402 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
gemachte für immer verlor. Während es dort, im Reiche Jerusalem,das man im ersten Anlaufe gewonnen, zu keiner Ausgleichung für dieGegensätze kam, richtete man sich hier, wo man schrittweise eine alteHeimath wieder gewann, allmälig zu festem Bleiben und geordnetemLeben ein, und der Glaubensmuth, der Jahrhunderte lang das Feuer desKampfes geschürt, verblieb nach dem Kampfe den Enkeln der Helden alsdie köstlichste Perle in dem von den Vätern errungenen Schatze.
Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhun-derten nach dem Ende der Kreuzzüge. .
1. Im Umfange des römischen Reiches vor Allen kommt seit dem !
Untergange der Hohenstaufen die Rückkehr von weit aussehenden Ent- ,
würfen zu einer oft kleinlichen Berechnung nahe liegender Zwecke undemsigem Haschen nach Besitz und Macht zur Geltung. Das Kaiserthum !
selbst verliert seinen idealen Charakter und entsagt einem Theile seiner !
bisherigen Aufgabe, um seinen Trägern zu einer festgegründeten Stel- i
lung, die ihren Nachkommen das Kaiserthum entbehrlich machen soll, zuverhelfen. Gab sonst ausgcbreiteter Länderbesitz Hoffnung auf die deutscheKönigskrone, so mußte diese jetzt ein Mittel zur Erwerbung von Län-derbesitz sein. Die Fürsten wählten Könige von untergeordneter Macht,um in der gewonnenen Landeshoheit nicht beeinträchtigt zu werden, undsahen oft vermöge eines stillschweigenden wechselseitigen Abfindens zu,wie die Gewählten bei abnehmender Königsmacht den Kreis für Aus-übung einer vom Königthume unabhängigen Macht erweiterten. DasKönigthum war noch bedeutend genug, um der auf seine Kosten ausge-bildeten Fürftengewalt durch Bestätigung des Geschehenen den Stempelder Nechtmäßigkeit aufzudrücken. Das Kaiserthum, auf das die deutsche ,Königskrone Anwartschaft gewährt, verliert nun ebenfalls an Bedeutung, ^
da sich das Gebiet, in welchem es über Deutschland hinaus wirken !,könnte, immer mehr vermindert. Zwar folgt Frankreich, dessen König-thum das Kaiscrthum zu überflügeln begonnen, nicht inehr lange unge-stört seiner Bahn, aber in den außerhalb Deutschlands liegenden Reichs- !gebieten weicht das Schwanken der Verhältnisse einer auf Kosten deskaiserlichen Ansehens festgestellten Ordnung. Nur in einzelnen Fällen !versucht das Kaiserthum, sein früheres Ansehen herzustellen und erinnertsich seines ehemaligen Berufes. Das Papstthum selbst, dem durch dieFührung der kirchlichen Negierung ein über Einzelbestrebungcn und Ein-zelvortheilen erhabener Standpunkt hätte gesichert sein sollen, verlor die