490 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
Ländern war durch die Gründung von Anstalten gedient, die das Zu-strömen von Fremden beförderte. Darauf übten vor Allem die großenKämpfe Einfluß, die auf dem kirchlichen Gebiete geführt wurden. Hattendiese Kämpfe eine Menge wissenschaftlicher Kräfte auf die Bühne derBegebenheiten gebracht, so mußte die Sicherung der geistigen Güter, dievon jenen Kämpfen berührt wurden, Anstalten für eine den höchstenBedürfnissen der Menschheit dienende Wissenschaft nothwendig machen.
So spinnt sich hinter den lauten und sichtbaren Begebenheiten, die sichan das beständige Streben nach Sicherung des Bestehens und Aus-gleichung der Ansprüche knüpfen, eine Thätigkeit fort, die von Zeit zuZeit mit ihren Ergebnissen neue Bewegungen hervorruft, da gerade dieAusdehnung wissenschaftlicher Thätigkeit und die Verallgemeinerungwissenschaftlicher Ansichten auch Anspruch gibt, au Gestaltung der großenLebensverhältnisse mitzuarbeiten und bei der Gährung, welche die Wissen-schaft in die Gemüther bringt, die Theilnehmer jener Arbeit in ver- sschiedene, oft in entgegengesetzte Richtungen treibt. !
49. Den Zustand Deutschlands bezeichnen von den Fehden am mei- Hsten die pfälzische, die brandenburgisch-baierische, die thüringische und dieschweizerische. Von den Söhnen des Kurfürsten Lndwig von der Pfalzübernahm, da der ältere gestorben war, für dessen unmündigen Sohnim Jahre 1452 der jüngere, Friedrich der Siegreiche, mit landständischerEinwilligung die Negierung. Da der Kaiser hierzu die. Genehmigungversagte, glaubten sich die Nachbarn des pfälzischen Fürsten, worunterder Erzbischof von Mainz, der Markgraf von Baden und der Graf vonWürtemberg, da sie ohnehin mit ihm im Streite begriffen waren, zuAngriffen auf ihn berechtigt. Die Fehde, die sich hieraus entspann,verflocht sich mit der brandenburgisch-baierischen. Herzog Ludwig von fBaiern aus der Linie von Landshut überfiel die Reichsstadt Donau- j
werth, auf die er Ansprüche zu haben behauptete. Dies führte ihn, da s
er nun neben dem pfälzischen Kurfürsten als Störer des Landfriedens l
stand, in Bundesgenossenschaft mit demselben, und da gegen beide der ß
Kaiser Neichshülfe aufbot, verbreitete sich ein verheerender Krieg über f
Baiern, Franken und Schwaben, in welchem Markgraf Albrecht von s
Brandenburg, Besitzer eines Theils der zollern'schen Länder in Franken, j
das Reichsheer führte. Bis in's Jahr 1462 dauerte derselbe, und der ^
Baierherzog mußte auf Donauwerth verzichten, während Friedrich der E
Siegreiche sich im Besitze seiner Herrschaft behauptete. Mit diesem ?
Kriege hatte sich eine Fehde um das Erzbisthum Mainz verbunden, in- s
dem der ursprünglich auf der Seite der Feinde des Pfälzer Kurfürstenstehende Erzbischof von Papst Pius H. wegen Widersetzlichkeit abgesetzt i
wurde und sich nun mit Hülfe seines bisherigen Gegners wider den an !
seine Stelle ernannten Erzbischof zu behaupten suchte. Das Ergebniß k