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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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488 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten

ließ, aber Matthias für Lebenszeit die drei Nebenlande und den Titeleines Königs von Böhmen zusprach. Der Friede zwischen Matthiasund Friedrich war nicht von Dauer, da Friedrich die Bedingungen desFriedens nicht erfüllte. Ungeachtet eines Einfalles der Türken konnteMatthias, da seine Heerführer gegen dieselben glücklich waren, Oestreichvon Neuem heimsuchen, Wien erobern und den Theil Oestreichs unterder Ens besetzt halten, ja in Wien seine Wohnung nehmen. Das deutscheReich sah diesen Ereignissen zu, und als es Hülfe sandte, richtete die-selbe gegen den ungarischen König nichts aus. Erft dessen Tod gabdem Reiche und Oestreich sein Gebiet zurück, und nun standen alle öst-reichischen Länder unter Friedrich, da dieser im Jahre 1487 durch dieLandstände Tirols, die mit Sigismund unzufrieden waren, Tirol mitVorderöftreich erhalten hatte und der kinderlose Sigismund von einemJahrgehalte lebte. Matthias' Tod, der im Jahre 1490 zu Wien er- !folgte, erregte, da er keine rechtmäßigen Nachkommen hatte, in Ungarn ^einen großen Streit um die Nachfolge zwischen seinem unehelichen Sohne jJohannes Corvinus, Wladislaw, Wladislaws Bruder Albrecht, der iKönig von Polen war, und Friedrichs Sohn Maximilian. Durch die ^Bemühungen von Matthias' Wittwe ging Wladislaw aus diesem Kampfe ^als Sieger hervor und Böhmen und Ungarn waren jetzt in andererWeise vereinigt, als Matthias es gewollt hatte. Die Vereinigung beiderReiche mit Oestreich aber, das nicht aufgegebene Ziel öftreichischen Be-mühens, wurde lange nachher durch eine Doppelheirath zwischen Wla-dislaws Kindern und Maximilians Enkeln erreicht.

48. Während der ganzen Zeit, da die Ereignisse im Osten dieChristenheit mit Angst erfüllten, und an den Ostgrenzen DeutschlandsBewegungen, die für die Zukunft des deutschen Reiches die größte Wich-tigkeit hatten, vorgingen, war im Reiche selbst kein Stand für einen l

ihn nicht selbst unmittelbar betreffenden Zweck in Bewegung zu setzen. ^

Reichstage wurden mehr als je gehalten, da neben jenen Angelegen- ss

Hellen des nähern und fernem Ostens die durch das Basler Concil -

verursachten Wirren und die häufigen, zum Theil sehr ausgedehnten s

Fehden reichlichen Stoff zu Berathungen gaben. Aber die Zahl der i

Reichstage stand Ln auffallendem Gegensätze zu ihrer Erfolglosigkeit. Das i

Neichsoberhaupt verkehrte auf denselben mit dem Reiche nur aus der zFerne, indem es nur durch Abgeordnete an denselben Theil nahm. 7

Friedrich war auch in der That ein Neichsoberhaupt, welches nach der ,!

Art seines Waltens dem damaligen Zustande des Reiches nur zu sehr !

entsprach. Durch die Angelegenheiten seines Hauses fortwährend überseine Kräfte beschäftigt, mit seinem Bruder Albrecht in beständigem, oftblutigem Zwiste, hätte er auch bei größerer Thatkraft wenig Raum ge-funden, in einem Reiche königlich zu walten, wo Alles danach einge- k