Kreuzpredigten des ungarischen Meisters. 293
Paris, um an die Küste des Meers sich zu begeben, und^zu*'kam, wahrend ein Theil seiner Scharen auf anderen Wegenzog, nach Orleans'), wo er zwar bey den Bürgern günstigeAufnahme fand, von der Geistlichkeit aber mit Verachtungbehandelt wurde; und der Bischof verbot es sogar seinerGeistlichkeit bey Strafe des Bannes, die Predigten desungarischen Meisters anzuhören. Einige Lehrlinge der hohenSchule zu Orleans kehrten sich jedoch nicht an dieses Ver-bot, begaben sich aus Neugier zu den Versammlungen diesesKreuzpredigers, welche von zahllosem Volke besncht wurden,und büßten nicht nur selbst für diese Neugier auf schreck-liche Weise, sondern brachten auch über die ganze Geistlich-keit von Orleans ein furchtbares Unheil. Einer jener Schü-ler wagte es, dem Kreuzprediger, welcher in ungeordnetemund verwirrtem Vortrage mancherlei) abenteuerliche Dingeverbrachte, zu widersprechen und ihn einen verruchten Ketzerund Verführer des Volks zu schelten; worauf einer der An-hänger des Meisters Jakob seine Art erhob und dem jungenGeistlichen, welcher es gewagt hatte, einen solchen keckenund heftigen Widerspruch zu erheben, den Kopf spaltete.
Damit war das Zeichen zu einer allgemeinen Verfolgungder Geistlichkeit von Orleans gegeben; die Thüren und Fen,ster der Wohnungen, in welchen die Geistlichen, gehorsamdem Gebote ihres Bischofs, sich verborgen hielten, wurdenerbrochen, die Bücher, welche daselbst gefunden wurden, ver-brannt, mehrere Geistliche grausam mißhandelt, andere er,schlagen oder in der Loire ersauft; die übrigen, welchen esgelang, den Mißhandlungen und dem Tode sich zu entziehen,retteten sich, nachdem fünf und zwanzig aus ihrer Mittevon den wüthenden Kreuzfahrer» waren ermordet worden.
i) Die s. LLiNiwLC t II. 2un.). lUattll, x, 8LZ.