476 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
die Mönche, mit Grausamkeit. Ein Ritter vom Hofe des Königs, Ziska,sammelte ans einem Berge, wo ein Schloß stand, Tausende von Anhän-gern der neuen Lehre, die davon den Namen Taboriten erhielten, einenNamen, der im Laufe der Zeit einer alles Kirchenthum umstürzendenPartei unter den Husstten eigen wurde. Diese Schaaren kamen nachPrag, hielten Umzüge mit dem Kelche und stürmten das Nathhans, wodie Nathe zu den Fenstern hinansgeworfen und unten ermordet wurden.Darauf starb Wenzel im Jahre 1419, und Sigismund, der sich im süd-lichen Ungarn befand, hatte nun einen Krieg zu führen, der zugleich einKrieg gegen die Anhänger der Irrlehre und ein Krieg für seine Herr-schaft in Böhmen war. Die Aufrührer waren im Vortheil durch ihreErbitterung, durch ihre Uebereinftimmung in dem Haffe gegen die Kirche,die Deutschen und den König, durch die Leichtigkeit, womit ihr Land sichverthcidigen ließ, und durch die Geschicklichkeit, die ihre Heerführer sichbald erwarben. Der König war kein Feldherr, hatte kein Geld undmußte die Hülfe aus Deutschland, dessen Fürsten hierbei keinen Vortheilfanden, immer mühsam und auf kurze Zeit erkaufen. Dazu kam, daßdas benachbarte Polen keine Hülfe leistete und selbst Kurfürst Friedrichvon Brandenburg, theils in seinem Lande zu beschäftigt, theilö durcheignen Vortheil mit Polen gegen den deutschen Orden verbunden, nurmit geringem Erfolge an dem Kampfe Theil nahm. Zwar ging derKönig auf Friedrichs Rath ein, die Angelegenheiten der Religion vondem Kampfe um sein Erbland zu trennen und sie dem Baseler Concil zuüberlassen; doch als im Jahre 1424 Ziska gestorben war und die Hus-siten die beiden Prokope zu Führern erhalten hatten, trugen sie den ver-heerendsten Krieg in die Nachbarländer. Heere von Kreuzfahrern, dieein anwesender Legat des Papstes aufbot und ihnen entgegenführte,mußten zurückweichen. Oestreich, Ungarn, Mähren, Schlesien, Lausitz,Brandenburg, Sachsen, Meißen, Franken und Baiern wurden von ihnenheimgesucht. Sie unterstützten die Polen gegen die deutschen Ritter undkamen im Jahre 1433 bis nach Pommern und vor Danzig. Erst dieUnterhandlungen, in die sich das Baseler Concil mit ihnen einließ,setzten dem Kriege ein Ziel. Die gemäßigtere Partei, die der Calirtiner,nahm beruhigende Erklärungen und Zugeständnisse an und erhielt mittelstdes Einigungsvertrages oder der Prager Compactaten namentlich denGenuß des Abendmahles unter beiden Gestalten mit der Bedingung, daßdas Volk über die Zulänglichkeit des Genusses unter einer Gestalt belehrtwerde. Dadurch entstand ein Kampf der Taboriten mit den übrigenBöhmen, und eine Niederlage im Jahre 1434 bei Böhmischbrod, wo dieProkope fielen, brach sie dermaßen, daß Sigismund nun in BesitzBöhmens kam, obgleich die Eifersucht der Calirtiner auf die geschehenenEinräumungen und der Wunsch der Katholiken, die Einheit auch im