Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
534
Einzelbild herunterladen
 

ZZ4 Die pyrenäischc Halbinsel, Skandinavien und Rußland

gleichsam neu geschaffene Königthum aber konnte unter den Händenseines Inhabers größere Stärke der Bevölkerung gegenüber, als esbisher gehabt, erhalten, da die Reihen deö Adels gelichtet waren, dieWirksamkeit des Parlaments der Druck der Gewalt außer Uebung ge-bracht hatte und die ersehnte Ruhe sich am ehesten von einem selbst-ständig waltenden Könige erwarten ließ.

Die pyrenäische Halbinsel, Skandinavien und Nußland inden beiden nächsten Jahrhunderten nach dem Ende der

Kreuzzüge.

1. Während seitwärts von den Ländern, die der Zug der eigent-lichen Weltbegebenheitcn berührt und darum mit einander in Verbindungbringt, Frankreich und England zwar nicht als eine abgesonderte, aberdoch in Bezug auf einen großen Theil ihrer Geschicke selbstständigeGruppe liegen, befinden sich rings um Europa herum an seinen äußerstenEnden noch drei Länder, deren Völker sich erst zum Heranstreten ausihrer Vereinzelung vorbereiten. In allen ist es Vereinigung getrennterGlieder, die eine höhere Bedeutung verleiht und der Entwicklung derzu einer Betheiligung an den Weltverhältnissen nöthigen Kräfte dient.Die romanischen Völker der pyrenäischen Halbinsel hatten zur Zeit, da dieKreuzzüge aufhörten, im Wesentlichen den Kampf mit dem Islam be-endigt, und seitdem beschäftigte sie neben ihren besonderen Angelegenheitennur eine Nachlese auf dem Felde, ans welchem sie im Namen der Christen-heit und unter dem Zeichen des Kreuzes gestritten. Navarra war indie Angelegenheiten Frankreichs, Aragonien in die Angelegenheiten Ita-liens verflochten. Castilien setzte den Kampf mit den Mauren fort undknüpfte sich mit Aragonien zu einem Reiche zusammen, dem auch dasmaurische Gebiet auf der Halbinsel einverleibt wurde. Portugal ver-größerte sich, da es die Südküfte erreicht hatte, durch Besitzungen inAfrika und fand, indem es sich hier weitere Quellen des Reichthumsoffnen wollte, den Spuren der alten Karthager folgend, neue Seewege.Die germanische Bevölkerung Skandinaviens war ungeachtet der nahenVerwandtschaft, die zwischen Dänen, Norwegern und Schweden besteht,doch scharf getrennt durch Eifersucht der Stämme gegen einander. Seitsie alle drei in den Kreis der Christenheit eingetreten, waren Norwegenund Schweden nur mit sich beschäftigt gewesen, und Dänemark alleinhatte in der Berührung mit Deutschland fortwährenden Anlaß gehabt,durch Ausgleichung mit fremdem Wesen seine Bildung zu steigern, die