474 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
einerseits und die sieben übrigen Orte anderseits begannen den Krieg,und die habsburgischcn Besitzungen in Helvetien mit alleiniger Ausnahmedes Thurgaus fielen in ihre Hände, worunter der Aargau als Zuwachsdes Berner Gebietes. Andere dem Herzog abgenommene Orte wurdenzum Reiche gezogen. Nachdem gewaltsames Verfahren gegen das Ge-biet des Bisthums Trient ihm neue Angriffe zugezogen hatte, kam einFriede zu Stande, der ihm die Besitzungen in Elsaß und Breisgau,nicht aber die in Helvetien znrückgab. Diese neuen Erfolge schweizeri-scher Waffen waren wieder von Regungen der Freiheit in der Nach-barschaft begleitet, wodurch in der Zukunft dem Bunde neue Gliederzugcführt werden sollten. In dem Alpenthale der Rhone, Wallis ge-nannt, in dessen oberem Theile der Bischof von Sitten Grafenrechte übte,in dessen unterem Theile Savoyen nach Herrschaft trachtete, erhob sichdas Volk zum Schutze seiner Freiheit und brach die Burgen des vonSavoyen unterstützten Bischofs sowie eines dem Bischöfe verwandten,wegen ungünstiger Gesinnung verhaßten Herrn von Naron. Es ent-stand im Jahre 1417 eine Verbindung mit den benachbarten OrtenLuzern, Unterwalden und Uri, und die Verbündeten versuchten, obgleichAnfangs ohne Erfolg, Eroberungen auf der italienischen Seite derAlpen im Flußgebiete des Tessin auf Kosten des Herzogthums Mailand.In dem ladinisch redenden Rhätien zwang im Jahre 1424 das Landvolkin den obersten Nheinthälern, jenseits des Gotteshausbundes, den Adelzum Abschluß eines Bundes, der ihn an Rechten ihm gleichftellte. DieserBund hieß der graue Bund. Kurz nachher im Jahre 1436 geschahGleiches in dem unterhalb des Gotteshausbundes gelegenen Nheinthaleund dem Prettigau durch die Bewohner von zehn Gerichtsbezirken, derenBund daher der Bund der zehn Gerichte genannt wurde. Diese Bündewuchsen durch allmäliges Anschließen solcher Orte, die sich der Herr-schaft benachbarten Adels oder dem über das anstoßende Tirol herr-schenden Oestreich entziehen wollten, und beide vereinigten sich im Jahre1468 mit dem älteren Gotteshausbunde zu einem Gesammtbunde, dessenGebiet nach dem Namen des am höchsten in den Alpen gelegenenBundes Graubünden genannt wurde. Das Concil von Constanz hattedurch den Aufwand, den es erheischte, die Geldverlegenheit des durchseine Kriege gegen Venedig und Mailand erschöpften Sigismund ver-mehrt. In solcher Noth war seine Hauptstütze der Burggraf Friedrich.Das Burggrafthum hatte sich, während das burggräfliche Amt erlosch,zu einem bedeutenden Fürstenthume erweitert, welches aus zwei Theilenbestand, dem oberen an den Abhängen des Fichtelgebirges und desböhmischen Waldes, dem untern an der Westseite der oberen Regnitz,mit den Hauptstädten Baireuth am rothen Main und Ansbach an derNetzat. Friedrichs Schuldner war Sigismund schon vor dem Concil