Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
469
Einzelbild herunterladen
 

nach dem Ende der Kreuzzügc.

469

lungen über seinen Rücktritt begonnen, die er durch Doppelzüngigkeit zuverlängern wußte. Da begann ein förmliches Verfahren gegen ihn,nach welchem er, ohne auf die Vorladung erschienen zu sein, förmlichabgesetzt wurde. Der Burggraf Friedrich von Nürnberg, jetzt auchMarkgraf von Brandenburg, bemächtigte sich zu Freiburg im Breisgaudes Abgesetzten, der einige Jahre in Haft gehalten wurde. Darauferfüllte Gregor sein Versprechen. Um Benedikt gleichfalls zum Rück-tritte zu bewegen, begab sich Sigismund zu einer schon früher bespro-chenen Zusammenkunft, die in Perpignan statt hatte. Die Hartnäckigkeit,womit Benedikt die Verhandlungen zu vereiteln suchte, machte im Jahre1416 das Reich Aragonien, das nebst Schottland noch allein ihn aner-kannte, von ihm abwendig, und das Concil setzte ihn im Jahre 1417ab. Dennoch betrug er sich in der Stadt Peniscola im Gebiete vonValencia als Papst und erhielt später, als der König von Aragoniensich mit dem durch das Concil gewählten Papste entzweit hatte, sogarnoch einen Nachfolger. Als die drei Päpste beseitigt waren, erhob sichdie Frage, ob zuerst die Wahl eines neuen Papstes oder das Werk derReformation vorgenommen werden solle. Unter der Forderung derReformation, die man auch näher als eine Reformation an Haupt undGliedern bezeichnet, war eine Menge von Forderungen begriffen, diesich theils auf das Leben des Klerus, theils auf das Maß päpstlicherBefugnisse den Bischöfen und den Nationen gegenüber bezogen. In derersteren Beziehung konnte ein Concil nur die unveränderlichen Grund-sätze zu erneuter Anerkennung bringen, den Entschluß zu deren Befolgungstärken und Einrichtungen suchen, welche deren Wirksamkeit erhöhten undsicherten. Alles dieses konnte unter Leitung eines Papstes nur um sobesser geschehen. In der letzteren Beziehung aber handelte es sich umeine Beschränkung päpstlicher Machtvollkommenheit und die hierzu er-forderlichen Maßregeln glaubte man bei dem Gegensätze, in welchen dieGewalt des Papstes und die Gewalt des Concils getreten waren, besservor der Wahl eines neuen Papstes treffen zu können. Der Papstwahlwollten die Italiener, die Franzosen und die seit Benedikts Absetzungerschienenen Spanier, der Reformation die Deutschen und die Engländerden Vorzug gegeben wissen. Die Einen fürchteten vom Verschieben derPapstwahl die Entstehung eines neuen Schisma'ö, während ihnen eineAnzahl von Beschlüssen, deren Wirksamkeit doch wieder von dem gutenWillen der Einzelnen abhängig sei, noch nicht die gewünschte Reforma-tion zu sein schien. Die Andern wollten durch die Maßregeln derReformation für den künftigen Papst den Weg geebnet wissen, auf demer zu der seit anderthalb Jahrhunderten aufgegebenen Regierungsweisezurückkehren könne, um dadurch zugleich einem neuen Schisma vorzu-beugen. Die Einen glaubten, eine Anzahl vor der Papstwahl aufge-