Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
521
Einzelbild herunterladen
 

nach dem Ende dcr Krcuzzügc. 52t

den Gang der Feindseligkeiten nur für den Augenblick, und bald unter-handelten dem Vergleiche entgegen beide Parteien mit Heinrich V. Diesertrat aber mit der Forderung hervor, alle Thcile von Frankreich zu er-halten, die der Friede von Bretignp seinem Vorgänger gegeben. ImSchrecken bot der Hof dem Herzog von Burgund von Neuem die Hand,und dieser beschwor von Neuem den Vergleich von Arras. So kämpften,als im Jahre 1415 Heinrich auf französischem Boden erschien, wenigstenskeine Franzosen mit Engländern gegen Franzosen. Heinrichs Landungerfolgte bei Harfleur, und während er diese Stadt belagerte, erlitt seinHeer durch Krankheit großen Verlust. Das französische Heer, bei welchemder Vorsicht wegen die Herzoge von Orleans und Burgund nicht er-scheinen sollten, bei welchem der erstere aber doch erschien, sammelte sich beiNonen, und da der König von England sich ihm nicht gewachsen glaubte,wollte er sich nach der Eroberung von Harfleur auf Calais zurückziehen.Ehe er cs erreichte, hatte ihn das französische Heer, von dem Connetabled'Albret angeführt, von dem Könige und dem Dauphin begleitet, jenseitsErecp zum Stehen gebracht, und bei Azincourt erfocht Heinrich einenSieg gleich denen von Creep und Maupertuis, während auf französischerSeite dcr Connetable sowie Johanns Bruder, der Herzog Anton vonBrabant, und der Graf Philipp von Nevers fielen, der Herzog vonOrleans gefangen wurde. Nach dem Siege herrschte in Paris, wosich die Stellung der Parteien zu entscheiden Pflegte, der zum Connetableernannte Gras Armagnac, und unter seiner Herrschaft stand auch Karls VI.jüngster Sohn Karl, dcr nach dem Tode Ludwigs im Jahre 1415 undeines andern Bruders im Jahre 1417 der Dauphin war. Jeden an-dern Einfluß zu beseitigen, verbannte dcr Gewalthaber die KöniginIsabelle, indem er die Zügellosigkeit ihres Hofes zum Vorwände nahm,nach Tours. Doch der Druck seiner Herrschaft lenkte Vieler Blickewieder ans den Herzog von Burgund, und dieser befreite im Jahre 1417die Königin, die die Regentschaft, als ihr gebührend, mit dem Herzogeführen zu wollen erklärte. Im folgenden Jahre kam der Burgunder durchein angeknüpftes Einverständniß in den Besitz von Paris, und seinemEindringen folgte der wildeste Aufstand des Volkes gegen die Partei Ar-magnacs, die als die Partei des Adels verhaßt war und für den alleinigenUrheber endlosen Leidens galt. Ein allgemeines Morden, dem auchdas Haupt der Partei nicht entging, tobte durch die Stadt, und derHerzog, der davon für seine eigne Herrschaft Gefahr fürchtete, konntenach vergeblichen Versuchen nur dadurch einige Ruhe schaffen, daß ereinen Theil der Bevölkerung auswärts zur Bekämpfung der geschlagenenGegner verwendete. Der Dauphin, der von du Chatel, einem derArmagnaken, in die Pastille gerettet worden, hatte nach vergeblichemVersuche auf die Stadt fliehend Melun erreicht. Er bildete jetzt das