Das oströmische Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 271
wurden. Wie in den Ländern, in welchen sich um diese Zeit dasChristenthum erst begründete, wirkten sie auch hier, wo eS nach langerBeeinträchtigung wieder zur Herrschaft gelangte, zur Regelung der Zu-stände mit und sicherten die Anknüpfung der Länder an den päpstlichenStuhl. Seit das Papstthum um die Mitte des elften Jahrhundertsdurch Befreiung aus den unwürdigen Bauden, mit welchen es gefesseltgewesen, auch in die Ferne den Blick richten und seine große, alle Völkerbetreffende Sendung wieder erfüllen konnte, gab es der Thätigkeit derchristlichen Eroberer die dem Wohl der Völker entsprechende Richtung,indem es durch Erinnerung und Aufforderung an das große Ziel mahnteund bei den Einrichtungen, die zu Erreichung des Zieles führen sollten,sein Ansehen geltend machte. So wurde die kirchliche Aufsicht über diewachsenden christlichen Reiche begründet. Schon Alexander II. ließ inSpanien gegen Simonie und Ketzerei wirken, und der aragonische KönigSancho verkündigte Strafen für die Verbrechen, welche gegen die Kirchegerichtet waren. Dagegen gestattete ihm der Papst, die noch keinenbestimmten Kirchen zugewiesenen Einkünfte vormals arabischer Orte zumKampfe gegen die Ungläubigen zu verwenden. Mühe kostete es, Eigen-thümlichkeiten, die sich in die Haltung des Gottesdienstes eingcschlichenhatten und von deren Fortdauer eine Schwächung der kirchlichen Einheitzu besorgen war, die sogenannte mozarabische Liturgie, abzuftellen. Hierzeigte sich die Neigung, kirchliche Abweichungen, als ob sie mit dernationalen Selbstständigkeit und Ehre zusammenhingen, eifersüchtig fest-zuhalten, als eine Gefahr für das Bewußtsein einer von nationalenEigenthümlichkeiten unabhängigen Uebcreinstimmung und Zusammenge-hörigkeit. Die Anhänger der mozarabischen Liturgie suchten sogar dieGottesurtheile, die mit dem Zweikampfe den Streit entgegengesetzterMeinungen und Wünsche entscheiden sollten, zur Lösung der Frage zubenutzen. Erst Gregor VII. setzte die Beseitigung der abweichendenLiturgie durch. Unter ihm verpflichtete sich auch König Sancho vonAragonien zur Zahlung eines jährlichen Zinses, der nicht ein Zeichenvon Abhängigkeit des Reiches, sondern von der dem Papste als demRegenten der Kirche gebührenden Ehrerbietung und dem der Kirchegebührenden Gehorsam war.
XI
Das oströmische Reich bis zum Ende des elften Jahr-hunderts.
1. Das oströmische Reich lebt zwischen dem christlichen Abendlande,Wo sich unaufhörlich Neues bildet und dein Kalifate, das in Trümmer