472 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
tige Königreich Neapel eine neue Dynastie erhielt. Auf Ladislaus warseine lasterhafte Schwester Johanna II. gefolgt. Nach dem Tode ihresersten Gemahls, Herzogs Wilhelm von Oestreich, des ältesten SohnesLeopolds II., hatte sie sich mit einem Sprößlinge des von Ludwigs desHeiligen zweitem Sohne Robert abstammenden Hauses Bourbon, demGrafen Jakob von Marche, vermählt, ohne daß dieser königliche Rechteausüben sollte. Als derselbe an dem sittenlosen Hofe Ordnung einführenwollte, regte sich, da er sich dazu hauptsächlich der mit ihm gekommenenFranzosen bedienen, auch gegen Mächtige streng und gewaltsam verfahrenmußte, gegen ihn die Eifersucht der Einheimischen, und er verließ, wieer seine Stellung unhaltbar sah, im Jahre 1419 seine Gemahlin unddas Land, um den Rest seines Lebens im Mönchsstande zuzubringen.Dadurch kam sowohl Johanna aus eingeschränkter Lage, als auch dervorher einstußreiche Condottiere Sforza, der Vater des nachherigen Her-zogs von Mailand, seinen Einfluß wiedergewanu. Sforza aber geriethin ein gespanntes Verhältniß zu Caracciolk, einem Lieblinge der Königin,und ward dadurch veranlaßt, in den Dienst Ludwigs III. von Anjou zutreten, als dieser unter Zustimmung des Papstes Martin die Ansprücheseines Hauses auf Neapel geltend zu machen versuchte. Nun nahm dieKönigin, um einen Rückhalt zu gewinnen, den König Alphons V. vonAragonien vermöge einer Adoption zum Erben ihres Reiches an, undes begann ein Kampf, der Neapel unter aragonische Herrschaft brachte.Das aragonische Reich hatte schon unter Jakob H. die Insel Sardinien,auf welche der päpstliche Stuhl ihm Ansprüche gegeben, im Jahre 1327durch Siege über die Einheimischen und die den größten Theil beherr-schenden Pisaner an sich gebracht. Jakobs Enkel, Peter IV., der Grau-same, hatte auch das Königreich Majorka damit vereinigt. Jetzt ebenwar Alphons bemüht, das den Genuesen gehörige, aber in fortwähren-dem Aufstande gegen dieselben begriffene Corsika zu erobern. Den Be-herrscher eines so mächtigen Reiches, zu dem auch Sicilien gehörte, zumNachbar zu erhalten, mußte für den Papst sehr unerwünscht sein, unddie Stellung, die er demgemäß gegen denselben einnahm, vermochtediesen zu dem Versuche, das in Constanz getilgte Schisma fortzusetzenund zu erneuern. Alphons, der um des neuen Reiches willen die Er-oberung von Corsika aufgegeben, erreichte sein Ziel nicht so bald, da dieKönigin, von ihrem bisherigen Liebling geleitet, sich mit ihm entzweite undsich während eines durch den Papst vermittelten Waffenstillstandes mitSforza versöhnte. Auf Sforza gestützt widerrief sie im Jahre 1421zu Gunsten Ludwigs die Adoption des Aragoniers, und ehe der Krieg,den dieser von Neapel aus fortsetzte, sein Ende erreichte, starben Sforzaim Jahre 1422, der Papst im Jahre 1431, Caraccioli und Ludwig imJahre 1432 und Johanna im Jahre 1435. Die Königin hatte die An-