in den beiden nächsten Jahrhunderten nach dem Ende der Kreuzzügc. 539
bei vielen Gelegenheiten Besitz und Rechte eingezogen und die bisherigenInhaber durch Verleihung von Ehren entschädigt wurden. Bald mußtedie königliche Gewalt den Rückhalt für alle gegen die Wittkühr desAdels gerichteten Bestrebungen bilden. Eine von den städtischen Be-völkerungen Castiliens zum Schutze des Friedens errichtete heilige Bru-derschaft oder Hermandad begab sich unter königlichen Schutz. Ebensotrat die Krone in ein näheres Verhältniß zu den im Lande bestehendenRitterorden, indem Ferdinand nach und nach die Leitung ihrer Ange-legenheiten in seine Hände brachte und das Großmeisterthum derselbenauf sich übertrug. Dadurch wurde eine ziemlich lose im Staate da-stehende Gewalt eine Verstärkung des königlichen Ansehens, indem theilsderen Thätigkcit in eine dem Vortheil der Negierung entsprechendeBahn gelenkt wurde, theils eine Gelegenheit sich ergab, durch Verfügungüber Ordensgüter und Verleihung von Ordensämtern Glieder des Adelsenge an die Krone zu knüpfen. Ein ganz besonders wirksames Werk-zeug für die Zwecke des Königthums wurde aber eine staatliche Ein-richtung, welche kirchliche Formen und kirchliches Ansehn borgte, um beivölliger Abhängigkeit von der königlichen Gewalt jeder andern Gewaltgegenüber völlig unabhängig zu sein. Diese Einrichtung ist die Inqui-sition, welche von der alten zur Entdeckung und Unterdrückung häre-tischer Bestrebungen bestimmten kirchlichen Inquisition durchaus verschie-den ist und sich gerade auf Kosten der kirchlichen Gewalt ausgebildethat. Die Veranlassung zu der im Jahre 1478 für Castilien erfolgtenEinrichtung derselben gaben Klagen nicht allein über die große Gefahr,womit die in Spanien seit ältester Zeit überaus zahlreichen Juden durchSchlauheit und Betriebsamkeit den Wohlstand des Volkes bedrohten,sondern über die noch viel größere Gefahr, welche Juden nach einerbloß scheinbaren Bekehrung durch Eingreifen in alle Verhältnisse, durchEinschleichung in weltliche und geistliche Aemter dem Character und demGlauben des Volkes brachten. Aehnliches, wie bei den Juden, ergabsich bei den Mauren, besonders nach einem Kriege, durch welchen diebeiden Könige dem Reiche Granada ein Ende machten. Hatte den heim-lichen Juden und Mauren, den Marana's und Morisco's gegenüberdiese Inquisition eine ähnliche Aufgabe, wie sie die alte kirchliche In-quisition in Bezug auf Häretiker gehabt, so unterschied sie sich von ihrals eine von dem Staate geleitete Einrichtung. Bald aber wurde sievermöge der Wachsamkeit, welche sie ausübte, zu einer Macht, gegenwelche die Mitglieder des Adels, sofern sie deren Aufmerksamkeit aufsich zogen, nicht geschützt waren. Indem sie unvermerkt den Kreis ihrerGerichtsbarkeit erweiterte und auch über die zur Hemmung ihrer Tä-tigkeit gemachten Versuche erkannte, erschien sie dem Volke als dieMacht, an welcher sich die Macht des Adels brach, und erhielt daher