514 Frankreich und England in den beiden nächsten Jahrhunderten
unter Johann in dem bretagnischen Erbfolgestreite als Anhänger derfranzösischen Partei überraschende Proben von Tapferkeit und Schlauheitgegeben und sich für eine ihm in der Jugend wegen seiner Häßlichkeitbewiesene Geringschätzung reichlich entschädigt hatte. Zunächst beendigteVerwand einen Krieg, welchen der durch die Entscheidung über Burgundgereizte Karl von Navarra von seiner normannischen Grafschaft Evreuraus in der Normandie erregt hatte. Um dieselbe Zeit endete der Kriegin Bretagne dadurch, daß König Karl den französischen Schützling, derim Nachtheil geblieben war, aufgab und den Schützling Englands an-erkannte und belehnte. Der Krieg mit England erneuerte sich aufspanischem Boden. Castilien hatte König Peter der Grausame, derZeitgenosse des gleichnamigen und mit gleichem Beinamen gebrandmarktenKönigs von Aragonien, durch frevelnde Willkühr und zügelloses Lebenin solche Verwirrung gestürzt, daß eine Partei seinen unächtcn Bruder,den Grafen Heinrich von Trastamara, ihm als König gegenüberstellte.Die Theilnahme an diesem Kriege eröffnete für Frankreich die Aussicht,sich von den immer noch das Land quälenden Söldnern zu befreien.Bertrand, den der König aus der Gefangenschaft des siegreichen Herzogsvon Bretagne ausgelöst hatte, führte ein aus denselben gebildetes Heerzur Unterstützung des Grafen Heinrich nach Castilien. Dagegen erhieltPeter die Hülfe des im englischen Frankreich die Statthalterschaft führen-den schwarzen Prinzen. Karl der Böse von Navarra, der sich erst aufHeinrichs Seite gestellt und dem französischen Hülfsheere den Durchzuggestattet hatte, trat zu Peter und dem schwarzen Prinzen über. Nachmanchen Glückswechseln gewann die Partei Heinrichs die Oberhanddurch den im Jahre 1368 bei Montiel am Fuße der östlichen SierraMorena erfochtenen Sieg, und Peters im Jahre darauf erfolgter Todbefestigte den neuen Herrscher. Dagegen kehrte der schwarze Prinzkrank aus Spanien zurück und war durch seine Söldnerheere, die erweder bezahlen noch entlassen konnte, in Verlegenheit. Zugleich regtesich in der den Engländern untergebenen französischen Bevölkerung einedurch harte Regierung veranlaßte Unzufriedenheit, die bei dem im Laufeder Kriege stärker ausgebildeten nationalen Gegensätze immer drohenderwurde. Die Verhältnisse waren für Karl so günstig, daß er schon imJahre 1368 vor Bertrands Rückkehr aus Castilien den Krieg an Eng-land erklärte. Die Besonnenheit, mit welcher von französischer Seitedem Kampfe im Felde ausgewichen, dagegen eine Stadt nach der andernerobert wurde, schränkte die Engländer immer mehr ein. Gegen denKönig von Navarra, der sich auf englische Seite schlug, hatte Karleinen treuen Bundesgenossen an dem kastilischen Könige. In den Nieder-landen kam dem Könige von England der durch die burgundisch-flandrischeHeirath befestigte französische Einfluß zuvor. Der schwarze Prinz kehrte,