514 Die ppreiiäische Halbinsel, Skandinavien nnd Rußland
den Beinamen Atterdag führt. Er gewann schrittweise dem Königthumden verlorenen Boden wieder, indem er den Adel bändigte, verpfändeteStädte für die Krone einlöste, die Ordnnng handhabte, und getrennteBestandtheile mit dem Reiche wieder vereinigte. Die während der Ver-wirrung an Schweden übergegangencn Landschaften Schonen, Hallandund Blckingcn kamen durch ihn wieder an Dänemark. Die schwedischenInseln Oeland nnd Gothland wurden erobert, und ein Krieg mit derHansa, den die Wegnahme von Gothland veranlaßte, durch Einräumungvon Handelsvorrechten beendigt. Dagegen blieb Rügen, das zur Zeitdes deutschen Königs Ludwig aus der dänischen Hoheit in pommerscheübergegangen war, verloren, und der Verkauf des nicht zu behaupten-den Esthland lieferte Mittel zur Verfolgung anderer Zwecke. Da erkeine Söhne hinterließ, schlug er den Ständen des Reiches den Gemahlseiner älteren Tochter, den Herzog Albrecht HI. von Mecklenburg, zuseinem Nachfolger vor. Sie aber zogen Olav, den Sohn seiner jüngerenTochter Margaretha vor, die mit Hako VIII., dem letzten Könige Nor-wegens aus der Nachkommenschaft Harald Haarfagrs, vermählt war.Olav kam vor den Zähren der Mündigkeit durch den Tod seines mütter-lichen Großvaters im Zahre 1375 in Besitz des dänischen, und durchden Tod seines Vaters im Jahre 1380 in Besitz des norwegischenThrones. Nach seinem Tode, der schon im Jahre 1387 erfolgte, er-griff seine kluge und thatkräftige Mutter in beiden Reichen die Zügelder Herrschaft. Ihr Werk ist es, daß Schweden als drittes Glied indie Vereinigung trat, welche die drei stammverwandten Völker für immerzu einem Ganzen zu verbinden bestimmt war.
6. In Schweden hatte unter den Nachkommen Stenkils das Hei-denthum bei beiden Stämmen der Bevölkerung, dem südlichen der Gothenund dem nördlichen der Schweden, noch hartnäckige Anhänger. Mehrals die andern nordischen Reiche vereinzelt, gab es dem Heidenthumelängeren Schutz. An den Gegensatz des Christenthums und des Heiden-thums schlossen sich die entgegengesetzten Bestrebungen um die Herr-schaft. Das Heidenthum begünstigte den Zustand der Dinge, in welchemeinzelne Häuptlinge die alte Unabhängigkeit gegen die Könige als Ver-treter einer zu begründenden Einheit behaupteten. Daher stützte sichjeder gegen die königliche Macht gerichtete Versuch auf die Anhängerdes Heidenthums, während die Könige nur im Anschluß an das Chri-stenthum, das eine neue und bessere Ordnung förderte, ihren Vortheilfinden konnten. Als mit dem Aussterben von Stenkils Geschlecht imJahre 1130 eine Partei, die ihm lange Widerstand geleistet, zur Herr-schaft kam, wandte sich der Führer derselben, Swerker, nachdem er dieHerrschaft erhalten, gemäß der in jenem Gegensätze ruhenden gebie-terischen Gewalt, von dem Heidenthume, an dem sein Haus, obgleich