Hirten, welche der Sultan lieber auf diese milde Weise strafen als auSrotten wollte, weil eS übrigens nützliche Leute waren, welche ansehnliche Hecrden unterhielten: jedoch diente» sie auch den Franken als Ausspäher- Ueiimuck Lxtrails 1>. 488- 48Z. Zgs Iwinaust Lxkirite x. 4 §o. Dieses Waffenstillstandes, über welchen keine Nachricht bei) den abendländischen Schriftstellern sich findet, gedenkt Ebn Ferath ast a. 6Ü2 (vom 3. Nov. I2Ü3 bis zum 02. Okt, I3öq) bei) folgender Veranlassung, Oer Sultan erhielt nach der Erzählung dieses Schriftstellers (Handschr. der k. k. Hofbibliothck zu Wien lkom. VI. x. 21) die Nachricht, das die Franken aus VII. Band. dem Lande des ISlam einen Raub hinweggeführt batten, was ihn sehr verdross; er befahl also seinen Statthaltern in Syrien, diesen Raub zu- rückzufordcrn. Bald darauf erhielt er ein Schreiben des Emirs Nasered- din, welches meldete, daß die Franken den Raub, welcher aus vielen Einwohnern des Landes und Lastthieren bestand, zurückgegeben hätten. AlS nämlich dieser Emir von dem Hülss- gefchrey der Männer und Weiber und dem Weinen der Kinder eine solche Meldung erhielt, welche Steine hätte rühren mögen: so sandte er sofort einen Abgeordneten an die Franken und ließ ihnen sagen: „ wir haben euch aus eure Bitte einen Waffenstillstand auf so lange Zelt, als ihr wünschtet, gewährt, und dieser Raub ist von euch mitten im Waffenstillstands begangen worden." Hierauf sandten die Franken de» Destr von Cäsarea "w wegen dieses Vorfalls sich zu entschuldigen: Nasercddin nahm aber diesen Wesir fest und entließ ihn nicht eher, alS nachdem er den ganzen Raub herbeygs- schafft hatte. Die Dauer dieses Waffenstillstandes wird nirgends angegeben. Zu der Zeit, als dem Papste Urban Nachricht von den Feindseligkeiten des Sultanü Bibarü gegeben wurde, war der Waffenstillstand gewiß noch nicht geschloffen: deshalb Gg 466 Geschichte der Krcnzzüge. B n ch VIII. K a p. XIV. I. Cbr. i:üz. Nach den arabischen Nachrichten bewirkte dieser Einbruch des Sultans Bibars in das christliche Land von Syrien eine solche Furcht und Mnthlostgkeic der Christen, daß viele derselben damals ihren Glauben! verläugnetcn, und ganze Scharen von solchen Abtrünnigen in den Dienst des Sultans traten, welche von ihm mit Pferden nnd Waffen zur Bekämpfung ihrer ehemaligen Glaubensgenossen versehen wurden Als der Papst Urban die Kunde von dem Unglücke, welches wider seine Erwartung über das heilige Land gekommen war, vernahm, so wurde er um so mehr von großen Sorgen und Bekümmernissen überwältigt, als durch spatere Meldungen, welche ihm der Predigermonch Wilhelm von Tripolis") und der damalige päpstliche Legat in Syrien, der Bischof Thomas von Bethlehem"), uberbrachlen, die früheren Nachrichten von den Bedrängnissen und der gefährlichen Lage des heiligen Landes bestätigt wurden"). Urban sandte daher schleunigst, um den Christen des heiligen Landes seine Theilnahme zu beweisen und einigen Trost zu gewähren, der verwaisten Kirche von Jerusalem einen Patriarchen in der Person des eben so thätigen als frommen Bischofs Wilhelm von Agen "), welchen er zugleich zum apostolischen Legaten für die Kirchen von Syrien, Armenien, Cypern nnd den benachbarten Inseln ernannte"). konnte der Papst desselben in seinem an den König Ludwig von Frankreich gerichteten Briefe, welcher im September i:üz geschrieben wurde, nicht erwähnen. 40) Makrisi bey Neinaud a. a> O. gc) Der Verfasser des von Ouchesne (Lcripcorcs rer. irrsnaio. t'. V.) mikgetheilten und oftmals von uns angeführten r?rLgmciitum ex Uftio che Llccru Serraoeuoruirl 7>osr I-riäo- viar Ucgi« che Sxria rcchuriiu. qo) Der Reise des Bischofs von Bethlehem nach Nom im Jahre irüz erwähnt auch Hugo Plagon x. 753. rsöz. §. ir. 44) Der Patriarch Wilhelm kam am oz. September 12Ü3 zu Ptolemais an. Hugo Plagon a. a. O. 45) Uainsiäi annzles I. c. §. 14. 467 Bemühungen des P. Urban IV. Gleichzeitig erließ er an mehrere christliche Könige Briefe, ^>>r. in welchen er mit kräftiger Weredtsamkeit die Bedrängnisse und Gefahren des heiligen Landes schilderte und zu schleuniger Hülfe ermahnte; mit besonderm Vertrauen aber forderte er den König Ludwig von Frankreich auf, die Schmach zu rächen, welche der ruchlose Sultan dem Heilande und durch die Zerstörung der Kirche zu Nazareth auch der hei- - ligen Jungfrau zugefügt hätte. „Wenn du," schrieb er dem Könige Ludwig, „mit den übrigen katholischen Fürsten deine Schultern der Last entziehen und nicht vielmehr deine hülfreichen Hände darbicten würdest, so wäre kein Mittel vorhanden, die Unterdrückung des heiligen Landes abzuwen- den. Zwar ist der verruchte Sultan, der erbitterte Feind der Christen, durch den standhaften Widerstand der Gläubigen genöthigt worden, von Ptolemais abzulassen, und derselbe ist gegen die Burgen Krak und Montroyal, deren Fürsten er durch Verrath in seine Gewalt gebracht hat, gezogen; er har aber in verschiedenen Gegenden seine Scharen zurückgclassen, um die Gläubigen durch wiederholte Angriffe zu bedrängen und zu schwache», und hat gedroht, nach einiger Zeit mit einem noch zahlreicher» Heere zurückzukommen und den katholischen Glauben in jenem Lande bis auf die letzte Spur zu vertilgen Der fromme König Ludwig nahm auch diese Ermahnung des Papstes wohl zu Herzen und befahl, in einem Thcile seines Reichs fünf Jahre lang den hundertsten Theil aller Einkünfte als Steuer zur Unterstützung des heiligen Landes zu erheben^); und als Urban nach einiger Zeit vernahm, daß der Sultan Dtbars 4S) Schreiben des Papstes Nr- 47) RainalduS a. a. O. §. 12. »z. bau IV-, erlassen zu Orvieto am Dieser Hundertste wurde aber doch 20. Slug. (XIII. L- 1 . Sext.h bei) Nai- wohl nur von den Einkünften der nalduS a. a. O. §. g. kirchlichen Euter erhoben. Gg 2 468 Geschichte der Krenzzüge. Buch VIII. Kap. XIV. ^-üz.r' die Absicht geäußert hatte, im Frühlinge des folgenden Jahrs mit einer großen Macht den Krieg gegen die Ehristen fvrrzn- setzen, und daß auch die Mogolen das heilige Land mit einem Einbrüche bedrohten: so sandte er den Erzbischof Aegidius von Tyrus nach Frankreich und in die bischöflichen Sprengel von Metz, Tonl, Verdun, Lüttich und Cambray, um daselbst das Kreuz zu predigen"^, und beauftragte zugldtch- den Erzbischof, für eine Summe Geldes, welche zur Bestreitung der dringendsten Bedürfnisse des heiligen Landes erfordert würde, de» Ertrag des Hundertsten, welcher in Frankreich und einigen angrenzenden Ländern erhoben werden sollte, dem Könige von Frankreich zu verpfänden. Indem Urban diese letzte Angelegenheit dem Könige Ludwig in einem zweytcn Schreiben"') vortrug, bemerkte er, daß besonders die Burg von Joppe, welche den ersten Angriffen der Ungläubigen ausgesetzt wäre, einer schleunigen Wiederherstellung und der Verstärkung durch neue Werke bedürfte, daß es aber rathsam seyn würde, das Geld, welches zu diesem Zwecke verwandt werden sollte, nicht dem Grafen von Joppe anzuvertrauen, sondern die Verfügung darüber in die Hände einiger frommen Männer mit Zuziehung des Patriarchen von Jerusalem zu legen So wie in Frankreich, eben so ließ Urban auch in England, Schottland, Norwegen und andern Ländern durch beredte Prediger das Wort des Kreuzes verkündigen "). Auch ermahnte er den König von Navarra, die zugesiandcne Erhebung des Hundertsten für die 48) Nainaldus a. a. O. 4») Erlassen zu Orvleto am 7. Ja». 1264. Rainaldus a- a. O. §. ir. So) Diese Verfügung erklärt sich aus dem oben S.4Z7 erwähnten Verhältnisse, in welchem damals der Graf von Joppe zu dem Sultan Bibars stand. Z>) In England durch den Bischof von Worcester, in Schottland durch den Bischof von S. Andreas, und in Norwegen durch den Erzbischof von Dronthcim. NainalduS a, a. O. §. 14 Bemühungen des P. UrbanIV. 469 Errettung des heiligen Landes in seinem Königreiche zu be-^A/' schleunigen " ). Da aber der Papst die Ermahnungen zur Bewaffnung für die Wiederherstellung des lateinischen Kaiserthnms von Constantinopel ebenfalls mit großem Eifer fortsetzte, so hatten seine Aufforderungen zur Errettung des heiligen Landes nur geringen Erfolg; und selbst in Frankreich erweckte die Erhebung des Hundertsten große Unzufriedenheit. Die Geistlichkeiten der erzbischöflichen Sprengel von RheimS, SenS . und Bourges reichten sogar bcy dem päpstlichen Stuhle eine nachdrückliche Beschwerde über diese willkührliche Besteuerung ei», welche Urban mit heftigem Verdruffe zurückwies. „Ihr würdet," schrieb er jenen Geistlichen, „eure Beschwerde wegen der Hülfe, welche dem heiligen Lande geleistet werden soll, zurückgehalten haben, wenn ihr bedacht hättet, wie die weltlichen Fürsten und andere Laien oftmals, um jenes Land zu retten und die Schmach unsers Erlösers zu rächen, freywillig und mit großen Kosten sich bewaffnet und den Gefahren preisgegeben haben. Am wenigsten solltet ihr in der gegenwärtigen Zeit, da auch die Tataren ' mit schrecklicher Unterdrückung drohen, dem heiligen Lande eure Hülfe versagen. Es käme fürwahr eine große Schmach über die Geistlichen und Prälaten, wenn sie nicht einmal leichte Lasten für den Herrn übernehmen wollten, während- die Laien mit freudigem Muthe fast unerträglichen Beschwerde» sich unterziehen, und wenn die Geistlichen von dem ihrer Verwaltung anvcrtrautcn Erbtheile Christi die Beystener versagen wollten, da die Laien mit Aufopferung ihrer eigenen Güter persönliche Gefahren nicht scheuen. Wie sehr müßtet ihr euch schämen, wenn ihr im Eifer für das Him- N) RainalduS a. a- O. §. -2. I. Slir, i2üz- 470 Gcsch. d. Kreuzz. B.VIII. K. XIV. Bemüh, d. P. UrbanIV. melreich den Laien nachstehen solltet! Deshalb bitten wir euch, bringt nicht über uns den Kummer, daß dem heiligen Lande gerade unter unsrer Regierung ein wirksamer Bey- stand versagt werde, da wir um so mehr zur eifrigen Tha- tigkeit für jenes Land uns aufgcfordert fühlen, je engere Bande der Liebe uns an dasselbe knüpfen, nachdem wir das Patriarchat der Kirche von Jerusalem verwaltet und die bedrängte Lage jener Kirche durch eigene Anschauung kennen gelernt habenUrban ließ zwar durch solche Schwierigkeiten, welche sich ihm entgegensiellten, in seinen Bemühungen für die Sache des heiligen Landes nicht sich stören; er brachte es dahin: daß auf einer französischen Reichsver- jammlnng zu Paris Berathnngen über eine neue Kreuzfahrt gehalten wurden, er bewog die Grafen von Vendome und Blois zur Annahme des Kreuzes, er schrieb hierauf an die syrischen Christen einen Trostbrief, in welchem er ihnen diese erfreulichen Nachrichten mitthcilte und sie zur Eintracht ermahnte; er sah aber nicht die Erfüllung seiner Hoffnungen, und seiner angestrengten Thätigkeit für die Errettung des heiligen Landes sowohl, als der Wiederherstellung des lateinischen Kaiserthums von Constantinopel machte sein Tod zu Perugia am 2. Oktober des Jahrs 1264 ein Ende 83 ) NalnalduS a. a. O. §. ,3. 84 ) Rainalüi -lim. aci s. 1264. §. 68. 6g- Die damaligen Bemühungen des Papstes Urban IV. für das heilige Land halten jedoch die Wirkung, dag, wie Edn F-ralh ( Handschr. der k- k. Hosbibliothek zu Wien 1°. v. x. 431) berichtet, im Jahre d. H. üüi (vom 14. Nov. 1262 bis zum 2. Nov. 1263) nach Aegypten die Nachricht gelangte, derFransiü (d. i- der König von Frankreich) sammle ein Heer von Franken, in der Absicht, Aegypten anzugreifen.