478 Das römisch-deutsche Reich in den beide» nächsten Jahrhunderten
führte, die kaiserliche Krone, und konnte auf die Verhältnisse Italiensnur durch Friedensvermittlnng zwischen dem Papste, Florenz, Mailandund Venedig, auf die Verhältnisse der Kirche nur durch Friedensver-mittlung zwischen dem Papste und dem zu demselben in Gegensatz ge-tretenen Baseler Concil cinwirken. Während dieses Aufenthaltes inItalien verlieh er dem Hause Gonzaga die herzogliche Würde im Jahre1432, wie er schon im Jahre 1416 den Grafen Amadeus VIII. vonSavoyen zum Herzoge erhoben hatte. Dem deutschen Reiche aber leisteteer einen Dienst dadurch, daß er die Kronen von Böhmen und Ungarnan einen deutschen Fürsten brachte, der dadurch die Kraft erhielt, Deutsch-lands Grenze im Osten zu vertheidigcn. Da er keinen Sohn hatte,bestimmte er seinen Schwiegersohn, Herzog Albrecht V. von Oestrcich,den Inhaber des Herzogthnms Oestreichs, nachdem er ihn schon währenddes böhmischen Krieges mit Mähren belehnt hatte, zum Nachfolger.Dieser erhielt so eine reichliche Entschädigung für das Mißlingen einesim Jahre 1425 beim Erlöschen der niederbairischen Herzogslinie geheg-ten Planes, da Niederbaiern, das er als Sohn einer Schwester desverstorbenen Herzogs in Anspruch nahm, unter die vier gleichzeitigregierenden Glieder der drei Linien von Ingolstadt, Landöhut undMünchen vertheilt wurde.
43. Als Sigismund im Jahre 1437 zu Znaym in Mähren gestorbenwar, ward im Jahre 1438 Albrecht auch von den Kurfürsten zum deut-schen Könige gewählt, und die Stände Ungarns entbanden ihn von demfrüher ihm abgenommenen Versprechen, die deutsche Krone nicht anzu-nehmen. Nach dem Erlöschen des luxemburgischen Hauses war, wenndas Reich einen Fürsten von eigner Macht haben sollte, das östreichischedas geeignetste, und Kurfürst Friedrich von Brandenburg, hervorragenddurch Länderbesitz und persönliche Eigenschaften, wirkte im Sinne Sigis-munds für den östreichischen Herzog. Hiermit war die deutsche Kronevon Neuem an Oestreich gebracht, und von dessen Fürsten wurde sievon nun an fortwährend getragen. Der neue König hatte nur wenigZeit, seine vorzüglichen Eigenschaften für seine Reiche fruchtbar zu machen.Böhmen mußte er sich erobern, weil die utraquistische Partei aus Furchtvor Albrcchts kirchlichem Eifer gemeinschaftlich mit den Taboriten gegendie Katholiken, die ihn anerkannt hatten, den zweiten Sohn Jagello's,den Bruder des in Polen regierenden Wladislaw, zum Könige verlang-ten. Mit brandenburgischer Hülfe, die Friedrichs Sohn Albrecht Achillesleistete, wurden die Utraquisten und die in Schlesien eingefallenen Polenbesiegt. Ein Waffenstillstand erlaubte dem Könige auf den aus Ofenan ihn ergangenen Ruf seiner Gemahlin nach Ungarn zur Abwehr derTürken zu eilen. Mohammeds I. Sohn Murad (1422—1451) über-schwemmte mit einem türkischen Heere, dem sich die christlichen Heere