526 Frankreich und England in den beiden nächsten Jahrhunderten
Ein Versuch zur Wiedereroberung von Gupenne, der zu spät gemachtwurde, endete nach glücklichen Anfängen im Jahre 1452 mit der Schlachtbei Chatillon, wo Graf Talbot von Shrewsburp von Graf Dunvisgeschlagen wurde und das Leben ließ.
15. Die beiden Staaten schienen ihre Zustände vertauscht zu haben.England war schwach durch innere Uneinigkeit, und während seiner Zer-rüttung hob sich Frankreich mächtig empor. Die neue Erhebung Frank-reichs war von Erscheinungen begleitet, welche einen völligen Sieg desKönigthums über das Lehenswesen verkündeten und selbst die Städtean Beschränkung des Königthums verhinderten. Die Noth während desKrieges und nach demselben bewirkte, daß man dem Könige die Wahlvon Maßregeln zur Gewinnung und Sicherung des Friedens gerne über-ließ. Eine allgemeine Ermattung ließ keine Eifersucht in Behauptung vonRechten aufkommen. Der König behielt die durch den Krieg zur Ge-wohnheit gewordene bewaffnete Haltung auch im Frieden. Aus denzuchtlosen Söldnerschaare», die nach dem Kriege eine neue Landplagebildeten, wurde Mannschaft für beständiges Verbleiben im Dienste aus-gelesen, und nach besonderen Anordnungen hatten die Städte hierzu eineVerstärkung zu liefern. So wurde der Adel, auf dem einst die Wehr-haftigkeit des Landes beruht hatte, immer entbehrlicher und entwöhntesich seines bisherigen Lebens, wie auch schon die neue Kriegsweise seineBedeutung für den Krieg geschmälert hatte. Die Besoldung der stehen-den Kriegsmacht erforderte eine regelmäßige Steuer, und diese überhobden König der Nothwendigkeit, die Stände Behufs der Bewilligung vonGeldmitteln einzuberufen. So bereitete sich allmälig auf dem Wegeder Gewöhnung eine unbeschränkte königliche Macht vor. Daß dasLehenswesen dabei nur wenig in den Weg trat, rührte von der Zer-splitterung der meisten Lehen und von der Verbindung sehr vieler mitdem Besitze der Krone her. Die einzige Kraft einer Gegenwirkunggegen die verstärkte Macht der Krone lag in den Verwandten desKönigs. Diese Kraft aber in Thätigkeit zu setzen, waren die an denGrenzen des Reiches übriggebliebenen großen Vasallen, der König vonNavarra und die Herzoge von Burgund und Bretagne genöthigt, weilihnen nur Schranken, die das königliche Walten in der Nähe fand, dieFortdauer ihrer freien, fast unabhängigen Stellung verbürgten. Sotrat der Dauphin Ludwig in ein feindseliges Verhältniß zu seinemVater. Schon im Jahre 1440 wurde von Angehörigen des königlichenHauses ein Plan, ihn an die Stelle des Königs zu setzen, entworfenund von ihm selbst angenommen. Ein späterer, von ihm selbst aus-gehender Plan, der gleich jenen früheren vereitelt wurde, veranlaßteihn, sich in die Dauphine zu begeben und hier eine selbstständige Stellungeinzunehmen. Da er aber ohne des Vaters Erlaubniß sich mit der