494 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
Altcrthums sich in Denkart nnd Leben einschlcichcndes Heidenthum unter-nahm. Sein Nachfolger Sirtus IV. (1471—1484) aber fing an, Schmachüber die Kirche zu bringen, indem er seine geistliche Gewalt weltlichenZwecken dienstbar machte. Dadurch entstand eine gefährliche Verwirrungin den Vorstellungen der Menschen über das Wesen des Papstthums,indem das von der Person gegebene Aergerniß der Achtung des AmtesEintrag that und in der Folge ein Widerstreben gegen die Kirche sichin einer der Menge zusagenden Weise durch Hinweisung auf unwürdigesVerfahren bei der kirchlichen Negierung vertheidigen konnte. Wie aberdie in Italien ausgebildete selbstsüchtige Staatskunst auch auf dem Päpst-lichen Stuhle Platz zu nehmen anfing, mußte sich das Nebel recht fest-setzen, da ein von weltlichen Zwecken geleiteter Papst auch die Cardinälenach seinem Sinne ergänzte, und der unter den Cardinälen vorherr-schende Sinn wieder die Papstwahl bestimmte. Sirtus' Bemühen, seineFamilie auf Kosten des Kirchenstaates mit weltlicher Macht auszustatten,erregte ein Widerstreben der Familie der Medici, welcher die Bildung einesneuen weltlichen Fürstenthums in der Nähe als eine Gefahr erscheinenmußte. Dies brachte bei dem Papste Theilnahme an Bestrebungen hervor,welche in Florenz auf einen Sturz der Familie gerichtet waren. AufCosimo waren nach kurzem Walten seines Sohnes Peter (1464—1469)seine Enkel, Lorenzo der Prächtige und Julian, gefolgt. Gegen sie entludsich Parteihaß mittelst einer von der Familie der Pazzi angestifteten Ver-schwörung im Jahre 1378 durch einen während des Gottesdienstes in derKirche gemachten Mordversuch. Der Plan schlug fehl, indem Lorenzoden Dolchen entging. Die Rache, welche Urheber und Theilnehmer derVerschwörung traf, veranlaßte den Papst, die Florentiner wegen derüberhaupt gegen den römischen Stuhl beobachteten Haltung mit geist-lichen Strafen heimzusuchen. Die Florentiner ließen sich Rechtsgutachtengeben, wodurch das auf sie gelegte Jnterdict für unverbindlich erklärtwurde, und hofften gegen einen Krieg, den Sirtus in Verbindung mitdem König Ferdinand ihnen drohte, Hülfe von dem französischen KönigeLudwig XI. So schwächte sich das päpstliche Ansehn durch die Verir-rung seines Trägers, es für etwas Anderes, als die Kirche, zu verwenden.Erst der Schrecken, den die Eroberung von Otranto erregte, stimmteden Papst zur Nachgiebigkeit und führte zu einer Versöhnung. Dennochkam Sirtus bald in ähnliches Verhältniß zu Venedig, mit dem er wegenseines auf Gründung eines weltlichen Fürstenthumes gerichteten Planesein Bündniß gegen das Haus Este geschloffen hatte und über das er,als es nach seinem Rücktritt den Krieg allein sortsetzte, mit gleich trau-rigem Erfolge, wie vorher über Florenz, geistliche Strafen ausschüttete.Sein Nachfolger Jnnoccuz VIII. (1484—1492), der durch seinenWandel nicht bloß vom päpstlichen Stuhle, sondern vom geistlichen