520 Frankreich und England in den beiden nächsten Jahrhunderten
bestätigte das Geschehene. Heinrich IV., bisheriger Herzog von Lancaster,durch seinen Vater Johann ein Enkel Eduards III., bestieg den Thron,und Richard wurde zu beständiger Haft verurtheilt, in welcher er schonim Jahre 1400, man weiß nicht auf welche Weise, das Leben endete.Heinrich IV. ( 1399 —1413) hatte zu erfahren, wie viel leichter es ist,an der Spitze eines selbstsüchtigen Adels einen nicht geliebten Königzu stürzen, als an dessen Stelle sich gegen die Parteigenossen zu be-haupten. Der Gedanke an die Nnrechtmäßigkeit seiner Regierung undEmpfindlichkeit über die Erhöhung eines ihnen Gleichen unterhielt beiden Adeligen eine Stimmung, durch welche seine Stellung sehr unsicherwurde, und er hatte mehr als einmal Verschwörungen, die gegen ihngemacht wurden, zu unterdrücken. Seine Stütze mußte er im Parla-mente suchen, und die Folge davon war eine vergrößerte Selbstständigkeitdes Unterhauses oder Hauses der Gemeinen, das sich die unabhängigeWahl der Abgeordneten, Freiheit der Berathnngcn, Unantastbarkeit seinerMitglieder, Einfluß auf Gesetzgebung und Aufsicht über Erhebung undVerwendung der bewilligten Stenern sicherte.
12. Frankreich gegenüber schien der König nur abzuwarten, welchevon den dort streitenden Parteien, die beide mit ihm unterhandelten, ihmdie meisten Vortheile bieten würde. Niemand wahrte dort selbstischenBestrebungen gegenüber den Vortheil des Reiches. Den König, dessenGeistesverwirrung immer kürzere Zwischenräume unterbrachen und derauch dann dem Einflüsse seiner Umgebung unterworfen blieb, konnte derDauphin Ludwig nicht ersetzen, da ein zügelloses Leben ihn weder zuKraft noch zu Gesinnung kommen ließ. Schon im Jahre 1412 hattedie Armagnacsche Partei, die den Hof beherrschte, ein Bündniß mitHeinrich IV. geschloffen. Der Krieg kam nicht zum Ausbruche, weilHeinrich im folgenden Jahre starb und sein Sohn Heinrich V. (1413bis 1422), der für die erste Zeit seiner Negierung, sich selbst zu be-festigen, freie Hand haben mußte, einen Waffenstillstand schloß. In-zwischen kamen die französischen Parteien von dem Gedanken, sich mitHülfe Englands zu befehden, zurück. Im Jahre 1413 gelangte, währenddie Armagnacschen Häupter von Paris fern waren, der Dauphin daselbstzur Gewalt. Nachdem aber einer seiner Anhänger einer von dem Her-zoge Johann aufgeregten Partei unter den Bürgern die Stadtfestung,die von Karl V. gebaute Bastille, hatte übergeben müssen, knüpfte erUnterhandlungen mit dem Hofe an, welche den Sieg der ArmagnacschenPartei über den Herzog von Burgund herbeiführten. Im Jahre 1414kam es zu einem Kriege gegen den Burgunder, in welchem der Königdie Oriflamme ergriff. Johann, dem seine flandrischen Unterthanen dieUnterstützung weigerten, mußte zu Arras durch seinen Bruder Antoneinen Vergleich schließen. Dieser Vergleich, wie so viele frühere, hemmte