nach dem Ende der Krcnzzügc.
527
Tochter des Herzogs Ludwig von Savoyen, des Nachfolgers Ama-deus' VHI., vermählte, wurde er von dem Vater im Jahre 1456 be-kriegt und mußte sich zu dem Herzoge von Burgund flüchten, unter dessenSchutze er seitdem meist zu Gemappe bei Brüssel lebte. Während inBurgund das anderwärts im Erlöschen begriffene Ritterthum den größtenGlanz entfaltete, konnte sich die bloß auf das Zweckmäßige gerichteteSinnesart des Gastes nur befestigen, mittelst deren sich das unter seinemVater durch die Ereignisse eingeleitete Verhältniß der königlichen Machtplanmäßig ausbildete. Sah er an dem Hofe seines Beschützers, dergrößtentheils in Arras war, verschwenderische Pracht, so lernte er destomehr das Geld als Mittel zur Erreichung von Herrscherzwecken schätzen;sah er den Nittersinn in weitaussehenden Entwürfen schwelgen, so richteteer desto mehr sein Augenmerk ans den nächst liegenden Vortheil. ImGegensätze zu einem Hofe, wo Rittersitte in prunkendem Leben und inBeobachtung ausgehöhlter Formen des Umgangs geübt wurde, bildetesich in Ludwig ein König aus, der, einfach und geräuschlos lebend, seineUeberlegungen in tiefes Geheimuiß hüllte und mit einer auf durch-greifendes Mißtrauen und rücksichtslose Selbstsucht gebauten Staats-kunst, wie sie sich am vollständigsten bei den italienischen Tyrannen ent-wickelt hatte, unbelauscht den Vortheil erspähte, um ihn im rechtenAugenblicke, gleichviel mit welchen Mitteln, zu erhaschen. Trieb ihn soder Anblick des burgundischen Lebens immer mehr in die entgegenge-setzte Richtung, so folgte er in anderer Hinsicht einem traurigen Vor-bilde, das er in der Nähe hatte. Der Herzog lebte in beständigemZwist mit seinem Sohne Karl und dies Beispiel wirkte so wenig ab-schreckend auf Ludwig, daß er seinen Vater aus dem Leben scheiden ließ,ohne einen Versuch der Versöhnung gemacht zu haben.
16. Ludwigs XI. Negierung (1461—1485) begann mit Absetzungder Räche seines Vaters. Er hegte gegen sie den Verdacht, daß sieihm entgegengewirkt hätten, und wollte Diener, die, von ihm aus derTiefe emporgehoben, ihm Alles verdankten und in seiner Hand gefügigeWerkzeuge wären. Da er den Plan hatte, das begonnene Sinken desAdels zu beschleunigen, mußte seine Thätigkeit zunächst gegen die Her-zoge von Burgund und Bretagne gerichtet sein, an denen die alte Ord-nung der Dinge ihre Stütze hatte. Als er die Städte an der Sommegegen den Willen Karls, der dadurch mit seinem Vater noch mehr ver-feindet wurde, dem Vertrage von Arras gemäß wieder an sich gebracht,forderte er den Herzog Franz II. von Bretagne auf, seiner selbststän-digen Stellung zu entsagen. Eine Folge hiervon war eine Verbindungdesselben mit einer Anzahl von Großen des Reiches, der auch desKönigs Bruder, der Herzog von Berry, und Karl von Burgund, damalsGraf von Charolais genannt, beitraten. Ludwig suchte sich auf die