518 Frankreich und England in den beiden nächsten Jahrhunderten
wieder zu erweckende Feindschaft der beiden Parteien in der Feindschaftder Fürsten die Gelegenheit zu neuem Ausbruch. Die Ermordung desHerzogs von Orleans, die im Jahre 1407 durch Leute des Burgundersgeschah, beraubte die Partei nur eines Hauptes. Johann, der nachder That Paris verlassen hatte, kehrte mit Truppen aus Flandernzurück und ward von seiner Partei freudig empfangen. Als aber Un-ruhen in den Niederlanden, veranlaßt durch einen Aufruhr der Lüttichergegen ihren Bischof, dort sein Einschreiten forderten, erhielt die Gegen-partei ein neues Haupt in dem Grafen von Armagnac, dem Schwieger-vater des jungen Herzogs Karl von Orleans, dessen Name zum Name»der Partei ward, wie der Name Burgund auf der andern Seite. DerSieg, den Johann über die Lütticher davontrug, brachte Schrecken unterdie Großen und Jubel unter das Volk von Paris. Nach seiner Rück-kehr bildete sich in der Hauptstadt zum dritten Male eine roh gewalt-thätige Herrschaft der Zünfte, die in andern Städten Nachahmung fandund das ganze Land mit Frevelthaten erfüllte, da Feindschaft und Hab-sucht ohne Scheu ihre Opfer wählten, um sie unter dem Namen vonArmagnaken zu vernichten. Der Zustand des Landes wurde nicht besser,als im Jahre 1413 die Armagnacsche Partei die Oberhand erhielt. Ar-magnacs Söldner wütheten nicht minder im Lande, als die burgun-dischen. Die inneren Stürme zogen einen neuen Angriff Englandsherbei. Die streitenden Theile suchten selbst in England Hülfe undweckten dort den Gedanken an Wiedereroberung des in Frankreich Ver-lorenen, wozu jetzt eine lockende Gelegenheit vorhanden war. So sehrdadurch das Elend Frankreichs vermehrt wurde und so tief es sich da-durch, daß es einem Fremdlinge seinen Thron besteigen half, erniedrigte,erhob es sich doch, da während des Kampfes die innere Zwietracht ge-stillt wurde, aus der Erniedrigung zu der alten Macht. Doch es warnicht der Weg Ludwigs des Heiligen, auf welchem die Herrscher dieseMacht befestigten.
11. England hatte in der Zeit Eduards III., wo die Kriege mitFrankreich, besonders die unglücklichen der letzten Zeit, die Kräfte desLandes anstrengten, seine das Königthum beschränkende Verfassung immermehr ausgebildet. Die Macht des Parlaments wuchs durch die häu-figeren Berufungen, und es ward bald sein Recht, jährlich zusammen-zutreten. Da jedoch die Städte einen besonderen Vortheil zu verfolgenhatten, hielten ihre Abgeordneten besondere Berathungen, und die Ab-geordneten der Ritterschaft, oder der freien Grundbesitzer ritterlicher Ab-kunft, fanden den Vortheil ihres Standes so sehr dem der Städte ver-wandt, daß sie sich deren Berathungen anschlossen. So bildete sich dasUnterhaus des Parlaments neben dem aus den Abgeordneten der Prä-laten und der Lehensträger oder Barone bestehenden Oberhause. Unter