England und der Norden dis zuin Ende des elften Jahrhunderts. 241
IX
England und der Norden bis zum Ende des elften
Jahrhunderts.
1. Das Volk der Angelsachsen war auf der entlegenen brittischenInsel in die Begebenheiten, durch welche sich ans dem europäischen Fest-lande seit Untergang des römischen Reiches neue Verhältnisse gestaltethatten, nicht verwickelt worden. Getheilt, wie es die germanischenStämme sämmtlich in der Hcimath gewesen, blieb es auch lange Zeitnoch in den neuen Wohnplätzen. Der Gang der Eroberung hatte jedocheinzelne größere Massen vereinigt und ungeachtet der großen Zahl vonGefolgschaften, welche anderthalb hundert Jahre lang nach der Inselgewandert, war die Zahl der von einander unabhängigen Herrschaftendoch auf acht oder sieben beschränkt. In dieser Zahl erhielten sie sichaber bis über die Zeit Karls des Großen hinaus. Die gänzliche Tren-nung der Ausgewanderten von ihren zurückgebliebenen Landsleuten ließnicht so, wie es bei den Franken geschehen war, durch beständiges An-schließen von Nachrückendcn an einen hervorragenden Führer einenTheil des Volkes zu einigender Obergewalt gelangen, und die von denVorgefundenen Einrichtungen ausgehende Rückwirkung, welche bei denFranken auf eine zur Einigung führende Steigerung königlicher GewaltEinfluß geübt hatte, mußte hier fehlen, weil die der römischen ProvinzBritannien ungehörigen Einrichtungen dem Drange der Eroberung nichtwiderstanden hatten. An der südlichen Küste des Landes lagen vonOsten nach Westen die Königreiche Kent, Süsser oder Südsachsen undMesser oder Westsachsen. An der Ostküste stieß nördlich an Kent, durchdie Themse oder Tamisia davon getrennt, Esser oder Ostsachsen, und jenseitsdes Flusses Stour begann Ostangeln, das bis zur Mündung des FlussesOuse reichte. Die Küste zwischen den Mündungen von Ouse und Humbergehörte zu dem Königreiche Mercia, das die größte Ausdehnung hatteund das Innere des Landes zwischen Messer, Süsser, Esser, Ostangeln undder im äußersten Westen den Britten verbliebenen Landschaft Cambriaoder Wales umfaßte. Nördlich von Mercia, die Westküste der Inselnur mit seinem südlichsten Theile erreichend, lag Northuinbrien, das ander> Ostküste durch den Fluß Tweed vom Gebiete der Pikten geschiedenwurde, während westlich davon die Landschaft Cumberland noch im Be-sitze der brittischen Bevölkerung war. Dieses nördlichste Reich warzuweilen in ein südliches und ein nördliches, Deira und Berenicia, ge-theilt. Eine gewisse Einheit zwischen den Neichen war durch die Fort-dauer des Kampfes gegen die Britten gegeben, die außer Cumberland
Kiesel, Weltgeschichte- II. lg