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Das Karolingische Reich.
des Valero Tode seinem Bruder Karl das ganze Reich überließ. InKarl fährt die dem Geschlechte eigne Kraft, die sich schon bei Pipin ge-steigert zeigt, sich zu steigern fort. Wie Pipin zu der Thatkraft seinesVaters einen die vorliegenden Aufgaben erkennenden Blick hinzufügt,so steht Karl wieder eine Stufe höher durch die schöpferische Kraft, wo-mit er sich neue Aufgaben stellt und die Macht dazu benutzt, die Ver-hältnisse so zu bilden, daß den Gedanken, welche ihn leiten, eine Fort-wirkung für die Folge gesichert wird. Hierin zeigt sich das, was manauf dem Gebiete staatlicher Thätigkeit Größe nennt. Große Männerdieser Art stehen abschließend am Ende von Reihen von Begebenheitenund eröffnen neue Reihen, indem sie aus dem, was gewesen ist, die Er-gebnisse ziehen, und durch die Art, wie sie handeln, eine neue Entwick-lung, zu welcher ein von ihnen erkanntes Bedürfnis hinzudrängen scheint,einleiten und beschleunigen.
VI
Das Karolingische Reich.
1. Die Gefahr, die dem Frankenreiche aus den auch unter ArnulfsGeschlecht fortgesetzten Theilungen erwuchs, wurde bald nach PipinsTode beseitigt, wie sie zu Anfang seiner Negierung für die Dauer der-selben verschwunden war. Der Unterschied, der hinsichtlich der Kraftzwischen den Brüdern Karl und Karlmann bestand, mochte dem letztereneinen Anhang unter denjenigen gewinnen, die dem schwächeren Herrschergeneigter waren. Ein Mißverhältnis zwischen den Brüdern zeigte sich,als im Jahre 769 gegen die Aquitanier gekämpft werden sollte, anderen Spitze der aus der Verborgenheit eines Klosters zurückgekehrteHunold den Regierungswechsel zu Herstellung seines Herzogthums zubenutzen suchte. Während Karlmann sich der Theilnahme an demKampfe entzog, besiegte Karl den Gegner, bewog den Herzog Lupusvon Vasconien zu dessen Auslieferung und ließ, während Lupus seinHerzogthum behielt, Aquitanien ohne Herzog. Nach dem Feldzuge be-wirkte die Mutter Bertrada eine Versöhnung der beiden Könige.Ebenso suchte sie ein Bündniß derselben mit dem Longobardenkönige zubewirken, indem sie dieselben zur Vermählung mit dessen beiden TöchternDesiderata und Gerberga bewog. Doch diese Doppelheirath befördertegerade eine Verwicklung mit dem Nachbarreiche, die bei dem Verhält-nisse des Papstes zu beiden Reichen eine unvermeidliche war. Deside-rata wurde von Karl, der um ihretwillen eine frühere Gemahlin ver-stoßen hatte, ebenfalls verstoßen und an ihre Stelle trat die alemannische